Rußland verbittet sich englische Einmischung.
Flucht also nur noch die Kanalhäfen. Die flandrische Küste, welche die eigentliche Nahtstelle zwischen den verbündeten feindlichen Armeen war und nun also das Sprun-gbrett zur Flucht der britischen Expedi- tiostruppen bilden soll, ist in chrer gesamten Ausdehnung so flach, daß selbst Boote oft nur bis auf 100 Meter an die Küste herankommen können. Zudem sind der Küste die berüchtigten flämischen Bänke, gefährliche Untiefen, vorgelagert, und eine aus Westen kommende Meeresströmung, die viel Sand mit sich führt, macht es notwendig, daß die hier der Natur zum Trotz künstlich angelegten Häfen ständig gepflegt werden müssen. Belgien hat südlich der Scheldemündung nur einen Hafen mit größeren modernen Anlagen, das ist O st e n d e , ein weltbekanntes Bad mit 48 000 Einwohnern, aber auch Endpunkt wichtiger internationaler Eisenbahnlinien, die hier den Anschluß an die Passagier- und Postboote nach den englischen Häsen Ramsgate und Dover bekommen. Die Ueberfahrt nach Dover dauert 3% Stunden. Während des Weltkrieges war Ostende von der deutschen 4. Armee befefct und zu einem wichtigen Stützpunkt für Torpedo- und H- Boote ausgebaut worden. Versuche der Engländer, die Hafeneinfahrt zu sperren, scheiterten im Frühjahr 1918 unter schweren Verlusten. Als deutscher U-Bootstützpunkt diente auch Zeebrügge, das mit seinen modernen Anlagen einen Vorhafen für die einst so blühende Handelsstadt Brügge darstellte, deren Hafen im Laufe der Jahrhunderte gänzlich versandet ist. Auch das westlich gelegene Nieuport leidet sehr unter der Versandung. Für Massentransporte, wie sie die beschleunigte Einschiffung der britischen Truppen mit ihrer gewiß recht umfangreichen Bagage und den großen Mengen Kriegsmaterial wiA sich bringt, dürften die Hafenanlagen dieser belgischen Küstenorte bei weitem nicht ausreichen.
Die Briten werden deshalb auch schon ihren Blick auf die französischen Kanalhäfen geworsen haben, deren nächstgelegner, Dünkirchen, nur 15 Kilometer jenseits der Grenze, eine altertümliche Stadt von 31 000 Einwohnern tft, die noch ganz flämischen Charakter hat und erst 1662 an Frankreich gekommen ist, das sie zu einer starken Seefestung ausbaute und aus ihr einen bedeutenden Handelshafen mit vielen Schiffswerften und reger Schiffs- industrie machte. Bekannter ist 40 Kilometer weiter westlich das ebenfalls stark befestigte Calais, eine Stadt von 70 000 Einwohnern an der schmälsten Stelle des Kanals, nur 37 Kilometer von D o - v e r entfernt, Uebergangsstation für die „Boot- Züge" Paris—London und umgekehrt, die von Calais nach Dover nur eine Stunde benötigen. Das ist die schnellste Verbindung, zumal sie sich hüben wie drüben auf bequeme Uebergangseinrichtungen stützen kann, weshalb Cglais auch im Weltkrieg der Haupthafen des britischen Heeres in Frankreich war. Zweihundert Jahre hindurch, von 1347 bis 1558, ist es sogar ganz englischer Besitz gewesen. Um das Cap Gris-Nez („Graue Nase") herum, das zu einer Kreiüeplatte gehört, die sich unter Wasser in einer liefe von 40 bis 60 Meter bis nach England hinzieht und in den Kreidefelsen von Dover sich fortsetzt, liegt Boulogne sur Mer, von dem einst Napoleon im Jahre 1805 nach dem Bau einer großen Transportflotte zum Angriff auf England hat übersetzen wollen, aber als es nicht gelungen war, Nemans Flotte aus dem Kanal zu locken, davon Abstand genommen und das bei Boulogne schon versammelte Heer gegen Oesterreich, Englands Verbündeten, geführt hatte. Boulogne mit 52 000 Einwohnern, darunter vielen hier seßhaft gewordenen Engländern, ist nicht nur wichtiger Ausgangspunkt der Passagier- und Postboote nach den englischen Häfen Dover und Folkestone, sondern auch ein bedeutender Ausfuhrhafen