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in jeder Beziehung Freude machen werden. Auch unseren Feldgrauen werden warme Hausschuhe, so praktisch angefertigt, sehr willkommen sein. Gis.

Neuer Leiter der Orthopädischen Klinik.

Nachdem d-ie Orthopädische Klinik in Gießen durch die Berufung ihres bisherigen Direktors Professor Dr. P i tz e n nach Münster i. W. während mehrerer Wochen von einem ärztlichen Stellvertreter betreut worden war, ist seit 1. Januar Professor Dr. Storck aus Berlin mit der Leitung der Klinik beauftragt worden.

Oie Einschränkung

der Warmwasserversorgung.

Nachdem die Reichsstelle für Kohle den Dezirks- wirtichastsämtern die Ermächtigung erteilt hat, die Stillegung oder Einschränkung der Warmwasserver- sorgung anzuordnen, hat der Reichskommissar Richt- linien für die daraus folgenden Mietzinssenkungen gegeben. Wenn die Kosten der Warmwasserversor­gung vertraglich im Metz ins einbegriffen sind, so ist der Mietzins bei Sillegunb der Warmwasserver­sorgung monatlich um fünf vom Hundert zu senken. Bei einer Einschränkung auf wöchentlich eintägige Versorgung um drei v. H. aus wöchentlich zweitägige Versorgung um zwei v. H., aus wöchent­lich drei oder mehrtägige Versorgung um eins v. H. Sind die Kosten der Warmwasserversorgung.sticht rm Mietzins einbegriffen, sondern ist hierfür ein

Pauschalbetrag vereinbart, so entfällt dieser Betrag bei Stillegung der Warmwasserversorgung. Keine Anwendung findet diese Regelung auf die Fälle, in denen die Kosten der Warmwasserversorgung (einschließlich oder ausschließlich der reinen Wasser- kosten) nach dem tatsächlichen Verbrauch auf die Mete umgelegt werden. Eine ähnliche Regelung ist in der nächsten Zeit für den Fall der Ein-, schränkung der Zentralheizung zu er-! warten.

Gießener öochenmarttpreiie

Gießen, 25. Jan. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing, Yi kg 13, Weißkraut 8, Rotkraut 11, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Zwiebeln 10, Meerrettich 60, Blumenkohl, das Stück 45 bis 50, Endivien 15 Rpf.

* Die Engel-Apotheke. Zu unserem gestrigen Gedenkartikel für den verstorbenen Apothe- ker Theodor Schmieder ist berichtigend festzustel- len, daß die Engel-Apotheke seinerzeit von Theodor Schmieder nicht an den gegenwärtigen Inhaber der Apotheke direkt verkauft wurde. Der Apotheken­besitz ging damals an einen Käufer über, der schon nach kurzer Zeit die Apotheke wiederum an einen anderen verkaufte, und erst im Jahre 1924, also nach der Stabilisierung unserer Währung, wurde die Engel-Apotheke Eigentum des gegenwärtigen Inhabers.

Aus der engeren Heimat.

Festnahme eines Schwindlers.

In Ober-Schmitten bei Nidda tauchte die­ser Tage ein Mann auf, der sich bei genauem Zü­schen als ein notorischer Schwindler entpuppte. Es handelt sich um den 25 Jahre alten Fritz Bech­told aus Wetzlar, der sich auf einer Bahnfahrt von Friedberg nach Schotten gegenüber zwei Frauen als Wachtmeister bei der Frankfurter Schutzpolizei ausgegeben hatte, obwohl er nichts weniger war als Polizeibeamter. In Ober-Schrmt- ten, wo die Frauen den Zug verließen, ftieg er ebenfalls aus, um in einer Gastwirtschaft zu über­nachten, weil er am anderen Tage seine angeb­lichen Verwandten in Schotten besuchen wollte. Den Frauen kam der Mann höchst verdächtig vor, sodaß sie den zuständigen Gendarmerieposten in Eichels­dorf verständigten. Der Gendarmeriebeamte nahm den angeblichen Polizeiwachtmeister sofort unter die Lupe und stellte fest, daß er einen alten und auf dem Gebiete des Schwindels bereits sehr erfahrenen Burschen vor sich hatte. Er verhaftete ihn darauf­hin und lieferte chn, da der Schwindler aus Wetz­lar stammte, an die Kriminalpolizei in Wetzlar ab, von der er dem Amtsgerichtsgefändlris in Wetzlar zugeführt wurde. Obwohl der Schwindler nur sechs Pfennige in der Tasche hatte, war von ihm in der Gastwirtschaft bereits eine Zeche in Höhe von RM. 4, gemacht worden.

