Oie Lebensmittelrationen im Juli
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Müttererholung in ASV.-Heimen
am
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Landkreis Gießen.
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Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Rpf.
MARYLAN ein feststehender Begriff erfolgreicher Kosmetik
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NSG. Die NSV. im Gau Hessen-Nassau hat stets ihr besonderes Augenmerk auf die Gesunderhaltung von Mutter und Kind gerichtet. Zahlreiche Äugend- und Müttererholungsstätten wurden in den Jahren des Aufbaues eingerichtet. Kinderreiche und werktätige Mütter sowie erholungsbe- dürftige Kinder finden in den entsprechenden Hermen für mehrere Wochen Aufnahme. Aber auch für werdende und für Mütter mit Kleinkindern find von der RS.-Volkswohlfahrt Heime geschaffen worden, die in ihren' Einrichtungen in vorbildlicher Weife aus die besonders geartete Verfassung der Betreuten abgestimmt sind.
Der Weiterführung der Müttererholungspflege muhte im Kriege erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Unseren erholungsbedürftigen Soldatenfrauen, den Kriegerhinterbliebenen und erst recht den erwerbstätigen Frauen und Müttern sollen diese Stätten der Kräftigung und Besinnung zur Verfügung stehen. Richt vergessen werden sollen vor allem unsere Landfrauen, von denen jetzt oft eine doppelte Leistung verlangt und erwartet wird. Während Frauen, die in der Industrie ihre Kräfte einsetzen vor allen Dingen in den Sommermonaten Erholung finden sollen, sind die Erholungszeiten für unsere Landfrauen für die Wintermonate vorgesehen.
Wenn man heute vom Fraueneinsatz spricht, dür- fen auch der soziale Frauenschutz und nicht zuletzt
Bitsch. , ,
Zum Auftakt der Gutenberg-Festwoche wurde die von der RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltete Ausstellung „Mainzer Druckkunst" eröffnet. Im Auftrag des Kreisleiters wurde fie durch den Kreiswart „Kraft durch Freude" Müller-Kling- fpor der Oeffentlichkeit übergeben. Die Ausstellung gibt einen guten Querschnitt durch die Vielseitigkeit der Verwendungsmöglichkeiten des Druckes. Geschmackvolle Briefbogen, Werbeschriften, Gedenkblät- ter, Weinkarten, Flaschenbeschriftungen in gefälliger Form sind zu sehen. Die besten Stücke sind aber Werke unseres Schrifttums, bei denen die äußere Form dem inneren Gehalt würdig zur Seite tritt. Wir sagen nicht zuviel, wenn wir behaupten, daß die Ausstellung dem Laien und dem Fachmann viel zu geben hat.
Äuteriberg-Festwoche in Mainz.
Mainz, 24. Juni. Die Veranstaltungen der Gutenberg-Fe st woche in Mainz nahmen am Montag mit der Uraufführung des Kulturfilms „Die schwarze Kunst des Johannes Guten- berg" ihren Fortgang. Dieser Ufa-Kulturfilm, nach dem Drehbuch und unter der Regie Kurt Ruplis, hat die Aufgabe, allen Volksschichten die weltbewegende Erfindung der Druckkunst näher zu bringen. Die Uraufführung des Films, dem die Prädikate „kulturell wertvoll", „volksbildend" und „Lehrfilm" zuerkannt wurden, erfolgte in Anwesenheit des Regisseurs vor geladenen Gästen von Partei, Wehrmacht, Behörden, Kunst und Wissenschaft. Am Dienstag folgt im Stadttheater die Uraufführung des Schauspiels „Der schwarze Apostel" von Heim.
Auch in der Zeit vom 1. bis 28. Juli 1940 bleiben die Lebensmittelrationen unverändert. Der Erlaß des Reichsernährungsministers enthält einige wichtige Maßnahmen, bie die gesicherte Lage der deutschen Nahrungsversorgung erkennen lassen.
