SeuWeMnienedmchbrichtdieMginot-Linie
P. K. In der fahlen Dämmerung dieses Maitages stellten sich die Infanteristen eines Korps südostwärts von Sedan zum Sturm auf die Ma- ginot-Linie bereit. In vier langen Tagesmärschen herangekommen; durch Luxemburg und Belgien ohne Rast und Ruh waren die Marschierer der Infanterie mit den Pionieren und den Geschützen der Artillerie hier in die Wälder an der französisch-belgischen Grenze gegangen und hatten, nachdem sorgsam erkundet und aufgeklärt worden war, am fünften Tage auf den Höhen vor der Chiers die Bereitstellungen vorgenommen. In den Tagen vorher schon hatten die Panzerdivisionen rechts angelehnt bereits Sedan genommen und waren, einen großen sicheren Brückenkopf bildend, immer weiter vorgerückt so, daß nun die Infanterie allein aus eigener Kraft ohne Panzer und Flieger den Angriff auf die Maginot- Linie,am nordwestlichen Ende, ausführen konnte. Es galt, an einer großen Zahl von Stellen über den Fluß zu treten und dabei imAngriffüber Carignan die Höhen zwischen Chiers und Maas zu nehmen und dann nach Südosten vorzustoßen. Gleich jener großzügigen gewaltigen taktischen Konstruktion in Polen wurde auch hier der entscheidende Schlag geführt ... Aus der vorderen Stellung heraus führend leitete der Kommandierende General selbst den Angriff seines Korps.
Durch einen starken Feuerüberfall der Artillerie wurde die gegnerische Stellung eingedeckt. Da diese Linie, in ihrer Anlage dem Westwall nachgeahmt, eine spätere Einrichtung der Maginot-Linie ist, an diese aber anschließt, mußte der Gegner überrannt werden. In das Rollen des Geschützdonners schwerster Geschütze klangen die Lieder vormarschierender Infanterie, die als Reserve nachgezogen wurde. Nach einstündiger Feuervorbereitung trat die Infanterie an. Der Gegner schoß kaum noch; das Erstaunliche trat ein, er räumte kampflos das Feld. Wie später aus Gefangenenaussagen festgestellt werden konnte, war bereits am Abend vorher gegen 23 Uhr ein Rückzugsbefehl gegeben worden. Unter dem heftigen Feuer, das er auf die" deutschen Stellungen legte, hatte er sich zurückgezogen. Sein kampfloses Zurückgehen am Tage sah nun gar nicht so aus, als ob er sich schweigend in das Hinterland gemacht hätte, — er schoß aus seinen Bunkern mit seinen schweren Infanteriewaffen. Plötzlich schwieg das Feuer, und die davorliegende Infanterie, die annehmen mußte, daß man vorübergehend die Scharte geschlossen hätte, versuchte dann einen schnellen Angriff: und der
Bunker war leer. Die Bunker dieses Teiles der Maginot-Linie waren groß und gut gebaut, ausgezeichnet eingerichtet und mit großen Mengen von Munition ausgerüstet. Außerdem waren Lebensmittel und Waffen ausreichend vorhanden, so daß es unverständlich schien,
Die Infanterie der beiden angreifenden Divisionen war nicht zu halten. Unaufhörlich, von Kräften der Aufklärungsabteilungen und den Pionieren begleitet, drängte sie nach vorn, warf den Gegner auf seinen befestigten Stellungen und machte eine große Anzahl von Gefangenen, die alle insgesamt einen ausgesprochenen niedergeschlagenen Eindruck machten. Der Gegner hatte an der Chiers alle Brücken gesprengt, und doch gelangten die Stürmenden sofort hinüber; Schlauchboote, Uebersetzstege, Pontonbrücken, die in wenigen Stunden geschlagen waren, und ehe es sich der Franzose versah, stießen bereits schwere motorisierte Verbände nach Südosten vor. Die Hügel mit den niedrigen Waldbeständen, übersetzt von Viehkoppeln und schweflig-gelben Staubwegen, waren lebendig geworden; überall stießen die deutschen Einheiten vor. Reiter auf schmalen Wegen, Radfahrer, Kradräder und ihnen schnell und in der heißen Maisonne verstaubt folgend die Infanterie. Sie besetzte die Räume, sie erreichte die Hauptkampflinie und besetzte sie drei Stunden bevor sie dort eintreffen sollte.
