sonniqen und luftigen Krankenzimmern. Der einstige Feldgrauen fertig geworden. Soweit die feindlichen Soldat des Weltkrieges findet im Handumdrehen Soldaten ritterlich und soldatisch kämpften, sprechen den seelischen Kontakt mit den jungen Kameraden unsere Verwundeten dem Besucher gegenüber nur von heute. Denn beide haben ja dem Krieg und mit Worten vollster Achtung von dem Gegner, sie seinem Geschehen ins Antlitz geschaut, sie wissen um I machen aber auch kein Hehl daraus, dah von
23. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten!)
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
In Begleitung des Abteilungsarztes besuchen wir eine ganze Anzahl verwundeter Kameraden in den
vergnügtem Schmunzeln von dem Auftauchen eini. ger schottischer Soldaten vor der Front seiner Kom- panie, wobei ihn die Erinnerung an die Männer in den „kurzen Röckchen" heute noch belustigt. Alle Männer, die mit Schwarzen im Kampfe gewesen waren, sprechen mit größter Erbitterung-von die. fern Feind, der ja auch als „Kulturträger Frank- reichs" den Kampf „für die Zivilisation (Europas* führte, allerdings auf seine eigene unsoldatische, feige und heimtückische Art. Als Baumschützen oder 5>eckenschützen, oder mit anderen heimtückischen Kampfmethoden ist dieses schwarze Gesindel Frank, reichs auch den Männern gegenübergetreten, die jetzt verwundet vor uns liegen. Aber auch mit die. sen Kreaturen der „grande Nation" sind unsere Feldgrauen fertig geworden. Soweit die feindlichen
Joachim hatte keine Zeitschrift gelesen oder angesehen. Aber während er nun durch den schweitzen- den Wald wanderte, stieg das Verlangen in ihm auf, ganz sicher zu wissen, ob die Bescheinigung, die Mjölln sozusagen aus dem Nichts, hervorgezaubert hatte, auch echt war. Wenn es einen Maler Stefan Gode gab, dann mußte auch die Nachricht, die er sandte, Wahrheit sein. Weiß der Teufel, wann es Mjölln gelang, die Adresse dieses Gode herauszu- bringen. Er konnte jetzt nicht warten. Er mußte sie fragen.
„Stefan Gode", sagte Sibylle langsam vor sich hin. „Gewiß kenne ich den. Das heißt, mein Mann kannte ihn besser. Etz war ein Freund von ihm. Aus den Münchner Tagen noch."
„Weißt du, wo er lebt?"
„Nein, wie sollte ich das wissen. Wir l)aben nie wieder was von ihm gehört. Jeit Jahren schon. Seit München. Er hat einen hübschen Namen, nicht wahr? Ja, er konnte auch gut malen. Landschaften. Immer Landschaften. Porträts? Ich kann mich gar nicht erinnern, daß er sich auch für Porträts und Gesichter interessierte."
Auf ihren Lidern lag ein Sonnenstrahl, der durch die Zweige fiel. Er wanderte hernieder auf ihre Lippen, verweilte dort, erlosch zum Schatten.
„Du, ich glaube, die Sonne geht bald unter", sagte sie dann und sah nach oben.
„Das macht doch nichts. Oder hast du Angst?"
„Es wird noch eine Weile dauern, bis wir beim Hotel sind."
„Bist du schon müde?"
„Nein. Aber es wird vielleicht dunkel werden."
„Du hast also doch Angst." Er lachte.
Sie schüttelte den Kopf. „Angst nicht. Nein, Angst habe ich nicht." Der Wald umgab sie wie eine Kirche, feierlich, erhaben.
„Es sind gar keine Menschen hier."
„Aber Spuren von ihnen. Sieh, lauter Schispuren. Die Leute fahren mit der Bahn zurück. Ich bin froh, daß niemand hier ist."
Weiter und weiter glitten die Schier, stapften die Schneereifen. Sibylle und Joachim atmeten gleichmäßig, und allmählich schwiegen sie ganz.
