ungefähr das Dreifache des Jahres 1916. Der heimische Verbrauch beträgt ungefähr ein Viertel der Produktion, also 1500 000 Tonnen. Es wäre also eine Ausfuhr von 4 500 000 Tonnen möglich, wenn die Transportmittel dazu vorhanden wären. Aber es muß noch mehr zerstört werden, denn der rumänische Verbrauch könnte unter der deutschen Herrschaft um die Hälfte verringert werden, und der Zerstörungsplan muß, so weit möglich, vollständig sein.
II. Personal und Organis a.t i o n.
Herr Wenger ist am Samstag, dem ia. September, in Bukarest eingetroffen, begleitet von Hauptmann Pierre A n g o t, der ihm beigegeben worden ist, Er hat sich noch am gleichen Tage mit dem Herrn Französischen Botschafter, mit dem Botschaftsrat Herrn S p i t m u l l e r, mit Kommerzienrat S a r r e t und dem Militärattache General Del- Homme in Verbindung gesetzt.
Don der ersten Besprechung an hat es sich wegen des Umfanges des Auftrages und wegen der Notwendigkeit, die Methoden zu benutzen, die das Material und die Verteilung der Industrie erfordern, als nötig erwiesen, daß Herr Wenger die Herren Eoulon, de Montlebert, de Panafieu, Maratier, Cauchois, Bouvier und Delage hinzuzog. Außerdem hat der Französische Kriegsminister Herrn Wenger die Herren Boncenne und Chapelet zur Verfügung gestellt, die nachträglich eingetroffen sind. Diese Mitarbeiter sind sämtlich Franzosen, und zwar Ingenieure der Oelgesellschaften; sie sind mit Offtziersrang angestellt. Jeder der Jnge- neure ist Spezialist auf einem Teilgebiet der Del» gern Innung und steht an der Spitze der Organisation seines Teilgebietes. Bereits am 18. September hat der Botschafter Thierry Herrn Wenger dem Britischen Gesandten, Sir Reginald Hoare, vorgestellt und die Fühlungnahme ging um so glatter vonstatten, als sich unter dem Gesandtschaftspersonal und unter den englischen Ingenieuren mehrer Personen befanden, die vor 20 Jahren bei der Abschätzung der befohlenen Zerstörungen mit Herrn Wenger zusammengearbeitet haben. Herr Wenger hat mit Herrn Cubbens, Major Watson und Herrn Masterson Fühlung genommen und diese Herren mit den Herren Angot und Eoulon in Verbindung gebracht.
Das eingeschlagene Arbeitsverfahren bestand in der Aufstellung eines Programms oder vielmehr, wie weiter unten ersichtlich werden wird, zweier Programme durch die Franzosen und in der Prüfung und eventuellen Kritik durch die Engländer.
IV. Briefwechsel und Methoden.
Um wirksam zu sein, muß eine Zerstörung der Erdölindustrie sich, so weit möglich, auf alle Teile der Industrie erstrecken: Produktion, Transportwesen, Vorräte und Raffinade. Der Bericht von Norton Griffith vom 21. Januar 1917, der deutsche Bericht über die Zerstörung vom Jahre 1916 und die Feststellungen der englisch-französischen Kommission von 1919—1921 zeigen, daß eine improvisierte Zerstörung nicht voll wirksam sein kann.
Im übrigen gibt der übliche Ausdruck „die Erdölquellen verbrennen" nur einen geringen Teil des Programms, gewissermaßen nur eine letzte Vollendung des Unternehmens, wieder. Was zerstört werden muß, das sind die Anlagen zum Bohren, zur Produktion, zum Transport und zur Raffinade. Feuer würde für sich allein nur scheinbare Ergebnisse erzielen. Die Deutschen Könnten in einem Jahr eine bedeutende Produktion erzielen, indem sie mit dem nicht zerstörten Material eine Reihe von Raffinerie- und Bohranlagen vervollständigten. Man darf nicht vergessen, daß sich ein Bohrloch in drei Monaten bohren läßt, daß es aber zwölf Monate dauert, eine Raffinerie zu bauen, selbst wenn das erforderliche Material an Ort und Stelle verfügbar ist. Schließlich kann eine Feuersbrunst oft zur Zerstörung der Lagerstätten führen, d. h. also zu ungeheuren bleibenden V e r l u st e n für das Land, und eine solche Gefahr muß man auf sich nehmen, wenn die Zeit drängt.