Die günstige Entwicklung der Butterversorgung durch die Steigerung der Jnlandserzeugung und der Ginfuhren aus Dänemark und Holland hat es möglich gemacht, zunächst für den Monat Juli dre bi^ her noch ausgegebenen Margarinemengen durch Butter zu ersetzen. Damit die Verbraucher die zu Beginn der Versorgunasperiode noch im Handel befindliche Margarine, sowie im gleichen Umfange wie bisher Speiseöl beziehen können, wird der wahlweise Bezug von Margarine, soweit noch Bestände bei den Verteilern liegen, und von Speiseöl in der bisherigen Menge weiter zugelassen. Die Gesamtfettration bleibt unverändert.
Es ist bei dem gegenwärtigen Stand der Käseerzeugung und Einfuhr möglich, vorübergehend die Käserationen nochmals um 62,5 Gramm Käse oder 125 Gramm Quark für eine Zuteilungsperiode zu erhöhen.
Für Kinder besteht wieder die Möglichkeit, an Stelle eines Teils der Kakaopuloerration ungefüllte Tafel- oder Blockschockolade zu beziehen, soweit Vorräte vorhanden sind.
die Betreuungsmaßnahmen für die erwerbstätige Frau nicht unerwähnt bleiben. Es ist ein, wenn nicht d e r Kernpunkt unserer heuttgen sozialen Maßnahmen, daß erhöhten Leistungsanforderungen verstärkte Betreuungsmaßnahmen entsprechen müssen. Die RSV.-Hilfsstellen „Mutter und Kind" meröen hierdurch vor große Aufgaben gestellt. Unsere Mütter sind vielfach aus verständlichen Gründen einer Trennung von ihrer Familie im Augenbtick weniger zugänglich, da sie auch ihren Einsatz zu Hause für unentbehrlich halten. Und doch muß gerade wegen dieses doppelten und erhöhten Einsatzes für ihre Gesunderhaltung Sorge getragen werden! Die Entsendung muß deshalb in erster Linie in Heime des eigenen Gaugebietes vorgenommen werden. Es ist für eine Mutter beruhigend, zu wissen, daß sie ge- gebenenfalls schnell wieder zu ihrer Familie zuruck- kehren kann, sobald besondere Umstände dies erfordern sollten. 1 .
Die NSV. im Gau Hessen-Nassau ist infolge vorsorglicher und weitschauender Maßnahmen in der glücklichen Lage, trotz durch den Krieg bedingter Einschränkungen monatlich einer größeren Anzahl Frauen und Mütter Erholung zu gewähren. Es ist Iwohl eine der schönsten und beglückenden Aufgaben der Heimat, unserer deutschen Mutter zu helfen und ihre Sorgen und Freuden itei das Leben ihrer Kinder mitzuttagen.
e» Eberstadt, 24. Juni. Hier wurde der Anregung unseres Bürgermeisters Rühl errichtete NSV. - Kindergarten seiner Bestimmung übergeben. Er ist in der freigewordenen großen Wohnung des früheren Hofgutes „Pfaffenhof am Südausgang unseres Dorfes eingerichtet. In den hellen, großen Räumen des Wohnhauses haben die Kinder chren Schlafraum, einen großen Spielraum, sowie einen weiteren Raum zur Aufbewahrung von allerhand Spielsachen, die von der NSV. beschafft wurden. Die Möbel und die übrige Einrichtung stellte ebenfalls die NSV. In nächster Nähe, im Garten des früheren Hof- gutes, „Pfaffengarten" genannt, haben unsere Kleinsten unter schattigen Obstbäumen eine große Spielwiese mit Sandkasten. Die Gemeinde, besonders aber die Mütter, die während ihrer harten Feldarbeit ihre Kinder im NSV.-Kindergarten wohlgeborgen wissen, sind der NSV. und unserem Bürgermeister für diese segensreiche Einrichtung dankbar. Die Betreuung der vielen Kleinen, nahezu 40, die gerne jeden Morgen ihren Kindergarten aufsuchen, hat die NSV.-- Kindergärtnerin Fräulein Weiß übernommen.
