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Aufgebot der Liebe.

. Weihnacht ist wieder im Land, liebe, traute, deutsche Weihnacht. Auch trotz Krieg und Kamps kommi sie mit ihrem eigenen Zauber und ihrem echten, tiefen, starken Sinn zu uns allen, daheim und draußen, um ihr immer wieder großes und herrliches Wunder zu wirken, das alte und doch immer neue Wunder der Liebe. Sie erfüllt die Herzen mit einer schier unbesiegbaren und unver­wüstlichen Festlichkeit und Freudigkeit, Zuversicht und Gewißheit.

Was ist es eigentlich um dieses wundersame Ge­heimnis der Weihnacht? Es ist, ganz schlicht gesagt und empfunden, jene wundersame Macht der Liebe, die jetzt wieder durch die Welt und durch die Menschheit und durch die Herzen und Gemüter geht, wie sie. in dem Maße doch sonst nicht zu spüren ist. Es ist ein heiliges Aufgebot der Liebe, eine Mobilmachung aller Liebe, die in einem Volke verborgen und vorhanden ist, ein gewaltiges Zusammenströmen in einem großen Strom, der schließlich ausmündet in dasMeer der Liebe", die sich in Weihnacht offenbart. Bis in die kleinste Hütte rauscht dieser Lebensstrom hinein, bis zu den einsamen, vorgeschobenen Unterständen der Küstenwacht und bis in die U-Boote und die Flug­zeuge findet er seinen Weg, bis ins stille Lazarett... überall hin ergießt sich dieser starke, segenbringende Freudenstrom warmer Liebe. Und der Hauch der deutschen Heimat zieht mit ihm in die Herzen und Seelen.

Denn kein Volk der Welt feiert solche Weihnacht wie das deutsche Volk. Kein Volk der Welt wob soviel Innigkeit des Gemütes, soviel Kraft der Seele und des Herzens, soviel Glauben und lichte Hoffnung, soviel strahlende Freude und heimlichen Glanz, soviel Liebe und wieder Liebe in das Fest hinein, wie das deutsche Volk. Deutsches Empfinden hat dieHeilige Nacht" umdichtet und umfangen mit den schönsten, herzinnigsten Weisen, deutsches Gemüt hält voller Andacht stille vor der Große der sich selbst entäußernden göttlichen Liebe, die alles schenken kann aus der Macht der Liebe und im tiefsten Grund durch nichts anderes wirken will, als eben durch die Macht der Liebe.

Auch alles, was der Krieg an Härten und Furcht­barem mit sich bringt, bis hin zu den größten Opfern an Gut und Blut, all das bekommt ein an­deres Gesicht, wenn es durch die heiliae Liebe ge­schaut und verklärt wird, eben als Opfer der rein­sten und höchsten Liebe. Und wenn es sich in dieser großen Bewährungsprobe unseres Volkes um die höchsten und heiligsten Güter handelt, um Treue und Ehre und Freiheit, so ist auch der tiefste Grund die Liebe, die allein dazu fähig macht. Denn wie wäre das alles möglich ohne die Liebe zu Volk und Vaterland, ohne die Liebe zum Höchsten und Edelsten, was ein Menschenherz kennt und weiß! So münden ja schließlich alle wirklichen Opfer und Entbehrungen, aller Heldenmut und alle Heldentat, gebracht und vollbracht in der Kraft der Liebe, ein in dasMeer der Liebe", von dem Weihnachten uns zu jagen weiß. So ist Weihnacht das große Aufgebot der Liebe.

So wird sie auch diesmal bestimmt nicht fehlen, sondern doppelt und dreifach zur Stelle fein, wo deutsche Soldaten ihre harte und schwere Pflicht tun, sie wandelt herzlich gern auch den weitesten und beschwerlichsten Weg, Denn sie trägt ja unend­lich liebe, teure Gabe, die echteLiebesgabe" der Heimat an ihre Väter und Söhne da draußen, tau­send und aber tausend Briese und Päckchen, alle in Liebe und Sorge gchegt, tausend liebe Grüße und Wünsche aus heißen, liebevollen Herzen trägt sie hinaus in das Winterdunkel und macht die Herzen froh und fröhlich.

