übergab dem Meister Keßler im Auftrage seiner Dfenfolonnen einen Ruhesessel. Die Feier ttang aus mit den Dankesworten des Jubilars.
** Watzenborn-Steinberg, 22. Juli. Nachdem bereits im Polenfeldzug der Angehörige einer ^-Verftigungstruppe, Wilhelm Hirz von hier, mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet worden war, erhielten nun im Feldzug gegen Frankreich der Oberfeldwebel Ludwig Schmanot, die Unteroffiziere Karl Häuser und Otto Häuser, sowie der <9 e fr eite Rudolf Schäfer für ihre Tapferkeit vor dem Feinde die gleiche Auszeichnung.
Ein Kind tödlich verbrüht.
LPD. Pfungstadt, 21. Juli. In einem unbewachten Augenblick fiel das anderthalb Jahre alte
Söhnchen des Einwohners Nierbauer.in einen Topf mit heißer Waschbrühe. Das gerade hier zu einem Krankentransport befindliche Sanitätsauto der Darmstädter Sanitätswache brachte das Kind in das Darmstädter Krankenhaus. Pie Verbrühungen waren jedoch so schwer, daß das Kind gestorben ist.
Schweinemarkt in Alsfeld.
Alsfeld, 22. Juli. Ium heutigen Markt waren 132 Ferkel und Läuferschweine- auf getrieben. 6 bis 8 Wochen alte Ferkel kosteten 24 bis 28 RM., 8 bis 10 Wochen alte Tiere 28 bis 32 RM., 12 Wochen alte Läuferschweine 40 bis 45 RM. Der Markt ging schleppend; es verblieb Ueberstand.
SJl.-'Svort
Ser Kampf der Stadtmamischafien.
Gießen schlägt Marburg 7:0 (1:0)»
Vor zahlreichen Zuschauern, die aber leider nicht auf ihre Kosten kamen, mußte die Stadtmannschaft Marburg eine hohe Niederlage einstecken. Man muß den Gästen zugute halten, daß sie gezwungen waren, durch Nichtantreten der Spieler aus den Vereinen Ockershausen und Germania mit nur zehn Mann den Kampf aufzunehmen. Aber auch die Gießener konnten nicht in der vorgesehenen Aufstellung spielen, sondern hotten zwei Ersatzspieler einstellen müssen, die aber keinen Ausfall bedeuteten.
Der Anstoß der Gäste wurde ab gefangen und schon waren die Gießener im Angriff. Sie setzten sich zunächst im gegnerischen Strafraum fest, ohne aber etwas zu erreichen. Die Gegenstöße der Gäste liehen keinen Zweifel darüber, daß der Sturm sehr gefährlich war, doch hier fehlte der elfte Spieler. Funk nahm eine Vorlage von Anton auf, umspielte den Verteidiger und sandte aus fast unmöglichem Winkel zum vielbejubelten Führungstor ein. Das war der Auftakt für die Gäste, nunmehr aus sich herauszugehen. Das Spiel wurde offener. Eine Ecke erreichten sie, aber in aussichtsreicher Position wurde der Sturm abseits gepfiffen. Die Gießener waren in der Folge leicht überlegen. Koch startete einen scharfe« Schuß, der Ball wurde aber von dem hervorragenden Torwart über das Tor gelenkt. Eine dritte Ecke für Gießen ging ins Aus, dann
waren die Marburger wieder im Angriff. Doch wieder wurden sie durch Abseits unterbunden. Kurz vor dem Wechsel war ein Elfmeter fällig, doch dieser wurde an den Pfosten geknallt
Nach der Pause gingen die Gießener aus sich heraus, die Hintermannschaft der Gäste wurde überlastet, so daß Erfolge nicht ausbleiben konnten. In der 7. Minute verschuldete ein Verteidiger ein Selbsttor, so den Gießenern zu einem billigen Erfolg verhelfend. Nachdem die Stürmer der Platzherren verschiedene klare Sache« versiebt hatten, schoß Nachtigall auf Flanke von rechts das dritte Tor. Die Marburger wurden nunmehr vollkommen in die eigene Spielhälfte zurückgedrängt. Koch konnte eine Vorlage von Ehmann zum vierten Tor einlenken, wenig später war es Nachtigall, der auf 5:0 erhöhte. Zehn Minuten vor Schluß war Anton erfolgreich und den Torr ei ge« beschloß Ehmann.
