Ausgabe 
24.5.1940
 
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<90. Jahrgang Nr. <2<

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Gietzener Anzeiger

SrShIsch« Universtlättdnlckrrtl 8. lange General-Anzeiger für Oberhessen «letzen, Schnlftratze r-4

5rettag,24.Mai <940 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8V2 Uhrdes Vormittags Grundvreise für 1 mmHöhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf.,Textanzelgen von 70 mm Brette 50 Pf. Wiederholung Malstaffell AbschlüsieMengenstaffelL Plabvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/<>rnehr Ermäßigte Grundvreise Bäderanzeigen

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plutokratische Diktatur in England

Die Kriegslage im Urteil der römischen presse

England erwacht ans seinen Illusionen

Überzeugung, daß der Krieg mehrere Jahre dauern würde und diskutierte eingehend, in welchem Nach­teil sich Deutschland bei seiner Oel- und Metallver­sorgung durch die von England ausgeübte Blockade befände. Die Lage hätte sich nach englischer Auf­fassung mtt jedem Jahr weiter für Deutschland ver­schlechtern müssen. Auch nachdem Churchill die neue Regierung bildete, war man noch immer der Ueberzougung, daß England seine unerschöplichen Hilfsquellen ausnützen könne, und gab sich nach wie vor dem gefährlichen Gerede hin, daß die

in Flandern und im Artois.

Durch bewaffnete Aufklärung vor der Kanalküste wurden drei Transporter und ein Tanker mit ins­gesamt etwa 20 000 Tonnen versenkt und ein Zerstörer schwer beschädigt. Die Hafenanlagen von Dünkirchen und Dover sind wirksam mit Bomben belegt worden. Deutsche Schnell­boote haben vor Dünkirchen einen feindlichen Zer­störer durch Torpedoschuh versenkt. 3m übrigen war die Tätigkeit der beiderseitigen Luftwaffen durch die Wetterlage beschränkt. Der Gegner verlor neun Flugzeuge. Fünf deutsche Flugzeuge werden ver- rniht.

Bei Narvik gelang es. einen Schlachtkreuzer am Bug schwer zu treffen, einen Transporter von 3000 Tonnen zu versenken und einen weiteren Transporter schwer zu beschädigen. Auherdem wur­den Zelt- und Munitionslager in Brand geworfen. Nachschubkolonnen zersprengt. Batteriestellungen und Landungsanlagen erfolgreich angegriffen.

Auch in der letzten Nacht setzte der Gegner seine planlosen Luftangriffe gegen nichtmilitärische Ziele fort. 3n den Niederlanden wurden die Ort Nym- wegen und W a a l w y k von britischen Flug­zeugen angegriffen und dabei mehrere Zivilper­sonen gelötet. Auf Grund nachträglich eingelaufener Meldungen beträgt, wie bereits durch Sondermel­dung bekanntgegeben, die Zahl der durch Flak­artillerie in der Zeit vom 10. bis 15. Mai ab- geschoffenen feindlichen Flugzeuge 342.

Ueberzeugung, daß England seine unerschöpflichen gewinnen würde. Diese Wunschträume wurden erst durch die Mitteilungen, daß die Deutschen Amiens besetzt hielten, zerstört. Der deutsche Heeresbericht vom Dienstag wurde dann im Wortlaut in Eng­land wiedergegeben, und zum ersten Mal las die Allgemeinheit dieschrecklichen" Neuigkeiten über die Vorgänge an der Westfront. Nun e r st sah man den Ernst der Lage ein.

Stockholm, 23. Mai. (Europapreß.) In eng­lischen Regierungskreisen macht man kein Hehl aus der Feststellung, daßHitler ante por- t a s" stehe. Mit Verwunderung nimmt man auch zur Kenntnis, daß Winston Churchill sich schon wieder zur Klärung wichtiger Fragen n a ch P a r l s begeben mußte, um dort mit Reynaud und Weygand zu konferieren. Erst vor dem Sturz Gamelins hatte sich Churchill in Paris aufgehalten. Man nimmt an, !daß, wenn die Besprechung, die Churchill mit Rey­naud hatte, nicht dem Rückzug der englischen Truppe gegolten hat, wieder ein vernichtendes Urteil ähnlich desjenigen über Gamelin gefällt worden ist.

