Ausgabe 
23.5.1940
 
Einzelbild herunterladen

SeuWeMnienedmchbrichtdieMginot-Linie

P. K. In der fahlen Dämmerung dieses Maitages stellten sich die Infanteristen eines Korps südost­wärts von Sedan zum Sturm auf die Ma- ginot-Linie bereit. In vier langen Tagesmärschen herangekommen; durch Luxemburg und Belgien ohne Rast und Ruh waren die Marschierer der In­fanterie mit den Pionieren und den Geschützen der Artillerie hier in die Wälder an der französisch-bel­gischen Grenze gegangen und hatten, nachdem sorg­sam erkundet und aufgeklärt worden war, am fünf­ten Tage auf den Höhen vor der Chiers die Bereitstellungen vorgenommen. In den Tagen vorher schon hatten die Panzerdivisionen rechts angelehnt bereits Sedan genommen und waren, einen großen sicheren Brückenkopf bildend, immer weiter vorgerückt so, daß nun die Infanterie allein aus eigener Kraft ohne Panzer und Flieger den Angriff auf die Maginot- Linie,am nordwestlichen Ende, ausführen konnte. Es galt, an einer großen Zahl von Stellen über den Fluß zu treten und dabei imAngriffüber Carignan die Höhen zwischen Chiers und Maas zu nehmen und dann nach Südosten vorzustoßen. Gleich jener großzügigen gewaltigen taktischen Konstruktion in Polen wurde auch hier der entscheidende Schlag geführt ... Aus der vor­deren Stellung heraus führend leitete der Komman­dierende General selbst den Angriff seines Korps.

Durch einen starken Feuerüberfall der Artillerie wurde die gegnerische Stellung eingedeckt. Da diese Linie, in ihrer Anlage dem Westwall nachgeahmt, eine spätere Einrichtung der Maginot-Linie ist, an diese aber anschließt, mußte der Gegner über­rannt werden. In das Rollen des Geschützdonners schwerster Geschütze klangen die Lieder vormarschie­render Infanterie, die als Reserve nachgezogen wurde. Nach einstündiger Feuervorbereitung trat die Infanterie an. Der Gegner schoß kaum noch; das Erstaunliche trat ein, er räumte kampflos das Feld. Wie später aus Gefangenenaussagen festgestellt werden konnte, war bereits am Abend vorher gegen 23 Uhr ein Rückzugsbefehl ge­geben worden. Unter dem heftigen Feuer, das er auf die" deutschen Stellungen legte, hatte er sich zu­rückgezogen. Sein kampfloses Zurückgehen am Tage sah nun gar nicht so aus, als ob er sich schweigend in das Hinterland gemacht hätte, er schoß aus seinen Bunkern mit seinen schweren Infanterie­waffen. Plötzlich schwieg das Feuer, und die davor­liegende Infanterie, die annehmen mußte, daß man vorübergehend die Scharte geschlossen hätte, ver­suchte dann einen schnellen Angriff: und der

Bunker war leer. Die Bunker dieses Teiles der Maginot-Linie waren groß und gut gebaut, ausgezeichnet eingerichtet und mit großen Mengen von Munition ausgerüstet. Außerdem waren Lebensmittel und Waffen ausreichend vorhanden, so daß es unverständlich schien,

Die Infanterie der beiden angreifenden Divi­sionen war nicht zu halten. Unaufhörlich, von Kräf­ten der Aufklärungsabteilungen und den Pionieren begleitet, drängte sie nach vorn, warf den Gegner auf seinen befestigten Stellungen und machte eine große Anzahl von Gefangenen, die alle insgesamt einen ausgesprochenen niedergeschlagenen Eindruck machten. Der Gegner hatte an der Chiers alle Brücken gesprengt, und doch gelangten die Stür­menden sofort hinüber; Schlauchboote, Uebersetzstege, Pontonbrücken, die in wenigen Stunden geschlagen waren, und ehe es sich der Franzose versah, stießen bereits schwere motorisierte Verbände nach Südosten vor. Die Hügel mit den niedrigen Waldbeständen, übersetzt von Viehkoppeln und schweflig-gelben Staubwegen, waren lebendig ge­worden; überall stießen die deutschen Einheiten vor. Reiter auf schmalen Wegen, Radfahrer, Kradräder und ihnen schnell und in der heißen Maisonne ver­staubt folgend die Infanterie. Sie besetzte die Räume, sie erreichte die Hauptkampflinie und be­setzte sie drei Stunden bevor sie dort eintreffen sollte.

Die schweren Verbände der Artillerie sind bereits wieder in Stellung gegangen. Das nun einsetzende heftige Abwehrfeuer der Franzosen aus dem Festungsraum von Montmedy zerstört nur noch französische Dörfer, die brennend in sich zusammenbrechen. Der Vormarsch der deutschen In­fanterie und der zu ihr gehörenden Verbände des Heeres, einschließlich der zum Erdkampf eingesetzten Einheiten der Flak, ist ohne Abänderung vor sich gegangen.

