Ausgabe 
22.6.1940
 
Einzelbild herunterladen

Der Wagen von Compiegne

Der

fanden sich eine

im Abteil.

Deutschlands Weg nach Compiegne

Bec Dpkiker am Lahnhof

stillstandsdelegation unter Führung Erzbergers ab» gesandt.

Die gleiche Taktik der kalten Unmenschlichkeil wurde von Fach und Weygand dann im Salon« wagen in Compiögne selbst weiter praktiziert. Das bestätigen alle Berichte, sowohl von deutscher als auch von alliierter Seite. Weder der Hinweis auf die Verluste der Truppen an der Front noch der

französische Unterhändler für die Waffenstill' standsverhandlungen General H u n tz i g e r.

(Scherl-Bildarchiv-M.)

Lieferant- auch

Zhcev Krankenkasse

BorzehnTagen im Wald von Compiegne

Von Kriegsberichter Wilhelm Velber.

frostigen Schweigens fragte General Fach, halb zu seinem Generalstabschef, dem General Weygand, gewandt:Que desirent ces Messieurs? Darauf entspann sich eine kurze Debatte in ziemlich schroffen Formen, ob die Deutschen gekommen seien, um zu verhandeln oder nur, um die Bedingungen ent» gegenzunehmen. Es war eine ebenso peinliche wie unvornehme Szene. Der Sieger legte offenbar Wert darauf, dem am Boden Liegenden noch einen Tritt zu versetzen, das WortVerhandlung" mußte von nun an sorgfältig vermieden werden. Schließlich kam man aber doch so weit, daß General Weygand auf Anweisung Fachs die bekannten Bedingungen vorlesen konnte. Sie wurden Satz für Satz ver­deutscht. Der Eindruck war niederschmetternd. Ins­besondere die kurze Frist von 72 Stunden für An­nahme oder Ablehnung wurde als ungeheuer schroff empfunden. Erzberger sagte nach Schluß der Ver­lesung mit kurzen Worten, die Deutschen wünsche ten sich zurückzuziehen, um die Bedingungen ge­nauer zu prüfen. Sie baten um jede mögliche Er­leichterung für den Verkehr mit der deutschen Obersten Heeresleitung und Regierung. Dies wurde zugesagt, soweit eine Kurierverbindung gewünscht wurde. Weitergabe der Bedingungen durch Funk- spruch wurde abgelehnt. Auch eine Fristverlängerung, um die im Hinblick auf die umständliche Verbindung gebeten wurde, lehnte Foch schroff ab.

Die Deutschen hatten gehofft, im Interesse der Menschlichkeit wenigstens eine sofortige Waffen­ruhe herbeiführen zu können. Bei den gegebenen Verhältnissen schien dies nun aussichtslos. General von Winterfeldt glaubte trotzdem nicht aus mili­tärischen Gründen, sondern im Interesse der Mensch­lichkeit zu dem Versuche verpflichtet zu fein, ein sofortiges Aufhören des Blutvergießens vorzuschla­gen. Der in ruhiger und höflicher aber dringlicher Form vorgebrachte Vorschlag wurde kalt und ohne.

Die Stunde der Abrechnung mit Frankreich ist gekommen. Die Franzosen hatten 20 Jahre nach Versailles Gelegenheit, das wiedergutzumachen, was sie uns 1919 angetan haben. Sie haben uns 1918 auf den Waffenstillstand fünf Wochen lang warten lassen. Inzwischen ging der Kamps an der Front, ging die Hungerblockade weiter. Marschall Foch er­zählt in seinen Erinnerungen selbst, daß er ein Telegramm an seine Befehlshaber geschickt hat, in dem es heißt:Es kommt darauf an, unsere An­griffe fortzusetzen und zu beschleunigen. Ich appel­liere an die Tatkraft und Initiative der Oberbefehls­haber und ihre Armeen, um die erzielten Erfolge entscheidend zu machen." Fünf Wochen lang also mußte das deutsche Heer nach vierjährigem Krieg sich noch unter blutigen Verlusten einsetzen, weil die damaligen Alliierten unter dem Oberbefehl des Franzosen Foch den diplomatischen Notenwechsel, der den Waffenstillstand vorbereiten sollte, bewußt hinaus-gezögert haben.

