lassen. Tunkenwürze: Basilikum, Liebstöckel, Kümmelpuloer und Beifuß.
Zwiebelsuppe: Zwiebeln grob hacken, in Fett und Mehl schwitzen, ohne gelb werden zu lassen, entrahmte Frischmilch auffüllen, kurz kochen lassen, beim Ansichten grüne, gewiegte Zwiebel- keime aufstreuen (125 Gramm Zwiebeln, 3 geh. Eßlöffel Mehl, 1 Eßlöffel Fett gestrichen voll), Salz, etwas Thymian, gut IVs Liter Milch oder halb Wasser, halb Milch.
Braune Zwiebel suppe: Zwiebeln grob hacken, in Dörrfleischwürfeln und Mehl gut bräunen, Knochenbrühe oder Fischkochwasser auffüllen, kurz kochen lassen, Zwiebelkeime, gewiegt, auf- Sreuen. Nach Belieben zuletzt etwas Rot- oder pfelwein daran geben. Mit gerösteten Brotwürfeln reichen. (100 Gramm Zwiebeln, 3 geh. Eßlöffel Mehl, 1 Eßlöffel Dörrfleischwürfel, Salz, Majoran, reichlich IV2 Liter Knochenbrühe).
Zwiebelkuchen: Gut gegangenen Brotteig auf dem Blech V2 cm dick ausrollen und solaende Schicht darübergeben: 1 gestr. Suppenteller gehackte Zwiebeln in 100 Gramm fettem Speck oder Margarine weich und weißbleibend dünsten, ausge- kühlt mit zwei Eiern und Milei (1 Teelöffel nebst dem nötigen Wasser aufgelöst), Salz, Kümmelpulver und reichlich Vs Liter frischen, mit Magermilch zuvor dickschaumig geschlagenen Quarg mischen, bis alles dickschaumig ist, — vom Dünsten der Zwiebeln behält man das lauwarm gehaltene Fett zurück und träufelt es über die Füllung, ehe der Kuchen im heißen Ofen gebacken und warm verzehrt wird.
Hefe, ein wertvoller Vitaminspender.
Wenn von vitaminhaltiger Nahrung die Rede ist, denkt die Hausfrau unwillkürlich meist nur an Obst und Gemüse, an denen wir in den lieber« gangsmonaten einen empfindlichen Mangel haben. Wenn wir uns aber auch in dieser Zeit mit wenig Frischgut bescheiden müssen, so braucht unsere tägliche Kost deshalb doch nicht vitaminarm zu sein.
Einen äußerst wertvollen und obendrein billigen Vitaminspender besitzen wir beispielsweise in der Hefe. In der einfachen Bier- und Backhefe sind diese lebenswichtigen Stoffe in reichem Maße aufgespeichert, nicht nur Vitamine, sondern auch Mine- ralsalz? wie Lezithin, Phosphor, Kalium und Kalk, die für unseren Körper ebenso unentbehrlich sind. Deshalb verdient auch beim Backen Hefegebäck vom gesundheitlichen Standpunkt unbedingt den Vorzug, wenn es auch für die Hausfrau ein wenig umständlicher ist. Da es nicht jedermanns Sache ist, Hefe in ihrer ursprünglichen Form zu genießen, und sie so ihrer gärenden Eigenschaft wegen auch nicht von einem überempfinolichen Magen vertragen wird, bringt die Nahrungsmittelindustrie Hefeerzeugnisse in verschiedener Zusammensetzung, als Hefeflocken, Hefespeise- und Suppenwürze usw. in den Handel. Für diese Hefeerzeugnisse dient im allgemeinen Bierhefe als Grundlage, die als besonders vitamin- und mineral- salzhaltig anaesprochen wird. Es ist gleich, ob man nun^Hefespeisewürze oder Hefeflocken nimmt. Beide lassen sich vielseitig verwenden zum Würzen aller Art von Speisen, Suppen, Tunken, Gemüsen usw. und machen diese schmackhaft und vitaminreich. Wichtig ist, daß diese Hefeextrakte, ebenso wie frische Kräuter, nicht m i t g e k 0 ch t werden sollen, um die wertvollen Vitamine nicht zu zerstören. Man setzt sie deshalb erst vor dem Anrichten zu. Sehr gut schmeckt auch ein Brotaufstrich aus Hefe, wenn er nach folgendem Rezept zubereitet wurde: 100 Gramm Hefe, 20 Gramm Fett, Zwiebeln oder Lauch, 1 Eßlöffel geriebene Semmel, 4 Eßlöffel Wasser, Salz, evtl. Kümmel. In heißem Fett läßt man die gehackte Zwiebel gelb werden und die zerbröckelte Hefe zergehen. Dann gibt man die Semmelbrösel und das Wasser dazu und läßt alles zusammen zu einem Brei einkochen, den man nach dem Abkühlen mit Salz und Kümmel würzt. An Stelle von Kümmel kann man auch Basilikum wer Schnittlauch verwenden.
