penführung, wie erfahrene Mitarbeiter für die Er- lebigung der zivilen Aufträge vereinigt. Die Der- bindung und die Zusammenarbeit aller drei Wehrmachtsteile ist unter Wahrung vollster Selbständigkeit jedes einzelnen von chnen bestens gewährleistet. Nach dem Grundsatz der unbedingten Zu- sammenaehörigkeit zwischen Truppe und Führung ist der Befehlshaber bereits am ersten Tag des Unternehmens mit seinen Soldaten übergesetzt, und 48 Stunden später war bereits das gesamte Gruppenkommando von Hamburg nach- gezogen. Heute leitet der Führungsstab seine Maßnahmen von Oslo aus, wo das Kommando seinen Sitz aufgeschlagen hat.
Mit der Präzision eines Uhrwerks vollziehen sich die geplanten Operationen, deren Ziel auch dann erreicht wird, wenn einmal Widerstände zu überwinden sind. Bisher sind alle Hoffnungen der Gegner auf eine Verzettelung und Zersplitterung der deutschen Kräfte in dem ausgedehnten Operationsgebiet zuschanden geworden. So wie die Derbänoe des Landungskorps vor acht Tagen an ihre Bestimmungsorte gelenkt wurden, so befinden sie sich auch .heute trotz mancher Störunasversuche der Engländer und norwegischer Armeeteile fest in der Hand ihres Befehlshabers, ob sie in Oslo sitzen oder in Stavanger, in Bergen, Trondheim oder weit im Norden über den Polarkreis hinaus in Narvik. Zug um Zug werden die militärischen Standorte — nachdem am ersten Tage bereits die wichtigsten Plätze, die Küstenbefestigungen, Flugplätze, Kriegs- häfen usw. besetzte worden sind — auch im Innern des Landes in Besitz genommen. So sielen erst in den letzten beiden Tagen beispielsweise der Truppenübungsplatz und Vahnknotenpunkt H ö n e f o ß und die Stadt Halden an der schwe- küscben Grenze in deutsche Hand. Wo sich norwegische Truppen widersetzen, muß ihr Widerstand eben gebrochen werden. Und er wird gebrochen!
Daß es aber auch loyal geht und die Maßnahmen d^s deutschen Kommandierenden Generals Verständnis beim norwegischen Militär finden, beweisen .zahlreiche Fälle konzilianter Zusammenarbeit. In Oslo befindet sich die Kommando-Zentrale sämtlicher norwegischer Flakstellungen im Bereich der Hauptstadt. Die hier verantwortlichen Offiziere übten chren Dienst dort solange nach den Weisungen der deutschen Führung aus, bis deutsche Luft- waftenoffiziere zur Uebernahme eintrasen. Aehn- liche Beispiele gibt es an anderer Stelle, so im Sanitätsdienst, in dessen Rahmen sich die norwegische Aerzteschaft kollegial und hilfsbereit zur Verfügung stellte, und selbstverständlich im Luftschutz.
In gleicher Weise wie auf dem Gebiet der militärischen Maßnahmen hat, das Gruppenkommando die für Truppenerfordernisse notwendigen zivilen Aufgaben gelöst und die Voraussetzungen für eine reibungslose Durchführung der Aktion geschaffen. Das gilt vor allem für die Sicherstellung des Transportwesens und der Nachrichtenverbindungen. Nicht einen einzigen Tag hat der Truppe der Nachschub gefehll, und zu jeder Stunde be- . steht trotz des unaufhaltsamen Vormarsches Verbindung mit ihr. Alles was an Waffen und Kriegsgerät, an Ausrüstung und Verpflegung benötigt wird, wird aus Deutschland zugeführt. Kommt es einmal vor, daß die Truppe aus zwingenden Gründen sich der norwegischen Dersorgungsquellen bedienen muß, so erfolgt genaue und klare Abrechnung. Auch für die persönliche Bedarfsdeckung der Soldaten im Lande ist eine Regelung getroffen. Zur Abwicklung des Geldverkehrs sind besondere Reichskreditkassenscheine ausgegeben, die nach einem festen Umrechnungssatz in Zahlung gegeben und auch ohne weiteres angenommen werden.
