Ausgabe 
24.9.1940
 
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Dienstag. 24. September MO

140. Jahrgang Hl 226

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesjen -Tessas*

Britischer Llebersall aus Dakar.

Der Verräter General de Gaulle erscheint aus britischen Kriegsschiffen vor Frankreichs

Genf, 24. Sept. (DRV. Funkspruch.) Vor Dakar befindliche englische Flotten st reitkräfte haben Montag nachmittag um 2 Uhr das Feuer auf den französischen Hafen und die dort liegenden französischen Kriegsschiffe eröffnet. Auf einem der englischen Kriegsschiffe befand sich General de Gaulle, der dem französischen Generalgouver­neur von Westafrika ein Ultimatum gestellt hatte, die Kolonie übergeben. Der fran­zösische Generalgouverneur hat dieses Ultimatum a b g e l e h n t, worauf die Engländer das Feuer eröffneten, das von den Franzosen erwidert wurde. 3n einem von der französischen Regierung heraus­gegebenen Lommunique über diesen Zwischenfall heißt es:Man konnte annehmen, daß der Ex- General de Gaulle nur deshalb in den Sold Eng­lands getreten ist, um den Kampf gegen un­sere früheren Feinde fortzusehen. Die Tatsachen zeigen, dah das nicht richtig ist. Der Ex-General de Gaulle führte nun an der Spitze fremder Kräfte den Angriff gegen seine früheren Mitbürger. Jenen Franzosen, die noch zögerten, sich gegen einen Verräter zu stellen, sind nun die Augen geöffnet."

Dakar hat sich Churchill als Schauplatz ausgesucht, um mit Hilfe des Verräters de Gaulle den ehe­maligen französischen Bundesgenossen in ihrem afri­kanischen Kolonialreich Unbequemlichkeiten zu be­reiten, wobei er es vor allem wie schon dec heim­tückische Ueberfall in Oran zeigte, auf die in den afrikanischen Häfen liegenden Teile der französischen Kriegsflotte abgesehen hat. Dakar, mit 100 000 Ein­wohnern die weitaus größte Stadt Westafrikas, liegt mit seinem bedeutenden Hafen, über den die wesentliche Ausfuhr von Kautschuk, Bananen, Kakao, Palmöl, Elfenbein, Kaffee, Baumwolle aus den weiten Gebieten Westafrikas geht, am Grünen Vor­gebirge zwischen den Mündungen des Senegal und

westafnkanischer Kolonie.

Gambiern Es ist Sitz des Generalgouoerneurs von Französisch-Westafrika (das 15 Millionen Einwohner auf 4,7 Mill, qkm zählt), Flottenstation und Flug­zeugstützpunkt. Der Flugplatz Dakar ist häufig für Zwischenlandungen auf dem Flug von Europa nach Südamerika benutzt worden. Churchills Anschlag zeigt eindeutig, worauf es den Briten ankommt und wenn der französische Generalgouverneur das freche Ultimatum des Verräters de Gaulle zurückgewiesen hat und das Feuer der britischen Kriegsschiffe er­widern ließ, so sieht man, daß die Franzosen ihre Freunde von gestern durchschaut haben und nicht gewillt sind, vor ihren brutalen Drohungen die Segel zu streichen.

Jndochina.

Ein japanisch-französisches Abkommen.

Tokio, 23. Sept. (DNB.) Wie die japanische Nachrichtenagentur Domei meldet, ist zwischen der japanischen und der französischen Regierung ein Ab­kommen über Erleichterungen militärischer Art in Französisch-Jndochina für das japanische Heer und die japanische Marine zur Durchführung des Feld­zuges in China abgeschlossen worden. Die Bespre­chungen über das Abkommen haben zwischen dem japanischen Außenminister Matsu 0 ka und dem französischen Botschafter in Tokio Charles Arsens- Henry stattgefunden und wurden im freundschaft­lichen Geist geführt

Auf Grund dieses Abkommens überschritten die japanischen Truppen am Morgen des 23. September d i e Nords st grenze von Französisch - Jndochina, und zwar südlich von Lungchow bei dem Grenzort Dendang. Bei der Grenzüberschreitung kam es zu einigen örtlichen Zwischenfällen, die jedoch bald beigelegt werden konnten. Der Sprecher des japanischen Außenamtes erklärte auf der Pressekonferenz zu dem Einmarsch der japanischen Truppen in Jndochina, daß Japan keine territorialen Pläne in Französisch- Jndochina verfolge

