Das „Ende des Hitlerismus und die Zertrümmerung der Macht der Achse" werde nicht mehr als unausbleiblickes Ergebnis dieses europäischen Krieges angekünoigt und gepredigt. Der Versuch, die Verantwortlichkeit für den gegenwärtigen Konflikt Deutschland aufzulasten, sei um so lächerlicher, da ja Lord Halifax persönlich die Kriegserklärung an Deutschland unterschrieben habe. Auf die Mahnung zur Vernunft habe England mit „Nein!" geantwortet. Die Verantwortlichkeit dafür, was sich nun &r* eignen werde, falle daher ausschließlich der englischen Regierung und den Plutokraten zur Last.
Aus London abberufen.
Nach italienischen Meldungen hat die rumänische Regierung ihren Vertreter in London, den Gesandten Tilea, abberufen. Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Maßnahme lediglich mit der Person des Gesandten oder mit den sensationellen Enthüllungen über die englisch-französischen Anschläge gegen das rumänische Petroleumrevier zu tun haben. Nach diesen Enthüllungen wäre die Ab» berufung nicht mehr als eine absolute Selbstverständlichkeit. Aber auch persönlich war Herr Tilea längst fallreif. Er vor allem darf das zweifelhafte Verdienst für sich be-anspruchen, Rumänien durch sein Wirken in London indenenglisch^n Garant ievertrag hineingelotst und sein Land da
durch in eine lange Reche folgenschwerster Komplikationen hineingezogen zu haben.
Tilea war vor etwa anderthalb Jahren als völlig unbeschriebenes Blatt nach London gekommen. Da er auch in der Diplomatie so gut wie unbekannt war, hatte er das dringende BÄmrfnis, sich durch besondere Rührigkeit hervorzutun. Da die seinerzeitigen Versuche Rumäniens, in London eine neue Anleihe aufzunehmen, mißlangen, mußte Tilea Vorwürfe seiner Regierung hmnehmen. Im Frühjahr, als England dann in Verfolg seiner Einkreisungspolitik gegen Deutschland in aller Welt mit Garantieangeboten hausieren ging, sah Herr Tilea seine große Stunde gekommen. Er hatte aus völlig obskuren Quellen irgendwelche Gerüchte über angebliche deutsche Maßnahmen gegenüber Rumänien aufgelesen, machte daraus mit HÄfe eines Akten« stückes eine vollendete Tatsache, warf sich in seinen Wagen und fuhr von Minister zu Minister, von Botschaft zu Botschaft, um eine regelrechte diplomatische Sensation in Gang zu bringen. Der Unsinn kam sehr schnell auf und Herr Tilea sah sich selbst in Löndon wegen seiner unverantwortlichen Leichtfertigkeit peinlich bloßgestellt. Es blieb nur erstaunlich, daß im Wechsel der rumänischen Regierungen Herr Tilea in London trotz seiner diplomatischen Unfähigkeit auf seinem Posten belassen wurde. Jetzt hat ihn endlich das Schicksal ereilt.
Kampfflugzeuge und U-Boote vernichten britische Geleitzüge.
Berlin. 24. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: 3m Lause des heutigen Bormittags vernichteten deutsche Kampfflugzeuge einen englischen Geleitzug von fünf Handelsschiffen mit einer Gesamtonnage von 17 000 BRT. Außerdem wurde ein weiteres feindliches Handelsschiff von 4000 BRT. in Brand geworfen.
Der Wehrmachlsbericht
Berlin. 24. Juli. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Ein U-Boot hat aus stark gesicherten Geleit- zögen zwei bewaffnete feindliche Handelsschiffe von insgesamt 14 000 BRT. herausgeschossen und versenkt.
Infolge ungünstiger Wetterlage war die Tätigkeit der Luftwaffe gering. 3n Südengland wurden einige Eifenbahnstrecken und Straßen sowie Rachschublager mit Bomben angegriffen. 3m Zuge der bewaffneten Aufklärung im Kanal und an der englischen Südküste versenkten unsere Kampfflugzeuge durch Bombentreffer zwei Vorpostenboote und ein Vlinensuch- boot und beschädigten eie weiteres Schiff. 3n der Nordsee gelang es einem unserer Kampfflieger, ein U-Boot zu versenken.
