Ausgabe 
24.12.1940
 
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jr.HOl Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (Aeneral-Anzeiger für Gderheffen)

24.^25. Dezember 1940

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Ein Weihnachtsbild aus Grünewalds Isenheimer Altar

die sich anbetend vor dem Kinde neigt.

hth.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Alles ist Wiedersehen.

Don Walter v. Molo.

Im Winter ist die richtige Zeit, die Latschen im Garten zu schneiden, ihr Oberstes abzulappen. Sonst wird eine Art häßlicher Baum aus ihnen, wozu sie ihr Same in den Höhen, in denen er sie wuchsen ließ, nicht bestimmt hat. Die Latschen« Operation nehme ich zumeist vor Weihnachten vor, es ist dies am zweckmäßigsten, denn die abgeichnitte- nen harzigen Nadelholzslücke duften dann anhei- melnd in den Zimmern, als wäre ein Wald bei mir treu Zu Gaste. Ein feiner Dust des Sterbens veredelt und heiligt das Fest der Liebe.

Aber da ist eine Störung, und darum zögere ich immer, wenn ich im Schnee mit der Baumschere in der Hand an die dunkelgrünen Gewächse heran­trete. Ich verstehe dann vielleicht ein wenig, wenn dies zu sagen erlaubt ist, wie es Gott zumute sein mag, wenn er den Spitzen, die zu ihm aufstreben, ihr Leben nehmen muß, damit alles Wachstum an der Erde bleibt, die ihm bestimmt ist, statt daß es ihm ins Antlitz zu sehen versucht, wonach es Sehn­sucht hat.

Die Latschenwipfel dürfen das noch einmal im Sterben tun, vor den Lichtern, die von einer, der Vernichtung preisgegebenen Tanne leuchten und dem Herzen Frieden schaffen wollen.

Im Anfang des neuen Jahres sah ich in der Nacht, vom Schreibtisch aufsehend, die letzten ent­färbten Latschenäfte in einer Vase vor mir. Spie­lend, well ich mir gerade eine Zigarette angezündet hatte, hielt ich das brennende Streichholz an ein paar der vertrockneten Nadeln. Ich wollte in der Finsternis rundum guten Geruch um mich haben, wer weiß, was zu solchem treibt. Iah und hoch flammten die Toten in steiler Flamme empor, und beinahe fing das Haus Feuer, hätte ich nicht das so plötzlich und unheimlich Veränderte, mitt) Auf­brausende vom Tisch herabgeschleudert und die Flämmchen ausgetreten. Ich warf es zu dem im Ösen glimmenden Torf, der auch aufbewahrte Son­nenhitze ist.

Ungeheure Kraft ist in allem, was aus der Erde durch die Sonne wächst, sie verändert sich ununter­brochen.

Die Wärme zog durch den Rauchfang als Wölk­chen ins All hinaus und blieb barinnen; ich werdd sie Wiedersehen,

.... die guten Willens sind.

Don Dr Theo or Kaering, o Professor der ph losophie an der Unm rsität Tübingen.

Die alte Stadt Kolmar im Elsaß ist wieder, für alle Zeiten, eine deutsche Stadt geworden. Für viele unter uns verbindet sich der Name der Stadt mit dem Namen eines der größten deutschen Künstler und mit dem Namen seines Hauptwerkes, das um 1510 für das Antoniterkloster zu Isenheim im Ober- elsak geschaffen wurde, später in Kolmar seine Heim­stätte land und zu den Weltwundern der bildenden Kunst gehört. Dieses Werk den I s e n h e i in e r Altar meinen mir, ausgesprochen oder unaus­gesprochen, wenn wir uns den Inbegriff zeitloser, künstlerischer Schöpfung aus deutschem Geiste vor­zustellen versuchen: an ihn denken wir etwa wie an den Bamberger Reiter ober an die Stisterflguren im Naumburger Dom, an denFaust" ober an denPrinzen von Homburg", an bie fünfte ober die neunte Symphonie von Beethoven. _

