Ausgabe 
23.7.1940
 
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Dienstag, 23.Zuli MO

19V. Jahrgang Ur. 172

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Churchills Antwort: Vervielfachte britische Bombenangriffe auf offene Ortschaften.

poM-erSeMemichAng.

Von unserer Berliner Schristleitung.

Noch hat die englische Regierung nicht offiziell auf Wolf Hitlers letztes Angebot, auf das Angebot eines Siegers, dessen Mäßigung so groß ist wie das Ausmaß seiner Siege beispiellos, geantwortet. Aber Herrn Churchills Pressebanditen haben be­reits ihre Weisungen empfangen uni) versuchen im­mer mehr, sie je nach ihrer Fasson auszulegen und zu einer geradezu wahnwitzigen Hetze gegen Adolf Hitler und Großdeutschland zu steigern. Der Appell an die Vernunft, diese allerletzte Chance für Eng­land, der Vernichtung zu entgehen, ist durch eine diktatorische Geste von Churchills Leibgazetten in Gefahr, fruchtlos zu verhallen, denn im Lande des Schweigegebotes für die Massen lärmen allein die UnentweKen, die zuerst mit der Verantwortung ge­spielt unb sich dann in die Verantwortungslosigkeit hineingeflüchtet haben. Daß sie ein ganzes Volk ins Verderben stürzen nur, um nicht zugeben zu müs­sen, wie furchtbar ihre plutokratischen Fehlrech­nungen zusammenbrachen, ist aber nicht nur ihre Angelegenheit, es ist das Versagen des Systems. Die alte und schon im Weltkrieg verrostete Pro­pagandawalze der Briten,Wir sind entschlossen, der Drohung des Angreifers Widerstand zu leisten und ganz Europa aus seiner Knechtschaft zu befreien", wird vonReynords Newspapers" bis zu den Times" wieder gedreht, nur daß jetzt niemand mehr dieser brüchigen Weise lauscht und daß die Zeit, sie verlauten zu lassen, doch viel zu ernst ist. Denn es handelt sich jetzt um England selbst, nicht darum, andere für die britischen Plutokratenideale ins Feuer zu schicken. England selbst ist bedroht, das berühmte Schwert des Damokles hängt an einem Haar über dem Haupte nicht nur Churchills, son­dern über allen Bürgern Britanniens.

Angesichts der Tatsache, daß des Führers Appell in der ganzen Welt außerordentlich starken Eindruck gemacht hat, hat Churchill Vorkehrungen getroffen, um auch für sich selbst einW e l t e ch o" zu schaf­fen, das er auf seine Weise zu nutzen gedenkt. Be­sagtes Echo besteht in Anweisungen an die Regie­rungen der englischen Dominien, in einem für England günstigen Sinne gegen die Rede des Füh­rers Stellung zu nehmen, eine Aufforderung, der bezeichnenderweise als erster der völlig england- hörige Ministerpräsident von Südafrika, Smuts, nachgekommen ist. Zweck dieses ganzen Manövers ist di^ Erweckung des Anscheins, als könne England zu dem Appell des Führers gar nicht von sich allein aus Stellung nehmen, sondern müsse bie. kriege­rischen Forberungen ber Dominiens berücksichtigen. Daß diese Dominiens burchaus nicht von Kriegslust im Dienste Englands überschäumen, das zeigen ja u. a. die Forderungen nach Zurückziehung der kana­dischen Divisionen und die Einstellung der Rekru­tierungen in Australien.

