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Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Dietmuthe hat sich erhoben. Die Hand auf das »blanke schwarze Ebenholz des Flügels stützend, neigt sie den Kopf ein wenig gegen die Schulter, ein spielerischer, katzenhafter Blick gleitet über Marta, und mit dem immer gleichen eiskühlen und welten­fernen Lächeln sagt sie:Oh, er würde sich rasch wieder daran gewöhnen, glauben Sie nicht auch? Ich bedaure sehr. Ihnen die Enttäuschung bereiten zu müssen, und verstehe auch, daß Sie für die Wohltaten, die Sie dem armen Klaus erwiesen haben, gern belohnt sein möchten. Und... daß er Ihnen gefällt, begreife ich auch. Aber Sie dürfen mir ruhig zugestehen^ daß ich klarer sehe. Was auch zwischen meinem Mann und mir steht, ich wünsche es ihm doch nicht, daß er gänzlich unter­sinkt, bei einem armseligen Leben verkümmert, zeit­lebens in einer Niederung gebunden bleiben soll, die ihm... gar nicht gemäß ist! Dazu ist er mir doch zu schade! Sie können mich vielleicht nicht ganz verstehen, Fräulein Ellrich, dazu ist wohl Ihr Lebenskreis zu beengt. Sie können sich in so gänz­lich fremde Verhältnisse schwerlich hineinversetzen. Und Sie wissen wahrscheinlich gar nicht, wer Klaus Tjaden früher war, wie er zu leben gewohnt war?"

Marta krampft ihre Finger in den neuen Hand­schuhen, die sie sich vorhin erst gekauft hatte, fest ineinander.Und Sie, gnädige Frau, scheinen noch immer nicht zu erkennen, um was es für Klaus und mich geht? Es geht um unser beider Leben... oder Sterben!"

Ach, nicht doch", wehrt mit sanfter Ueberlegen- heit die schöne Frau ab und wendet ihr Gesicht zur Seite, als bemühe sie sich, ein ironisches Lächeln zu verbergen; und aus dem Hintergründe des Zim­mers, wo die Freundin in einem Sessel lchnt, kommt ein kurzer spöttischer Lachton.

Da steht Marta auf. Sie hat die Empfindung,

als drehe sich das Zimmer um sie und schwanke der Boden unter ihr. Die Kehle ist ihr wie zuge­schnürt.

Dietmuthe geht einige Schritte nach dem Neben­zimmer hin, wendet sich, nahe der Tür, nach Marta um, und deutlich dem Wunsche Ausdruck gebend, die Unterredung rasch zu beenden, fragt sie:Sie erwarten ein Kind von ihm?... Ja, da glaube ich gern, daß Sie in Sorge si/ld und ihn feschalten möchten. Das kann aber für mich kein Grund sein, meinen Entschluß zu ändern. Ich kann Ihnen also nicht helfen wenigstens nach dieser Richtung hin nicht. Aber in anderer Weise bin ich eher dazu bereit vielleicht, falls Sie Geld brauchen?..."

Nein, danke!... Das brauche ich nicht!" stößt Marta tonlos hervor und geht rasch aus dem Zim­mer und der Wohnung.

Beim Hinab geh en der Treppe wird ihr Schritt unsicher, und sie lehnt sich in einem Schwächegefühl an die Wand. Die Uebelkeit, die sie jetzt so oft pei­nigt, kommt wieder. Mit fast übermenschlicher An­strengung kämpft sie dagegen an, verläßt das Haus, schleppt sich durch die Straßen, durch das Derkehrs- gewühl mit zerbrochener Kraft.

Schonungslos ist alles vernichtet, was sie gehofft, woran sie geglaubt, sich mit aller Kraft ihrer Seele geklammert hat. Hilflos und verstört steht sie vor einer neuen furchtbaren Erkenntnis: Das, was früher einmal war in Klaus Tjadens Leben, was sie tot und vergangen wähnte ein Schatten nur noch, der zuweilen in das Helle, strahlende Licht ihres neugewonnenen Daseinsinhalts hineindun­kelte es lebt noch! Es war ein schwerer Fehler, es wegzulöschen aus den Gedanken, daran vorbei­zuleben; es ist gegenwärtig und wirksam. Sie, die gefährliche Person, die Klaus einmal zum Verhäng­nis geworden ist, sie hält ihn auch jetzt noch fest Ihre zarten Hände sind wie stählerne Fesseln...

