Ausgabe 
22.8.1940
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag. 22.August 1940

gernfbreAtmftblnfe 2251 Druck und Verlag:

Drahtanscyrlft:Anzerger"

Postscheck 11686 Frankf^M. vruhlsche universttattdruckerei 8. Lauge

Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat imRild DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr... » -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

t90. Jahrgang Nr. 198 jge w Dann,

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen S*tleie8tn.9$d)nlSra6t7-»

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/, Uhr des Vormittags

Anzetgen-Preiie:

Anzeigenteil 7 Rvf. te mm bei 22 mm Zeilenüreite, Tertteil 50 Rvf. ie mm bei 70 mm Zeilenbreite

Nachlässe:

Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25u/o mehr

EnglandmußneueLufischutzmaßnahmenanordnen

Tokio, 22.Aug. (DJIB. Funkfpruch.) Der £on- öoner Verlreler der japanischen Nachrichtenagentur Domei meldet, daß in England wegen der hohen Verlustziffern »bei den deutschen Luftangriffen neue Luftschuhmatznahmen angeordnet seien, wie die Stillegung des Verkehrs bei Luft­alarm sowie der strikte Befehl an alle Einwohner, die Luftfchuhräume anfzusuchen. Die hohe Todesziffer bei den furchtbaren Luftangriffen auf die weitere Umgebung Londons am letzten Don­nerstag fei durch die Nichtbefotgung dieser Maßnahmen verursacht worden und durch die Tat­sache, daß die Bevölkerung nicht rechtzeitig die Luftschuhräume finden konnte. Die erzwungene Arbeitsruhe von Millionen von Arbeitern verursache jedoch einen Vertust von 200 000 Pfund bei jedem Luftalarm (roas im plutokratischen Eng­land naturgemäß schmerzlicher empfunden wird, als der Verlust von Menschenleben!).

Die rigorose Nachrichtenzensur über die deutschen Angriffe habe lebhaften Unwillen gegen das 3nfor- mationsministerium erregt. Die Bevölkerung be­schwere sich, daß sie erst am. folgenden Tage durch dürftige Zeitungsmeldungea über die Angriffe unterrichtet würde. Telegramme ausländischer Agen­turen wurden zum großen Merger der Korrespon­denten mehr als neun Stunden bei der Zeusurbehürde zurückgehalten.

Bewaffnete Aufklärung erfolgreich fortgesetzt.

Der Wehrmachtsbericht vom Mittwoch.

Berlin, 21. Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Rahmen der bewaffneten Aufklärung griff die Luftwaffe gestern einzelne kriegswichtige Ziele in Mittel- und S ü d e n g l a n d an. 3n der Grafschaft Suffolk wurden eine Munitions­fabrik bei Aldeburgh, ein Eisenbahn­knotenpunkt bei Southwold, die hafenan­lag e n von Great Parmonlh wirksam mit Bomben belegt, ebenso ein Kriegsschiff im Seegebiet von Great varmouth. Bei Cambridge, East Ehurch sowie bei Manston und Deal griffen unsere Flug­zeuge Flugplätze mit Bomben und Maschinen­gewehren an. Die Hafenbahnhöfe von Lowestoft und von Exeter erhielten mehrere Treffer auf Schuppen und Gleise. 3n einer Fabrikanlage bei Chelmsford waren starke Explosionen zu beob­achten. Den Hafen- und Werftanlagen von Faversham, Burry Port und Pembroke wur­den durch Bombentreffer schwere Schäden zugefügt. Einzelne in den Häfen liegende kleinere Schiffe sanken, Oellager geriet en in Brand.

3m Seegebiet nördlich von 3rland gelang es, ein Handelsschiff von 12 000 BRT. durch Voll­treffer zu versenken. 3m Atlantik, weit abgeseht von der nord- und westirischen Küste, erhielten drei weitere Handelsschiffe schwere Bom­bentreffer. Vereinzelt kam es zu Luftkämpfen.

Einige britische Flugzeuge flogen nach Frankreich und Holland ein. Das Reichsgebiet wurde am 20. August und In der Nacht zum 21. August durch feindliche Flugzeuge nicht überflogen.

Der Feind verlor gestern 10 Flugzeuge, von denen 6 im Luftkampf und 4 durch Flakartillerie abgeschossen wurden. Drei eigene Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt.

3talienif(Der Wehrmachtsbericht.