In den heißen Mittagsstunden des 15. Mai 1940 hat die deutsche Infanterie bereits den Ruhm für sich, in die Vorstellung der Maginot-Linie siegreich eingebrochen zu sein. Ohne einen ernsthaft kämpfen­den Gegner zu finden, der sich gleichwertig gestellt hätte, ist die deutsche Infanterie gemeinsam mit Kanonieren und Pionieren in den Stahl- und Be­tonwall der Franzosen eingebrochen. Zwischen der Chiers und Maas stehen keine Franzosen mehr. Die Infanteristen deutscher Divisionen haben im glänzenden Einsatz und in einer genialen Schwen­kung den siegreichen Stoß in Frankreichs ODefesti- gung geführt. Dr. Joachim Fischer.

Strategie und Taktik.

Im militärischen Schrifttum werden dauernd die BegriffeStrategie" undTaktik" verwendet. Ge­legentlich wird auch außerhalb des militärischen Be­reiches bildlich von Strategie oder Taktik gesprochen, z. B. in der Politik. Aber vielfach gehen diese beiden Begriffe auch, ohne klare Abgrenzung, etwas wirr durcheinander. Und darum ist es vielleicht ganz an­gebracht, den Sinngehalt der beiden Fachbezeichnun­gen klarzustellen und scharf zu umgrenzen.

In Anlehnung an den berühmten preußischen Mi- litiärschriftsteller Clausewitz erklärt ein moderner Militärschriftsteller d i e T a k t i kals die Kunst und die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte, also der Trup­pen und Waffen im Gefecht". Die Strategie aber wird bezeichnet als die Kunst, das Ergebnis der Ge­fechte und Schlachten zur Erreichung des Kriegs­zweckes auszunützen. Für den Allgemeingebrauch ist sehr nützlich die Begriffsbestimmung, die der im Weltkrieg verstorbene Generalfeldmarschall von der Goltz gegeben hat. Er schreibt:Im allgemei­nen beschäftigt sich die Strategie mit den Maß­nahmen im großen, welche dazu dienen sollen, die Truppen unter den günstigsten Bedingungen in die Waffenentscheidung eintreten zu lassen; die Taktik hingegen umfaßt alle Anwendungen für diese Waf­fenentscheidung selbst. Man nennt die Strategie auch die Lehre von der Heeresleitung, die Taktik die Lehre von der Truppenführung."

Wie leicht verständlich, gehen Strategie und Taktik häufig ineinander über, so daß impraktischen Leben" der Kriegführung manchmal schwer zu be­stimmen ist, wo die Strategie aufhört und die Taktik beginnt und umgekehrt. Die Strategie beginnt be­reits mit dem Aufmarsch, und hier stoßen wir auf den Begriff derO p e r a t i o n e n". Unter Opera­tionen versteht man die Bewegungen der Streit­kräfte, die zu einer Schlacht führen. In diesem Zu­sammenhänge müssen auch Ausdrücke verstanden werden, wieoperativer Entschluß"^ oderOpera­tionsbasis". In dieses Kapitel gehört der Auf­marsch, also die Heranführung, Versammlung und Bereitstellung der Truppen zur Eröffnung des Krie­ges. Die Bedeutung des Aufmarsches wurde yon M o l t k e mit den bekannten Worten hervorgehoben, daßein Fehler in der ursprünglichen Versammlung des Heeres im ganzen Verlauf des Feldzuges kaum wieder gutzumachen ist".*Der Grund dafür ist ein­fach: der schnelle und zweckvolle Aufmarsch soll dem Feind das Gesetz des Handelns diktieren, indem er ihm in der Einleitung der Operationen zuvorkommt. Musterbeispiele für solche Aufmärsche größten Stiles brachten der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 und derFeldzug der 18 Tage" in Polen 1939.

Kriegsgeschichtlich interessant ist die Begriffsbestim­mung, die General I o m i n i, ein Generalstäbler Napoleons, von der Strategie gegeben hat. Er nennt sie dieKunst, die Massen auf dem Kriegsschauplatz zu bewegen". Diese Begriffsbestimmung ist gedanklich unzulänglich, weil sie den Begriff der Strategie zu eng faßt und sehr wichtige Aufgaben übergeht. Richtig ist aber, daß General Iomini ein sehr we­sentliches Merkmal der modernen Kriegführung mit einer gewissen Einseitigkeit, aber auch sehr klar her­ausgearbeitet hat: nämlich den bis dahin unerhörten Einsatz von Truppen massen. Es ist auch bezeich­nend, daß die Arbeit und Bildung derGeneral­stäbe" etwa mit dem napoleonischen Zeitalter be­ginnt. Dr. Ho.

