Ausgabe 
23.10.1940
 
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doch schon an der Wiederherstellung der Houpteisen- bohnlinien und es wird auch md)t mehr lange dauern, daß Ferntransporte über die Straßen sich ermöglichen lassen. Der Luftverkehr zwischen Deutschland und Spanien ist bereits wieder im Gang. Freilich ist nicht damit zu rechnen, daß der Warenverkehr zwischen Deutschland und Spanien binnen kurzem wieder dem Stand der Zeit vor Kriegsausbruch erreicht. Die Möglichkeiten des ®ü- tertransportes mit der Eisenbahn sind gegenüber denen der Seeschiffahrt an sich schon beschränkter. Um so mehr kommt es darauf an, die kleineren Mengen hochwertiger Erzeugnisse, die Deutschland sonst kaum erhalten kann, zu beziehen, wie 3. B. Quecksilber, Kupfer, evtl Kupfererze (Schwefelkies) und ähnliches.

Dor Ausbruch des Krieges bezog Deutschland aus Spanien und Portugal (die portugiesischen Lie­ferungen stellen hier wie bei den meisten anderen Waren nur einen kleinen Teil der spanischen - dar) vor allem Eisenerz und Schwefelkies. Da Deutsch­land aber jetzt auch über die riesigen Eisenerzlager in Lothringen verfügt, könnte es auf die spanischen Erze verzichten. Hinzu kommt, daß der Bezug spe­ziell der marokkanischen Erze nicht möglich sein dürfte, solange England noch die Straße von Gi­braltar beherrscht, was allerdings nur noch eine Frage der Zeit fein wird Dor dem spanischen Bürgerkrieg führte Deutschland auch große Men­gen Südfrüchte (Apfelsinen u. a.) aus Spanien ein, jedoch war der Handel hierin bei Ausbruch des jetzigen Krieges noch kaum wieder in Gang gekom­men. Soweit es die Transportverhältnisse erlauben, wären jetzt wohl auch hier wieder erhöhte spanische Lieferungen möglich.

Die Handelsbeziehungen zwischen der Iberischen Halbinsel und Deutschland find keineswegs nur von Deutschland aus erwünscht. Die deutsche Industrie bringt auch jetzt im Kriege alle Waren heraus, die Länder wie Spanien und Portugal für den täg­lichen Bedarf benötigen, Deutschland ist sogar das einzige Land in Eurqpa, das diese Waren liefern kann, da es industriemäßig leistungsfähig ist und über genügende Vorräte verfügt. Deutschland ist in der Lage, die durch den Bürgerkrieg sehr zurückge­kommene spanische Industrie mit den notwendigen Aufbaumaterialen zu versorgen. Es ist klar, daß diese Wieder-Ingangsetzung des deutsch-spanischen Handels schon in absehbarer Zeit durch Verträge eine genaue Fixierung erfahren wird.

Hinzu kommt, daß die Iberische Halbinsel, die in den vergangenen 12 Monaten durch die Abschnü­rung ihrer Länder von Mitteleuropa sich verhält­nismäßig stark auf englische Erzeugnisse umgestellt hatte (die allerdings in den meisten Fällen N'cht geliefert wurden), jetzt durch die Kontinentalblok- kade Englands zum europäischen Wirtschaftsraum S" gelenkt wird. England schneidet sich auch in

Falle, wie schon so oft im Lauf« seiner bis- herigen Kriegswirtschaftspolitik, buchstäblich ins ei­gene Fleisch Im übrigen wird Spanien und Portu­gal für die Zukunft im Rahmen der wirtschaftlichen Neuordnung Europas die große Ausgabe nahelie- gen, das Handelstor zwischen drei Kontinenten zu oilden. Die Iberische Halbinsel mit ihren Ausfall­häfen nach Süden und Südwesten ist in der Lage, die kommende wirtschaftliche Konzentration Euro­pas je nach den Bedürfnissen der Erdteile Afrika und Amerika auf dem Seewege aufzuteilen und umgekehrt Ausfuhrgüter der genannten Uebersee- länder zu übernehmen.

Oie Mstunqskonserenz von Delhi.