3n der Nacht zum 24. Juli warfen britische Flugzeuge über Nord- und Westdeutschland an verschiedenen Stellen Bomben ab, ohne größere Wirkung zu erzielen. Unsere Nachtjäger schossen zwei, unsere Flakartillerie ein feindliches Flugzeug ab. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt.
Deutsches U-Boot von Feindfahrt zurück.
..., 24. Juli. PK. (DNB.) Ueber dem ausgedehnten Hafengelände einem der jüngsten Stützpunkte unserer Kriegsmarine an der französischen Küste liegt noch tiefe Dunkelheit. Es ist Nacht, und doch herrscht aus den Minenräumbooten, die dort am Kai angelegt Haben, schon reges Leben und Treiben. Es wurde gemeldet, daß heute in den frühesten Morgenstunden ein deutsches U-Boot von Feind fahrt zurückkehren wird und zur Auffrischung von Munition und Betriebsstoff diesen Hafen anläuft. Es wird vor der Bucht, in der der Hafen eingebettet liegt, halten und soll von den R-- Booten sicher durch die Minensperren geleitet werden. Kurz nach 5 Uhr, als der'"erste Schein des herannahenden Tages den Himmel erhellt, stoßen die Räumboote vom Kai ab.und dampfen auf das offene Wasser zu. Sie fahren gestaffelt nebeneinander und suchen die Fahrrinne nach Treibminen und sonstigen Ueberraschungen ab.
In der Bucht wimmelt es von Segelbooten der einheimischen Fischer. Hier hinter den Minensperren gehen sie ihrem Tagewerk nach. Ihre Boote führen als Erkennungszeichen auf dem Mast die Trikolore und darüber einen weißen Wimpel. Mit diesem Zeichen versehen, fahren auch Motorkähne und Barkassen an uns vorüber. Vom Ufer aus den großen Werften schallt der Lärm der Arbeit herüber, die hier keinen Tag länger gestockt hat, als es unbedingt notwendig war.
Von der Kommandobrücke aus sehen wir dorthin, wo Wolken und Wasser zu einem grauen Tunst verschmelzen. Endlich siebten wir das U-Boot. Ganz ruhig liegt es auf dem Wasser und wartet
mit abgestellten Motoren. Der Kommandant der R-Boote läßt einen Willkommensgruß Hinüberfunken, und von drüben antwortet Kapitänleutant R o l l m a n n, der Kommandant des heimkehrenden U-Bootes. — Wir wenden, und das U-Boot, das von den Wellen hin- und herschaukelt, folgt uns in kurzem Abstand. Jetzt, im Kielwasser des R-Bootes, kann es -die Minensperre, die den Hafen umgibt, ohne Gefahr durchfahren.
Da steigen hinter uns an dem gepanzerten Korn» mandoturm des U-Bootes eine lange Reihe von Wimpeln auf, so wie ein Jagdflieger von einem erfolgreichen Feindflug in der Luft wackelnd zu feinem Startplatz zurückkehrt, um zu zeigen, daß er der Sieger im Kampfe blieb, geben hier die U«Boot-Männer die erste Kunde von ihren Erfolgen. Sieben weiße und ein roter Wimpel wehen dort. Das bedeutet, daß Churchill sieben Handelsschiffe und ein Kriegsschiff aus seinen Listen streichen muß. Die Zahl der versenkten Tonnen wird durch Flaggenspruch von Bord zu Bord gegeben. Ueber 2 6 000 Bruttoregister- tonnen hat Kapitänleutnant Rollmann und seine tapfere Besatzung versenkt. Ueber 26 000 Tonnen in knapp vier Wochen. Damit erhöht sich die Abschuß, zahl dieses U-Bootes auf über 75 000 Tonnen feindlichen Schiffsraums.
