Ausgabe 
24.12.1940
 
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Dege zu mir gewesen, um die Botschaft der

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Weihnachtsbrief ins Feld

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der Welt gibt, bewahrt eine größere Anzahl von alten Liedersammlungen und Autographen, in denen unsere Weihnachtslicder auftauchen.

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Deutsche Weihnacht

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Aus dem Jahre 1524 stammt dasGeysllich (9* sangbüchlein" des Lutherfreundes Johann Wall-

Weihnacht.

Don Wa ter Kruppa.

Leis' kommt die heil'ge Nacht heran.

Die Glocken rufen sie schon aus.

Nun zünd' ich wohl die Kerzen an, breit', liebe Frau, indes die Gaben aus.

Ist keine dabei von Gold und hohem Wert. Doch das Geringe wird verzaubert fein, weil jedes einen stillen Wunsch beschert. Nun führe unsre Kinder all herein.

Erblühe denn, du Wunder dieser Nacht, das Jahr um Jahr aufglünzt durch alle Zeit, wenn sich der Kerzenschein verhundertfacht in Kinderaugen, die vor Staunen weit,

Auch die Musikabteilung der Preußischen Staats« | bibliothek in Berlin, deren Sammlung vergilbter: Notenschätze zu den wertvollsten zählt, die es ni |

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Weihnachten ist ein Fest der ganzen Welt doch vor allem ein deutsches F e st, das in einem Sinn und Geist wie kein anderes Doll

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_ unseren Gesangbüchern wird Luther oür Verfasser des Liedertextes genannt, wir wissen aber, daß das Lied schon aus der Zeit vor der Refon« mation stammt, und daß Luther ihm einige 6tre«

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ter. Es enthält neben vielen anderen Weihnacht-' liedern, die bis auf unsere Tage gekommen sinA, das allbekannteste:

Gelobet seystu Jesu Christ, Das du Mensch geboren bist, Von einer Iungfrawen, das ist war, Des freuet sich aller Engelschar.

Kyrie eleison."

phen hinzugefügt hat.

In dem 1607 erschienenenMusae Sioniae bei Michael Prätorius, der durch seine Kom e» itionen vielstimmiger Kirchenmusik berühmt wurde, inden wir das alteEs ist ein Ros' e nl* prungen" wieder. Prätorius, der lange Zeit ii Wolfenbüttel wirkte, ändert hier die letzte Zeile bei altkatholischen Liedes, die lautetebleibend eim' reine Mogd" um inwol zu der halben Nachts

nicht Krieg um seiner selbst willen, aber wenn er uns ausgezwungen wurde wie das geschehen ist, so ist eben der Krieg die Fortsetzung der Politik der Vernunft mit anderen Mitteln. Diese Vernunft schließt ja auch die Gerechtigkeit ein, denn das Leben hätte seinen Sinn verloren, wenn wir weiterleben müßten im Bewußtsein, daß Unrecht f Aier Kriegswinter hast Du im Weltkrieg miter­lebt. Im vorigen Jahr warst Du am Westwall und in diesem Jahr stehst Du nun an der Nordseeküste, wo trotz der winterlichen Stürme der Kampf wei­tergeht. Ich habe nicht vergessen, wie Du mir kürz­lich schriebst, wie nächtens über Euch die deutschen Flieger im Kampf gegen England dahinbrausen. Wir kennen keine falsche Sentimentalität und wir dürfen sie auch in diesen Tagen nicht kennen-, wer einen Kumps wollte, muß den Kampf fühlen bis er durch die Wucht der Waffen friedensbereit ge­worden ist.

Sechs Kriegswinter, das ist gewiß viel für eine Generation, für die Soldaten des Weltkrieges, die jetzt wieder mit dabei sind; aber gerade sie dürfen das Bewußtsein haben, daß ihre, das ist unsere Generation, nach den Aufgaben gewertet wird, die ihr vom Schicksal gestellt werden und wir dürfen ja besonders stolz darauf sein, daß die Generation, die nun nach uns kommt, fiel) in der gleichen Weise bewährt hat. Dieser Feldzug in Frankreich im Jahre 1940 ist ohne Beispiel in der Geschichte und wir können uns kaum denken, daß noch einmal irgendwo in der Welt Führung und Soldatentum Aehnliches leisten; das ist kein unberechtigter Stolz, das ist eine Feststellung aus den Tatsachen heraus

