Ausgabe 
22.7.1940
 
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Montag, 22.3uli 1940

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. m Zweites Blatt

Verschönerung der Umgebung des Schiffenbergs

Bildbericht vom Pimpfenlager Bergwerkswald.

Die HeimatvereinigungS ch i f f e n berg" hielt am Samstag in dem Saale des Schif­fenbergs eine gut besuchte Vorstandssitzung ab. Nachdem der Vereinsführer, Beigeordneter Nico­laus, die Vorstandsmitglieder begrüßt hatte, wurde in die Tagesordnung eingetreten. Bei der Rückschau über die Vereinstätigkeit wurde betont, daß diese infolge der Kriegszeit eine nicht gerade rege war. Auch im kommenden Abschnitt soll von einer größeren Veranstaltung abgesehen werden und dafür dem Deutschen Roten Kreuz einen Betrag von 50 RM. zur freien Verwendung zur Verfügung gestellt werden. Die diesjährige Hauptversammlung ist auf den 25. August festgelegt worden, die auch wie in den Vorjahren, mit einer Familienfeier, mit musikalischen Umrahmungen und einem Vortrag verbunden sein wird. Zur weiteren Verschöneruiig

der Umgebung des Schiffenbergs sollen Bänke, die jetzt nicht an den günstigsten Plätzen stehen, an solche Plätze gestellt werden, die dem Ruhenden auch eine schöne Aussicht bieten. Weiterhin soll mit der zuständiger Stelle in Verbindung getreten werden, um die Eisteiche an der Schiffenberger Straße zusammenzulegen und zu einem schönen Platze auszubauen, an dem der Gießener Bürger nach getaner Arbeit seine Freude haben soll. Der Platz am Barbarenstein, auf dem Limes, soll durch Aus- bauung und Anpflanzung eine Verschönerung er­fahren, so daß damit für die Bewohner der um­liegenden Dörfer ein Anziehungs- und Besuchsort geschaffen wird. So wird auch in den kommenden Vereinsjahren die HeimatoereinigungSchiffenberg" durch stete Arbeit an der Verschönerung der Um­gebung ihre Ziele verwirklichen.

** Mit dem Eisernen Kreuz ausge­zeichnet. Rechtsanwalt Dr. G. W. K a l b f l e i s ch, zur Zeit Wachtmeister in einem Artillerie-Regiment, ist mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet worden. Das Eiserne Kreuz II. Klasse erhielt ferner der 19 Jahre alte Fahnenjunker Rolf Lutz Schnell in einem Infanterie-Regiment für be­sondere Tapferkeit vor dem Feinde.

Deutschland erkämpft sei. Wer da aber heute noch glaube, sich dem Wehrmannschaftsdienst, selbst wenn er freiwilliger Art sei, entziehen zu können, der schließe sich gegenüber seinen Volksgenossen selbst aus der Kameradschaft deütschdenkender Männer aus.

Infolge Ablegung der nicht leichten Prüfungen zur Erlangung des SA.-Wehrabzeichens konnte auch gestern wiedenr an 17 SA.-Männer das erworbene SA.-Wehrabzeichen überreicht werden.

abschnitt. Und bald prangte unter dem Weihnachts- baum des Bäckers funkelneu angestrichen und be- zäumt und beschweift ein Rappe mit teuflisch tür­kischen Augen, und des Nachbars Aeltester der Franzel, bestieg ihn und ritt ihn fortan zwei Jahre lang. Dann tauchte das Tier weihnachtlich wieder zum Rotfuchs gewandelt auf, und der Seppel kam an die Reihe. Und aber nach einem Jahr erjchien ein semmelgelbes Pferd mit grünem Sattel, und der Michel nahm es zwischen die Schenkel. Und hernach kam es zur Verwandtschaft, der es ebenfalls an Bu­ben nicht mangelte, und dort lebte es, von der heimlichen Kunst des Aehnels immer wieder ver­jüngt und gewandelt, als Brauner, als Falbe, als Scheck, kurzum in allen möglichen Farbtönungen. Vielleicht auch in Blau. Denn warum soll es nicht auch einmal einen blauen Schimmel geben?