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Besonders wichtig ist die im Erlaß vorgesehene Umtauschaktion von Marmelade in Zucker, die jetzt zur Erleichterung des Einkochens in den Haushaltungen verbunden ist mit der Möglichkeit einer Vorausbelieferung für vier Monate. Es kann die an Stelle von Marmelade zu beziehende Zuckermenge für die nächste und die drei weiteren Zuteilungsperioden bis einschließlich 20. Oktober im voraus bezogen werden. Diese Neuregelung machte eine Umgestaltung und Trennung der bisherigen Rcichskarte für Marmelade und Zucker erforderlich.
Wie in der letzten Zuteilungsperiode besteht auch jetzt wieder die Bezugsmöglichkeit von 100 Gramm Reis auf Nährmittelkarte. Auch die Möglichkeit, an Stelle von Nährmitteln Kondensmilch und Konserven zu beziehen, bleibt aufrechterhalten.
Gelegentlich seiner jüngsten Anweisungen stellte der Reichsernährungsminister fest, daß immer wieder aus den Kreisen der Verbraucher Klagen über die Behandlung in den Kartenstellen laut würden. Demgegenüber erinnert der Minister an den Erlaß des Vorsitzenden des Ministerrats für die Reichsverteidigung, Generalfeldmarschall Göring, und macht es den Leitern der Kartenstellen im Sinne der grundlegenden Anweisungen des Generalfeldmarschalls zur Pflicht, die das Publikum abfertigenden Beamten und Angestellten zu einer höflichen und zuvorkommenden Behandlung anzuhalten.
arbeit ist zu sorgen. Die Aufstellung von Sport, dienstgruppen ist vom Reichssportsuhrer angeordnet. Die Lehrarbeit muß ganz besonders gepflegt werden. Mit der Kampfrichterschulung soll zugleich eine kameradschaftliche Bindung angestrebt werden. Die Sportabzeichenprüfer müllen mit neuen Ausweisen versehen sein und sollen der Kampfrichter- gemeinschaft angeboren.
B Die sehr rege Aussprache im Kreise erfahrener Sportkameraden gab jedem Anwesenden Anregung zur Gestaltung seiner Arbeit und zur Uebermin- düng der Schwierigkeiten. *»•
Handball im Bezirk Gießen.
Io. Lützellinden — Turngemeinde Hanau 18:6 (10:2).
Bei den Kämpfen um die gebietsbeste Handballoereinsmannschaft gab es einen eindeutigen Sieg unseres Vertreters. Lützellinden fpielte diesmal auch ausgezeichnet zusammen und ließ dem Gegner
♦♦ Ein Siebzigjähriger. Am morgigen Mittwoch, 26. Juni, wird der Lokomotivführer i. R. Justus Henning, Liebigstraße 96 wohnhaft, 70 Jahre alt. Der Jubilar weilt, mit Ausnahme weniger kurzer Unterbrechungen, seit über 40 Jahren in Gießen und stand fast vier Jahrzehnte lang als Lokomotivführer im Dienst der Deutschen Reichsbahn. Bei Erreichung der Altersgrenze trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Als begeisterter früherer Artillerist erfreut er sich, neben der Wertschätzung im Kreise seiner früheren Berufskameraden, auch in den Reihen der alten Artilleristen allgemeiner Beliebtheit. Dem alten Herrn, der seit vielen Jahren zu der Deziehergemeinde des Gießener Anzeigers gehört, gelten zu seinem 70. Geburtstage auch unsere herzlichen Glückwünsche.
*♦ Das Vortragsthema „Soldatentum aufrassischer Grundlage", an Stelle eines früher angekündigten Vortrags über „Raffe unb Wehrkraft", behandelt am heutigen Dienstagabend im Rahmen der Wehrwissenschaftlichen Vorträge der Universität Se. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Kranz.
