Form, (7-Minutenoerkehr) beizubehalten, sind die Wendepunkte Volkshalle und Graudenzer Straße notwendig. Es fährt also z. B. erst jeder zweite Wagen nach der Kaserne an der Licher Straße, oder nach dem Fliegerhorst.
Im Hinblick auf die Fahrgeschwindigkeit unterscheiden sich die neuen Oberleitungs-Omnibusse er» «von der Straßenbahn. Die Straßenbahn urchschnittlich mit 12 Kilometer Geschwindigkeit. Die O-Busse werden eine Geschwindigkeit von 23 Stundenkilometern entfalten. Der wesentlichste Vorteil der Einführung der O-Busse wird nicht zuletzt darin zu sehen sein, daß seine Linien zweispurig ausgebaut werden.
Bei der Würdigung des neuen Verkehrsmittels ist zu berücksichtigen, daß es sich bei den Oberleitungs-Omnibussen nicht um ein Massenverkehrsmittel handelt. Die Wagen können nur bis zu einem Ä Grad belastet werden, soweit es eben die ifung aushält. Berücksichtigt ist aber von vornherein bei der Größe der Motore in den O- Bus-Triebwagen, daß auch mit Anhängern gefahren werden kann. Erweist sich die Notwendigkeit, bei großen Veranstaltungen z. B. in der Volkshalle in verhältnismäßig kurzer Zeit möglichst viele Fahr- gäste^zu transportieren, dann besteht immer noch die Möglichkeit, auf der Strecke mehrere Wagen kurz hintereinander und in ununterbrochener Folge
einzusetzen, darüber hinaus können aber die im Besitz der Stadt befindlichen Diesel-Omnibusse ebenfalls herangezogen werden.
Ein weiterer großer Vorteil der O-Busse besteht darin, daß die Bahnübergänge an der Frankfurter Straße und in der Licher Straße fein Hindernis mehr sind, wie sie es zum Beispiel für die an die Schine gebundene Straßenbahn sind. Wohl muß die Oberleitung über den Bahnkörper verlegt werden, aber dies ist ohne besondere Schwierigkeiten möglich. Die Bahnschranken werden für diesen Fall geteilt und senken sich dann je zur Hälfte über die Straße um sich über Straßenmitte zu treffen.
Die Anschaffung von Oberleitunas-Omnibussen für unsere Stadt wird sich, das darf schon heute gesagt werden, als eine Verkehrsoerbesserung erweisen, für die noch manche Generation der weitsichtigen Stadtverwaltung dankbar sein wird. N.
Oberbürgermeister Kitters Dank.
In unserem gestrigen Bericht über die Ernennung des Oberbürgermeisters Ritter zum Ehrensenator der Universität Gießen ist durch ein technisches Versehen die Wiedergabe der Ansprache des Oberbürgermeisters im dritten Absatz gestört worden. Dieser Absatz seiner Rede muß richtig wie folgt lauten:
„Der Oberbürgermeister erinnerte dann an die mannigfaltigen Schwierigkeiten, die bisher zu über« winden waren, er wies aber auch auf den starken Auftrieb aller Kräfte und Energien hin, die von dem Führer und seinem Aufbauwerk ausgingen und die alle deutschen Volksgenossen mit gutem Willen begeisterten und mitrissen zum Einsatz ihrer Person und ihrer ganzen Kraft, woraus dann eine ungeheuere Energiequelle für unser deutsches Volk geworden sei. Bei dieser Sachlage sei es für ihn nicht schwer gewesen, an der Fortentwicklung unserer Universität eifrig mitzuarbeiten, gestützt auf das Gedankengut des Führers und geleitet von dem Wunsche, im Geiste des Führers auch für die Universität Gießen eine neue Zeit herbeizuführen. Bei dieser Arbeit gebe es für einen Nationalsozialisten keine Schwierigkeit, und auch unsere Universität Gießen mit einem jungen, lebendigen Rektor an der Spitze werde alle Schwierigkeiten überwinden; das habe sie in den versessenen Monaten bereits bewiesen, in denen es gut vorwärtsgegangen sei und die die Gewißheit geben, daß es auch weiterhin mit der Universität aufwärtsgehen werde."