Die Sonne warf ein bißchen Rot durch den Wald. Sie schob sich jetzt hinter die steile Wand des Berges. Aus dem Tal herauf drang wieder Glockenläuten, hell, deutlich, als wäre die Kirche gUid? hinter ihnen.
Wenn ich auf das Rote kreuz Hinweise, dann wird uns allen sofort bewußt, wie klein die Opfer sind, die vom einzelnen gefordert werden, gemessen an den Opfern, die viele unserer Volksgenossen an der Front zu bringen haben.
Der Führer.
Keine Spur von Hauck
Vornan von Lharlotte Kaufmann.
(Siegeszug durch Frankreich.
Die historische Stätte von Compiögne in den Bildern der Wochenschau.
ner haben Kirschen, Wein oder Kuchen neben ihren Krankenbetten stehen; Spenden von Besuchern, früheren Quartiergebern oder dergl.' Ein junger Kanonier, der vor dem Abrücken an die Fronet zuletzt in Honnef am Rhein einquartiert gewesen war, hat kurz vor unserem Besuch ein ziemlich umfangreiches Päckchen von seinen letzten Quartiergebern erhalten, die chm prächtige Kirschen und Erdbeeren vom goldenen Rhein geschickt haben. Liebesgaben an Zigaretten und Zigarren, die bei jedem Soldaten immer sehr begehrt sind, fehlen natürlich auch hier nicht und bereiten den dankbaren Empfängern einen chönen Genuß. Selbstverständlich werden die Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz nicht nur mit großer Spannung verfolgt, sondern auch in regem Meinungsaustausch täglich erörtert.
Mancher Patient, der nach einiger Zeit in seinem Befinden die erhofften befriedigenden Fortschritte gemacht hat, wird auf seinen Wunsch, der oft zu hören ist, in ein Lazarett in seiner Heimatstadt oder in seinem früheren Garnisonort verlegt. Andere wieder, deren Genesung bereits die Möglichkeit einer Nachkur zuläßt, kommen von hier nach Bad Soden, Bad Salzhausen oder nach Braunfels, um dort in der herrlichen Waldluft wieder voll und ganz zu Kräften zu kommen und völlige Wiederherstellung von ihrer Kriegsverletzung zu finden. Auf diesem Wege sind schon manche verwundete Krieger wieder aus dem Gießener Reservelazarett ausgeschieden, an das sie aber sicherlich gern zurückdenken werden. Denn hier war ja der Ort, an dem sie nach der langen Reise mit dem Lazarettzug Ruhe und Er- holung und alle ärztliche Betreuung fanden, die ein Reservelazarett nur bieten kann.
Verwundete erzählen uns von ihren Erlebnissen.
Bei unserem Besuch in einem Reservelazarett in Gießen hören wir zunächst von dem Leiter einer Lazarettstation manche Wahrnehmungen, die für das innere Erleben der verwundet von der Front zurückkehrenden Soldaten kennzeichnend sind. Vor allem ist hervorzuheben, daß die Stimmung aller Verwundeten zuversichtlich und von großer soldatischer Opferbereitschaft erfüllt ist. Mancher Mann, der sich beim Herausbringen aus dem Lazarettzug vielleicht noch im Halbschlaf befindet, erwacht und bekundet sogleich durch seine Äußerungen, daß er mit seinen Gedanken und seinem Seelenleben eben noch vollkommen draußen bei den kämpfenden Kameraden war. Auch wenn er schon einige Zeit in den hellen und freundlichen Krankenzimmern des Lazaretts liegt, erwacht er morgens, noch oft im Nacherleben des siegreichen Kampfes und Vorwärts- türmens inmitten seiner Kameraden. Diese innige Verbundenheit mit der Front ist es auch, die chm die Lazarettzeit manchmal nicht gerade behaglich macht und dafür den Wunsch lebendig werden läßt, der Tag möge doch möglichst bald da sein, an dem er wieder nach vorne zu den Kameraden abrücken kann. Diesen sehnsuchtsvollen Wunsch spricht uns gegenüber ein Unteroffizier, der mit einem Oberarmschuß inmitten seiner Kameraden sitzt und noch sehr stark in der Erinnerung an seine vielen Kämpfe im Westen lebt, mit Nachdruck und hoffnungsvollem Blick hinüber zum Arzt aus. Einstweilen aber muß sich der gute Unteroffizier mit seinem Armschuß und seiner Sehnsucht nach der Front noch etwas gedulden.