Der Künstler heißt Matthias Grünewald oder er hat jedenfalls für uns bis vor wenigen Jah­ren so geheißen. Eine neue Forschung, deren Ergeb­nisse noch nicht so sehr Allgemeingut geworden sind, daß sie den von altersher vertrauten Namen hatten verdrängen können, belehrt uns auf Grund von langwierigen archivalischen Studien, daß der Name ! dieses unvergleichlichen deutschen Malers vielmehr Mathis Gothart Nithart gelautet habe. Der Name Grünewald geht auf Joachim Sanbrart zurück, der ibn in feinerTeutschen Akabemie" (1675) auch al- d-n ausbünbiaen" MeisterMatthaeus von Aschaffenburg" bezeichnet: in einer anderen Quelle er Seint er alsMeister zu Seligenstadt" Wie dem sei die Quellen fließen beklagenswert spärlich und was wir von dem zwischen 1470 und 1480 in Würzburg geborenen, in Aschaffenburg, Seligen- stadt Frankfurt, Mainz Isenheim und zuletzt (als Wasserbaumeister) in Halle tätig gewesenenaus* bündigen" Maler wissen, ist noch immer wenig und unsicher genug, wenn wir vergleichsweise etwa an seine großen Zeitgenossen wie Dürer, Holbein ober Cranach denken. Gering ist auch, mit der künstleri­schen Hinterlassenschaft jener verglichen, was von Grünewalds Lebenswerk uns überkommen und für

eigene Ehre ging, sondern um die Sache selb st und damit schließlich immer um bie Ehre Gottes, bem nur bie Kleinen, um sich größer zu machen, so oft bie Ehre nicht geben wollten, währenb alle Großen bie Ehre immer von sich ab unb auf Gott gewiesen. hatten?

Und lag nicht heute ein Sehnen, ja eine Hoff­nung auf das Herannahen einer solchen besseren Zeit der Menschheit rings m aller Welt, mehr als seit vielen Jahrhunderten? Ein Glaube, daß es die Sendung des eigenen, des deutschen Volkes sei und immer mehr fein werde, eine solche Zeit auf Erden heraufzuführen? Gabs da noch irgendeine Entschul­digung für irgend einen, vor allem dieses Volkes, nicht aus vollem Herzen mH Hand anzulegen und auch guten Willens zu sein? ...

Doch ich erschrecke wohin hat mich mein Den­ken entführt? Und ich frage mich verwundert: als wer ich denn nun eigentlich gesprochen habe: als Philosoph oder als Theologe: als romantischer Dichter (wofür mich manche halten) oder als Poli­tiker? Ich weiß es glücklicherweise selber nicht. Ich war nur einen Augenblick, wie bas Lieb sagt:D e s Weihnachtsglanzes v o l l", unb ba roerb^n auch diese Unterschiebe, wie alle anderen, ein 'n Augenblick unwesentlich. In biesem Augenblick aber war es mir so, als wäre bie alte einfache Weih- nachtskunbe in ihrer schlichten Ursprünglichkeit und ohne alles Umwerten ber Iahrhunberte, boch g e - rabe auch für unsere Zeit etwas, mit ihrer Botschaft und ihrer Mahnung:

Ehre sei Gott in ber Höhe Und Frieden auf Erden Allen Menschen, die guten Willens sind!

seinen Namen (ober den Namen Mathis Gothart Nithart) als unzweifelhaft gesichert gelten kann. Daß sich aus ber vergleichsweise geringen Zahl seiner Schöpfungen ber Isenheimer Altar als bie strählende, farbenglühende, ekstatisch entzündete und entrückte Mitte eines großartigen Gesamtwerkes er­hebt, gehört 0U den wenigen unumstößlichen Ge- aebenheiten dieses noch immer von manchen Pro­blemen belasteten, von manchem Geheimnis ver­dunkelten, von manchem Zwielicht und Zweifel be­schatteten Künstlerdaseins.