Es sind Vorarbeiten geleistet worden mit dem Ziel, daß die systematische Zerstörung überall die gleichen Stücke trifft, damit vermieden wird, daß man durch Zusammensetzung der Teile verschiedener hauptzerstörter Anlagen eine vollständige Anlage
40000Sri. aus einem Geleitzug versenkt
Neue Lustangriffe auf England.
Der Wehrniachlsbericht vom Montag.
Berlin, 22. Juli. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Deutsche Kampfflugzeuge griffen erneut Flugplätze, Hafen-, Tank- und Fabrikanlagen in England an. Explosionen und starke Brände sind beobachtet worden.
Bei Angriffen gegen einen Geleitzug im Kanal gelang es, einen Tanker und vier Handelsschiffe mit einem Gesamtfassungsvermögen von etwa 40000 BRT. durch Bombentreffer zu versenken.
Feindliche Einflüge in der Nacht zum 22. Juli in Nord- und Westdeutschland, sowie in die besetzten Gebiete richteten durch Bombenabwurf nut Sachschaden an. Lin Flugzeug ist durch Flakartillerie der Kriegsmarine, ein weiteres Flugzeug durch Nachtjäger abgeschossen worden.
Die Gesamtverluste des Feindes betrugen gestern acht Flugzeuge, darunter ein Sunderland-Flugboot durch Abschuß bei Drontheim. Bier eigene Flugzeuge kehrten nicht zurück, darunter ein Seenot- Flugzeug, das über der Nordsee durch die Engländer abgeschossen wurde.
Italienischer Wehrmachtsbericht
Rom, 22.Juli. (DNB.) Der italienische Wehr- machtsbericht Hal folgenden Wortlaut:
Aus sicheren Informationen ergibt sich, daß bei den See- und Luftkämpfen zwischen dem S. und 13. Juli außer einem Flugzeugträger und dem Schlachtschiff „hood" auch ein Schlachtschiff von der „warspite"-Klasse (31 000 Tonnen) und die
Kreuzer „Gloucester" (10 000 Tonnen) und „211 e - thusa" (5200 Tonnen) schwere Schäden erlitten haben. Ferner haben die feindlichen Schiffsbafen empfindliche Berluste erlitten.
Ein feindliches Flugzeug, das bei den Retlungsoperalionen eines unserer Flugzeuge, das wegen Motorschadens wassern mußte, den Bersuch gemacht hatte, die Besatzung unter WG.-Feuer zu nehmen, ist von unseren Jagdfliegern brennend a b- geschoffen worden. Ein Offizier der Besatzung, der mit Fallschirm abgesprungen war, wurde gerettet und von einem unserer Wasserflugzeuge gefangen genommen.
In Nordafrika sind die feindlichen Stützpunkte Sidi Barrani und IHarfa Ma lruh stark und wirkungsvoll mit Bomben belegt worden.
In O st a f r i k a sind bei den Stützpunkten Buna und Wasir, wo ein englisches Jagdflugzeug abgeschossen worden ist, englische Flugzeuge und englische Truppen mit Bomben und Maschinengewehr- feuer angegriffen worden. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. Feindliche Luftangriffe auf 21 s m a r a haben weder Opfer noch Schaden hervorgerufen.
Oer italienische Angriff ans Malta.
Rom, 23.Juli. (Europapreß.) Zu dem italienischen Angriff aus die Torpedofabrik von Marfa Sirocco auf Malta, bei dem die Fabrik in Brand geschossen wurde, sind noch folgende Einzelheiten mitgeteilt worden: Der Angriff sei von drei Flugzeugstaffeln ausgesührt worden, die bei dem Bombenabwurf bis auf 500 Meter herab gegangen feien. Es feien 50 und auch 100 Kilogramm schwere Bomben sowie auch Brandbomben abgeworfen worden. Der dadurch hervorgerufene Brand in der Torpedofabrik sei noch aus großer Entfernung wahrzunehmen gewesen.
