M. 20 Erstes Blatt
190. Jahrgang
Mittwoch, 24.)anuar WO
Erscheint tag lich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe
unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen
Postscheckkonto:
Krantturt am Main 11688
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühlsche Univerfilätsdruckerei «.Lange in Siegen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bisL^/zUhr des Vormittags
Grundpreise für I mm höhe für Anzeigen
von 22 mm Breite 7 Rpf. für Textanzergen
von 70 mm Breite 50 Npf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B
Platzvorschrift nach vorheriger Vereinbarung 25 °/0 mehr.
Ermäßigte Grundpreise
Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Rpf.
Churchills Erpreffungsmanöver gegen die Neutralen
Die pariser Hetzpresse selundieri Churchill
Die Parole Der englischen Plutokratenkaste
Durch Senkung des Lebensstandards soll sich Englands Krieg bezahlt machen.
nen noch immer nicht dazu veranlaßt gesehen hätten, sich alle zusammen gegen die Gefahr auf- zulehnen.
Der „Excelsior" lobt Churchill für die tüchtige Portion Mut, die er dadurch bewiesen habe, daß er den Neutralen den Hauptgrundsatz der Genfer Liga wieder in Erinnerung gebracht habe, nänv lich die Solidaritätspflicht aller Mitglieder zu Gunsten des Angegriffenen. Der Sieg der Westmächte würde einen Alpdruck von den Neutralen nehmen. Diesen Sieg dürften die Neutralen daher nicht durch Zugeständnisse an Deutschland zu lange hinausschieben. Das „Oeuvre" bezeichnet die Rede Churchills als eine deutliche Warnung an die Neutralen.
Wenn die deutsche These, daß die westlichen Plutokratien mit allen Mitteln eine Erweiterung des Krieges anstreben, für besonders kritische neutrale Beobachter noch eines zusätzlichen Beweises bedurft hätte, so ist dieser nunmehr durch die Churchill-Rede und das laute Beifallsgeschrei der Pariser Presse endgültig erbracht. Die Reaktion der meisten neutralen Staaten ist daher auch dementsprechend: man kann, ohne zu übertreiben sagen, daß nunmehr die gesamte Weltöffentlichkeit sich darüber einig ist, wer den Frieden der Neutralen stören will.
schungen zu bewerten, die hinsichtlich der Eisbewegung und deren Abhängigkeit von den Windverhältnissen angestellt wurden. Hier konnten die Nansenschen Erfahrungen bestätigt und zum Teil berichtigt werden, daß nämlich die Bewegung des Eises nach den Isobaren verläuft, d. h. nach jenen Linien, die die Punkte der Erdoberfläche mit gleichem Luftdruck verbinden. Die Abhängigkeit der Eisbewegung von den Winden ist erneut bewiesen, und zugleich wurden für die Schnelligkeit dieser Bewegung eine Reihe von erprobten Regeln aufgestellt. Die Bedeutung dieser Erkenntnisse für die Polarschiffahrt liegt offen auf der Hand. Es können jetzt nicht nur die Wetterkarten auf der nördlichen Halbkugel vervollkommnet werden, zu gleicher Zeit ist die Möglichkeit gegeben, die Eisbewegung zu beobachten, womit man Klarheit auch über das „Eisregime" auf der Strecke des Nördlichen Seeweges erhält.
So wird die Begeisterung verständlich, mit denen man in den Kreisen der Polarforschung in Rußland die „Sedower" begrüßt. Sie haben weitere Pioniertat auf dem Wege der Erschließung der russischen Arktis vollbracht.