praktische Winke. .
Behandlung der Strümpfe nach dem Waschen. Hierbei werden häufig große Fehler gemacht', die Strümpfe werden durch starkes Auswringen sehr verzogen. Wenn man sich die Mühe nimmt, den Strumpf von der Fußspitze an zusammenzurollen, so kann man diesem liebel abhelfen, und die
Strümpfe behalten dadurch ihre ursprüngliche Form. — Schweißgeruch aus wollener Unterwäsche beseitigt man, indem man die Wäsche vor dem Waschen ein paar Stunden in warmem Wasser einweicht, dem man pro Liter einen Eßlöffel Terpentinöl und Salmiakgeit zusetzt. Das Wasser darf nicht zu warm verwendet werden, da sonst die Wäsche verfilzt. Auch bei wollenen Strümpfen erleichtert dieses Einweichen das Waschen und verhütet das Hartwerden. — Naß gewordener Samt darf niemals trocken gerieben werden. Man muß das betreffende Kleidungsstück ausschütteln und trocknen lassen. Dann verdunstet die Feuchtigkeit und hinterläßt keine Flecke. — Schmutzige Anzugkragen bürstet man mit verdünntem Salmiakgeist (1 Teil auf 10 Teile Wasser) ab und spült mit klarem Wasser nach. M. L.
Rezepte.
Blumenkohlauflauf: Den Blumenkohl waschen, in Röschen teilen und in wenig Salzwasser weichkochen. Inzwischen bereitet man aus Fett, Zwiebeln, Mehl und Brühe eine dickliche weiße Tunke und schmeckt mit Gewürzen ab. In eine gefettete Auflaufform gibt man abwechselnd eine Lage Blumenkohl und Tunke, obenauf Tunke und legt einige Fettflöckchen und Weckkrumen darauf. Den Auflauf bäckt man in heißem Ofen etwa 50 Minuten.
Spinatsuppe: In heißem Fett dämpft man den geschnittenen Spinat fünf Minuten, gibt Mehl darüber, dämpft dieses kurz mit und löscht mit heißer Knochenbrühe ab und bringt sie mit Weckkrümelchen zu Tisch.
Z w i e b e I g e m ü f e : 750 Gramm geschnittene Zwiebeln und 5 abgeriebene, eingeweichte Brötchen
in heißem Fett abdämpfen, mit Brühe auffüllen, 1 Ei sowie das Gewürze hinzufügen und im Backofen etwa 40 bis 50 Minuten dämpfen lassen.
Gebackene Nudelspeise mit Marmelade: In Salzwasser gekochte Nudeln zum Abtropfen auf ein Sieb geben, dann in eine gefettete Auflaufform abwechselnd eine Lage Nudeln und Marmelade füllen. 1 Ei mit V< Liter entrahmter Frischmilch verquirlen, über die Nudeln gießen und eine halbe Stunde backen.
Ochsenfleisch in brauner Tunke: Aus Fett, Zwiebeln, Mehl und Brühe bereitet man eine braune Tunke, gibt das gekochte in Scheiben geschnitten Ochsenfleisch sowie in Scheiben geschnittene Gurken hinzu, schmeckt ab und läßt fünf Minuten kochen.