Mit immer schnelleren Hufen jagte die Zeit wei­ter. Mein Sohn war inzwischen Mittelschüler ge­worben und grüßte die Mädchen.

Zweimal noch begegnete ich unserem alten Rotz- lein. r . . .

Das eine Mal hatte es goldene Hufe und wiegte sich hinter den Gärten der Stadt unter sieben an­dern Schaukelpferden.Was treibt ihr da? fragte ich staunend die kleine Reiterei. Einer von den Buben erwiderte, sie spielten Einzug in Jerusalem. Der Toner! vom Klempnermeister saß auf dem gold- behuften Tier und war Jesus. ,

Und nach manchem Jahr fand ich das Rossel tm Hof des Bäckers auf einem Haufen Brennholz. Seine Augenhöhlen waren leer, der tapfere Blick darin war versiegt, die schmutzigen Hufe waren von den Kufen gelöst, der Leib war zerspalten, em Bem fehlte. Verschrammt und abgekämpft lag es da, nie­mand reichte ihm das. Gnadenbrot. Die kühne Mähne war spärlich geworden wie der Hafer des armen Mannes. .

Und dennoch: das Rößlein hatte ein erfülltes Leben hinter sich. In immerwährender Seelenwan­derung war es über die Welt dahingeschaukelt. Elf strahlende Buben hatte es in träumerische Aben­teuer getragen und ihnen die ersten Schimmer männlichen Heldentums spielerisch ins erwachende Herz gewiegt.

O Rößlein der Kindheit, soll ich um dich trauern? Bald war der verstümmelte Leib verschwunden. Aus dem Rauchfang der Bäckerei aber stieg ein wunderblauer Holzrauch steil empor und löste sich im höchsten Himmel.

zottige Riesenkerle? Jedenfalls beneidete ich mei­nen Sohn, und jetzt nach so vielen Jahren kann ich es ja gestehen, daß ich in meiner Neugier ein­mal bei verschlossenen Türen gleichfalls den Ritt auf dem Schaukelschimmel versuchte.

Das Tier bot übrigens eine Fülle neuer Möglich­keiten: es wurde gekämmt und gestriegelt; es mußte, als der Frühling ausbrach, im Garten grasen; es mußte saufen aus dem Flüßlein Angel, das som­merlich dünn unter den Büschen vor unferm Hause vorüberschlich. Es erkrankte, hatte Zahnweh, und sein trotziger Kopf wurde barmherzig imt einem Tüchlein umwunden.

Auf die Entwicklung neuer häuslicher Gepflogen­heiten wirkte der Schimmel bestimmend ein. Dazu- yial war ich noch ein junger, grüner Schulmeister, und immer, wenn ich ins Amt ging, begehrte der Jörge! einen Kuß von mir, und wenn er ihn erhal­ten hatte, befahl er:Und der Mutter auch! Und hernach befchl er zum dritten:Und dem Schaukel­pferd auch!" Es ist das einzige Tier, das ich mein Lebtag geküßt habe.

Die Jahre fliehen. Der Bub entwuchs dem Rotz- lein, seine mädchenhaften Locken fielen unter der Schere, sein Gesicht wurde jungenhafter, nüchter­ner, sein Sinn kehrte sich männlicheren Dingen zu. Er schmiedete Schwerter, er baute mittels wer Schweinsblasen ein Luftschiff, er wurde mit seinen Spießgesellen in Felsen, Dickichten und Baumwlp- feln unsichtbar. Er lernte die Zahl kennen, die Tä­terin aller Träumerei; er lernte kennen, was d:e Dinge kosteten. Er bekam Baukasten, womit er Brucken, Krane und Türme aus Holz und aus Stahl baute. Ihn zog plötzlich die wilde Poesie der Maschinen an; er begann blitzschnell die Ergebnisse seines technischen Zeitalters zu durchschauen, die seinem humanistisch gebildeten. Vater stets em un­lösbares Rätsel blieben (rvas dieser jedoch vor der Mitwelt mit nicht geringer Lebenskunst zu verber­gen wußte). ,

Jahrelang trauerte nun der Schimmel ungeritten und ungekußt im Dämmer des Gerümpelbodens. Aber seine Sendung war noch nicht vorüber. Er tauchte wieder glorreich ans Licht.

