<90. Jahrgang Nr. <2<
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Gietzener Anzeiger
SrShIsch« Universtlättdnlckrrtl 8. lange General-Anzeiger für Oberhessen «letzen, Schnlftratze r-4
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plutokratische Diktatur in England
Die Kriegslage im Urteil der römischen presse
England erwacht ans seinen Illusionen
Überzeugung, daß der Krieg mehrere Jahre dauern würde und diskutierte eingehend, in welchem Nachteil sich Deutschland bei seiner Oel- und Metallversorgung durch die von England ausgeübte Blockade befände. Die Lage hätte sich nach englischer Auffassung mtt jedem Jahr weiter für Deutschland verschlechtern müssen. Auch nachdem Churchill die neue Regierung bildete, war man noch immer der Ueberzougung, daß England seine unerschöplichen Hilfsquellen ausnützen könne, und gab sich nach wie vor dem gefährlichen Gerede hin, daß die
in Flandern und im Artois.
Durch bewaffnete Aufklärung vor der Kanalküste wurden drei Transporter und ein Tanker mit insgesamt etwa 20 000 Tonnen versenkt und ein Zerstörer schwer beschädigt. Die Hafenanlagen von Dünkirchen und Dover sind wirksam mit Bomben belegt worden. Deutsche Schnellboote haben vor Dünkirchen einen feindlichen Zerstörer durch Torpedoschuh versenkt. 3m übrigen war die Tätigkeit der beiderseitigen Luftwaffen durch die Wetterlage beschränkt. Der Gegner verlor neun Flugzeuge. Fünf deutsche Flugzeuge werden ver- rniht.
Bei Narvik gelang es. einen Schlachtkreuzer am Bug schwer zu treffen, einen Transporter von 3000 Tonnen zu versenken und einen weiteren Transporter schwer zu beschädigen. Auherdem wurden Zelt- und Munitionslager in Brand geworfen. Nachschubkolonnen zersprengt. Batteriestellungen und Landungsanlagen erfolgreich angegriffen.
Auch in der letzten Nacht setzte der Gegner seine planlosen Luftangriffe gegen nichtmilitärische Ziele fort. 3n den Niederlanden wurden die Ort Nym- wegen und W a a l w y k von britischen Flugzeugen angegriffen und dabei mehrere Zivilpersonen gelötet. Auf Grund nachträglich eingelaufener Meldungen beträgt, wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, die Zahl der durch Flakartillerie in der Zeit vom 10. bis 15. Mai ab- geschoffenen feindlichen Flugzeuge 342.
Ueberzeugung, daß England seine unerschöpflichen gewinnen würde. Diese Wunschträume wurden erst durch die Mitteilungen, daß die Deutschen Amiens besetzt hielten, zerstört. Der deutsche Heeresbericht vom Dienstag wurde dann im Wortlaut in England wiedergegeben, und zum ersten Mal las die Allgemeinheit die „schrecklichen" Neuigkeiten über die Vorgänge an der Westfront. Nun e r st sah man den Ernst der Lage ein.
Stockholm, 23. Mai. (Europapreß.) In englischen Regierungskreisen macht man kein Hehl aus der Feststellung, daß „Hitler ante por- t a s" stehe. Mit Verwunderung nimmt man auch zur Kenntnis, daß Winston Churchill sich schon wieder zur Klärung wichtiger Fragen n a ch P a r l s begeben mußte, um dort mit Reynaud und Weygand zu konferieren. Erst vor dem Sturz Gamelins hatte sich Churchill in Paris aufgehalten. Man nimmt an, !daß, wenn die Besprechung, die Churchill mit Reynaud hatte, nicht dem Rückzug der englischen Truppe gegolten hat, wieder ein vernichtendes Urteil ähnlich desjenigen über Gamelin gefällt worden ist.