Spinatkartoffelklöße: 500 Gramm Spinat einmal kurz ad kochen, aus dem Wasser nehmen und mit einem Eßlöffel feingewiegtem Schnittlauch weichdämpfen und durch ein feines Sieb streichen. Alsdann gibt man 30 Gramm Margarine, 1 Ei, 1 bis 2 Eßlöffel entrahmte Frischmilch, 500 Gramm gekochte geriebene Kartoffeln, Salz und zwei bis drei Eßlöffel Weckmehl hinzu, vermengt alles gut. Von diesem Teig, der ziemlich fest sein muß, sticht man Klöße ab, gibt sie in stark kochendes Salz wasser, läßt zwei Minuten kochen und dann garziehen. Man richtet die Klöße auf einer heißen Schüssel und gibt hellbraun gebratene Zwiebel darüber.
Käseküchlein: Zu 500 Gramm gut trockenen Quarg gibt man 3 Eßlöffel Mehl, 1 Ei, Salz, etwas Margarine sowie feingeschnittenen Schnittlauch, mengt dieses gut, gibt kleine Küchlein in die Pfanne und brät auf beiden Seiten zu schöner brauner Farbe.
Aus her Stadt Gießen.
Der Anfang.
Die Mutter hat zum Essen auf dem Balkon gedeckt. Es ist das erstemal in diesem Jahre. Voller Begeisterung trägt der Aelteste die Teller aus der Küche herbei. Er strahlt über das ganze Gesicht. „Und hier auf dem Balkon lassen wir wieder Feuerbohnen hochranken, nicht wahr, Mutter? Das wird schön aussehen und außerdem gibt es Bohnen. Freust du dich, Mutter?" Die Mutter freut sich, sie lächelt ihrem Aeltesten zu. Doch dann wird sie ernsthafter. „Wie geht es im Werk? Lernst du gut?
Na, und ob der Junge lernt. Er wirft sich in die Brust. „Klar, Mutter, die Sache stimmt, da brauchst du dir keine Kopfschmerzen zu machen." Das weiß die Mutter natürlich. Sie macht sich auch keine Kopfschmerzen, aber seitdem der Vater Soldat ist, trägt sie alle Sorgen und alle Pflichten mit doppelter Hingabe. Einige Wochen ist es her, da brachte sie ihren Jungen zum Werk, wo er seine Lehre zu beginnen hatte. Der Junge war mit stürmischem Eifer dabei, und dieser Eifer scheint nicht nachgelassen zu haben.
„Zuerst war es ja nicht ganz leicht", gibt er jetzt zu, „so ein Im hat viele Stunden, aber wenn man eine interessante Arbeit erwischt, vergeht die Zeit wie im Fluge." Er lacht plötzlich. „Weißt du, Mutter, am Anfang stellt man sich doch manchmal recht dumm an. Ich habe mir wirklich große Mühe gegeben, bis ich die Feile richtig führen konnte. Das war gar nicht so einfach. Aber jetzt geht es schon gut." Der Junge denkt darüber nach, was er in den paar Wochen alles gelernt hat, und es kommt ihm beinahe so vor, als sei er schon vor langer Zeit aus der Schule entlassen worden.
Mit einem zärtlichen Blick betrachtet ihn die Mutter. Ihr Junge wird schon vorwärtskommen, daran hat sie keinen Zweifel. Den Anfang hat er jedenfalls ausgezeichnet überstanden, und das ist eine gute Vorbedeutung. Und gerade, als ob er die Gedanken der Mutter erraten würde, sagt der Junge: „Ich passe schon gut auf, darauf kannst du dich verlassen, Mutter. Denn ich möchte mal etwas Tüchtiges leisten, jedenfalls will ich mich ordentlich anftrengen." Zur Bekräftigung dessen haut er mit der Faust durch die Luft und freut sich im stillen, daß die Mutter an ihn glaubt. Die Mutter nimmt sich vor, dem Vater einen Brief zu schreiben, um ihm von dem Eifer des Aeltesten zu berichten.
Aber dann wird es Zeit, ans Essen zu denken,
denn die jüngeren Geschwister kommen herangestürmt und sind fröhlich, auf dem Balkon sitzen zu können. Und bald genießen alle mit dem Essen zugleich die milde Luft, die nun endlich der Frühling beschert hat. H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Volkstümliche Vorträge und Vorlesungen der Lud- wigs-Universiät Gießen: 20.15 Uhr Vortrag Professor Weidenbach über „Freiheit und Notwendigkeit" I. im Kunsthistorischen Institut, Ludwig- strahe 34. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Frau nach Maß". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): ,.Wir alle geh'n zum Polterabend". — Oberhessischer Kunstverein: Ausstellung Walter Kröll, Gießen, von 17 bis 18 Uhr im Turmhaus am Brand.