Auch diesmal braucht uns im zweiten dunklen Krieqswinter nicht bange zu werden, das Licht und die Liebe der Weihnacht macht ihn hell und erträg­lich. Der deutsche Lichtgedanke und der himmlische' Liebesgedanke der Weihnacht vereinen sich zu einem stillen und starken Leuchten, das unser ganzes Land und Volk erfüllt und erhellt, das uns allen Schmerz und alles Leid vergessen und überwinden läßt in der frühen Gewißheit, daß hier etwas ist, was uns durch nichts geraubt werden kann, sondern in un­besiegbarer Kraft und Freudigkeit mit uns geht. Weihnacht ist so groß und so reich, so unerschöpflich

Die deutsche Weihuachtssiube.

Von Mana Kable.

Draußen brennt das hohe Sterngefankel des Winterabends über verschneiten einsamen Feldern. Alles Leben der Natur liegt in Vereisung, selbst das Bachsprudeln aus den Herzquellen der Erde erstarrte unter der gläsernen Wand des Frostes. Ein eisiger Wind saust um das Haus, rüttelt an den 'Sähen, tobt und heult wie die wilde Jagd. Aber drinnen in der lichthellen Stube ist es warm und behaglich: am runden Tisch im Schein der Lampe ist die Familie versammelt. Die kleinsten Kind sind schon zu Bett gebracht, doch die älteren Geschwister dursten aufbleiben und bei den Weih. Nachtsvorbereitungen helfen. Vater bastelt mit wich­tigem Eifer an einem Kaufladen, Mutter sitzt an der Nähmaschine und näht Kissenbezüge für das Puppenbett der Jüngsten, die große Tochter schnei­dert aus bunten Seidenlappen ein Puppenkleid, Willi und Hermann vergolden Nüsse für den Weih­nachtsbaum und schnitzen kleine Leuchter für die Krippe, die schon auf einem Nebentisch steht.

Bratäpfel knuspern und duften vom Ofen her; die blonde Tochter schiebt das Seidenzeug zur Seite und zieht aus dem Adventskranz ein paar Tannen- zweiglein heraus, öffnet die Ofentür und läßt sie anbrennen: ^,Das riecht so wunderbar!"

Vater schaut von seiner Arbeit auf:Weißt du auch, daß es eine ganz alte Sitte ist, zu Weihnach­ten Tannenzweige zu verbrennen?"

Ein feiner Waldduft zieht mit dem Knistern der verglostenden Zweige durch bas Zimmer.

yn früher germanischer Zeit", sagt der Vater, war das Urbild unseres Weihnachtsbaumes der Julblock, der zur Wintersonnenwende in der Feuer- stelle eingegraben wurde, ein Knorren aus Eiche oder Esche. Man ließ ihn in den zwölf heiligen Nächten am Herde glühen, und wenn er langsam verbrennend zu leuchten begann, wurden die Worte gesprochen:

Das verborgene Feuer kommt. Alles geht gut.

Das verborgene Feuer in der Dunkelheit der zwölf heiligen Nächte war die wiederkehrende Sonne. Später, als unsere Vorfahren in die Städte zogen, nahmen sie an Stelle des Julblocks Tannen. Zweige^ noch heute üben sie in Schweden diesen Brauch."

Vater, du weißt soviele Märchen", sagt die Toch- ter; sie setzt sich zu ihm und hält seine Hand fest, die schon wieder nach Holzbrettchen und Leimtopf greift.Früher, als wir klein waren, hast du uns an den Abenden yox, Weihnachten immer, schöne

und unermüdlich in seiner Liebe, daß keiner ohne Licht und Liebe, ohne Hoffnung und Freude zu sein braucht, der sich nicht selbst davon ausschließt. Das ist auch diesmal unser schöner und starker Weih­nachtsglaube.

Und in solchem Weihnachtsglauben sehen wir ge­trost allem Kommenden entgegen. Ein Volk, das jolchen Glauben hat, ist wohlbehütet und wohlbe- jchützt. Er wird uns die Treue halten lassen in dem

uns aufgezwungenen Kampf für das Reich aller Deutschen, er wird uns immer das Heilige hüten lassen, auch wo Blut vergossen werden muß, denn er wird uns das Schwert führen lassen in der Kraft und in der Reinheit der Liebe, die wir von Weih­nacht her kennen, und die uns reich und stark ge­macht hat. So wünschen wir unserem Volk eine frohe, schöne und von der wahren Liebe erfüllte, gnadenbringende Weihnachtszeit. M.