Großen-Duseck — Rodhelm 4:0 (1:0).
Im ersten Spiel der 1. Klasse tonnte Großen- Buseck einen schönen Erfolg verzeichnen. Die Rod- Heimer lieferten eine gute Partie und waren zumindest tn der ersten Spielhälfte ein gleichwertiger Gegner. Mit dem Wind spielend, brächten sie schöne Angriffe vor, doch die Hintermannschaft der Gastgeber war ausgezeichnet. Die Platzherren konnten noch vor dem Wechsel ein Tor anbringen. Nach der Pause fielen die Gäste ihrem eigenen Tempo zum Opfer. Die Großen-Busecker tonnten drei weitere Tore auf ihr Konto buchen. Der Versuch der Gäste, wenigstens das verdiente Ehrentor zu erzielen, scheiterte an der aufmerksamen Hintermannschaft.
Schalke zum 5. Male Deutscher Fußballmeister!
Dresdner GC. 1:0 (4:0) besiegt. — 90000 Besucher im Olympiastadion.
Im Berliner Olympia-Stadion würbe am Sonntag vor 90 000 Zuschauern und int Beisein des Reichssportführers, in dessen Umgebung man als seine Gäste Verwundete aus den Berliner Lazaretten sah, die Deutsche Fußballmeisterschaft des Kriegsjahres 1939/40 entschieden. Schalke 04 siegte mit 1:0 (1:0) über den Dresdner SC. und sicherte sich damit zum fünftenmal den Meistertitel. Vorausgegangen waren Meisterschaftssiege der „Knappen" in den Jahren 1934, 1935, 1937 und 1939. Mit ihrer fünften Meisterschaft sind die Westfalen dicht an den vom 1. FC. Nürnberg mit sechs Titelgewinnen gehaltenen „Rekord" herangekommen.
Das Endspiel begann, da sich das Vorspiel Waldhof — Rapid Wien 4:4 (2:4) über mehr als zwei Stunden erstreckt hatte, mit großer Verspätung. Riesiger Jubel umfing beide Mannschaften, die sich dem Münchner Schiedsrichter Stark in folgenden Aufstellungen stellten:
Schalke 04: Klodt; Bornemann, Hinz; Füller, Tibulski, Burdenski; Eppenhoff, Szepan, Kalwitzki, Kuzorra, Schuh.
Dresdner SC.: Kreß; Pohl, Hempel; Sttauch, Dzur, Schubert; Boiczek, Schaffer, Schön, Hofmann, Köpping.
Das Spiel wurde in der ersten Hälfte von beiden Seiten mit größter Vorsicht geführt. Das Hauptaugenmerk legte man auf die Deckung und auf das Zerstören „feindlicher" Angriffe. So kam ein typi- scher Meisterschaftskampf zustande, der die Zehntau
sende bei weiten nicht so begeistern konnte, wie das vorausgegangene Treffen zwischen Waldhof und Rapid. Ein flüssiges Zusammenspiel sah man im Verlauf der ersten 45 Minuten nur selten; die Stürmer wurden stets sehr schnell vom Ball gedrängt, und so wirkten alle Aktionen zerrissen. Schalke hatte zwar technisch ein leichtes Uebergewicht, aber es reichte gegen die kraftvollen und energiegeladenen Dresdner nicht aus, eine klare Feldüberlegenheit herauszuspielen. Gegen Schluß der Halbzeit,. als das 1:0 (durch Kalwitzky) bereits Tatsache war, begannen die Schalter zu „kreiseln", was der DSC.-Hintermannschaft die Abwehr nur noch erleichterte. So gab es stimmungslose erste 45 Minuten, die mit einer 1:0-Führung Schalkes abschlossen.