Für die Klärung aller solcher Fragen befinden sich im Stab des deutschen Oberkommandierenden Fachbeauftraate der deutschen Zivildienste, wie beispielsweise Vertreter des Reichs- verkehrs- und Reichsfinanzministeriums, der Reichsbahn und der Reichspost usw. Letztere hat zur Unterstützung des norwegischen Postbetriebes beispielsweise eine Reihe technischer Beamter entsandt. Selbstverständlich steht das Land unter gewissen Bedingungen der im Kriege gültigen Gesetze, und in einem bestimmten Umfang kann der Bevölkerung auch eine kleine Einschränkung nicht erspart bleiben, wie etwa die Bereitstellung von Fahrzeugen für Heereszwecke. Daß das norwegische Volk in diese Lage hineingezogen worden ist, ist einzig und allein
„Amerika hält sich heraus."
Roosevelt spricht in der Wahlkampagne um die Präsidentschaft.
N e u y o r k, 22. April. (DNB.) Als Auftakt zur Präsidentschaftswahlkarnpagne sprach Roosevelt von Warmsprings in Georgia aus, wo er zur Kur weilt, über den Rundfunk in Versammlungen des Jungdemokratenklubs. Roosevelt griff dabei Politik und Vergangenheit der Republikanischen Partei scharf an, deutete jedoch in keiner Weise seine Absichten bezüglich eines dritten Amtstermins an. Die Weltlage berührte Roosevelt nur kurz, indem er erklärte, die Regierung bewahre Besonnenheit und sichere Hand. Amerika halte sich heraus aus den Kriegen Europas und Asiens. Die Parteigegner versuchten das Land in Schrecken zu versetzen, indem sie erklärten, die gegenwärtige Regierung versuche vorsätzlich, die Vereinigten Staaten in den Krieg hineinzuziehen, oder daß sie unvermeidlich dem Krieg zutrieben. Roosevelt bemerkte dazu: „Nun, meine Zuhörer, Sie wissen das besser."
Die Rede Roosevelts ist wegen ihres maßvollen Tones aufgefallen. Seine Erklärung, daß die USA.- Regierung aus den Kriegen in Europa und Asien
herausbleiben wolle, stimmt überein mit der hier oft gehörten Voraussage, daß bis zu den Wahlen im Herbst beide Parteien entsprechend der überwiegenden Volksstimmung Abkehr vom Kriege proklamieren werden, daß aber Roosevelt den Ehrgeiz habe, der Welt die Art Frieden aufzuzwingen, die er für richtig halte. „Washington Post" schreibt, was sogenannte mili- tärische Fachleute über Amerikas baldigen Kriegseintritt voraussagten, sei unwesentlich; denn wie das Verhalten aller drei republikanischen Kandidaten zeige, wolle das Volk keinen Krieg, ganz gleich was Washington sage. Sollte England den Krieg verlieren, so sei es nicht Amerikas Aufgabe, wie vor 20 Jahren England zu retten. Zudem habe Amerika auf O st a s i e n , insbesondere auf die Philippinen und Niederlän- disch-Jndien aufzupassen. Solange von japanischer Seite Gefahr drohe, bestehe wenig Möglichkeit, daß Amerika sich in den europäischen Krieg verwickeln lasse.
Gretchenfrage an ORom und Moskau.
Die englische Regierung hat an Rom und Moskau die Frage gerichtet: „Wollt ihr wie bisher neutral bleiben oder gedenkt ihr, eine neue Politik einzuschlagen?" Im „Faust" stellt Gretchen dem stürmischen Liebhaber die Frage, wie er es mit der Religion halte. Diesmal spielt Lord Halifax, der englische Außenminister, das sanfte Gretchen, das sich nach der „Religion" von Rom und Moskau erkundigt. Es ist ein hübscher Schnörkel, daß ausgerechnet London, das nach eigenem Geständnis für die Neutralität keinen Pfifferling zahlt, sich jetzt bei der italienischen und russi. scheu Regierung erkundigt, ob sie weiterhin neutral bleiben wollen. Die englische Regierung hat eine solche Gewissensforschung auch einmal bei Deutsch.