Nofretetes Püppchen und die Muhkuh des kleinen Ramses. Kinderspielzeug vor fünftausend Jahren.

Archäologen sind sehr gelehrte Herren, die sich mit alten Aegyptern, ©ummerern und Persern gründlicher beschäftigen als mit kleinen Kindern von heute. Das ist vielleicht die Erklärung für manche Erläuterungen in Museumskatalogen, über die unsere Sohne und Tochter sich vielleicht wun­dern. Da liegt eine alte Klapper aus dem 9. Jahr­hundert v. Ehr. Nach der Erläuterung soll es ein Zauberinstrument zum Verscheuchen böser Dämonen {ein. Unser Kleines aber erkennt das Ding gleich als Kinderklapper. Er nennt auch die viertausend­jährige kleine Puppe sogleichPuppe" und nicht Nachbildung einer Göttin". Die kleine holzge­schnitzte Kuh im Grabe eines ägyptischen KÖnigs- johnes ist vielleicht ein religiöses Symbol der Vieh­zucht, vielleicht aber auch einfach dieMuhkuh", mit der ein kleiner Ramses gespielt hat, und die ihm als Lieblingsfaielzeug mit ins Grab gegeben wurde.

Es ist erstaunlich, wie zäh seit dem Beginn menschlicher Kulturgeschichte bis heute die Kinder aller Völker an den Urtypen des Spielzeugs fest- gehalten haben. Die in den Gräbern ägyptischer Prinzessinnen gefundenen Puppen sind sicher von der Mama oder den Erzieherinnen selbst hergestellt worden. Die in primitiver Weise mit Gesichtszügen bemalten runden Köpfe tragen Perücken aus Per- len^ und auf Beine hat man verzichtet, denn es warenAnziehpuppen", bei denen der lange Rock ohnehin die Beine unsichtbar machte. Die aus Holz geschnitzten und bemalten Kühe bildeten Herden auf dem Spielzeugtisch der Jungen in Aegypten schon vor fünftausend Jahren. Bei den übrigen Kul­turvölkern des Altertums war es nicht anders. Etwa dreitausend Jahre alt sind zwei im altpersi­schen Susa ausgegrabene Spielzeugtiere, die jetzt im Pariser Louvre stehen. Aus weichem Kalkstein sieht man da einen Igel und einen Löwen. Jedes Tier steht auf einem kleinen vierrädrigen Untersatz, der vom mit einem kleinen Loch versehen ist. Hier wurde die Schnur eingezogen, an der der persische Junge spielend seine Tiere zog.

Ob die Hampelmänner mit beweglichen Gliedern,

die man in ägyptischen Gräbern fand, zum Spiel­zeug gehören, darüber sind sich die Gelehrten nicht einig mit den Kindern. Manche Gelehrte meinen, man habe symbolisch den Toten zu ihrer Bedienung Sklaven mit ins Jenseits geben wollen. Jedenfalls wären diese aus Holz geschnitzten Figuren durch das Ziehen an einer Schnur ebenso in Bewegung zu setzen, wie die Hampelmänner von heute.

Jo-Jo", das Kinderspielzeua, das in bestimmten Zeitabständen immer wieder die Mode beherrscht und auch von den Erwachsenen mit Leidenschaft ge­spielt wird, war schon im alten Hellas zu einer wahren Landplage geworden. Wir können Las an dem Bildschmuck altgriechischer Vasen feststellen; aber sogar altägyptische Wandmalereien zeigen schon Frauen beim Jo-Jo-Spiel. Im alten Grie­chenland hat es sicher schon Puppenküchen und Puppenstuben gegeben. Die Miniatur-Hausgeräte, die in großer Zahl gefunden wurden, beweisen das.

Das Steckenpferd, das beim Soldatenspiel der Buben für die Ausrüstung derKavallerie" eine Rolle spielt, war in Alt-Griechenland bereits be­liebt. Der würdige, weise Sokrates wurde von Alki- biades einmal dabei überrascht, wie er inmitten spielender Kinder auf dem Steckenpferd eine wilde Attacke ritt.