Auch die zweite Halbzeit wußte nicht zu begeistern. Schalke gestaltete das Spiel immer mehr überlegen, übertrieb aber wieder einmal die Zusammenarbeit und scheiterte mit alle« Angriffen stets schon vor der Strafraumgrenze der DSC.er. Direkt langweilig wurde das Treffen und der Schlußpfiff des ausgezeichneten Münchners Stark wurde nach 90 Minuten direkt als eine Erlösung empfunden.
Ein so klassearmes Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft wie .dieses Treffen zwischen Schalke und Dresden hat es lange nicht mehr gegeben. Es war ein Kampf ohne Höhepunkte, ein Kampf, dem jeglicher Schwung und jegliche Begeisterung fehlten. An der Berechtigung des Schalter Sieges ist natürlich nicht zu zweifeln. Der DSC. scheiterte an der Schwäche seines Angriffs.
Die schone Meinslne
Roman Son Hans Richter
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Erst um halb sieben? Warte mal —" wieder liegt die Hand aus der Sprechmuschel. „Wenn wir hier pünktlich wegkommen und der ,Sommernachts- traum' nicht zu weit weg ist? Ist er nicht. Also gut, auf nur ein Viertelstündchen — bist du noch da, Fritzchen? Ich hüpfe also um halb sieben in dein Wäglein. Bereite das Lottekind schonend vor und grüjge den Schnurks. Wiederhören."
Als sie den Höver auf die Gabel legt, steht der große Chan immer noch neben ihr.
„Länger wäre mir lieber gewesen. Wichtige Geschäftsfragen wollen doch beredet werden", murrt er, denn heute muß seiner Ansicht nach etwas geschehen.
„Geht nicht immer so, Holzmännchen."
Der läßt nicht locker. „Wer ist denn nun wieder Fritzchen?"
„Ein alter Freund,"
„Und Schnurks?"
„Ein junger Freund."
„Sie sind eine Kleopatva, Tilde, ich verstehe Sie nicht."
„3ft auch nicht nötig."
Es geht alles Hals über Kopf. Hellwig hält mit einem alten Klapperkasten — wenn die Firma erst steht, kaufen wir uns einen neuen — an der nächsten Straßenecke, Tilde und Matthias steigen ein, Tilde natürlich neben dem Fahrer, was Hellwig als gutes Zeicyen wertet, der große Chan muh hinten Platz nehmen. Wilhelm Hellwig schwärmt zuerst einmal in den höchsten Tönen von dem „Sommerna chtstraum".
Der Wagen ist ein Gedicht. Es ist sogar schon eine lichtblaue Farbprobe aufgespritzt worden, und man kann sich ein Bild davon machen, wie er einmal aus seh en wird.
„Oben alles Glas", erklärt Hellwig. „Mtt dem kann man nach dem Harz und nach Thüringen fahren. Wissen Sie, Frollein Tilde, sonst sehen die
Leute immer nur die Straße, und von den Bergen wissen sie . nichts.
Kostet ja 'ne Kleinigkeit, kommt aber wieder rein."
Tilde ist nur halb bei der Sache, um so mehr ist es Hellwig. Er sieht Dinge, die gar nicht vorhanden sind, lauter hübsche Sachen, die alle mit Tilde zu tun haben. Wilhelm Hellwig ist verliebt, wenn er es sich auch nicht eingestehen will, verliebt mit durchaus reeller Grundlage. Und eifersüchtig auf einen Mann, den Tilde Fritzchen nennt, und auf einen zweiten namens Schnurks dazu, denn von dem hat ihm Holzmann berichtet.
Warum sagt Tilde nicht Schnurks zu ihm? Jeder Mann kann Schnurks heißen.
Wilhelm Hellwig findet das Verliebtsein halb schön, halb lustig und ist selber am meisten verwundert, daß ihm so etwas so plötzlich zustoßen kann.
Zugleich aber ist er Kaufmann, und dieser Kauf, mann entwickelt seine Ansichten höchst sachlich, und Holzmann hört eifrig zu. Tilde nicht. Tilde hat andere Pläne.
„Ich verdufte", flüstert sie.