Herstellen kann. Auf Grund dieser Erwägungen haben wir ein doppeltes Programm ausgestellt:
1. Ein Programm für schnelle Zerstörung, das sich in 24 Stunden durchführen läßt (bei täglich zehn Stunden Arbeitszeit), und zwar mit den an Ort und Stelle verfügbaren Mitteln. Er erstreckt sich nur auf die wichtigsten Bohrplätze (80 v. H. der Produktion), auf sämtliche Raffinerien, auf die Pumpstationen und die Vorräte. Zu dem Programm gehört auch die eventuelle Zerstörung gewisser Lagerstätten, aber es bietet Aussicht darauf, daß die Erdölindustrie mindestens sechs Monate lang in einem Umfang bis zu 75 v. H. der gegenwärtigen Produktion unbenutzbar fein wird. '
2. Ein systematisches Programm bedarf zu seiner Durchführung einer Frist von zehn Tagen bis zu einem Monat. Man kann damit 90 v. H. der Produktion treffen, die wichtigsten Lagerstätten schonen und eine bessere Zerstörung der Transportmittel bewirken. Zu diesem Programm gehört auch die Verwendung von Sprengstoffen. Zu feiner Vorbereitung sind bereits einige Maßnahmen getroffen worden, um ein Netz von Schlammflüsfen anzulegen, durch die die Bohrlöcher „getötet" werden können, bevor man sie zerstört.
Zu beiden Methoden gehört vor allem anderen die Zerstörung des Materials. Ein Brand ist nur die Ergänzung und Vollendung des Zerstörungswerkes.
Dokument Ur. 31.
Telegramm des Französischen Botschafters in Bukarest an das Französische Außenministerium vom 28. September 1939.
Sehr geheim!
Meiner Ansicht nach hätten wir ein entschiedenes Interesse daran, ohne Verzug eine Sperrung der Donau zu bewirken, so daß der Binnen -
wasserweg zwischen Rumänien und Deutschland vollständig unterbrochen würde. Es hat den Anschein, daß nach einer Periode des Verkphrsrück- ganges, die mit den durch den Krieg hervorgerufenen Veränderungen zusammenhing, der Verkehr drauf und dran ist, sich stärker zu entwickeln, als das bisher jemals der Fall mar. Ich erfahre insbesondere, daß die Deutschen beabsichtigen sollen, einen Teil ihrer Rheinflotte zur Donau zu entsenden, um damit dem Mangel an Schiffen abzuhelfen, der gegenwärtig auf dem rumänischen Abschnitt festzustellen ist. In diesem Fall würde die Lage, die ich in meinem Telegramm Nr. 1077 dar gelegt habe, eine wesentliche Veränderung erfahren.
Es ist nicht zu leugnen, daß die Unterbrechung des Verkehrs auf der Donau für uns einen Vorteil bedeutet, der einer Zerstörung de r Del« quellen praktisch gleichkommt, denn er würde gleichzeitig den Transport des Erdöls und des Getreides paralysieren. Dieser Transport umfaßt mehr als 80 v. H. der rumänischen Aus- fuhr dieser Produkte ins Reich. Die Operation ließe sich auf ziemlich einfachem Wege durchführen, und ich bin in der Lage, alle Handlungen, die zu ihrer Durchführung dienen, zu veranlassen. Ich werde dem Ministerium einen Bericht über diese Frage mit nächstem Kurier vorlegen. Thierry.
Dokument Ar. 32.
Bericht über eine Sitzung des französischen kriegs- ausschusses vom 9. April 1940.
Streng vertraulich.
Der Kriegsausschuß ist am 9. April im Elysee unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Albert Lebrun zusammengetreten. Zugegen waren: Paul Reynaud, Ministerpräsident, Minister des Aeußern; Edouard Daladier, ßan«
Zweideutig und unzeitgemäß.