News Chronicle" greift Chamberlain und Sir Hohn Simon heftig an. Das Blatt schreibt, es sei ein Skandal, daß Mitglieder einer Regierung, die verantwortlich für die Versäumnisse und die Ver­schleppung in der Aufrüstungspolitik des Landes feien, nach wie vor die Geschicke des Landes von Der Regierungsbank aus bestimmten.Times" stellt fest, daß die Lage jetzt ernster sei als jemals im Weltkriege; nicht nur, daß die Deutschen Amiens, Den wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt in Nord­frankreich, und Abbeville, die letzte Brücken­verbindung über die Somme genommen hätten, der Feind sei sogar in den Besitz enormer Lebens­rnittel- und Brennstoffvorräte gekommen, die für ihn eine große Erleichterung zur Erreichung des nächsten Zieles bedeuteten. DieTimes" rechnet ,damit- daß Frankreich weite Jndustriege- biete durch den deutschen Vormarsch in Nord­frankreich verloren gehen werden.

in den Wunschtraum eingewiegt worden, ein i n n e- rer Zusammenbruch Deutschlands sei unvermeidlich. Auch Chamberlain und der Chef des Generalstabes, Lord Gort, hätten sich ähnlichen Illusionen hingegeben.Die Spötteleien über Deutschland", so fährt der Korrespondent fort,ver­stummten plötzlich, als Deutschland eine erste Probe seiner neuen Kriegführung in Norwegen gab. Aber Churchills und vieler anderer siegesgewisse Erklärungen, daß die Westmächte Deutschland nun in die Falle bekommen hätten, zeigten denn doch, wie sehr man noch immer die Schlagkraft des deutschen Heeres unterschätzte. Der Rückzug der Westmächte aus dem Kampfgebiet von Drontheim kam bereits wie eine kalte Dusche, und die folgen­den Wochen zeigten nicht nur den Politikern, son­dern auch der englischen Oeffentlichkeit, welche Mängel in der eigenen Kriegsbereit­schaft vorhanden waren. Hierauf mußte das Ka­binett Chamberlain zurücktreten.

Aber noch zu diesem Zeitpunkt gab es keinen, der an einem endgültigen Sieg der Westmächte zweifelte. Man war überzeugt, daß die Ver­längerung der Maginotlinie gegen die Grenze nach Luxemburg und Belgien genau so st a r k sei wie die eigentliche Maginotlinie. Man war weiter überzeugt, daß jeder Angriff Deutsch­lands mit blutigen Verluste für den Feind zurück- geschlagen werden würde. Man war der festen

Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag.

Führerhauptquartier. 23.Mai. (D71B.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3n Flandern gewinnt unser Angriff über d l e Schelde gegenüber starkem feindlichen Wi­derstand langsam Boden. Bei Balenciennes ist der Kampf noch im Gange. Das Waldge- lände von Wormal, südostwärts Balenciennes, in dem französische Kräfte Zuflucht gesucht hatten, wurde gesäubert. Auch gestern wurden Ausbruchs­versuche feindlicher Panzerkräfte bei Lambrai im Zusammenwirken des Heeres mit der Luftwaffe unter schweren Berichten für den Gegner abgewiesen. 3m westlichen Artois sind deutsche Truppen aus dem Durchbruchsteil heraus im Borgehen nach Borden in allge­meiner Richtung Calais.

An der gesamten S ü b f r 0 n t von der Somme bis zur Waas ist der Feind überall in der Abwehr. 3n der Festung Lüttich hat sich auch die zweite neuzeitliche Werkgruppe Batlice mit 20 Offizieren und 650 Wann unseren Truppen ergeben. 3n der Südfront von 71 a m u r hält der Feind noch einige Werke.