Während im Altertum das Kinderspielzeughaus- aemacht" war oder in feinen besseren Ausführungen fiir Prinzen und Prinzessinnen von Hofkünstlern in kostbarem Material angefertigt wurde, kam im 16. Jahrhundert billiges Spielzeug aus Deutschland in die ganze Welt. Es war Nürnberg, das als erste Stadt der Erde die Massenproduktion von Spiel­zeug zu einer gewinnbringenden Export-Industrie machte. Bereits 1413 gab es in der alten Reichs­stadt eine besondere Zunft der Puppenmacher, aber hundert Jahre später gab es in Nürnberg mehrere Manufakturen, von denen jede über 350 000 Holz­trompeter jährlich herstellte. Daher wurde auch in dem alten Spruch gesagt:Nürnberger Tand, Augsburger Geld, geht durch die ganze Welt!"

Weihnachten in der Geschichte.

Daß ein rechter Frieden oft schwer erkämpft wer­den muh, davon gibt die deutsche Geschichte mah­nende Kunde. Nicht immer konnten die Menschen sich Weihnachten festesfroh hingeben. Ende eines alten langen Kampfes brachte das Christfest des Jahxes 785; aber noch kämpfte das Herz eines edlen Deutschen, ehe er in jener schicksalhaften Weih­nacht Frieden fand, das Herz Widukinds, des Sachsenfürsten. Die Sage erzählt, er habe sich in Bettlerkleidern ins Heerlager Karls des Gro­ßen eingeschlichen, um zu kundschaften, sei zufällig Teilnehmer der Christmette gewesen, habe den Geist des Heilandes verspürt und sich bekehrt. Doch berichten alte Quellen glaubwürdig Folgendes: Um die alte, blutige Fehde endlich beigulegen, schlossen Karl und Widukind einen Vertrag, daß der Sach- senherzog zur Weihnacht den König besuchen würde und sich im Münster zu Attigny taufen ließe. Das geschah auch während der Christfeier; Karl seldsi wurde Taufpate des bekehrten Feindes. Ob Widu­kind das Bekenntnis nur aussprach, um seinem Sachsenoolke weitere Blutopfer zu ersparen, miffen wir nicht. Vielleicht ist er wirklich an den Germa- nengöttern irre geworden, weil sie dem tapferen Sachsenstamme den Sieg versagten.

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Auf den Tag fünfzehn Jahre später ist es! Karl, der Frankenkönig, weilt in Rom. Die Herr­schaft über Rom forderte nach alter Auffassung die Annahme des Cäsarentitels. Karl hat gewiß auch die Kaiserkrone erstrebt; aber wie sie ihm zuge­sprochen wurde, war ein politischer Husarenstreich. Es geschah folgendes: der König war zur Weih­nachtsandacht in die Peterskirche gegangen, hatte fein Eingangsgebet am Grabe des Apostels Petrus gesprochen und wandte sich dem Meßraume zu. Da trat von hinten Papst Leo III. auf ihn zu, setzte ihm eine goldene Krone aufs Haupt, und die Romer riefen, während die Begleiter Karls überrascht schwiegen, aus:Heil dem frommen Carolus Augustus, den Gott kröntet Heil, Leben und Sieg dem friedespendenden Kaiser!" Karl war so ent­rüstet über den Vorfall, daß er beim Verla sen der Kirche sagte, wenn er den Plan des Pap tes ge­kannt hätte, so hätte er trotz des hohen Fe ertages den Petersdom nicht besucht. Er spürte sofort, daß der Papst sich dadurch eine politische Ueberlegenhett hatte sichern wollen, denn, wie Fontane bei anderer Gelegenheit sagt:Der erst ist der Kaiser, wer den Kaiser macht!"