Gleichgültig, ob Churchill heute selbst sprechen wird oder nicht, in jedem Fall tut er alles, um die schon von der Kriegshetzerpresse verbreitete Atmo­sphäre des Neinsagens noch zu verschärfen. Voran- gegangen war bereits die Behauptung, es könne nur einen Frieden geben, den England diktiere, worin sich also der alte Imperialismus Englands wieder in radikalster Form ausspricht. Jetzt be­hauptet man in London, England besitze ein unge­schlagenes Heer. Und diese Hauptmacht der demo­kratischen Staaten müsse zunächst einmal besiegt werden. Dazu läßt man auf dem Wege über die englischen Kabel unb über die Dominiens verbrei­ten, es wäre denkbar, daß überhaupt kein Angriff auf England stattfinden werde, weil Hitler ja, wie feine Rede zeige, Angst habe. Sehr unbequem ist den Londoner Kriegsverbrechern die Tatsache, daß man die Lage Englands in Amerika sehr viel ernster beurteilt, als man in London zu geb en will, wo man dem Volke die Illusionen vorspiegelt, als werde Amerika noch in irgendeiner Form aktiv für England eintreten.

Im Endeffekt geht Churchills Bestreben dahin, baß ihm niemanb in bie Fortsetzung seines Krieges hm- einrebet. Um nun in biefer Beziehung ber im Volk sich immer stärker bemerkbar machenden Mißstim­mung zu begegnen, wirb biefem eingerebet, baß nicht mehr bie Plutokraten, sonbern nur noch die- G e - werkschaf ten bie englische Politik maßgeblich beeinflußten, so baß also es so aussehen soll, als wenn bas englische Volk selbst unb nicht bie Kriegsverbrecher regiere. In Wirklichkeit darf ber Appell bes Führers noch nicht einmal in ber Öffent­lichkeit bes Parlamentes behandelt, geschweige benn darüber abgestimmt werben.

Die Antwort Englanbs auf bie Rebe bes Führers besteht also in ber Einfädelung einer großen Intrige, damit bas englische Volk, bem ia ber Wortlaut ber Rebe vorenthalten ist, gar nicht erst erfährt, welche einzigartige Chance bie Regierung Churchill in ber gewissenlosesten Weise auszuschlagen sich anschickt. Wenn aber, so sagt sich bie Clique um Churchill, diese ganze Intrige einnyü bem betrogenen unb be­logenen englischen Volke bekannt wirb, bann sinb bie vielfachen Kriegsverbrecher längst über alle Meere in Sicherheit. Wir bedauern nur das britische Volk, das die Folgen dieser plutokratischen Politik der Ha­sardeurs spüren wird, wie das französische die Phan­tasien feiner Presse bezahlen mußte.

Churchills Heckenschützenkrieg

N e u y o r k, 23. Juli. (DNB. Funkfpr.) Presse- Photos aus England, die in den Vereinig­ten Staaten veröffentlicht werden, zeigen deutlich, daß England sich tatsächlich auf einen Heckenschützen- krieg vorbereitet. Die Bilder zeigen in allen Varia­tionen Zivilisten, die im Gebrauch von Schußwaffen aller Art ausgeblldet werden. Eine Aufnahme bringt Unterhausmitglie­der, die im Parlamentshof in Zivilkleidern e xe r»

-zieren. Ein Photo zeigt den Sacristan der West­minster-Abtei, Pfarrer Perkins, im Prie­st e r g e w a n b e in bem Augenblick, wo em eng­lischer Unteroffizier ihm bie'ridjtige Gewehr­haltung beizubringen versucht.

Berlin, 22. 3ult (DNB.) Eine sorgfältige Ke- giffrierung der feindlichen Einflüge in der letzten Zeit hat ergeben, daß die englische Luftwaffe ihre Angriffe auf nichtmilitärische Ziele seit Frei­tag, dem Tage der großen Führerrede, die dem englischen Volke noch einmal den Weg zur Vernunft wies, vervielfacht hat. Groh war die Zahl der Bombenabwürfe und unverhältnismäßig gering der militärische Schaden. Es ist deutlich zu er­kennen, daß der Gegner es darauf abgesehen hat, die deutsche Zivilbevölkerung zu treffen. Zahlreiche deutsche Ortschaften, offene Städte und Dörfer sind in den letzten Tagen wiederholt angegriffen worden. So wurden in der Nacht vom 20. zum 21. in der Innenstadt von Wismar Bomben abgeworfen, ebenso in der darauffolgenden Nacht. Dabei waren fünf Tote und 20 Schwerverletzte zu beklagen. Die Stadt Bremen erlebte in einer der letzten Nächte starke Angriffe auf verschiedene Wohnviertel. Drei Tote, drei Schwerverletzte fielen dem brutalen britischen Angriff zum Opfer. Viele Badeorte auf den deutschen Nordseeinseln hatten sinnlose Bomben­angriffe zu verzeichnen.