Und sie war so töricht gewesen, zu glauben, er gehöre ihr, sei ihr Lebensgefährte!... So ein Glück gibt es für sie nicht in der Welt. In Not geraten war er und hatte sich dabei in eine Umwelt ver­irrt, die nicht die seine war. Das hatte sie ja auch gefühlt vom ersten Tage an, als sie sich begegnet waren. Aber dann Ist es so gekommen, daß sie ihn liebgewann, und nun war ein heimlicher Stolz in ihr gewachsen, der ihr die Lippen schloß, wenn

der Flieger erhält den Ball, eine kurze Körper­wendung, und unhaltbar landet sein Schuß im Netz. Als Ehmann zu dem freistehenden Linksaußen flankt, mußte der Ausgleich fallen. Dieser schießt jedoch aus nächster Nähe über das Tor und ver­gibt damit eine große Torgelegenheit. Aber kurze Zeit darauf gelingt Ziegler bei einem Gedränge der Ausgleich. Wieder ist es der Halblinke, der die Flieger durch einen überraschenden Schuß, der von Fischer abspringt, in Führung bringt. Ein von der Latte abspringender Kopfball von Ehmann, der im Nachschuß verwandelt wird, bedeutet wieder den Ausgleich. Als bei einer Steiloorlage Schlitz und der Halbrechte zur gleichen Zeit nach dem Ball starten, springt dieser ab, und die Flieger sind er­neut in Führung. Eine verunglückte Fußabwehr des Tormanns der Flieger bedeutet erneut den Aus­gleich. Die Stadtmannschaft ist jetzt leicht überlegen. Gerade hat der Linksaußen^ danebengeschossen, als erneut die rechte Seite durchbricht. Der Flankenball kommt nicht aus dem Strafraum, und schon heißt es 4:3 für die Stadtmannscyaft. Dann ist Halbzeit.

Bei der schnellen Spielweise ist in der zweiten Halbzeit die Frage nach dem Sieger nur eine solche des größeren Stehvermögens. Als die Stadt­mannschaft mit drei Ecken die zweite Halbzeit er­öffnet, glaubt man bei ihr die größeren Reserven. Ein Alleingang des Linksaußen schraubt das Tor­verhältnis auf 5:3 für die Stadtmannschaft. Lang­sam gewinnen aber die Flieger durch gute Aufbau­arbeit ihrer Läuferreihe eine Feldüberlegenheit. Auch Funk, der hinten aushilft, kann den Druck nicht brechen. Ein wundervolles Dribbling des Halb­linken, und unhaltbar sitzt der Ball in der oberen rechten Ecke. Schon beim erneuten Angriff fällt, nachdem Fischer einen Ball unnötig ab klatscht, der Ausgleich. Nachdem die Gießener trstz zweier gut­gemeinter Nachschüsse das Tor nicht finden können, ist es wieder der Halblinke, der den 6:5-Sieg der Flieger sicherstellt.

Die Stadtmannschaft B wurde in Heuchelheim, nicht vollständig antretend, vernichtend geschlagen.

Voller Erfolg der Handballer.

lieber den Einsatz des Fachamtes Handball bei der 1. Reichsstraßensammlung für das Kriegs-WHW. 1940/41 kommen aus allen,Teilen des Bezirks gün­stige Ergebnismeldungen. Wenn der Ertrag günstig war, so mag das beweisen, mit welchem Einsatz man allenthalben zu Werke gegangen ist. Ob man, wie beispielsweise in Garbenheim, in einem Werbeumzug auf den Tag aufmerksam machte, oder die Sammel­tätigkeit in den Rahmen von Sportveranstaltungen einbaute, überall war das Interesse rege. Besonders hervorgehoben muß werden, daß die aktiven Hand­baller den Zuschauern mit gutem Beispiel voran- gingen. Sie gaben vielerorts vor dem Spiel gleich­sam symbolisch ihren Teil in klingender Münze und gingen so der Oeffentlichkeit auch in dieser Be- -ziehung mit gutem Beispiel voran.

Auf dem DfB.-Platz standen sich eine Gießener Stadtmannschaft und eine Mannschaft der Wehrmacht gegenüber.