Zustand der drohenden Kriegsgefahr in Aeghpien

Stunde der spanischen Außenpolitik werde kommen, sie seivon sensationeller, historischer Bedeutung ür die Geschicke des Vaterlandes." In welchem Sinne diese Entscheidung gefällt wird, ist klar. Eng­land ist von jeher der Todfeind Spaniens gewesen; es hat, wie Frankreich, Spanien in Europa nieder­halten und in Afrika schachmatt manövrieren wol­len. Daß der Caudillo in London einmal ganz offi­ziell alsRebellenführer" bezeichnet wurde und daß z. B. am 1. Juli 1937 das englische Außenamt unter Verweigerung der Rechte Kriegführender an Franco mit Waffenlieferungen für Rotspanien drohte, ist nie vergessen worden. England säte Wind und wird Sturm ernten ...

Churchill unter dem Stahlhelm.

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Die britische Propaganda erzählt zu diesem von ihr verbreiteten Bild, daß es Churchill an der Höllenecke" zeigt, wo er einen Luftkampf zwischen deutschen und britischen Fliegern beobachtet. Ganz wohl scheint jedenfalls Herrn Churchill dabei nicht zu sein, denn im Gegensatz zu seinem Begleiter mit der schwarzen Glocke hat er sich kriegerisch mit dem Stahlhelm aufpostiert. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Onglandsahrt.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Dor einigen Jahren unternahm ich, um ein Bild von dem äußeren Zustand Englands zu gewinnen, eine Autobusfahrt von Elgin, nahe der Nord- spitze von Großbritannien, bis in die Nähe von London. Einiges von dem, was ich unter­wegs beobachten konnte, scheint mir heute mit Rück­sicht auf das Urteil über englische Zustände, der Erinnerung wert weniger was die großen Städte angeht, über die ja Besonderes nicht zu sagen ist, als mit Rücksicht darauf, wie sich die eng­lische Geschichte und das englische Leben im Bilde des Landes widerspiegeln.

Ein besonders starker Eindruck war der des f 0 zialen Gegensatzes zwischen der reichen, herrschenden Oberschicht und der Masse des Volkes. Bei einer solchen Fahrt kommt dem Besucher aus Deutschland aufs Stärkste zum Bewußtsein, daß England ein Land ohne Bauern ist. Es gibt kaum eigenbesitzliche Bauern in England, sondern auf der einen Seite gibt es nur große und mittlere Grundbesitzer und auf der anderen nur Pächter und Landarbeiter. Der englische Landmann, das heißt der Mann, der den Acker bestellt, kennt schon seit Jahrhunderten nicht mehr die Freude, ein Stück eigenen Grund und Bodens zu besitzen; das Dach über seinem Haupt, den Herd, um den sich seine Familie sammelt, kann er nicht sein Eigen nennen. Das Bauernlegen war schon im Mittelalter ein Hauptgeschäft des grundbesitzenden englischen Adels, und es wurde mit solchem Nachdruck betrieben, daß schon im 16. Jahrhundert dem selbständigen Bauerntum das Rückgrat gebrochen war.

Wer durch ein englisches Dorf fährt, der sieht die vielfach dürftigen und veräucherten Häuser mit ihren hohen Kaminen eng aneinander gebaut, wie in der Großstadt. In diesen Häusern wohnen Land­arbeiter, dörfliche Hundwerker und kleine Geschäfts­leute, und die Häuschen gehören zu allermeist nicht den Menschen, die in ihnen Hausen, sondern dem L a n d l 0 r d, der seine Einkünfte abwechselnd in der Großstadt oder auf seinem Schloß genießt. Es gibt zwei Typen von ländlichen Grundeigentümern, den Squire, der dem gewöhnlichen deutschen Rittergutsbesitzer entspricht und den Lord, dessen Besitz bis zum Umfang eines deutschen Herzog­tums hinaufteicht und dem auch in den Städten ganze Straßenzüge und Stadtviertel mit phanta- stischen Mietserträgen gehören.

! Ein englisches Adelsschloß hat Wohnräume für

71 e u y 0 r k, 24. Sept (DRV. Funkspruch.) Daul Associated Preß sott Ministerpräsident Hassan Sabri für ganz Aegypten den Zu st and der drohenden kriegsgesahrr bekanntgegeben haben, nachdem bereits seit dem 1.9; 1939 der Ve - lagerungszustand bestand. Außerdem habe die Regierung durch ein neues Gesetz beschlossen, die Verteidlgungsvorbereitungen zu verdoppeln, den Krieg jedoch nicht zu erklären. Das ägyptische Parlament wird in der nächsten Woche tagen.