Männer aus allen deutschen Gauen beieinander.
Die Patienten des Reservelazaretts stellen in ihrer Gesamthett ein eindrucksvolles Bild der groß- deutschen Volksgemeinschaft dar. Männer aus allen Gauen des Reiches liegen hier beieinander. Wir können u.a. Soldaten begrüßen, deren Heimat im Hessenlande liegt oder die im Siegerland zu Hause sind; aber auch verwundete Feldgraue aus Westfalen, von der Wasserkante, aus Thüringen, aus Sachsen, aus der Ostmark, aus dem Sudetenland, aus Schlesien, aus Pommern und Ostpreußen usw. ruhen sich in diesem Lazarett aus und erwarten Heilung von ihren Wunden, die sie bei ihrem Einsatz für Großdeutschlcknd davongetragen haben. Die Stimmung aller dieser jungen Männer ist, trotz ihrer Verwundungen und des anstrengenden Kran-, kenlagers, froh und zufrieden. Hervorragende ärztliche Betreuung, liebevollste Behandlung durch das Pflegepersonal, gute Kameradschaft in den Krankenzimmern, ausgezeichnete - Verpflegung, die für Offiziere und Mannschaften vollkommen einheitlich aus dem „gleichen Topf" verabreicht wird, mannigfache Liebesgaoen an Obst und Erfrischungen verschiedenster Art, guter Lesestoff und nicht zuletzt die schönen Räume des Lazaretts, all dies zufammen- aefaht beeinflußt die Stimmung der verwundeten Krieger in guter Weise und bringt sie über manche schmerzensreiche Stunde leichter hinweg. Wir bemerken bei unserem Besuche, daß auf den Tischchen । an den Krankenbetten in reichem Maße Erdbeeren bereitstehen; „eine Spende von der NS.-Frauen- schaft", sagt uns der Abteilungsarzt. Andere Män°
Besuch bei unseren Verwundeten in Gießen.
Zuversichtliche Stimmung aller Männer. - „Möglichst bald wieder nach vorne zu -en Kameraden."
Einen Maler Stefan Gode gab es also. Mehr war* nicht nötig, war im Augenblick zu wissen nicht: wichtig.
Sibylle und Joachim ließen den Wald hinter sich.. Riesenhaft wuchtete sich die Wand des Berges vok' ihnen auf. Der Gipfel schien unerreichbar. Imme« noch liefen schmale Schispuren vor ihnen her. Damu wurde der Weg steiler, und sie gingen langsamer.
„Müde?" fragte Joachim einmal kurz.
Sibylle schüttelte den Kopf. „Nein, gar nicht."
Im Tal standen nun die ersten Lichter. Der Himmel war marsviolett im Osten. Der Saum im Westen, der den Berg berührte, brannte rot wie Krapplack. Nur für Sekunden. Dann war das matte Violett auch dort hinübergezogen.
Sie blieben stehen und sahen nach oben. Der Berg sah jetzt aus, als wäre er eine Kulisse. Unwirklich, fremd, wie aus Glas, das mit Asphaltfarbe beworfen worden war.
„Wir wollen weitergehen", sagte Joachim, „sonst frierst du." '
Dies, zu malen, dachte Sibylle, diese Farben, diese Dämmerung, ist unmöglich.
Als der erste Stern am Himmel aufglomm, Hotz oben am Firmament, das jetzt samten schimmerte, blieb Joachim wieder stehen. Auf die Stöcke gestützt sah er hinunter auf das lichtschimmernde Dorf. Sibylle betrachte die Lederschlaufen, die auf seinen Handgelenken lagen.
„Nun bist du müde", sagte sie leise, „nicht wahr?
„Nein, ich denke eben etwas."
„Was denkst du?"
„Ich möchte etwas von dir wissen."
„Was möchtest du wissen?"