Deutschland arbeitet, daß es ferner Großdeutschlands Interesse ist, die Wirtschaft in Gang zu halten, damit auch den Warenaustausch und den Verkehr mit allen Ländern und Völkern, die entschlossen sind, für den Frieden zu arbeiten. London hat noch immer alle Völker betrogen, die sich in Zeiten, wenn es England nicht gut ging, für britische Zwecke mißbrauchen ließen. Um sich im Krieg von 1914/18 die Hilfe seiner Kolonien sowie anderer unterjochter Völker zu sichern, hatte die englische Regierung diesen Kolonien Freiheit und Unabhängigkeit feierlich zugesagt. Die Hilfe wurde geleistet, aber Indien kämpft noch heute um feine Freiheit und Unabhängigkeit, ebenso Südafrika, Aegypten und die sogenannten Mandate. England hatte auch freien Völkern alles Mögliche versprochen, um 1914/18 Hilfe und Unterstützung zu erhalten. England hat sie nacheinander alle betrogen, sogar das stolze Frankreich, das heute keine freie und unabhängige Politik mehr führen kann, weil es zu einem willenlosen Werkzeug der englisch-jüdischen Kriegstreiber geworden ist. 'Churchill fleht sogar die Türkei an, die gerade er durch sein Dardanellen-Unternehmen im Weltkrieg vernichten wollte, deren Ländermosse dann von England aufgeteilt wurde.
Die englischen Kriegstreiber mit Churchill und
Halifax an der Spitze können den Neutralen heute keine territorialen Eroberungen ober auch nur finanziellen Gewinn in Aussicht stellen, denn Englands sagenhafter Reichtum hat sich in Staatsschulden verwandelt, während die Völker und Länder seines Imperiums darauf warten, sich aus diesem Krieg endlich die volle Freiheit und Unabhängigkeit zu erobern. Um dieser Gefahr zu entrinnen, werden die Neutralen von London und Paris aus durch wilde Gerüchte alarmiert und dann umschmeichelt, auf daß sie sich selbst und ihre Freiheit nach polnischem Muster für die verbrecherischen Geldsackinteressen der jüdisch-englischen Kriegsclique opfern sollen. Der einfache Tatbestand sagt aber mehr als alle britisch-französischen Sirenengesänge: Auf der einen Seite steht Deutschland, das den Frieden ehrlich und aufrichtig will und nicht daran denkt, die Schrecken eines Krieges, in neutrale Länder zu tragen; auf der anderen Seite wissen England und Frankreich nicht mehr ein noch aus und fürchten die Schläge ihres eigenen Handelskrieges, so daß diese Kriegsverbrecher nicht davor zurückschrecken, ganz Europa in einen Kriegsschauplatz zu verwandeln. Angesichts dieses nüchternen Tatbestandes dürfte die praktische Nutzanwendung wahrlich nicht schwer sein!
Cy.
Heimfahrt bes Eisbrechers „S e d o w" durchgegeben werden, der über 800 Tage durch die Arktis driftete und erst am 15. Januar von feinem größeren und stärkeren Bruder, dem Eisbrecher „Stalin", aus der Eisgefangenfchaft befreit werden konnte. Es werden Konzerte und Theatervorführungen veranstaltet, die man auch durch Richtstrahler nach dem Norden überträgt. Im größten Theater Moskaus finden Zusammenkünfte mit den Verwandten der 15 Mann statt, die nach beinahe 27monatiger Eingeschlossenheit im Eise wieder in
Die Erwärmung Der Arktis.
Nußland in Erwartung der Heimkehr des Eisbrechers „Sedow" Don unserem 7l-LierichterstaÜer.
Vrttische Sirenengesänge.
Von unserer Berliner Schristleitung.
Berlin, 23. Januar 1940.