Jedes Werkzeug, das nicht gepflegt wird, zerfällt. Die Zähne als lebende Werkzeuge brauchen erst recht richtige Pflege!
eine Folge der englischen Kriegs- und Gewaltpolitik und der schwankenden, illoyalen Haltupg seiner eigenen Regierung. Hierauf weist auch ein Aufruf des Generals von Falkenhorst ausdrücklich hin, der vor Unbesonnenheiten warnt. Wo auch immer in Norwegen die deutsche Kriegsflagge über den Gebäuden der Kommandobehörden weht, wo immer deutsche Soldaten ihren Standort bezogen haben, da herrscht auch Sicherheit für das norwegische Volk, von der Ordnung und Gerechtigkeit ganz zu schweigen, die stets die Maßnahmen der deutschen Heeresführung auszeichneten, schon in Feindesland und um wieviel mehr noch in einem Land, dem sich deutsche Soldaten als Freunde genähert haben.
Unter größter Achtung der norwegischen Rechte, unter höchster Verantwortung gegenüber dem eigenen Volk steht das deutsche Heer — mit starken Kräften bereit für alle Fälle — in Norwegen.
Kiekheben-Schmidt.
Vizeadmiral Schniewind.
Vizeadmiral Schniewind wurde vom Obersten Befehlshaber der Wehrmacht mitdemRitter- kreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeich- net, weil er alsChefdes Stabesder Seekrieg s l e i 1 u n g bei der Planung und Leitung der Seeoperationen entscheidend mitgewirkt hat. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Narvik oder Trondheim?
Amsterdam, 22.April. (Europapreß.) Einen bemerkenswerten Wechsel in der britischen Einstellung gegenüber der Situation in Norwegen scheint ein Artikel des „Evening Standard" anzukündigen. Nachdem nämlich bisher die gesamte englische Presse bemüht gewesen ist, der englischen öffentlichen Mei- nun den Eindruck einzutrommeln, daß man schon
allein durch eine Landung in der Nähe von Narvik einen wichtigen Erfolg errungen habe, stellt dieses Blatt fest, Narvik sei „jetzt von nebensächlicher Bedeutung". Was angestrebt werden müsse, sei die Besetzung von Trondheim. Augenblicklich, so klärt das Blatt seine Leser auf, litten alle Anstrengungen der Westmächte unter dem Mangel an Luftstreitkräften, während die deutsche Luftwaffe über eine ganze Reihe von Flugplätzen verfüge, was ihr große Macht verliehe nicht nur über dem südnorwegischen Gebiet, sondern auch gegenüber jedem englischen Schlachtschiff, das die deutschen Verbindungen zu unterbrechen suche. — Diese Presseäußerung dürfte wohl der Auftakt dafür sein, daß man sich entschließt, die Bedeutungslosigkeit des britischen Landungsversuches auf einer Insel vor Narvik der englische* Oeffentlichkeit schonend beizubringen.