Auch die Stadt Hamburg wurde in der Nacht zum 21.3uli angegriffen. Wohnviertel und dicht­besiedelte Ortsteile erhielten Bombentreffer. 3m be­nachbarten Pinneberg wurde das Kranken­haus beschädigt. Die Städte Paderborn, Ha­gen und Bochum wurden mehrfach von feindlichen Fliegern angeflogen und verzeichneten rücksichtslose Angriffe auf zivile Ziele. 3n Schwe- tin wurden vier 2H än ner, drei Frauen und drei Kinder durch englische Bomben ge­tötet Zahlreiche Verletzte sind zu beklagen. 3n Wilhelmshaven wurden das Kremato­rium und eine Leichenhalle zerstört Be­merkenswert ist hier, daß die feindlichen Flieger vor ihren Bombenabwürfen zahlreiche Leucht­bomben benutzten, wodurch sie hätten eindeutig eststellen können, daß sie k e i n e m i l i t ä r i s ch e n Ziele vor Augen hatten.

Die Stadt Kassel war in der Nacht zum 22. 3uti ebenfalls das Ziel feindlicher Angriffe. Auch hier arbeitete der Gegner mit einer beträchtlichen Zahl von Leuchtbomben. Trotz allem wurden sämtliche Bomben auf nichtmilitärische Ziele in Wohn­vierteln und Gärten abgeworfen. 1L a. sind hier Sanitätsfahrzeuge getroffen wor­den. Darüber hinaus wurden der Landkreis Kassel und der benachbarte Gau Hannover- Süd von englischen Bombenangriffen heimgesucht, viele Orte, und zwar kleine Bauerndörfer, mit feindlichen Bomben beworfen. Da auch hier der Feind Leuchtbomben zur Anwendung brachte, ist seine Absicht, lediglich die Zivilbevöl­kerung zu treffen, Frauen und Kinder zu morden, klar und eindeutig erkennbar.

*

Noch in der Nacht vom Freitag zum Samstag haben die Engländer mit einer verstärkten Zahl von Einflügen auf das deutsche Reichsgebiet den groß­mütigen Appell des Führers zur Vernunft beant­wortet. Sie haben mehr noch als bisher in ver­brecherischer Weise ihre Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung gerichtet, ihr Ziel in offenen Städten, Bauerndörfern, Marktflecken, in Lazaret­ten und Schulen gesucht. Diese Absicht wird dadurch erkennbar, daß die letzten Nächte besonders klar waren und den englischen Fliegern gute Sicht boten. Außerdem haben die Engländer eine große Zahl von Leuchtbomben geworfen, die ihnen keinen Zweifel darüber lassen konnten, daß sie sich über offenen Städten, über Wohnvierteln und Dörfern befanden. Nicht ein einziges nennens­wertes militärisches Ziel haben sie im Laufe der letzten nächtlichen Einflüge getroffen. Wir sind über­zeugt, daß sie es n i ch t g e s u ch t haben. Die ganze Anlage und Durchführung der britischen Luftangriffe auf deutsches Reichsgebiet läßt erkennen, daß Chur­chill dem deutschen Volke zeigen will, wie er sich die Antwort auf des Führers Friedenstat denkt. Es ist Mord an deutschen Frauen und Kindern, Verwüstung friedlicher deutscher Städte und Dörfer.