Dann folgt der gestern berichtete Schluß der' Ansprache.
,'örei lustige (Mellen "
Die NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" bot am Montagabend in dem bis auf den letzten Platz besetzten Gloria-Platz wieder einen Abend unbeschwerter Unterhaltung. Der Begriff „Humor" stand dabei ganz im Vordergrund, und die „Drei lustigen Gesellen" vom Kölner Rundfunk sorgten dafür, daß die Stimmung für die drei Stunden dieses Abends auf der Höhe blieb. Sie nahmen ihre Zuhörer in ein Kreuzfeuer von Witzen und luftigen Szenen, so daß nichts anderes übrig blieb, als herzlich zu lachen. Die meisten Witze brachten sie nicht etwa im erzählenden Ton unter die Leute, sondern sie spielten ihre Witze und fügten dem gesprochenen Wort noch ihre gerissene Mimik bei, so daß der
Mirft öu ts fthafftn, Ima?
Nomon von fflovtfno Mnrt^clm
12. Fortsetzung (Nachdruck verboten!)
Sind wirklich erst vier Tage vergangen, seit Lena Oetteking das Gräfehaus verlassen hat?
Jupp sitzt auf seinem Lieblingsplatz, auf - 8er Laderampe. Brütende Hundstagshitze liegrTrbcr dem Hof, und Jupp grollt dem Großen, der ihn ausgerechnet heute an die Schularbeit geschickt hat. Trocknet nicht einem jeden heute das Gehirn aus? Gewiß, in ein paar Tagen find die Ferien zu Ende ...
„Mist!" damit ist alles gesagt. Nicht allein das Unbehagen über den Schulbeginn, sondern auch die große Leere, die seit Tante Lenas Weggang im Gräfehaus eingezogen ist.
Hefenfranz rollt ein Faß aus dem Lagerraum auf die Rampe. Ev kommt Jupp gerade recht.
„Hefenfranz, wäre es nicht besser, sie wäre überhaupt nicht gekommen, wenn sie nicht Verbleiben kann?"
Hefenfranz weiß ohne Erklärung, daß „sie" das Fräulein Lena ist. Er hat viele ähnliche Fragen in diesen Tagen beantworten müssen, das beißt’s was man bei Hefenfranz antworten nennt: „Ja, ja, das is nun so — das kann keiner annersch machen —"
Jupp erwartet nicht mehr, er weiß, Hefenfranz versteht ihn.
Dem Großen ist es auch nicht einerlei, daß Lena wieder fort ist. Sieht er nicht zum Fürchten aus? Wie ein Strich sind seine Augenbrauen. Den Mund kriegt er wohl nur sehr schwer auf, so eingekniffen ist er. Die Stirn ist voller Falten. Zu anderer Zeit wßre Jupp das gar nicht ausgefallen. Was guckt er denn nach dem Großen, der immer turmhoch über ihm steht, gleich nebem Vater, der ohnehin ein halber lieber Herrgott ist! Seit ihm Erni verraten hat, was mit dem Großen los ist, muß er es aber tun. Verliebte Leute muß man sich ansehen, ohne es zu wollen. Aber dann muß man den Kopf schütteln und sich wundern.
hefenfranz, als du hinter deiner Frau her
warst, hast du da auch das schönste Essen stehen- lassen?"
Ein neues Faß poltert über die Rampe. Hefenfranz hält es erstaunt auf.
„Was meenjte?"
„Na — ich meen' nur so--" Jupp hat einen
roten Kopf bekommen. Er springt von der Rampe über den Hof und sieht sich nicht mehr nach Hefenfranz um. Erni bäckt in der Küche Plinsen. Das ist em Lichtblick. Erst mal wird man sich also dort ordentlich ranhalten. Später könnte man schwimmen aehen oder lieber nach der Baustelle der Autobahn fahren, sehen, wie weit man inzwischen gekommen ist. Jupp dehnt sich. Ach, leider gibt es im Leden Tage, an denen man nichts anzufangen weiß.
• * *
„Nun, wollen Sie nicht aussteigen? Löbau! Eine Minute Aufenthalt!"