Eure Gedanken dort draußen und unsere Ge­danken daheim sind in diesen Tagen und Stun­den beieinander. Wir vertrauen auf Euch und ihr dürft das gute Gefühl haben, daß auch bei uns alles geschieht, um Euren Angehörigen daheim so gut und gereckt wie es möglich ist, die Kriegslasten tragen zu helfen. Deutsche Soldaten stehen in Nor­wegen in der Polarnacht auf Posten, deutsche U-Boote durchfurchen auch jetzt die Nordsee, deutsche Flieger brausen über England, und überall im Westen und im Osten, wo der deutsche Soldat steht, steht er in tapferer Pflicht. Auck in dieser Weih­nachtszeit heißt Soldat sein, tapfer sein. Wir und Ihr sind gerade jetzt fester verbunden denn je. Diese Weihnachtstage sollen uns Tage der Besin­nung sein, die uns Stärke geben, bis der große Kampf dieser Jahrzehnte mit unserem Sieg ge- endet bat. So grüßen wir Euch und so nehmen wir Eure Grüße in dieser Kriegswcihnacht 1940.

Walter Stcding.

Weih- f sei zu mir ein Vater gekommen, und das wäre für mich das Wunder dieser Weihnacht.

is ihm Die K-

Es war so merkwürdig hinterher. Unaufhörlich gab es etwas, weshalb sie erschrak, weshalb die Backen heiß wurden, hatte sie nicht die Lehrerin kommen sehen? Wenn sie nun zu Weihnachten ins Geschäft kam und vom Brief zu sprechen begann? Anne Looise verwendete die ersten Tage der Weih-

So verändert wie Anne Lovise jetzt war, mußten es ja alle merken. Vater und Mutter glaubten wohl, daß Anne Lovise jetzt endlich anfing, ein richtig wohlerzogenes Mädchen zu werden, das nicht an­dauernd umherrannte, sondern lieber am Fenster stand und auf die Leute hinausfah, die ins Ge­schäft hineingingen ...

Anne Looise dachte jedoch, daß der Weihnachts- mann, dieses übernatürliche Wesen, vielleicht doch wußte, was sie getan hatte. Wenn auch noch nichts an den Tag gekommen war, konnte vielleicht das eine oder andere am Weihnachtsabend geschehen. Vielleicht würde er doch ihre Weihnachtspakete ein« ziehen.

Am Nachmittag des Heiligen Abends schlich sie sich in das halbdun-kle Vestibül hinaus, blieb ganz still stehen und hielt den Atem an. Dann guckte sie durch das Schlüsselloch zum Christbaum hinein. Man konnte ihn nur ganz undeutlich sehen; es dämmerte, während sich alle im Haus zum Fest schmückten. Aber was war das! Sie glaubte sehen zu können, daß ein ganzer Haufen von Paketen unterm Baum lag. Dann ist der Weihnachtsmann also dagewesen. Wenn sie nur wüßte!

Im nächsten Augenblick war sie drinnen. Und da lagen .bie Pakete. Große deutliche Namen standen darauß Aber war stand auf diesem da? Es sah aus, als. wäre eine Tasse drin; sie mußte es nehmen und nachsehen. Anne Lovise holte tief Atem das Paket war für sie. Im selben Augenblick wurde oben eine Tür zugeschlagen Vater!

Das Paket fiel ihr aus der Hand, das dünne Seidenpapier zerriß, und da lag die Taffe in drei, vier Stücken auf dem Boden. Oben wurde es wieder still. Im Zimmer auch; nur ihr Herz schlug und schlug, und die Uhr an der Wand tickte lauter als irgendeine Uhr, die sie je gehört hat. Ratlos stand sie in ihrem Unglück da, ohne sich zu bewegen. End­lich bückte sie sich, hob zwei der Scherben auf und rügte sie aneinander. Es stand etwas in schwer leserlicher Schrift darauf; stumm versuchte sie jeden einzelnen Buchstaben mit den Lippen nachzuformen: Braves Mädchen ...Braves Mädchen" stand da. Auf ihrer Taffe!

nacht zu bringen. für mich das Wunder oieler Welynacyr.