Die schweren Verbände der Artillerie sind bereits wieder in Stellung gegangen. Das nun einsetzende heftige Abwehrfeuer der Franzosen aus dem Festungsraum von Montmedy zerstört nur noch französische Dörfer, die brennend in sich zusammenbrechen. Der Vormarsch der deutschen Infanterie und der zu ihr gehörenden Verbände des Heeres, einschließlich der zum Erdkampf eingesetzten Einheiten der Flak, ist ohne Abänderung vor sich gegangen.
In den heißen Mittagsstunden des 15. Mai 1940 hat die deutsche Infanterie bereits den Ruhm für sich, in die Vorstellung der Maginot-Linie siegreich eingebrochen zu sein. Ohne einen ernsthaft kämpfenden Gegner zu finden, der sich gleichwertig gestellt hätte, ist die deutsche Infanterie gemeinsam mit Kanonieren und Pionieren in den Stahl- und Betonwall der Franzosen eingebrochen. Zwischen der Chiers und Maas stehen keine Franzosen mehr. Die Infanteristen deutscher Divisionen haben im glänzenden Einsatz und in einer genialen Schwenkung den siegreichen Stoß in Frankreichs ODefesti- gung geführt. Dr. Joachim Fischer.
Strategie und Taktik.
Im militärischen Schrifttum werden dauernd die Begriffe „Strategie" und „Taktik" verwendet. Gelegentlich wird auch außerhalb des militärischen Bereiches bildlich von Strategie oder Taktik gesprochen, z. B. in der Politik. Aber vielfach gehen diese beiden Begriffe auch, ohne klare Abgrenzung, etwas wirr durcheinander. Und darum ist es vielleicht ganz angebracht, den Sinngehalt der beiden Fachbezeichnungen klarzustellen und scharf zu umgrenzen.
In Anlehnung an den berühmten preußischen Mi- litiärschriftsteller Clausewitz erklärt ein moderner Militärschriftsteller d i e T a k t i k „als die Kunst und die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte, also der Truppen und Waffen im Gefecht". Die Strategie aber wird bezeichnet als die Kunst, das Ergebnis der Gefechte und Schlachten zur Erreichung des Kriegszweckes auszunützen. Für den Allgemeingebrauch ist sehr nützlich die Begriffsbestimmung, die der im Weltkrieg verstorbene Generalfeldmarschall von der Goltz gegeben hat. Er schreibt: „Im allgemeinen beschäftigt sich die Strategie mit den Maßnahmen im großen, welche dazu dienen sollen, die Truppen unter den günstigsten Bedingungen in die Waffenentscheidung eintreten zu lassen; die Taktik hingegen umfaßt alle Anwendungen für diese Waffenentscheidung selbst. Man nennt die Strategie auch die Lehre von der Heeresleitung, die Taktik die Lehre von der Truppenführung."
Wie leicht verständlich, gehen Strategie und Taktik häufig ineinander über, so daß im „praktischen Leben" der Kriegführung manchmal schwer zu bestimmen ist, wo die Strategie aufhört und die Taktik beginnt und umgekehrt. Die Strategie beginnt bereits mit dem Aufmarsch, und hier stoßen wir auf den Begriff der „O p e r a t i o n e n". Unter Operationen versteht man die Bewegungen der Streitkräfte, die zu einer Schlacht führen. In diesem Zusammenhänge müssen auch Ausdrücke verstanden werden, wie „operativer Entschluß"^ oder „Operationsbasis". In dieses Kapitel gehört der Aufmarsch, also die Heranführung, Versammlung und Bereitstellung der Truppen zur Eröffnung des Krieges. Die Bedeutung des Aufmarsches wurde yon M o l t k e mit den bekannten Worten hervorgehoben, daß „ein Fehler in der ursprünglichen Versammlung des Heeres im ganzen Verlauf des Feldzuges kaum wieder gutzumachen ist".*Der Grund dafür ist einfach: der schnelle und zweckvolle Aufmarsch soll dem Feind das Gesetz des Handelns diktieren, indem er ihm in der Einleitung der Operationen zuvorkommt. Musterbeispiele für solche Aufmärsche größten Stiles brachten der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 und der „Feldzug der 18 Tage" in Polen 1939.
Kriegsgeschichtlich interessant ist die Begriffsbestimmung, die General I o m i n i, ein Generalstäbler Napoleons, von der Strategie gegeben hat. Er nennt sie die „Kunst, die Massen auf dem Kriegsschauplatz zu bewegen". Diese Begriffsbestimmung ist gedanklich unzulänglich, weil sie den Begriff der Strategie zu eng faßt und sehr wichtige Aufgaben übergeht. Richtig ist aber, daß General Iomini ein sehr wesentliches Merkmal der modernen Kriegführung mit einer gewissen Einseitigkeit, aber auch sehr klar herausgearbeitet hat: nämlich den bis dahin unerhörten Einsatz von Truppen massen. Es ist auch bezeichnend, daß die Arbeit und Bildung der „Generalstäbe" etwa mit dem napoleonischen Zeitalter beginnt. Dr. Ho.