♦♦ Ihren schweren Verletzungen erlegen. Vor einigen Tagen wurde, wie wir berichteten, eine Frau aus Wieseck beim Einholen von Futter für ihr Vieh von dem beladenen schweren Wagen überfahren. Mit schweren inneren Der- 'letzungen mußte die bedauernswerte Frau der Chirurgischen Klinik zugeführt werden, mo sie gestrigen Montagnachmittag leider verstorben
Oer Reichswerbetag für das Kinderturnen in Gießen.
. In vielen Vereinen konnte bisher das Kinderturnen nicht durchgeführt werden. Nun sind die Schwierigkeiten beseitigt, die der Weiterführung im Wege standen.
Der Bezirk 8 des NS.-Reichsbundes für Leibesübungen hat den Vereinsübungsleitern in einem Lehrgang in Gießen das Rüstzeug zu fröhlicher Weiterarbeit gegeben. Dazu muß in den Vereinen noch die Werbung kommen. Die beste Werbung ist ein gut geleiteter Vereinsbetrieb. Es ist nur notwendig, ihn in das Blickfeld der größeren Oeffentlich- keit zu stellen.
Dies soll am R e i ch s w e r b e t a g für das Kinderturnen geschehen, der an einem der nächsten Sonntage durchgeführt werden soll. Die Kinder werden im Rahmen einer öffentlichen Der- einsturnstunde ihr Turnen und Spielen zeigen, ein buntes Rasenbild gestalten. Geturnt wird das, was auf dem Boden unserer Kinderarbeit gewachsen ist, was bei den Kindern und den Zuschauern Freude auslöst und den Wunsch in den Eltern aufkommen
überhaupt feine Möglichkeit, sich in irgendeiner Form zu entfalten. Nachdem schon im ersten Ansturm ein klarer Vorsprung erzielt worden war, ließen die Platzbesitzer nicht mehr locker, und auch die wenigen Gegenangriffe tonnten sie nicht aus der Ruhe bringen. Mit diesem Sieg hat sich Lützel- linden den Eintritt in die Vorschlußrunde erkämpft.
Tv. Hörnsheim — Tv. Hochelheim 8:9 (4:5).
Zu einem schönen, ganz und gar nicht den Charakter eines Lokalkampfes tragenden Entscheidungsspiel tarn es in Hörnsheim. Die Gäste hatten schwer zu kämpfen, und leicht hätte das Ergebnis auch anders aussehen können. Trotzdem blieb öle 'Begegnung stets anständig.
2Htö. Gießen — Tv. Heuchelheim 15:10 (5:7).
Auf neutralem Gelände — in Allendörf (Lahn) — trafen sich beide Mannschaften, um den Staffelsieger und Teilnehmer an den Endspielen unter fick auszumachen. Wenngleich Heuchelheim anfänglich wett mehr vom Spiele hatte und der Mtv. sich ganz und qar nicht fand, gelang Gießen trotzdem der Sieg, weil sich Heuchelheim zu Mitteln hinreißen ließ, die sich stets nur ungünstig auswirken können. Aus jeden Fall stehen mit Mtv. Gießen und Hochelheim nunmehr auch die letzten Staffelsieger der Lahnpokalrunde fest, so daß die Endspiele beginnen können. , . ,
Freundschaftsspiele.
Tv. Garbenheim — Tuspo W.-Niedergirmes 20:9 Tv.^Hochelheim Jgd. — Tv. Grüningen Jgd. 14:3 Tv. Lützellinden 2. Jgd. — Tv. Klein-Linden Jgd.
8:3.
läßt, auch ihre Kinder an den Turnstunden teilnehmen zu lassen.
Leichtathletik-Warte tagten in Gießen.
Auf Einladung des Bereichsfachwarts für Leichtathletik und stellvertretenden Bezirksfportwarts May (Kassel) traten am Sonntag die Bezirkssportwarte und die Bezirksfachwarte für Leichtathletik der 12 Bezirke des Bereichs XII Hessen im NS.-Reichsbund für Leibesübungen in Gießen zusammen. Neben der Besprechung der in den nächsten Monaten durchzuführenden Arbeiten wurde auch eine persönliche Fühlungsnahme der zum Teil vertretungsweise in den verantwortungsvollen Aemtern arbeitenden Kameraden angestrebt. Nach der Begrüßung, in der Kamerad May den letzten Einsatz in unserer großen Zeit forderte, wurde die gesamte Sommerarveit durchgesprochen.