„Nicht noch nachher auf 'nen kleinen Schoppen?" schlägt Hellwig vor.
„Heute nicht, vielleicht morgen — oder übermorgen."
Während zwischen ihm und seinem zukünftigen Teilhaber die Gelegenheit des heutigen Schoppens ausgehandelt wird, schwingt sich Tilde auf eine Elektrische und stellt fest, daß sie, wenn sie Glück hat, noch richtig am Potsdamer Platz fein kann. Sie ist in Gedanken schon viel weiter, schon draußen in Klein-Machnow, und überlegt, oo das Kind Schnurks noch wach oder nur schlafend bewundert werden kann.
In dieser Ueberlegung stört sie der Schaffner und verlangt das Fahrgeld. „Einmal für zehn Reichspfennige", verlangt Tilde und greift nach der Tasche.
Ein eisiger Schreck durchzuckt sie. Die Tasche ist fort.
„Warten Sie mal." Nachdenken — natürlich wieder die Hetzerei, sie hat die Tasche — warum gibt es noch nicht Kleider mit vernünftigen Taschen für Frauen — noch gehabt. In dem Autogeschäft? Nein, da hat sie sie nicht gehabt. Im Büro?. Ja.
»Teutonen" in Aufstiegskämpfen.
Langenselbold I — Watzenborn-Steinberg I 4:1 (2:0).
Mit 4:1 Toren verloren die „Teutonen" ihr erstes Aufstiegspiel zur Bereichsklasse in Langenselbold. Selten wurden sie aber auch bis jetzt in einem Spiel um ein ehrenvolleres Resultat gebracht als in diesem Vorentscheidungsspiel. Der Meister des Kreises Gießen hatte durch die Urlauber K. Buß und Haas eine recht starke Mannschaft zur Stelle und trat die Reise auch zuversichtlich an. Die Mannschaft stand. R. Burger; K. Schmandt, Fett; Wehrum, Hirz, K. Buß; Marttni, Schmitt, Haas, Heil, Harnisch.
Die erste Halbzeit sah die Platzmannschaft fast durchweg tm Angriff, und ihre 2:0-Führung bestand zu recht. Die Mannschaft versuchte, die Waüen- born-Steinberger zu überrennen. Die Langenselbolder, die in diesem Aufsttegspiel erstmals fünf neue ausgezeichnete Gastspieler zur Verfügung hatten, waren jedoch nach Seitenwechsel kaum wiederzuerkennen. Die Mannschaft hatte sich vor der Pause verausgabt, und nun beherrschten die „Teutonen" ganz eindeutig das Feld. Bereits zwei Minuten nach dem Seitenwechsel schloß Heil einen zügigen Angriff der Gastmannschaft mit dem ersten Treffer ab. Die „Teutonen" waren kaum zu halten, und der Ausgleich hing in der Luft, aber Fehlentscheidungen des Schiedsrichters verhinderten den sicheren Ausgleich. Dies wirkte sehr deprimierend auf die Teutonen. Doch ließen sie nicht locker, der Ausgleich sollte geschaffen werden. Fett betätigte sich als sechster Stürmer. 10 Minuten vor Spielende fiel die Entscheidung zugunsten der Platzmannschaft. Verteidiger Schmandt stand plötzlich dem Sturm der Platzmannschaft allein gegenüber, und bis weitere Spieler zur Abwehr zurückkamen, war es zu spät. Langenselbold führte 3:1. Das gab der Platzmannschaft neuen Ansporn, und kurz vor Spielende wurde ihr Einsatz mit einem 4. Treffer gekrönt.
Das Rückspiel am kommenden Sonntag in Wat- zenborn-Stemberg wird nun die Entscheidung um den Aufstieg tn die Bereichst!ässe bringen.
Lützellinden
gebietsbeste Dereinsmannschast.