Stockholm, 22. Okt. (Europapreß.) Ein grelles Licht auf Englands Schwierigkeiten, mit den wirt­schaftlichen Erfordernissen des Krieges Schritt zu halten, werfen die Vorbereitungen zur Rüstungs­konferenz, die am Freitag in Delhi eröffnet wer­den soll. Die Konferenz dient dem Versuch, alle Teile des britischen Empires, die um den Indi­schen Ozean herumliegen, für Englands ge­schwächte Rüstungskraft einzuschalten. Die Konferenz wird mit einer Ansprache des Vizekönigs von Indien eingeleitet werden. Außer Indien nehmen Austra­lien, Neuseeland/ Südafrika. Rhodesien. Vertreter der ostafrikanischen Gebiete. Burma, die Malaiischen Staaten, Hongkong und Cenlon teil. Die englische Regierung ist durch eine Abordnung des Versor­gungsministeriums unter Leitung von Sir Aleran- ber Roger vertreten, die sich bereits feit mehreren Wachen in Indien aufhält, um die Konferenz vor­zubereiten.

Die Konserenz stellt einen Versuch dar. eine Rüstungs-Industrie in Gebieten aufzubauen, in denen die Voraussetzungen dafür so aut wie völlig fehlen. Das Erperiment, Verbrauch^güter- industrien auf Kriegserzeuauna ummfteffen, kann in diesem Gebiet nur auf Kosten der Bevölkerung ver- sucht werden, ohne daß damit eine Gewähr dafür gegeben wäre daß England den erstrebten Zweck erreicht. Das Gemisch aus Hoffnung und Sorge, mit dem man in England di" Aussicht der Konferenz er­örtert. geht aus einer Meldung der . Times" her- vor, deren Korrespondent in Delhi schreibt. Ita­liens Eintritt in den Krieg habe ein neues Problem im Osten geschahen, und zwar auf wirt- fchaftlichem wie auf militärischem Gebiet Es werde eine besondere Aufgabe der Konferenz in Delhi sein die Kriegsmaschinerie in Aktion treten zu lassen." Die Fraae werde geprüft, ob die Industrien jener Länder Großbritannien in der Erzeugung von Munition und Sprengsto^en unterftüßen könnten. In dieser 5sinücht sei die Lage für Enasgnd in den an der Delhi-Konferenz teilnehmenden Gebieten er­heblich ungünstiger als in den anderen Teilen des Empires.

Wachsende Erbitterung in Aegypten.

R 0 m, 22. Okt. (Europapreß.)Giornale d'Italia" berichtet über eine wachsende Erbitterung in Aegyp­ten wegen den Vergewaltigungen' durch die eng­lischen Behörden. Von vertrauenswürdiger Seite er­fährt das Blatt, daß die Ankunft neuseelän- vischer Truppen in Aegypten die allgemeine Lage noch mehr verwirrt habe. Die englischen Be­hörden fahren fort, Aegyptern gehörende Gebäude zur Unterbringung der Truppen zu beschlagnahmen. Zwistigkeiten mit den ägyptischen Behörden seien die Folge. Die Nervosität Der Bevölkerung wegen her unaufhörlichen italienischen Flieger-An­griffe wachse. Erbitterung gegenüber den Eng­ländern, die das Elend der Bevolkeruna vollkommen kalt lasse, zeige sich auch bei den in Aegypten an­sässigen Franzosen, weil die Regierung des Mar­schalls Petain von den Engländern in der perfidesten Weise angegriffen werde. Wiederholt hätten englische Truppen einschreiten müssen, um blutige Zusammen­stöße der ägyptischen Bevölkerung mit den englischen Soldaten zu verhindern. Auf der Insel Zypern wer­den Polen militärisch ausgebildet, die später über

Alexandrien zur Verstärkung der englischen Truppen nach dem Sudan geschafft werden sollen. Die Militärkrankenhäuser in Aegypten seien mit Ver­wundeten überfüllt, und die Zahl der Militärärzte soll nicht ausreichend sein.

Oer Pole Beck verhaftet.