Nun gibt die englische Regierung selbst offen zu, daß sie die Aussichten des Handelskrieges nicht günstig beurteilt. Halifax und Churchill, jeder in feiner Weife, wurden eingesetzt, um dem englischen Volke, aber vor allem den Neutralen klarzumachen, was nach Auffassung der englischen Kriegstreiber zu tun sei, um eine Katastrophe für England zu verhindern. Wer mit den Methoden der englischen Politik einigermaßen vertraut ist, wer sich daran erinnert, wie skrupellos England im Kriege von 1914/18 vorging, der kann niemals im Zweifel darüber sein, daß alle die wilden Gerüchte über die angebliche Bedrohung einzelner Neutraler durch Deutschland englischen Ursprungs sind Selbst ein so gewerbsmäßiger Lügner rote Churchill hat das in seiner Rundfunkrede vom 21. Januar unfreiwillig bestätigt. Der Lügenlord weiß, daß die Westdemokratien den von ihnen frivol heraufbeschworenen Kriegszustand nicht in einen englisch-französischen Sieg verwandeln können. Ihre eigenen Kräfte reichen dazu nicht aus, was sie gewußt Haben, sie aber zunächst nicht ändern konnten, weil die leichtfertig aufgestellte Rechnung von Anfang an falsch war.
Nun kriecht Churchill, dieser Prototyp der Kriegshetzer förmlich vor den Neutralen, nun schiebt er ihnen die Aufgabe zu, die angeblich bedrohte Freiheit der Völker zu retten, was doch nur das Eingeständnis ist, daß England und Frankreich allein außerstande sind, die Kastanien aus dem Kriegsbrand der gewissenlosen Plutokratien zu holen. Churchill hat starke Töne gebraucht, hat allen Neutralen im voraus den Orden der Tapferkeit verliehen, die sich dazu verlocken lassen, aus der Neutralität herauszutreten. Es ist schon so, daß die Kriegstreiber in London und Paris sich darauf verlassen hatten, gerade so wie 1914/18 den Kriegsschauplatz nahezu unbegrenzt ausdehnen zu können. Ausgerechnet England das im Weltkrieg die Neutralität mißachtete, das nacheinander Portugal, Griechenland, Rumänien und China, weiter süd- und mittelamerikanische Staaten in die Kriegsfront gegen die Mittelmächte hineinstieß, will es heute so darstellen, als ob das heutige Deutschland ein Jnteress.e daran hätte die Neutralen nach englischem Weltkriegs- mufter zu behandeln. Damals befaß England allerdings die Machtmittel, um die Neutralen zu zwingen, während es heute weder finanziell noch wirtschaftlich, erst recht nicht in militärischer Hinsicht, gegen die Neutralen mit den 1914/18 erprobten Daumenschrauben und Druckmitteln vorgehen kann.
Die Neutralen wissen, was England auch weiß, aber nicht wissen will, daß in dem Handelskrieg, den England erzwungen hat, die Zeit für das neue
Stockholm, 24. Jan. (DNB. Funkfpr.) Die britischen Sorgen um die Aufrechterhaltung der Ster- lingwährung und die Aufbringung der gewaltigen Kriegskosten werden jetzt auch im neutralen Ausland immer deutlicher erkannt. Der Londoner Berichterstatter des Stockholmer „Svenska Dagbladet" sagt, während die Engländer im Verlaufe des Weltkriegs dank ihrer bedeutenden Auslandsguthaben den Lebensstandard fast unvermindert hätten aufrechterhalten können, feien diese Auslandsguthaben heute nicht mehr so groß, dazu die Anleihe- möglichkeiten sehr ungewiß, so daß die Parole der englischen Regierung jetzt auf Schmälerung des Lebensstandards hinauslaufe. Man fei bei den maßgebenden britischen Stellen ängstlich bemüht, einer immer stärker drohenden Jnsl ati o n s g e fa h r zu entgehen und sehe gegenwärtig die erfolgversprechendste Möglichkeit in einer Verminderung des Verbrauchs. Um dieses Ziel zu erreichen, habe man die Einkommensteuer in England auf die bisher noch nie erreichte Rekord- ziffer von 37,5 v. H. erhöht, wodurch nach Aussage des britischen Schatzkanzlers die Engländer
Moskau erwartet werden. Die Presse widmet jedem einzelnen von ihnen Worte der Begrüßung. So bereitet sich Sowjetrußland auf den Empfang der Männer vom „Sedow" vor, die mit ihrer Treibfahrt durch die zentrale Polarregion die Polarforschung wieder um ein Stück weitergebracht haben.