Was wir heute hier aus der Zentralschöpfung seines Lebens, der unerhörten Krönung feines Namens als ein uralt-weihnachtliches Thema herausgreifen und wiedergeben, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einer der das gewaltige Ganze höchst sinnvoll und kunst­reich bildenden Teile: na* der Oeffnung des ersten, äußeren Flügelpaares erscheint im Mittelfelde des Altars, umgeben von der Verkündigung zur Linken und der Auferstehung $ur Rechten, Maria mit dem Kinde. Obwohl diese figürliche Gruppe kompositio­nell nicht als bilbmäßige Mitte ber Tafel im Schnitt­punkt ber Achsen angeorbnet ist, ist sie doch, wesensmäßia und seelenhaft, bas Herzstück bes Ganzen, und der Blick des Beschauers wirb auch zuerst auf den zarten unb innigen ^ujammenHang ber bsiben Gestalten gelenkt unb wird immer wieder zu ihm zuruckkehren: die in stillem, andächtigem Entzücken über das heiter krähende und spielende Kindchen sich neigende Maria bewahrt in der fünf­ten Beugung des Hauptes unb ben sorgsam hal­tenden, zärtlich liebkosenden Händen eine der un- vergänglichen Menschheitsgebärden; in der Spiege­lung der Gesichter Blick in Blick ist ein so tief ge­stilltes. in der Gewißheit des Besitzes ruhendes Glück beschlossen, daß es zu feiner Vollkommen­heit der Krönung ber beiben Häupter mit flüchtig sich anbeutenben Heiligenscheinen kaum bedürfte.

Daß Grünewald einer unserer genialsten und revolutionärsten Farbkünstler und ein Magier des Lichtes war wofür wiederum die Flügelbilder des Isenheimer Mar», ganz besonders die Auferstehung

Warum wolltedurchzuckte" es auch mich der Glanz eines solchen Festes, in dem dem Men­schen freilich immer nur einmal un Jahr zu wan­deln und aufzuleben vergönnt war. nicht auch heute noch imstande sein, wie einst, die Schicksalhaitigkeit des Alltags von innen heraus §u vergolden und zu segnen? Gewiß, es mußten ja Unterschiede unb Gegensätze fein: Gegensätze ber Rasse, ber Völker, ber Stände, ber Bekenntnisse, ber Meinungen, unb wehe bem, ber nicht mutig unb fest seine Stellung ZU ihnen nahm: bas Leben ging über ihn hinweg, das nach einem ewig ehernen Gesetz nur in solchen Gegensätzen zu leben vermochte, wenn es nicht sterben und versanden sollte Aber es war fein Schicksalsgesetz mit Staunen stellte ich es vor dem Bilde der Weihnacht fest, daß alle diese Unterschiede und Trennungen und Gegensätze bie Menschen frieblos unb verbittert unb seinbselig wachen mußten. Es gab etwas über ihnen allen, das sie boch alle gleichermaßen zu burchleuchten unb damit im tiefsten Grunbe versöhnen konnte. Wenn man nur an jene Weihnachtsbotschaft glauben roollte! Dann brauchte ber Glanz bes Weihnachts- festes nicht eine bloße Utopie, ein bloßer Traum unb Wunsch, sonbern er mußte etwas sein, bessen Nachglanz ebenso wie auch ber Nachglanz ber schon gesunkenen natürlichen Sonne, boch noch überall an der dunklen Erbe sonst nicht beachtete Dinge, und wären es nur Splitter, plötzlich aufleuchten

läßt, im Dunkel ber Welt bas Auge plötzlich für vieles Helle unb Freudige erst empfinbüd) werben ließ, was ihm sonst verborgen geblieben war. Dann mußte ber Mensch plötzlich, selbstguten Willens" geworben, freubig erkennen, wieviel an gutem Wil­len boch auch sonst überall, auch in dieser unserer Gegenwart, am Werke roarr guter Wille zur Hilfs­bereitschaft. Wille zur Drbnung, Wille zu opfer­bereiter Unterörbnung, ja, zur freubigen Hmaabe des Lebens zum Bau einer neuen, besseren Welt! Wann wohl gab es eine Zeit, in der auch die Obrigkeit und oberste Führung des Volkes so voll guten Willens war in all ihrem Planen unb Tun? Aber eben barum auch so besonders angewiesen auf guten Willen auch im Volk? Willen, bie sich auch durch gelegentliche Unebenheiten unb Gedulds- proben, ja selbst burch Zeiten geringerer Größe unb Wucht unb burch mancherlei menschliche Unvollkom­menheiten unb Schwachheiten nicht von ihrem Glauben abbringen ließen, wie sie sich gewiß in bieser Welt auch an ben besten Willen hängen?