BOM.-llntergau 116 Gießen.
1. 'Bett.: BDIN.-werk.
Für alle Mädel, die im April vom BDM. in die Gießener BDM.-Werk-Gruppen überwiesen wurden, wird der nachstehende Dienstplan bekanntgegeben:
Der Dienst der Gruppe la/116, Sport: Donnerstag, 8.15 Uhr, Turnhalle der Goetheschule. 1. Mai im Monat: Heimabend Dienstag, 8,15 Uhr, Moeser- heim.
Dienst der Gruppe 2a/116, Literatur: Donnerstag, 8 Uhr, Moeserheim.
Dienst der Gruppe 3a/116, Gesundheitsdienst: Montag, 8 Uhr.
Dienst der Gruppe 4a/116, Werkarbeit: Freitag, 8 Uhr.
Die vom BDM. ins BDM.-Werk überwiesenen Mädel erhalten keine besondere Aufforderung seitens der Gruppe mehr, sondern haben sich auf diese Bekanntmachung hin beim nächsten Dienst der Gruppe, der sie zugeteilt sind, der zuständigen Führerin zu melden.
Dienst der Gruppe 5a/116, Singschar: Mittwoch, 8 Uhr, Moeserheim.
2. Bett.: Gruppe 4a/116, Werkarbeit.
Der nächste Dienst der Gruppe 4a ist am Freitag, 26. 4., abends 8 Uhr, im Moeserheim. Es ist unbedingt wichtig, daß jedes Mädel, und zwar in tadelloser Kluft, erscheint.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 25. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,80 RM.,
Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, deutsche Eier 12, Roterüben, % kg 15, Unterkohlrabi 8, Zwiebeln 14, Meerrettich 30 bis 90, Feldsalat 150, Aepfel 15 bis 35, Blumenkohl, das Stück 35 bis 60, Salat 35, Salatgurken 140, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Rettich 10 bis 20, Radieschen, das Bündel 20 bis 30 Rpf.
Intensive Iagdnnhnng auch im Kriege.
Zur Bereicherung unserer Lebensmittelversorgung ist die Bewirtschaftung, d. h. die Ausbeute an jagdbarem Wild, selbstverständlich genau so wichtig wie jede andere forst- oder landwirtschaftliche Nutzung. Aus diesem Grunde muß alles darangesetzt werden, daß die innerhalb der Schalenwildbestände (Rot-, Reh-, Schwarzwild usw.) und des Niederwildes (Hasen, Fasanen, Enten usw.) abschußerforderlichen Wildmenaen tatsächlich erlegt und erbeutet werden, damit das Wildbret, d. h. also die anfallenden Wildfleischmengen, den Verbraucherkreisen zugeführt werden. Die behördlich festgesetzte, alljährlich vorgenommene Schalenwildverminderung (Abschuß von Rotwild, Rehen usw.) muß also auch jetzt unter allen Umständen durchgeführt werden, desgleichen die Verminderung der Wildkaninchen usw., damit nur ein der Landeskultur zuträglicher.
Vas ist es
was dem Kinde schmeckt Der Maizena-Pudding, der Brei, die Suppe und die vielen anderen mit Maizena zuberel- teten Dbst- und Süß. speisen gebären zu den täglichen kleinen $reu« den des Kindes.Sie sind das «Ereignis desZrüh» stücks-, Mittags- oder Nbendbrotstisches, werden, weil schmackhaft, gern gegeben und sind nahrhaft,leicht verdaulich und bekömmlich
Liebe Mutter, das seit über 70 fahren bewährte Rindernährmfttcl Maizena für die Zlasche, für den Brei, für den Pudding ist in allen Kolonialwarengeschäften gegen die Kreuzabschnitte der Reich«- brotkarte für Kinder bis zu 6 Zähren erhältlich. Rezepte liegen ledern Paket bei.