Wer geglaubt hatte, die seitherigen Erfolge wären Lützellinden in de« Schoß gefallen, der wurde durch den Ausgang des Entscheidungsspieles eines Besse
ren belehrt. Hier ist uine Mannschaft Sieger und damit Gewinner des wertvollen Titels geworden, die es verdient hat. Durch restloses Schäften an sich selbst, durch nimmermüden Einsatz hat man aus kleinsten Anfängen heraus eine Einheit geschmiedet, die würdig ist, beste Jugendmannschaft des Gebietes 13 genannt zu werben. Mainz-Mombach wurde mit 7:6 Toren geschlagen.
Handballergebniffe des Sonntags.
To. Holzheim — Tv. Lang-Göns I 8:6 (4:5).
Tv. Grüningen — Tv. Oberkleen 17:1 (10:1).
Tv. Heuchelheim — Tv. Großen-Buseck 12:4 (5:2).
Tv. Großen-Linde« — Tv. Lang-Göns II 6:3 abgebrochen.
Tv. Watzenborn-Steinberg — Tv. Grüningen Jgd. 5:9. v
Tv. Heuchelheim Jgd. — Tv. Dutenhofen Jgd. 7:5. Die Lang-Gönser stellten eine gute Mannschaft ins
OaS Kriegshilfswerk für das Deutsche Aote Kreuz. Der Führer sagte: „Ich rufe das deutsche Volk auf, durch Spenden für das krlegshilfs- werk sich der Opfer der Soldaten würdig zu erweisen."
Feld. Das hat Holzheim diesmal zu spüren bekommen. Die Gäste konnten sogar eine Halbzeit lang führen, mußten sich dann aber doch einer kleinen Ueberlegenheit beugen.
Die augenblickliche Form der Grüninger Mannschaft spiegelt sich in diesem neuerlichen Ergebnis wider. Denn obwohl auch Oberkleen als spielstark bekannt ist, mußte es eine haushohe Niederlage hin- nehmen, die bereits in der ersten Halbzeit besiegelt war.
In Heuchelheim zeigten sich beide Mannschaften von ihrer besten Seite. Während bei den Gästen eine Formverbesserung festzustellen war, warteten die Platzbesitzer mit ihren gewohnten Leistungen auf.
Die neu zusammengestellte Mannschaft des Tv, Watzenborn-Steinberg hielt sich bei ihrem ersten Spiel recht gut.
Sporttag in Lollar.
Der Verein für Leibesübungen Lollar führte den ihm übertragenen Sporttag mit Unterstützung der Gliederungen der Partei durch. Schon früh morgens traten die Einheiten der HI., Jungvolk, BDM, Jungmädel und die aktiven Sportler des Vereins zur feierlichen Flaggenhissuna an, die unter Leitung von Rektor Ruckelshausen vor sich ging. Die technische Abwicklung lag in Händen von Mitgliedern des Vereins. Dann nahmen die jungen Sportler und. Sportlerinnen frohen Muts und bei herrlichem Wetter den Wettstreit auf. Es wurden zum Teil sehr achtbare Ergebnisse Erzielt. Dio Kämpfe wickelten sich flott und reibungslos ab. Die aktiven Sportler verlegten ihre Entscheidungen auf den Nachmittag.
Nachmittags bewegte sich dann ein stattlicher Zug mit den Gliederungen der Partei und Sportler unter Vorantritt der Werkskapelle der Buderus'schen Eisenwerke unter Stabführung ihres Dirigenten Pfeffer vom Schulhof nach dem Sportplatz. Viele Zuschauer wurden angelockt. Es entwickelte sich sogleich ein reges Leben und Treiben.