Rom, 21. August. (DNB.) Der italienische wehr- Machtsbericht vom Mittwoch hat folgenden Wortlaut:

3n dem ehemals britischen S o m a l i l a n b strömt die Bevölkerung zusammen, um ihre Unterwer­fung zu vollziehen. Askaris vom Kamelreiterkorps und irreguläre Hilalos-Formationen treten an, um ihre Waffen abzugeben und verlangen, in unsere Formationen eingegliedert zu werden. 3n Ber­bern wurden drei bei unseren Luftangriffen be­schädigte Blenheim-Flugzeuge, ein viertes im Ba­reris-Flutz und ein fünftes am Strande aufgefunden.

Der Feind hat zahlreiche Einflüge über kleinere Ortschaften Äthiopiens unternommen. Line Frau wurde getötet, fünf wurden verletzt; der Material­schaden ist unbedeutend. 3n einem Hospital wurden zwei Flüchtlinge verletzt. 3n einem anderen gab es einen Toten und fünf Verwundete. Bei Diredaua haben unsere 3äger ein englisches Flugzeug vom Typ Blenheim brennend abgeschossen.

Unsere Bomber haben die Luftbasen von Matta angegriffen und mit Erfolg bombardiert. Alle unsere Flugzeuge sind trotz heftiger feindlicher Abwehr zurückgekehrt. Die feindlichen 3äger, die von den unseren angegriffen wurden, sind in die Flucht geschlagen worden. Ein Flugzeug ist wahrscheinlich abgeschossen worden.

Wie Verbera erobert wurde.' Ein Augenzeuge der letzten Kämpfe berichtet.

Mailand, 21. Aug. (Europapreß.) Wie der Kriegsberichterstatter desCorriere della Sera" in Britisch-Somaliland meldet, haben sich die er bi t - tert st en Kämpfe zur Eroberung von Berbera um den Jerctto-Paß und die Berge von Sandalall abgewickelt. Besonders am dritten und vierten Tage der Schlacht hätte der Kampf ein höllisches Tempo

angenommen. Das italienische Divisionskommando war von Adaleh an die Front verlegt worden. Die befestigten englischen Stellungen auf dem Sandalall wurden unter mörderisches Trommelfeuer der ita­lienischen Artillerie genommen. Der ganze Berg war in eine Rauchwolke gehüllt. Eine Batterie unter dem Kommando eines Alpini-Offiziers erstürmte nach­einander fünf als kleine Forts ausgebaute Stellun­gen, in denen Mörser von 103 Millimeter, Tank­abwehrgeschütze und Maschinengewehre erbeutet wurden. Diese Stellungen waren von den Eng­ländern von langer Hand vorbereitet worden, sie hatten auch Berghöhlen in Befestigungen verwandelt, die zuletzt von den Askaris und Dubais gestürmt wurden. Es blieb den Engländern schließlich nichts anderes übrig, als b i e weiße Fayne zu hissen und sich zurückzuziehen.

Trotzki den Verletzungen eines Aiieniais erlegen.

Mexiko Stadt, 22.Aug. (DNB. Funkspruch.) Leo Trotzki ist den schweren Verletzungen erlegen, die er bei einem Attentat erhalten hatte, das ein französischer Kommunist in seiner Wohnung auf ihn verübt hatte. Wie dazu der(Sortiere della Sera" erfährt, wurde der Täter von der Leibwache Trotz­kis sofort verhaftet und verprügelt. Es handle sich um einen der eifrigsten Besucher des Hauses Trotzki, und zwar um den französischen Juden Frank Jac­ques. Nach Mitteilungen der Polizei sei der Täter von Trotzki zum Abendessen eingeladen gewesen und habe diese Gelegenheit benutzt, um sein

Berlin, 21.Aug. (DNB.) Obwohl die Reichs­regierung schon im Falle des amerikanischen Trup- pentrallsportschiffesAmerican Legion" vor der Fahrt durch das militärische Operationsgebiet um England gemärt und jede Verantwortung ab­gelehnt hat und obwohl inzwischen die totale Blockade Englands durch Deutschland verkün­det wurde, hat der amerikanische Bundessenat ein­stimmig ein Gesetz angenommen, das unter Ab­änderung des amerikanischen Neutralitätsgesetzes amerikanischen Schiffen erlaubt, Kinder aus Kriegszonen abzutrans- portieren. Die Voraussetzung hierfür soll die Garantierung sicheren Geleites sei­tens der kriegführenden Mächte fein.