Paris wartete auf Lleberraschungen
Brüssel, 23. April. (Europapreß.) Die Frage der Beziehungen der Westmächte zu Italien, die am Sonntag mit größerer Aufmerksamkeit als bisher in der französischen Presse behandelt worden war, wird am Montag wieder vorsichtiger kommen- tiert, meist nur durch Wiedergabe der Meldungen über den deutsch-italienischen Telegrammwechsel anläßlich des Geburtstages Adolf Hitlers. Das „Oeuvre" gibt seiner Befriedung darüber Ausdruck, daß gewisse Befürchtungen, die man in der letzten Zeit weaen der Entwicklung der internationalen Lage gehegt habe, sich nicht erfüllt hätten. Sowohl der Geburtstag des Führers als auch der Jahrestag der Gründung Roms seien ohne Ueberraschung vorübergegangen. Die Atmosphäre erscheine seit 48 Stunden etwas verbessert. Trotzdem bleibe äußerste Wachsamkeit der Westmächte geboten. Was die Entwicklung i n Norwegen angeht, so warnt der „Matin" seine Leser vor gewissen aus Stockholm kommenden Meldungen über die angeblichen raschen Fortschritte der englischen Landungstruppen. Sicher sei nur, daß die norwegischen Truppen nördlich von Oslo den Kampf abgebrochen und sich in guter Ordnung weiter nach Norden zurückgezogen hätten, wobei sie die Eisenbahn Oslo—Trondheim beschützten. Ztalien und die politische Lage.
Mailand, 22. April. (Europapreß.) „Resto del Carlino" schreibt zur polittschen Lage, die Westmächte müßten endlich einsehen, daß in Italien weder durch Einflüsterungen noch durch Verlockungen etwas zu erreichen sei. Die Zeit dränge und verlange eine endgültige Klärung sowie die Aufräumung mit allen internationalen Unterdrückungssystemen der sogenannten Vorherrschaft. Weil sie bedrängt seien, schmeichelten jetzt Italien jene, die ihm sogar ein Stück Land in Abessinien für seine erwerbslosen Landarbeiter verweigert
CHLORODONT
land versucht. Das war im Jahre 1936 und der damalige englische Minister hieß Anthony Eden. In Berlin wurde der von England stilisierte Fragebogen ad acta gelegt.
Zu gleicher Zeit hat R e y n a u d, der französische Ministerpräsident, die Angel mit einer Fliege als Lockspeise ausgeworfen. Er teilte der Senatskommission, die sich mit auswärtiger Politik beschäftigt, mit, Frankreich habe Mussolini vor und nach dem 1. September einen freundschaftlichen Gedankenaustausch zur Schlichtung aller zwischen beiden Ländern bestehenden Fragen angeboten. Italien hat seine Erfahrungen mit der französischen Freigebigkeit bereits gesammelt. Don Mussolini selbst stammt das Wort, daß ihm Steine und Wüsten angeboten worden seien. Der französisch-italienische Verttag vom Dreikönigstag 1935 wurde niemals ratifiziert. In ihm war der Versuch einer Beilegung der Streitfragen gemacht worden, die zwischen Frankreich und Italien schwebten. Frankreich hatte damals versucht, die Italiener vom französischen Tschad-See nach Abessinien abzulenken, in der Hoffnung, es in einen Gegensatz zu England zu steuern und zugleich in Abessinien auf lange Jahre festzulegen und damit ,-unschädlich zu machen". Daß es anders kam und daß der Sanktionenkrieg zu Italiens Gunsten ausschlug, ist wirklich nicht das Verdienst der französischen Politik. Als im Vorjahre in der italienischen Kammer die Ruse: „Korsika, Tunis, Dschibuti" laut wurden, sprach der damaliae französische Ministerpräsident Daladier fein vernehmliches Nein und stattete Korsika und Tunis demonsttative Besuche ab. Es ist durchaus möglich, daß die französische Regierung einige Sahnenbonbons ins Sonnenlicht hält und behauptet, daß davon die Italiener satt werden können. Inzwischen hat aber bas „Giornale d'Jtalia" unter Hinweis auf die italienische Stärke zu Lande, zu Wasser, zur See und in der Luft „ein gerechteres Garantiefystem für den Eingang und Ausgang zum Mittelmeer sowie in- nerhalb des Mittelmeers selbst" und ausreichende Grundlagen für eine selbständige italienische Volkswirtschaft gefordert.
hätten. Wenn diese Leute siegen würden, würden sie doch Italien als Vasallen behandeln und ihm das Lebensrecht verweigern, indem sie das „Mittelmeer-Gefängnis" verewigten, während jeder Italiener als Minimum von diesem Krieg die Zerstörung dieses Gefängnisses erwarte. Von diesem Gesichtspunkt aus sei die Stellung Italiens an der Seite Deutschlands eine logische Folge seines politischen Denkens und ein unaufschiebbares Erfordernis feiner geographischen Lage. Die italienische Stellungnahme sei nur die natürliche Entwicklung des Schicksals Italiens und feine Plicht als Großmacht, die vom Meer abhänge.