haben bereits die Höhe von 31/z Milliarden Pfund erreicht. Das ist dreimal so viel, wie der Staat durch Steuern einnimmt. Das neue Budget will das im­mer größer werdende Loch im Säckel ausstopfen durch rigorose Steuererhöhungen, die vor allem die kleinen Einkommen treffen. Eine Umsatzsteuer soll neu eingeführt werden, obwohl erst kürzlich ein dahingehender Vorschlag abgewiesen wurde. Don der Vermögens ft euer versprechen sich die englischen Zeitungen wenig Er­folg, denn außer den Plutokraten, die sich selbst natürlich nicht des Letzten berauben, besitzt fast nie­mand mehr in England Vermögen, das im nennens­werten Umfange yerangezogen werden könnte. Die meisten Blätter prophezeien drastische Maßnahmen auf verschiedenen anderen Steuergebieten. Um die breiten Massen über die neuen Auspowerungs­pläne hinwegzutäuschen, ist die Einführung von Massenspeisungen ins Auge gefaßt. Mit diesem Pflästerchen glaubt man die Arbeiterschaft zum Steuerzahlen willig machen zu können.

Reuter will wissen, daß die Erhöhung der Ein­kommensteuer zwei Schillinge auf das Pfund betragen werde. Damit würde ein Eng­länder für jedes Pfund Sterling (20 Schillinge), das er verdient, 91/? Schillinge zu zahlen haben. Die Steuererhöhung wird unumgänglich erforderlich werden, weil der Schatzkanzler Kingsley Wood mit feinem dritten Kriegshaushalt nicht nur täglich Kriegsausgaben von 10 Millionen Pfund Sterling decken muß, sondern auch noch ein Defizit von 800 Millionen Pfund für das laufende Finanzjahr aus­zugleichen hat. Gleichzeitig wird eine Erhöhung der Abgaben für Tabak, Spirituosen, Wein, Bier und Benzin angekündigt. Durch diese erhöhte Besteue­rung der Luxusartikel hofft die Regierung, gleich­zeitig den Verbrauch drosseln zu können, um dadurch das Defizit im Tonnageraum etwas zu vermindern.

Der ohnehin durch den Wegfall der meisten euro­päischen Märkte stark zusammengeschrumpfte bri­tische Eport ist im Monat Juni in einem ge» radezu katastrophalen Ausmaß zurückgegangen. Im Laufe eines einzigen Monats betrug der Rückgang mehr als 20 o. H., so daß der Export auf 36,8 Millionen Pfund gesunken ist. Noch bezeichnender ist die Tatsache, daß die englischen Einfuh­re n in einem womöglich nochstärkeren Maße schrumpften. Hier beträgt der Rückgang wertmäßig nicht weniger als 14,8 Millionen Pfund. Ein be­zeichnendes Licht auf die Knappheit an Tonnage, unb Lebensrnitteln in England wirft auch eine Statistik derTimes". Danach betrug im Jahre 1933 der Preis für ein neues seeklares Handelsschiff von 7 500 Tonnen rund 32 000 englische Pfunde Ende 1939, also nach vier Mo­naten Krieg, war der Preis auf 119 000 Pfund emporgeschnellt. Mitte dieses Jahres kostete das gleiche Schiff 139000, also mehr als das Vier­fache des Preises, der im Jahre 1933 angelegt werden mußte. Inzwischen ist der Preis noch weiter gef liegen.

Eine neue Blüte der Fallschirmjäger-Psychose in England zeigt folgende Meldung: Die vier großen englischen Eisenbahngesellschasten stellen zur Zeit Streckenarbeiter ein, um zu verhindern, daß Spione und Saboteure zur gegebenen Stunde den Verkehr lahmlegen. Man be­fürchtet, daß deutsche Fallschirmspringer, verkleidet in die Uniformen englischer Eisenbahnan­gestellter und Beamten, über wichtigen Strecken abspringen und dortUnheil" anrichten. Alle Be­triebsangehörigen der Bahnen werden aufgefordert, Eisenbahnangestellte und Beamte, die sie nicht ken­nen, zu stellen und nach dem Ausweis zu fragen, so daß der Dienst eines englischen Eisenbahners in Zukunft dem eines Detektiven und Aushorchers gleichkommen wird. An allen wichtigen Eisenbahn- knotenpunkten ist eine militärische Bewachung ein­gesetzt worden, weil man befürchtet, im Falle einer deutschen Invasion würden sich die feindlichen Trup­pen dieser Punkte zuerst zu bemächtigen suchen.