Ein Herr hat Lena Oetteking die Tür aufgeklinkt. „Hören Sie nicht, es eilt, halten Sie sich doch dazu!"
Hat sie der Herr hinabgedrängt oder hat der Schaffner geholfen? Lena weiß es nicht, sie sieht nur beklommenen Herzens der forteilenden oraunen Schlange nach. Schwerfällig nimmt sie ihren Koffer auf.
Da vorn ist also die Bahnhofshalle, links der arünc Löbauer Berg, der auf das Schienengewirr herabsieht. Alle Fahrgäste sind schon norausgegan« gen. Lena ist die letzte, die ihm ihre Karte abgibt. Der Schaffner hängt die Kette schnell hinter ihr zu. Vielleicht will er nach Haus, hat Frau und Kind. Sie hat hinter der Sperre nichts zu suchen, sie sollte hier in Löbau nur umsteigen und weiterfahren ins Weserland. Mit voller Absicht denkt sie an diesen fremden Mann, denn sie will nicht über sich selbst nachdenken. Auch als sie auf dem Bahnhofsplatz steht und sich im Geiste mit Hermann Gräfe sieht, wie sie vor acht Tagen hier voneinander Abschied genommen haben, wehrt sie sich noch gegen alle lleberlegung. Erst das kleine rotweiße Telephonhäuschen, das so lockend an der Seite der Anlagen steht, weckt ihre Unentschlossenheit und alle Not der letzten Stunden.
Vor einer Woche fuhr sie nach Breslau. Sie hatte dem Gräfehof den Rücken gekehrt, sich mit Schmer- zen losgerissen, und heute steht sie wieder hier, müßte eigentlich im V-Zug weitergefahren sein über
Dresden ins Weserland, steht und sieht das Telephonhäuschen an. Ein Anruf im Gräfehaus, und der gute alte Planwagen kommt angerumpelt und fährt sie wieder hinüber zu den Menschen, mit denen sie sich fast ohne Unterlaß in ihren Breslauer Tagen beschäftigt hat.
Jenseits des Platzes leuchtet die Reklameschrift des Hotels auf, obwohl es noch gar Nicht dunkel ist. Könnte man nicht noch eine Frist einschieben? Man könnte noch überlegen. Ein Zimmer nehmen, eine Nacht lang nachdenken, ob man noch einmal Einkehr halten soll im alten Gräfehaus oder doch lieber frühmorgens heim fahren?
Unentschlossenheit kann weh tun wie eine Wunde. Sie kann quälen, aber sie kann auch schnell verschwinden. Ein paar tiefe Atemzüge, das Blut pulst wieder frei und ungehemmt durch den Körper. Eine unsichtbare Macht lenkt Lena Oettekings Schritte nach der Telephonzelle.
*
Im Gräfehaus fitzen sie beim Abendessen, da läutet das Telephon. Lena ist es, sie ruft aus Löbau an.
„Wie — was? Kommt wieder? Wie, Tante Lena?" Eine Woge von Freude erfüllt das Zimmer. Messer und Gabel werden aus der Hand gelegt, und Jupp, der die Kunde über den Disch gerufen hat, ist der erste, der hinaus zu Hänischloö läuft und mit ihm gemeinsam die Fuchsstute aus dem Stalle führt.
„Wenn man jetzt ein Auto hätte, in einer Viertel- stunde wäre man in Löbau!" Er sitzt schon auf dem Bock, ehe Hermann aus dem Hause kommt.
Erni hat die Nudeln in den Ofen gestellt, und Christoph Gräfe hängt seine Ausgehjoppe wieder in den Schrank. Es kommt gar nicht in Frage, heute zum Skat in den Kretscham zu gehen.
Gesprochen wird gar nicht viel. Ein jeder hat seine Gedanken für sich. Die freudige Stimmung der einzelnen äußert sich in Kleinigkeiten. Vater Gräfe holt einen mächtiaen Krug „Gold", nicht Jungbier wie sonst, von Drüben und setzt ihn auf die Kellerstufen, damit er kühl bleibt. Erni pflückt schnell noch eine Handvoll Reseda und stellt sie in das böhmische Glas auf den Tisch. Hermann setzt sich statt des verknüllten Filzes feinen sonntäglichen Hut auf.