Hauptappell

der Freiwilligen Feuerwehr in Lich.

} Lich, 25. Jan. Im HotelZum Samen* fand der Hauptappell der Freiwilligen Feuer- wehr statt, der von Hauptbrandmeister Erb ge­leitet wurde. Auch Bürgermeister Geil und ver­schiedene andere Gäste nahmen daran teil. Nach kurzer Begrüßung, insbesondere der Kameraden der Altersabteilung, sprach Hauptbrandmeister Erb über die Aufgaben der Feuerwehr, wie sie sich aus der dritten Durchführungsverordnung zum Gesetz Über das Feuerlöschwesen vom November des vori­gen Jahres ergeben. Gerade die Gegenwart ver­lange von jedem Feuerwehrmann höchsten Einsatz

bei der Erhaltung deutschen VolksvermSgens. Dem von Brandmeister H. Zimmer erstatteten Jahres­bericht war folgendes zu entnehmen: Die Freiwil­lige und die Pflichtfeuerwehr führten 12 Hebungen, die weibliche Feuerwehr 6 Hebungen, die Bezirks- motorsstritzenmannschaft 24 Hebungen und eine Alarmübung in Gießen durch. Inspektionen fanden in Albach, Hattenrod und Garbenteich statt. Besucht wurde eine in Lollar abgehaltene Schulung. Die ge­samte Wehr nahm am Landesfeuerwehrtag in Neu- Isenburg teil. An Anschaffungen waren zwei Kü­belspritzen sowie eine Anzahl Helme zu verzeichnen. Die Rechnungsablage konnte infolge der (Einbe­rufung des Rechners nicht geschehen und wird bei nächster Gelegenheit nachgeholt. Im weiteren Ver­laufe des Appells wurden die neuen Gerätebefetzun- gen bekanntgegeben sowie aktuelle Fragen, wie Ein­sturzgefahr bet' Bränden, Feuerbekämpfung bei Frost usw., behandelt. Brandmeister Zimmer sprach schließlich noch über den Luftschutzbereitschaftsdienst, während Bürgermeister Geil der Wehr für die im vergangenen Jahre geleistete Einsatzbereitschaft dankte und der Hoffnung Ausdruck gab, daß sich die Wehr auch im kommenden Jahre der hohen Bedeu­tung ihrer Aufgabe bewußt sein möge. Hauptbrand- meister Erb schloß den Appell in üblicher Weise.

Feuerwerks«-rper gestoblen

$ Nidda, 24. Jan. Vor etwa zwei Wochen ver- schwanden auf rätselhafte Weise aus dem Laden eines hiesigen Geschäfts Feuerwerkskörper in beträchtlichem Umfange. Nun konnten vor eini­gen Tagen als Diebe zwei fünfzehnjährige Jungen von hier festgestellt werden. Die jugend­lichen Diebe hatten bei wiederholter Beobachtung den Aufbewahrungsplatz des Schlüssels zum Laden ausgemacht. Während der eine von ihnen Schmiere stand, eignete sich der andere die Feuerwerkskörper an, die an verschiedenen Orten zu Hause und in fremden Hofreiten versteckt wurden. Durch Spielen mit Knallerbsen, sog. Fröschen und andern derarti­gen Dingen verrieten sie sich bei ihren Kameraden. Nun galt bei der Polizei kein Leugnen mehr. Der dumme Jugendstreich wird ein unangenehmes Nach- spiel haben.

Schönheit -er Arbeit" eifrig am Werk.

Vor neuen Plänen und Aufgaben.

Handwerker gehen nach dem Osten

schematische Darstellung der möglichen Verdunke- lungsarten, die bisher einzigartig dastehen. Gesund- heit und Erhaltung der Arbeitskraft des deutschen Arbeiters stehen bei allen diesen Vorschlägen an die deutschen Betriebe im Mittelpunkt.