Wie Diel war schon gewonnen, wenn nur wenig­stens bieser gute Wille hüben unb brüben nicht mehr angezweifelt würbe? Wenn man bamit auf­hörte, immer nur ben anberen ben anderen Stanö oder ben politisch ober religiös anbers Ge­sinnten au beschuldigen unb für bas verantwort­lich zu macyen. was einem nicht gefiel! Wobei boch noch nie etwas anberes herausgekommen war, seit Anbeginn, als nur immer neue Trennung und neuer Streit unb eine Schwächung bes guten Wil­lens in aller Welt! Unb wie viel war schon ge­wonnen, wenn wie immer bei Menschen guten Willens, ber Streit nicht so oft mehr nur um die

Denn ich im tiefsten Herzen einmal spüren will lir6 Weihnachten eigentlich ist, los von all dem' 11):s bie Menschen auch um biefes Fest herum auh Kauft und ausgeklügelt haben, dann nehme ich 'Inr das Weihnachtsbild eines unle> ytr alten deutschen Meister zur Hand ufet stelle es mir auch nur mit geschlossenen Augen ,0t lebendig vor. Dann ist es mir, als ob plotz- g ein unendlicher Strom des Lichts mich um- Kjje und alle Lüfte zu klingen begännen; und &jin bas Auge blickt unb bas Ohr lauscht, tum= Kfn sich, schwebenb unb vor Jubel sich sogar schmal Überkugelnd, unenbliche Scharen von ßgeln, von ben größten, den erhabenen Verkün- iiiLmgsengeln, bis zu den kleinen pausbackigen jjrjcf)!ein herab ... und ber ganze Himmel ist rtnfo voll bavon wie bie verstecktesten Winkel bes puppens auf bem Bilb. Als sänge Himmel unb (?:)e, bie Engel unb alle Menschen, Könige unb jyten, ja selbst bie Tiere im Stall miteinander U? Unterschieb:Siehe, wir oerfünbigen euch Lfc Freube, bie allem Volke wiberfahren soll.. $3 wahrhaftig: damit gewiß niemand daran zwei- isir kann, hängt da ja auch wirklich noch ein flßiges Band, freudig flatternd, durch die Lüfte hiäd. durch all den Glanz und Klang, auf den shi e Worte leuchtend geschrieben stehen ...

V Inb all dies ist so schlicht und einfach und selbst- »vckländlich. und so menschlich, daß man gar nicht Efldn zweifeln kann. Gewiß: die Unterschiede und ktz gensatze des Alltags find auch da: der Ifrnmel droben, in dem Gott Vater freundlich Bb-elnb erscheint, schwebt hoch über der Erde tief |ii.nten; und es sind auch Hirten und Könige da, jifaft zerlumpten Kleidern oder rauhen Pelzen die Eiien, die anderen in Gold und Seide. Es gibt |gi d) ein Dunkel, von dem das Licht sich ab» Ktt, das allermärts herab- und hervorströmt; und Räume und die Tiere und die Menschen haben fcä auch nicht einfach ineinander verwandelt, fon- Etn sind und bleiben verschieden, wie sie im- Er sind: der Baum grünt und das Oechslein fäut, luD Joseph steht sorgsam-verständig dabei, und pria lächelt: Natur bleibt Natur, und Geist bleibt Mst ... Aber alle diese Unterschiede und Gegen» l|c>e von Gott und Welt, Natur und Zeit unb' in- Miverheit ber Menschen untereinander, finb boch Krnbroie unwesentlich geworben unb aus» jjii5ld)t. in bem einen Licht und Klang, der sie alle Kiftrömt und zu einer selbstverständlichen Einheit Wcht.