„News Chronicle" greift Chamberlain und Sir Hohn Simon heftig an. Das Blatt schreibt, es sei ein Skandal, daß Mitglieder einer Regierung, die verantwortlich für die Versäumnisse und die Verschleppung in der Aufrüstungspolitik des Landes feien, nach wie vor die Geschicke des Landes von Der Regierungsbank aus bestimmten. „Times" stellt fest, daß die Lage jetzt ernster sei als jemals im Weltkriege; nicht nur, daß die Deutschen Amiens, Den wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt in Nordfrankreich, und Abbeville, die letzte Brückenverbindung über die Somme genommen hätten, der Feind sei sogar in den Besitz enormer Lebensrnittel- und Brennstoffvorräte gekommen, die für ihn eine große Erleichterung zur Erreichung des nächsten Zieles bedeuteten. Die „Times" rechnet ,damit- daß Frankreich weite Jndustriege- biete durch den deutschen Vormarsch in Nordfrankreich verloren gehen werden.
in den Wunschtraum eingewiegt worden, ein i n n e- rer Zusammenbruch Deutschlands sei unvermeidlich. Auch Chamberlain und der Chef des Generalstabes, Lord Gort, hätten sich ähnlichen Illusionen hingegeben. „Die Spötteleien über Deutschland", so fährt der Korrespondent fort, „verstummten plötzlich, als Deutschland eine erste Probe seiner neuen Kriegführung in Norwegen gab. Aber Churchills und vieler anderer siegesgewisse Erklärungen, daß die Westmächte Deutschland nun in die Falle bekommen hätten, zeigten denn doch, wie sehr man noch immer die Schlagkraft des deutschen Heeres unterschätzte. Der Rückzug der Westmächte aus dem Kampfgebiet von Drontheim kam bereits wie eine kalte Dusche, und die folgenden Wochen zeigten nicht nur den Politikern, sondern auch der englischen Oeffentlichkeit, welche Mängel in der eigenen Kriegsbereitschaft vorhanden waren. Hierauf mußte das Kabinett Chamberlain zurücktreten.
Aber noch zu diesem Zeitpunkt gab es keinen, der an einem endgültigen Sieg der Westmächte zweifelte. Man war überzeugt, daß die Verlängerung der Maginotlinie gegen die Grenze nach Luxemburg und Belgien genau so st a r k sei wie die eigentliche Maginotlinie. Man war weiter überzeugt, daß jeder Angriff Deutschlands mit blutigen Verluste für den Feind zurück- geschlagen werden würde. Man war der festen
Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag.
Führerhauptquartier. 23.Mai. (D71B.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3n Flandern gewinnt unser Angriff über d l e Schelde gegenüber starkem feindlichen Widerstand langsam Boden. Bei Balenciennes ist der Kampf noch im Gange. Das Waldge- lände von Wormal, südostwärts Balenciennes, in dem französische Kräfte Zuflucht gesucht hatten, wurde gesäubert. Auch gestern wurden Ausbruchsversuche feindlicher Panzerkräfte bei Lambrai im Zusammenwirken des Heeres mit der Luftwaffe unter schweren Berichten für den Gegner abgewiesen. 3m westlichen Artois sind deutsche Truppen aus dem Durchbruchsteil heraus im Borgehen nach Borden in allgemeiner Richtung Calais.
An der gesamten S ü b f r 0 n t von der Somme bis zur Waas ist der Feind überall in der Abwehr. 3n der Festung Lüttich hat sich auch die zweite neuzeitliche Werkgruppe Batlice mit 20 Offizieren und 650 Wann unseren Truppen ergeben. 3n der Südfront von 71 a m u r hält der Feind noch einige Werke.