Mit einem Fußballkampf eröffnete die Lollarer HJ.-Mannschaft gegen ihre Kameraden von Staufenberg die Spiele. Die Lollarer Mannschaft konnte, nachdem es in der Halbzeit noch 1:1 stand, das Spiel erst in der zweiten Hälfte klar mit 4:1 für sich entscheiden. In der Folge gab es dann auf allen Teilen des Sportplatzes etwas xu sehen. Der BDM. führte Grenzballspiele durch, das Jungvolk war beim Bodenturnen zu sehen, die aktiven Sportler führten ihre Entscheidungskämpfe durch. Die Zuschauer verfolgten Kämpfe und Spiele mit regem Interesse. Die Werkskapelle half die Veranstaltung verschönern. Nachdem nun die Spiele ihren Abschluß nahmen und die Entscheidungen gefalleck waren, gab der stellvertretende Ortsgruppenleiter Pa. Becker die Sieger bekannt. Er dankte auch all den Helfern, die zum Gelingen des Sportwerbetages beigetragen haben. Er richtete in einer Ansprache mahnende Worte an die Jugend, die immer bestrebt sein solle, Körper und Geist durch den Sport
zu stählen. Eine aufrechte, gesunde und fräftige Jugend brauche das Vaterland, eine Jugend, die überall ihren Mann stelle. Mit einem „Sieg-Heil" auf den Führer und mit den Nationalhymnen fand die Veranstaltung ihr Ende. Ein ansehnlicher Geldbetrag konnte als Ertrag der Veranstaltung, dem Roten Kreuz überwiesen werde«.
Oie-Ergebnisse:
BDM. Weitsprung, 75-Meter-Lauf, Ballweitwurf: 1. Hilde Weimer, 65 Punkte; 2. Mariechen Schmidt, 64 P.; 3. Gertrud Schäfer, 63 Punkte; 4. Hilde Frank, 58 Punkte.
Jungmädel. Weitsprung, 60-Meter-Lauf, Ballweitwurf: 1. Christel Linker, 77 Punkte; 2. Hilde Müller, 73 P.; 3. Elfriede Lehmann und Gertrud Klippel, 72 P.; 4. Marianne Rudolf und Marianne Junker, 71 Punkte.
Hitler-Jugend. 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Keulenweitwurf: 1. Alfred Boschel, 70,5 Punkte; 2. Karl Zaubert, 64,5 P.; 3. Werner Herzberger, 62 P; 4. E. Mank, 60 Punkte.
Jungvolk. Weitsprung, 60-Meter-Lauf, Ballweitwurf: 1. Walter Schneider und Werner Leineweber, 85 Punkte; 2. Willi Leineweber, 84 P.; 3. E. Schnäut, Willi Klippel und Paul Munzert, 79 P.; 4. Karl-Heinz Arnold, 78 Punkte.
Aktive Sportler. Diskus: 1. Schleen- becker, 36,52 Meter; 2. Schreiner, 29,35 Meter;
3. Munzert, 27,05 Meter; 4. Ziegler, 24,80 Meter.
Weitsprung: 1. Schleenbecker, 6,20 Meter;
2. Munzert, 5,85 Meter; 3. Schreiner, 5,56 Meter; 4. W. Herzberger, 5,18 Meter.
Kugelstoßen: 1. Schleenbecker, 12,67 Meter; 2. Munzert, 10,88 Meter; 3. Schreiner, 10,66 Meter; 4. Ott, 9,48 Meter; 5. Ziegler, 9,19 Meter.
Speerwerfen: 1. Siegler Ad-, 40,15 Meter; 2. Munzert, 40,10 Meter; 3. Schreiner, 36,84 «Dieter; 4. Ott, 36,65 Meter.
Hochsprung: 1. Schleenbecker, 1,67 Meter; 2. Munzert, 1,45 Meter; 3. Schreiner, 1,40 Meter.
Da ist die Tasche oben ins Schränkchen gelegt worden, während sie den Mantel anzog. Und da liegt sie noch, gut und sicher.
„Ich —" stottert Tilde und wird rot wie ein Backfisch.
„Wenn Sie fein Geld haben, müssen Sie aus- steigen", sagt der Schaffner.
„Lieber Himmel, ich — ich hab's eilig."
„Haben wir alle."
„Ich kann Ihnen doch morgen —"
Der Schaffner zögert noch. Es kommt ja vor, daß man bei solchen Geschäften nicht hereinfällt, aber man ist kein Pumpwerk. Damit könnte man weit kommen.
Tilde ist schon bereit, abzusteigen, als sie plötzlich einen Fahrschein in der Hand fühlt.
„Js gut, Frollein", sagt der Schaffner. „3s bereits erledigt."