Auf dem Gebiete der Planungen stellt das Amt seine Erfahrungen aus Industriebauten der deut­schen Wehrmacht zur Verfügung. Die deutschen Be­triebsführer haben Gelegenheit, die geschulten Der- trauensarchitekten des Amtes heranzuziehen, um auf weite Sicht ihre Betriebe durchplanen zu lassen. Darüber hinaus wird gerade jetzt auf die Einrich­tungen und die stete Verbesserung der Wohnverhält- nisse der Barackenlager besonderer Wert gelegt. Die Wohnbaracken sollen noch schöner und gemütlicher werden. Zur Zeit arbeitet das AmtSchönheit der Arbeit" an den Plänen für leicht aufstellbare und transportable Wohnbaracken aus Holz.

Schließlich sind alle Techniker eingesetzt, um die erste fahrbare KdF.-Bühne fertigzustellen. In ihrer technischen und baulichen Ausgestaltung wird sie bei ihrer in Kürze erfolgenden Eröffnung unein­geschränkte Bewunderung erregen. Die leicht trans­portable Anlage besteht aus einer Alummiumkon- ftruttion und hat ein Fassungsvermögen von rund 900 Personen. Sie wird draußen unseren Arbeitern und Soldaten im wahrsten Sinne des Wortes Kraft durch Freude" bringen.

Die Arbeit des Amtes ist damit nicht erschöpft. Allein diese Pläne beweisen, daß die Arbeit in Kriegszeiten ihre verstärkte Fortsetzung dort findet, wo sie der Erhaltung der Arbeitsfteude und der Arbeitskraft des deutschen Arbeiters dient.

NSG.Schönheit der Arbeit" in Kriegszeiten gibt es keine wichtigeren Aufgaben zu lösen!

Ein Einblick in die Arbeit dieses Amtes der NS.- GemeinschaftKraft durch Freude" in der DAF. wird jeden Fragesteller eines Besseren belehren: der vorbildliche Arbeitsplatz, die Pflege der hyglemschen Einrichtungen, der Bau und die Ausgestaltung von Wohnbaracken und Kameradschaftshäusern sind 9eine mehr denn je zu festen Begriffen in der deutschen Sozialpolitik geworden. Der deutsche Arbeiter wird auch in Kriegszeiten an Werkbank, im Gemem- schastsraum, bei Erhaltung seiner Gesundheit, bei Licht, Luft und warmen Essen im Betrieb auf die Betreuung von feiten der Deutschen Arbeitsfront nicht zu verzichten brauchen, die in Friedenszelten schon fast zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Bauliche und technische Aenderungen größeren Ausmaßes können heute natürlich nur bei kriegs­wichtigen Betrieben vorgenommen werden. Es kann festgestellt werden, daß alle Wünsche des Amtes Schönheit der Arbeit" beim Auf» und Ausbau dieser Betriebe bereits berücksichtigt worden sind. Besonderes Augenmerk legt das Amt hier auf den Ausbau der sozialen Räume.

In seinenErfahrungen und Anregungen stellt das Amt allen Betriebsführern Vorschläge zur Ver­fügung, die besonders wertvoll auf den Gebieten der guten Luft und der Beleuchtung trotz Verdunke­lung sind. Es werden Anregungen für die Schaffung eines Lüftungskastens und eines Lüftungskanals ge­geben, die den Gefolgschaften die notwendige frische Lust zuführen. Der HauptausschußGutes Licht" gibt auf Grund seiner Erfahrungen in den mehr- fachen AktionenGutes Licht Gute Arbeit" eine

Die deutschen Handwerker sind vor einiger Zeit aufgefordert worden, sich zur Hmsiedlung nach dem neuen deutschen Osten zu melden. Der Reichs- st and des deutschen Handwerks hat in­zwischen diese großzügige Aktion zu vermehrtem Einsatz handwerklicher deutscher Kräfte in den Gauen Danzig-Westpreußen und Warcheg-au auf­genommen. Bei den Geschäftsstellen der Handwerker­schaft, bei den Obermeistern der Innungen usw. liegen schon zahlreiche Anfragen vor. Auch in Frank­furt, wie überhaupt in den beiden Handwerkskam­merbezirken des Rhein-Main-Gebietes, den Bezirken Wiesbaden und Darmstadt, haben sich schon Hun­derte von Handwerkern gemeldet, die nach dem deutschen Osten umsiedeln wollen, um dort ihre handwerkliche Existenz aufzubauen und damit zu­gleich ihre Kraft und ihr Können bei den schwieri­gen Arbeiten miteinzusetzen, die dort jetzt und in der nächsten Zukunft zu leisten sind.