Meine politische Nachrichten.

Nach der Arbeitstagung mit den Gauobmännern der DAF. aus den westlichen Gauen des Reiches hat sich Reichsleiter Dr. Ley wieder zu verschie­denen Gruppen jener Frontarbeiter begeben, die im neu besetzten Gebiet im Westen unmittelbar hinter der kämpfenden Truppe Einsatz gefunden haben.

*

Während im Westen die deutschen Truppen den zerschmetternden Schlag gegen die feindlichen Heere führen, öffneten sich in Breslau die Tore der Breslauer Messe 1 9 4 0, dem Landmaschinen­markt, der ersten Messe im erweiterten deutschen Ostraum. Im Mittelpunkt der Eröffnungsfeier im

Breslauer Konzerthaus stand eine Rede des Staats-- ekretärs Dr. Landfried, der die Grüße des Zeneralfeldmarschalls Göring, des Reichswirt- chaftsministers und des Reichsernährungsministers überbrachte. *

In der Gegend von Lauterburg konnten, nachdem sich der Feind hier weiter zurückziehen mußte, 50 0 französische Eisenbahn­wagen geborgen werden.

*

Popolo di Roma" meldet aus Kairo, daß der französische General M a s s i e t, ehemals Militär­kommissar in Syrien, zum Nachfolger General Weygands als Oberbefehlshaber in Syrien be- timmt worden fei.

Gazetta del Popolo" meldet aus London, daß der Herzog von Gloucester, der Bruder des Königs von England, von Bombensplittern an der Westfront verwundet worden sein soll. Er habe sich drei Nächte lang in einem Ort befunden, der unablässig von deutschen Flugzeugen bombar­diert worden sei.

*

Außenminister Graf Ciano traf am Mittwoch an Bord des KreuzersGaribaldi" im Hafen von Durazzo ein. Auf der Fahrt durch das fest­lich geschmückte albanische Land begleiteten Graf Ciano Kundgebungen für das faschistische Italien, die in Tirana ihren Höhepunkt fanden, wo Graf Ciano die neue Rundfunkstation ihrer Bestimmung übergab.

WieSagens Nyheter" berichtet, sind die großen norwegischen Stickstoffwerke der Norsk Hydro wieder unter deutscher Oberaufsicht i n Be­tri e b gesetzt worden. Da das Werk voll arbeiten kann, werden große Mengen von Stickstoff nach Deutschland exportiert werden können.

* '

Staatspräsident Dr. Tiso hat einem Rücktrittsge­such des Oberbefehlshabers der Hlinkagarde, Sano Mach, stattgegeben und an seiner Stelle Franz Galan, den Stellvertreter von Dr. Kirschbaum im Generalsekretariat der Slowakischen Dolkspartei zum Oberbefehlshaber der Hlinkagarde ernannt.

General der Infanterie a. D. Oskar Ritter von T y l a n d e r ist im 84. Lebensjahr nach kur­zem Leiden gestorben. Im Weltkriege führte Gene-, ral von Tylander das I. Bayrische Armeekorps in zahlreichen Schlachten von Sieg zu Sieg. Für seine hervorragenden Leistungen wurde er mit dem Mili- tär-Max-Joseph-Orden und dem Pour le m^rite ausgezeichnet.

Oer Annunziotenorden für Generalfeldmarschall Göring.

Berlin, 22. Mai. (DNB.) Der König von Jia- lien und Albanien, Kaiser von Aethiopien, hat Ge­neralfeldmarschall Göring aus Anlaß des Jahres­tages der Unterzeichnung des deutsch-italienischen Freundschafts- und Bündnispaktes die höchste italie­nische Ordensauszeichnung, die große Ordens­kette des Annunziatenordens, verliehen. Botschafter Alfieri hat sich am Mittwoch mit dem Flugzeug in das Hauptquartier des Gene­ralfeldmarschalls an der Westfront begeben und ihm die Insignien des Ordens überreicht. Generalfeld­marschall Göring hat König Viktor Emanuel III. seinen Dank telegraphisch übermittelt.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptjchriftletters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bllder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner.

Druck und Verlag: Brühlsche Univeyüätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagslelter: Dr.°Jng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6.

fastro"

griechische Be­zeichnung für die "Gesamtheit der Himmelskörper.

/Orion"

' auch Himmelsjäger genannt, eines der ältesten bekannten Sternbilder.

Z

I

I

Auch dieAstra blerbt steh tmwe*

Immer aromatisch!

Immer frisch!

Immer leicht!

Nur ausgewählte reine Orienttaboke erster Prove­nienzen ft nden für die,, Astra" Verwendung Das besondere Mischverfahren ergibt die unveränderliche charakteri­stische Vereinigung von Leichtigkeit und reichem

Aroma

MIT UND OHNE MUNDSTOCK