Wie sich der Junge denn mache, und wie es ihm Die Kerzen waren 3ii Ende gebrannt In dem gehe? fragte der Fremde und griff nach dem Becher kleinen Ofen fang und knisterte die rote Glut. Lange mit dem Kognak, er habe ihn seit drei Jahren nicht noch saßen wir schweigend. Plötzlich suhlte ich wie mehr gesehen. I er unruhig wurde. Er müsse setzt aufbrechen, sagte

O er mache sich famos, beeilte ich mich zu er- er, auch sein Urlaub laufe am Morgen ab, er habe widern, froh, ihm eine Freude zu bereiten, es sei ein paar kleine Geschenke für den Sohn die er da- ein tüchtiges, anstelliges Kerlchen, unser Freiwil- lassen wolle. Ich sah ihm zu, wie er die Sachen liger Niederreither, gewiß, das müsse man sagen,1 auf den Tisch legte, ein Paar wollene Socken, eine Und auch der Häuptling halte große Stücke auf ihn.1 Schachtel Zigaretten, eine Buchse Oelfaröinen, wie ' Ein Lächeln blühte auf in dem bärtigen Gesicht. I sie beim Marketender zu bekommen waren, em sil- Eine herabgebrannte Kerze versengte knisternd ein bernes Talerstück. Plötzlich wendete er sich zu mir, Zweiglein des Tanncnbäumchens. In dem engen griff in die Tasche und zog en blitzendes Ding Raume des Unterstandes duftete es plötzlich süß hervor. Das fei für mich, sagte er, und druckte es und stark, wie nach Wald. Wir saßen und schwie- mir in die Hand, und da ich ihm dankte und vor- gen und blickten in bas unruhige, flackernde Licht wundert herniederblickte, sah ich, daß es eine Mund- der Kerzen. I Harmonika war.

Nach einer Weile hob der Landser nachdenklich' Er schnallte sich das Lederzeug um, nahm den den Blick: Im Walde hinter Digneulles, bei der Tornister auf, und als er schon die Treppe empor- verfallenen Mühle, sei einer im Dunkel an ihm vor» flieg, überfiel mich auf einmal ein Gefühl wie von überg.gangen, er habe ihm eine gute Nacht ge- Angst, und ich rief ihm leise nach, er solle sich in wünscht mit einer Hellen und fröhlichen Stimme.1 acht nehmen, es sei eine mondhelle Nacht, und der Das müsse er gewesen sein. | Franzmann läge nur zwanzig Meter vor uns, aber

Ein seltsam wärmendes Gefühl der Liebe stieg da war er schon in der Dunkelheit verschwunden, plötzlich in mir auf. Ich griff nach der schwieligen Eine Weile noch lauschte ich. Dann nahm ich die Hand des Riesen, die breit und reglos vor mir auf Mundharmonika vom Tisch und blies hinein. Sie dem kleinen Tische lag, und drückte sie fest. Gewiß gab einen dunkclschwingenden, zärtlich süßen Ton. sei er es gewesen, sagte ich, aber wenn sie auch Ich hatte nie in meinem Leben ein solches Jnstru- aneinander vorbeigegangen wären, so sei der Junge ment an die Lippen gesetzt. Aber jetzt blies ick auf jetzt schon bei den Landsern, und das seien brave, einmal das Lied von der heiligen Nacht, und es und wackere Leute, und wie zu jenen ein Sohn, so war, als hätte ich es immer schon gekonnt.

wenn deine hell'ge Tiefe aufgehellt aus scheuen Mündern strömt ein altes Lied.. Ach, liebste Frau, der Reichtum dieser Welt wird gar gering, wo fromme Einfalt kniet.

Die kleinen Hände halten alle fest

den Glanz der Nacht wohl in ihre Leben eit So stehn wir reich beschenkt, und vielleicht[j| uns Gott über das Jahr noch reicher sein.

Das brave Mädchen.

Von Marie Hamsun.

Es war einmal ein kleines Mädchen, das Anne Looise hieß. Es wohnte in einem ganz kleinen Städtchen, in dem ihr Vater ein Geschäft hatte. Ihr Gesichtchen war so frisch wie eine Apseldlüte, ihr Haar war im Sommer fast weiß, im ©inte? bekam es einen etwas grellen Ton und dunkle Streifen. Die Augen aber waren das ganze Jahr wie zwei Leberblümchen.