MAIZENA
also angepaßter Wildbestand erhalten bleibt. Die Wild-, Geflügel- und Rauchwarenmärkte erfahren dadurch eine erhebliche Zufuhr. Leider wird ein Teil des Wildes, namentlich des Jungwildes, alljährlich durch das sinnlose und laut Gesetz verbotene Abbrennen von Hecken, bebuschten Rainen, Altgras usw. oder auch durch wildreißende Hunde vernichtet. Gegen verantwortungslose Hundehalter werden daher neuerdings Schadenersatzklagen durchgeführt, abgesehen davon, daß wildernde Hunde und Katzen von den Auffichtsorganen erschossen werden. Nicht zuletzt hilft uns das jagdbare Wild dzw. die Wildbret-Ausbeute, ferner der Anfall von Bälgen, Decken, Haarfilz, Wildleder, Fuchs-, Marder-, Iltispelzen usw. nicht nur Devisen sparen, sondern das erlegte Wild bringt auch Abwechselung in den Speisezettel und trägt zur Ernährung des deutschen Volkes unb zur heimischen Rohstofferzeugung bei.
Wir hamstern Vitamin D.
Sonst ist jede Art von Hamsterei mit Recht verrufen, aber Vitamin D zu hamstern ist unserer Gesundheit gegenüber geradezu Pflicht. Don den bisher schon bekannten Vitaminen ist Vitamin D das einzige, das wir uns nicht nur durch die Nahrung, sondern auch durch die Haut einverleiben können. Es wird durch Einwirkung der Sonnenstrahlen in den Körperzellen erzeugt. Gerade nach diesem Winter, der uns zwang, viel im Hause zu bleiben und uns draußen mehr denn je zu vermummen, sind wir besonders vitaminhungrig. Immer wieder werden aber die Warnungen vergessen, die in jedem Jahr zu Beginn des Sommers wiederholt werden: die Warnungen vor dem Sonnenbrand. In jedem Frühling muß sich der Körper von neuem an die Sonne gewöhnen, denn ihre Strahlen find zwar
Mist ÜUK schaffen, Lena?
Vornan von Martina Eckart-ksilm
13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Lena lehnt sich zurück. Sie lacht wohlig vor sich hin. Ein Gefühl heimatlicher Geborgenheit überkommt ste. Müßte sie sich nicht eigentlich weit wegwünschen? Krach wie immer? Es tft etwas Eigentümliches um diesen Krach im Gräfehaus! Er ist fo kräftig, so gesund. Nichts Zermürbendes, Lähmendes, sondern etwas, das mit der Lebensäußerung aesunder Menschen zusammenhängt. Man kann ihm nicht ernstlich böse fein, diesem Krach. Er ist das Salz des Lebens im Gräfehof.
Während die Dunkelheit Nähe und Ferne immer dichter umhüllt, während die Freude über die Geborgenheit im alten Gräfehaus die letzten Zweifel über die sonderbare Rückkehr hinwegnimmt, sieht Lena sich nochmals am Morgen dieses Tages von der Mutter ihres Verlobten Abschied nehmen. Es war ein überstürzter Abschied! Am Abend vorher war sie noch entschlossen, der lieben alten Frau einige Tage länaer Gesellschaft zu leisten. Schon während beu Nacht hatte sie ein sonderbares Gefühl überkommen, sie konnte es sich nicht erklären. Ihre Träume führten sie ins Gräfehaus. Am Morgen tag dann eine Karte von Jupp und Erni neben ihrer Kaffeetasse. „Alle lassen wir den Kopf hängen, weil du fort bist, alle, selbst der Große —"
Sie hört sich wieder auf die enttäuschte alte Dame einreden. „Mütterchen, es ist mir so viel liegen geblieben in diesen Jahren, immer unter fremden Leuten, meine eigenen Sachen kamen immer an letzter Stelle. — Ich möchte doch lieber heute schon mit dem Mittagszug fahren — außerdem, in Dresden muß ich noch dringend einen Besuch machen — eine alte Freundin —" Lena erbtet. Die alte Freun- tü* war glatt erfunden. Sie vensteht sich selbst Nicht, wie sie die alte Frau einfach belügen konnte. An den Abschied mag sie gar nichf mehr denken, wie gut, wie tapfer, wie verständnisvoll war die einsame alte Frau gewesen. —
Der Druck dieses ganzen merkwürdigen Tages, das unerklärliche Geschobensein waren Lena unheimlich, sie ist glücklich, daß sie langsam in eine gelöstere Stimmung gleitet, gelöst Lurch die Weichheit dieses Abends, die Ruhe des dunkelnden Landes, durch die beiden Menschen im Wagen, mit
denen sie nicht viel spricht, die sie aber so selbstverständlich in ihr Haus zurückführen.