für Champagner- und Burgunderweine, die ja im Außenhandel Frankreichs eine hervorragende Rolle spielen. Der kleinste der bekannteren Kanalhäfen Frankreichs ist D ie p p e mit 25 000 Einwohnern, schon in der Normandie gelegen, deren Küste weiter westlich noch die großen Kriegshäfen Le Havre und Cherbourg aufweist. Frankreichs Kanalhäsen sind Operationsgebiet geworden. Nicht nur die Luftwaffe hat sie erfolgreich angegriffen, vor ihnen konnten auch ein feindlicher Kreuzer und elf Handels- und Transportschiffe vernichtet werden, auch Schnellboote der deutschen Kriegsmarine sind bereits im Kanal erschienen und haben hier einen feindlichen Hilfskreuzer versenkt. So wird hier wieder das enge Zusammenwirken aller drei Wehrmachtsteile offenkundig, das schon bei dem Landungsunternehmen in Norwegen so große Erfolge gezeitigt hat.
Die am Drehpunkt der deutschen Nordwestbewegung in den Wäldern um Valenciennes zusammengedrängten französisch-belgischen Truppen machen immer wieder verzweifelte Versuche, nach Süden durchzubrechen; auch im Artois versucht der Gegner über Arras und westlich davon nach Süden auszuweichen. Hier waren sogar englische Panzer eingesetzt, weil die Engländer anscheinend auf andere Weise nicht glaubten, ihren Rückzug zu den Kanalhäfen decken zu können und sich dabei auf die Franzosen und Belgier allein nicht verlassen zu können meinten. Aber vergebens, wie bei allen bisherigen Kämpfen, in denen die Panzerwaffe auftrat, zeigte sich auch hier, daß weder in der technischen Ausrüstung, noch in der taktischen Schulung und Führung die feindlichen motorisierten und mechanisierten Verbände der deutschen Panzerwaffe gewachsen sind. Obwohl die im Raume von Valenciennes und bei Arras kämpfenden französisch-bel- aischen Armeen besonders gut ausgerüstet sind und sorgfältig aüsgewählte Truppenteile enthalten, weil mit ihnen der Einbruch in das Ruhrrevier sich vollziehen sollte, unb obwohl diese Truppen sich äußerst zäh und tapfer schlagen, scheiterten alle Bemühungen eines Ausbruchs nach Westen oder Süden an dem harten Festhalten der deutschen Truppenverbände aller Waffen.
Währenddes setzte die deutsche Luftwaffe ihr Zerstörungswerk im französischen Rückzugsgelände und im Etappengebiet erfolgreich fort. Dabei wurden auch die wichtigen Bahnknotenpunkte Corn- p i ö g n e und Ereil, wo die Bahnlinien aus dem Aisne-Tal von Reims und Soisfons her und aus dem Marnetal von CHLlons und Chateau- Thierry in die Strecke St. Quentin—Paris einmünden, in Brand geworfen. Aus dem schon weit hinter den vordersten deutschen Fronten gelegenen Gebiet wird der Fall einer starken Werkgruppe der Festung Lüttich und der Abschluß der Kämpfe in der holländischen Provinz Z e e l a n d mit der Gefangennahme von 1600 Franzosen und 13 000 Holländern durch weit unterlegene deutsche Truppen gemeldet. Vielleicht ist in Diesem Zusammenhang die Erinnerung nicht uninteressant, daß aus Walch er en, der durch die Lage Vlissingens an der Westerschelde bedeutendsten zeeländischen Insel, einst England, um Antwerpen den Franzosen zu entreißen (im Juli 1809), 40 000 Mann landete, die aber großenteils durch schlechte Führung und Krankheiten elend zugrunde gingen. Es war das größte
M o s k a u, 22. Mai. (DNB.) Eine amtliche Verlautbarung gibt Klarheit über die Haltung der Sowjetregierung in den Besprechungen mit England über die gegenseitigen Handelsbeziehungen. Daraus wird klar ersichtlich, daß die Sowjetregierung ihre Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland gemäß den abgeschlossenen Verträgen aufrecht erhält und weiterentwickeln will, ohne den anmaßenden Forderungen der Engländer auf eine Begrenzung ihres Handels mit Deutschland auch nur im geringsten Rechnung zu tragen.
