Wenn -ie Sirenen heulen.
Oie Vorarbeiten der Warnzentrale.- Verantwortungsbewußte Entschließungen
Im äußersten Westen. Wer drückt den Knopf, der alle Warnsirenen bei drohender Luftgefahr heulen läßt? Die Sirenenleute haben einen großen Teil ihrer Arbeit schon getan, wenn die Sirenen erst das Signal für das breite Publikum geben. Vorangegangen find Meldungen an die Abwehrformationen. Der Sirenen-Stoßklang ist erst „das letzte Wort" der Warnaktion.
In einer Warnzentrale darf es eines am allerwenigsten geben: Aufregung. Wir durchschreiten einen Bereitschaftsraum für den Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD.). Dann kommt eine Art amerikanischen Büros, das — wie der Leser weiß — einen großen Raum bildet und nicht in Einzelkabinen zerfällt. In diesem ist der Vorderteil dem „Bürochef" und seinen nächsten Mitarbeitern vorbehalten. Hier werden die Meldungen von auswärts ausgenommen; hier hängen die großen Karten und Pläne, auf denen die Meldungen „ausgewertet", d. h. nach einer sinnvollen Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Grund der Einzelmeldungen gedeutet werden; hier werden auch feindliche Aktionen außerhalb des eigenen Warngebietes verzeichnet, um ein Gesamtbild zu gewinnen. In dieser Chefabteilung der Warnzentrale befindet sich endlich der bewußte, ominöse Hebel, der die Sirenen auf Kommando ertönen läßt; aber auch der andere Hebel, der „Entwarnung" ankündigt. Die Apparatur ist ganz klein, etwa wie ein Kofferempfänger.
Aber es ist noch lange nicht so weit, daß dieses Hebelwerkchen bedient werden könnte. Nach den ersten Meldungen wird ein Vor bericht auch an Wirtschaftskreise gegeben. Lebenswichtige Betriebe können gelegentliche Lichtwirkungen manchmal nicht vermeiden, z. B. Kokereien, Stahlwerke, vielleicht auch vordringliche Bauarbeiten. Der Vorbericht soll eine rechtzeitige Drosselung oder umgekehrt eine Beschleunigung der Arbeit gestatten. Dann kommt noch eine Spezialmeldung, die aus Grund neuer Einzelergebnisse eingehendere Nachrichten über Anflugrichtung und vermutliche
Ankunftszeit enthält. Die einzelnen Betriebsleiter find bereits entsprechend „eingeschustert", um auf Grund dieser Tropfenmeldungen ihre Entschließung unter eigener Verantwortung fassen zu können.
Und hier ist auch der Augenblick gegeben, wo der zweite Teil des „amerikanischen Büros" unserer Warenzentrale in Tätigkeit tritt. Hinter einer Schranke sitzt ein Dutzend weiblicher Hilfskräfte, die sich mit Handarbeiten die Zeit vertreiben. Da^ertönt der Anruf des „Bürochefs", und nun sinken im Nu Nadeln und Strickzeug auf die Tischplatte und im nächsten Augenblick sprechen die 12 Damen an ihren Apparaten die jeweiligen Warnmeldungen an den angeschlossenen Kreis von Sonderinteressenten durch. Wort für Wort wiederholen sie die kurzen Warn- melbungen des Leiters, der ganz langsam und sehr deutlich Wort für Wort spricht. Trotzdem dauert die Durchgabe einer Warnmeldung nur etliche Sekunden.
Und nun erst kommt der Augenblick, in dem der Leiter der Warnzentrale nach einem letzten prüfenden Blick auf Karten und Pläne den Hebel herunterdrückt: jetzt heulen die Sirenen. Es ist bis zum l e tz te n Augenblick gewartet worden. Der Leiter der Warnzentrale entscheidet nach eigenem Ermessen, nach eigenem Fingerspitzengefühl und selbstverständlich auch nach den Tatsachenberichten. Er hat jede Warnungzu verantworten, er muß ein Mann des klaren Kopfes und der ruhigen Hand fein.