Sie war ein sehr lebendiges, sehr wißbegieriges Mädchen; richtigbeschwerlich" für ihre Mutter. Und als Anne Lovise zur Schule kam, war es für sie schlimm. Es war, als hätte man einem wilden jungen Hund ein Band angelegt, er vergißt es und macht plötzlich einen Ruck, so daß es im ganzen Körper weh tut. Dann zieht er den Schwanz ein und' ist ruhig bis zum nächstenmal. Zwischen Mut­ter und der Lehrerin war sicher verabredet worden, daß sie zu Hause erfahren sollten, wenn Anne Lo­vise besonders arg am Band riß. Dann pflegte sie ein kleines Briefchen mitzubekommen, in dem alles stand. Es war auch leicht, sich während des Unter­richts zu vergessen und etwas anderes zu tun, als man sollte besonders, wenn man dasselbe und immer wieder dasselbe eine ganze Seite lang ins Heft schreiben sollte.

Allmählich sand Anne Lovise, daß chre Lehrerin nicht nett war. Sie merkte nicht, daß die Lehrerin bestrebt war und ihr Bestes tat, um ihr Anstand bei- Hubringen. Dagegen sah sie, daß die Lehrerin eine äußerst spitze Nase hatte, die noch dazu im Winter ganz rot wurde. Anne Looise bedachte nicht, daß diese Nase ihrer Besitzerin vielleicht viel Qual und Kummer bereitete, oft versuchte sie ein genaues Gegenstück auf Buchdeckel und Zettel zu zeichnen, ja sogar auf das Pult. Und doch hatte die Lehrerin gesagt, daß das Pult weder durch Striche noch durch Löcher verunziert werden dürfe. Jetzt waren schon viele daraus. Dor allem waren es viele Pro­file Nasen wie bei einer Spitzmaus.

Am.s Lovise war nun schon so lange zur Schule gegangen, daß es bald Weihnachten war. Nur noch ein paar Wochen, die ihr jedoch wie eine Ewigkeit vorkamen. Aber plötzlich bekam Anne Lovise wegen eines neuen Lochs im Pult wieder einen Brief mit nach Hause. Das Loch sei mit Hilfe einer Steck­nadel mit Fleiß und Ausdauer gemacht worden, ftaab drinnen. Da sagte der Vater laut, daß er vor Weihnachten keine weiteren Briefe mehr fehen wolle. Jtommi jetzt nur noch eine einzige Klage,

3« der heilige« Nacht.

^on Rudolf Kreu er.

Am Weihnachtsabend des Jahres 1^17 lagen wir in den Stellungen am Maasbogen bei St. Mihiel, amFranzenkopf" und amScharfen Eck", wie unser Abschnitt damals hieß, lagen wir kaum zwan­zig Meter vor den Gräben vom Franzmann, und es gab auch Schnee in diesem Iahr,^ehr viel Schnee sogar, mehr als ein französischer Winter eigentlich zu vergeben hatte.

Wir hatten ein kleines Tannenbäumchen, ich weih nicht mehr woher, vielleicht war es einem von uns aus der Heimat geschickt roorten, das kleine, kaum spannenlange Tannenbäumchen, wir hatten mit ein paar Lichtern besteckt und saßen nun jti Dreien im Unterstand und starrten in den Glanz der Kerzen, ein Leutnant von der Maschinengewehr­kompanie, den wir den langen Georg nannten, ein junger Fähnrich und ich. Luch eine Flasche alten Kognaks stand vor uns auf dem Tisch, und manchmal tranken wir auch daraus, aber wir taten es unlustig und ohne rechte Freude, es war keine Weihnachtsstimmung dabei, wir saßen stumm und nachdenklich da, und jeder hatte seine eigenen Er­innerungen.

Und dann stand als erster der lange Georg auf und sagte, man müßte im Kriege das Weihnachts- lest abschaffen, es sei da alles zu nahe aneinander, Feind und Tod und Christbaumlicht, und er gehe jetzt, die Posten nachzusehen. Es dauerte nicht lange, da brach auch der Fähnrich auf, er habe die Rönde, sagte er, und man wisse nicht, was der Franzmann vorhabe, gerade heute in der Weih­nacht, und dann saß nur noch ich allein in dem Unterstand, bei der leise singenden Karbidlampe, bei dem mageren Tannenoäumchen, bei der fast noch vollen Flasche Kognak und wartete, ich wußte nicht auf was, auf irgend ein Ereignis, auf etwas, das auf dem Wege war zu mir, auf ein Wunder vielleicht.