Und ebenso selbstverständlich steht Christoph Gräfe an der Haustür und streckt ihr die Hände entgegen.
Stellt einer die Frage, vor der ihr am meisten gebangt hat: Wie kommt es, daß du noch einmal bei uns einkehrst? Nein, sie nehmen es mit großartiger Unbekümmertheit hin, daß Lena wieder mit am Abendbrottisch sitzt und mit ihnen ißt, ja, Erni sagt sogar gleichmütig: „Dein Bett habe ich noch gar nicht abgezogen!"
♦
Wie zur Familie gehörig ist Lena Detteting im Gräfehaus wieder eingekehrt. Ganz von selbst hat sie sich in den Tageslauf eingeschaltet. Arbeit gibt es in solchem Betriebe genug. Sie wartet nur daraus, in Angriff genommen zu werden.
„Gurken und Bohnen müssen eingelegt werden", sagt Erni, und Jupp bittet: „Könntest du mir nicht ein Paar weiße Sepplstrümpse stricken, Tante Lena?"
Christoph Gräfe plant eine Fahrt nach dem Spreewald, der Geschäftsverbindungen wegen. Hat einer Lust, ihn zu begleiten? Dachte ich mir, keiner hat Zeit, nur Lena. „Lena, du mußt mitkommen!" Selbst Hermann, der sonst niemanden braucht, dieser Schweigsame, dieser Einspänner, fragt: „Gehst du einmal mit mir nach der Napoleonslinde?" — „Kennst du die Sternenbilder, Lena?. Soll ich sie dir erklären?" — „Lena, willst du mir helfen, wenn ich drüben hinter dem Gemüsegarten die Pfirsiche abnehme?"
Hätte man übrigens geglaubt, daß der Große so lustig pfeifen kann? So frank und frei von der Leber weg? Er bricht zwar schnell ab, wenn jemand in die Stube tritt, aber sein Gesicht bleibt hell, und seine Augen haben Glanz.
„Wie schön, daß du wieder da bist", sagt er zu Lena und drückt ihr im Vorbeigehen die Hand.
Alles scheint schön und harmonisch zu fein, wenigstens bei den Gräfes. Aber in Lenas Innerem ist noch immer Unordnung. Warum sie ins Gräfehaus zurückgekehrt ist, weiß sie natürlich schon längst, ja, die Sache mit dem Sparkassenbuch muß in Ordnung gebracht werden, wie eine Last liegt sie auf ihper Seele. Ist es vielleicht gelogen, wenn sie am zweiten Tag ihrer Rückkehr an die Schwiegermutter nach Breslau schreibt: „— da es im Gräfehaus wegen des Erbes meiner Schwester noch einer dringenden
Erledigung bedurfte, mußte ich diesen Umweg leider ein zweites Mal machen —"
Leider! Welch eine Lüge! Was für Wege geht sie. Genau betrachtet, ist es natürlich sehr beunruhigend; dieses Rätsel um Ernis Geld, Wer hat es genommen?
Beim Frühstück fragt Lena einmal Christoph Gräfe vorsichtig: „Weshalb legst du eigentlich Ernis Geld, das sie von ihrer Mutter geerbt hat, nicht besser an? Es könnte doch anderswo viel mehr Zinsen tragen als auf der Sparkasse!"
Christoph Gräfe schüttelt verwundert den Kopf: „Was du auf einmal hast, Lena! Du weißt doch, Marie wollte, daß das Geld Erni immer zur Verfügung steht."
„Ob du das Buch nicht wenigstens auf die Bank tragen möchtest?"
„Oho!" fährt Gräfe auf. „Du hast wohl Angst vor Dieben, ja? Hier aus dem Gräfehaus hat noch keiner was hinausgetragen!"
„Man kann doch nie wissen —"
„Nichts da — wo es diese fünf Jahre gelegen hat, liegt es auch weiter!" Ein argloses, gutmütiges Lachen mildert die brummigen Worte.