(Eine leichte Aufgabe wird es allerdings nicht fein. Schon aus diesem Grunde können nur beson­ders befähigte und tüchtige Kräfte im Osten eingesetzt werden und dami! rechnen, dort auch beruflich weiterzukommen. In allen Kreisen der Handwerkerschaft ist deshalb auch das Interesse recht groß. Besonders zahlreiche Meldungen sind aus den Kreisen des Nahrungsmittelhandwerks, des Bau­handwerks und der Nebenberufe des Bauhandwerks eingegangen. In jedem Falle findet natürlich eine sorgfältige Prüfung der Bewerber für diese Hmsiedlung statt. Dabei können sich nicht nur erfahrene selbständige Handwerksmeister melden, sondern natürlich auch Jungmeister, die zwar die Meisterprüfung abgelegt haben, aber noch kein selb­ständiges Geschäft führen.

Um eine vermehrte Möglichkeit zur Begründung eigener Existenzen zu geben, können sich auch e r -

fahrene Handwerkergesellen, die schon mehr als fünf Jahre als Geselle gearbeitet haben, für diese Umsiedlung melden. Ihnen wird u. a. auch die Möglichkeit erschlossen, einen eigenen Betrieb zu übernehmen. Dabei zielt die gesamte Aktion daraus ab, daß durch diese Umsiedlung bereits bestehende polnische Handwerksbetriebe von deutschen Hand­werkern zunächst treuhänderisch und dann endgültig übernommen werden. Es ist selbstverständlich, daß der Einsatz der Hand­werker durchaus planmäßig erfolgt und sich genau nach den Bedürfnissen und Aufnahmemöglichkeiten in den einzelnen Bezirken der beiden Gaue richtet, so daß die unerläßlichen Voraussetzungen für einen Erfolg gegeben sind. In erster Linie sind Handwer­ker begehrt, die in ländlichen Bezirken arbeiten können und über Fähigkeiten verfügen, die gerade die ländliche Bevölkerung vom Handwerker er­wartet.

Die Arbeit, die. unsere Handwerker im deutschen Osten erwartet, ist nicht leicht. An jeden werden dort große Anforderungen gestellt werden. Aber auch die Umsiedlung der Handwerker gehört zu der wichtigen Aufbauarbeit, die in diesem jetzt wieder­gewonnenen deutschen Land zu leisten ist.

Wie wir vom stellvertretenden Kreishandwerks- meister Hartmann (Kreishandwerkerschast Gießen) hören, liegen auch aus unserem Kreisgebiet schon verschiedene Anftagen vor, in denen sich Handwerker unserer Heimat um Aufklärung über die Frage des i Einsatzes ihrer handwerklichen Kraft im deutschen Osten bemühen.

vorgeworfen, daß Sie sich zu wenig um sie küm­merten, daß sie zuviel allein war?"

Er senkt den Kopf.3a, so war es, genau so. Aber ich habe doch für, sie und für mich gearbeitet, warum machte sie mir diese unberechtigten Vor­würfe?"

Weil sie vollkommen zerrissen war. Innerlich zerrissen, Herr Nielsen. Und jetzt braucht sie Freude, um weiter leben zu können. Und Sie wissen, daß Me neben aller Arbeit ein gutes Wort für Irene haben müssen. Immer mal zwischendurch ein gutes und liebes Wort, das kann doch nicht so schwer über die Lippen kommen, wenn man einen Men­schen tatsächlich liebt. Und ich finde, daß eine Liebe, die erprobt ist, tausendfach stärker ist als eine solche, die nur im Glück und im Tändeln aufwächst. Außer­dem, denken Sie doch einmal an sich selbst, hat Ihr Herz nie Sprünge gemacht, die mit der Liebe zu Ihrer Braut Nichts zu tun hatten? Uebrigens, da drüben wohnen die Pegels, bitte, grüßen Sie Irene von mir."

Anne Wegner nickt Horst Nielsen zu und geht zu den Ställen rüber. Er steht und sieht ihr nach. Kleine Morgenfee, wenn einer es versteht, den Men­schen ins Gewissen zu reden, dann bist du es. Ja, er kann Irene nicht zürnen, wenn er an sein eige­nes Herz denkt.