Wenige Minuten später liegt der Heimkehrer an der Hafenmauer. In der Offiziersmesse treffen wir Kapitänleutnant Rollmann. In knappen Sätzen erzählt er uns von dem Einsatz seines U-Bootes. Tagelang mußten sie kreuzen, ohne überhaupt nur einen Feind zu sehen. Dann kamen wieder Tage,
Dominiens sind ausgeblieben, ja Australien hat so- gar durch die Einstellung der Rekrutierungen zu verstehen gegeben, daß es die Opferung von Truppenkontingenten auf europäischen Schlachtfeldern angesichts der heutigen Kriegslage als zwecklos ansehen muß.
Das ist die Lage Englands, in der seine Regierung die Möglichkeit, den Krieg von den britischen Inseln fern^uhalten, rundweg ausschlägt! Gleichzeitig wird das englische Volk mit einem ungeheuren Aufwand an Reklame jeder Art geradezu eingenebelt, so daß es seine wirkliche Lage überhaupt nickt mehr übersehen kann. Es wird daher auch nicht erfahren haben, daß beispielsweise ein namhaftes amerikanisches Blatt, die „New Pork Post" feststem, daß es „für England eine Möglichkeit des Wider st andes gegen einen deutschen Angriff nicht gibt. Diese Feststellung, die auch in anderen Auslandsblättern in den verschiedensten Abwandlungen wiederkehrt, wird unmittelbar im Anschluß an das Nein der englischen Regierung gemacht, das der Außenminister Lord Halifax auszusprechen hatte. Es ist bekannt, daß niemand in England außer den aus Flandern entkommenen Truppen auch nur die leiseste Vorstellung vom modernen Kriege im allgemeinen und von der Wirkung der Luftwaffe im besonderen hat, genau so wenig wie die ftanzösische Bevölkerung sich davon einen Begriff machen konnte, bevor die Weygand-Linie von der deutschen Offensive hinweggefegt wurde.
Das Erwachen aus all den Illusionen in die Regierung, Rundfunk und Presse das britische Volk hinemgesschwätzt haben, wird fürchterlich sein. Aber das wird dann die Regierungscliaue nicht mehr sonderlich interessieren. Denn für Die Machthaber stehen seit Wochen die schnellsten Schiffe und die stärksten Flugzeuge zur Flucht bereit. Die Regierung des britischen Weltreiches wird sich damit vor aller Augen auf das Niveau hinunterbegeben, auf dem sich bereits die Benesch, Beck, Rydz-Smigly, König Haakon, Koht, Biesterfeld, Colijn, ein de Gaulle und Konsorten zusammengefunden haben. Wahrlich, die Regierung Churchill würde sich dann in einer Gesellschaft sehen, deren sie würdig ist. Wie denkt man sich in England eigentlich die Rettung Des letzten brüchigen Restes des englischen Weltreichs-Prestiges in Anbetracht solcher Aussichten? Sßie denkt man sich überhaupt in England einen Kampf gegen eine Wehrmacht, die innerhalb weniger Monate ein halbes Dutzend Heere überrannte?
Englands letzte Verbündete.
Italienische Feststellungen.
Rom, 24. • Juli. (Europapreß.) „England verliert zwar schon das Fell, aber noch immer nicht seine Laster. London gleicht einem Müllhaufen, auf dem die politischen und militärischen Ueberbleibsel seiner traurigen Bündnisse zu finden sind", schreibt „Popolo di Roma". Trotzdem aber, so fährt das Blatt fort, fröne London feinem alten Laster und verzichte nicht auf neuen Gimpelfang. Im englischen Volke und in der Welt versuche London weiter die Täuschung aufrechtzuerhalten, daß England immer noch über Verbündete verfüge. Die letzten Beispiele dieses bei den Regierenden Englands schon zur Manie gewordenen Lasters feien die Anerkennung der vom unsterblichen Genie der Kleinen Entente, von Benesch, geleiteten provisorischen tschecho-slowakiscken Regierung" und jener des „Abessinischen Kaiserreiches Hai le Selassies", des Kaisers Der Sklaverei, Die der englischen Demokratie heilig sei. Benesch nehme seine utovistische Republik ganz ernst, und Der barbarische Tafari lasse sogar eine entsprechende Botschaft los. England habe zwar die Entente cordiale verloren, aber auf diese Weise einen „mächtigen" zweifarbigen Dreibund gewonnen: Georg — Benesch — Tafari.