„Kannst hier manches umkrempeln, Lena, aber das laß nur. Wenn Maries Wunsch auch unpraktisch ist: Er ist der einer Toten, den man ehren soll!" Und damit ist das Gespräch beendet. Da gibt es nichts mehr, an das man hätte anknüpfen können.
Kurz darauf überfällt Lena dann ein großer Verdacht, der sie nicht wieder losläßt.
Sie sind im Garten, Erni, Jupp und sie, und sie jäten Unkraut.
„Weißt du es übrigens schon, Tante Lena? Jutta und Rudolf heiraten in fünf Wochen, wir sind zur Hochzeit eingeladen. Jutta war selbst bei uns!"
„Ist sie eigentlich elegant, Rudolfs Braut?" Lena weiß nicht, weshalb sie die Frage stellte. Sie hat die Menschen niemals nach dem Aeußeren beurteilt.
„Elegant? Sie ist ein fescher Kerl und reitet wie ein Junge!" Jupp fällt Erni ins Wort: „Und wie die Auto fährt. Sie hat einen schicken Wagen, giftgrün, prima Marke —"
„So so —"
Reiterin also, kostspielige Sportsdame.
„Sie möchte am liebsten einmal ein Rennen mitfahren, geflogen ist sie auch schon, Berlin—London und zurück."
„Und nach Paris —"
»Und nach Kopenhagen
Jupp und Erni überbieten sich.
„Wenn irgendwo Autorennen ist, ist Jutta dabei!"
Lena weiß eigentlich schon genug. Trotzdem fragt sie noch weiter: „Und das Schloß — es ist wohl recht groß — recht üppig, erfordert wohl viele Leute zur Bedienung —?"
„Guck' dir's nur mal an, Tante Lena, über Blitz- Johann, den Diener, wirst du dich totlachen, der macht alles im Zeitlupentempo!"
Diener, Leute, vielleicht eine Landwirtschaft, die nicht viel einbringt — aber hohe Ansprüche. Der Rudolf hat also eine Braut mit noblen Passionen. Rennfahrerin! Der bürgerliche Mann wird wahrscheinlich nur in Kauf genommen, wenn er kostbare Geschenke macht. So ist doch die alte Spielregel! Und dahinein ist nun der Dolf geschlittert, dieser dumme Junge mit der Gräfeschen Leidenschaft im Blut, verliebt bis über die Ohren, zu allem fähig --o, Lena weiß wirklich genug! Der furchtbare Verdacht läßt sie nicht mehr los. Ein Fremder kann das Geld nicht haben, nur einer, der Bescheid weiß. Ein Fremder hätte das Buch nicht wieder an Ort und Stelle gelegt. Er hätte Buch und Kontrollmarke verschwinden lassen.
Ehe Lena mit Christoph Gräfe davon spricht, will sie Bescheid wissen, ob sie diesen Verdacht auch aussprechen darf. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als aufs Schloß zu gehen, um Jutta von Pies- sen-Roda kennenzulernen.
Eines Nachmittags macht Lena sich auf. Damit die „Modedame" Jutta nicht spöttisch auf sie herab- sieht, legt sie ein Helles, flottes Kleid an. Leicht wird ihr der Gang über den Hutberg nicht. Nein, es ist nicht schön, mit einem schlimmen Verdacht Menschen aufsuchen zu wollen, die man noch gar nicht kennt. Die Herbstsonne lacht, ihren schwarzen Gedanken zum Trotz, hell und freundlich. Doll inbrünstiger Wärme schickt sie ihre Strahlen über das schattenlose Wiesenstück. Hinter ihr liegt der Gräfesche Obstgarten und lockt mit seiner Kühle. Erni ist mit einem Berg von Flickerei allein daheim geblieben. Soll sie umkehren, ihr helfen? Lena ist jetzt so oft unschlüssig, sie hat einen großen Teil ihrer Selbstsicherheit eingebüßt. Schon will sie umkehren, aber da sieht sie Hermann über die Wiesen kommen. Wenn sie weitergeht, trifft sie ihn gerade drüben an den Weiden, wo der Weg zum Dorfe abbiegt.
k, (Fortsetzung folgt.)