Rigorose Steuererhöhungen muffen den Krieg der britischen Plutokraten finanzieren.

Stockholm, 23. Juli. (Europapreß.) Es hat den Anschein, als ob nun auch der englische Außen­minister Lord Halifax von den Wellen der Kri­tik erfaßt werden sollte, die feit Beginn der ersten großen gewerkschaftlichen Jahresversammlungen vor etwa fünf Wochen über fast alle Mitglieder des Ka­binetts hereingebrochen ist. Bisher hatte die Kritik Lord Halifax fast völlig übergangen. Daß man fer­ner jetzt gedenkt, gilt in Kreisen ernst zu nehmender neutraler Beobachter in London als Beweis einer ich zuspitzenden Unzufriedenheit des englischen Vol­kes mit ber politischen Führung. Tatsache ist jeben- alls, baß seit achtundvierzig Stunben alle Lon­doner Morgenblätter gegen Halifax Stellung neh­men und erklären, die für diese Woche angesetzte Geheimsitzung des Oberhauses durfte recht stür­misch verlaufen. Die Spanienpoütik des Außen- ministes wird angegriffen und dre B lo ck ade Spaniens gefordert. Auch die Besanfti-

gungsverfuche bekannter englischer Persönlichkeiten unb bie Anpreisung derVorzüge ber Presselen­kung" haben den steigenden Unwillen gegen den Jnformationsminister D u ff Cooper nicht aus der Welt geschafft. In Joumalistenkreisen wird Duff Cooper Unwahrhaftigkeit vorgeworfen.Sagens Nyheter" schreibt, seitdem der neunjährige Sohn des Ministers nach Amerika in Sicherheit gebracht worden sei, würden die Angriffe der Londoner Blätter auf Duff Cooper immer heftiger. Am Sonn­tag bezeichnete ein englisches Blatt den Minister als imkompetent und hoffnungslos mangel­haft für feine Aufgabe ausgerüstet". Stellenweise wirb bie Ausbootung Duff Coopers gefordert.

Was die Kriegstreiber dem englischen Volk zu­gedacht haben, zeigt der neue Haushalt, der am Freitag dem Parlament vorgelegt wird. Man bezeichnet ihn in London bereits alsEntbeh- rungs-Budge t". Englands Kriegsausgaben

Brutale Kriegsauswettungspläne -er Westmächte.

Neue Enthüllungen aus Den Geheimpapieren -es französischen Generalsiabs.

Mit welcher Gewissenlosigkeit die plutokratischen Kriegsmacher der Westmächte gesonnen waren, an allen Ecken und Enden Europas bie kleinen Mächte, bie sich hinter ihrer Neutralität der Bewahrung des Friedens sicher fühlten, in ihre Kriegsplane em- zufpannen, um ähnlich wie einst im D^eltkriege einem von allen Seiten eingeschlossenen Deutschland den Lebensatem abzupressen, das geht mit größ­ter Eindeutigkeit aus den von deutschen Soldaten beim Vormarsch in Frankreich aufgefundenen G e - Heimakten des französischen General- st a b e s hervor. Eine neue Veröffentlichung aus bem demnächst erscheinenden, vom Auswärtigen Amt herausgegebenen sechsten Weißbuch, enthüllt noch einmal die ganze Brutalität dieser Kriegsaus­weitungspolitik um jeden Preis.