Prinz Max von Baden, der letzte Reichskanzler des kaiserlichen Deutschlands, hatte in der Nacht vom 3. zum 4. Oktober die erste Friedensnote an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Ame­rika gesandt. Sie schloß mit den Worten:Um wei­teres Blutvergießen zu vermeiden, ersucht die deut­sche Regierung, den sofortigen Abschluß eines Waf- fensttllstandes zu Lande, zu Wasser und in der Lust herbeizuführen." Am 9. Oktober ging die erste Ant­wort Wilsons ein. Er stellt die Frage, ob die deutsche Regierung die 14 Punkte als. wirkliche Friedensbedingungen annähme, und verlangte als Voraussetzung für die Weitergabe des Vorschlages eines Waffenstillstandes an feine Verbündeten die

fches Land aus der Flankendes Reiches loszureißen, um die Mitte des Erdteils in Ohnmacht und Un­ruhe zu halten als beste Sicherung der eigenen europäischen Hegemonie. Wohl gab es in Paris zu Zeiten Leute, die das Verlockende des deutschen Angebots, das in feiner selbstverleugnenden Weit­sicht nur ein Mann wie der Führer machen konnte, begriffen, die erkannt hatten, daß hier Frankreich ein Status quo gesichert wurde, den es aus eigener Kraft niemals würde behaupten können. Das hatte der Weltkrieg schon bewiesen, und der neue Krieg hat das wiederum in scharfen Strichen demonstriert. Aber diese einsichtigen Leute waren dünngesät, und sie hatten nicht die Kraft, sich gegen die herrschende Klasse der Hochfinanz, der Rüstungsindustrie, viel­fach versippt mit Parlamentariern aller Parteien, uno in engstem Einverständnis mit den Leuten des französischen Generalstabs, die ihrerseits die Ver­bindung zu klerikalen und konservativ-aristokratischen Kreisen herstellte, durchzusetzen. Diese Plutokraten vielmehr, in ihrer Zusammensetzung ihren eng­lischen Freunden sehr ähnlich, hatten es bei ihrem beherrschenden Einfluß auf Rundfunk und Presse allzu leicht, für die Außenpolitik, die ihnen ge­nehm war, die Trommel zu rühren und das ftan- zösische Volk über die Folgen im Dunkeln zu halten.

Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Es ist kein Anlaß, über das Schicksal des französi­schen Volkes Mitleidsgesänge anzuheben, wie es in den Vereinigten Staaten üblich wird. Man hat mit uns auch keine Spur von Mitleid gehabt, als unser demokratisch - parlamentarisches System, das man uns angepriesen und aufgeschwatzt, ja aufgezwungen hatte, mit den Problemen nicht fertig wurde, das der verlorene Weltkrieg und das Versailler Diktat ihm stellten, Frankreichs Regierung war so demo- kratisch, wie man es in Neuyork und London nur wünschen mochte. Und wenn sie trotzdem in diesem Kriege kläglich versagt hat, so müssen sie und das französische Volk nun die Folgen tragen, die Folgen einer unbelehrbaren Starrheit, die statt die deutsche Friedenshand zu ergreifen, sich einer Politik des Alles oder Nichts verschrieb. Frankreich hat alles gewollt, die Vernichtung Deutschlands, die Zerstücke­lung des deutschen Lebensraumes nach dem Vor­bild des westfälischen Friedens, die erneute Ent­waffnung und wirtschaftliche Versklavung des deut­schen Volkes und mit der Wiederherstellung der kleinen Satellitenstaaten itn deutschen Osten die eigene Vorherrschaft auf dem Kontinent. Das war Frankreichs Kriegsziel, in Presse und Rundfunk tausendmal verkündet, von Generälen und verant­wortlichen Staatsmännern bis zum Ueberdruß in allen Variationen wiederholt, dem Volk eingehäm­mert und von ihm gebilligt, denn neben der klein­bürgerlichen Angst um die Sicherheit, die nur in Hirngespinsten französischer Politiker jemals bedroht war, lebte in jedem Franzosen noch etwas von der Ruhmsucht napoleonischen Angedenkens, worau die Kriegsmacher in Paris ihr politisches Karten­haus bauten, das nun freilich unter den scharfen Schlägen der deutschen. Wehrmacht kläglich zusam-

...., 21. Juni. P.K. In den frühen Moraen- ftunben des 11. Juni wurden wir in Marsch gesetzt, um mit Aufklärern. und Pionieren den Nordteil des Waldes von Compiögne mit dem französischen Nationaldenkmal, dem Monument zur Erinnerung an den Waffenstillstand von 1918, zu nehmen. In den Generalstabskarten der Führung war über dem Wald ein großes rotes Fragezeichen eingetragen. War es doch noch nicht bekannt, ob und wieviel französische Truppen darin steckten. Der Feind aber hatte, das war aus den Kämpfen der vorhergehen­den Tage bekannt, in diesem Abschnitt gute Trup­pen eingesetzt. Noch am Tage vorher, am 10. Juni, hatten unsere Regimenter aus dem Walde heraus Artillerie-, MG.- und Schützenfeuer bekommen. In der Nacht aber hatte der Feind unter dem Eindruck des ungestümen Vorwärtsdrängens unserer Trup­pen abgebaut. Es gelang, den Platz mit dem Denk­mal unversehrt in unsere Hände zu bekommen.