Das „Giornale b'Jtalia" stellt einen umfangreichen Wechsel in den Registern der Kriegsfanfaren Englands fest. Von einem „Block" zur Einkreisung und Aushungerung Deutschlands und Italiens habe nämlich der Bläser Churchills, diesmal Lord Halifax, nicht mehr gesprochen, weil nun England selbst Das Opfer der Einkreisung geworden sei. Auch von einer „Strategie auf lange Sicht" habe Halifax nicht mehr gefaselt, sondern von England und seinen Dominien eine Widerstandsleistuna für wenigstens drei Monate gefordert. Die Auslösung eines „allgemeinen Aufstandes an der Seite Eng- lands" werde von England nicht mehr an gedroht.
Der Ausflug.
Don Walter Ioihick.
Die Schiffsglocke läutet, der Dampfer tutet, als ginge es auf große Fahrt nach Brasilien, die Brücke wird eingezogen, und majestätisch gleitet das Schiff vom Landungssteg Der Bezirksamtsstadt Starnberg. Wir stechen in Den hohen See, allerdings noch nicht gleich, sonDern fahren erst rückwärts unD kehren Dann um, was zur Folge hat, Daß alle Diejenigen, Die im Schatten sitzen wollten, nun in Der prallen Sonne sitzen unD umgekehrt. Es ist nicht ganz leicht, bei so einem Dampfer auf Den ersten Blick zu sehen, wo vorne unD hinten ist.
So, jetzt haben wir alle Den richtigen Platz ge= funDen unD finD erst einmal Damit beschäftigt. Darauf zu achten, Daß uns niemanD Den Klappstuhl wegnimmt. Dann erfolgt Der Genuß Der Land- schaft. Wir gleiten Durch eine Ansichtspostkarten- fammlung herrlichster Frühlingslandschaften mit heftia blauem Wasser, azurnem Himmel unD blüten- überschneiten LanDhäuscrn. Vor grauen BaDehütten liegen bunte Mädchen und bräunen Dem Sommer entgegen. Paddler zeigen ihre Seetüchtigkeit, inDem sie unsere Bugwelle kreuzen, unD Segelboote liegen schräg am WinD, Damit wir Den Mut Des Steuermanns berounDern können.
Schön, so eine Dampferfahrt, man tut nichts, unD es geschieht Doch immerfort etwas. Der erste Steuermann hat, wie es im Buche steht, Die kurze Pfeife im MunD, er spinnt aber kein Seemanns» gam, sonDern er kommt, um Die Fahrkarten zu knipsen.
Ganz vorn, an Der Spitze Des Oberdecks, sitzt ein Liebespaar, was man Daran erkennt, Daß er feinen Arm um ihre Schulter gelegt hat. Das ist bei ge» reifteren Ehepaaren weniger üblich. Sie sehen in Die blaue Ferne unD träumen sich weit fort. Anderthalb Stunden habe ich sie träumen sehen, zu Den ewigen Bergen unD vielleicht sogar in ferne fiänDer. Erst nach anDerthalb StunDen war ihm Der Arm eingeschlafen.
Die Buben aber stehen hort, wo die blankgeputzten Pleuelstangen her Schiffsmaschinen mahlen, und her ganze prangende Frühling kann ihnen gestohlen bleiben. Eine ältere Dame findet, daß es sehr zugig fei, obwohl ihr Mann ihr erklärt, daß das eine frische Prise fei. Mama findet Da keinen UnterschieD unD setzt sich hinter Den Schornstein.
Natürlich füttert man Möwen, unD Die Möwen warten schon Darauf, Denn sie wissen. Daß so ein Dampfer ein Ding ist, von Dem zeitweise eßbare Bröckchen fliegen. So wirkt ein Dampfer vom Möwenstanhpunkt aus. Unzweifelhaft zitiert jemanh Den Vers von Morgenstern, nach. Dem Die Möwen aussähen, als ob sie Emma hießen, Denn auf Dem Starnberger-See-Darnpfer befindet sich immer eine literarisch gebilbete Persönlichkeit. Doch Den Möwen macht das nichts, sie finD es schon gewohnt.
Bauer Niklas.