Aber gerade hier, im äußersten Westen, merken wir, wie gut es ist, daß das Vorgelände der deutschen Warnzentrale h i n a u s g e r ü ck t ist. Wir find an der Gegenküste Englands. Der Engländer ist auf seine eigenen Küsten zurückgeworfen. Wir beobachten länger, wir beobachten auch intensiver den feindlichen Anflug. Die berühmten Generalstabsbesprechungen, die für England Horchposten in Belgien und den Niederlanden vorsahen, sind durch die Ereignisse überholt.
Oie Aufrüstung der LtGA
N e u y o r k, 22. Sept. (Europapreß.) Das Mitglied des nationalen Verteidigungsrates der Vereinigten Staaten, William Knudsen, das von Roosevelt mit der Führung der industriellen Aufrüstung betraut worden ist, nannte auf einer gemeinsamen Tagung nordamerikanischer und kanadischer Bürgermeister die Aufrüstung der Vereinigten Staaten das größte Verteidigungsprogramm, das seit dem Weltkrieg aufgestellt worden sei. Obwohl die Mittel zur Verwirklichung bereitstünden, werde dje Ausführung in dem gewünschten Zeitraum dadurch behindert, daß Werkzeuge und Facharbeiter nicht in genügener Zahl vorhanden seien. Flugzeugmotorenwerke brauchten 9 bis 14 Monate vom Baubeginn bis zur Inbetriebnahme. Das amerikanische Volk müsse deshalb bei der Beurteilung der Ergebnisse der Aufrüstung Geduld zeigen.
Das Mitglied des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Clark, beschäftigte sich mit der Abgabe von 4 0 0 Tanks an Kanada. Er erklärte, daß, wenn diese Tanks für Kanada brauchbar seien, sie auch für die Vereinigten Staaten brauchbar sein müßten. Clark teilte auch die Absicht Roosevelts mit, die sogenannten Fliegenden Festungen — besonders stark bewaffnete und geschützte Kampfflugzeuge — England zu überlassen. Auch gegen diese Absicht hat sich Clark gewandt und die Fliegenden Festungen als das wertvollste Verteidigungsmittel der westlichen Hemisphäre bezeichnet.
Der Plan der Errichtung eines neuen Stützpunktes für halbstarre Luftschiffe in Florida wurde vom Marinedepartement angekündigt. Ein Ausschuß soll das geeignete Gelände aussuchen. Der Kongreß hat den Bau von 48 halbstarren Luftschiffen genehmigt.
Bulgarien - besetzt die Güddobrudscha.
Sofia, 21. September. (Europapreß.) Die bulgarische III. Armee hat am Samstag um 9 Uhr die bisherige bulgarisch-rumänische Grenze der Do- brudscha an zahlreichen Punkten überschritten, um die erste Zone mit den Städten Balcic und Tutracan zu besetzen. Im Augenblick des Einmarsches läuteten die Glocken in ganz Bulgarien. Vor dem Einmarsch wurde von den Truppenkommandeuren ein Armeebefehl des Königs verlesen, in dem es heißt: „Die Dobrudscha kehrt zum Mutterland auf Grund des Vertrages von Craiova zurück, der im Namen der Gerechtigkeit, des Friedens und der Zukunft freiwillig zwischen Rumänien und Bulgarien abgeschlossen worden ist. Euch fiel das Glück zu, durch die Schlachtfelder Eurer Väter und Großväter zu marschieren, die die bulgarische Fahne mit unsterblichem Ruhm bedeckten. Unser Recht auf die Dobrudscha gründet sich nicht nur auf die Tatsache, daß sie uns entrissen wurde, sondern auch auf das dort vergossene bulgarische Blut."