So, die Pferde sind gefüttert und neu eingeschirrt. Her mit der Leine, Vater Mechner, ich fahre wie­der aufs Feld!"

Der Leiterwagen rattert und stuckert über den Hof und vorüber an dem Dirkenwäldchen. Die Bir- ken hatten sich über die Heuwagen gebeugt und haben ihre Zweige mit Heu behängt. Anne jagt daran vorüber. Die Leitern des Wagens sind nach innen gekippt, breitbeinig steht Anne auf dem Wagengestell. Sie hält die Leine m den Händen. Los, ihr zwei, jetzt könnt ihr euch austoben!"

An diesem Abend spricht Franz Pegel mit Klarissa, Klarissa hat, wie so oft, angerufen und gefragt, wie alles geht, und wie es auf dem Birkenhof aussieht. Darauf sagt Franz, daß es gut geht, ja, daß es so gut geht, wie es nur gehen kann, und daß Anne die Seele des Ganzen sei.

So", antwortete Klarissa,und was gibt es sonst?" Aber da schlage der Teufel drein, hat die Alte nicht ein Wort der Anerkennung für die Nichte? Franz feuchtet sich die Lippen mit der Zungenspitze an, um mal wieder so recht von Her­zen seine Meinung in diesem Punkt zu äußern. Doch da nimmt ihm Luise den Hörer weg.Fräu­lein Wegner", ruft sie in den Trichter,ich muß unbedingt mit Ihnen sprechen." Also diese Luise!

Doch da kommt sie bei Klarissa schön an.Was!" schreit die Alte vom Birkenhof.Luise, du? Wozu das, was willst du mir sagen? Ich komme übermor­gen zurück und jetzt kostet jedes Wort eine Stange Geld." Hach, Klarissa ist in solchen Dingen sparsam.

Aber Luise, die sonst immer so zurückhaltend und vielleicht vor Klarissa ein bißchen ängstlich war, denkt nicht daran, sich schleunigst und stotternd zu verabschieden, bewahre.Fräulein Wegner", ruft sie, ob ©ie wollen oder nicht, das ist einerlei, aber das,

was ich Ihnen zu sagen habe, müssen Sie sich schon noch anhören. Es handelt sich um Annes Bräuti­gam, verstehen Sie? Um Annes Bräutigam han­delt es sich, Fräulein Wegner."

Und dann redet Luise lange. Sie erzählt von dem Herrn Schwertfeger und daß er in Berkin wohnt, und daß es am besten wäre, wenn Klarissa über Berlin fahren, ihn mal aufsuchen und mit ihm sprechen würde. Seine Adresse weiß Luise natürlich Nicht, aber es gibt ja Adreßbücher und Polizeiämter, in denen man nachforschen kann.

Sie sprechen viel zusammen, wohl eine Viertel­stunde lang. Es wird ein teures Gespräch, aber da­von ist nun nicht mehr die Rede. Klarissas Stimme ist ganz hell, und so laut schreit sie ins Telephon, daß sogar Franz ein paar Worte verstehen kann. Luise , schreit sie,Luise, daß der Junge Land­wirt ist, ist sozusagen ein Wunder der Natur. Aber das kann ich dir sagen, und wenn die Anne sich einen Straßenkehrer ausgesucht hätte und es wäre ein anständiger Kerl, der mit Lust und Liebe an die Arbeit geht, dann hätte sie auch den gekriegt, bei meiner Seele. Natürlich fahre ich nach Berlin und wenn es geht, bringe ich ihn gleich mit, einen Dir- kenhofbauer kann ich mir nicht schnell genug holen."

Das Gespräch ist aus, und die Gebührenrechnung oh! Das Fräulein vorn Amt lacht, und der Por­tier schmunzelt über die Summe. Doch Klarissa be» zahlt, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, ja, sie legt noch eine Mark für den Mann oben» drauf. Sie fährt ja nach Hause, sie fährt heim! In diesen Wochen hat sie das Bad gehaßt, aber jetzt denkt sie, daß sie doch wohl jedes Jahr hierherfahren wird, um neue Kräfte zu schöpfen, aber vor allen Dingen, um dieses Glücksgefühl, dieses selige Glücks­gefühl des Heimkehrens zu erleben.