Von Heinrich Zerkauten.
Der Bauer Niklas Einsiedel steht vor seinem Hof, pumpt sich Die Lungen voll Lust und schaut zu Den dahinziehenden Wolken hinauf. Der Bauer Niklas lacht. Es hilft den hitzigen Wolken Doch nichts. Jede von ihnen ertrinkt am Ende in Diesem schäumenden, blauen Himmelssee.
Gottsdonner, es ist heiß. Der Frühling ist fünf Wochen zu stütz gekommen. Der Sommer — wills scheinen — drängt ihm auf Den Fersen. So rasch in diesem Jahre? Bauer Niklas Einsiedel zieht Den Rock aus und wirst ihn seitlich auf den Holzstoß. Achtundsechzig Jahre alt ist der Bauer. Achtund- sechzigmal sind Frühling und Sommer hier vor ihm aus Herbst und Winter neu geworden. So eilig wie in diesem Jahr aber haben Frühling und Sommer es selten gehabt.
Die Erde rauscht im Frühglast der Sonne. In die blauschwarze Decke hoher Tannen sticken Birken und Der Jungwald lichte, maigrüne Ranken. Der Hund an der Kette wütet wie toll. ,Kusch!" Spürt auch der Hund den keimenden Sommer schon?
Der Wind fährt Dem Niklas Durch Das offene Hemd. Der Bauer kümmert sich nicht Darum. Es ist nicht Der sommerliche Frühling, der ihn so ftüh aus dem Haus getrieben hat. Es ist nicht Die Sonne, die ihm die Jacke zu heiß macht. Etwas anDeres will in diesem Jahr ebenfalls nicht mehr warten: Das Amt. Das Amt will, daß das Schindeldach des Schaf Hofes endlich neu gedeckt wird.
Nun ja, dagegen läßt sich nichts sagen. Gezögert haben sie auf beiden Seiten lange genug, her Dauer Einsiedel und das Amt. Einmal muß das nun werden. Und mit dem neuen Dach kommen dann ein paar neue Kammern dazu. Es wird aufgestockt. Die Pläne liegen fertig. Eigenttich — feit einem Jahr
liegen sie fertig. Wenn man nur gewollt — wenn man nur innerlich gekonnt hätte!
Es packt einem die heiße Wut. Und darum flog die Jacke auf den Holzstoß. 240 Jahre gehört her Schafhof den Einsiedels, so, wie er ha steht, mit dem Schindeldach, ohne Kammern und ohne Obergeschoß. Wenn das Dach jetzt fortkommt, wenn das Haus neu gedeckt wird, wie es sich gehört, dann mag das wohl in Ordnung gehen, gewiß, aber der Schafhof ist es nicht mehr.
Der Bauer Niklas steht leicht gebückt da, als habe er Einern großen Herrn Antwort zu sagen. Aber er kann nicht sprechen, es schnürt ihm die Kehle zu. Der Sohn ist für den Umbau. Hm. Der Sohn ist jung, erst dreiundzwanzig Jährlein alt. Der Bauer hat spät geheiratet. Und auf den Sohn kann er sich verlassen, wenn er selber nicht mehr ist. Alles richtig. Der Sohn wird auch auf seine fünf kleinen Geschwister achtgeben. Doch was bedeuten dreiund- Zwanzig -Jährlein gegen 240 Jahre? Keiner her Väter hat an dem Schafhof etwas geändert. Nur die Mauer, die. gewaltige Mauer rings um den Hof ist gefallen. Wann, das weiß her Bauer nicht. Und hie Schafe sind längst fort. Nur her Hof unD fein Name sind geblieben. Und das alte Schindeldach.
Der Bauer Niklas geht im Kreis herum. Er fühlt genau, er kommt nicht vom Fleck. Schindeldach — Schieferdach, alter Hof — neuer Hof. Und alles hat seine Richtigkeit: alte Zeit — neue Zeit, der Bauer Niklas und fein Sohn Steffen. Die Mauer um den Hof ist längst gefallen, und die Schafe sind fort. 21ber die Erde ist die gleiche geblieben, her Name ist der gleiche geblieben, Schafhof, immer Schafhof.