Es steht außer Zweifel, daß die Ergebnisse der Messungen und Beobachtungen, die die Mitglieder der Sedow-Besatzung unternommen haben, für die ganze arktische Wissenschaft, insbesondere aber für die Erforschung des sogenannten Großen Nördlichen Seeweges, d. h. der ständigen Verbindung durch das Eismeer nach dem Fernen Osten, von größter Bedeutung sind. Als der Eisbrecher „Sedow" im Herbst 1937 ausgesandt wurde, um eine im Eise steckengebliebene Schiffskarawane zu befreien und heimzuholen, hat noch niemand geahnt, welch große Bedeutung diese Fahrt gewinnen würde. Die „Sedow" wurde in der Nordenskjöld-See selbst bald vom Eise blockiert und mußte schon Ende Oktober einsehen, daß sie ihre Aufgabe nicht durchführen konnte. Am 26. Februar 1938 wurden von Moskau aus drei Flugzeuge auf den weiten Weg nach dem Nördoften geschickt, um wenigstens alle Fahrgäste der eingefroenen Schiffe und vor allem alle Frauen zu befreien. In langer mühevoller Arbeit, in zahlreichen Hin- und Herflügen wurden 184 Personen auf das Festland g e - bracht. Noch einmal, im Sommer 1938, wurde durch Entsendung eines anderen Eisbrechers, der „5 e r m a k", der Versuch gemacht, auch die „Se- doro" zu befreien; aber der Eisbrecher hatte in- zroifchen Ruderfchaden erlitten; er mußte sich ein« frieren lassen. Nur die Mannschaft konnte zum Teil ausgewechselt werden, und der Eisbrecher begab sich seitdem auf die Treibfahrt.
Die Drift der „Sedow" ging im großen und ganzen in der Richtung, in der vor mehr als 40 Jahren Nansen mit seiner „Fram" die gleichen Regionen des Polarmeeres zu erforschen ttachtete, — aber wie anders als damals werden heute Polarforschungen betrieben! Vollkommenere Instrumente standen den Leuten von der „Sedow" zur Verfügung als sie Fritjof Nansen hatte, durch ihre Funkstation standen sie stets mit dem Festland in Verbindung, erhielten von dort chre Anweisungen und konnten ihre Beobachtungen weitergeben, und für den Ernstfall standen Flugzeuge bereit, um die Männer zu retten. Während Nansen damals beinahe für drei Jahre verschollen blieb, erfuhr man hier täglich neue Einzelheiten von den Beobachtungen der „Sedow". So ist bereits jetzt die Möglichkeit gegeben, sich ein Bild von den hauptsächlichsten Ergebnissen ihrer wissenschaftlichen Forschungsarbeit zu machen.
Durch ein seltsames Zusammentreffen der Umstände hat die Drift der „Sedow" beinahe genau an dem gleichen Punkt begonnen, ■wie die der Nansenschen „Fram", und da die Treib- sahrt auch in der gleichen Richtung ging, ist ein Vergleich der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse von größtem Interesse. Es zeigt sich zunächst, daß auf Grund der Tiefenmessungen, die die „Sedow" vornahm, die bisherigen Auffassungen über die Meerestiefe in den Regionen der zentralen Arktis revidiert werden müssen. So wurden Tiefen von 4952, 4980 und nördlich des Franz-Josefs- Landes sogar die Tiefe von 5180 Meter gemessen. Diese Tiefen find nicht nur gegenüber den von Nansen gemessenen überraschend, sondern stellen auch eine Korrektur der von den Papanin-Leuten aus der sog. „Station Nordpol" vorgenommenen Messungen vor zwei Jahren dar.