Der englische Gesandte in Bukarest wollte ihm zur Flucht vcrhclkcn

Bukarest, 22. Okt. (DNB.) Der frühere pol­nische Außenminister Beck wurde am Montag bei Snagoo in der Umgebung von Bukarest 0 erhaf - t et Man war auf die Spur gekommen, daß er seit fand man einen gefälschten englischen D i - p 1 0 m a t e n p a tz, den ihm der hiesige englische rnatenpaß, den ihm der hiesige englische Gesandte eingehändigt hatte. Wie Beck angab, hat ihm der englische Gesandte obwohl Beck erklärte, daß er über genügend Geldmittel verfüge, auch weitere Zwei Millionen Lei zur Durch­führung des Fluchtplanes gegeben mit der Bemer­kung,Geld spiele in diesem Falle keine Rolle". Das einzige Gepäckstück, das Beck bei sich trug, war ein Koffer, der ein Sende- und Empfangs­

gerät enthielt. Auch diesen Geheimsender erhielt er von den Engländern

Beck hat schon seit mehreren Wochen Möglichkei­ten zur Flucht gesucht und mehrfach an die rumäni­schen Behörden das Ansinnen gestellt ihm die Mög- tichkett Schifisausflügen zu geben. Dieses An­sinnen ist abgelehnt worden Es wurden dann durch den ehemaligen polnischen Oberst Kaminski in Cra- jeva falsche Papiere besorgt, die aber als un­zureichend angesehen wurden Daraus machten sich bann die Engländer die Fluchtpläne Becks zu eigen und organisierten den jetzt fehlgeschlagenen Versuch zur Flucht mit einem Flugzeug.

Oie CSrmoröuna (Lodreanus.

Bukarest, 22. Okt. (Europapreß.) Aus dem Verhör, das am Montag mit den Feldwebeln an- gestellt wurde, die den Transport Codreanus und seiner 13 Unterführer in der Nacht zum 30. No­vember 1938 von Rimnicul Sarat nach Jilava be­gleiteten, ging hervor, daß der Feldwebel S a r b u den Auftrag hatte, Codreanu zu ermorden Sarbu hat auch an der Erschießung der neun Le­gionäre teilgenommen, die den Innenminister Ca­li n e s c u , der die Legionärsbewegung wütend ver­folgt hatte, im September vorigen Jahres richteten.

Mjor Widers überschreitet bas halbe Hundert.

Oer 49., 50. und 51. Lustsieg des erfolgreichsten deutschen Jagdfliegers.

Berlin, 22. Oktober. (DNB.) In einem Luftkampf zwischen sechs deutschen Bleffer- schmitt-Jägern und 15 englischen hurricane- Alugzeugen errang Major M ö t d e r s am Dienstag seinen 49., 50. und 51. Luftsieg.

P. K. Seit Tagen schon war der50." fällig, lag er gewissermaßen in der Luft, und nun i ft es s o weit. Zum ersten Male überschreitet ein Jäger das halbe Hundert an Abschüssen. Am 22. Ok­tober stürzten von Englands Himmel brennend und rauchend drei Hurricane aus einem Haufen von 15 englischen Jägern herunter und zerschellten am Boden. Mit 48 Strichen am Leitwerk war der Kom­modore gestartet und nun steht seine Maschine vor uns, nachdem sie wackelnd über dem Feldflugplatz gelandet war. Major M ö l d e r s hebt das Kabinen- fenfter und sagt in feiner ruhigen Art:M e i n 5 0.1" Ein lauter Iubelruf hallt.über den Platz Alles, was herbeigeeilt war, ist von höchster Be­

geisterung erfüllt! In seiner Maschine sitzend gibt der Kommodore einen anschaulichen Bericht über den Luftkampf, in dessen Verlauf es ihm gelartg, aus einer überlegenen Hahl von Hurricane drei Gegner abzuschießen. Wieder gewinnen wir aus seiner Darstellung das Bild feiner überlegenen Kampfesweise. In der offiziellen Zählung der Ab. schösse hat damit Major Molders seinen 49., 50. und 51. Luilsieg im Westen erfochten. Dazu müssen nun noch feine in Spanien erzielten Abschüsse gerechnet werden.

Mit Stolz und Ehrfurcht sehen wir an diesem Ehrentage der deutschen Iagdwafse vor unseren Augen die Abschußlisten unserer großen Jagdflie­ger des Weltkrieges:Manfred von Richthofen mit 80, Generaloberst Übet mit 62 und Erich L ö w e n h a r d t mit 53 Abschüssen". Generaloberst Übet ist ber erfolgreichste lebenbe Weltkriegs-Flie­ger, unb nun ist Major Mölbers ber beste Jagd­flieger in unserer Zeit geworden. Eugen Press.