Die Verlautbarung gibt einen Ueberblick über die englischen Wünsche, mit der Sowjetunion in Besprechungen über ein Handelsabkommen einzutreten. Die Sowjetregierung brachte ihr prinzipielles Einverständnis zum Ausdruck. „Jedoch eine Reihe von Maßnahmen", so heißt es dann, „die die englische Regierung zur Einschränkung und Begrenzung des Handelsverkehrs mit der Sowjetunion getroffen hat (Annullierung sowjetischer, Jndustriebestestungen), die Zurückhaltung von sowjetischen Handelsschiffen mit Frachten für die Sowjetunion, die feindselige Haltung, die die englische Regierung gegenüber der Sowjetunion während des Konfliktes mit Finnland eingenommen hat, sowie die führende Rolle der englischen Regierung beim Ausschluß der Sowjetunion aus der Genfer Liga konnten einer befriedigenden Entwicklung dieser Besprechungen nicht dienlich sein.",
Die englische Regierung habe die Forderung nach Garantien aufgestellt, daß die Waren, die von der Sowjetunion aus dem Auslande ein« geführt werden, nicht für Deutschland, andern zum Verbrauch in der Sowjetunion selbst bestimmt sind und die Frage des Abschlusses eines Handelsabkommens verknüpft mit der Einschränkung der Handelsbeziehungen zwischen der Sowjetunion und Deutschland.
Berlin, 22. Mai. (DNB.) Seit einigen Tagen mehren sich bei der deutschen Luftwaffenführung die Meldungen über den Rückzug der Feinde im Westen. Gleichzeitig treffen aber auch Berichte über die von allen fliegenden Verbänden der deutschen Luftwaffe über dem Operationsraum gemachte Erfahrung ein, daß die zurück- lutenden Feinde chre Bewegungen durch einen chändlichen Mißbrauch der Zivilbevölkerung decken l a s f e n. Vertreter der in- und ausländifchen Presfe hatten Gelegenheit, sich dieses feige Verhalten aus dem Munde von Augenzeugen, bie noch 24 Stunden vorher Feindflüge unternommen haben, schildern zu lassen.
Am 13. Mai wurden z. B. ostwärts Philippevllle in einer Waldschneife zahlreiche Sanitätskraft- wagen beobachtet, bei denen, etwa 30 Meter seitwärts, Panzerwagen standen, aus denen auf das deutsche Flugzeug geschossen wurde.
Fliegerbeobachtungen der gegnerischen Ruckzugsstraßen, die zum Teil aus Baumhöhe gemacht wurden, ergaben einwandfrei und mit absoluter Heber» einftimmung, daß die zurückweichenden englischen, französischen und belgischen Truppen sich zum Schutz vor deutschen Flugangriffen hinter fliehenden Zivilisten zu verstecken suchten. So ist bei Avesnes von einem deutschen Flugzeug eine Straße beobachtet worden, auf deren linker Seite sich französische Truppeneinheiten bewegten, während die rechte Straßenseite von langen
Landheer, das England jemals während der napoleonischen Kriege aufgebracht hat, das hier kläglich Fiasko erlitt.