Also fort mit dem Schindeldach?
Man müßte gam nackt hier stehen können, so heiß machen die Gedanken und der frühe Sommer, fühlt Der Bauer. Er spürt nichts vom kühlenden Wind, er spürt 3um erstenmal in seinem Leben eine unbekannte Hilflosigkeit. Sein Herz ist müde an diesem Morgen. Der Bauer fährt langsam mit dem Handrücken über die Stirn. Die Hand wird naß davon. Sie werden ihn auslachen auf dem Amt, wenn er nochmals um Austchub bittet. Es hat auch keinen Zweck mehr, bas Schindeldach muß neu gedeckt werden. 240 Jahre ist alt genug. Das Dach geht mit jedem Jahr mehr in die Erde, wie ein Baum auch.
Herrgott — Niklas Einsiedel will sich einmal ordentlich recken» Da knackt etwas m Hm, ganz
an denen englische Flieger Lunte gerochen hatten und vor allem mit den großen Sunderland-Flugbooten unablässig das Meer absuchten. Dann aber bot sich mehrfach die Gelegenheit zum Torpedoschuh. Sechs Frachtschiffe, darunter ein schwerer Tanker, und ein englischer Zerstörer wurden versenkt. Der Angriff auf den Zerstörer mußte zweimal gefahren werden, weil der erste Schuß Daneben ging, aber her nächste Torpedoschuß saß hafür tn der Breitseite des Engländers und riß ihm den ganzen Bug weg. Als sämtliche Torpedos verschossen waren, traf das U-Boot auf der Heimfahrt' einen englischen Dampfer. Da es schon stark dämmerte, gelang es, dicht neben dem Dampfer aufzutauchen und mitdem Bordgeschütz einen Warnungsschuß abzufeuern. Die Besatzung des Engländers reagierte auch sofort und begab sich in die Rettungsboote. Das Frachtschiff wurde dann durch Artilleriebeschuß versenkt. Jetzt liegt das Boot im Hafen. Drei Tage wird es dauern, dann ist es wieder gefüllt mit Torpedos und Brennstoff, und dann wird es erneut auf Fahrt gegen England gehen. Alphons Brüggemann.
„Der Atlantik ist leergeworden."
Kapitänleutnant Schuhardt berichtet.
DNB.......,24. Juli. (PK.) Kapitänleutnant
Schuhardt berichtet über eine feiner U-Boot- Feindfahrten:
„Der Atlantik ist leer gew orden. Wo früher Schiff auf Schiff gezogen kam, vergehen jetzt oft Tage, ehe bas Boot etwas zu Gesicht bekommt. Auch wir hatten seit Tagen vergeblich Ausschau gehalten, bis mir eines Mittags dann doch wieder einmal das Glück blühte. Ein Dampfer mit Kurs nach England kam in Sicht. Getaucht fahre ich heran; noch im Auftauchen springt schon die Geschützbedienung an das Geschütz, und- nach noch nicht einer Minute gellt schon unser Warnungsschuß über das Wasser.
Der Dampfer — ein neutrales Schift m i t 10000 Tonnen Weizen von Buenos Aires nach England — stoppt sofort. Völlig kopflos springt die Besatzung in die Boote. Der Kapitän bekommt von mir den genauen Schiffsort, den Kurs zur nächsten Küste. Lebensmittel und Rauchwaren sind in den Booten, aber Rum wird gern von her Besatzung genommen. Dann setzen die „Schiffbrüchigen" Segel und machen sich auf ben Weg. Wir können nichts mehr für sie tim. Ziemlich lange haben wir uns mit diesen Liebesmühen aufgehalten. Im U-Boot-Einsatz heißt es, schnell fort mit Der Beute, ehe etwas dazwischen kommt. Gut gezielte Schüsse bringen unserem Opfer ein paar Löcher in die Wasserlinie bei, langsam läuft es voll.