Minenräumboote

Mer den Ansen ber britischen MenMerien.

Dicht vor der englischen Küste machen unsere Minenräumboote, wie das Bild zeigt, ihre Kontrollfahrten. Im Hintergrund die Steilküste Englands. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Englands Lndien-Gtraße wird Kriegsgebiei.

Der Angriff eines italienischen Bombengeschwa­ders gegen die Bahrein-Inseln im Persischen Golf mit einer Gesamtflugstrecke von 4500 Kilo­metern wird den Engländern genau so verheimlicht wie die beiden Geleitzug-Katasttophen vom Sams- taa und Sonntag. Der Schrecken und die lieber- raschung sind in London nicht geringer als auf den Jnfeln selbst und im ganzen Orient, soweit er von England beherrscht wirb. Man glaubte, bie Bahrein- Inseln infolge ihrer großen Entfernung gegen jeden Angriff völlig sicher, zumal habet weite Wüsten­strecken nur nach den Instrumenten zu überfliegen sind. Die Bombardierung der Bahrein-Inseln be-

Isfahan

Kuwern RasTanajib

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beutet eine direkte Gesährbung der englischen Oel« Versorgung, da die Anlagen in Haifa erst vor kurzer Zeit zum großen Teil nach dem neunten An­griff vernichtet wurden Ueberöies hat der gläntenb durchgeführte italienische Angriff den Engländern die höchst beunruhigende Erkenntnis beigebracht, daß selbst Englands Straße nach Indien nun in den unmittelbaren Kriegsbereich pinbejogen ist. Das Ergebnis des Angriffes hat in London am so mehr beunruhigt, als trotz der ungeheuren Ent­fernung und der dadurch benötigten Benzinlasten bie Angreifer nicht etwa einzelne Bomben, sondern Hunderte auf die Oelanlagen der Bahrein-Inseln herunterkrachen ließen.

Der panikartige Schrecken in London wird ver­ständlich, wenn man weiß, daß auf den Bahrein- Inseln, bie 25 Kilometer vom Festlanbe an der Westküste des Persischen Golfes liegen, bie größte Ölraffinerie ber Welt besteht vielleicht muß man jetzt schon sagen: bestand. Sie war zugleich die jüngste und mobernfte. Die erste Bohrung er­folgte dort erst im Winter 1931/32, 1933. Als die Bahrein-Inseln schon zu -einem der wichtigsten Stützpunkte des englischen Luftweges nach Indien geworden waren, lieferten bie erbohrten Quellen 30 000 Tonnen, im Jahre 1935 über 1 Million und 1937 schon 8 Millionen Faß Erbäl. Die Raffinerie, in ber bas Rohöl verarbeitet wurde, besteht erst feit dem Jahre 1935. Sie ist mit Maschinen aus­gestattet, bie in Deutschland konstruiert wurden und liefert Benzine verschiedenen Gehaltes, Dieselöl, Heizöl unb Petroleum, ferner Koks, Gas und Asphalt. Der Bau ber Raffinerie allein hat 12 Millionen Dollar gekostet. Angesichts ber militäri­schen unb wirtschaftlichen Wichtigkeit ber Bahrein- Inseln würbe sie vor einem halben Jahrzehnt auch zu einem bebeutenben Flotten- und Luftstützpunkt ausgebaut.

Es ist natürlich lächerlich, wenn die Engländer jetzt bie Bahrein-Inseln, auf benen sie ungeachtet ber wiederholten Einsprüche Irans unb des Irak feit 1861 sitzen, jetzt nach bem unerwarteten An­griff alsneutral" hinstellen ober sich barüber ent­rüsten, baß bie Italienerheiliges Gebiet in ber Nähe von Mekka überflogen unb bie beiben unab­hängigen mohamebanischen Staaten Saudi-Arabien unb bie kleine Insel Bahrein bombarbiert haben". England will natürlich nichts davon wissen, daß es selbst Hunderttausende von freien Arabern durch Bombenwürfe vernichtet und in. Palästina den Kampf gegen die arabische Nationalbewegung sogar bis in bie muselmanischen Heiligtümer hinein ge­bracht hat. Dr. Ho.