Erfolg nicht ausbleiben konnte. Unter den Titeln „Das Alibi", „Der späte Gast", „Reklame", „Die Kommode" und „Die Liebe vor und in der Ehe" griffen die drei luftigen Gesellen und ihre Helfershelferin Käthe Mattschek in das volle Leben und sicherten sich manchen stürmischen Beifall. Aber auch sonst brachte der Abend noch mancherlei angenehm aufregende Vorführungen. Zwei Willis zeigten akrobatische Höchstleistungen ernst und komisch, William Petras forderte mit seinen urkomischen Jongleurkunststücken stürmisches Gelächter heraus, Arno Metzner, der viele Darbietungen des Abends unermüdlich am Flügel begleitete, bewies auch als Akkordeonvirtuose und Sänger sein musikalisches Talent. Käthe M e 11 s ch e k trat als Soubrette auf und fand insbesondere in ihrer Parodie auf eine bekannte Sängerin viel Beifall. Schließlich wäre noch das Florida-Ballett zu nennen, dessen Mitglieder nicht nur durch ihre ranken Gestalten und durch ihre schönen Kostüme, sondern auch durch ihr tänzerisches Können Eindruck machten.
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** Dienstjubiläum bei der Stadt Gießen. Auf eine 25jährige ununterbrochene Dienstzeit bei den Stadtwerken kann heute der Elektromonteur Heinrich Bachmann zurückblicken. Im Kreise seiner Arbeitskameraden wurde der Jubilar geehrt und erhielt neben einer Treueprämie ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main kosteten Ochsen 43,5 Rpf., Bullen 36 bis 43,5, Kühe 14 bis 43,5, Färsen -25 bis 48,5, Kälber 35 bis 64, Hämmel 20 bis 50 Rpf. je Pfund Lebendgewicht. Für Schweine wurden je Kilo Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 Kilo und mehr) 1,09 RM., bl (135 bis 149,5 Kilo) 1,09, b2 (120 bis 134,5 Kilo) 1,09, c (100 bis 119,5 Kilo) 1,07, d (90 bis 119,5 Kilo)
1,07, e—f (60 bis 79,5 Kilo) 1,01, gl (fette Specksauen) 1,01, i (Altschneider) 1,01, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. Marktverlauf: Regelmäßig, alles zugeteilt.
Strafkammer Gießen.
Der Theodor Schmidt aus Eichelsdorf, zur Zeit in Untersuchungshast, war angeklagt, in der Zeit von 1932 bis 1939 in Eichelsdorf mit Personen unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. Der Angeklagte war im wesentlichen geständig.
Der Anklagevertreter betonte, weder die Vorstrafe von sechs Jahren Zuchthaus, noch die ihm gewährte Gnade (es wurden ihm zwei Jahre erlassen) hätten den geringsten Eindruck auf ihn gemacht. Der Angeklagte sei ein gefährlicher Jugendverderber. Seine strafbaren Handlungen habe er teilweise unter Ausnutzung der durch den Kriegszustand entstandenen besonderen Verhältnisse begangen, weshalb er als Volksschäüling im Sinne der Verordnung anzusehen sei. Die Tat sei ganz besonders verwerflich. Der Angeklagte fei Familienvater, aber ein Mensch ahne jede Hemmung. Der Anklagevertreter beantragte Einzelstrafen von insgesamt 24 Jahren und 3 Monaten Zuchthaus und daraus die Bildung einer G es am tzu chth au sstra fe von zehn Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von zehn Jahren.
Der Angeklagte wurde des Sittlichkeitsverbrechens in 14 Fällen schuldig erkannt und zu einer Gesamtzuchthausstrafe von acht Jahren, abzüglich fünf Monate' Untersuchung schäft, verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von zehn Jahren aberkannt. Straf- erschwerend kamen die Vorstrafe und der Umstand, daß der Angeklagte sich wahllos an den Kindern oergriff, in Betracht. Seine Handlungen seien geeignet, die Moral der weiblichen Jugend zu unter- ara'ben. Mildernde Umstände mußten dem Angeklagten versagt werden.
Aus der engeren Heimat.
Auszeichnung für freue Dienste.
In Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste hat der Führer für über 40jährige Tätigkeit folgende Personen mit dem Treudienst-Ehrenzeichen 1. Stufe ausgezeichnet: die Hebamme Elisabeth Görnert von Ettingshausen, den Straßenwärter Philipp G ö ° b e l in Laubach, den Schäfer Otto Hofmann I. in Steinheim und den Leichenbestatter Heinrich H i r t h in Schotten.
Kinderspiel verursacht Schadenfeuer.
* Nidda, 24. April. Im Nachbarort Dauern- heim brach im Anwesen des Heinrich Hepp I. ein Feuer aus, dem die Scheune zum Opfer fiel. Nur der Umstand, daß die Scheune in einiger Entfernung von den Wohngebäuden lag, bewahrte die Hofreite vor der Vernichtung. Wie festgestellt wurde, entstand das Feuer durch einige etwa siebenjährige Jungen, die mit Streichhölzern spielten und baoonliefen, als die Scheune zu brennen begann.
Dieser Vorfall läßt erneut erkennen, wie notwendig es ist, daß die Eltern unter allen Umständen vermeiden, Kinder in den Besitz von Streichhölzern gelangen zu lassen. Mehr denn je ist es die Pflicht aller Volksgenossen, alle Aufmerksamkeit mit dafür einzusetzen, daß durch derartige Vor- kommnisft das deutsche Volksgut nicht geschädigt wird. Insbesondere die Eltern müssen sich hier aller Verantwortung stets bewußt sein.
Landkreis Gießen.
<£ Großen-Linden, 22. April. Das Reichsbahn - Kamerad sch aftswerk Großen- Linden und Umgegend hielt am Sonntag nachmittag seine 16. Hauptversammlung in der Wirtschaft „Zum Rebstock" in Großen-Linden ab. Der Kameradschaftsführer, Reichsbahnsekretär Spehr er (Leihgestern), gedachte zunächst der im abgelaufenen Jahre Verstorbenen, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Aus dem Jahresbericht war zu entnehmen, daß im Vordergrund die Wohlfahrtspflege stand und hierfür an Kameradschaftsangehörige und Familien 1076,56 RM. auf» gewendet wurden. Der Mitgliederstand beträgt zur Zeit 287. Der Kassenbericht, von den Kassenprüfern Dern und Seth und einem Beamten der Reichsbahndirektion geprüft, schloß mit einem kleinen
Fehlbetrag ab, der aus dem Vermögen gedeckt wurde. Nach Bekanntgabe des Voranschlags für 1940, der genehmigt wurde, gab der Kamerad- schaftführer die neuen Satzungen bekannt, nach denen das Wort „Eisenbahn-Verein" durch „Kame- radfchaftswerk" ersetzt wurde, um damit die vornehmste Aufgabe, die Wohlfahrtseinrichtung, hervorzuheben. Nach kurzer Aussprache wies der Kameradschaftsführer noch auf die großen Ereignisse unserer Zeit hin und schloß Mnn die Tagung in üblicher Weise.
Kreis Diidiägen.
* Schotten, 23. April. In seiner gestrigen Sitzung befaßte sich der (Semeinberat mit der Bachregulierung in der Vogelsbergstraße. Das Bachbett wird verlegt, die notwendigen Erdarbeiten werden bald beginnen. Die Frage der Verlegung des Mühlgrabens am Beundeweg, muß aus technischen und finanziellen Gründen zurückgestellt werden, sie wird vom Wasserbauamt nochmals technisch überprüft. Die Frage der Erweiterung der Adolf-Hitler-Straße und der Erwerb von Häusern in den engsten Stellen wurde näher besprochen, ebenso die Siedlungsfrage. Zwei private Siedlungsbauten werden errichtet. Der altbekante Prämiierungsmarkt am dritten Psingstfeiertag soll, wie in den früheren Jahren, mit einer Prämiierung und dem Volksfest durchgeführt werden.
Beim paddeln ertrunken.