Meine politische Nachrichten.
Nach der Arbeitstagung mit den Gauobmännern der DAF. aus den westlichen Gauen des Reiches hat sich Reichsleiter Dr. Ley wieder zu verschiedenen Gruppen jener Frontarbeiter begeben, die im neu besetzten Gebiet im Westen unmittelbar hinter der kämpfenden Truppe Einsatz gefunden haben.
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Während im Westen die deutschen Truppen den zerschmetternden Schlag gegen die feindlichen Heere führen, öffneten sich in Breslau die Tore der Breslauer Messe 1 9 4 0, dem Landmaschinenmarkt, der ersten Messe im erweiterten deutschen Ostraum. Im Mittelpunkt der Eröffnungsfeier im
Breslauer Konzerthaus stand eine Rede des Staats-- ekretärs Dr. Landfried, der die Grüße des Zeneralfeldmarschalls Göring, des Reichswirt- chaftsministers und des Reichsernährungsministers überbrachte. *
In der Gegend von Lauterburg konnten, nachdem sich der Feind hier weiter zurückziehen mußte, 50 0 französische Eisenbahnwagen geborgen werden.
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„Popolo di Roma" meldet aus Kairo, daß der französische General M a s s i e t, ehemals Militärkommissar in Syrien, zum Nachfolger General Weygands als Oberbefehlshaber in Syrien be- timmt worden fei.
„Gazetta del Popolo" meldet aus London, daß der Herzog von Gloucester, der Bruder des Königs von England, von Bombensplittern an der Westfront verwundet worden sein soll. Er habe sich drei Nächte lang in einem Ort befunden, der unablässig von deutschen Flugzeugen bombardiert worden sei.
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Außenminister Graf Ciano traf am Mittwoch an Bord des Kreuzers „Garibaldi" im Hafen von Durazzo ein. Auf der Fahrt durch das festlich geschmückte albanische Land begleiteten Graf Ciano Kundgebungen für das faschistische Italien, die in Tirana ihren Höhepunkt fanden, wo Graf Ciano die neue Rundfunkstation ihrer Bestimmung übergab.
Wie „Sagens Nyheter" berichtet, sind die großen norwegischen Stickstoffwerke der Norsk Hydro wieder unter deutscher Oberaufsicht i n Betri e b gesetzt worden. Da das Werk voll arbeiten kann, werden große Mengen von Stickstoff nach Deutschland exportiert werden können.
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Staatspräsident Dr. Tiso hat einem Rücktrittsgesuch des Oberbefehlshabers der Hlinkagarde, Sano Mach, stattgegeben und an seiner Stelle Franz Galan, den Stellvertreter von Dr. Kirschbaum im Generalsekretariat der Slowakischen Dolkspartei zum Oberbefehlshaber der Hlinkagarde ernannt.
General der Infanterie a. D. Oskar Ritter von T y l a n d e r ist im 84. Lebensjahr nach kurzem Leiden gestorben. Im Weltkriege führte Gene-, ral von Tylander das I. Bayrische Armeekorps in zahlreichen Schlachten von Sieg zu Sieg. Für seine hervorragenden Leistungen wurde er mit dem Mili- tär-Max-Joseph-Orden und dem Pour le m^rite ausgezeichnet.
Oer Annunziotenorden für Generalfeldmarschall Göring.
Berlin, 22. Mai. (DNB.) Der König von Jia- lien und Albanien, Kaiser von Aethiopien, hat Generalfeldmarschall Göring aus Anlaß des Jahrestages der Unterzeichnung des deutsch-italienischen Freundschafts- und Bündnispaktes die höchste italienische Ordensauszeichnung, die große Ordenskette des Annunziatenordens, verliehen. Botschafter Alfieri hat sich am Mittwoch mit dem Flugzeug in das Hauptquartier des Generalfeldmarschalls an der Westfront begeben und ihm die Insignien des Ordens überreicht. Generalfeldmarschall Göring hat König Viktor Emanuel III. seinen Dank telegraphisch übermittelt.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptjchriftletters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bllder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner.
Druck und Verlag: Brühlsche Univeyüätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagslelter: Dr.°Jng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6.
f „astro"
griechische Bezeichnung für die "Gesamtheit der Himmelskörper.
/„Orion"
' auch Himmelsjäger genannt, eines der ältesten bekannten Sternbilder.
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