Angriffe der Luftwaffe trafen in erster Linie die rückwärtigen Berbinbungen bes Gegners sowie Rückzugsbewegungen unb Truppenansammlungen
Genf, 23. Mai. (DNB.) Der König von England hat ein von beiden Häusern des Parlaments angenommenes Gesetz unterzeichnet, das der Regierung unbegrenzte Vollmachten für die Kontrolle über Leben und Eigentum jeden Staatsbürgers gibt und u. a. die Todesstrafe oorsieht. Das Gesetz wird von der gesamten pluto- kratischen Presse einschließlich der sog. Arbeiterblätter als „befreiende Tat verherrlicht". So schreibt „News Chronicle": „Nun werden wir erst richtig tätig werden. Das totalitäre System wird von uns mit totalen Mitteln angewendet. Private Interessen und private Vorurteile werden hinweggefegt." „Daily Herald" begrüßt die Intelligenz der Staatsmänner, die das neue Gesetz eingeführt haben. Es zeige die Wirklichkeit eines energischen Tatendranges, ohne den man auf einen Sieg nicht hoffen dürfe. „Manchester. Guardian" betont, niemals habe die Existenz Großbritanniens an solch einem Faden gehangen wie jetzt. „Wir müssen unsere Freiheit der Regierung übergeben, einer Regierung unserer Wahl, um sie von ihr später wieder zu erhalten." (!)
Die Regierung ließ auf Grund ihrer neuen Vollmachten bereits eine große Anzahl Persocken, die sich aus irgendeinem Grunde mißliebig gemacht hatten, fest nehm en. Unter den Verhafteten befindet sich Sir Oswald Mosley, der Führer der Faschistischen Partei Großbritanniens. Fünf Beamte hatten vor der Wohnung Mosleys gewartet und verhafteten ihn bei seiner Ankunft. Sieben Anhänger Mosleys, darunter eine Frau, wurden ebenfalls festgenommen. Das Hauptquartier der Faschi
stischen Partei wurde von der Polizei durchsucht. Auch andere Personen, die nicht der Faschistischen Partei angehören, wurden verhaftet, so das Unterhausmitglied Kapitän R a m s a y und der Generalsekretär der britischen Volkspartei, John Beckett. Im Unterhaus teilte der Sprecher mit, daß er von dem Minister für innere Angelegenheiten einen Brief erhalten habe, der besagte, daß der Minister Befehl gegeben habe, Ramsay zu nerhaften. Aus diesem Grunde sei Ramsay in das Brixton- Gefängnis übergeführt worden. Ramsay, der der Konservativen Partei seit 1931 angehört und einen schottischen Wahlkreis vertritt, ist der Schwiegersohn von Lord Gormanston und diente während des Weltkrieges bei der Leibgarde. Später tat er Dienst im Kriegsministerium und war 1918 Mitglied der britischen Kriegsmission für Paris. Die Tatsache, daß der plutokratische Polizeiknüppel zum erstenmal gegen einen Unterhausabgeordneten in Aktion tritt, hat in ganz England ungeheures Aufsehen erregt, da ein derartiger Einbruch in die „geheiligten" Rechte des britischen Parlamentarismus in der englischen Geschichte nur bei ganz außergewöhnlichen Anlässen oorgekommen ist. Das Gesetz, das deutlich die in England herrschende Nervosität und Verwirrung widerspiegelt, gibt der 'Regierung die Vollmacht, Personen, die mit Organisationen in Verbindung stehen, die „unter ausländischem Einfluß oder ausländischer Konttolle stehen", sowie mit Organisationen, die von solchen Persönlichkeiten kontrolliert werden, die mit Regierungen, mit denen Großbritannien sich im Kriege befindet, Verbindung halten oder sympathisieren, zu verhaften.
heftiger Gegenangriffe unternommen in Richtung Nord, die gleichzeitig mit Angriffen von Teilen der eingekreisten Heere in südlicher Richtung zusammenfielen. Alle diese Angriffe der Franzosen und Engländer seien an dem Widerstand der deutschen Truppen zerschellt oder durch das unaufhörliche Angreifen der deutschen Luftwaffe zusammengebrochen, die unaufhörlich die Truppen und rückwärtigen Stellungen angriff. In einigen Zonen seien Kolonnen von schweren und schwersten Panzerwagen mitten in große belgisch-französische Einheiten eingedrungen und hätten sie auf dem Marsch oder in den Quartieren überrascht. An verschiedenen Stellen seien während der Nacht die Verbindungswege zerstört worden^so daß sich die feindlichen Truppen am anderen Morgen plötzlich vor zerstörten Straßen fanden und gleichzeitig erneuten Angriffen der Luftwaffe ausgesetzt waren.