Lpd. Limburg. 23. April. Ein mit zwei Männern besetztes Paddelboot geriet am Montagnachmittag auf der Lahn ins Kentern. Die beiden des Schwimmens unkundigen Insassen fielen ins Wasser und der eine wurde sofort abgetrieben. Der andere konnte gerettet werden, während die Leiche des ersteren trotz eifriger Suche nicht gefunden worden ist.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 24. April. (Vorbericht.) Der Hauptmarkt für Kälber und Schweine war ausreichend beschickt und nahm einen lebhaften Verlauf. Das gesamte Vieh wurde zu etwa folgenden Preisen zugeteilt: Kälber 25 bis 65 RM., Hammel 30 bis 51, Schafe 20 bis 44, Schweine 49,50 bis 55,50 RM.
G.A.-Sport.
VfB.-Neichsbahn Gießen.
Sportfreunde Wetzlar I — VfB. R. I 2:3 (0:1).
Mit einem knappen, aber vollaufverdienten Siege kehrten die Grünweißen vom gefürchteten Gelände der Sportfreunde in Wetzlar zurück. Die Gastgeber waren durch acht Soldaten verstärkt, doch konnten sie gegen die wieder in Form gekommenen Grün- weißen nichts ausrichten. Die Gäste haben sich wieder gefunden, einzig der Sturm war nicht ganz auf der Höhe. Die Wetzlarer versuchten zu Beginn des Spieles durch Ueberrumpelung zum Zuge zu kommen, fanden aber bei der aufmerksamen Hintermannschaft wenig Gegenliebe. Die Grünweißen fanden sich schneller zurecht und gingen stark aus sich heraus. Nach 20 Minuten konnte Berghöfer eine Vorlage von Funk zum ersten Tor einschießen. Dieser Erfolg spornte die Grünweißen mächtig an,' doch blieben Erfolge bis zum Wechsel aus. Kurz nach der Pause erhöhte Ehmann auf 2:0, wenig später war es Berghöfer, der gut bedient, zum dritten Tore einschoß. Den sicheren Sieg in der Tasche, ließen die Grünweißen nach, wodurch der Gegner in den letzten 20 Minuten stark aufkam. Einen Elfmeter verschossen sie, doch bald darauf fiel durch den Mittelstürmer der erste Gegentreffer. Kurz vor Schluß war es derselbe Spieler, der nochmals einschießen konnte, ohne jedoch den Sieg der Grünweißen gefährden zu können.
Fußball der Kreisklaffenspiele.
Garbenleich I — Steinbach I 3:5 (0:2).
Bei dem Lokaltreffen Garbenteich — Steinbach ging es hoch her. Es wurde erbittert gekämpft. Die Steinbacher hatten, mit dem Wind spielend, zuerst etwas mehr vom Spiel und unterstrichen dies durch zwei Tore. Bis zur Halbzeit war bas Spiel offen, dann kamen die Gastgeber stark auf, aber außer einem Tor gelang ihnen nichts. Die Steinbacher konnten wiederum auf 3:1 erhöhen, dann gingen die Platzherren zum Generalangriff über und schossen ein zweites Tor. Einen Elfmeterball, der die Entscheidung bedeutet hätte, ließen sie aus. Nunmehr schafften sich die Gäste durch zwei Tore Luft und kurz vor Schluß war Gardenteich wieder erfolgreich, ohne jedoch den Sieg der Gäste, der auf» Grund der besseren Leistungen verdient war, gefährden zu können.
Hungen I — Großen-Bufeck I 1:4 (0:3).
Obwohl die Großen-Busecker dieses Spiel für sich entscheiden konnten, mußten sie doch erst hart kämpfen, ehe ihnen die Punkte zufielen. Schon kurz nach Beginn schoß der Gast den Führungstreffer, der in einer Drangperiode der Hungener, denen nichts gelingen wollte, fiel. Bis zur Pause erhöhteGroßen- Buseck seinen Vorsprung auf 3:0. Dann hätten die Platzherren mehr vom Spiel, aber durch die starke Hintermannschaft war nicht hindurchzukommen. Jeder Mannschaft gelang noch ein Tor, dann flaute das Spiel stark ab. Großen-Bufeck führt durch diesen Sieg die Tabelle an.
Handball im Kreis VIII.
Wlv. I gewinnt in Heuchelheim 12:5 (6:2).