Das empfand auch Heinrich der Sachse, des

deutschen Reiches Gründer. Zur Weihnacht 918 w® sein alter Gegner König Konrad gestorben. An, ' Sonnröendtag hatte er auf dem Sterbebett, feinen * alten Groll vergessend, seinen Getreuen beföhle^ den Sachsenherzog als den tüchtigsten der Leben, . den um die Uebemahme der ftönigsgemalt zu bitter, i Als die Christglocken klangen, war Konrad eben ' heimgegangen, doch sein Entschluß brachte den Mann zur Macht, der am Beginn des ersten Reiche; stand wie ein Recke der Vorzeit. Er lehnte die kirch | liehe Krönung ab; wohl war er wie seine heilü gesprochene Gattin Mathilde ein frommer Christ aber der politischen Abhängigkeit von der Kirch; wollte er nicht anheimfallen. Mit höflicher Klug, heit antwortete er dem Klerus:Wie hätte ich solch, ches verdient? Wie sollte ich mich krönen lassen, da ich erst am Beginne meiner Arbeit stehe!"

Politische Weihnachten gibt auch oft blutige Weih, nachten. Da ist an die©enblinger Mord, Weihnacht" zu denken. Im spanischen Erbfolge, krieg focht Bayern nicht eben zur Freude bei Volkes auf Frankreichs Seite. Den Habsburger als den Hauptgegnern gelang es 1704/05 weid I Gebiete Bayerns zu besetzen. Die habsburgischen Gewalthaber trieben es arg bei der Erhebung von I Steuern und Requisitionen. Da taten sich die Ober, länder mit dem Schwur zusammen:Lieber bag, risch sterben, als habsburgisch verderben!" 500y Männer in Joppe und Lederhose, Gamsbärte an Hut, Spieß oder Stutzen auf der Schulter, rückten am Tage vor Weihnachten 1705 also am Heili. gen Abend über Sendling nach München. An der Spitze marschierte mit einem blauweißen Fähn. lein in der FaustBayerns stärkster Mann", bet Schmied von Kochel, namens Hans Meiei; seine sieben Söhne folgten ihm auf dem Fuhr Als man ans Jsartor kam, fand man es geschlos­sen, doch der Schmied meinte, es sei nie zu spat, liebe Gaste einzulassen. Drum schlug er, während droben die Weihnachtsglocken zur Christmette läu, teten, mit einer gewaltigen Eisenkeule die Festung» ; pforte ein. Da kam es zu einem blutigen Gefecht auf schimmerndem Schnee in den Straßen; bii Weihenacht" wurde zurWehenacht". Zwar bin teten die Freiheitskämpfer vergeblich kaum einet kam heim. Doch allerorts rühmte man den Schmie) von Kochel und feine Jungen, die das Wort er- füllten:Lieber bayerisch sterben, als habsburgisch verderben!"

Die ältere Zeit kannte wenig Weihnachtsschlach« ten, weil im allgemeinen Krieg und Fehde irn Winter ruhten; die typischen W inter schlachten: schon Leuthen kann man allenfalls dazu rech­nen schuf erst die Neuzeit. Anno 1870 fielen einige besonders blutige Kämpfe in der Weihnacht» woche, so die opferreiche Schlacht an bet Ha11 ue; dennoch hat der deutsch-französisch« Krieg eine friedliche Sendung erfüllt; er macht! die Franzosen mit dem viel bestaunten Weihnacht» bäum bekannt. Neun Jahre früher war es gewe­sen, als im amerikanischen Sezessionskriege btt Deutsche Division" ihr Weihnachtsfest am Potn- macfluß feierte und dort zuerst den deutschen Lich- terbaum erstrahlen ließ. Im Weltkrieg staunten die sibirschen Gefangenen über bas schone Licht« wunder, bas in tausend Frontstellungen nach außen wohl abgebunfelt ebenso erglänzte, wrt in den Lazaretten. Auch heute wird der deutsch; Weihnachtsbaum den Treuen im Felde und aii| See strahlen, als dankbarer Gruß der wohlbeschirm- ten Heimat.

Werner Lenz.

Wer seine Zähne gesund erhalten will, mutz sie unbedingt jeden Abend von allen Speiseresten befreien!

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Märchen erzählt, und wir glaubten die Flügel vom Christkind zu sehen, wenn draußen der Schnee vor den Fenstern stäubte ..."

Und dann fanden wir morgens vor der ver­schlossenen Weihnachtsstube ein goldenes Engelhaar, und Mutter sagte, bas Christkind wäre nachts da­gewesen."