Voraussetzung für ein gutes Arbeiten der Vereine ist das Vorbild des Amtsträgers. Bei der Vorbereitung der Ortsfporttage müssen die Vereine unterstützt, ältere Kameraden zur Mitarbeit Öezogen werden. Die Verbindung mit der muß bestehen, für eine gute Zusammen-
Denkt an Würzkräuter für den Winter!
Um auch im Winter die schmackhafte und gesunde Würze von Kräutern nicht entbehren zu müssen, ist schon jetzt dafür zu sorgen, daß diese in richtiger Weise für den Winter aufbereitet werden. Dazu stehen verschiedene Wege offen: das Trocknen, die Verarbeitung zu Würzfalzen und die Herstellung von Kräuteressig. Zum Trocknen eignen sich Boh- nenfraut, Estragon, Majoran, Pimpinelle, Thymian und Basilikum. Das Trocknen der zu kleinen Bündeln zusammengefaßten Kräuter soll möglichst schnell erfolgen, jedoch niemals an der prallen Sonne, weil dadurch die Farbe und die Würzkräfte verlorengehen. Die Aufbewahrung muß stets in geschlossenen Gesäßen erfolgen. Würzfalze sind ebenso leicht selbst herzustellen. Feingewiegte und dann gettocknete Kräuter füllt man in einen Gazebeutel und klopft ihn aus, damit die Kräuter als feiner Staub herauskommen. Diesen mischt man sodann mit Salz und erhält so ein Würzsalz, das man zu Suppen, Tunken usw. verwenden kann. Zur Her- ftellung von Kräuteressig eignen sich am besten Basilikum, Borretsch, Dill, Estragon, Majoran, Pe- Lersilie, Pimpenelle und Schnittlauch.__________ .
Keine Spur von Hauck.
Roman von Lharlotte Kaufmann.
25 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Nicht, daß Huith so ohne weiteres gleich den wohlgemeinten Rat der Bettina Krug befolgt hätte! So leicht war er denn doch nicht zu beeinflussen. Es war vielmehr ein Zufall, ein kleiner spöttischer Zufall, den der Teufel oder auch das Schicksal ausgeheckt haben mochte, daß er mit Gesine Wing an diesem letzten Weihnachtsfeiertag im Caft Corso saß.
Sie war ihm einfach nachmittags über den Weg gelaufen. Nicht etwa in Teek. Nein, hier in der Stadt. Er hatte vorgehabt, ins Kino zu gehen, und dort fah er sie. Sie stand mit vielen und wartete, daß die Vorstellung beginnen sollte. Er kannte sie gleich mit ihrem dunklen Mantel, dem hellgrauen Krimmerkragen. Sie war sonntäglich angezogen. Das flachsige Haar lugte unter dem Hut hervor, und ihr Gesicht war unglaublich jung.
Zuerst hatte er so getan, als sähe er sie nicht. Er betrachtete die Bilder, die Filmstars darstellten: schöne Frauen, viele schöne Frauen. Aber dann konnte er nicht umhin, ihr guten Tag zu sagen, als er ihren Blicken begegnete. Er mußte fragen, ob sie allein hier sei oder vielleicht mit einer Freun-
Gestne war allein hier. Niemand von den Geschwistern war dabei. Der Bruder war zwar auch in der Stadt, doch er ging in ein anderes Kmo. Drüben am Markt. Er wollte lachen, während sie selbst auch gern einmal etwas Trauriges sah.
„Dann muß ich immer meinen", erzählte sie ihm. „Und wenn das Licht wieder angeht, weiß'ich nicht wie ich mich am besten unter meinem Hut verstecke. Aber zu Hause denke ich bann acht Tage immer wieder daran. Wenn ich etwas Lustiges sehe, habe ich es bald vergessen."
Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sie nach der Vorstellung zu fragen, ob sie noch Lust habe, in irgendein Caf6 zu gehen. Er redete sich wenigstens ein, daß er gar nicht anders konnte.
Sie errötete, als er sie einlud, und das ärgerte ihn fast ein wenig. Er verfolgte durchaus keinerlei Absichten, wenn er mit ihr ins Caf6 ging.
Und nun saßen sie im Cafe Corso. Es wurde
getanzt, was Huith unangenehm fand: Aber sie hatte hierher gewollt.
Ihre Kolleginnen, berichtete fie, im Geschäft, die anderen Angestellten gingen auch immer hierher.
Ob sie selbst schon einmal hier gewesen sei?
Nein, o nein. Sie hatte keine Gelegenheit dazu.
Die Kapelle spielte Tanzmusik, weiche, schmiegsame Tanzmusik, die Huith in keiner Weise gefiel. Die Paare fchleiften übers Parkett. Es war sehr voll und kein Stuhl mehr zu bekommen, und die Kellner balancierten unermüdlich Taffen und Gläser und Weinflaschen durch die Tische.
Sie trank eine Tasse Kaffee und bekam langsam rosige Wangen. Huith mußte Hinsehen. Sie waren mit einem weißen Samthauch überzogen, wie bei seinen Kindern in der Schule.
Er merkte, daß sein Blick sie verlegen machte und drehte den Kopf. Er rauchte eine Zigarette.
„Hat Ihnen der Weihnachtsmann viel Geschenke gebracht?", fragte er beiläufig.
Sie nickte eifrig. „O ja! Mutter hat mir einen Sweater gestrickt, und der Vater hat mir ein Paar Schuhe gekauft." Sie war geneigt, ihm die Schuhe zu zeigen, die sie heute zum ersten Ma'" trug. Es fiel ihr jedoch noch rechtzeitig ein, daß das vielleicht nicht paffend fei.
Sie trank ihren Kaffee in klein chlvcken, zaghaft, langsam. Ihr Gesicht branmc. Das Licht der zahllosen Lampen verfing sich in ihren blauen Augen, bis sie nichts mehr sah als kreisrunde, undeutliche Gestalten inmitten runder Marmortische, die aufblitzten im Schein der Lichter wie taufend Schwerter. , „ . ,
„Wollen Sie auch mal tanzen?", fragte Huith.
Da nickte sie. „Ja. Ich weiß nur nicht, ob ich es noch kann. In Teek tanzt man so selten."
„Aber getanzt haben Sie doch schon?"
„O doch. Das letztemal, als meine große Schwester geheiratet hat."
Danach waren sie 'einander sehr nah. Undeutlich fühlte er, als er sie im Arm hielt, daß sie kräftig war, jung und blutvoll und gesund. „Das wäre eine Frau für Sie", hörte er die Bettina sagen. „Keine vom Land, keine von der Stadt. Aber sie hat von allem etwas."
Ja, sie roaf bestimmt sehr tüchtig und fleißig. Dem Haushalt konnte sie sicher gut vorstehen, den Garten pflegen. Er stellte sich vor, wie sie sich über
Beete neigen würde. Kraftvoll und weich, eine junge Frau. Er konnte sich auch vorstellen, daß sie einmal viele Kinder haben würde. Kinder mit flach- figen Haaren, wie sie alle Kinder hier an der Küste bekamen.
„Sie tanzen recht gut, Fräulein Gesinesagte er zu ihr herunter.
Sie lächelte. Em inniges, junges Lächeln. Em Lächeln, das in nichts zu vergleichen war mit dem, das manchmal auf Sibylle Haucks Lippen lag, das aber nicht minder rein und unberührt war.
Danach ließ fie zu, daß er ein Glas Wein für ie bestellte. Schwerflüssigen, tiefdunklen Wein.
„Was verkaufen Sie eigentlich so die Woche über", wollte er wissen."
„Oh, ich bin in einem Kaufhaus angestellt. In der Hutabteilung."