Gut eingeschlagen haben auch die Kombinationen, d. h. die Gegenüberstellungen von Fuß- und Hand­ballmannschaften. Es kamen teilweise ganz über­raschende Ergebnisse zustande. So schlug Grüningen im Handball die Fußballer mit 15:5 und errang an­schließend im Fußball ein ehrenvolles Unentschieden. An Spielergebnissen sind bis jetzt bekanntgeworden:

Gießener Stadtmannschaft Wehrmacht 8:7. Hörnsheim Lang-Göns 18:14.

Garbenheim Nauborn 22:7 (12:2). Lang-Göns Holzheim 4:2.

Atzbach Garbenheim Igd. 14:2 (7:1). Launsbach Krofdorf Igd. 2:0 (0:0). Hochelheim A Hochelheim B 9:9. Katzenfurt Wehrmacht 21:1 (14:0). Dornholzhausen Hörnsheim 18:8(!). Watzenborn-Steinberg Hausen 6:2 (3:1). Oberkleen Lang-Göns II 10:7.

Besuch bei den Schützen.

Der Schützenverein Gießen hatte seine Schießstände Den schießfreudigen Volksgenossen zur Verfügung ge­stellt. Schon am Sonntagmorgen waren die Freunde des Schießsports eifrig bei der Sache und leisteten auch hier ihren Beitrag für das Kriegs-Winterhilfs­werk. Auch am Nachmittag fanden sich noch zahl­reiche Schützen ein, die durch die Ableistung von Schießübungen ihr Scherflein für das große Opfer­werk beitrugen. Den erfolgreichen Schützen wurden je nach Leistung bronzene,silberne ober goldene Nadeln überreicht.

Guter Veitrag der Radfahrer.

Auch b-ie Radfahrer hatten sich zu den Veranstal­tungen für die erste Sammlung des WHW. 1940/41 mit ihren zur Verfügung stehenden Kräften, bereit» gestellt, um auch an ihrem Teile den Erfolg der Sammlung zu sichern. DasRundstreckenrennen um die Gießener Anlagen" war nicht nur ein Erfolg der Radfahrer, sondern auch der Gießener Polizei, die durch Gestellung des Lautsprecherwagens sowie sämtlicher zur Verfügung stehender Dolizeimann- schaften in altbekannter guter Weise aofperrte.

In der Klasse der Geschäftsradfahrer, welche 3 Runden zu fahren hatten, siegte Hammel in der Zeit von 19,13 Minuten, zweiter wurde Glock in der Zeit von 23,45 Minuten.

Klasse I von 1214 Jahren: Hier wurden die beiden Fahrer mit Tourenrädern mit Vorgabe ge­startet. Hans Werner hatte gleich beim Start Radschaden zu beheben und so einen größeren Zeit­verlust aufzuholen. Am Schluß der ersten Runde hatte er schon die Spitze übernommen, um sie nicht mehr abzugeben. Im Spurt siegte er vor Meh l. Ergebnis: 1. Haps Werner, Streifengefolgschaft, 24,15 Mn. 2. Mehl, Hochelheim, 24,18 Min. 3. Brück, Fähnlein II, 27,00 Min.

In der Klasse der 1416jährigen blieben die Fah­rer über die gesamte Strecke zusammen. Hier siegte Heyd, Fähnlein II, in der Zeit von 23,16 Mm. über Mehl, Hochelheim, mit 23,18 Mm

In der Klasse der Aktiven konnte Becker seine in Frankfurt gezeigte Form bestätigen. Er siegte in jeder Spurtrunde. Reuschling hatte gleich in der ersten Runde Radüefekt und siel so eine Runde zurück. Die bei jeder Runde eingelegten Wertungen trugen viel zur Belebung des Rennens bei. Ergeb­nis: Sieger Becker in 40,46 Min. mit 40 Punk­ten. II. Forster in 41,47 Min. mit 24 Punkten. III. Degen in 43,00 Min. mit 8 Punkten. IV. Bau­mann in 43,15 Mn. mit 0 Punkten. V. Kraft in 44,55 Min. mit 2 Punkten. VI. Reuschling in 46,22 Min. mit 14 Punkten.

Am Nachmittag konnten die Fahrer schon am Oswaldsgarten ihre Kunst zeigen.