Ferner ist durch die „Sedow"-■Besatzung die B e - schasfenh eit des Meeresgrundes genau erforscht und insbesonder die sogenannte „N a n - sen - Schwelle" untersucht worden, die eine Art Wasserscheide zwischen dem Polarmeer und der Grönland-See darstellt. Von besonderer roissenschast- licher Bedeutung aber sind, insbesondere für Sow- jetrußland, die meteorologischen und hydrographischen Forschungen, die sie unternahmen. Auf diesem Gebiet ist das hervorstechendste Ergebnis der Sedowschen Driftfahrt die Tatsache, daß die Erwärmung der Arktis, die den Wissenschaftlern kein Novum mehr ist und die seit einiger Zeit beobachtet werden konnte, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, ja man könnte beinahe "agen von Jahr zu Jahr, immer m ehr jo r t - ' d) r e i t e t. Hier sind die Vergleiche mit den Feststellungen, die Nansen getroffen hat, besonders aufschlußreich. Obwohl es sich nur um einen so relativ geringen Zeitunterschied handelt, wie es 40 Jahre tn der Arktisforschung darstellen, sind in die Augen pringende Veränderungen festgestellt worden.
Die Gletscher grenze auf „den Nordmeer - Jnseln ist weiter augenfällig 3 urückgetret en, die „Eishalttgkeit" der umliegenden Meere hat sicy
von unnötigen Ausgaben ab gehalte n werden sollen. Im weiteren Aufbau dieser Maßnahmen müßte sich bas englische Volk noch auf hohe ind irekte Steuern und auf eine weitere Verschärfung der Rationierung gefaßt machen. Die englische Arbeiterschaft sei zwar nicht gewillt, die Kriegspolitik ihrer Regierung auf ihrem Rücken austragen zu lassen und wolle von Lohnforderungen keineswegs Abstand nehmen, aber die Regierung sehe gegenwärtig in den Lohnerhöhungen eine Hauptursache für bie Jnslationsgefghr.
Auch aus biefem Bericht eines schwedischen Beobachters geht also einwandfrei hervor, daß die britische Regierung infolge ihrer schwachen Finanzlage geywungen ist, die Haupttasten ihres Krieges gerade dem Mittelstand und den ärmeren Schichten bes englischen Volkes aufzubürden. Mit brutaler Offenheit wird der britische Arbeiter auf lange Zeit hinaus um seinen gerechten Lohn betrogen und zur Armut verdammt, damit die herrschende pluto- kratische Oberschicht ihren Krieg gegen Deutschland führen kann.
Brüssel, 24. Januar. (DNB. Funkspruch.) Churchills Drohung an die Neutralen findet die volle Billigung der Pariser Presse. Seine Aufforderung an bie Neutralen, schleunigst gemeinsame Sache mit den Westmächten zu machen, wird be- aeiftert begrüßt. Darin zeigt sich deutlich, daß die Aeußerungen Churchills lediglich als Auftakt zu einem großangelegten Eins chüchte- rungs- und Erpressungsmanöver der Westmächte gegenüber den neutralen Mächten anzusehen sind. Sie benötigen, koste es, was es wolle, neue Bundesgenossen, die bereit sind, dem polnischen Beispiel zu folgen und ihr Blut und ihre Existenz für die Sache der Westmächte einzusetzen.