Dem benachbarten Bäcker brachte der Storch all­jährlich ein Büdlein, und der Aebnel dort, ein in tausend Fertigkeiten bewanderter Mann, holte ein­mal im Herbst das Schaukelpferd und bastelte ve^ stöhlen daran und erneuerte zunächst den kläglich gewordenen Schweif, indem er in den Stall schlich und dem lebendigen Roß dort eine Handvoll Haare

Tageskalender für IHonfag.

Gloria-Palast, Seltersweg:So endete eine Siebe". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Sün­denbock"; in beiden Häusern neuste TonwocheZwi­schen den Schlachten".

Notizen für den 23. Zull.

Sonnenaufgang 5.32 Uhr, Sonnenuntergang 21.30 Uhr. Monduntergang 9.53 Uhr, Mondaufgang 22.57 Uhr.

Oberhessische Kaltblutfohlen für Bayern.

NSG. Die in Ni ed er-W ei sel durchgeführte oberhessische Fohlenversteigerung gestaltete sich zu einem großen pferdezuch- t e r i s ch e n Erfolg. Es waren 45 Kaltblutfohlen (14 Stut- und 31 Hengstfohlen) und 25 Warmblut­fohlen (5 Stut- und 20 Hengstfohlen) aufgetrieben, die ausnahmslos aus heimischen Zuchten, vorwiegend von Darrststädter Landgestütshengsten stammten. 5 erstklassige Kaltblut- und 6 Warmblutfohlen erhiel­ten 1. Preise. Bei flottem Verlauf der Versteigerung wurde eine ganze Anzahl Kaltblutfohlen nach Bayern, sowie 6 Warmblutfohlen in die Pfalz ver­kauft. _______________

Wie wir am Frei­tag berichteten, sind ge­genwärtig Pimpfe, Hor­den- und Jungenschafts­führer in der Gauführer­schule im Bergwerkswald vereinigt, um für ihre spätere Aufgabe als Jung­volk- und HJ.-Führer vorbereitet zu werden. Unsere Bilder zeigen Ausschnitte aus dem Lager.

Bild oben zeigt die Pimpfe beim fröhlichen Sport, hier bei einem Rugbyspiel, bei dem es sehr laut und sehr be­wegt zugeht. Ein hart­näckiger Kampf um den Medizinball hat eingesetzt.

Bild unten zeigt die Pimpfe bei ernster Ar­beit. Mit aller Aufmerk­samkeit widmen sie sich der Technik des Karten­lesens, der Anwendung des Kompasses und des Planzeigers.

(Aufnahmen [2]: Neu­ner, Gießener Anzeiger.)

Rößlein der Kindheit.

Don Hans Watzttk.

Unter dem Geburtstagstisch schimmerte ein hage­büchenes, apfelrundes Schaukelpferd. Mein Junge, damals drei Jahre alt, näherte sich sofort dem Tier

Es war ein Schimmel. Grundfest stand er nut seinen derben, verläßlichen Pinzgauerbeinen auf den sanft gebogenen Kufen, die Glasaugen voll unge­stümen Feuers, die ledernen Oehrlem wachsam aus­gereckt, die Nüstern hochgezogen und die Zahne be­denklich fletschend, wallend und stolz die Mahne aus dem kühnen Nacken. Der Bub ging nicht ohne Miß­trauen um das. Roß herum. Es endete hinten in einen ritterlich üppigen Schweif, in dessen Schwung sich ein gewisser Heldenmut offenbarte, obzwar wie das Söhnlein sofort feststellte das flad/ferne Gebilde in ein zweckmäßig gebohrtes Loch emge- leimt war. Es war ein tadelloser Schimmel, fein weißes Fell war hie und da von zart hingehauch- ten grauen Flecken malerisch verschleiert, und an den behäbigen Flanken hingen einladend die blitzblanken Steigbügel. Fürwahr, kein noch so edler Wüsten- scheich hat je ein solch wackeres Vollblut geritten.