Bei dem Umzug durch die Stadt halfen sie viele Besucher zum Schwanenteich bringen. Dort wurde im Radballspiel um die Stadtmeisterschaft in zwei Spielen gestartet. Das erste Spiel endete unent­schieden 9:9 Toren. Beim zweiten Spiel siegte die Mannschaft Deibel-Don Eiff, Willi, mit 9:5 Toren über die Mannschaft Stvmmel^VonEiff, Otto, und wurde somit Stadtmeister.

Die Kunstfahrer zeigten, daß sie trotz langer Ruhepause immer noch die hohe Kunst des Rades beherrschen. Ihre Vorführungen wurden vom Pu­blikum mit lautem Beifall belohnt.

scheine bis zum Ende 1940 noch möglich fein, jedoch kann mit Beginn des Jahres 1941 nicht mehr mit weiteren Zuteilungen gerechnet werden. Aus dem gleichen Grunde muß jede neue Ausgabe von Futter­mittelscheinen für mchtlandwirtschaftliche Schweine­halter ab sofort unterbleiben. Die Einstellung von Ferkeln ober Läufern zur Mast soll nur vorgenom- men werden, wenn die Mast mit Futtermitteln durchgeführt werden kann, die ohne Zukauf zur Verfügung stehen.

Fahren zur Nachtzeit ohne Licht ist verboten.

Wiederholte Wahrnehmungen in letzter Zeit, daß nach Eintritt der Dunkelheit Fahrzeuge ohne jegliche Beleuchtung die Straßen befahren, veranlassen die zuständigen Stellen, auf § 18 der 8. Durchführungs­verordnung zum Luftschutzgesetz hinzuweisen. Danach sind alle die Straßen zur Nachtzeit benutzenden Ver­kehrsmittel zu beleuchten und an den unbedingt verkehrsnotwendigen Lichtquellen Verdunkelungs- maßnahmen durchzuführen. Fahrzeughalter, die nach Eintritt der Dunkelheit ihr Fahrzeug auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ohne beleuchtet zu haben benutzen, machen sich strafbar. Die lieber* wachungsorgane find angewiesen, solche die Sicher­heit gefährdenden Verfehlungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Insbesondere müssen landwirt­schaftliche Gefährte nach Einbruch der Dunkelheit be­leuchtet und abgeblendet fein.

Die Verwertung von Wildbeeren.

Das tat sich am Schwanenteich.

Da haben die Gießener gestaunt, als sich am frühen Sonntagnachmittag vom Oswaldsgarten her hinter dem Lautsprecherwagen der Polizei ein langer Zug von Fahrzeugen, die an sich nichts auf der Straße zu suchen haben, nach dem Schwanenteich bewegte. Zunächst kam hinter den Fahnen ein Schi­läufer, der seine Bretter mit Rollen versehen hatte und allerhand Kapriolen ausführte, als hätte er den schönsten Pulverschnee vor sich. Ihn begleitete eine Reihe junger Rollschuhläuferinnen, denen, auf dem Hinterrad aufgebaut, die Kunstradfahrer folgten. Dann kamen die Paddler mit einer großen Anzahl von aufgebauten Booten und zum Schluß die Ru­derer mit einem hochbeladenen Bootswagen.

Am Schwanenteich hatte sich eine nach Tausen­den zählenden Menge eingefunden, um den Dar­bietungen bei dieser Schauveranstaltung des NSRL. zu folgen.

Unter Leitung der Bezirksfachwarte für Kanu (Dr. Schwarzmaier), Radsport (August Deibel), Rollsport und Sommerspiele (Dr. Pfeffer) und Schi- sporr (Fritz Dörfner) wickelte sich in rascher Auf­einanderfolge ein reichhaltiges Programm ab. Die Gießener Radfahrvereinigung, die mit ihren zum Teil stark bejahrten Kämpen erneut unter Beweis stellte, daß Radfahren jung erhält, brachte zwei Radballspiele und ein Diererkunstfahren. Die zahl­reichen Darbietungen der Rollschuhläufer haben durch ihre Schönheit und Anmut entzückt, und bei manchem Jungen und manchem Mädel das Intex- esse für diesen alten und jetzt wieder jung werden­den Sport geweckt. Besonderen Spaß machte ein Wettlauf zwischen dem Rollschi- und einem jungen Rollschuhläufer, den zwar der letztere mit Leichtig» leit gewann, auch wenn der Rollschier nicht unter- wegs gestürzt wäre, der aber zeigte, wie doch dem Schiläufer auch auf dem trockenen Erdboden durch den neuen Rollschi vielerlei Uebungs- und Betäti­gungsmöglichkeiten gegeben find. Zwischendrin brach­ten die Turnerinnen des Mto. und des Tv. 1846 ein interessantes und spannendes Korbballspiel und zeigten vielgestaltige Sprungübungen am Kasten.