Angriffe der Luftwaffe trafen in erster Linie die rückwärtigen Berbinbungen bes Gegners sowie Rückzugsbewegungen unb Truppenansammlungen

Genf, 23. Mai. (DNB.) Der König von Eng­land hat ein von beiden Häusern des Parlaments angenommenes Gesetz unterzeichnet, das der Regie­rung unbegrenzte Vollmachten für die Kontrolle über Leben und Eigentum jeden Staatsbürgers gibt und u. a. die Todesstrafe oorsieht. Das Gesetz wird von der gesamten pluto- kratischen Presse einschließlich der sog. Arbeiterblät­ter alsbefreiende Tat verherrlicht". So schreibtNews Chronicle":Nun werden wir erst richtig tätig werden. Das totalitäre System wird von uns mit totalen Mitteln angewendet. Private Interessen und private Vorurteile werden hinweggefegt."Daily Herald" begrüßt die Intelli­genz der Staatsmänner, die das neue Gesetz einge­führt haben. Es zeige die Wirklichkeit eines ener­gischen Tatendranges, ohne den man auf einen Sieg nicht hoffen dürfe.Manchester. Guardian" be­tont, niemals habe die Existenz Großbritanniens an solch einem Faden gehangen wie jetzt.Wir müssen unsere Freiheit der Regierung übergeben, einer Regierung unserer Wahl, um sie von ihr später wieder zu erhalten." (!)

Die Regierung ließ auf Grund ihrer neuen Voll­machten bereits eine große Anzahl Persocken, die sich aus irgendeinem Grunde mißliebig gemacht hatten, fest nehm en. Unter den Verhafteten be­findet sich Sir Oswald Mosley, der Führer der Faschistischen Partei Großbritanniens. Fünf Be­amte hatten vor der Wohnung Mosleys gewartet und verhafteten ihn bei seiner Ankunft. Sieben An­hänger Mosleys, darunter eine Frau, wurden eben­falls festgenommen. Das Hauptquartier der Faschi­

stischen Partei wurde von der Polizei durchsucht. Auch andere Personen, die nicht der Faschistischen Partei angehören, wurden verhaftet, so das Unter­hausmitglied Kapitän R a m s a y und der General­sekretär der britischen Volkspartei, John Beckett. Im Unterhaus teilte der Sprecher mit, daß er von dem Minister für innere Angelegenheiten einen Brief erhalten habe, der besagte, daß der Minister Befehl gegeben habe, Ramsay zu nerhaften. Aus diesem Grunde sei Ramsay in das Brixton- Gefängnis übergeführt worden. Ramsay, der der Konservativen Partei seit 1931 angehört und einen schottischen Wahlkreis vertritt, ist der Schwiegersohn von Lord Gormanston und diente während des Weltkrieges bei der Leibgarde. Später tat er Dienst im Kriegsministerium und war 1918 Mitglied der britischen Kriegsmission für Paris. Die Tatsache, daß der plutokratische Polizeiknüppel zum ersten­mal gegen einen Unterhausabgeordneten in Aktion tritt, hat in ganz England ungeheures Aufsehen erregt, da ein derartiger Einbruch in diegeheilig­ten" Rechte des britischen Parlamentarismus in der englischen Geschichte nur bei ganz außergewöhn­lichen Anlässen oorgekommen ist. Das Gesetz, das deutlich die in England herrschende Nervosität und Verwirrung widerspiegelt, gibt der 'Regierung die Vollmacht, Personen, die mit Organisationen in Verbindung stehen, dieunter ausländischem Ein­fluß oder ausländischer Konttolle stehen", sowie mit Organisationen, die von solchen Persönlichkeiten kontrolliert werden, die mit Regierungen, mit denen Großbritannien sich im Kriege befindet, Verbindung halten oder sympathisieren, zu verhaften.