Die Reichsregierung hat bereits auf die völlige Verseuchung des Seegebietes um Eng­land mit Minen hingewiesen, ohne jede Aus­nahme die Verantwortung für irgendwelche Schäden ab gelehnt, die Schiffen jedweder Art oder Personen in diesen Gebieten zustoßen sollten. Wenn trotzdem das neue amerikanische Gesetz von einer Garantie »sicheren Geleites spricht, so entbehrt diese jeder Grundlage; denn keine krieg­führende Macht kann eine Garantie für das Be-

Mailand, 22. Aug. (Europapreß.) Nach einer Meldung derSlampa ist der amerikanische Passa- gierdampferAmerican Legion, an dessen Bord sich amerikanische Rückwanderer aus Europa befinden ,bereits in Kirkwall auf den Orkney- 3n f ein eingetroffen.

American Legion" hat am 16. August von dem finnischen Hafen P e t f a m o aus die Fahrt ange­treten, die es nach den Vereinigten Staaten zurück- bringen soll. Nach Petsamo hat das Schiff einen Kurs benutzt, der bei Island gelegen hat, was ge­rade um diese Jahreszeit, auch aus klimatischen Gründen die beste, zweckmäßigste und kürzeste Route ist. Wegen der Rückfahrt hatte es einen Noten­wechsel zwischen dem Auswärtigen Amt und Wa­shington gegeben, denn dieAmerican Legion" sollte auf Befehl aus Washington einen Kurs fahren, der nicht bei Island lag, sondern unmittelbar auf die Nordküste Englands zusteuerte. Diese Küste zwischen Schottland und den Orkney-Inseln ist Opera­tionsgebiet.

Warum wurde dieser Kurs gewählt, warum wurde er beibehalten, obwohl von Berlin aus rechtzeitig eindringlich gewarnt wurde? Welcher neutralen Re gierung wäre es eingefallen, während der Flandern­schlacht für einen großen Reiseomnibus mit neu­tralen Fahrgästen mitten durch die Kriegszone freie Fahrt zu verlangen? Im Falle derAmerican Le­gion" ist erwidert worden, das Schiff hätte nicht über jene Mengen Nahrungsmittel verfügt, die für einen anderen Kurs ausgereicht hätten. Nun ist aber die Fahrt an der Nordküfte Schottlands entlang sehr viel länger, als die Fahrt an Island vorbei.

Nicht weniger merkwürdig ist, daß große Zei­tungen in den Vereinigten Staaten, aber auch das State Departement selbst über den Notenwechsel Angaben gemacht haben, die mit den Tatsachen nicht übereinftimmen. Deutschland hat in dieser Sache zu keiner Mißdeutung Anlaß gegeben. Nicht nur in Deutschland wird gefragt, warum und wes­halb derAmerican Legion" feinen Kurs ändern mußte. Es wird auch im neutralen Ausland, es wird auch in den Vereinigten Staaten selbst danach gefragt. Dabei wird an dießufitania" erinnert, woraus sich ergibt, daß, wenn terAmerican Le­gion" in der Sperrzone um England ein Unglück zuftößt, die Erregung in den Bereinigten Staaten

Attentat auszufuhren. Die Polizei habe die Billa Trotzkis umstellt und verbiete jedermann den Zu­tritt. Schon vor zwei Monaten fei auf Trotzki von einigen Unbekannten ein Attentat ausgeführt wor­den. Damals hätten sie das Haus umstellt und mit Maschinengewehren in die Fenster geschossen. Wie durch ein Wunder fei Trotzki unversehrt geblieben. Seither sei er jedoch sehr nervös gewesen, weil er einen wetteren Anschlag befürchtete. Trotzki lebte bereits vier Jahre in Mexiko. Die Geliebte des Trotzki-Attentäters wurde von der Polizei fest­genommen. Der Attentäter, der sich Moonard Jacques Vendem Deeshd nennt, erklärte, er sei der Sohn eines belgischen Diplomaten und in Teheran geboren.