Der gestrige Wehrmachtsbericht lenkt unsere Blicke wieder nach Norwegen, wo im hohen Norden die Gruppe Naryik mit einer Zähigkeit, die unsere höchste Bewunderung verdient, im Kamps gegen einen weit überlegenen Feind ihre Stellung behauptet. Von D r o n t h e i m her sind über Steinkjer, Grong und M o s j o e n deutsche Gebirgsjäger im Anmarsch nach Norden und haben durch denkbar schwieriges Gelände 'über Höhenzüge bis zu 1900 Meter bereits Mo an der Mündung des Dunder in den Rauen-Fjord und Storforshei, beides vierhundert Kilometer nördlich Drontheim, genommen. Die hier gefangenen Engländer waren schon am 7. April in England eingeschifft, ein weiterer untrüglicher Beweis für den damals schon eingeleiteten englischen Angriff auf Norwegen, der durch das überraschend schnelle deutsche Unternehmen den Engländern aus der Hand geschlagen wurde. Wie auf dem nordwestlichen Kriegsschauplatz, so hat auch an den Kämpfen in Norwegen nach wie vor die deutsche Luftwaffe hervorragenden Anteil, besonders durch ihren überaus regen und erfolgreichen Einsatz gegen die im Raume von Narvik operierenden englischen Flotteneinheiten.
Dr. Fr. W. Lange.
WieGeneralGiraud gefangen genommen wurde.
Nach den neuesten Feststellungen hat sich die Gefangennahme des Führers der 9. französischen Armee, des Generals Giraud, wie folgt abgespielt. Der General befand sich bereits seit einigen Tagen im Stabsquartier der 9. Armee. Infolge der sich geradezu überstürzenden Ereignisse hatte er die' Uebersicht über die Lage im Operationsgebiet seiner Armee verloren. Er fuhr darauf in einem Panzerspähwagen an bie Front, um sich persönlich ein genaueres Bild vom Stand der Kämpfe zu machen und den Widerstand gegen die vorstürmenden deutschen Truppen zu organisieren. Während der Fahrt geriet der Panzerwagen des Generals plötzlich mitten in eine deutsche Panzerformation und war wenige Augenblicke später mit seiner Begleitung in deutscher Gefangenschaft.
Die feindlichen Nachrichtenbüros hatten die Gefangennahme des Generals zunächst zu verschleiern versucht. Die französische Agentur Havas leugnete sie zuerst rundweg ab, gab aber kurz daraus wenigstens zu, es bestehe seit 48 Stunden keine Verbindung mehr mit ihm. Die Gefangennahme eines der höchsten französischen Kommandeure, eines Armeeführers, muß in Paris einen bösen Schrecken verursacht haben. Noch wenige Tage vorher, als dem General Giraud das Oberkommando über die 9. Ar-
Die Antwort der Sowjetregierung besagt: Die Sowjetunion, als neutrales Land, wird Handel treiben sowohl mit kriegführenden wie mit neutralen Ländern, wobei sie von ihrem eigenen Bedarf ausgeht. M i t D e u t s ch l a n d hat die Sowjetunion ein Handelsabkommen, das die Sowjetunion weiter erfüllen wird, wobei sie es für unzulässig hält, dies zum Gegenstand von Verhandlungen mit dritten Ländern zu machen.
Die englische Regierung brachte dann eine Reihe neuer Fragen über die Handelsbeziehungen zwischen der Sowjetunion und Deutschland vor. Zu diesen Fragen gehörten: Der Inhalt der Handelsabkommen zwischen der Sowjetunion und Deutschland, Anzahl und Fristen der Warenlieferungen nach Deutschland, Möglichkeiten der Begrenzung und Kontrolle der Lieferungen von Rüstungsmaterial aus der Sowjetunion nach Deutschland und des Transits von Waren über die Sowjetunion nach Deutschland, Kontrolle der Benutzung von Waren, die aus England nach der Sowjetunion eingeführt werden usw. Halifax schlug der Sowjetregierung vor, ein Abkommen über die Kontrolle der Konterbande abzuschließen. Aufs neue hob er den Wunsch der englischen Regierung hervor, die Handelsbeziehungen zwischen England und der Sowjetunion den Aufgaben des Krieges, den England führt, unterzuordnen.
Die Sowjetregierung antwortete, daß sie die Handelspolitik der Sowjetunion nicht den Kriegsaufgaben des einen oder anderen ausländischen Staates unterordnen könne. Die neuen Fragen über den Handel der Sowjetunion mit Deutschland fielen voll und ganz unter bie Kompetenz der Sowjetregierung und könnten nicht Gegenstand einer Erörterung fein bei Han- delsbesprechungen zwischen der Sowjetunion und England. Solche Fragen zeugten nicht von dem Wunsche, Handelsbesprechungen mit der Sowjet- I Union zu führen.