So bringt das Dokument Nr. 30 einen Bericht des Sonderbeauftragten ber französischen Regierung, ber in gerabezu schamloser Weise ein in allen Einzel­heiten ausgearbeitetes Programm für die Zersto - rung ber rumänischen ®rbö11nbuftrie entwickelt Dabei ist besonbers interessant, baß biefer Agent unb seine Helfershelfer mit ben offiziellen diplomatischen Vertretungen ber Westmächte m Bu­karest auf vertrautestem Fuße ftanb unb englische unb französische Ingenieure mit Offlzrersrang in bie rumänischen Erbölbetriebe eingeschmuggelt würben ausschließlich zu bem Zweck, in großzügigster Welse bie Sabotage unb schließlich bie völlige Zerstörung von Bohranlagen unb Raffinerien vorzubereiten, wobei man sich über ben bleibenben Schaben, ben man bamit Rumänien selbst zufügte, durchaus im klaren war. So sahen in Wahrheit bie Freundschafts- bienfte aus, bie bie Westmächte ben von ihnen in ihrer Freiheit unb Sicherheit angeblich bebrohten kleinen Nationen durch ihre bereitwillig gespendeten

Garantien zu leisten gedachten. Das folgende Doku­ment, in bem ber französische Botschafter in Bukarest eine Sperrung ber Donau vorschlägt, um ba­mit Deutschlanb bie Zufuhr von rumänischem Erböl unb (Betreibe zu sperren, unterstreicht nur bie wahren Absichten biefer plutokratischen Einmischungspolitik auf dem Balkan.

In Konkurrenz mit diesen Kriegsausweitung^ plänen ftanb bie Absicht durch den Einmarsch in Belgien bie rechte Flanke bes deutschen West- Heeres zu überflügeln. Dieser Plan war Gegenstand von Besprechungen bes französischen Kriegsausschus- ses in bem sich General G a m e l i n für das Ein­rücken in Belgien erklärte, obwohl Ministerpräsident Reynaud 'ihn auf die starke Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe aufmerksam machte. Gegenüber diesen Plänen mußte das von General Weygand vorbereitete Saloniki-Unternehmen zeit­weilig zurücktreten, wie aus dem Dokument Nr. 33 hervorgeht. Aber immerhin sollen jetzt schon Trans­portschiffe dem Oberkommandierenden der Levante-

Armee zur Verfügung gestellt werden, um eine erste Abteilung seiner Streitkräfte nach Mazedo­nien zu bringen, ein klarer Beweis dafür, daß die Alliierten mehrere Eisen im Feuer hatten, um, wenn ihnen die Kriegsausweitung im Norden nicht gelingen sollte, dann im Südosten den Brand an­legen zu können.

Höchst aufschlußreich für das Verhalten Englands gegenüber feinem französischen Bundesgenossen ist nun das Dokument Nr. 36, das nichts anderes dar- stellt als einen verzweifelten Hilferuf Rey­naud s an Churchill, dessen Generale mit größter Rücksichtslosigkeit entgegeh dem Befehle Weygands über 40 Kilometer die Flucht zu den Ka­nalhäfen angetreten haben, wobei es ihnen völlig gleichgültig war, daß durch ihren Rückzug eine Lücke Fn der Front entstand, die zu schließen We ygand nicht mehr in der Lage war. So zeigen auch diese Dokumente bei aller Verschiedenheit im einzelnen doch eines ganz kraß, wer auf Englands Freundschaft baut, ist verraten und verkauft. Dr. Fr. W. L.

Die neuen Dokumente.

Dokument Ar. 30.

Bericht des Sonderbeauftragten der französischen Regierung Leon Wenger über die Zerstörung der rumänischen Erdölindustrie vom 1. Oktober 1939.

(Auszug.)

I. Allgemeine Erwägungen.

Gegenstand des Sonderauftrages, mit dem Herr Wenger vom Minister für öffentliche Arbeiten unter der Oberleitung des Herrn Französischen Botschafter betraut worben ist, ist die Aufstellung eines

Programme s für die eventuelle Zerstörung der Bohrplätze, Raffinerien, Vorräte und Transporte sowie gegebenenfalls die Or- ganifationz der Mittel und Wege zur Ausführung dieses Auftrages. Dieses Unternehmen hat ebenso wie das von ben Alliierten im Jahre 1916 gefor­derte den Zweck, Deutschland um den grö­ßeren Teil derOelbestände zu bringen, die es aus Rumänien beziehen könnte, und zwar auf möglichst lange Zett.

Es ist zu beachten, daß die jährliche Produktton Rumäniens sechs Millionen Tonnen beträgt, b.&