Deutsche Schnellboote im Sturm über dem Kanal.

23cm Kirngsbi nchtel Herbert (Sprang.

PK....... tm Oktober 1940. (DNB ) Oktober

an der Kanalküste! Unaufhörlich dreht Südost zum Nordwest und zurück, bläst und pfeift, peitscht den Graben zwischen Kontinent und Insel, daß die See ihre Schaumkronen weithin sichtbar trägt. Tagelang schön warten die Schnellboote auf Einsatz. Bespre­chungen beim Flottillenchef einer Schnellbootflottille. Seekarten liegen ausgebreilet. Wir sind zu viert; der Flottillenchef, zwei Schnellbootskommandanten und der PK.-Mann. Narben am Hals und Wange des Flottillenchefs sind letzte Zeugen eines Bomben­überfalles.

Meine Herren! Heule ist der erste Tag, da es wieder etwas ruhiger ist. Wir müssen versuchen, an den Feind zu kommen. Der Einsatzbefehl ist da. Ich steige bei Leutnant W mit ein. Für diesmal führt er selber die Rotte wie bei Leutnant H. Gute Fahrt!" Leutnant H hat monatelang Ersahruna als Wachoffizier, die ihn befähigte, mit jungen Jahren Kommandant zu werden. Jung wie er sind seine Männer. Nur der Obermechaniker und der See­männische Nr. 1 sind älter unb verfügen über jahre­lange Schnellbootpraxis Ein Teil seiner Leute fährt heute zum erstenmal, ein anberer kannte bis­her nur die Ostsee Jetzt kommt bie erste große Feinbfahrt jn die Nordsee.

Zwei schrille Pfiffe!Seinen los!"Mitte lang­same Fahrt!" Es blubbert und quirlt weih unter dem Heck hervor Die mittlere Maschine läuft an Langsam gleitet das Boot voraus und folgt dem Rottenführer, ber bereits mit halber Fahrt abläuft.

Der Kommanbant reibt sich bie Hänbe.Schauen Sie, so schön bedeckt, da sieht uns kein Schwein, und dabei so ruhige See!" In der Tat, der Wind ist fast ganz abgeflaut. Aber kann man ihm trauen? Am tiefen Himmel brauen bie Wolken. Schon be­ginnt es aus Süboft zu briefen ... Noch ist aber unter der Küste gutes Wetter ...

Seite halbe!" (Seitenmaschine halbe Fahrt!) Es ist, als ob bas Boot einen Ruck nach vorwärts macht, bann läuft es in hoher Fahrt hinter bem Rottenführer her, Immer diesiger wird es. Schon bricht auch die früh« Dämmerung herein. Fin­sterste Nacht. Kein Stern steht am Himmel ...

Da! Was ist bas? Es ist, als springen Funken durch die Nacht. Die See hat gespenstig helle Schaumkronen... Meerleuchten. Silbergraues

Meerleuchten ... Langsam wird di« See grober. Hart ziehen die ersten Brecher über bie Aufbauten und schlagen den Männern aus der Brücke ihre sal­zige Gischt ins Gesicht.

10 Grad Backbord! Halten Sie sich, genau im Kielwasser des Vordermannes!"Jawohl!" Der Rudergänger legt Ruder.Patsch!" Wieder schlägt eine See über bas Deck Kaum kann bas Oelzeug bie Wassermengen abhalten. Da, der öorbermann blinkt:Bleiben Sie in Sichtnähe!"

Längst schon machen alle Maschinen große Fahrt voraus. Immer kabbeliger wird bie See, immer höher bie Wellen Das Boot stampft, rollt unb schlingert. Es ist sehr schwer, in dieser See Kurs zu holten. Das Letzte muß der Rudergänger her­geben. Stunde um Stund« geht bi« Fahrt. Schwe­rer unb schwerer wird bie See. Da reißt bie Ver- binbung mit dem Vordermann ab. Mutterseelen­allein läuft das kleine, kaum 100 Tonnen große Boot seinen Kurs.