Die Pariser Presse im unbesetzten Gebiet hat ihrer Verwunderung darüber Auskunft gegeben, daß man in Deutschland den angeblichen Umschwung in Frankreich mit solcher Skepsis aufnimmt. Wie berechtigt aber diese Skepsis ist, das zeigen ja nicht nur solche Tatsachen wie die, daß in Vichy die Männer des alten Regimes am Ruder sind, daß Frankreichs Kriegsverbrecher und Dolksverräter völlig ungestraft dort agieren dürfen und daß die Presse schon wieder in einem sehr rückfälligen Ton zu schreiben beginnt. Es kommen beispielsweise noch solch merkwürdige Momente hinzu, daß die französische Vertretung in London trotz des offiziellen Abbruches der Beziehungen noch immer n i ch t a b g e r e i st ist, ja, daß auch nach ihrer Abreise ein französischer „Agent", also eine Art inoffizieller Geschäftsträger, zurückbleiben wird, und zwar auf Wunsch der englischen Regierung! Ein ausgesprochener Engländerfreund, der Schriftsteller Morand, soll die Verbindung zwischen Vichy und London aufreckterhalten. Angesichts dieses Tatbestandes erhält der von Frankreich offiziell getätigte „Abbruch der Beziehungen" zu England einen höchst merkwürdigen Beigeschmack.
Nicht anders ist es mit durchaus unzeitgemäßen Forderungen der französischen Presse. So hält die französische Zeitung „Jour-Echo de Paris" schon dis Zeit für gekommen, die Auslieferung der französischen Kriegsgefangenen zu verlangen. Wir glauben gern, daß die Franzosen ihr Verhalten im Weltkrieg vergessen machen möchten, sie haben auch allen Grund dazu; denn damals vergingen nicht Wochen, sondern Jahre, ehe sie sich endlich dazu bequemten, langsam mit den ersten Entlassungen zu beginnen. Erst nach dem Inkrafttreten des Versailler Diktats sollte, wie es im Artikel 214 bestimmt wurde, die Heimschaffung der Kriegsgefangenen so bald wie möglich durchgeführt werden. Und da das am 28. Juni 1919 unterzeichnete Diktat erst am 10. Januar 1920 in Kraft trat, wurden die deutschen Kriegsgefangenen erst nach diesem Datum so langsam wie möglich aus ihrer qualvollen Gefangenschaft erlöst. Nicht einmal die Verwundeten wurden vorher freigegeben! An dieses niederträchtige Verhalten sollten sich die Franzosen erinnern, ehe sie derartige Forderungen, und noch dazu mitten im Kriege, zu stellen beginnen
desverteidigungs- und Kriegsminister; (Sam- pinchi, Minister der Kriegsmarine; Laurent- E y n a c, Luftfahrtminister; Mandel Kolonialminister; General Gamelin, General Vuil- l e m i n, General Georges.
Der Ministerpäsident gab die letzten Informationen über die Lage. Er ist der Ansicht, daß i m Raume von Narvik sofort gehandelt werden müßte, da das Eisenerz für den Ausgang des Krieges kapitale Bedeutung habe. Er verlangte die Beschleunigung der Entsendung der Division Audet nach Brest und die sofortige Einschiffung der Waffen. Er macht den Ausschuß darauf aufmerksam, daß nunmchr ein Wettlauf zwischen Deutschland und den Alliierten eingesetzt habe.
Admiral Darlan beantragt: 1. In Belgien einzurücken; 2. Flußtreibminen einzusetzen; 3. örtliche Angriffe auf der Nordostfront durchzuführen.
Der Ministerpräsident ersucht General Gamelin um eine Aeußerung zu diesem Anträge. General Gamelin erklärt sich für das Einrücken in Belgien. Der Ministerpräsident machte den General darauf aufmerksam, daß der Feind mit feiner Luftwaffe und seinen Effektiven eine doppelte lieber- legenheit über uns besitze. General Gamelin verbleibt ausdrücklich bei seiner zustimmenden Antwort, und General Georges schließt sich ihr an. Der Landesverteidigungs- und Kriegsminister gibt ein Gutachten ab, das sich völlig für die Operation ausspricht.