Das „Journal de Debats" schreibt, die Westmächte hätten sich mit Recht über bie Tendenz verschiedener Neutraler, ihre Länder aus dem Krieg herauszuhalten, „g e ro unb e r t". Um den Neutralen mehr Mut zu geben, fei es zunächst erforderlich, mit allen Mitteln Finnland zu unterstützen. Besonders begeistert äußert sich der jüdische Journalist Elie Bois im „Petit Parisien" über die Rede. Mit Churchill habe der populärste Minister Großbritanniens gesprochen. Nichts von dem, was er gesagt habe, dürfe unterschätzt werden, denn Churchill sei heute der Sprecher der britischen Nation. Die Neutralen, müßten heute zwischen den autoritären Staaten und den Westmächten wählen. Man würde mit Recht erstaunt sein, daß sich die bedrohten kleinen Natto-
wesenttich verringert, und bie Dicke des Polareises ist so erheblich geringer geworden, daß die Verwaltung des Nördlichen Seeweges mit neuen Hoffnungen in die Zukunft blickt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß all diese Erscheinungen auf Grund einer genau feststellbaren Erwärmung der mittleren Jahrestemperatur in den Polarregionen eingetreten sind. Es will schon etwas besagen, wenn die „Sedow" als größte Eisdicke nur noch 218 Zentimeter feftgefiellt hat gegenüber 365 Zentimeter, die noch Nansen gemessen hatte. Während Nansen auf der „Fram" die niedrigste Temperatur von 52 Grad zerzeichnen konnte, ist jetzt „nur" noch eine Kälte von 44,1 Grad gemessen worden.
In Verbindung mit dieser zunehmenden Erwärmung der Arktis sind auch bie Resultate der For-
Neutraler Außenhandel im Kriege.
Mit Interesse hat man nicht nur bei uns, sondern auch in der übrigen Welt den Veröffentlichungen der neutralenßänber über den Außenhandel im Kriege entgegengesehen. Es hat sich gezeigt, daß nur wenige Länder in Voraussicht des bewaffneten Zusammenstoßes der drei europäischen Großmächte in gewissem Umfang eine Vorratsbildung Dorgenommen haben Zu diesen wenigen Ländern gehören Schweden und die Schweiz. Don Vorräten besonders entblößt scheinen Belgien und Dänemark in die Kriegszeit eingetreten zu fein. Im allgemeinen muß berücksichtigt werden, daß — als Folge einer internationalen Wirtschaftsbelebung — der Außenhandel in den ersten acht Monaten 1939 auf einer höheren Ebene lag als der Außenhandel in der gleichen Zeit des Jahres 1938. Für die von den wirtschaftlichen Kampfmethoden Grobbritanniens am schwersten betroffenen beiden Nordwesttänder, Belgien und bie Niederlande brachte der erste Kriegsmonat einen scharfen Rückgang der Ein- und der Ausfuhr. Dies erklärt sich daraus, daß die von den britischen Blockadeschiffen aufgebrachten Ueberfeebampfer wochenlang in den Kontrollhäfen festgehalten wurden. Im Oktober und November 1939 trafen dann in den neutralen Häsen zahlreiche Schiffe ein, die im September fällig gewesen waren, die aber wochenlang in den berüchtigten britischen „Downs" und anderen Kontrollhäfen zurückgehalten worden waren. Am wenigsten bettoffen von den nördlichen Neutralen war Norwegen, weil es den Sperrgewässern am fernsten liegt und weil feine Handelsflotte auf der weniger überwachten Nordroute ein- und ausreisen kann. Deutlich ist zu erkennen, daß die Neutralen im zweiten und dritten Kriegsmonat alles aufboten, um an wichtigen Lebensrnitteln und Rohstoffen, aber auch an gewissen überseeischen Genußmitteln Vorräte anzusammeln, um einer etwaigen ro eiter en Verschärfung der Blockade mit leidlicher Ruhe entgegensehen zu können. Im allgemeinen hat sich die A u s- fuhr der neutralen Länder weniger gut gehalten als die Einfuhr. So ging von August auf Oktober die belgische Ausfuhr um ein reichliches Viertel, die holländische Ausfuhr sogar um meyr als vierzig vom Hundert zurück. Eine Ausnahme macht jedoch Schweden, dessen Eisenerz für die kriegführenden Mächte einen begehrten Einfuhrartikel bildet. Man ist sich in den neutralen Ländern
Moskau, Januar 1940.
In diesen Tagen sitzt das ganze russische Volk mit größter Spannung an den Lautsprechern und verfolgt Wort für Wort die Ansagen, die über die