Leib Bronstein, wie Trotzkis ursprünglicher Name lautet, wurde 1879 als Sohn eines jüdischen Grundbesitzers in der Ukraine geboren. Schon 1896 wandte er sich revolutionären Ideen zu und wurde 1900 nach Sibirien verschickt. Er floh ins Ausland und traf während der Revolution von 1905 wieder in Petersburg ein, nach deren Fehlschlägen er wie­derum nach Sibirien deportiert wurde. Es gelang ihm jedoch abermals zu entfliehen. Nach dem Sturz des Zarentums kehrte er nach Rußland zurück und wurde 1917 in der Regierung Lenin Volkskommissar für die auswärtigen Angelegenheiten. Als solcher schloß er den Frieden von Brest-Litowsk am 18. März 1918. Er wurde/ dann Kriegskommissar und führte als solcher 1920 den Feldzug gegen Polen. Er über­warf sich dann mit Lenin und wurde 1928 nach Turkestan verbannt und 1929 ausgewiesen. Er hat sich dann in den verschiedenen Ländern, so in der Türkei, in Norwegen, in Frankreich aufgehalten, aber überall wurde er durch politische Betätigung bald unbequem. Im Dezember 1936 ging er nach Mexiko, wo er in Eoyoacan im Hause des Malers Rivera streng bewacht wurde.

fahren minenverseuchter Kriegsgebiete übernehmen. Dies hat sogar die britische Regierung anerkannt, als sie den schon organisierten Abtrans- port von Kindern auf staatliche Kosten wieder abgesagt hat, da weder die erforderliche Ton­nage, noch die erforderlichen Geleitfahrzeuge zur Verfügung stünden.

Unter diesen Umständen kann dem ametikanischen Gesetz, dessen menschliche Beweggründe nicht in Frage gestellt werten, eine reale Bedeutung Glicht zukommen. Gerade die menschlichen Gesichtspunkte sind es, die es einer verantwortlichen Kriegführung unmöglich machen, eine Garantie für das Befahren minenverseuchter Gebiete zu übernehmen. Nachdem das amerikanische Neutralitätsgesetz zum Besten der Beziehungen zwischen Deutschland und den Ver­einigten Staaten Zwischenfälle ausgeschaltet hat, die zu Konfliktsmöglichkeiten führen könnten, kann es nicht im Interesse der beiden Länder liegen, durch eine falsch verstandene Humanität die Möglich­keit von Zwischenfällen wieder zu schaffen. Deutschland kann nicht seine Hand dazu reichen, die Kinder einer kriegführenden Partei einer zusätz­lichen Gefahr im Kriegsgebiet auszufetzen.

gewiß groß sein wird. Alle Verantwortung trägt die Befehlsstelle in den Vereinigten Staaten, die die Fahrt derAmerican Legion^ durch die Sperr­zone angeordnet hat. 8.

Amerikanische Kritik.

Roosevelt trifft die Verantwortung für jeden Zwischenfall.

Washington, 21.Aug. (Europapreß.) In den Vereinigten Staaten mehren sich die Befürchtungen um das Schicksal des Schiffes. Der demokratische Senator Sone erklärte im Senat, ausschließlich Roosevelt treffe die Verantwortung für jeden unliebsamen Zwischenfall, der dem Dampfer in der gefährdeten Zone auf der Höhe von England zu­stoßen könne. Durch die Starrköpfigkeit eines Man­nes müßten über neunhundert Personen die Fahrt durch eine Zone wagen, deren Befahren mit To­desgefahr verbunden fei. Wenn das Schiff auf eine Mine stoßen und untergehen sollte, würde es heißen, daß es hon einem deutschen U-Boot versenkt worden sei. Und niemand würde je die Wahrheit darüber erfahren. Das schlimmste sei, daß ein solcher Zwischenfall als Vor­wand dienen könne, um die USA. in den europäi­schen Krieg hineinzuziehen. Senator Bone bedauerte, daß die nordamerikanischen Bürger das autoritäre Regime so scharf kritisierten, wo sie es doch gleich­zeitig zuließen, daß der Präsident der USA. nach Belieben ein Schiff durch eine so gefährdete Zone schicken könne, obwohl es einen sichereren Kurs hätte einschlagen können. Die Macht des Staats­departements fei leider so groß, daß der Protest eines Senators vergeblich sei. Aber der Fall der American Legion" verdiene eine gründlichere Prü­fung.

Nationaler Block in Dänemark.

Kopenhagen, 21. August. (Europapreß.) In Kopenhagen ist einNa t i o n a le r Block" gebildet worden, der unter Bekenntnis zum Führer­prinzip zur nationalen Sammlung aufruft und die Ablösung der Polittk der Parteien durch einen Ständestaat mit dem König und einer von ihm zu ernennenden gesetzgebenden Regierung an ter Spitze ersetzen wird.

Falsch verstandene Humanität.

Deutschland kann keine Garantie für den Abtransport von Kindern durch minenverseuchte Gebiete übernehmen.

American Legion" bei den Orkney-Mln.

Churchills dreißigjähriger Krieg.