heftiger Gegenangriffe unternommen in Rich­tung Nord, die gleichzeitig mit Angriffen von Tei­len der eingekreisten Heere in südlicher Richtung zusammenfielen. Alle diese Angriffe der Franzosen und Engländer seien an dem Widerstand der deut­schen Truppen zerschellt oder durch das unauf­hörliche Angreifen der deutschen Luftwaffe zu­sammengebrochen, die unaufhörlich die Truppen und rückwärtigen Stellungen angriff. In einigen Zonen seien Kolonnen von schweren und schwersten Panzerwagen mitten in große bel­gisch-französische Einheiten eingedrungen und hätten sie auf dem Marsch oder in den Quartieren über­rascht. An verschiedenen Stellen seien während der Nacht die Verbindungswege zerstört worden^so daß sich die feindlichen Truppen am anderen Morgen plötzlich vor zerstörten Straßen fanden und gleich­zeitig erneuten Angriffen der Luftwaffe ausgesetzt waren.

Eine schwere Schlacht tobe zur Zeit in Flanq dern und in der Gegend von Calais zwischen englisch-französisch-belgischen Kräften, die verzwei- zweifelt einen Ausweg nach den Küstenhäfen such­ten, und den deutschen Einkreisungskräften, die Stunde für Stunde den Kreis enger und enger ziehen. Trotz des Widerstandes der belgischen und französischen Kräfte beherrschten die motorisierten Einheiten der deutschen Wehrmacht, unterstützt von der Luftwaffe, vollkommen das Schlachtfeld. Der neue deutsche Sack sei 100 Kilometer lang und 80 Kilometer tief. Weygand unternehme an der gan­zen Front eine Serie kleiner Tastversuche in der Hofnung, einen schwachen Punkt zu finden und in ihn einen Keil zu treiben, um dann seine Reserven durchstoßen zu lassen. Aber bisher habe das deutsche Heer allen diesen französischen Tastversuchen eisern standgehalten und mit blitzartigem Gegenangriff geantwortet. Die Kämpfe in der Zone von Valen- ciennes und Arras feien äußerst blutig. Sie würden in Paris mit der Notwendigkeit gerechtfertigt, den größtmöglichen Teil von belgischen und französischen Truppen zu retten, um dem Heer, das sich auch zahlenmäßig in einer äußerst schwierigen Situation befinde, weitere Kräfte zuzuführen. Man verstehe, daß die französische Regierung mit allen Mitteln versuche, wenigstens drei Monate lang vor Paris und Le Havre Widerstand zu leisten, um der In« buftrie Zeit zu geben, eine Menge Rüstungsmate­rial zu liefern, um so mehr, als die Besetzung des Jndusttiebeckens von Lille nach der Besetzung Bel­giens einen schweren Schlag für die französische Kriegsindustrie darstellt. In der sicheren Annahme, alsbald das Ziel einer deutschen Luftoffensive zu werden, versuche England, seine Marinestütz» punkte und seine industriellen Zentten zu schützen. England habe vor allem Angst vor den deutschen. Fallschirmtruppen, die durch die Verpflanzung des Krieges auf englisches Gebiet die militärischen Fähigkeiten Großbritanniens auf eine harte Probe stellen würden, worüber sich die Engländer selbst keinen Illusionen hingeben.

1

Der Siegeszug des deutschen Heeres.

^on Major a. O. von Keifer.

Gewaltiges erleben wir Deutschen heute, so Großes und Schicksalhaftes wie kaum eine Gene­ration vor uns. Der alte preußische Geist desRan an den Feind!", verbunden mit dem revolutionären Schwung des jungen nationalsozialistischen Deutsch­lands, hat kriegerische Leistungen vollbracht, deren kein anderes Volk in der Welt fähig wäre. In 18 Tagen wurde Polen, in noch nicht vier Wochen Norwegen, in fünf Tagen Holland, in ge­nau einer Woche der größte Teil Belgiens ein­schließlich Brüssel trotz schärfsten feindlichen Wider­standes über den Haufen gerannt. Und jetzt wir alle fühlen es am Rhythmus des großen Schlacht­geschehens im Westen ist unser Heer zu dem gewaltigen Waffengange angetreten, der die welt­geschichtliche Entscheidung bringen soll in dem Kampf zwischen dem überalterten britischen Welt­reich unb dem jugendfrischen und zukunftsftohen Großdeutschen Reich.

