Ausgabe 
23.9.1940
 
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Wenn -ie Sirenen heulen.

Oie Vorarbeiten der Warnzentrale.- Verantwortungsbewußte Entschließungen

Im äußersten Westen. Wer drückt den Knopf, der alle Warnsirenen bei drohender Luftgefahr heulen läßt? Die Sirenenleute haben einen großen Teil ihrer Arbeit schon getan, wenn die Sirenen erst das Signal für das breite Publikum geben. Vorangegan­gen find Meldungen an die Abwehrformationen. Der Sirenen-Stoßklang ist erstdas letzte Wort" der Warnaktion.

In einer Warnzentrale darf es eines am aller­wenigsten geben: Aufregung. Wir durchschreiten einen Bereitschaftsraum für den Sicherheits- und Hilfs­dienst (SHD.). Dann kommt eine Art amerikanischen Büros, das wie der Leser weiß einen großen Raum bildet und nicht in Einzelkabinen zerfällt. In diesem ist der Vorderteil demBürochef" und seinen nächsten Mitarbeitern vorbehalten. Hier werden die Meldungen von auswärts ausgenommen; hier hän­gen die großen Karten und Pläne, auf denen die Meldungenausgewertet", d. h. nach einer sinnvollen Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Grund der Einzelmeldungen gedeutet werden; hier werden auch feindliche Aktionen außerhalb des eigenen Warngebietes verzeichnet, um ein Gesamtbild zu gewinnen. In dieser Chefabteilung der Warnzentrale befindet sich endlich der bewußte, ominöse Hebel, der die Sirenen auf Kommando ertönen läßt; aber auch der andere Hebel, derEntwarnung" ankündigt. Die Apparatur ist ganz klein, etwa wie ein Koffer­empfänger.

Aber es ist noch lange nicht so weit, daß dieses Hebelwerkchen bedient werden könnte. Nach den ersten Meldungen wird ein Vor bericht auch an Wirtschaftskreise gegeben. Lebenswichtige Be­triebe können gelegentliche Lichtwirkungen manch­mal nicht vermeiden, z. B. Kokereien, Stahlwerke, vielleicht auch vordringliche Bauarbeiten. Der Vor­bericht soll eine rechtzeitige Drosselung oder umge­kehrt eine Beschleunigung der Arbeit gestatten. Dann kommt noch eine Spezialmeldung, die aus Grund neuer Einzelergebnisse eingehendere Nachrichten über Anflugrichtung und vermutliche

Ankunftszeit enthält. Die einzelnen Betriebsleiter find bereits entsprechendeingeschustert", um auf Grund dieser Tropfenmeldungen ihre Entschließung unter eigener Verantwortung fassen zu können.

Und hier ist auch der Augenblick gegeben, wo der zweite Teil desamerikanischen Büros" unserer Warenzentrale in Tätigkeit tritt. Hinter einer Schranke sitzt ein Dutzend weiblicher Hilfskräfte, die sich mit Handarbeiten die Zeit vertreiben. Da^ertönt der Anruf desBürochefs", und nun sinken im Nu Nadeln und Strickzeug auf die Tischplatte und im nächsten Augenblick sprechen die 12 Damen an ihren Apparaten die jeweiligen Warnmeldungen an den angeschlossenen Kreis von Sonderinteressenten durch. Wort für Wort wiederholen sie die kurzen Warn- melbungen des Leiters, der ganz langsam und sehr deutlich Wort für Wort spricht. Trotzdem dauert die Durchgabe einer Warnmeldung nur etliche Sekun­den.

Und nun erst kommt der Augenblick, in dem der Leiter der Warnzentrale nach einem letzten prüfen­den Blick auf Karten und Pläne den Hebel her­unterdrückt: jetzt heulen die Sirenen. Es ist bis zum l e tz te n Augenblick gewartet worden. Der Leiter der Warnzentrale entscheidet nach eigenem Ermessen, nach eigenem Fin­gerspitzengefühl und selbstverständlich auch nach den Tatsachenberichten. Er hat jede Warnungzu verantworten, er muß ein Mann des klaren Kopfes und der ruhigen Hand fein.