Von den Kerzen tropfte das Wachs, sie brannten schon langsam zu Ende, es geschah nichts, kein Er­eignis, kein Wunder, nur eine große Ratte sprang in der Ecke umher. Aber dann hörte ich schwere Tritte die Stollentreppe herunterpoltern, und als ich horchend aufschaute, teilten sich plötzlich die Zelt­bahnen, die den Eingang verhängten, und hindurch schob sich ein verwittertes, bärtiges Gesicht und blickte fragend auf mich herab. Eine riesenhafte Ge- statt trat auf mich zu, ein fremder Landwehrmann in Helm und Mantel, der Tornister saß ihm hoch auf dem Rücken, und alles, was er an sich trug, sah an ihm aus wie eine Art von Spielzeug, so groß war er; in seinem Barte und in den duschten weißen Brauen glitzerten ein paar zerfließende Schneeflocken, und ich starrte verwirrt in dieses Gesicht, das plötzlich aus Nacht und Dunkel zu mir herabgestiegen war, in dieses fremde, bartumwallte, auf irgend eine Weise gütige Gesicht, das aussah, wie das eines Weihnachtsmannes in den Bilder­büchern der Kinder.

Ob er hier recht am Platze fei, fragte der Riefe umherblickend, er suche den Infanteristen Nieder­reither, Alois Niederreither von der zweiten Kom- panie.

Er fei wohl richtig hier, erwiderte ich, und die Landwehr möge es sich nur bequem machen bei uns, aber der Kriegsfreiwillige Niederreither, der sei heute nicht hier vorne in der Stellung, der fei bis morgen früh beurlaubt nach St. Benoit, wo sein Vater im Quartier liege.

Eine Weile starrte der Bärtige wie erschrocken vor sich hin, bann ließ er langsam den Kops sin­ken. Er sei der Vater des Kriegsfteiwilligen Nie­derreither, sagte er mit tonloser Stimme, er habe Erlaubnis Erhalten, seinen. Sohn aufzusuchen, seit fünf Stunden sei er durch Nacht und Schnee auf dem Wege zur Front, und nun seien sie aneinander Dorbcigegangen.

Ich goß ihm den Feldbecher mit Kognak voll und stellte die Weihnacktspakcte mit Eßwaren, die ich erhalten hatte, vor ihm auf, und dann saßen wir uns schweigend gegenüber, und indes der Landser ruhig und trank und nur manchmal ein wenig den Blick hob, betrachtete ich ihn lange und fühlte mich auf eine mächtige und geheimnisvolle Weise zu ihm hingezogen, wie zu einem Vater. Es war mir, als fei nun doch noch einer auf dem

Du bist nun, lieber Freund, wieder einmal als Soldat in diesen Weihnachtstagen in Frankreich, weil das deutsche Schicksal es so will.. Denkst Du noch manchmal zurück an unseren ersten Kriegswinter 1914, als wir als Zwanzig­jährige hinausgezogen waren und wir uns, Du, Der Kanonier, und ich, der Infanterist, fast durch Zufall um die Weihnachtszeit in den flandri­schen Stellungen trafen? Heute bist Du als Chef Deiner Batterie mit Deinen Männern an der bretonischen Küste um den Weihnachtsbaum ver­sammelt und im Scheine der Kerzen werden (Eure Gedanken nicht nur in die Heimat zu den Lieben und Freunden gehen, sondern Du und mancher Deiner prächtigen Kanoniere wind die Frage stel­len:Mußte das sein?"

Und wie ich Dich kenne und wie ich alle die Sol- baten kenne, die jetzt als die nächste Generation hinausgezogen sind, so werden sie alle zu dem gleichen (Ergebnis kommen, auch in dieser Weihe­nacht des Friedens: Es mußte fein!

Wir haben damals als Feldsoldaten vier Weih- nachtsseste an der Front erlebt und wir wußten, daß es nicht anders sein konnte. Gewiß wären wir lieber zu Hause gewesen, gewiß hätten wir lieber in Frieden und Freude gelebt, aber jeder von uns fühlte und wußte, daß dieser Kampf, ter uns da- mals aufgezwungen war wie er uns heute aufge- zwangen ist, noch nicht zu Ende gekämpft wor­den war.