Es ergeht folgender einstimmiger Beschluß: 1. Die Regierung wird versuchen, die Zustimmung der belgischen Regierung für die Operation in Belgien zu erlangen; 2. wird die Zustimmung erlangt, so findet die Operation statt. 3. Wird die Operation durchgeführt, so werden Flußminen
Das unpassende Aller.
k Don Mars Stahl.
„Michael", rief die Tante aus dem Hause, ,Mür- dest du nicht so gut fein, mir diesen Korb tragen zu helfen?^ Sie stand klein, zierlich und zwanzigjährig in der Tür und sah Michael entgegen.
Michael ließ seine Spielkameraden im Stich und rannte auf die Tante Beate zu. „Laß nur, ich trage ihn allein", sagte er. „Er ist zu schwer", antwortete die Tonte. „Für dich ist mir nichts zu schwer!" entgegnete Michael und schwang den Korb auf die Schulter. Der Dreizehnjährige brach fast zu- fammen unter der Last. Beate folgte ihm besorgt. Sie ging sehr vorsichtig, um nicht zu stolpern, es hieß, sie sei in letzter Zeit nicht ganz gesund und müsse geschont werden, darum war ja auch Michael bei ihr, um zu helfen, denn der Onkel war verreist.
„Schrecklich", stöhnte Michael, als er am Abend über den Schularbeiten saß und bohrte seine Fäuste in den dicken blonden Haarschopf. „Was ist schrecklich? Die Schularbeiten?" fragte Beate. „Nein, daß es den Dnkel Theodor gibt, nun kann ich dich doch nicht heiraten." — „Ja", lächelte Beate, „das ist allerdings schlimm." „Ach, vielleicht stirbt Onkel einmal", tröstete sich Michael. „Pfui", rief Beate entsetzt, „was redest du da, Michael. Ich liebe doch Onkel Theodor." Michael wurde rot. „So, du liebst ihn", sagte er langsam, „und zu mir hast du gesagt, daß du mich liebst."
Die Tante schüttelte den Kopf in ärgerlicher Verwirrung. „Das ist doch ganz etwas anderes, Michael. Ich habe dich sozüsaaen aufgezogen, als Kind schon gewiegt, du bist mir so lieb, als wärst du mein eigener Sohn. Außerdem bist du doch zu jung für mich." — „Dann wird also nie etwas aus unserer Heirat werden?" — „Ich glaube nicht, Michael." — „Na, und ist das nicht schrecklich?" fragte Michael wie zu Anfang und bohrte seine Fäuste noch tiefer in den blonden Schopf.
Aber dann kam Onkel Theodor zurück, und Michael fuhr wieder nach Hause. Als er im Frühling Tante Beate wieder besuchte, sagte sie, sie wolle ihm oben ein neueingerichtetes Zimmer zeigen. Er ging etwas mißtrauisch mit ihr hinauf, weil sie so sonderbar lächelte. Es war ein ganz reizendes Zimmer, ganz in Weiß, ein Fries bunter Kinderbilder lief rund um die Wand. Beate trat zu einem kleinen weißen Himmelbett und schlug die Gardinen zurück. Michael schaute verdutzt auf das winzige Wesen, das mit an das Gesicht gepreßten Fäifttchen darin lag und schlief. „Das ist Beatrix", flüsterte Tante Beate.
Michael wandte sich um, rannte die Treppe hinab imb warf sich hinten ins Gras. Er war ganz außer
sich. Er kam sich verraten, betrogen, beiseite geschoben vor. Tante Beate fand ihn und holte ihn zum Mittagessen. Er schien einen Entschluß gefaßt zu haben. „Vielleicht kann ich Beatrix einmal heiraten", sagte er, „vielleicht ..." lächelte die Tante.
Michael war wirklich um seine zukünftige Frau bemüht. Er fuhr sie im Wagen spazieren, pflückte ihr Blumen, ließ sie an seinem dicken Haarschopf zausen, ohne eine Mene zu verziehen. Er brachte ihr Murmel und Kreiselspiel bet und suchte ihre verlorenen Bälle. Als sie vier Jahre alt war, fischte er sie aus dem Gartenteich, wo sie, nach Entenflott angelnd, hineingefallen war. Damals war er aber schon auf der Oberprima und hatte andere Plätte, als die kleine winzige Beatrix zu heiraten.