Eine schwere Schlacht tobe zur Zeit in Flanq dern und in der Gegend von Calais zwischen englisch-französisch-belgischen Kräften, die verzwei- zweifelt einen Ausweg nach den Küstenhäfen suchten, und den deutschen Einkreisungskräften, die Stunde für Stunde den Kreis enger und enger ziehen. Trotz des Widerstandes der belgischen und französischen Kräfte beherrschten die motorisierten Einheiten der deutschen Wehrmacht, unterstützt von der Luftwaffe, vollkommen das Schlachtfeld. Der neue deutsche Sack sei 100 Kilometer lang und 80 Kilometer tief. Weygand unternehme an der ganzen Front eine Serie kleiner Tastversuche in der Hofnung, einen schwachen Punkt zu finden und in ihn einen Keil zu treiben, um dann seine Reserven durchstoßen zu lassen. Aber bisher habe das deutsche Heer allen diesen französischen Tastversuchen eisern standgehalten und mit blitzartigem Gegenangriff geantwortet. Die Kämpfe in der Zone von Valen- ciennes und Arras feien äußerst blutig. Sie würden in Paris mit der Notwendigkeit gerechtfertigt, den größtmöglichen Teil von belgischen und französischen Truppen zu retten, um dem Heer, das sich auch zahlenmäßig in einer äußerst schwierigen Situation befinde, weitere Kräfte zuzuführen. Man verstehe, daß die französische Regierung mit allen Mitteln versuche, wenigstens drei Monate lang vor Paris und Le Havre Widerstand zu leisten, um der In« buftrie Zeit zu geben, eine Menge Rüstungsmaterial zu liefern, um so mehr, als die Besetzung des Jndusttiebeckens von Lille nach der Besetzung Belgiens einen schweren Schlag für die französische Kriegsindustrie darstellt. In der sicheren Annahme, alsbald das Ziel einer deutschen Luftoffensive zu werden, versuche England, seine Marinestütz» punkte und seine industriellen Zentten zu schützen. England habe vor allem Angst vor den deutschen. Fallschirmtruppen, die durch die Verpflanzung des Krieges auf englisches Gebiet die militärischen Fähigkeiten Großbritanniens auf eine harte Probe stellen würden, worüber sich die Engländer selbst keinen Illusionen hingeben.
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Der Siegeszug des deutschen Heeres.
^on Major a. O. von Keifer.
Gewaltiges erleben wir Deutschen heute, so Großes und Schicksalhaftes wie kaum eine Generation vor uns. Der alte preußische Geist des „Ran an den Feind!", verbunden mit dem revolutionären Schwung des jungen nationalsozialistischen Deutschlands, hat kriegerische Leistungen vollbracht, deren kein anderes Volk in der Welt fähig wäre. In 18 Tagen wurde Polen, in noch nicht vier Wochen Norwegen, in fünf Tagen Holland, in genau einer Woche der größte Teil Belgiens einschließlich Brüssel trotz schärfsten feindlichen Widerstandes über den Haufen gerannt. Und jetzt — wir alle fühlen es am Rhythmus des großen Schlachtgeschehens im Westen — ist unser Heer zu dem gewaltigen Waffengange angetreten, der die weltgeschichtliche Entscheidung bringen soll in dem Kampf zwischen dem überalterten britischen Weltreich unb dem jugendfrischen und zukunftsftohen Großdeutschen Reich.