Aber gerade hier, im äußersten Westen, merken wir, wie gut es ist, daß das Vorgelände der deutschen Warnzentrale h i n a u s g e r ü ck t ist. Wir find an der Gegenküste Englands. Der Eng­länder ist auf seine eigenen Küsten zurückgeworfen. Wir beobachten länger, wir beobachten auch inten­siver den feindlichen Anflug. Die berühmten Gene­ralstabsbesprechungen, die für England Horchposten in Belgien und den Niederlanden vorsahen, sind durch die Ereignisse überholt.

Oie Aufrüstung der LtGA

N e u y o r k, 22. Sept. (Europapreß.) Das Mit­glied des nationalen Verteidigungsrates der Ver­einigten Staaten, William Knudsen, das von Roosevelt mit der Führung der industriellen Auf­rüstung betraut worden ist, nannte auf einer ge­meinsamen Tagung nordamerikanischer und kana­discher Bürgermeister die Aufrüstung der Vereinigten Staaten das größte Verteidigungsprogramm, das seit dem Weltkrieg aufgestellt worden sei. Obwohl die Mittel zur Verwirklichung bereitstünden, werde dje Ausführung in dem gewünschten Zeitraum dadurch behindert, daß Werkzeuge und Fach­arbeiter nicht in genügener Zahl vorhanden seien. Flugzeugmotorenwerke brauchten 9 bis 14 Monate vom Baubeginn bis zur Inbetriebnahme. Das ameri­kanische Volk müsse deshalb bei der Beurteilung der Ergebnisse der Aufrüstung Geduld zeigen.

Das Mitglied des Senatsausschusses für auswär­tige Angelegenheiten, Clark, beschäftigte sich mit der Abgabe von 4 0 0 Tanks an Kanada. Er erklärte, daß, wenn diese Tanks für Kanada brauchbar seien, sie auch für die Vereinigten Staa­ten brauchbar sein müßten. Clark teilte auch die Absicht Roosevelts mit, die sogenannten Fliegen­den Festungen besonders stark bewaffnete und geschützte Kampfflugzeuge England zu überlassen. Auch gegen diese Absicht hat sich Clark gewandt und die Fliegenden Festungen als das wertvollste Verteidigungsmittel der westlichen Hemisphäre bezeichnet.

Der Plan der Errichtung eines neuen Stütz­punktes für halbstarre Luftschiffe in Florida wurde vom Marinedepartement angekün­digt. Ein Ausschuß soll das geeignete Gelände aus­suchen. Der Kongreß hat den Bau von 48 halb­starren Luftschiffen genehmigt.

Bulgarien - besetzt die Güddobrudscha.

Sofia, 21. September. (Europapreß.) Die bul­garische III. Armee hat am Samstag um 9 Uhr die bisherige bulgarisch-rumänische Grenze der Do- brudscha an zahlreichen Punkten überschritten, um die erste Zone mit den Städten Balcic und Tutracan zu besetzen. Im Augenblick des Einmar­sches läuteten die Glocken in ganz Bulgarien. Vor dem Einmarsch wurde von den Truppenkomman­deuren ein Armeebefehl des Königs ver­lesen, in dem es heißt:Die Dobrudscha kehrt zum Mutterland auf Grund des Vertrages von Craiova zurück, der im Namen der Gerechtigkeit, des Frie­dens und der Zukunft freiwillig zwischen Rumänien und Bulgarien abgeschlossen worden ist. Euch fiel das Glück zu, durch die Schlachtfelder Eurer Väter und Großväter zu marschieren, die die bulgarische Fahne mit unsterblichem Ruhm bedeckten. Unser Recht auf die Dobrudscha gründet sich nicht nur auf die Tatsache, daß sie uns entrissen wurde, sondern auch auf das dort vergossene bulgarische Blut."