Da ist nun die Riesenstadt Berlin, nichts dagegen zu sagen, aber Klarissa kommt sich so verloren vor wie noch nie im Leben, sie wird ihrem Schöpfer danken, wenn sie wieder draußen ist.

Zunächst hat sie eine Mission zu erfüllen, also los. Sie fteiat in einem Hotel Unter den Linden ab, findet die Zimmer zu laut und die Preise zu hoch und nörgelt ein bißchen, eben weil sie sich verloren vorkommt. Doch ganz schlimm wird ihre Stimmung, als sie sieht, daß im Adreßbuch eine Menge Men­schen unter der Rubrik:Schwertfeger" stehen. Was nun? Der Portier sagt ihr, daß er gleich mor­gen einen Boten aufs Präsidium schicken wird, ja, morgen früh kann sie die Adresse erfahren. Also warten? Sie wollte noch heute den Besuch machen und alles erledigen. Morgen mit dem erften Zug wollte sie weiter nach Hamburg fahren. Und nun sitzt die Alte vom Birkenhof in der asphaltierten und motorisierten Millionenstadt einsam und verlas­sen und muß warten!

Am nächsten Tag geht dafür aber auch alles gut und glatt. Schon neben ihrer Kaffeetasse liegt Der Schein mit der Adresse des Dipl.-Landwirts Chri­stian Schwertfeger. Er wohnt bei der Briefträber- witwe Johanne Schwertfeger im Norden Berlins. So, fo, das sind zwei Namen, nichts zu jagen gegen

diese Namen. Sind das nun Mutter und Sohn? Na, das wird sie ja bald erfahren. Nur nicht so heftig, nur nicht so fahrig, Klarissa, da hast du schon in deiner Hast den Kaffee üb erge schubbeit. Oder zittern dir etwa die Hände? Dummes altes Weib, herrje, dann gib schon das Frühstücken auf, es schmeckt ja doch nicht mehr. Ist der Hut nun so am richtigen Platz? Ein blödsinniges Ding von einem Hut. Aber natürlich, das Hinterste hast du nach vorne gekehrt. Klarissa stellt Selbstbetrachtun­gen an und tütett leise vor sicy hin. Dabei findet sie, daß es verflixt schwer ist, auf Freiersfuhen zu gehen.

Ein Auto bringt sie schließlich vor den Neubau­block, weit draußen im Norden. Hm, da ist sie also. Sie steht direkt davor. Ein mächtiges Quadrat ist der Wohnblock, mit einem braunen versengten Ra- enplatz, auf dem ein paar Stangenföhren ihr Da­rin fristen. Diese Föhren dauern Klarissa so, daß ie zu zahlen vergißt und schon davonstapft.Hallo", chreit der Chauffeur,soll ich warten?^

Klarissa kommt zurück und zahlt, sie ist ganz ver­wirrt von Berlin. Unb nun also die Treppen hnd), eine und noch eine. Lieber Himmel, sie wird hier in der Fremde bestimmt einen Herzschlag tn.ycn! Schließlich schafft sie auch die letzte Treppe und läutet an einer der Türen. Arme Hasen, mit drei Parteien wohnen sie in einem Stockwerk, kaum zu glauben.

Die Tür wird von innen geöffnet und eine schmale, behende kleine Frau steht vor Klarissa. Sie hat gute Augen, Klarissa sicht das zuerst, da wird ihr bas Herz leichter, obwohl es ja im Grunde ge­nommen nichts zu sagen hat, daß diese Frau da über einen guten und freundlichen Blick verfügt, tritt einen Schritt näher und sagt:Ich möchte Herrn Christian Schwertfeaer sprechen."

3n welcher Angelegenyeit, bitte? Er ist nicht hier, er ist im Dienst."

Im Dienst natürlich, daß sie daran nicht ge­dacht hat. Nun war also diese anstrengende Auto­fahrt durch die kribbelnde und bewegte Stadt um- jonst, und vergeblich war die Klettervartte in den dritten Stock dieses Hauses.Nein, so ein Pech", schilt sie.

Ja, aber, können Sie mir nicht sagen, um was es sich handelt? Ich weiß so ziemlich mit allem Be­scheid, was meinen Sohn angeht."