Wieder einmal ist der Führer den Feind- möchten zuvorgekommen. Diesmal gingen sie aufs Ganze, diesmal wollten sie durch Belgien und Holland, ihre getreuen Helfershelfer, in das Ruhrgebiet einfallen und diese wichtigste Waffenschmiede des Deutschen Reiches in Besitz nehmen. Im entscheidenden Augenblick, unmittelbar vor dem beabsichtigten Einfall, schlug die deutsche Wehrmacht zu^ Durch den überraschend schnellen Einmarsch der deutschen Truppen in Holland, Belgien und Luxemburg, durch das Ueberrennen des ersten feindlia^n Widerstandes in Grenznähe und.durch die Einnahme von Lüttich, dieses stärksten Eckpfeilers der belgischen Grenzbefestigungen, riß die deutsche Heeresleitung sofort die Initiative an sich und zwang dem Feinde das Gesetz des Handelns auf. Durch die Absetzung von Luftlandetruppen und von Fallschirmjägern um Rotterdam wurde dieser stärkste Stützpunkt der berühmten „Festung Holland" bereits nach wenigen Tagen so schwer bedrängt, daß er schon am 14. Mai kapitulieren mußte, worauf die ganze holländische Armee die Waffen streckte. Mit der Besetzung des gesamten holländischen Küstengebietes — nachdem auch die Provinz Zee- land kapituliert hatte — ist Holland nicht, wie Herr Churchill es sich so schön gedacht hatte, zur britischen Flugbasis gegen Deutschland, sondern zur deutschen Flugbasis gegen England geworden. Das wahnsinnige britische Wort „Englands Grenze liegt am Rhein" läßt sich heute — strategisch betrachtet — umkehren in das Wort: „Deutschlands Grenze liegt an der Rheinmündung/ Was das für die britische Kriegführung bedeutet, spürt England schon jetzt an den furchtbaren Schlä-
„Svenska Dagbladet" berichtet, London gleiche einer befestigten Stadt. Maschinengewehr- nefter und große Mauern von Sandsäcken seien überall in den Straßen und Parkanlagen festzu- stellen. Entlang der Themse seien Maschinengewehre aufgestellt, um den Fluß zu beherrschen und jede Möglichkeit auszuschließen, daß hier feindliche Wasserflugzeuge eine Landemöglichkeit finden könnten.
Paris spricht sich Mut zu.
Rom, 24. Mai. (Europapreß.) Mit welch bitterem Ernst jetzt auch die französische Oeffentlichkeit die kritische Lage Frankreichs erkennt, geht auch aus der Presse hervor. Die französischen Zeitungen sind gehalten, die diktatorischen Forderungen der Regierung mit allen Mitteln zu unterstützen. So schreibt z. B. die Zeitung „Juftice", es müsse jetzt eine bis zur Brutalität gehende Strenge überall Platz greifen. Das „Journal" verlangt neue Methoden unb macht das Eingeständnis, daß in Frankreich alles versagt habe. Es sei zwecklos, sich zu verhehlen, daß Frankreich sowohl auf materiellem Gebiet wie auch auf dem der Intelligenz geschlagen worden sei. Der „Figaro" bezeichnet die Niederlage an der Maas als die Folge eines krankhaften Gemütszustandes, den acht Monate eines ereignislosen Krieges in Frankreich geschaffen hätten. Mitten im Kriege habe Frankreich nicht an den Krieg geglaubt. Um so erschütternder sei jetzt das Erwachen.
Während die Blätter versuchen, der Bevölkerung Mut einzureden, spricht gleichzeitig aus den Kommentaren der militärischen Sachverständigen ein sehr pessimisttscher Ton. Nur mit dem Gefühl der Bangigkeit veranstaltet man ein Rätselraten über die weiteren Pläne der deutschen Wehrmacht. Als besonders kritisch wird die Lage der umzingelten französisch-englischen Truppen im Kanalgebiet angesehen.
Oer Ring wird immer enger.