Und einmal haben mir heimlich durchs Schlüssel, loch in die Weihnachtsstube gesehen. Irgend etwas Silbriges, Schimmerndes glaubten wir zu entdecken, wir zitterten dabei, und ich weiß nicht, ob es die Spannung und Wunderangst war ober bas schlechte Gewissen und es roch wirklich schon nach Weih­nachten!"

Nein, dies sind keine Märchen", erwidert der Vater.Dies ist etwas vom Urglauben und Ur- roi||en der Menschen, oder besser, der nordischen Völker. Denn nur bei uns im Nordland ist der Baum heilig, ja unsere Ahnen glaubten, daß er eine Seele habe; nur aus dem Dunkel langer frost­kalter Winternächte konnte solche Sehnsucht wachsen nach dem Licht, dem aus der Vereisung das Blut der Erde wieder zuströmt. Auch das Blut der Sippe ... Unsere Vorfahren glaubten, daß in der Julnacht die Toten zu ihrer Sippe zurückkehren. In Kärnten wird heute noch in der heiligen Nacht für die Toten der Sippe ein geschmückter Tisch gedeckt. Weihnachten war seit alterher bas Fest ber Sippe, der Familie. Das verborgene Feuer, bie Wieber- kehr ber Sonne, galt aber auch als Gleichnis für die eroiae Wiederkehr der Toten aus dem Blut ber Geschlechter ewige Erneuerung der Sippen- familie."

Die Mutter hat in Gebauten versunken zugehört; hat sie überhaupt zugehört? Nun steht sie auf unb himmt ben kleinen Leuchter, Öen ihr Jüngster eben schnitzte, stellt ihn vor bie Krippe und entzündet bas Lichtlein.Hebt noch einmal euer Weihnachtslied", sagt sie zu den Geschwistern.Aber leise, daß die Kleinen nicht wach werden."

Die beiden Jungen und bas Mädel holen Geige und Flöten, sacht stimmen sie sich ein, bann be- ginnt die schwebende Weise, von ber man sagt, daß sie aus dem Westfalenlande stammt:

Vom Himmel hoch, ihr Englein kommt. Eia, Eia ... Susani, Susani, Susan!.

Der Wind braust um bas Haus Draußen starrt die Welt in Eis und Schnee. Drinnen leuchtet ein heller Schein. Das verborgene Feuer glüht in den Herzen.

*

Die Dunkelheit des nordischen Winters treibt uns in die warme helle Geborgenheit ber Familie. Das Wort Pestalozzis von berWohnstubenkraft" gewinnt eine besondere Bedeutung in dieser Zett,

und auch jener andere Satz bes großen Erziehers, daßbie häuslichen Freuden bie schönsten ber Erbe sind", hundert, tausend, hunderttausend deutsche Käufer verstrahlen aus traulicher Herdwärme bas Licht der Weihnachtssreude in die kalte Nacht. Der Einzelne vergißt, angerührt von unerklärlichen Ge­walten, seine kühle Einsamkeit im Ueberschwang bes Herzens, das schenken will unb Festglanz verbreiten wie ein Licht, das im Leuchten sich selbst verzehrt. In diesem Leuchten inmitten aber steht bie Mutter, bie sich verschenkt ohne ein bewußtes Deuten ber ©nabe, bie sie überschimmert, wie die alten Meister die Madonna malten, ganz umflutet von dem Licht, bas aus ihrem eigenen Herzen brach. Die Mutter ber Geschlechter, aus bereu Herzen uns ewige Wiederkehr bes Göttlichen entgegenströmt unb zum Bilb bes Kindes führt. Sie breitet sich aus im Geben wie ber Weihnachtsbaum, unb wie sie in ihren Kinbern sich verzweigt, strahlt bas götlliche Licht aus ben Augen junger Geschlechter.

Der verfolgte Weihnachtsbaum'

Von Th. DoSbehr.

In bem Jahr, in dem Goethe nach Weimar kam, erschien kurz vor Weihnachten in berWei- marschen Forst- und Jagdordnung von 1775" das strickte Verbotbie Wipfel der Tannen, Fichten und Kiefern zum Zweck ber Anfertigung von Quirlen, von Aushängezeichen von Wein und Bierschank und zu den auf Weihnacht 'gewöhnlichen sog. Christ­bäumchen zu mißbrauchen".