Die befohlene Position wird erreicht. Die Maschi­nen machen nur noch Umdrehungen für halbe Fahrt. Das Boot dümpelt. Noch kommt bie See von Achtern. Der Kommandant weiß, bisher war es nur ein Kinderspiel. Der ganze Rückweg aber muß gegen die See erkämpft werden ..'. Und noch immer kein Gegner, kein Schuß, nichts ... Leer bleibt der Horizont. Sollte wieder nichts vor den Bug kommen?

Langsam verrinnt die Zeit. Das Wetter ist jetzt schwer geworden. Das Boot ist nicht mehr zu hal­ten. Wo ist der Rottenführer, wo der Flottillenchef? Wie hieß der letzte Funkspruch?Nach eige­nem Ermessen handeln!" Umkehren? Das andere Boot allein lassen vielleicht im Kampf mit dem Gegner? Der Rückweg ist noch weit, und noch wächst der Sturm Der junge Kommandant merkt kaum das Wetter, das um ihn tobt, die Un­ruhe in ihm ist größer unb übertönt alles Dann ist der Entschluß gefaßt. Er wird bestimmt durch die Verantwortung des Kommandanten für das Boot und feine Besatzung

Auf diesen Kurs gehen! Zweimal große Fahrt voraus."

Enttäuschung bei allen. Wieder aller Mut, alle Einsatzbereitschaft umsonst. Wieder zurück, wieder warten ... Noch aber ist der Hasen weit. Hier unb

ba steckt ber Himmel eine Laterne burch bie Wol­ken; es wirb nun sternenklar. Aber bie See steht noch immer. Schwerer noch als bie Hinfahrt ist ber Weg zurück. Die Arme bes Rubergängers wollen lahm werden, bie Augen brennen, bie Nässe geht bis auf bie Haut. Die Finger sinb flamm. Der Morgen kommt mit bitterer Kälte.

Nach 13 Stunden Einsatz liegt das Boot wieder im Hafen.

Ich gehe von Bord, zu anderem Einsatz befohlen. Die 8-Bootsmänner aber warten unb wagen es immer noch einmal. Dann enblich wächst eines Ta­ges aus Wochen härtester Arbeit, aus sich Beschei. den und Warten, auch Opfermut und harter Lei. ftung ber Sieg. Nüchtern unb sachlich melbet der Wehrmachtbericht bann:Ein beutsches Schnellboot torpebierte ... versenkte ... vernichtete ..

Churchills Brandstifter wieder über Hamburg.

Hamburg, 22. Oktober. (DNB.) In Hamburg warfen bie Englänber letzthin ganze Bünbel schwerer Branbbvmben auf reine Wohn­gebiete, fernab jeglicher militärischer Ziele. Der Sperrgürtel der Flak zwang bie Flieger weit außerhalb ber inneren Stabtbezirke ihre Sprenglabung über Bord zu werfen und sehr große Höhen aufzusuchen. Ziel- und wahllos prasselten bie Branbbvmben auf eine große Anzahl von Häusern eines Wohnblocks. Insgesamt würben über 30 Häuser in Mitleibenschaft gezogen. In ber Mehrzahl gab es jeboch nur Dachstuhl- bränbe. Die Flammen vernichteten alles, was biese Räume baraen. Auch die unter bem Dachboben lie­genden Wohnungen wurden zum Teil stark beschä­digt In der Wohnung eines Feinmechanikers wurde die Inneneinrichtung fast völlig zerstört. In einer anderen Wohnung sind die Möbel zertrüm­mert und sämtlicher Hausrat vernichtet. Die für den Winter eingelagerten Kartoffeln und selbst Konserven sind ungenießbar geworden, Wäschestücke und Bettzeug sind verbrannt, die Reste von Fahr- rädern liegen umher. Dank der unermüdlichen Bereitschaft ber Selbstschutzkräfte, der Polizei und der Feuerlöschpolizei konnten bie Feuer nicht weiter um sich greifen. Immerhin waren aber außer bem sehr großen materiellen Schaden an privatem Gut mehrer« Verletzte zu verzeichnen. Auch in anderen Wohngegenden wurde eine große Anzahl Brand­bomben mit gleichen Wirkungen abgeworfen. Auch diese neuesten britischen Schandtaten in Hamburg zeigen, wie berechtigt die deutsche Vergeltung ist.