Neben all diesen Vorführungen auf der Rollschuh­bahn herrschte lebhaftes Treiben auf dem Schwa­nenteich selbst. Die Paddler führten vier Kurz- strecken-Rennen und eine Staffette durch, über die am Dienstag ausführlich berichtet wird (2. Gießener Kanu-Stadtmeisterschaften). Zwischendurch dursten die Kinder fürs WHW. auf dem Teich Boot fahren. Die Ruderer des RuderklubsHaffia" brach­ten verschiedene Uebungsläufe zur Schau, denen bei späterer Gelegenheit wohl auch einmal die erste Aus­schreibung von Kurzstrecken-Rennen folgen werden. Ueberhaupt haben die Gießener Wassersportler jetzt endlich zum erstenmal entdeckt, daß man auch auf dem Schwanenteich, also an einer für die Gießener Bevölkerung zugänglichen Stelle, ernsthafte Veran­staltungen aufziehen kann. Man war zwar anfäng­lich etwas im Zweifel, was die alteingebürgerten Schwäne zu dieserInvasion" sagen würden, aber

sie haben das einzig Richtige gemacht: Als das erste Kanu-Rennen stieg, starteten sie schön in Linie ausgerichtet vorneweg, beendeten unter dem Beifall der Menge als überlegene Sieger den Lauf und hielten sich dann stolz während des ganzen Nach­mittags abseits.

Während dieser ganzen Vorführungen an und auf dem Schwanenteich klapperten die Büchsen in der Zuschau er menge, die gerne den Beutel zückte.

Dornotizen.

Tageskaleuder für Montag.

Glyria-Palast, Seltersweg:Trenck, der Pandur". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Rakoczy-Marsch".

Ortszeit für den 24. September.

Sonnenaufgang 7.14 Uhr, Sonnenuntergang 19.19 Uhr. Monduntergang 14.39 Uhr, Mondaufgang 23.48 Uhr. Letztes Viertel 19.47 Uhr. Mond in Nord­wende.

Die Sprechstunden der DAF., Abteilung für Be­rufserziehung und BetriebsführunA Gießen, werden ab sofort Montags und Freitags von 17 Uhr auf 19 Uhr verlängert. Anmeldun­gen zu Lehrgemeinschaften können insbesondere von den Arbeitskameraden abgegeben werden, die erst nach 17 Uhr kommen können. Dauer der Sprech­stundenverlängerung bis 11. Oktober 1940 ein­schließlich. 4183D

Wer erhält Genehmigung zur Hausschlachtung?

In der Hallsschlachtungszeit 1940/41 werden die­jenigen nichtlandwirtschaftlichen Selbstversorger, die bereits in der Hausschlachtungszeit 1938/39 und 1939/40 Hausschlachtungen in entsprechendem Um­fange vorgenommen haben, eine Hausschlachtungs- genehMigung erhalten, wenn sie die zur Schlachtung bestimmten Tiere selbst gehalten unb gefüttert ha­ben. Wer 1938/39- und 1939/40 keine Hausschlach- tung vorgenommen hat, erhält in der Haus'schlach- tungszeit 1940/41 eine Ausnahmegenehmiaung nur dann, wenn er das zur Hausschlachtung bestimmte Tier nicht nur selbst gehalten und gefüttert hat, sondern 'hierfür auch Futtermittel verwendete, die ihm ohne Zukauf zur Verfügung standen. Das gleiche gilt für nichtlandwirtschaftliche Selbstversor­ger, die in der Hausschlachtungszeit 1939/40 eine Hausschlachtung auf Grund einer Ausnahmegeneh- mgung vorgenommen haben, weil sie für 1938/39 keine Hausschlachtung nachweisen konnten. Diese Be­schränkungen von Hausschlachtungsgenehmigungen auf nichtlandwirtschaftliche Schweinehalter, die mit selbstgewonnenen Futtermitteln mästen, ist notwen­dig. Zwar wird voraussichtlich die Futtermittelzutei- lung aus die bereits ausgegebenen Futtermittel-

Dis Verwertung von wildwachsenden Früchten ist leider zum großen Teil in Vergessenheit gera­ten. Dabei lassen sie sich wegen ihres feinen Aromas und würzigen Geschmacks vielseittg in der Küche verwenden. Wildfrüchte sind reich an Nährstoffen und Vitaminen.