Vaneffas bunte Zwiebeln.
Bon Friedrich Schnack.
Der Vater, ein Schmetterlingsfreund, der sich gern mit dem farbigen, flatternden Volk beschäftigt, hatte seiner Tochter den Namen Vanessa gegeben, den das schöne Tagpfauenauge trägt. Und da auch seine zweite, jüngere Tochter einen Schmetterlingsnamen hat, den des Bläulings Lycaena, könnte man meinen, er locke Schmetterlinge herbei, wenn er seine beiden Töchter aus dem Garten in das Haus rief. Es war nicht zu wunderlich: Vanessa bezeugte schon in frühester Kindheit eine lebhafte Farbenfreude, und nichts war ihr lieber als bunte Papiere, Wollfäden, Stoffmuster, getönte Herbstblätter. Tagpfau! und Tagauge! nannte sie der Vater im Scherz. Sie werde sicherlich Malerin oder Fräulein in einem Seidenhaus werden! Er hatte sich geirrt: Vanessa wurde Gärtnerin.
Unglück in der Liebe brachte sie darauf. Ihr Vertrauen, das sie vielleicht zu willig verscyenkt hatte, wurde betrogen. Da gab sie chr Herz den Blumen. Hie litt, aber die Blumen haben sie getröstet. Sie wäre sicherlich eine glückliche Mutter geworden, nun wurden die Blumen ihre Kinder. In ihrer Farbenschar lebte und blühte sie wieder auf. Jahr um Jahr gesellen sich neue zu den alten — und vielleicht wird sie später doch noch einmal zum Glück der Blumen das Glück der Ehe gewinnen. Bis auf ein paar schmale Küchenbeete hat sie den väterlichen Garten, der an einem Hang in vollster Südsonne liegt, zu ihrem Reich und (Eigentum gemacht. Doch ist die Erde leider etwas trocken. Vanessa muß fleißig gießen, um die Trockenheit zu bekämpfen, auch gute Humuserde dem Boden beimischen.
Beinahe jeder Blumengärtner hat seine besonderen Lieblinge. Herr Gutöhrlein, der am Ausaang der kleinen Stadt wohnt, geht wie ein Blumenfürst durch seinen Dahliengarten, und Frau Dillforth, deren Mann eine Kunstmühle betreibt, brandet in Ritterspornen aus, wie wenn sie sich in den blauen Flammen verzehren wolle. Warum sollte Vanessa nicht die bunten Zwiebelgewächse über alles lieben? Schon das früheste Jahr, wenn es noch kalt ist uno Zuglüfte durch den Garten fahren, beginnt mit Liebe und Schwärmerei: das Schneeglöckchen erwacht. In kleinen Rudeln tummelt es sich unter den Bluthaselbüschen, die ihren Blütenstaub im Wind ausbeuteln. Mag auch noch Schnee liegen, die zier
lichen Blumen, deren Glöckchen wie geflügelt aussehen und die das Weiß des Winters in ein Blu- menmotiv verwandelt haben, diese munteren, fliegenden Geistchen, deren Blattkleid sparsam geschnitten ist, sind von heimlicher Wärme erfüllt — ihre kleinen Blumenrasen schmelzen Löcher in den Pelz des Schnees.