I Iber bann öffne ich die Augen ober trete von dem zurück, in das ich einen Augenblick entrückt fatr. Unb weiß plötzlich roieber, basisch in einer hi n 3 anberen Welt Hause: einer Welt, wo pii Unterschiebe unb Gegensätze wesentlich finb; ja, hu zur Zeit bie Völker, biese Kinder Gottes, ein« p'er roieber einmal, bis an bk Zähne bewaffnet, Ihpfenb gegenübertreten. Und ich bin brauf und irn, all bie schöne unb Helle Freude mit Eins I Her zu verlieren, die in mir ist, und traurig zu | erben.

ober Himmelfahrt Christi, erstaunliche Beweise He­ern, bavon vermögen wir freilich in unserer be- cheidenen Wiebergabe keine Vorstellung zu ver­mitteln. Aber man kann versuchen, ausgehenb von ber hier gezeigten Gruppe als ber inneren Mitte des Bildes, ihre Umgebung zu schildern unb bas Ganze bieser Zentraltasel anbeutenb zu beschreiben. Die visionäre Eingebung unb Gestaltungskraft bes Malers Grünewalb vereinigt mühelos, ja völlig zwingenb gewisse Gegensätze, bie bei einem ge­ringeren Meister als störend empfunden werden würden. Doch wird beispielsweise niemand, der die zerrissenen Windeln des Christuskinbes wahrnimmt, bemerken können, daß dadurch der Hoheit und Würde ber Szene etwas genommen wäre, bie übrigens durchaus natürlich und häuslich-intim be­griffen unb bargestellt ist: links unten im Vor­bergrunde, zu Füßen der Gottesmutter, stehen bie Wiege, bie Babewanne unb bas Töpfchen, bas es in allen Kinberstuben gibt. Dennoch ist trotz solchen häuslichen Attributen ber Vorgang, wie ber Hinter-- grunb unserer Wiebergabe anbeutet, ganz ins Freie verlegt: hinter und über Maria mit dem Kinde öffnet sich eine Landschaft von Grünewaldscher Groß­artigkeit zuWirkungen, die sich im geschlossenenRaume kaum hätten erzielen lassen. Licht stürzt verklärend und gleichsam musizierend aus dem gewaltig auf« gerissenen Firmament wie der sinnlich wahrnelym« bar gewordene Segen Gottes auf Mutter und Kind herab. Ihn, Gottvater, kann man billigerweise eher ahnen als wahrnehmen in ben höchsten Höhen dieses grenzenlosen Himmels; aber die Engelchöre, jubi­lierend auf- und niedersteigend, durchwirken den Himmelsgrund wie ein goldener Sternenreigen.

So die rechte Hälfte ber Tafel, auf ber bie ma­lerische Vision sich ins Unenbliche auflöst und ver­liert. Auf ber linken, nah und oorbergrünbig, wie- berholen sich forrefponbierenb bie Hauptmotive, bie wir anzubeuten versuchten: ben himmlischen Heer­scharen hoch und fern in ben Lüften antwortet un­ten, roieberum in einer strahlenben Fülle von Farbe unb Licht, ein instrumental musizierenber Engelchor vor und in einem offenen, von zierlichen Säulen getragenen, mit reichem, spätgotischem Fi­gurenwerk gezierten Kapellchen. An seiner ber Hauptgruppe rechts zugewanbten, offenen Seite er­scheint vor den fpielenben Engeln noch einmal, kleiner unb ferngerückt, nun als Himmelskönigin gefrönt und von einer Gloriole umflossen, Maria,