Am Grenzstein fand eine Begegnung zwischen dem Kriegsstlinister General Daskaloff und dem rumänischen Obersten Canttnescu von Tutracan statt. Der Kriegsminister erklärte: „Es handelt sich um einen Akt der Gerechtigkeit, der die guten Beziehungen zu Rumänien wieder Herstellen wird." — Das S o - b r a n j e hat in einer Festsitzung den Vertrag von Craiova einstimmig angenommen. Ministerpräsident Filoff erklärte, die revisionistische Haltung der bulgarischen Regierung habe seinerzeit ihren Ausdruck darin gefunden, daß sie den Beittitt zum Balkanbund ablehnte. Sje habe auch nach dem Ausbruch des gegenwärttgen Krieges ihre Hand- lungsfreiheit behalten und an der Politik des Frie
dens und der Neutralität feftgehalten. Diese Politik war nicht ohne Risiko; doch das Volk habe sie überstanden und dafür Opfer gebracht. Ihr Ergebnis liege heute vor. Die günstige Lösung verdanke Bulgarien der freundschaftlichen Unterstützung durch die Führer des Deutschen und italienischen Volkes. Das Werk von Craiova fei ein Teil der Politik der Achsenmächte zur Bewahrung des Friedens auf dem Balkan und ein Ausdruck der Bemühungen zur Neuordnung des Kontinents auf der Basis der Gerechtigkeit und der Lebensinteressen der Völker. Die Verhandlungen in Craiova seien im Zeichen der "Verständigung geführt worden. Sie hätten die Möglichkeit geboten zur Erneuerung der traditto-
nellen Freundschaft zwischen beiden Nachbarn, die bis 1919 von keinem Schatten getrübt worden sei. Die Wiederherstellung dieser Beziehungen fei eiye Garantie für den Frieden auf dem Balkan.
Aus aller Welt.
Erste S2L-6unbgebung in Straßburg.
In Straßburg wurde jetzt die erste Kundgebung der SA. veranstaltet, auf der der Führer der SA.- Gruppe Südwest, SA.-Obergruppenführer Lud in, zu über 2000 Männern der alten deutschen Stadt sprach. Zum größten Teil waren die Männer ehemalige Soldaten der alten deutschen Armee des Weltkrieges, die vor Jahresfrist gezwungen wurden, für art- und volksfremde Interessen zu kämpfen und gegen ihre eigenen Brüder anzutreten.
Neunzehn Tote bei einem Fährunglück auf der Rhone.
Ein schweres Fährunglück hat sich auf der hoch- gehenden Rhone bei Momtelimar ereignet. Mindestens neunzehn Personen fanden den Tod in den reißenden Fluten. Es handelt sich hauptsächlich um Schüler im Alter von acht bis vierzehn; Jahren, die auf dem Heimweg von der Schule begriffen waren. 23 Personen konnten gerettet werden, von denen nur fünf des Schwimmens kundig waren. Nach Augenzeugenberichten hat sich das Unglück bei herrlichem Sonnenschein abgespielt. Es sei nach 11 Uhr am Vormittag gewesen, als sich die Fähre zu ihrer Unglücksfahrt in Bewegung setzte. Als sich ein Seil der Fähre verwickelt habe, sei dies von stiemand tragisch genommen worden. Plötzlich aber sei die Fähre in die Höhe gerissen worden. Sämtliche Insassen seien ins Wasser gestürzt. Bei der Unglücksfähre handelte es sich um ein provisorisch hergerichtetes Fahrzeug, das aus einem über zwei Boote gelegten Floß gebildet worden war. Die Fähre hatte ständig einen großen Verkehr zwischen Montelimar und le Teil zu bewältigen, weil die große Rhonebrücke kurz vor dem Waffenstillstand von fliehenden französischen Truppen vernichtet worden war.
Kindesraub in Kalifornien.
In Hillsborough (Kalifornien) entführten zwei bewaffnete Räuber einen drei Jahre alten Jungen, als er in der Nähe der elterlichen Wohnung von seinem Kindermädchen ausgeführt wurde. Es handelt sich um den Sohn des französischen Grafen Marc de Tristan. Von den bewaffneten Räubern fehlt bisher jede Spur., Jedoch cfefjt aus einer in der Presse von San Franzisko erschienenen Anzeige hervor, daß die Familie des entführten Kindes bereit ist, den brieflichen Forderungen des Verbrechers zu entsprechen und die Auslösungssumme von 1 0 0 00 0 Dollar zu zahlen. Wie in allen derartigen Fällen, stellt die U§^.-Polizei vorläufig die Verfolgung des Verbrechens ein, bis die Auslieferung des Kindes erfolgt ist. Indessen weilt jedoch der Leiter der bundesstaattichen Geheimpolizei, Edgar Hoover, bereits in San Franzisko.
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