„Ah, in der Hutabteilung."
„Ja, es gibt viel Arbeit dort."
„Kann ich mir denken. Ist es nicht anstrengend, so den ganzen Tag zu stehen und den Kunden Hüte aufzusetzen, den Spiegel zu halten und zu bewundern? Ich stelle mir vor, daß Sie den ganzen Tag Frauen sagen müssen, sie sähen hübsch aus in Dem neuen Hut."
Sie lachte kurz. „Ja, das muß man. Aber man gewöhnt sich daran."
Man gewöhnt sich daran! Dieses Wort, das sie immer hier sagten! Ihr Blick kam eine Sekunde lang zutraulich zu ihm, lag ganz offen da. Sie mochte ihn wohl leiden.
„Alle Mädchen sehen Ihnen nach", hatte die Bettina erklärt. Huith war ein bißchen stolz und ein bißchen erhaben darüber. Was er sich schon daraus machte! Die Mädels sahen ja immer hinter den jungen Männern her. Warum sollten sie es auch nicht tun? Sie wollten doch alle einmal geheiratet werden.
„So, so", sagte er. „Wieviel Geschwister haben Sie denn eigentlich neben der verheirateten Schwester?"
„Drei Brüder noch. Der eine, der heute auch hier im Kino ist, fährt mit Vater zum Fischfang. Er ist sechzehn. Und einer fährt zur See. Der ist einundzwanzig. Der Dritte wird nächstes Jahr konfirmiert."
„Dann geht er zur See?"
„Wahrscheinlich. Das ist hier so."
Ja, das war so in Teek. So, wie sie bei ihm zu Hause Heidebauern wurden, so gingen fie hier zur See, wurden Fischer und Seeleute. Sie fuhren in die fremde Welt, und die Frauen blieben zu Hause, allein. Sie ließen sich dann erzählen von der Weite und bekamen einen Ausdruck um den Mund, als wüßten sie viel von dem, was draußen vorging. Kein Wunder, waren ihre Gedanken doch nie daheim, wanderten fie doch Nacht für Nacht hinter ziehenden Schiffen yer.
„Sie müssen trinken", mahnte er. „Heute ist doch Feiertag."
„Ja, eine Woche noch, dann kommt em neues Jahr." v t
Ihre Augen waren jetzt dunkelrot, heiß und fiebrig. vom Licht und vom Wein. Schwer lag die Musik in ihrem Blut.
„Wir wollen noch einmal tanzen", sagte er.
Er schob sich durch Menschen, durch viele Menschen, Frauen und Mädchen. Matrosen in Uniform, Männer in Zivil. Es gefiel ihm jetzt, wenn er seinen Arm um sie legen konnte. Sie war so warm und ein wenig taumelig. Es machte ihm Spaß, sie zu stützen. Er mußte an einen verirrten Schmetterling über dem weiten Blau des Strandes denken. An lichttrunkene, verirrte Falter.
Er vergaß, daß Sibylle in den Bergen war, mit einem Mann, mit einem Ingenieur der Scheffield- Werke. v
Er ließ eine Flasche Wein kommen und lachte über den entsetzten Ausdruck von Gesines Kindergesicht.
„Das ist Verschwendung", sagte sie. „Eine ungeheure Verschwendung."
Aber sie saß nun doch stolz an seiner Seite.
Unermüdlich spielte die Musik, rauschte und flirrte über die Köpfe der Menschen. ,
Mehr als einer der Männer sah zu Gesine herüber, zu ihren flachsigen Haaren, zu ihren schwimmenden Blauaugen und ihrem Kindermund.
Männer mit hellen Haaren, mit dunklen Ovaren, elegante Männer, weniger elegante Mnner. Fremde Männer, alles fremde Männer, die Karsten Huith nicht kannte. Oder kannte er sie doch-' War nicht dahinten, ganz weit weg, an der gelben Wand unter dem Lichterpaar mit den buntschillernden Schirmen auf den Köpfen, ein Gesicht, bas ex kannte?, (Fortsetzung folgQ