Nach einer mehrmonatigen Spielpause trafen beide Mannschaften im ersten Spiel der neuen Pokalrunde aufeinander. Vom Start weg nahm der Mtv. das Heft in die Hand und bald schon hieß es 1:0. Erst nach dem 5. Tor kamen die Heuchelheimer zu ihrem ersten Gegentreffer. Noch einmal waren beide Mannschaften erfolgreich, ehe die Seiten gewechselt wurden. Nach der Pause drängten die Platzbesitzer stürmischer, konnten jedoch einen weiteren Treffer des Mtv. durch Voigt (früher Siemens Berlin) nicht verhindern. Allerdings war der gegnerische Torwart nicht ganz auf der Höhe. Auf der anderen Seite sah der Schiedsrichter auch etwas zuviel Abseits bei den Mtv.-Stürmern, die mehrmals nach wunderbarer Kombination des gesamten Sturmes klar und fehlerlos einwarfen, so daß das Ergebnis von 12:5 zum mindesten in Ordnung geht.
Spg. Großen-Bufeck — Io. Launsbach 7:3 (5:1).
Am Sonntag trafen sich auf der neuen Sportanlage der Sportgemeinde Großen-Bufeck obige Mannschaften zum angefetzten Handball-Pokalspiel. Die gesamte Mannschaft des Tv. Launsbach war nicht in der Lage, eine Niederlage abzuwehren, denn die erste Halbzeit endete bereits mit 5:1. In der zweiten Halbzeit mußten die Busecker gegen die Sonne spielen und kamen nicht recht zur Entfaltung. Auf beiden Seiten wurden noch je zwei Tref- fer erzielt und damit das Ergebnis auf 7:3 gestellt.
„Was willst du denn mit dabei?" knurrt er Jupp an, als er auf den Wagen steigt.
„Hast du vielleicht die Lena allein gepachtet?" fragt Jupp unverfroren, worauf der Große schweigt. Mit Jupp, dem Lümmel, zieht man nur den kürzeren. Jetzt vielleicht einen Krach anfangen? Jetzt, da die Lena kommt? Nein, dazu ist Hermann viel zu gut aufgelegt.
Jupp tft cs dann auch, der in Löbau kurzerhand sagt: „Du bleibst beim Pferd, ich werde sie suchen. Sie ist natürlich im Wartesaal und trinkt Kaffee, das machen Frauen immer, wenn sie Langeweile haben!"
Und ehe Hermann zu Worte kommt, ist er schon verschwunden. „Siehst du, habe ich's nicht gesagt?" Mit diesen Worten begrüßt er Lena, die tatsächlich vor einer Tasse Kaffee sitzt. Lena versteht es falsch und wird ganz verlegen..
„Wie, du hast's gleich gesagt, Jupp? Ich wußte es ja damals selbst noch nicht —"
Aber Jupp hört schon nicht mehr drauf. Er hat sich nach ihrem Koffer gebückt und ihren Schirm von der Stuhllehne genommen. „Nun komm, der Große wartet draußen, und zu Hause warten sie mit dem Abendbrot. Die Erni hat Angst, daß ihr die Nudeln zusammenbrutzeln!"
Lena muß lachen. Jupp — natürlich! Wahrscheinlich knurrt ihm selbst der Magen nach den Nudeln.
Indes sie durch die Halle gehen, sagt er noch so nebenbei: „Jedenfalls ist das großartig, daß du wiedergekommen bist. Das einzig Richftge!"
„Lange bleibe ich aber nicht da — höchstens ein paar Tage--"
Das hört nun auch Hermann, der ihr ein Stück entgegengekommen ist. .^Hauptsache, wir sehen dich noch mal, Lena!" Er sagt es so leise, daß es nur Lena hört, lieber seine Augen bei diesen Worten muß sie während der ganzen Fahrt nachdenken. Viel reden kann man unterwegs nicht! Das Gerumpel des Wagens ist zu groß. Aber wozu reden? Jeder ist auf feine Weise glücklich und hängt feinen Gedanken nach.
Auf Lenas Frage, was sie denn alle in diesen lagen gemacht haben, ruft Jupp ihr zu: „Nichts Gescheites! Krach wie immer. Gut, daß du wieder da bist!"
(Fortsetzung folgt)