Also ist es doch die Mutter und nicht die Tante oder irgend sonst eine Verwandte. Freundliche kleine Mutter. Klarissa lacht.Unfinn, da können Sie mir bestimmt nicht helfen, idi muß schon mit dem jun­gen Monn selbst reden, denn das, was ich mit ihm zu besprechen habe, kann mir außer ihm keiner sagen, auch Sie nicht, Frau Schwertfeger. Aber ich glaube, Sie lassen mich erst mal zur Tür rein, da­mit ich mich einen Augenblick hinsetzen und ver» pusten kann. Mir sind die Knie schwach von Ihrer schrecklichen Treppe."

Ja, ja, aber gewiß, bitte sehr." Wie ein Bogel schwirrt die kleine Frau vor Klarissa her. Lieber Gott, es ist doch in der Großstadt nicht so, daß

I man zu jedem Unbefannten sagt:ftomrn doch

ein bißchen rein." Nein, so ist es nicht. Wer maa überhaupt diese imposante alte Frau sein, was will sie von Christian? Jetzt steht sie in der Wohnstube, und es sieht wirklich so aus, als schrumpften Decke und Wände zusammen, als würden sie kleiner vor dieser großen und breiten Gestalt.

Fine Schwertfeger schiebt einen Sessel herbei. Er ist noch das letzte Stück aus ihrer guten Stube von früher. Er ist mit roten Druckplüsch bezogen. Beim Mittags schlaf ist er ihr Ruheplätzchen, alle übrigen Sachen sind lange verkauft, und was an neuen Dingen da ist, ist ganz und gar nicht überwältigend. Hnd doch sieht man die Liebe, mit der die Kak­teen auf der Fensterbank und auf dem Tischchen unter dem Fenster gepflegt sind.

Klarissa läßt sich schwer in den Plüschsessel fallen, so schwer, daß er beänftigenb ächzt und stöhnt. Solch eine Frau ist er nicht gewöhnt.Wollen Sie sich Denn nicht setzen, Frau Schwertfeger?" fragt sie und schnaubt und pustet.So, so, Sie sind also Die Mutter Christian Schwertfeaers. Na ja, um die Vorstellungvollkommen zu machen ich bin die Tante von der Anne Wegner."

Ach", sagt die kleine Frau und fährt sich mtt beiden Händen zum Herzen.

Wird die alte Dame nun etwa gerührt oder so? Um Gottes willen, das ist nichts für Klarifsa. "Na", fragt sie daher sehr schnell,will das Herz bei Ihnen etwa auch nicht so recht? Ich komme gerade aus Nauheim. Es hat mir gutgetan, nichts dagegen zu sagen, aber solch ein Bad beinahe so schlimm wie Berlin."

Jetzt haben die beiden Frauen ein gutes und un­gefährliches Fahrwasser vor sich, darin können sie noch eine Weile umherplätschern, ganz ohne Rüh­rung.Ja", sagt Fina Schwertfeger,zuerst habe ich es hier ja auch nur schlecht ausgehalten, aber es ging doch nun mal nichts anders. Der Junge wollte studieren, und meine Pension ist nur lütt Jetzt ist er fertig und hat sogar eine Anstellung, jetzt kann ich es mir ganz nett gemütlich machen."

So sitzen sie sich also eine Welle gegenüber und reden. Sie sehen sich aus den Augenwinkeln an und möchten wohl wissen, was die andere denkt, aber sie sind beide nicht so, daß sie ihr Herz ohne web teres auf schließen und etwa sagen:Sieh hier, so dachte ich mir die Sache mit den beiden Kindern, was sagst du dazu?" Nein, sie sind zwei Frauen vom Lande, sie sind vorsichtig und zurückhaltend und geradezu reden sie nicht. >

Klarissa bleibt sitzen, bis sie sich erholt hat. Dann steht sie auf, und die kleine Mutter steht auch auf. Die Birkenyoferin möchte die Telephonnummer des jungen Mannes haben, um ihm gleich mal im Büro zu [agen, daß sie ihn erwartet. Als sie aber sicht, oaß die Finger der alten Frau Schwertfeger so heftig zittern, daß auch nicht eine Zahl richtig zu­stande kommt, ist ihr Mitleid größer als ihre Zu­rückhaltungIch soll den Jungen nämlich von meb ner Nichte Anne grüßen, und dabei wollte ich ihn denn gleich fragen, ob er nicht schon die Kartoffel' und Rübenernte auf dem Birkenhof mUmamtü will.* (Fortsetzung folgt)