Flüchtlingskolonnen eingenommen wurde. Auf einer nach Boulogne führenden Straße fuhren zwischen Fahrzeugen der flüchtenden Bevölkerung sogar Panzerwagen, die das Feuer auf. das deutsche Flugzeug eröffneten, das seinen Angriffsauftrag nur an solchen Stellen durchführen konnte, wo sich Zusammenballungen militärischer Fahrzeuge fanden. In Gesprächen mit belgischen Zivilisten ist bestätigt worden, daß die Bevölkerung verschiedentlich gegen ihren Willen von den zurück- weichenden feindlichen Truppen zur Flucht gezwungen wurde, um auf den Rückzugsstraßen deutsche Angriffe zu behindern. Mehrfach ist beobachtet worden, daß sogar aus den Flüchtlingszügen heraus auf die niedrig fliegenden deutschen Flugzeuge, die sich selbstverständlich jeder Angriffshandlung enthielten, mit Gewehren und Revolvern geschossen wurde.
Die Tatsache, daß die feindlichen Generalstäbe die Flüchtlingszüge nicht von ihren Truppenbewegungen trennen, läßt entweder auf Unfähigkeit ober auf bie klare Absicht schließen, sich aus Angst vor der deutschen Luftwaffe zu v e r st e ck e n. Der Rückzug der feindlichen Truppen bedingt die absolute Freihaltung der Straßen von Zivilbevölkerung. Wenn die gegnerischen Befehlshaber nicht dafür sorgen, bezeugen sie den gleichen sinnlosen Vernichtungswillen, der sich auch in Bombenabwürfen über unverteidigten Städten dokumentiert.
mee übertragen wurde, schrieb ein großes englisches Blatt von ihm, er sei der Träger allerHÖffnungen Frankreichs. General Giraud, der 61 Jahre alt ist, war im August 1914 als Generalstabshauptmann verwundet und gefangen genommen worden, konnte jedoch aus einem deutschen Feldlazarett entfliehen. Nach dem Kriege tat er Dienst in Marokko, nahm am Kriege der Westmächte gegen die Türkei teil und wurde dann wieder nach Nordafrika entsandt. Vor Beginn des Krieges war er Kommandierender General des VI. Armeekorps und Gouverneur der Festung Metz.
Frankreichs Irrtümer.
Eine Betrachtung des Berner „Bund".
Genf, 22. Mai. (Eurvpapreß.) In einer Betrachtung zur Kriegslage schreibt der Berner „Bund": „Die deutschen Kolonnenstöße gehen unentwegt weiter. Wenn bas Tempo dieser Vorstöße nicht aufgehalten werden konnte, beweist dies, daß d i e Reserven der französischen Armeegruppen durchstoßen, wenn nicht desorganisiert sind. Die Fronten scheinen jetzt durchgeschnitten. Die Auswirkungen für die alliierten Streitkräfte in Belgien müssen als sehr schwerwiegend betrachtet werden. Der Rückzug' und die Verladung in den Häfen des Kanals drängen sich auf. Es ist anzunehmen, daß feit der Kommandoübernahme durch General Weygand Truppenbewegungen hinter der Maginotlinie im Gange sind für einen Gegenangriff der französischen Heeresleitung. Die Umfassung in Frankreich geschah mit raffinierter zeitgemäßer Ausnützung der motorisiert bewegten Maschinenwaffen. Nicht allein die Umfassung der auf dem Boden operierenden Kräfte wurde in Rechnung gesetzt. Die Umfassung aus der Luft trat als neues taktisches Element mit weitestgehend ausstudierten Mitteln in die Erscheinung und erhöhte damit zugleich auch die Wirkung der Ueberraschung. Die erstaunliche deutsche Kraftentfaltung in strategischem und taktischem Sinne zwingt zu dem Schluß, daß die deutsche Heeresleitung über weit größere und ft ä r « fere Heeresoerbände verfügt als angenommen wurde. Das französische Oberkommando erlebt diesmal wieder die gleiche Ueberraschung wie im Jahre 1914, wo die deutschen Friedens-Armeekorps durch die Moiblmachung sich verdoppelten. Die französischen Heerführer täuschten sich ebenfalls über die Durchschlagskraft der motorisierten Panzerdivisionen wie in dem Kanipfwert der Fliegerstaffeln. Diese Irrtümer haben offenbar auch mitgewirkt, die .Auffassung von der defensiven Kriegführung* bei den Spitzen der Regierung und der Armee zu befestigen."