„Ich möchte wissen, was du tun würdest, wenn jemand dir sagte: Dein Mann ist tot."
„Was sollte ich da tun?" *
„Ich möchte wißen, ob du dann weinen wirst.
„Vielleicht. Weshalb fragst du?" -
Er nahm die Augen von dem schimmernden Dorp, das dort im Tale flimmerte.
„Weil ich dich gern habe, Sibylle."
Sie stand einen Schritt tiefer als er, so bafc r den Kopf zu ihm aufheben mußte. Hinter ih^ ragte die gläserne, unwirkliche Bergwand emM Jahrtausende alt. Das fremde Licht der Nacht laß auf dem Schnee und den verwischten Spuren»
(Fortsetzung folgt.)
„Dann wirst du mir den Hafen von Teek malen, die Steinmole und die bunten Kutter."
Sie nickte. Ja, das würde sie. Alles würde sie dann tun. Nur hier nicht. Nicht diese glücklichen Stunden hier durch Arbeit verkürzen. Hier wollte sie die Schönheit Des Winters mit ihren Kinderaugen bettachten dürfen, nicht mit den Augen des Malers, der Schatten prüft und Farben.
„Achtung, es geht weiter", sagte Joachim. „Dort unten bei der Lärche warte ich wieder. Verirr dich nicht." Mit einem Schwung stob er davon.
Als sie aus dem Wald kamen, läuteten die Glocken im Dorf zu Mittag. Sie schnallten Schneereifen und Schier ab, der Schnee knirschte unter ihren Schuhen. Menschen kamen ihnen entgegen.
„Hast du auch Hunger?"
„Tüchtig."
Die Straßen waren eng. Hoche Schneewälle begleiteten sie zu beiden Seiten. Dicke Mauern aus geschichtetem Holz wärmten die Bauernhäuser.
„Hier ist es anders als in Stein, nicht wahr?" Sibylle lächelte. „Und hier ein Wirtshaus." „Gott fei Dank. Ich bin am Verhungern." Er stellte die Bretter an die Hauswand und ftteß die Stöcke in den Schnee. Im Hineingehen wand er sich die um die Hüfte geschlungenen Felle ab. Dabei fiel ihm Jngeborg Petersen ein. Sie war im letzten Augenblick ins Riesenaebirge gefahren mit einem Bekannten vorn Jachtklub. Seine Mutter erzähtte es ihm, am Morgen vor seiner Abreise. Es war ihr nicht recht, daß er mit der Malerin in die Ferien fuhr. Aber, weiß Gott, er war kein Kind mehr.
„Und nun sehen wir uns den Ort an", meinte er, als sie gegessen hatten. „Die Schaufenster, die Häuser, die Kirche."
In einer mit Ware vollgestopften Drogerie kaufte Joachim zum Schluß einen neuen Filmpack. Schließlich blieben sie vor einer Konditorei stehen.
„Hast du Lust auf Kuchen?" fragte Joachim.
„Nein. Ich habe soviel zu Mittag gegessen." „Aber ich habe Lust auf Kuchen. Komm."
Sie fetzten sich auf ein prunkhaftes Sofa in einem frisch renovierten Raum, der ziemlich voll war. Schianzüge herrschten vor.
„Ich trinke nur eine Tasse Kaffee", sagte Sibylle.
„Sei nicht so bescheiden, sonst wage ich nicht soviel Kuchen zu essen, wie ich vorhabe."
„Oh, ich sehe zum Fenster hinaus."
Joachim ging zum Büfett und suchte sich etwas aus. Vor der Kasse mußte er warten. Er warf einen Blick zu Sibylle hinüber. Sie hatte den Kopf geneigt und blickte durch das Gitter des Vorhanges. Ich liebe sie, dachte er inmitten des Stimmengewirrs, des Zigarettenrauches und des gleichmäßigen Nollens der Ladenkasse. Nie habe ich gewußt, wie es ist, einen Menschen zu lieben. Jetzt erst weiß ich es wirklich. Alles will man ihm geben.
„Was hast du dir ausgesucht?" fragte sie, als er zurückkam.