Aegypten will abwarten.

S a n S e b a st i a n , 23. Sept. (DNB.) Nach einer Reutermeldung aus Kairo veröffentlichen die Zei­tungen einen Brief der vier ägyptischen Minister, deren Rücktritt am Wochenende bekanntgegeben wurde. Die Minister, alles Mitglieder der Saadistenpartei, erklären, sie hätten eine Politik empfohlen, die eine Verteidigung Aegyptens erfordert hätte für den Fall, daß der Feind aus dem Boden Aegyptens vordrang. Da die Mehrheit des Kabinetts diese Ansicht nicht teile, seien sie ge­zwungen gewesen, ihren Rücktritt zu erklären. In seiner Antwort schreibt der Ministerpräsident Hassan Sabry Pascha:Sie haben dem Kabinett einen ernsten Plan vorgeschlagen, der dahingeht, das Land sofort in die Kriegsgreuel zu stürzen, einen Plan, der keinen augenscheinlichen Zwecken dient und ohne zwingende Notwendigkeit ist Das Kabinett hat Ihren Vorschlag einstimmig abgelehnt. Ihre Kollegen sind der Ansicht, daß es weise ist, geduldig und vernünftig zu sein bei der Entscheidung über das künftige Los Aegyptens, bis die gesamten Absichten Italiens bekannt sind."

Italiens strategisches Ziel in Aegypten.

Rom, 23. Sept. (Europapreß.) Der Schweizer Rundfunk hat aus Vichy gemeldet, daß italienische Truppen Marsa Matruk besetzt batten. In der italienischen Pressekonferenz vom Montag ist dagegen erklärt worden, daß diese Nachricht un­richtig sei Marsa Matruk ssi von den italienischen Truppen nicht angegriffen worden. Marschall Graziani habe in dieser Richtung noch kei­nen Vorstoß unternommen. In Aegypten herrsche die gleiche militärische Lage wie m den letzten Tagen. Das italienische sttategische Ziel sei die Entfernung der Bedrohung der Grenzen des eigenen Besitzes m Nord- afrika.

Italienischer Wehrmachtsdericht.

Rom, 23. Sept. (DRV.) Der italienische Wehr­machtsbericht vom Wontag hat folgenden Wortlaut:

Aus weiteren Informationen geht hervor, dah der gemäß Wehrmachtsbericht vom Donnerstag von einem unserer Flugzeuge torpedierte feindliche Kreuzer anschließend tg e f u n l e n ist.

Die Photographien von dem am 21. September auf das Zentrum von Haifa ausgeführten Bom­bardement beweisen den glänzenden Erfolg dieser Operation. Ueberall sind heftige und ausge- dehnte Brände hervorgerufen worden.

Der Flugstützpunkt Wicabba auf Malta ist

neuerdings bombardiert worden. Ein Depot wurde getroffen, wobei ein großer Brand entstand. Die feindlichen Jagdflugzeuge sind einem Kampf aus dem Wege gegangen. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.

In R 0 r d a f r i k a hat der Feind die Bombar­dierung der Stadt B e n g h a s i wiederholt und oer- chiedene Wohnhäuser beschädigt. Dank der Schutz­maßnahmen und der allgemeinen Disziplin sind keine Opfer zu beklagen. Lin Luftangriff auf Bar - dia hat weder Opfer noch Sachschaden verursacht. Lin viermotoriges englisches Flugzeug vom Sunber- land-Typ, das von unseren Jägern mit Maschinen­gewehren beschossen wurde, ist in der Räge der Eyrenaika-Grenze ins Meer gestürzt und mit der gesamten Besatzung untergegangen.

Unsere CuftpatrouiHen haben feindliche halbmoto- rifierte Abteilungen erfolgreich angegriffen. Die militärischen Ziele von Marsa Matruk find neuerdings mit Erfolg bombardiert worden. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.

Die Hafenanlagen von Aden wurden einem Rachtbombardement unterzogen. Die gemäß dem gestrigen Dehrmachtsbericht von unserer Luftwaffe während des Angriffes auf einen Geleitzug im Roten Meer getroffenen Schiffe belaufen sich auf drei.