Französische Gefangene über die deutsche Panzerwaffe.
Stockholm, 22. Mai. CD9t$.) „Astonbladet" gibt ein Gespräch mit einem französischen Kriegsge-
3m Urteil de« Sundesaenoffen.
Weygands Urteil über die Engländer findet sich, in einzelnen Bemerkungen verstreut, in dem 1938 erschienenen Buch „Geschichte des französischen Heeres". Der General schreibt als Soldat, nicht als Politiker. Er ist daher bemüht, den Bundesgenof- von jenseits des Kanals nach Möglichkeit zu schonen. Aber seine Kritik an den Engländern beginnt schon bei der Betrachtung des 13. Jahrhunderts. Er chreibt dort einen Satz, der haargenau wieder auf die englische Politik der Gegenwart zutrifft. „König Johann Puppenherz" von England, der damals vergeblich ganz Frankreich zu erobern versuchte, „über, ließ die Leute, die er gegen ihren König aufge» wiegelt hatte, ihrem Schicksal." Weygand stellt weiter fest, daß Eduard HI. von England sich 1337 kurzerhand als König von Frankreich und England ausrufen ließ und dadurch den 100jährigen eng- lisch-ftanzösischen Krieg entfesselte. Er berichtet über die „ritterlichen" Methoden der englischen Krieg- führung etwa, daß der Admiral der besiegten französischen Flotte „an seinem eigenen Mast aufgehängt wurde" und daß nach dem Fall von Calais die dortige französische Bevölkerung von den Engländern einfach aus der Stadt hinausgetrieben wurde, an ihrer Stelle wurden Engländer in die Wohnungen der Franzosen gefetzt. Im Krimkriege 1856 sorgte England, wie General Weygand schreibt, zwar dafür, daß die Franzosen mit 60000 Mann vor Sebastopol aufmarschierten; sie selbst aber stellten ein Expeditionskorps von nur 25 000 Mann auf, die sie dann auf 12 000 Mann verminderten. Heber die Affäre von Faschoda berichtet Weygand mit dem lapidaren, aber inhaltsreichen Satz: „Im (September 1898 kam Kitchener. Das folgende ist bekannt.
Von der englischen Haltung gegen Ende 1914 stellt Weygand fest, daß das englische Expedittons- korps „sich vor jeder Mitwirkung hüten muß, durch das die Armee in Gefahr kommen könnte". Die Sommeschlacht „scheiterte ... an der Zurückhaltung der britischen Führung". Entgegen den Verembarun- gen setzten die Engländer auf eigene Faust einige Kampfwagen ein „und verdarben die Heber» raschungswirkung, die wir uns von einem Massen» einsatz versprochen hatten". Im März 1918, schreibt Weygand weiter, wird die Fünfte britische Armee überrannt, ebenso im April die Erste und Zwecke britische Armee. Wie immer so muß auch in diesen beiden Fällen Frankreich mit seinen Divisionen das Versagen Englands auszugleichen versuchen:,Ledes- mal, wenn die deutsche Führung angriff, stieß sie auf den Widerstand der Franzosen, die zu. Hilfe ge« eilt waren." General Weygand, seit einigen Tagen Oberkommandierender der französischen Truppen, dürfte also keinerlei Illusion über den militärischen Wert des englischen Bundesgenossen haben. Um so gespannter darf man auf seine operativen Maßnahmen fein.
angenen wieder. Darin heißt es, alle Schilderungen des totalen Krieges, die phantasievolle Verfasser in den letzten Jahren gebracht hätten, seien nur ein Schatten gegen die wirklichen Kämpfe in Belgien und Nordfrankreich. Die französischen Panzerabwehrkanonen seien gegen z die deutschen Panzer machtlos gewesen. Deutsche Luftgeschwader hätten andauernd Bomben abgeworfen und unablässig die Maschinengewehre feuern lassen. Die Heftigkeit des deutschen Feuerangriffes sei so groß gewesen, daß die französische Verteidigung sich aufgelöst habe. Französische Kolonialtruppen hätten die Waffen weggeworfen und seien in wilder Panik geflohen. Der französische Gefangene betonte, daß er von den Deutschen gut behandelt werde.