„Du wirst erschrecken. Eine Krokanttorte, eine holländische Kirschtorte und eine Portion Schlagsahne. Nein, du sollst nicht lachen."
Nach einer Stunde trabten sie wieder aus dem Dorf.
Mächtig, als wäre er unbezwingbar, so stand der Berg vor ihnen. Kahl ragte die Wand über der Waldgrenze auf. Steil, grau und rissig.
Langsam schritten ihre Füße im Gleichtakt. Sibylle hatte wieder die Schneereifen angeschnallt, und Joachim glitt auf Fellen dahin.
Dann nahm sie der Dom des Bergwaldes wieder auf. Jrymer noch sank der Schnee ringsumher lautlos zu Boden, knisterten die Sträucher, die aus dem Schnee ragten, knackten die Zweige der Tannen im leisen Wind.
„Kennst du eigentlich einen Maler Gode?" fragte Joachim plötzlich, während sie, einer schmalen Spur folgend, aufwärtsstrebten. „Stefan Gode."
Sibylle freute sich eben an den runden Löchern, die die Teller ihrer Stöcke in den Schnee tupften. „Einen Maler Gode, meinst du? Wie kommst du auf den?"
„Ach, es ist mir eben eingefallen. Ich sah gestern morgen im Lesesaal, als ich auf dich wartete, eine Zeitschrift durch. Da war ein Bild darin. Seitdem ich dich kenne, interessiere ich mich für Leute, die Bilder malen, mußt du wissen. Es war ... es war ein Männerkopf. Bildnis von Stefan Gode, stand darunter,"
das Lied der pfeifenden Kugeln und der surrenden Granatsplitter. Und darum verstehen sich beide auch ohne viele Worte, kann der Besucher mit heißem Herzen das nachempfinden, was die jungen Käme- raden von draußen erzählen. Da erstehen vor dem geistigen Auge, hervorgerufen durch den Klang von Städtenamen ober Landschaftsbezeichnungen, die Schlachtfelder von einst und der jüngsten Vergangenheit, werden unwillkürlich Bettachtungen angestellt und Vergleiche gezogen, bei denen das „damals" und das „heute" im Mittelpunkt stehen.
Die jungen Kameraden erzählen von ihren Kämpfen mit weißen und schwarzen Franzosen, (Engländern und Belgiern, ja einer berichtet sogar mit
Täglich und stündlich sind die Herzen aller Deut- schen bei ihren Soldaten an der Kamvffront. Unsere aufrichttgsten Wünsche sind Tag und Nacht Weg- begleiter aller feldgrauen Kämpfer. Namen wie Lüttich, Sedan, Maubeuge, Flandern, Somme, Abbeville, Boulogne, Calais usw. sind uns nicht nur geographische Begriffe. Wir werden an diese und andere Kampfplätze in Nordfrankreich auch erinnert in dem Augenblick, wo wir uns in einem Reservelazarett in Gießen mit den Verwundeten unterhatten. Und dabei wird dem Besucher immer wieder die tiefe und unvergängliche Dankesschuld bewußt, in der wir alle uns gegenüber diesen Kämpfern für Deutschlands Freiheit und Größe befinden. An diese Dankesschuld wollen wir uns besonders auch in diesen Tagen erinnern, da sich auf dem Kriegsschauplatz im Westen, dank der beispiellosen Opferbereitschaft'unserer Wehrmacht, so Großes und auf sehr weite Sicht Entscheidendes vollendet und zugleich einen leuchtenden Weg in die Zukunft Großdeutschlands eröffnet.
Aus der Stadt Gießen.
Dem Namen nach.
Von Nichard Gerlach.