Und wenn Lycaena eines Morgens in den Garten tritt und die Märzenlüfte wittert, fällt der Schein ihrer blauen Augen auf die munteren Büschel der blauen Scilla, deren entzückende Sterne am Himmel der Bienen leuchten Auch sie haben viele unterirdische Brutzwiebeln im vergangenen Jahr hervorgebracht — nun strömt das weiße und blaue Volk nach allen Seiten, lustig verwildernd. Sie müssen in Massen erscheinen. Viele, viele Blumenzwiebeln sind winterhart, sie bleiben im Boden. Werden sie aber im Herbst neu gepflanzt, beachtet Vanessa eine alte Gärtnervorschrift: die Zwiebeln werden dreimal so tief versenkt, als sie groß sind, die kleinsten nicht weniger als fünf, die größten nicht weniger als zwanzig Zentimeter. Die empfindlichen Arten, wie Tulpen, Hyazinthen, Narzissen, Fritillarien und andere, bekommen für die Winterzeit eine leichte Laubdecke, die im zeitigen Frühjahr w egge räumt wird, damit die prächtigen Schläfer leichten Blumenhauptes aus ihren Wintergräbern auf ersteh en können.
Der Krokus fährt aus der Erde, er ist begeistert, verzückt, ein wahrer Trunkenbold des neuen Sonnenlichtes. In feinen goldenen, weißen, blauen und violetten Prachtbechern glüht das geheimnisvolle Leben. Er sammelt sich zu kleinen Horsten und brütet im. Glück. Im Rasen wächst er bei Vanessa nicht, sie hat keinen Rasen, auch würde Gras die Kraft des kleinen festlichen Krokus schmälern. Er verlangt nach guter Gartenerde, um seine alänzen- den Anlagen zu verwirklichen und seine Farbenmusik in den Garten zu schmettern. Den Goldstern, auch Milchstern genannt, ein schlichtes, honigduftendes Liliengewächs, hat Vanessa aus dem Wald geholt: sein schmucker Stern ist oben gelb und unten grünlich. Er geht spät auf und frühzeitig unter, um Mittag öffnet, um sechs Uhr schließt «r sich.
Wenn die ersten Scillen ihre Blausterne ein- büßen, recken die kleinen holden Muskathyazinthen, die Muskari, ihre perlgehäuften Blütenkrönchen aus dem Dickicht ihrer grasschmalen Blätter. Im Steingarten bilden sich gan^e traumblaue Nester. Ihre mittelmeerische Heiterkeit verzaubert den Garten, sie vertropfen Azur und schicken Moschusdüfte
umher. Die Traubenhyazinthen sind mit den Weintrauben zu uns aus dem Süden gekommen. Sie lieben Weinbergerde. In den Weinbergen des Kaiserstuhls, des Neckars und des Bodensees bevölkern sie im Frühjahr die Traubenzeilen.
Die Hyazinthen aber sind vornehme Herzoginnen. Wenn sie so auserwählt auftreten wie in Vanessas Garten, bekräftigen sie die hohe Begabung und den Schönheitswillen der groben Erde. Die Gärtnerin nimmt die reinen und edlen Töne. Und glücklich blickt sie umher, wo überall, da und dort, in der Sonne und im Halbschatten, kleine Hyazinthengruppen stehen, zu dreien und vieren: stahlblaue, karminfeurige, leuchtend gelbe, weiße, wasserblaue, zartrosa Hoheiten und Duftgesprache. miteinander führen, die an die Süße und Betäubung der Orchideen erinnern.
Und sie schaut yach den entrückten Narzissen: auf hohen, eleganten Stengeln nickt der Ritterstern, schwebt die herrliche Blumentrompete. Sie scheinen aus wunderbaren Dichtungen herauszutreten. Mohammeds Rat ist wunderlich, doch hat er köstliche Offenbarungen von den Blumen empfangen. „Wer zwei Brote hat", spricht er, „verkaufe eines und kaufe Narzissen dafür: Brot ist nur Leibesnahrung, Narzissen aber nähren die Seele." Und sie nähren auch Vanessas Herz, das sich an sie hinschenkt: Ach, es gibt so viele, schöne, unnahbare! In ihren Düften geistert das Morgenland, in ihren Farben sprechen die Engel, die Nymphen, die Feen, die griechischen Jünglinge der Legende von der Blumensterblichkeit — und selbst die Schatten der Unterwelt preisen sie: als die schön^ Proserpina von Pluto in sein dunkles Reich geraubt wurde, hatte sie eine Narzisse in der Hand.