Gegenüber steht ein junger Mann ohne Hut, mit blondem Schopf und in eine Art Sportanzug gekleidet. Jung? Na, mitteljung. Ein paar Jahre älter als Tilde mag er wohl fein.
„Waren Sie so freundlich?" fragt Tilde.
„Nicht der Rede wert", knurrt Der.
„Aber ich möchte doch —" man hat so hübsche gummierte Zettel zum Abreißen, aber die stecken in der Tasche. Man hat einen Bleistift —
„Ich heiße —"
„Wegen Ihres Groschens kann ich nicht über meine Haltestelle hinausfahren", sagt der Mann und macht Anstalten zum Aussteigen.
„Aber ich kann doch nicht" —
„Zahlen Sie bas nächste Mal für irgendeinen, ber sein Gelb auch vergessen hat. Soll bei Frauen ja vorkommen."
Flegel, benft Tilbe unb ärgert sich.
Aber ber Helfer in ber Not ist schon abgesprungen, unb ihm nachlaufen kann Tilbe auch nicht.
„Lassen Sie man gut fein", tröstet ber Schaffner. „Vielleicht treffen Sie ihn mal mieber."
Als Tilbe in ber Linkstraße wirklich rechtzeitig in bas Wägelchen einsteigt, ist bas erste, bas sie zu sagen weiß, dieses Ereignis.
„Mir hat einer einen Groschen gepumpt, Fritzchen."
»Soll Vorkommen", meint des,
7.
Das Wäglein plätschert munter seines Weges, passiert Friedenau, Dahlem unb Zehlenbors unb biegt an ber gelben Tankstelle links ab.
„Du bist lange nicht bei uns gewesen, Tilbe", sagt Fritz. „Unb angeklingelt hast du auch nicht."
„Wirklich?" tut Tilbe erstaunt. „Muß ich reineweg vergessen haben. Na, aber jetzt bin ich ja ba."
Dasselbe stellt Lotte fest, bie ben Abenbbrottisch in ber Gartenecke gebeckt hat. „Was wir zu reben haben, kann ja jeder hören, unb Schnurks läßt uns in Frieben. Ober ist es was Desonberes, Mäbchen?"
„Nö", macht Tilbe.
„Also boch", wirb fachmännisch entf(hieben. „Will bich einer heiraten?"
Fritz stellt mit aller Sorgsamkeit, beren er fähig ift, ben Wagen fort unb ist für bie nächsten zehn Minuten nicht zu haben. Er hat sein Fernbleiben mit ben Worten: „Da hat unterwegs vorn links was geklappert", ausreichenb begrünbet. Also kann man von Heirat unb ähnlichen schwierigen Dingen sprechen.
„Heiraten — nein", sagt Tilbe unb wirb plötz- lich verlegen, benn mit einem Male sieht sie man» cherlei, was Hellwig gestern- unb heute gesagt hat, in einem anberen Lichte. Sollte ber etwa?
„Liste hungrig, magst bu ein Brot vorher? Nachher gibt's Rührei. Magst ihn wohl nicht?"
„Lach' nicht, Lotte", erwidert Tilde, bie sich über sich selber ärgert, „aber ich bin meiner Sache noch nicht sicher. Zuerst einmal fahre ich am Samstag m Urlaub."
„Ist bei uns noch nicht raus. Fritz hat ba ein paar Vertretungen, vielleicht geh' ich mit bem Jungen auf ’nen Stipp rüber zu Vatern nach Utrin, Damit er in ber Sonne liegen kann."
,Lch geh' auch zuerst mal nach Steinbergen."
„Auspennen? Wenn's bei mir so weit war, war immer bas erste auspennen. Jetzt ist bas ja anbers."
,Zch soll eben nicht aus pennen, ich soll was tun." „Vielleicht Wirtschaft bei Tante Malwine? Würbe ich nicht machen."
„Nein, für Hellwig unb Holzmann."
„Den Namen Holzmann hast bu boch schon ein- mal genannt, hilf mir mal auf bie Strümpfe, aber Hellwig?"
(Fortsetzung folgt)