Das gilt vor allem für Hagebutten, die zu unse­ren hochwertigsten heimischen Früchten gehören, das wichtige Vitamin C bleibt selbst in den getrockne­ten Früchten bis in die Frühjahrsmonate erhalten. Man kann sowohl dis ganzen, als auch die halbier­ten Früchte trocknen, muß jedoch auf alle Fälle die Kerne und Härchen auskratzen. Eine andere Form der Haltbarmachung besteht darin, daß man die Früchte zu Kompott, Marmelade oder Mus verar­beitet. Zu Tunken, Suppen, Süßspeisen aller Art werden frische unb getrocknete und vorgeweichte Früchte verwandt.

Aehnlich vielseittg lassen sich Brombeeren ver­wenden. Brombeersaft, der mit oder ohne Zucker eingemacht werden kann, ergibt ein erfrischendes und wohlschmeckendes Getränk, ausgezeichnet schmeckt auch Brombeermus und -gelee. Außerdem verar­beitet man die Früchte zu Kompott, Tunken und den verschiedensten Süßspeisen.

Holunderbeeren, die in manchen Gegenden auch Fliederbeeren genannt werden, ergeben, mit ober ohne Zucker eingemacht, einen guten Saft für win­terliche Getränke, Suppen u. bgl. Wohlschmeckend ist auch eingemachtes Holundermus, das man jedoch, ebenso wie den Saft, nicht zu lange kochen lassen darf, da es sonst leicht einen bitteren Geschmack annimmt. Außerdem können die Beeren in Gläsern sterilisiert werden.

Die Früchte der süßen Eberesche (Vogelbeere) ver­wertet man auf ähnliche Art wie Preißelbeeren. Sie werden entweder in Gläsern sterilisiert, ober zu Mus, Gelee und Saft verarbeitet.

** Vom BD M.- Untergau 116 wird mit- geteilt: Von den Mädeln der Jahrgänge 1921/22 können doch Anträge zur Aufnahme in die Partei gestellt werden. Die Meldungen sind bis zum 1.10. 40 spätestens an den Untergau zu richten. Nachmeldun­gen können nicht mehr angenommen werden. B D M.- Gruppe 2/116 (Mitt e): Mittwoch, 25.9., treten alle Mädel zum Gruppenappell um 19.45 Uhr am Uhlheim an. Erscheinen ist Pflicht. Alle Beurlaubungen fallen für diesen Abend aus.

Oer Revolver in Kinderhand.

* Nidda, 22. Sept. Ein folgenschwerer Unglücks­fall ereignete sich am gestrigen Samstagnachmittag in dem benachbarten Unter-Widdersheim. Dort hantierten zweiJungenim Alter von etwa 12 Jahren mit einem Revolver, der ihnen in der Wohnung des einen Jungen in die Hände gefallen war. Bei einem Versuch, die gefährliche Waffe zu be­sichtigen, krachte plötzlich ein Schuß, wobei d i e Kugel dem einen Jungen in d i e Brust drang. Der schwerverletzte Junge mußte mit einem Steckschuß in der Brust von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach Gießen in die Chirurgische Klinik übergeführt werden.

ihre Angehörigen ihn schmähten, schlecht über ihn redeten.

Aber in dieser Stunde ist ihr kalt und spöttisch erklärt worden, baß sie keine Ursache hat, stolz zu sein unb kein Recht auf ihn... Völlig rechtlos ist sie. Wenn sie geglaubt hat, ihn vor bÄn Untergang bewahrt zu haben, der neue Halt zum Leben, der Ansporn zum Vorwärtskommen zu sein, ach, wie anders wird das gesehen, und ist es nicht auch wirklich ganz anders? Eben ist ihr schonungslos klargemacht worden, daß es durchaus keine Selbst­losigkeit gewesen ist, o nein! Etwas ganz anderes. Sie will ihm zum Hindernis, zur Last werden, zur Fessel, die ihn aufßebws3eit in Dürftigkeit und Niedrigkeit bindet.