„Kennen Sie Gajus Lucilius?" — „Ja, natürlich, warten Sie mal, das ist doch der ..." „Satiriker, ganz richtig." „Jetzt weiß ich, ein alter Schwede, I nichtwahr, dessen Spezialität Hochzeitsgedichte > waren?" — „Sie meinen Lucidor, das war wieder > ein anderer, ein Geistesgenosse unseres Gryphius." • „Hatte er nicht etwas mit einem gestürzten Engel • zu tun?"' — „Das war Lucifer. „Also, strapa- ' zieren Sie Ihr Gehirn nicht weiter, Lucilius schrieb > die ersten römischen Satiren, mehr als hundert j Jahre vor den Epoden des Horaz; er war ein • Freund Scipios des Jüngeren und focht unter ihm 1 in Spanien. Er war sehr beliebt zu seiner Zeit und 1 schielt, was Dichter nur selten bekommen, ein Staatsbegräbnis. Aber seine berühmten Satiren ■ sind zum größten Teil verloren gegangen, nur einige j Bruchstücke sind erhalten, und auch die kennt außer ; den Fachgelehrten kaum noch ein Mensch. Gajus ' Lucilius ist höchstens dem Namen nach bekannt.
Wir brauchen nicht bis auf Gajus Lucilius zu- rückzugehen, um auf anerkannte Größen zu stoßen, die uns bestenfalls dem Namen nach ein Schall im Ohr find. Ein Schriftsteller, der um sich den Nimbus verbreitet hat, „er ist ja ein Dichter", was ungefähr soviel bedeuten soll wie „er ist ja ein Liebling der Götter und thront über den Sternen, dem Anspruch des Tages unerreichbar", dieser Berühmte traf neulich einen Mann, der wirklich mitzureden , hat, und da die Gelegenheit sich gab, verbeugte er sich und nannte sehr deutlich seinen Vor- und Zunamen. „Freut mich sehr", sagte der andere. „Wohnen Sie hier in Berlin?" — „Nein, in M." — „Aber da wohne ich ja selbst. Was treiben Sie denn da Schönes?" (Er war nicht einmal dem Namen nach bekannt. Seine Bücher hatten geringe Auflagen, aber das hätte er denn doch nicht erwartet.
Ein Mann des praktischen Lebens muß sich nicht unbedingt einige hundert Schriftstellernamen eingeprägt haben. Es genügt, wenn er sich an die erinnert, die er gelesen hat. Jedes freudige Ausblitzen in den Augen, wenn ein Leser hört, fein Gegenüber ist der N. N., — das wird nur den wenigsten Skribenten häufig beschert.
Ist es denn so wichtig, ein vertrauter Klang im Ohre der Leute zu sein? Gehört habe ich den Namen schon, einen Augenblick, wer ist das doch gleich? Das ist ebenso wenig wie nichts. Ob Lucilius oder Lucidor oder Lucifer, was ändert es, wenn wir zu jenen kein Verhältnis mehr haben? Im Examen käme es vielleicht darauf an. Wer die Prüfungen hinter sich hat, muß es nicht wissen. Wenn er es trotzdem wissen will, kann er ja in der Literaturgeschichte nachschlagen.
Manchmal wird uns aus einem gewissen Sowieso dann doch überraschenderweise ein vertrauter Freund. Genau so, wie uns der Name einer Stadt schließlich in Erfüllung geht, wenn wir die Ferngerückte vielleicht schon als unerreichbar aufgaben. Nur die wenigsten von uns werden einmal nach Venezuela gelangen, und der Zweifel des Knaben darüber, ob ihm das Geographiebuch alle die fernen Herrlichkeiten nicht vorflunkert, H gar nicht so dumm. Denn wird er je nachprüfen können, ob es feine Richtigkeit hat?
Die Entdeckungsreise jedes Lebens macht aus dem Namenlosen und aus dem hohlen Schall Gesehenes und Erlebtes, und aus den ungelesenen Büchern die wirkenden und wandelnden. Was braucht uns zu kümmern, wie ein Bild heißt, und von wem es ist? Aendert es etwas an der Schönheit eines Gemäldes, wenn wir das Namensschild darunter beachten? „Name ist Schall und Rauch" sagt Faust.
Gießener Wochenmarktpreise.