Der Jörgel faßte nun einiges Vertrauen zu dem Geschöpf und ließ sich auf die rotgemalte Sattel­decke heben, stellte die Zehen in die Bügel, ergriff den Zügel und begann mit äußerster Borsicht ein wenig zu schaukeln. Hurrah, es ging! Wie eine Wiege bewegte sich das Roß; der tapfere, 'u ^den- teuer hinauszielende Kopf hob und senkte sich, und hinter dem Reiter ging es ähnlich vonstatten. l)as Gesicht des Buben verklärte sich- Von der Lust des gleichmäßigen Schwunges erfaßt, begleitete er me Bewegung mit den entzückt gestammelten Warten. Und hin! Und her! Und hin! Und her! Schaukel Schimmel! Schaukel Schimmel

Plötzlich hielt er inne. Sein geschäftlicher toinn war erwacht.Vater, woher ist das Roß? Aus dem Himmel ist es nicht gefallen, da hatt es sich den ^°Jch ^a^bas ein. Mit der Lüge von^.emem himmlischen Ursprung war hi diesem Sachlichke^- menschen da nichts auszurichten.Das Rossel stamm aus Dem Rantscherwald", Hub ich mchcher an.Du kennst doch den Erlhof, der tief und einsam drm liegt?" v , g.u

Von dort also ist das Roß her? .

jawohl. Und sein Vater war em Schimmel und fein Großvater auch einer,"

Und seine Großmutter war auch eine Schim­melin?" . ....

Jawohl. Und der Großvater war das schönste Roß im ganzen Grenzgebirge. Der Fürst wollte da­für dem Erlhofbauern den ganzen grünen Ranis cher- wald geben. Aber der Bauer, der tauschte nicht. Selbstverständlich nicht. Er sagte immer: Kein schö­neres Roß als ein Schimmel, voraus der meine! Hernach hat ihm der Fürst sieben graue Rösser geben wollen. Der Erlhofbauer hat den Kopf ge­schüttelt. Er hat gesagt: Hubert graue Rosier machen noch immer keinen Schimmel? Aber zuletzt hat er den Schimmel doch verkauft. Vor hundert Jahren und um hundert Taler." .

Das ist gar nicht schön von ihm , meinte der Jörgel traurig. . .

Er hat ihn über die Grenze hinüber ins Bay­rische verkauft. Aber es hat ihn bald gereut. Und m der Nacht ist der Erlhofer ins Bayrische geschlichen, hat dort heimlich den Schimmel von der Raufe losgebunden, und wie jetzt die anderen Rosier un­ruhig werden und stampfen, die Knechte erwachen und aus dem Haus rennen, reißt öer (M)ofer den Schimmel aus dem Stall, schwingt sich darauf, und mit einem einzigen Satz springt das Roß über den riesigen Misthaufen, und bald hort man es lustig weit drin im Rantscher wiehern." , 9

Warum kann der Schimmel da nicht wiehern? fährt mir der Jörgel in die Quere, bevor ich die Mär von dem wunderbaren Roßdieb zu einem be­friedigenden Ende führen kann.

Der Schimmel da ist noch jung , sugte ich.Wir müssen es ihm mit Geduld beibringen. Ich versuchte bescheiden zu wiehern. Es mt6Iang mir

Darauf meinte mein Sohn:Wir Mussen es selbs

öarauf ritt der Jörgel schon weit verwe­genes Am dritten Tag überschlug sich das Roß mit ihm. Don nun an hatte er das rechte Maß ge- fUQft sah ich dem kleinen Reiter zu. Sein in der Umrahmung der lang niederfallenden lichtgoldenen Locken zartes Elfengesicht wurde ernst, die Stirn streng die versunkenen Augen zielten über die Nähe hinaus. Das Hemdes Reiters stürmte vor­wärts, die Mauern der Stube öffneten sich, die un­bekannte Welt lag grenzenlos gebreitet vor den Hufen des Renners. Wohin rttt das schwelgende Kind? In welches überwirkliche Leben? In Step­pen in wüste Wälder, in selige Garten strahlende Bergschlösser, in den Kampf gegen böse Engel und

Führung durch die Altstadt.