Doch bann fällt mir wiederum tröstlich ein, daß nid) damals, als die erste Weihnacht gefeiert erbe, unb ebenso, als jene alten deutschen Meister h? lichterfüllten, jubelnden Bilder malten, die Welt riiqsum ja boch voll von Kriegsgeschrei und eben- irs von jenen Trennungen unb Gegensätzen aller Ir war, nicht weniger als heute. Und trotzdem Heien und schauten sie damals neben dieser un= ti'fqen jene andere einige Welt, bie ibnen nicht löniger wie bie erste, allersicherste Wirklichkeit tir; ein Reich, das freilich noch nicht von bieser i 5:1t war, aber an bas sie doch mit der ganzen Brunft glaubten unb dessen Glanz für sie auch | it Gegensätze und Trennungen dieser anderen | ßHt durchleuchtete und versöhnte, daß sie sie mutig |t ertragen und durchzukämpfen vermochten. Und h; etfi) Mörickes Wort kommt mir bann wohl tröst- I fit in ben Sinn:

Kann auch ein Mensch bes andern auf der Erde I Ganz wie er mochte sein?

In langer Nacht bebachf ichs mir unb mußte sagen: nein!" _

II Itt id) benfe, wie auch ihn trotzdem plötzlich der | ^eudenfchein" durchzuckte:

Sollt' ich mit Gott nicht können sein, so rote ich möchte, mein unb dein?

Mich wunbert, daß es ein Wunder wollte sein. Gott selbst zu eigen haben auf ber Erbe ..

I Dar denn nicht eben bies ber gleiche weibnacht- hteFreubenschein", ber auf jenen alten Bilbern | tfl-s durchstrahlte unb in einem ganz neuen Lichte | rfönjen ließ?

Dar es benn überhaupt gerade dies immer ge- | distn, was den Menschen bas Weibnachtsfest, mehr | 6 alle anderen Feste, so lieb und wert gemacht I fee: d-ch es sich [a flan,? ohne alle trennenden | Dingungen unb Ansprüche so einfach unb schlicht | menschlich unmittelbaran alle" wanbte, bie | nrguten Willens" sein wollten; und datz | 6Io gar nicht baran zweifelte, baß alle bies auch | Mich stm wollten: denn wer konnte im I lilte ber Weihnacht überhaupt zweifeln (in Dem || it alle wie bie Kinder finb: unb Kinder zweifeln | ß nicht), daß in iebem Menschen wirklich ein guter | ß le sei; verschüttet oft, aber dennoch vorbanden | ft nur barauf wartend, baß er geweckt und nicht | Mütfgemiefen werbe. Nach bem geheimnisvollen | 'M aller Geisteswelt, das ba besagt:Wenn man E > guten Willen lieht, bann wächst er auch!

! W es boch gewiß kein Zufall, baß an Weibnach- | h nicht einmal bie Lehre der Kirche, die sonst ,o | fw Trennungen aufrichtet, von der Trennung Der | Si-nbe unb ber Schuld redet: allem Volke | Mt-hin soll große Freude widerfahren und ein- | kfi ..cnoße Freude", ohne alle weiteren

| »r Zusätze. Und ist nicht ein weiteres Geheim- | U- der Weihnacht dies, baß hier zu einem Feste | 'enden wird bas nicht zu Ehren eines Menschen | ^ir ein-r Gruppe von Menschen gefeiert wird. | ci: mit Schicksalsnotwendiakeit alle, auch me schon- | :e und die größten irdischen Feste .

| f^ien darum irgend jemand draußenstehen und t cy I geschlossen fühlen muß? Das Besondere und | figartige be« Weihnachtsfestes vielmehr ift Daß I tu einem Feste geladen wirkr über dem einzig I W' allein bie Worte stehen und durch alle Himmel I Grenzen erklingen:Ehre sei Gotts m der I he!" Unb wer konnte Gott bie Ehre ne,ben ober I > reiten ober sich badurch verkleinert und ausge I »«offen fühlen? -Ehre fei Gott m ber Hohe E p Frieden auf Erden allen Menschen die guten | £llens sind!" In dieser Doppelbotschaft laa das

»neimnis dieses Festes, das es von allen lroiicyen | Men unterschied