* G i e ß e n, 22. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Y» kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 5is 10, ausländische Eier 10 bis 11, Kartoffeln, Y kg 5 Rfg., 5 kg 50 Rpf., 50 kg 4,15 RM., Wirsing, kg
22 Rpf., gelbe Rüben, das Bund 20 bis 23, rote Rüben 10 bis 15, Spinat, % kg 15, Römischkohl 15, Bohnen (grün) 35, Mischgemüse 15, Tomaten 55, Zwiebeln 17, Meerrettich 30 bis 70, Kirschen 40 bis 50, Stachelbeeren (unreif) 23 bis 35, Erdbeeren 60 bis 80, Blumenkohl, das Stück 20 bis 70, Salat 8 bis 15, Salatgurken 40 bis 60, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Rpf.
nen der NSV. bereit, den Flüchtlingen zu helfen, sie mit Suppe, Brot und sonstigen Nahrungsmitteln iu versorgen, und zwar in einem Ausmaß, das die französische Zivilbevölkerung von den als so barbarisch verschrienen Deutschen niemals erwartet haben konnte.
Viele Bilder der neuen Wochenschau sind auch Ausdruck der Bewunderung für die Arbeit unserer Pioniere, die in kurzer Zeit unter dem Feuer feindlicher Maschinengewehre in kaltblütiger Ruhe ihre Brücken bauen, über die schon kurze Zeit später die schwersten deutschen Tanks und die schwerste Artillerie ihren Weg nach vorne fortsetzen. Den Höhepunkt der Bildfolge stellt der Einzug der deutschen Truppen in Paris dar. Man sieht die deutschen Soldaten hinaufsteigen auf den (Eiffelturm und die Reichskriegsflagge hissen, man sieht die Reichskriegsflagge über dem Arc de Triomphe, über Versailles, und dann folgt der Vorbeimarsch der deutschen Truppen auf dem Place de l'Etoile vor ihren Generalen.
Von besonderer Einprägsamkeit und von nicht zu überbietender politischer Unmittelbarkeit und Aktualität sind die Bilder von der historischen Stätte im* Wald von Compiegne, in dem am gestrigen Tage die Schmach ausgelöscht wurde, die vor 22 Jahren dort dem deutschen Polke angetan worden war. Jetzt wehen die Hakenkreuz- und die Reichs- kriegsflagge über den Denkmälern eines abgründigen gallischen Hasses. H. L, Neuner.
Die neue deutsche Wochenschau, die unter einem eindrucksvollen neuen Titel als der „Filmbericht der deutschen Propaganda-Kompanien" erscheint, führt tief hinein nach Frankreich. Das Hauptthema ist der Marsch nach Paris. In klarer Zeichnung erkennt man die Strategie des Angriffs von mehreren Seiten her auf da£ Herz Frankreichs. Wieder macht uns das Filmbild zum Zeugen heroischer Kämpfe und der übermenschlichen Leistungen unserer Infanterie, der diesmal der weitaus größte Teil der Wochenschau gewidmet ist. Diese jüngste Wochenschau ist das Hohelied auf die Infanterie, die durch viele Drt- jdyaften in der immerwährenden Gefahr des heimtückischen Angriffs durch Baum- und Heckenschützen den Angriff weitertrug, in den Städten Haus um Haus eroberte und dann den fliehenden Feind verfolgte, so daß er nicht dazu kam, Stellung zu beziehen und massierten Widerstand zu leisten. Mit Bewunderung sieht man auf zu den Kathedralen von Rouen und Reims, die sich unbeschädigt über einem Meer von Trümmern erheben und von der deutschen Artillerie geschont wurden, so daß kaum ein Steinchen fehlt, kaum ein Schnörkel von den Kreuzblumen brach. Immer weiter führt der Marsch durch brennende Städte. Rauchwolken kennzeichnen den Weg der Schlacht immer tiefer nach Frankreich hinein, Rauchwolken, die aus Städten aufsteigen, die von den Franzosen selbst in Brand geschossen wurden, nachdem sie wußten, daß sie von deutschen Truppen besetzt sind.
Immer wieder spricht aus den Bildern dieser neuen Wochenschau die französische Kulturschande der schwarzen Truppen im Einsatz gegen die weiße Rasse; da und dort begegnet man Bildern vom Flüchtlingselend in Frankreich. Aber taum daß deutsche Truppen da sind, find auch schon die Kolon-