Holland > unter deutschem Schutz.
N e u y o r k, 22. Mai. (Europapreß.) In eingehenden Schilderungen über das Leben und Treiben in den holländischen Städten seit der Besetzung durch die deutschen Truppen verweisen die Korrespondenten der Neuyorker Dresse übereinstimmend auf die schnelle Wiederaufnahme der alten Lebensgewohnheiten durch die holländische Bevölkerung. Die Berichte heben die Wiederkehr des normalen, friedlichen Alltagslebens hervor. Amsterdam, Utrecht, Haag und andere Städte böten wieder i h r gewohntes Bild, „wie wenn nichts geschehen wäre". Nichts fei charakteristischer als das Auftauchen der für Holland kennzeichnenden Schwärme von Radfahrern, die-sich zu tausenden durch die Straßen bewegten. Die deutschen Soldaten seien nur vereinzelt zu sehen und fielen durch korrektes und zuvorkommendes Betragen auf. Der Korrespondent der „New Port Times" betont, daß die von den deutschen Behörden ausgegebenen Verfügungen das deutliche Bestreben zeigten, die Gefühle des holländischen Volkes zu schonen. Aehnlich äußert sich der Korrespondent der „New Port Herold Tribüne", die Bevölkerung bekunde eine gewisse Erbitterung gegen das holländische Königshaus, dessen Flucht peinlich empfunden werde. Ebenso herrsche unter der französischen und englischen Kolonie Empörung über die hastige Flucht der Konsulatsbeamten beider Mächte.
Der Mlitärbefehlshaber in Belgien.
General der Infanterie Alexander von Falte n h a u s e n, der zum Militärbefehlshaber in Belgien und in den Niederlanden ernannt worden ist, wurde 1878 zu Blumenthal, Kreis Neiße, geboren. Er ifte aus dem Kadettenkorps hervorgegangen und wurde 1897 als ßeutftant in das Infanterie-Regiment 91 in Oldenburg eingestellt. Nachdem er die Ostasiatische Expedition im 3. ostasiatischen Infanterie-Regiment mitgemacht hatte, wurde er in seinem alten Regiment zunächst Bataillons- abjutant und dann zur Kriegsakademie kommandiert. 1910 wurde er zum Hauptmann befördert und in den Großen Generalstab versetzt. Von dort kam er 1913 als Militür-Attachö nach Tokio. Im Weltkrieg war er als Generalstäbler tätig und wurde auch in der Türkei verwandt. Am 22. März 1915 wurde er Major und erhielt den Orden Pour le merite. 1920 wurde er Oberstleutnant und war danach mehrere Jahre Chef des Stabes der 6. Division in Münster. Am 1. April 1924 wurde er Oberst und Kommandeur des 10. (Sächsischen) Infanterie-Regiments in Dresden, vier Jahre später Generalmajor und Kommandant der Infanterie- schule in Dresden, 1929 Generalleutnant, am 31. Januar schied er aus dem Reichsheer aus. Als er im Jahre 1933 als militärischer Berater des Marschalls Tschiangkaifchek nach China fuhr, erhielt er den Charakter eines Generals der Inf an- terie. Im Juli 1938 kehrte er mit der aus 26 Mitgliedern bestehenden Mission auf Anordnung der Reichsregierung nach Deutschland zurück.
Mißbrauch der Zivilbevölkerung durch den Feind.
Panzerwagen verstecken sich hinter Sanitätsautos. — Flüchtlinge zwischen zurückflutende Kolonnen gezwungen.