Wir sind noch beim Schießen: Plötzlich 2000 Meter von mir entfernt ein U-Boot. Gerade taucht es auf. Zuerst Erschrecken, bann weiß jeder, es kann nur ein Kamerad sein, ein Engländer hätte uns schon längst mit einem Torpedo abzuschießen versucht. Großer Jubel, als sich herausstellt, daß es sich sogar um ein Boot unserer Flottille Handelt. Gleich uns, aber später, hatte das Boot die Rauchfahne des Dampfers gesehen, hatte sich unter Wasser an ihn herangeschlichen, aber herangekommen, fand er fein Angriffsziel — sozusagen — schon „besetzt".
MitdemRMerkreuzausgezeichnet
Berlin, 24. Juli. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber her Wehrmacht hat bas Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen an: General der Infanterie v. M a n st e i n, Generalleutnant v. S a l m u t h, Generalleutnant v. S o d e n st e r n.
General her Infanterie von Manstein hat als Chef des Generalstabes einer Heeresgruppe durch Vorbereitung entscheidender Operationen die Grundlagen für den Sieg an her unteren Somme geschaffen. Später hat er als Kommandierender General eines Armeekorps an der Somme, Seine und Loire durch seine Führung wiederholt iy vorderster Linie ausschlaggebend zu den Erfolgen im Westen bei getragen.
Generalleutnant v. Salrnuth, Chef des Gene- ralstabes einer Heeresgruppe, hat sowohl im Polen» feldzug und bei der Einleitung des Angriffes an der Westftont als auch bei der Wegnahme von Holland beim Durchbruch bei Maastricht und in den Kämpfen an der Dyle Hervorragendes geleistet. Bei Amiens wurde durch einen schnell gefaßten eigenen
leise. In die Stille hinein hört der Bauer Schritte. Ob sie vom Amt schon hier sind? Zu solcher Frühe? Und plötzlich fällt ihm die Antwort ein, die er ihnen sogen will: „Ich bin es zufrieden mit dem neuen Dach. Was sein muß, soll geschehen. Aber wartet noch eine Weile. Bis ick noch einmal die Frucht sehe auf dem Halm. Wenn die in die Scheuer kommt, bann komme auch ich. — Ich meine: was zur Erde will, soll man gehen lassen. Ich habe in meinem Leben noch keinen Doktor gebraucht. Und ich habe einmal unter dem gleichen Dach sterben wollen, unter dem ich geboren bin. Es bleibt mein* letztes Wort. Also, wartet noch die Weile —"
Eine lange Rede. Der Dauer Niklas kann sich nickt enftinnen, so viel auf einmal geredet zu haben. Ueberhaupt bleibt das seltsam mit den Schritten. Er hort sie genau, und keiner kommt.
Aha — jetzt lächelt her Bauer, jetzt weiß er es: ebensoviel Schritte sind es, wie auf dem Schafhof in 240 Jahren gegangen sind. Aber was wollen sie? Kommen sie zu dem Bauer Niklas? Er wendet sich jäh um, er fällt langsam in die Knie, sein Kops ruht auf der Erde.
„Vater!" ruft der Sohn aus der Kammer. Mit einem Sprung ist er bei ihm. „Was ist denn?"
„Die Schritte — hörst du die Schritte? Sie sind es, Steffen —"
„Wer?"
„Sie —"
„Aber Vater, der Briefträger ist es. Und er bringt einen Brief —"
Steffen und her Briefträger heben den allen Bauer sorgsam in die Höhe.
„Den hats erwischt, und so sauber. Der lächell und hat keine Schmerzen mehr. Laßt uns ein Amen sprechen, Steffen."
Die Bäuerin und her Sohn betten ihn auf, den lächelnden Heimkehrer. Der Briefträger hilft dabei. Und vergißt fast, den Brief vom Amt abzugeben. In drei Tagen soll mit dem Abbruch des Daches begonnen werden.
Drei Tage noch liegt her Bauer Niklas friedlich unter seinem alten Schindeldach. Ihm zu Ehren jubilieren am Morgen und am Abend die Lerchen, ihm zu Ehren flammen in den Nächten die Sterne auf. Das ganze Dorf geleitet ihn zu Grabe. Die Schritte her Dorfbewohner klingen im Hubel des Frühlings seltsam gedämpft, schwere und leise, alte und junge Schritte. Und dann geben sie den Bauer Niklas der Erde zurück, in der schon neue Frucht keimt.