Feindliche Ausbruchsversuche überall abgewiesen. — Vormarsch in Richtung aus Calais
Dem „Svenska Dagbladet" schreibt der Londoner Korrespondent des Blattes, der im ,.Times"-Ge- bäube sitzt und daher ein recht anschauliches Bild von der Lage und ihrer Beurteilung in England •geben kann, die letzten Berichte von der Westfront hätten dem englischen Volk einen furchtbaren Schock gegeben, zumal da es eine Niederlage nie in den Bereich der Möglichkeiten gezogen habe., —~ Während des ganzen Winters seien bit Engländers ersten Niederlagen bedeutungslos seren. Man map.
Rom, 24. Mai. (Europapreß.) Heber die Umzingelungsschlacht im Westen Belgiens und in Nordfrankreich schreibt die italienische Presse, die englisch-französischen Panzerdivisionen seien unfähig, den stählernen Ring, der sie umschlossen halte, nach Süden zu durchbrechen. Die bisherigen Verluste der Westmächte an Menschen und Material müßten außerordentlich schwer sein. Den Westmächten seien wichtige Industriezentren und Bergwerke verloren gegangen. Der Ernst der Lage habe dazu geführt, daß bas englische Unterhaus in weniger als zwei Stunben ein Gesetz angenommen habe, burch bas bas liberale Staatssystem in ben Wurzeln getroffen werde. Churchill habe sich zu einem in T-facher Potenz alles überragenden Tyrannen aufgeworfen. In Frankreich, so schreibt „Popolo di Roma", wechselten Verttauensinjektionen mit Alarmrufen ab. General Weygand habe erklärt, vertrauensvoll zu sein, „unter der Voraussetzung, daß jedermann energisch und hartnäckig seine Pflicht tue". Reynaud habe aber gleich hinzugefügt, Frankreich könne dann gerettet werden, „wenn es sich einen Monat hindurch halten könne". Für den tödlichen Ernst der Lage der Westmächte spreche der Umstand, daß Churchill am Dienstag wieder mit Beratern aller Waffengattungen eine Luftreise nach Paris gemacht habe und nach Beratungen mit Weygand unb Reynaub am gleichen Abenb eiligst nach London zurückgekehrt sei.
„Messaggero" erklärt, das große Manöver bes beutschen Generalstabes entwickele sich seinen vorgezeichneten und wesentlichen Zielen entsprechenb: Einkreisung unb Vernichtung ber Einheiten ber Westmächte, die nicht mehr rechtzeitig aus dem belgischen Sack herauskommen konnten und Eroberung der gesamten französischen K a n a l - K ü st e. Der noch auf den Erfahrungen des Weltkrieges fußenden Kriegskunst der Befehlsstellen der Westmächte setze die deutsche Heeresleitung eine neue und eigene Krieg- führun g entgegen, die vom Führer selbst ausgedacht sei und deren wichtigste Kennzeichen die absolute Kühnheit auf strategischem und taktischem Gebiet, der Ideenreichtum, die schnelle Anpassung an die Landschaft und die wechselnden Situationen, die vollkommene Organisation bes Nachschubes unb bie unbestreitbare technische unb mechanische lieber- legenheit zu ßanbe und in der Luft bildeten. Die Westmächte seien infolgedessen bisher stets geschlagen worden. Sie hätten die unerwartetsten und mörderischsten Schläge erhalten, bevor sie auch nur Zeit zu einer Abwehr gefunden hätten.
Der Militärsachverständige der „Agenzia Stefani" schreibt, die Anstrengung Weygands ziele daraus ab, die französischen Kräfte auf einer neuen Wider st andslinie, die mit dem Lauf der drei Flüsse Somme, Aisne und Maas zusammenfalle, zu konzentrieren. Zum anderen wolle er die größtmögliche Zahl belgisch-sranzösisch-eng- lischer Divisionen aus ber beutschen Umklammerung in Flanbern und der Zone von Calais l 0 s l ö s e n.
1 Dazu habe ex ® der Zone von Peronne eine Reihe