Er verlor sie dann auch jahrelang aus den Augen, als er auf die Universität ging und bann feine Assistentenposten an verschiedenen Krankenhäusern absolvierte. Als er Beatrix wiedersah, war sie Ungefähr so alt wie er damals, als er Tante Beatrix feine Liebeserklärungen machte. Sie war wirklich reizend, und sie kokettierte sogar etwas mit ihm. Er war damals schon siebenundzwanzig Jahre alt.
Dann gründete Michael sich eine Praxis, und er hatte hart zu kämpfen, bis er wieder so einigermaßen zu dem kam, was man ein Privatleben nennt. So vergingen beinahe sechs Jahre, ehe er Beatrix wiedersah. Sie verbrachte die Semesterferien zu Hause: „Donnerwetter!" sagte Michael und schüttelte den Kopf. „Donnerwetter!" sagte er nochmals und nickte dann dazu, aber er meinte beide Male dasselbe.
Ein ganzer Schwarm von männlichen Freunden und Verehrern füllte das Haus. Tante Beate und Michael standen am Fenster und sahen in den Garten, wo Beatrix mit ihnen Tennis spielte. Er blickte seine Tante an, sie sah immer nach aus, wie ein junges Mädchen. Sie war ja auch noch jung, erft Ende der Dreißig. „Nun, sagte er lächelnd, „da ja Onkel Theodor immer noch lebt, werde ich mich wohl an Beatrix halten müssen, wie? Glaubst du, daß es Zweck hat, sie zu fragen."
„Versuche es doch", bat die Tante, „es würde mich so sehr freuen, — wirklich, Michael, es ist ein alter Traum von mir. ..."
„Von mir erst recht ..." seufzte Michael und machte sich fertig, in den Garten zu gehen, denn die Verehrer verabschiedeten sich soeben. Beate sah ihm nach, wie er zu Beatrix trat und wie sie beide anfingen, zwischen den Buchsbaumbeeten auf« und abzugehen. Dann wurde sie ab gerufen und konnte nichts mehr beobachten. Nach einer Weile hörte sie, wie Beattix ins Haus kam, sie ging sofort auf ihr Zimmer hinauf. Ein kleiner heftiger Schmerz saß ihr im Herzen, als sie in den Garten tief, um Mi- I chael zu suchen. Er lag wie damals, ganz hinten bei
den Gemüsebeeten im Gras. Als er Beate nahen hörte, stand er auf und klopfte umständlich Laub und Gras von seinem Anzug.
„Pech —" sagte er und widmete sich ganz seiner Arbeit, „sie will mich nicht, schätzt mich aber — und so weiter ... ich bin ihr zu alt, was sagst du nun?"
Tante Beate sagte nichts, sie seufzte nur.
„Pech ..." sagte er nochmals und rieb nachdenklich einen grünen Fleck auf feinem Beinkleid, was ihn nur noch grüner machte, „— dir war ich zu jung, ihr bin ich zu alt. Stets bin ich im unpassenden Alter." Er hielt einen Augenblick im Reiben inne und sah sie an. ,Hch werde mich also Nach einer anderen Frau umsehen!" Er lächelte, es kam etwas schief heraus. „Sie will ja auch heiraten in diesem Jahr, wie sie es mir eben sagte. Wenn wir dann beide Kinder haben sollten, vielleicht wird aus denen endlich ein Paar. Man muß nur nicht die Geduld verlieren. Diese Kinder werden dann ja wohl endlich das passende Alter haben." Er seufzte noch einmal, drückte Tante Beate die Hand und ging eilig ins Haus.