Der gestrige Sonntag brachte wieder einmal eine von der NSG.Kraft durch Freude" veranstaltete Führung durch die Stadt, zu der sich eine stattliche Zahl von Teilnehmern einfand. Die Führung für den gestrigen Rundgang hatte Stadtbaudirektor Gravert übernommen, der seine aufmerksame Zuhörerschaft diesmal durch die ältesten Telle der Stadt.Gießen führte. Er führte zunächst in den Be­reich der ehemaligen Burg und umriß die früheste Entwicklung der Stadt. Mit Interesse folgte man den Darlegungen über die Lage der alten Stadt­tore und über die ehemalige Gestalt des Markt­platzes. Dann führte der Vortragende in diejenigen Teile der Stadt, in denen ehemgls die Juden wohnten, die erstmals in Gießen gegen Ende des 14. Jahrhunderts erwähnt werden. Der Vortragende zog im weiteren Verlauf der Führung die Geschichte einiger alter Gasthöfe und ihre Bedeutung zu früheren Zeiten in den Kreis seiner Betrachtungen, sprach aber auch von der reichen Geschichte manchen alten Gießener Bürgerhauses. Die Führung ver­mittelte ferner geschichtliche Erinnerungen an das erste Gießener Schlachthaus in der Schulstraße, an die Stadtwaage in der Waaggasie, führte die Teil­nehmer vor einen Rest der ältesten Stadtmauer in der Dreihäusergasse, schließlich aber gewann man einen großen Ueberblick über die Altstadt, roie über die Stadt in ihrer Gesamtheit, durch eine Besteigung des Stadtkirchenturmes. Auch von dieser Höhe aus wußte Stadtbaudirektor Gravert noch manches Wissenswerte zu vermitteln.

Besichtigung der Wehrmannschasten durch den Führer der Standarte.

Aus der Stadt Gießen.

Ein gefährlicher Gast.

NSG. Gäste sind in Deutschland gern gesehen, so­weit sie sich als Gäste betragen und nicht die Gren­zen der Gastfreundschaft überschreiten. Man kann nun beim besten Willen nicht behaupten, daß der Kartoffelkäfer, der seit einigen Jahren den steten Versuch macht, von Frankreich aus über die Grenze nach Deutschland zu kommen, ein willkommener Gast wäre. Der Kartoffelkäfer ernährt sich von den Blät­tern der Kartoffelpflanze und verursacht so das lang­same Absterben der Stauden. Eine vom Kartoffel­käfer befallene Pflanze kann keine Knollen hervor- bringen. Damit aber greift der Käfer einen wesent­lichen Eckpfeiler unserer Nahrungsfreiheit an, denn die Kartoffel tft nun einmal zu dem wertvollsten Nahrungsmittel in Deutschland geworden.

Wo der Kartoffelkäfer antritt, ist sofort der Orts- Polizeibehörde Meldung zu machen. Der Käfer ist leicht zu erkennen an den schwarzen und gelben Längsstreifen auf seinen Flügeln. Er ist etwa ein Zentimeter lang. Seine Larve entwickelt sich aus den orangegelben Eiern, die das Weibchen in Pa­keten von 20 bis 30 Stück an der Unterseite der Kartoffelblätter ablegt. Die Larve ist rot gefärbt mit zwei schwarzen Punktreihen auf jeder Seite.

Die ungeheure Gefährlichkeit des Kartoffelkäfers ergibt sich aus seiner gewaltigen Fruchtbarkeit. Ein Käferweibchen ist in der Lage, in einem Sommer etwa 30 Millionen Nachkommen hervorzubringen. Was das bedeutet, kann jeder ermessen, der weiß, daß diese rund 30 Millionen Nachkommen die Ernte eines etwa 21/* Hektar großen Kartoffelfeldes benö­tigen. Die Durchschnittsernte eines Kartoffelackers dieser Größe beträgt aber rund 450 Dopvelzentner Kartoffeln. Ein solcher Schaden kann durch ein ein­ziges Weibchen angerichtet werden!

Wie schon gesagt, versucht der Kartoffelkäfer über unsere Westgrenze nach Deutschland 'einzudringen. Deshalb sind die Gebiete an der Grenze besonders gefährdet. Aber auch, die weiter dahinter liegenden Felder können befallen werden, denn der Käfer ist in der Lage, weitere Strecken zu fliegen.