Vanessas Tulpen widmen ihr Leben feierlichen Erleuchtungen. Sie wandeln als kühl-glühende, kostbare Patrizierinnen durch den Garten. Sie haben vornehme Gedanken, die sie verschweigen. Sie kommen aus dem arabischen und türkischen Traumland. Die Märchenerzählerin Scheherezade hat mit ihnen gespielt; ihr märchenspinnender Flammengeist, ihr phantasievolles Seelenlicht wohnt noch heute in ihren geselligen Erscheinungen. Sie sind damit beschäftigt, beständig neue Farben zu erfinden. Sie sind unerschöpflich, kommen in langen Schleppen auf den Rabatten daher und gründen ihre großen und ausdauernden Reiche.
Glöckchen, Sterne, Trompeten, Becher und Flammen. In diesen Formen verwirklicht sich Vanessas buntes Zwiebeljahr vom frühen März dis zum
Herbst. Aus einen unirdischen Metall ist der Türkenbund geschmiedet, die Marslilie Martagon, der gefledte Turban, dessen Ahnen auf Bergen und in Buchenwäldern. erblüht, fremdartig und doch heimatlich. Er kommt als stolzer Alleingänger im Juni und verkündet den nahen Sommer. Dann ist Vanessas Garten reich, mächtig und hochauf glüh end, und ihr Glück unter Blumen ist vollkommen.
»Polterabend.^
Rudolf Schxpder, ein junger Mann mit einiger Vergangenheit, ist im Begriff, im Hafen der Ehe vor Anker zu gehen. Seine lebenslustige kleine Braut hat sich auf den Polterabend gespitzt, aber Rudolf hat schon auf einem höchst fidelen Atelierfest Abschied vom Junggesellendasein genommen und will nun von einem Polterabend nichts mehr wissen. Statt dessen sitzt er leicht melancholisch auf seiner Bude und zerreißt Andenken an die kleinen Freundinnen einer früheren Zeit, als durch die Gartentür eine fremde Dame bei ihm eintritt, die behauptet, verfolgt zu werden, und um seinen Schutz bittet. Und nun entfaltet sich zu mitternächtlicher Stunde ein toller Wirbel von Mystifikationen und Verwirrungen, in dem der gute Rudolf aus einer fatalen Situation in die andere gerät, bis schließlich sich alles als der von der Braut und ihren Freunden witzig arrangierte Polterabend 'heraus- stellt, bei dem jeder auf seine Kosten gekommen ist. Der Spielleitung Carl B o e s e s ist das Atelier- fest etwas zu langatmig geraten, es erschlägt fast die Spannung, aber die Hauptsache ist ja der Polterabend wider Willen, und der ist höchst spritzig und raffiniert mit kriminalistischem Einschlag angelegt. Die Hauptkanone dieses amüsanten Astra- Filmes ist Rudi G o d d e n , ratlos, hilflos, sprachlos in diesem wahren Hexensabbat. Mit einiger Rührung sieht man den vor wenigen Wochen verstorbenen Ralph Arthur Roberts in einer seiner unnachahmlichen Rollen eines leicht angejahrten Kavaliers. Fast zu apart für eine Dame vom Tro- cabero ist Camilla Horn. Die geheimnisvolle fremde Frau macht mit viel Esprit, dezent und scharmant Grete Weiser, etwas farblos Maria Andergast als Dritte im Bunde. Volker von C o l l a n d e, Franz Zimmermann und Kurt Vefpermann tun das ihrige, um den munteren Scherz vollkommen zu machen. Will M e i f e l hat ein paar nette Chansons geliefert.
Fr. W. Lang*