Am Grenzstein fand eine Begegnung zwischen dem Kriegsstlinister General Daskaloff und dem rumäni­schen Obersten Canttnescu von Tutracan statt. Der Kriegsminister erklärte:Es handelt sich um einen Akt der Gerechtigkeit, der die guten Beziehungen zu Rumänien wieder Herstellen wird." Das S o - b r a n j e hat in einer Festsitzung den Vertrag von Craiova einstimmig angenommen. Ministerpräsident Filoff erklärte, die revisionistische Haltung der bulgarischen Regierung habe seinerzeit ihren Aus­druck darin gefunden, daß sie den Beittitt zum Balkanbund ablehnte. Sje habe auch nach dem Ausbruch des gegenwärttgen Krieges ihre Hand- lungsfreiheit behalten und an der Politik des Frie­

dens und der Neutralität feftgehalten. Diese Politik war nicht ohne Risiko; doch das Volk habe sie über­standen und dafür Opfer gebracht. Ihr Ergebnis liege heute vor. Die günstige Lösung verdanke Bul­garien der freundschaftlichen Unterstützung durch die Führer des Deutschen und italienischen Volkes. Das Werk von Craiova fei ein Teil der Politik der Ach­senmächte zur Bewahrung des Friedens auf dem Balkan und ein Ausdruck der Bemühungen zur Neuordnung des Kontinents auf der Basis der Ge­rechtigkeit und der Lebensinteressen der Völker. Die Verhandlungen in Craiova seien im Zeichen der "Verständigung geführt worden. Sie hätten die Möglichkeit geboten zur Erneuerung der traditto-

nellen Freundschaft zwischen beiden Nachbarn, die bis 1919 von keinem Schatten getrübt worden sei. Die Wiederherstellung dieser Beziehungen fei eiye Garantie für den Frieden auf dem Balkan.

Aus aller Welt.

Erste S2L-6unbgebung in Straßburg.

In Straßburg wurde jetzt die erste Kundgebung der SA. veranstaltet, auf der der Führer der SA.- Gruppe Südwest, SA.-Obergruppenführer Lud in, zu über 2000 Männern der alten deutschen Stadt sprach. Zum größten Teil waren die Männer ehe­malige Soldaten der alten deutschen Armee des Weltkrieges, die vor Jahresfrist gezwungen wurden, für art- und volksfremde Interessen zu kämpfen und gegen ihre eigenen Brüder anzutreten.

Neunzehn Tote bei einem Fährunglück auf der Rhone.

Ein schweres Fährunglück hat sich auf der hoch- gehenden Rhone bei Momtelimar ereignet. Mindestens neunzehn Personen fanden den Tod in den reißenden Fluten. Es handelt sich hauptsächlich um Schüler im Alter von acht bis vierzehn; Jahren, die auf dem Heimweg von der Schule begriffen waren. 23 Personen konnten ge­rettet werden, von denen nur fünf des Schwim­mens kundig waren. Nach Augenzeugenberichten hat sich das Unglück bei herrlichem Sonnenschein abgespielt. Es sei nach 11 Uhr am Vormittag ge­wesen, als sich die Fähre zu ihrer Unglücksfahrt in Bewegung setzte. Als sich ein Seil der Fähre ver­wickelt habe, sei dies von stiemand tragisch genom­men worden. Plötzlich aber sei die Fähre in die Höhe gerissen worden. Sämtliche Insassen seien ins Wasser gestürzt. Bei der Unglücksfähre handelte es sich um ein provisorisch hergerichtetes Fahrzeug, das aus einem über zwei Boote gelegten Floß gebildet worden war. Die Fähre hatte ständig einen großen Verkehr zwischen Montelimar und le Teil zu be­wältigen, weil die große Rhonebrücke kurz vor dem Waffenstillstand von fliehenden französischen Trup­pen vernichtet worden war.

Kindesraub in Kalifornien.

In Hillsborough (Kalifornien) entführten zwei bewaffnete Räuber einen drei Jahre alten Jungen, als er in der Nähe der elterlichen Woh­nung von seinem Kindermädchen ausgeführt wurde. Es handelt sich um den Sohn des französischen Grafen Marc de Tristan. Von den bewaffneten Räu­bern fehlt bisher jede Spur., Jedoch cfefjt aus einer in der Presse von San Franzisko erschienenen An­zeige hervor, daß die Familie des entführten Kin­des bereit ist, den brieflichen Forderungen des Ver­brechers zu entsprechen und die Auslösungs­summe von 1 0 0 00 0 Dollar zu zahlen. Wie in allen derartigen Fällen, stellt die U§^.-Polizei vorläufig die Verfolgung des Verbrechens ein, bis die Auslieferung des Kindes erfolgt ist. Indessen weilt jedoch der Leiter der bundesstaattichen Ge­heimpolizei, Edgar Hoover, bereits in San Franzisko.

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