Der englische Ministerpräsident hat unmittelbar vor der Vertagung des Unterhauses bis zum 15. Sep­tember eine Rede gehalten, die einen Gesamtüber­blick über die Lage des englischen Weltreiches am Ende des ersten Kriegsjahres versucht. An demselben Tag überflogen trotz des schlechten Wetters deutsche Kampfverbände Südengland, trafen aber britische Jagdflieger nur in kleinen Verbänden an, so daß nur vereinzelte Luftkämpfe stattfanden. Dieser Be­weis der deutschen Vorherrschaft im englischen Luft­raum ist die Kulisse, von der sich die Rede des eng­lischen Ministerpräsidenten abhebt.

Winston Churchill hatte die Aufgabe, seinem Lande am Ende des ersten Kriegsjahres Mut zuzu­sprechen und zugleich ein Bild der gegenwärtigen Lage zu geben, das für England nur trübselig sein konnte. Diese Doppelabsicht Churchills verleiht sei­ner Rede eine krasse Zwiespältigkeit. Er sagt aus­drücklich:Die vertrauensvollen Holländer sind zer­schmettert worden. Belgien wurde überrannt und unterjocht. Unser schönes Expeditionskorps wurde abgeschnitten und beinahe gefangen genommen. Das mit uns verbündete Frankreich steht jetzt außerhalb des Krieges und Italien befindet sich im Krieg mit uns. Die ganze Westküste Europas, vom Nordkap bis zur spanischen Grenze, ist in den Händen der Deutschen. Alle Häfen und alle Flughafen können zu Sprungbrettern der Invasion werden." Bringt selbstverständlich hat der englische Ministerpräsident nach der Aufzählung dieser schweren Unglücksfälle das Bedürfnis, feinen Landsleuten auch etwas Gutes zu sagen. Er tut das in der Weife, indem er 1941 und 1942 eine methodische und entschlossene Vorbereitung Englands in Aussicht stellt und sich ausdrücklich auf ein Wort eines französischen Mi­nisters bezieht, der eine Kriegsdauer von 30 bis 50 Jahren in Aussicht gestellt hat.

Winston Churchill stellt also Wechsel auf ein kommendes Kriegsglück mit .sehr langen Verfalls­terminen aus. In der Hitze des Gefechtes scheint er nicht bemerkt zu haben, daß die Berufung auf den Wechsel eines französischen Ministers von aus- gesprochen schlechter Vorbedeutung ist. Denn der französische Feldzug war von dem Führer zu Ende gebracht, ehe der französische Minister mit seinem langfristigen Wechsel noch recht wußte, wie ihm ge­schah.

Churchill berief sich dann darauf, daß die Be- feftiguna der englischen Insel Fortschritte mache, daß die Produktionsziffer von Flugzeugen ansteige, daß die Lebensmittelvorräte größer als in Friedens­zeiten feien und insbesondere, daß die Kriegsflotte heuteweit stärker als zu Beginn des Krieges" fei. Damit appellierte Churchill an den jedem Eng­länder angeborenen Stolz auf diegroße Flotte" oder auf diebloße Existenz ter Flotte". In diesem Sinn legte er auch ein besonderes Gewicht auf die Blockade Europas einschließlich der früheren Ver­bündeten Englands.

Aber wo ist die englische Flotte? Diese Frage drängt sich mit jedem Tage mehr auf. Bringt sie die Schlachtentscheidung? Oder bringt sie auch nur die Blockadeentscheidung, wo die Isolierung Eng­lands auf der einen, die köntinentaleuropäische Zu­sammenarbeit auf der andern Seite die Achsenmächte mit jedem Tage blockadefester machen? Ist England überhaupt in der Lage, in den Heimatgewässern starke Flotteneinheiten auf einen entscheidenden Punkt zusammenzuziehen? Oder ist nicht vielmehr die englische Kriegsflotte in dem nahen Bereich der deutschen Luftwaffe, also rings um die britischen Inseln, in ihre einzelnen größeren Einheiten auf­gelöst? Oder ist nicht überhaupt das Schwergewicht

Insignien und Mühe des Reichsmarschalls.

Unser Bild zeigt den Marschallstab und den Jn- terimsftab Hermann Görings, die Insignien seines Ranges als Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches. Der Marschallstab wird nur bei beson­deren Anlässen getragen, während der Jnterimsstab für den täglichen Dienst bestimmt ift Beide Stäbe sind aus Elfenbein und edlen Metallen gefertigt. (Scherl-Bilderdienft-Kropp-M.)