Wieder einmal ist der Führer den Feind- möchten zuvorgekommen. Diesmal gingen sie aufs Ganze, diesmal wollten sie durch Belgien und Holland, ihre getreuen Helfershelfer, in das Ruhr­gebiet einfallen und diese wichtigste Waffenschmiede des Deutschen Reiches in Besitz nehmen. Im ent­scheidenden Augenblick, unmittelbar vor dem beab­sichtigten Einfall, schlug die deutsche Wehrmacht zu^ Durch den überraschend schnellen Einmarsch der deutschen Truppen in Holland, Belgien und Luxem­burg, durch das Ueberrennen des ersten feindlia^n Widerstandes in Grenznähe und.durch die Einnahme von Lüttich, dieses stärksten Eckpfeilers der bel­gischen Grenzbefestigungen, riß die deutsche Heeres­leitung sofort die Initiative an sich und zwang dem Feinde das Gesetz des Handelns auf. Durch die Absetzung von Luftlandetruppen und von Fall­schirmjägern um Rotterdam wurde dieser stärkste Stützpunkt der berühmtenFestung Holland" be­reits nach wenigen Tagen so schwer bedrängt, daß er schon am 14. Mai kapitulieren mußte, worauf die ganze holländische Armee die Waffen streckte. Mit der Besetzung des gesamten holländischen Küstengebietes nachdem auch die Provinz Zee- land kapituliert hatte ist Holland nicht, wie Herr Churchill es sich so schön gedacht hatte, zur briti­schen Flugbasis gegen Deutschland, sondern zur deutschen Flugbasis gegen England geworden. Das wahnsinnige britische WortEng­lands Grenze liegt am Rhein" läßt sich heute strategisch betrachtet umkehren in das Wort: Deutschlands Grenze liegt an der Rheinmündung/ Was das für die britische Kriegführung bedeutet, spürt England schon jetzt an den furchtbaren Schlä-

Svenska Dagbladet" berichtet, London gleiche einer befestigten Stadt. Maschinengewehr- nefter und große Mauern von Sandsäcken seien überall in den Straßen und Parkanlagen festzu- stellen. Entlang der Themse seien Maschinengewehre aufgestellt, um den Fluß zu beherrschen und jede Möglichkeit auszuschließen, daß hier feindliche Was­serflugzeuge eine Landemöglichkeit finden könnten.

Paris spricht sich Mut zu.

Rom, 24. Mai. (Europapreß.) Mit welch bitte­rem Ernst jetzt auch die französische Oeffentlichkeit die kritische Lage Frankreichs erkennt, geht auch aus der Presse hervor. Die französischen Zeitungen sind gehalten, die diktatorischen Forderungen der Regie­rung mit allen Mitteln zu unterstützen. So schreibt z. B. die ZeitungJuftice", es müsse jetzt eine bis zur Brutalität gehende Strenge überall Platz greifen. DasJournal" verlangt neue Methoden unb macht das Eingeständnis, daß in Frankreich alles versagt habe. Es sei zwecklos, sich zu verhehlen, daß Frankreich sowohl auf materiellem Gebiet wie auch auf dem der In­telligenz geschlagen worden sei. DerFigaro" bezeichnet die Niederlage an der Maas als die Folge eines krankhaften Gemütszustandes, den acht Monate eines ereignislosen Krieges in Frankreich geschaffen hätten. Mitten im Kriege habe Frankreich nicht an den Krieg geglaubt. Um so er­schütternder sei jetzt das Erwachen.

Während die Blätter versuchen, der Bevölkerung Mut einzureden, spricht gleichzeitig aus den Kom­mentaren der militärischen Sachverständigen ein sehr pessimisttscher Ton. Nur mit dem Gefühl der Bangigkeit veranstaltet man ein Rätselraten über die weiteren Pläne der deutschen Wehrmacht. Als besonders kritisch wird die Lage der umzingelten französisch-englischen Truppen im Kanalgebiet an­gesehen.

Oer Ring wird immer enger.