Die feindliche Luftwaffe hat Bomben auf Gura, (f aff ata und in der Rähe von Asmara abge- roorfen, wo zwei Eingeborene getötet und zwei ver­wundet wurden. Leichter Sachschaden.

3m südlichen Thyrrenischen Meer ist ein unbeladener italienischer Dampfer von einem feind­lichen U-Boot versenkt worden.

Spanien und das neue Europa

tion unserer Berliner Schristleiiung.

Mit außerordentlichem Interesse hat Spanien die Unterredungen verfolgt, die in Rom zwischen Reichs- außenminister von Ribbenttop, dem Duce und dem italienischen Außenminister Graf Ciano stattgefun­den haben. Madrid ist sich bewußt, daß in diesen Unterredungen, die für die Gestaltung des neuen Europa unS die Neuordnung der Verhältnisse in Afrika von grundlegender Bedeutung sind, auch der Anteil Spaniens an der künftigen Regelung der Verhältnisse besprochen worden ist, und zwar gemäß dem Leitstern, unter dem die neue spanische Polittk des Caudillo steht. Diese Richtlinie wird einmal durch die imperialen Interessen Spaniens bestimmt, die sich aus der ganzen Entwicklung der letzten Jahre ergeben und traditionsgemäß dort wieder an­knüpfen, wo einst Spaniens Bedeutung für Europa ^Der italienische Angriff gegen die militärischen Ausfallstore Albions in Aegypten trifft das eng­lische Empire ins Herz. Die Neuordnung in Afrika hat begonnen und wird diesen Erdteil zu einem integrierenden Bestandteil jeder europäischen Fest­landspolitik machen. In Spanien hat man sich nicht nur zu einer Solidaritätserklärung für die Aufbau­politik der Achsenmächte verstanden, sondern weiß auch, daß die Achsenmächte die Ansprüche des neuen Spanien bei dieser Neuordnung berücksichtigen werden. In der Zeitung der spanischen Falange Arriba" schrieb herraiz, die entscheidende

Vergeltungsangriffe gegen London fortgesetzt.

Der Wehrmachtsbencht vom Montag.

Berlin, 23. Sept (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Eines unserer Schnellboote versenkte beim Vorstoß gegen die englische Küste ein bewaff­netes feindliches Handelsschiff von 3000 BRT. und setzte ein Vewachungsfahrzeug außer Gefecht.

Die Luftwaffe führte gestern bewaffnete Aufktärungsftüge durch, bei denen kriegs­wichtige Ziele in London und anderen Orlen Süd-Englands bombardiert wurden. In der Rächt nahmen die Vergeltungsangriffe auf London in voller Stärke ihren Fortgang. Hafen­anlagen, Docks und andere kriegswichtige Ziele find erfolgreich mit Bomben aller Kaliber angegriffen worden.

Britische Flugzeuge warfen in der Rächt zum 23. September in Rorddeutschland Bomben und zerstörten mehrere Bauernhöfe. Ein­

zelne feindliche Flugzeuge gelangten bis nach Ber­lin, ohne hier jedoch Schaden anzurichten. Abschüsse feindlicher Flugzeuge wurden nicht beobachtet. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt. Das Jagdgeschwa­der des Majors M ö l d e r s hat bisher 5 0 0 C u f t- fiege errungen.

An den im Wehrmachtsbericht vom 21. Septem­ber gemeldeten Unterseeboots-Erfolgen war das unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Lüth stehende kleine U-Boot mit der Versenkung von vier feindlichen Handelsschiffen mit 29 000 BRT. beteiligt

21 britische Flugzeuge abgeschoffen.

B e r t i n, 23. Sept (DRV.) 3m Laufe des heutigen Tages unternahmen unsere Flugzeuge bewaffnete Aufklärungsflüge im Raume von Südengland. Dabei kam es zu einigen Luftkämpfen, bei denen 21 britische Flugzeuge abgeschossen wurden. Fünf eigene Flug­zeuge werden vermißt

9er Führer überreicht Major Melders das Eichenlaub.

Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat wie wir schon berichteten am Sonntag dem erfolgreichsten Jagdflieger der Luftwaffe, Major Moelders, das ihm aus Anlaß des 40. Luft- sieqes verliehene Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes m der Reichskanzlei persönlich über- reicht Major Moelders ist, nach dem Helden von Narvik, General Dietl, nun der zweite Offizier der Wehrmacht, der diese hohe Auszeichnung erhielt. (Presse-Hoffmann-M.)'