Das beste Mittel, den Befall eines .Ackers festzu­stellen, ist immer noch das sorgfältige Absuchen der Kartoffelanbaufläche. Hierzu werden Suchkolonnen gebildet. Die Kolonnenführer sind für die Tätigkeit jedes einzelnen verantwortlich. Wird eine Defallstelle festgestellt, setzt die eigentliche Bekämpfung ein. Diese erfordert besonders geschulte Arbeitskräfte und wird vom Kartoffelkäfer-Abwehrdienst des Reichs­nährstandes durchgeführt.

Achtet auf den Kartoffelkäfer! Er ist imstande, durch seine Gefräßigkeit eine schwere Mißernte herbeizuführen.

Dornotizen.

Aus der engeren Heimat.

Ortssport-Gemeinschaststag in Watzenborn-Gteinberg.

Arn 11. August findet in Watzenborn-Steinberg ein Ortssport-Gemeinschaftstag statt, an dem sich au­ßer den beiden NSRL.-Vereinen auch die SA. die Wehrmannschaften, die Polittschen Leiter die Hit-- ler-Jugend und der BdM. beteiligen werden. Mit den Vorbereitungen wurde bereits begonnen.

Beim pürschgang

den eigenen Sohn erschossen.

Lpd. Altenkirchen, 19. Juli. In der Gemar­kung Güllesheim ereignete sich ein schwerer Jagd- unfall. Ein von auswärts stammender Jagdpachter war am frühen Morgen in Begleitung seines 17- jährigen Sohnes auf die Rehbockjagd gegangen. Beim Pürschgang durch den Wald glitt der Jagdpachter plötzlich aus und das entsicherte Gewehr entlud sich. Das Geschoß traf den Sohn in die Brust. Du? Verletzung war so schwer, daß der (Betroffene nach dem AusrufVater" sofort verschied.

Landkreis Gießen.

Mainzlar, 22. Juli. Am Donnerstag konnte der Ofenmeister Wilhelm Keßler aus Alten-Bu- seck auf eine 25jährige Tätigkeit in den hiesigen Di- dier-Werken zurückblicken. Aus diesem Anlaß hatten sich die Angestellten und Arbeitskameraden der Ofenabteilung zu einem feierlichen Appell im großen Aufenthaltsraum zusammengefunden. Der Arbeits­platz und auch der Saal waren mit Blumen ge­schmückt. Der Betriebsführer Dr.-Jng. Thiel sprach in kurzen herzlichen Worten die Glückwünsche der Firma aus. Anschließend überreichte Verlademeister L. Zecher im Auftrag der Aengestellten ein Ge­schenk. Zum Abschluß überbrachte noch der Betriebs­obmann Ernst Schlapp die Glückwünsche der DAF. sowie der gesamten Betriebsgemeinschaft und

Der Führer der SA.-Standarte 116, Standarten­führer Lutter, besichtigte gestern die Wehrmann­schaften der Stürme 2/116, 3/116 und 6/116 und konnte sich von dem guten Stand der Ausbildung überzeugen. Ausbilder wie Wehrmänner haben trotz der schwierigen Verhältnisse und der geringen, zur Verfügung stehenden Freizeit aut gearbeitet In Grünberg war die Wehrmannschaft zum ersten Male mit einheitlicher Wehrmannschaftsuniform angetreten. An das Formalexerzieren schloß sich ein kleiner Uebungsmarsch mit geländesportlicher Aus­bildung an. Hier zeigte es sich, daß die Wehrmänner über ein gutes Wissen verfügten. Unter dem Ge­sang alter Kampflieder wurde gegen Mittag wieder in Grünberg einmarschiert. Auf dem Marktplatze richtete Standartenführer Lutter noch einige Worte an SA.- und Wehrmänner und betonte, daß er nach alledem was er gesehen, mit dem Stand der Ausbildung zufrieden sSi. Weiterhin betonte er, daß ja jeder Wehrmann nicht Dienst für sich selbst leiste sondern dies nur alles zum Wohle des Volks­ganzen geschehe. Jeder deutsche Mann habe die Pflicht, sich bis in das hohe Alter hinein wehrfähig zu erhalten. Wenn auch der einzelne selbst nicht mehr die Früchte seiner Arbeit ernten könne, so sei es doch ein erhebendes Gefühl' zu wissen, daß sei­nen Kindern und Kindeskindern durch den Kampf ein sicherer Platz in einem freien und stolzen