Feindliche Ausbruchsversuche überall abgewiesen. Vormarsch in Richtung aus Calais

DemSvenska Dagbladet" schreibt der Londoner Korrespondent des Blattes, der im ,.Times"-Ge- bäube sitzt und daher ein recht anschauliches Bild von der Lage und ihrer Beurteilung in England geben kann, die letzten Berichte von der Westfront hätten dem englischen Volk einen furchtbaren Schock gegeben, zumal da es eine Niederlage nie in den Bereich der Möglichkeiten gezogen habe.,~ Während des ganzen Winters seien bit Engländers ersten Niederlagen bedeutungslos seren. Man map.

Rom, 24. Mai. (Europapreß.) Heber die Um­zingelungsschlacht im Westen Belgiens und in Nord­frankreich schreibt die italienische Presse, die eng­lisch-französischen Panzerdivisionen seien unfähig, den stählernen Ring, der sie umschlossen halte, nach Süden zu durchbrechen. Die bisherigen Verluste der Westmächte an Menschen und Material müßten außerordentlich schwer sein. Den Westmächten seien wichtige Industriezentren und Bergwerke verloren gegangen. Der Ernst der Lage habe dazu geführt, daß bas englische Unterhaus in weniger als zwei Stunben ein Gesetz angenommen habe, burch bas bas liberale Staatssystem in ben Wurzeln getrof­fen werde. Churchill habe sich zu einem in T-facher Potenz alles überragenden Tyrannen aufgeworfen. In Frankreich, so schreibtPopolo di Roma", wech­selten Verttauensinjektionen mit Alarmrufen ab. General Weygand habe erklärt, vertrauensvoll zu sein,unter der Voraussetzung, daß jedermann energisch und hartnäckig seine Pflicht tue". Reynaud habe aber gleich hinzugefügt, Frankreich könne dann gerettet werden,wenn es sich einen Monat hindurch halten könne". Für den tödlichen Ernst der Lage der Westmächte spreche der Umstand, daß Churchill am Dienstag wieder mit Beratern aller Waffengattungen eine Luftreise nach Paris gemacht habe und nach Beratungen mit Weygand unb Reynaub am gleichen Abenb eiligst nach London zurückgekehrt sei.

Messaggero" erklärt, das große Manöver bes beutschen Generalstabes entwickele sich seinen vor­gezeichneten und wesentlichen Zielen entsprechenb: Einkreisung unb Vernichtung ber Ein­heiten ber Westmächte, die nicht mehr rechtzeitig aus dem belgischen Sack herauskommen konnten und Eroberung der gesamten franzö­sischen K a n a l - K ü st e. Der noch auf den Er­fahrungen des Weltkrieges fußenden Kriegskunst der Befehlsstellen der Westmächte setze die deutsche Heeresleitung eine neue und eigene Krieg- führun g entgegen, die vom Führer selbst aus­gedacht sei und deren wichtigste Kennzeichen die ab­solute Kühnheit auf strategischem und taktischem Gebiet, der Ideenreichtum, die schnelle Anpassung an die Landschaft und die wechselnden Situationen, die vollkommene Organisation bes Nachschubes unb bie unbestreitbare technische unb mechanische lieber- legenheit zu ßanbe und in der Luft bildeten. Die Westmächte seien infolgedessen bisher stets geschla­gen worden. Sie hätten die unerwartetsten und mörderischsten Schläge erhalten, bevor sie auch nur Zeit zu einer Abwehr gefunden hätten.

Der Militärsachverständige derAgenzia Stefani" schreibt, die Anstrengung Weygands ziele daraus ab, die französischen Kräfte auf einer neuen Wider st andslinie, die mit dem Lauf der drei Flüsse Somme, Aisne und Maas zu­sammenfalle, zu konzentrieren. Zum anderen wolle er die größtmögliche Zahl belgisch-sranzösisch-eng- lischer Divisionen aus ber beutschen Umklammerung in Flanbern und der Zone von Calais l 0 s l ö s e n.

1 Dazu habe ex ® der Zone von Peronne eine Reihe