Als Goethe den Erlaß zu Gesicht bekam, blickte er erstaunt auf. Wie war das? Christbäume waren ein Mißbrauch? Er erhob sich und ging ärgerlich im Zimmer auf und ab. Konnte er, ber Dichter des jungen Werther" dazu, schweigen? Er trat an bas Bücherregal heran und griff nach einem schmalen Bändchen.Die Leiden bes jungen Werthers. Leip­zig in der Weygandschen Buchhandlung 1774" stand auf dem Titelblatt. Er blätterte. Schnell hatte er die Stelle gefunden. Da stand unter dem Datum des 20. Dezember:Es mar der Sonntag vor Weihnachten, abends kam er zu Lotten und fand sie allein. Sie beschäftigte sich, einiges Spielzeug in Ordnung zu bringen, bas sie ihren kleinen Ge­schwistern zum Christgeschenk zurecht gemacht hatte. Er redete von dem Vergnügen, das die Kleinen haben würden unb von den Zeiten, da einem die unerwartete Deffnung der Türe und die Erschei­nung bes aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern unb Zuckerwerk unb Aepfeln in paradiesisches Ent­zücken setzte."

Während Goethe das las, stand ihm |o manches

Weihnachtsfest vor Augen, auch ber Weihnachts­abend, ben er als Leipziger Stubent im Hause be* Kupferstechers Stock unter bem brennenden Christt- baum erlebt hatte. Wie war es lustig in der engeji Dachstube gewesen! wie hatten die Augen der beit den kleinen Mädchen geleuchtet? Und in WeinM wollte man aus ber schönen, noch so jungen Sitv ein Derbrechen machen? Unerhört!

Aergerlich stellte er benjungen Werther" wieder an feinen Platz unb überlegte, was zu tun sei. SiÄ birett an ben Herzog wenden? Carl August liebte es nicht, tvenn man sich in Dinge mischte, für dir man nicht zuständig war. Und im ersten^Jahr seine s Weimarer Lebens galt es, ein wenig Diplomat M sein, um den Freunb nicht zu brüskieren. Es blielb ihm also nur ber direkte Appell an das ForstaM

Am nächsten Tag ging Goethe zum Dberfarft1 meister. Mit all ber Wärme, beren er fähig man, sprach der 26jährige von der Poesie des Weihnacht»' ba ums unb von ber staatlichen Aufgabe, erfreuliche Sitten wachsen zu lassen unb zu schützen. Aber dec gestrenge Herr ber staatlichen Waldungen sagte: es gäbe auch Sitten, die in Wirklichkeit Unsitte« seien unb wenn die früheren, frommen Jahrhun­derte ohne Christbaum ausgekommen seien, h könne ja auch das unfromme Jahrhundert, in beim man sich jetzt befände, ohne solche Zerstörung btf Nadelholzwalbungen auskommen. Denn, wen« wirklich biefe Gepflogenheit einzelner Familien zur Allgemeinheit würde diese Perspektive sei für einen Forstmann, der es gut mit feinen Wälder« meine, nicht auszudenken! Er werbe nur eine,« Befehl des Herzogs weichen!

Goethe sah ein, daß hier nichts zu machen fei Unb ba er weiter einsah, baß ein offener Kamp«' keineswegs zu einem Siege führen würbe, beschloß er jetzt nicht zum Herzog zu gehen. Aber vorn nach' [ten Tag an begann er einen stillen Kampf g-fl« dieWeimarsche Jagd- unb Forstordnung". E.c warb jahrelang, wo er konnte, für bie neue Sitte Der Oberforftmeifter v. Webel, ber ben steigern­den Einfluß Goethes in Weimar bald intenfiw spürte, benutzte bas Jahr der Reise Goethes na* Italien, dem Herzog zu melden, daß nicht wenige als 500 Christbäume im letzten Jahr in Weimcrr unb llmgegenb verkauft worden seien unb 'M strenge Maßregeln gegen biefeBarbarei" j« bitten.

Aber ber Weihnachtsbaum hatte sich bereits anr Hof unb in der Gesellschaft so eingebürgert, baß atf eine Abschaffung ber Sitte schon nicht mehr zu beu­ten war. Goethe hatte über bas Forstamt ben Siefi baöongetragen. Das freute ihn bis in bas Hotz' Attex hinein.