Nein, das will sie nicht! Aber was bleibt ihr, wenn er ihr genommen wird?... Was danach kommt, ist nicht zu ertragen.

Was sagte die Frau, die wie eine Märchenprin- Zessin aussieht die Frau, die Klaus so geliebt hatte, daß er einem, der sie ihm nehmen wollte, ans Leben ging... Die Frau, die ihn heute noch liebt, denn sie gibt ihn ja nicht frei. Was auch zwi­schen ihnen stehe, sagte sie, eine lebenslängliche Ge­bundenheit an Armut, Niedrigkeit, an einen Men­schen, der unter ihm stehe ja, so meinte die ver- wöhnte Frau das mit ihren Reden, und das ist ihr wohl das Allerärgste, was den Mann treffen kann bas wünsche sie ihm doch nicht. Und solche Anschauungen, wie auch die chr so ganz unbekannte Welt, ün die sie eben verstört einen Blick hineinge­tan hatte, die waren Klaus nicht fremd wie ihr; er war drinnen daheim gewesen. Mit lächelndem Hohn war chre Behauptung, sie gelte ihm jetzt nichts mehr, zurückgewiesen worden.

Es ist schwer, zu glauben, sie kennt Klaus an­ders. Aber kennt sie ihn ganz? Ja, sie weiß, er ist gut und ist ihr dankbar. Er hat sie sehr lieb sie will nicht irre an ihm werden. Aber dennoch, ihr ist, als entgleite er ihr. Es ist so schrecklich, ihr Herz krampst sich in Angst, sie möchte die Hände nach chm strecken, denn sie fühlt, sie verliert jeden Haft aber er ist nicht da.

In immer tiefere Verstörtheit verliert sich Marta Ellrich. Das keimende Leben in ihr zehrt an ihrer Nervenkraft. Nach diesem vergeblichen Bittgang fühlt sie sich viel mehr erniedrigt, als durch die Vorwürfe unb BeWmpfu^n. die sie Paheim täg-.

lich über sich ergehen lassen muß, durch die hämische Neugier und den Klatsch, der sie umgibt. Sie ist ganz plötzlich am Ende ihrer Fähigkeit, das alles zu ertragen. Wach und lebendig ist wieder, was sie schon einmal durchlitten hat, als sie fast noch ein Kind mar. Aber jetzt hat sie nicht mehr die Un­erfahrenheit unb Unkenntnis des Lebens, die sie da­mals davor bewahrte, die ganze Schwere unb Bit­terkeit ihres Schicksals zu erfassen. Jetzt muß sie die Last der Verantwortung tragen, muß den bitteren Kelch bis zum Grunde leeren und fühlt, sie trinkt sich den Tod daran.

Aber noch eins ist anders: Damals hat sie vor dem Sterben Angst gehabt; heute fürchtet sie sich vor dem Leben.

15. Kapitel.

Der für Hans Bergholz unerträglich gewordene Zustand ist endlich überstanden: Erna ist fort.

Er fühlt sich mübe und zerschlagen. Zwischen zwei Frauen hat er gestanden, und sie waren zu Gewalten für ihn geworden, die ihn zu zerreiben drohten. Dieser Gefahr ist er noch rechtzeitig entronnen meint er.

Noch bevor Erna von chm gegangen ist, hat er sich von der anderen, dem schillernden Phantom, losgesagt. Dietmuthe Röhl hat ihn so schlecht be­handelt, daß ihm nichts anderes übrigblieb, als sie zu meiden.

fjrau Gehrke hat mit Hilfe des Hausmädchens ein großes Aufräumen und Einpacken in der von ihrer Tochter verlassenen Wohnung Dorgenommen. Bergholz findet nach einem Tag angestrengter Ar­beit die Räume fast leer, findet sie von allem ent­blößt, was sie behaglich machte.

Er durchschreitet die ausgeräumten Zimmer und fuhrt Selbstgespräche, verstummt, weil ihm die ei­gene Stimme auch beim nur halblauten Reden son­derbar fremd und hallend in der Leere klingt.

Das Mädchen Lina entläßt er mit einem Geld­geschenk, das sie ein wenig über die gehabten Auf­regungen der vergangenen Monate entschädigen soll. Dann nimmt er eine Frau in reiferen Jahren die Witwe eines kleinen Beamten zur Besor­gung des sehr zusammengeschrumpften Haushalts an.

(LMchyyS folgte.