Und als Du kurz vor Weihnachten 1918 über den Rhein nach Hause kamst und als ich von der Beresina auf den verschneiten Rückzugstraßen, die Napoleon gezogen war, nun nach Deutschland zog und als wir uns dann in unserer Heimat trafen, da war schon in uns bas Gefühl und das Bewußt­sein, daß dieses nicht das Ende fein konnte. Die Weltgeschichte hätte ja ihren Sinn verloren. Zuerst freilich sah es so aus, als ob tat- sächlich nur Sinnlosigkeit bas (Ergebnis dieses gro­ßen Ringens gewesen wäre, als ob die vielen un­serer Freunde, die im Westen und im Osten ruh­ten, um eines Phantoms willen gefallen wären. Als bann aber bie Sinnlosigkeit in dem Friedens- bi hat ihren letzten Triumph gefeiert hatte, da folgte auch das Erwachen der Vernunft und unablässig war es unser aller Bestreben, den Sieg der Ver­nunft mit dem deutschen Sieg zu verbinden. So wußten wir, daß der Weltkrieg noch nicht zu Ende gekämpft war, daß er so ober so noch weiter gekämpft werben mußte. Viele von uns haben versucht, biefer Vernunft auf eine friebliche Weise ben Weg zu bahnen. Der Führer selbst hat bas im. mer und immer wieder versucht. Mr führen ja

bann legt ber Weihnachtsmann keine Pakete für bich unter ben Christbaum", sagte er.

Konnte etwas so Schreckliches passieren? Anne Lovise ftanb lange da und wartete, daß Vater viel­leicht etwas Milderndes sagen würde, aber nein, Schluß und Punkt.

Es durfte also jetzt in ber Schule nichts mehr ge­schehen, nichts, was dem Vater ober dem Wech- nachtsmann mißfallen, nichts, was Anlaß zu einem Brief geben konnte. Oh, sie war so bang, während des Unterrichts etwas verkehrt zu machen. Sie saß und starrte auf die Takel, bis bie Augen schmerz- ten, sie brehte nicht einmal ben Kopf. Und trotz- bem plumpste sie am Tag vor ben Weihnachtsferien ins Unglück.

Ihre Freundin, bie kleine Helga, bekam wahrend der Pause bie (Erlaubnis, zu Hause ein vergessenes Schreibheft zu holen. Im Vorbeilauftn zupfte sie Anne Lovise am Aermel: .^ornrn mit! Ich soll mein Schreibheft holen, sagte Fräulein!"

Sinne Lovise lief gleich begeistert mit. Als sie zu- rückkamen, war bie Pause vorüber, ber Schulhof still und öde, die Gänge leer. Die Stunde hatte be­gonnen.

Als sie dann vor ben großen erschrockenen Augen der ganzen Klasse standen, durchzuckte es Anne Lovise: Jetzt war es geschehen. S i e hatte ja nicht frei bekommen, um ein Schreibheft zu holen.

Die Lehrerin konnte nicht wissen, was ein Brief für zu Hause gerate jetzt bedeutete; deshalb schickte sie einen.

Dieser Brief kam jedock nie an. Denn Sinne Lo­vise verbrannte ihn, warf ihn im Kinderz immer in den Ofen, statt ihn den Eltern zu geben. Mit klop- fcnbern Herzen lag sie auf ben Knien vor bem Ofen und sah zu, wie bas Feuer das weiße Papier mit ber Schrift ber Lehrerin verzehrte. In plötz­licher Angst streckte sie bie Hand aus, um ben Brief zu retten, aber es war zu spät nux ein kleines hellgraues Häufchen Asche war übrigge­blieben.

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Da fing sie zu meinen *n. Sie konnte nicht an» ders, man hörte es durchs ganze Haus. Die an­deren kamen, Vater und Mutter, alle stürzten her- ., i bei. Sie ftanb im Halbdunkel beim Baum mit der nachtsferien dazu, ein Auge auf bie Labentür zu >zerbrochenen Tasse in der Hanb selbst ganz ge- halten. SBcnn bas Telephon klingelte, ging es ihr knickt. Es bauerte lange, bis sie sprechen konnte, sie wie ein Messer burch bie Brust; Vaters kurzer ! schluchzte in einem fort. Dann erzählte sie alles. Schritt und fester Griff um die Türklinke jetzt Und so mu-de es schließlich ein bon^lt frohes Weih- fam es! Sie mußte sehr wohl, was bas war: bas i nachts fest, sowohl für sie als auch für bie anderen, schlechte Gewissen. -- | __