„Oer Eündenbock/'
Es darf nicht erwartet werden, daß der Film immer mit Wirklichkeiten identisch ist. Die Filmschaffenden haben sich eine eigene Welt nach eigenen Gesetzen geschaffen und der neue Tobis-Film im Lichtspielhaus ist ein Kind dieser Welt. Er schildert das Schicksal eines 12jährigen Jungen, der, von einem kleinstädtischen Gasthofbesitzer adoptiert, nach dessen Tod der Erbe des Gasthofes werden soll. Durch das Testament aber wird der Junge hinausgeführt in eine Umgebung, die nicht die feine ist, er gerät zu alten Tanten, die ihn erziehen sollen, dann zu einem hypermodernen Ehepaar in die Reichshauptstadt, schließlich zu einem Künstler nach München, aber nirgends sind die Umstände günstig genug, ihm eine gute Erziehung zu sichern. So kehrt er immer wieder zurück in das heimatliche Land- ftädtchen, wo sich seiner der Vormund und Freund und eine brave Wirtschafterin liebevoll annehmen. So endet alles in Güte, uttd da sich im Lauf der Geschichte auch noch zwei Liebespaare finden, löst sich alles in Wohlgefallen. Die Regie unter Hans Deppe brachte die bewegte Handlung in ein unterhaltsames Wechselspiel von Ernst und Humor.
In der Reihe der Darsteller muß der jugendliche Norbert Rohringör zuerst genannt werden, der die Hauptrolle spielt, sich sehr gut vor der Kamera zu bewegen weiß, obwohl ihm die freizügige Kindlichkeit nicht mehr zu eigen zu fein scheint. Seinem
Vormund und väterlichen Freund stellt Karl Hell- m e r in einer sehr bescheidenen und sympathischen Form dar. Das gleiche gilt für die Wirtschafterin (Irmgard Hoffmann), die sich mütterlich um den hin- und hergeworfenen Jungen bemüht. In den übrigen Rollen begegnet man Darstellern, die weltstädtische Vornehmheit dem bescheidenen Kleinstadtmilieu entgegenzusetzen haben: Fritz Ode mar, Grete R e i n w a l d, Ellen Bang, Ernst Sattler, Herma R e I i n u. a.
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Im Beiprogramm beansprucht die Wochenschau wieder das stärkste Interesse. Mit großer Freude sieht man Bilder von der Rückkehr der Narvikkämpfer nach Deutschland. Das Ausmaß des deutschen Sieges spiegelt sich in Bildern aus den riesigen Beutelagern. Groß ist die Freude über dis Aufnahmen von der Rückkehr des Kapitäns Prien mit der Rekord-Tonnenzahl, — ergreifend die Bilder vom Besuch des Führers bet Verwundeten. Einige charakteristische Silber aus England lassen ,chie andere Seite" und dabei die ganze Ahnungslosigkeit der englischen Kriegsvorbereitungen erkennen, die man einem deutschen Angrift entgegensetzen will. So ist auch diese neue Wochenschau „zwischen den Schlachten" reichhaltig und nicht weniger sehenswert, als die Wochenschauen der jüngsten Vergangenheit. In einem weiteren Film ist die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes im Dienst an den Verwundeten Umrissen und damit eine eindringliche Aufforderung zur Opferbereitschaft verbunden.
H. L. Neuner.
Irren ist menschlich.
Dor einigen Jahren wurde in einer australftchen Stadt eine Irrenanstalt einaerichtet. Der Bürgermeister besichtigte die Anstalt.
„Alles sehr nett!" sagte er. „Aber sagen Sie mal kommt bei Ihnen niemals ein Irrtum vor? Ich meine: Ist es möglich, daß Sie versehentlich einen geistig Gesunden in Ihre Anstatt auf nehmen?'
„Ausgeschlossen!" sagte der leitende Arzt. „Wir legen dem Kranken gewöhnlich eine Reihe von Fragen vor, aus deren Beantwortung deutlich hervor geht, ob er geistig normal ist."
„Sehr schönt fagte der Besucher. „Was sind denn das für Fraaen?"
„Nun, zum Beispiel diese: Hannibal unternahm drei Kriegszüge. Auf einem derselben starb er. Auf welchem Zug geschah dies?"
Der Bürgermeister nickte freundlich. „Sehr geschickt!" sprach er. „Aber sagen Sie — ich bin in Geschichte nicht sehr bewandert — auf welchem | Zug starb Hannibal nun eigentlich^ Hi.