zu feiern verstehen. Wir haben es ganz in Kind­heit eingebettet, in Märchen, Wald und Winter, träum, in ben Zauber der uralten Winter sonn wend, in einen Lichterglanz, der dritten in der längsten Nacht bie Auferstehung bes großen (8<- stirns verkünbigt, Neugeburt unb Neubeginn bes Lebens. Darum können wir Weihnachten auq im Kriege feiern, und vielleicht gerate ni। schöner, besser und inniger als im Äriear, ber Ruf Friebe auf Erden ist keinem Volke tiefer erklungen als uns, deren Land andere Volker dm je zum Angriffsziel und Kriegsschauplatz mache?, wollten.

Dies unser besonderes Schicksal hat uns namlch gelehrt, daß der deutsche^.Friede stets neu er. kämpft werden muß. Der Weihnachtssinn un) der Sinn des Schwertes sind für uns kein Wider, spruch. Heber alle Zerstörung hinaus, über Blut und Tränen, Trümmer und Kampffelder suchen wir den wahren Frieden zu erringen, der kein sau- ler Friede fein soll, der uns nicht in den Schoj fällt, sondern der unser' wahrer S i e g e s p r e i j ist. Menschenliebe muß von uns zunächst einmal als Volksgemeinschaft verwirklicht wer­den; ihr Licht ist es, bas uns in unseren verdun. feiten Stäbten, Dörfern unb Häusern nur befö heller erstrahlt. Auf Gaben kommt es nicht ar, wenigstens nicht auf solche bes Reichtums und bei Ueberftusses in einer Zeit, wo wir freudig opfere, uns gerne cinschränken Gaben sind nur Zeichn unb Sinnbilber, sie können, wenn'sie klein unb b$. scheiben sind, umso größer und beredter sein, fii die wahre Kunst bes Schenkens beginnt erst, menit sie nicht leichten Kaufes gelingt unb überhaupt nicht nur im Käuflichen besteht. Die anspruchslosestei Gesche, ?? erfüllen oft am tiefsten bie innere Br- beutung des Schenkens, indem sie unsere Liebe zeit« gen, denn bas Herz, bas sie gibt, die Gebanken. bi: sich baran knüpfen, sind ihr eigentlichster Weri. Unb Herz und Gedanken müssen es ja vor allen fein, die wir zu Weihnachten ins Feld schicken un:b ,u allen Brüdern daheim, die mit uns in gleicher Liebe und Zuversicht dem deutsches Frieden fämp- send, harrend, glaubend entgegenschreiten. Dieser; deutsche Friede nähert sich schon, er gewinnt Cs- statt, er ist zu Weihnachten bereits In unseren Seelen lebendig, ein Friede ber (Erneuerung uiü Gerechtigkeit. Der Friebe auf Erben muß aber auif bie Erde erst terribgezwun"en werben, bamit bi? dulbenden unb irrenden Völker ibn erkennen, un:b nur ein deutscher Friede, ein Weihnacktssriebe um- | seres Glaubens, kann ber Friebe ber Welt melden. |

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Weihnachtliche Roienfchähe. I

Von Adolf

Ewig hell leuchtet am Ende jebes Jahres bi? teutsche Weihnacht in bie Alltagswelt. 3mmergrii.it in bürrer kalter Zeit, gleich dem Tannenbaum ut der verblichenen Natur b<?s Winters, wurzelt flr im Leben des deutschen Volkes, setzt sie wie feijt anderes unserer Feste zapberhafte Stimmungen an die Stelle nüchternen Denkens unb Trachtens. Ton. nenbaum, Weihnachtsmann und Weihnachtslieber sind die Zeichen, die zum deutschen Weihnachtsfest gehören.

Es läßt sich nicht für alle Lieder, die wir öit ber Weihnachtszeit singen, ein Verfasser nennen Sie sind zu einem großen Teil ältestes Volksgmt, gingen von Munb zu Munb, bis sich ein Must!!' kundiger fand, ber sie aufzeichnete unb für bie Zu« Fünft bewahrte. Wir finden sie in ältesten Sieben« fammlungen unb Gesangbüchern,, bie heute zu ben kostbarsten Schätzen der Bibliotheken gehören.