In den frühesten Morgenstunden des 11. Juni setzte eine Schwadron einer Aufklärungsabteilung in Floßbooten über die Aisne. Um 8.20 Uhr er­reichte der erste Spähtrupp das Monument. Mit beiden Beinen sprang ein Leutnant auf die Mar­morplatte, in die französischer Hochmut und Haß Beschimpfungen des besiegten deutschen Reiches ein­gemeißelt hatte. Er stellt sich auf das WortÄaincu" und schoß ... ein stolzer Augenblick ... seine Leucht­pistole ab. Die weiße Leuchtkugel zog gegen den blauen Himmel und meldete:Wir sind hier, hier an der Stelle, wo vor -22 Jahren deutsche Ehre und deutscher Stolz gebrochen und zerbrachen wer­den sollte, stehen wir deutsche Soldatenals die Sieger."

Der Eindruck in Mien.

Rom, 22.Juni. (DNB. Funkspruch.) Die mora- lische Wiedergutmachung, die der Führer im Walde von Compiögne dem deutschen Volke gegeben hat, hat auch in den Herzen des italienischen Volkes ein mächtiges Echo gefunden. Die Gerechtigkeit der Ge­schichte habe in Compiögne ihres Amtes gewaltet, jo stellen die römischen Morgenzeitungen in voller Übereinstimmung mit dem Empfinden des italieni­schen Volkes fest, das die Präambel zu den Waffen­stillstandsbedingungen um so mehr zu schätzen weiß, als mit ihr keine entehrende Demütigung des Be­siegten verbunden war. ..Popolo di Roma" weist darauf hin, daß die Zeremonie im Walde von Com­piögne im schärfsten Gegensatz zu der Uebergabe der französischen Waffenstillftandsbedingungen am 11. November 1918 stand, die von den damaligen fran­zösischen Vertretern unter demütigenden Umständen vollzogen wurde, obwohl das deutsche Heer gar nicht besiegt worden war. Nach 22 Jahren habe sich nun in Compiögne die gleiche Szene, aber unter sehr viel anderen Umständen abgespielt. Frank­reich, das tatsächlich in einem schweren Waffengang regelrecht zusammengebrochen sei, stehe vor dem Sieger, ohne wie damals Deutschland betrügerischen Worten nachgegeben zu haben. Diese grundlegende Veränderung der geschichtlichen Situation sei der deutlichste Beweis für den Zusammenbruch einer Demokratie, die mit ihren unbegründeten Hoffnun­gen auf den Sieg sich selbst betrogen und in den Abgrund geführt habe.

IBageti/ Gedenkstein und Denkmal von Compiegne kommen nach Berlin.

AührerhauptquarNer. 21.3unl (DNB.) Nach Abschluß des Aktes in Compiögne gab der Führer folgende Befehle:

1. Der historische wagen, der Gedenkstein und das Denkmal des gallischen Triumphes sind nach Berlin zu verbringen.

2. Die Stellen und Steine der beiden Züge sind zu vernichten.

3. Das Denkmal des Blarfchalls Foch ist unversehrt zu erhalten.

siihrung des Krieges gegen England zu bieten so­wie die Voraussetzungen zu schassen für die Gestal­tung eines neuen Friedens, dessen wesentlichster Inhalt die Wiedergutmachung des dem Deutschen Reich selbst mit Gewalt angetanen Unrechts sein wird, das sind mit den Worten der Präambel diese Ziele. Sie fügen sich dem ein, was Führer und Duce in Müncyen über das künftige Schicksal Europas beschlossen haben. Wir sind überzeugt, es ist kein Ausdruck kleinlicher Rachegefühle gegenüber dem geschlagenen Feinde, wohl aber der Ausdruck des unbeugsamen Willens, die Zukunft des Reiches zu sichern gegen jeden neuen frevelhaften Angriff, wie ihn Deutschland in den letzten Jahrhunderten seiner Geschichte immer wieder und wieder über eine Westgrenze hat erleiden müssen. Deutschland oll niemals wieder zum willenlosen Spielball fran­zösischer Machtgelüste werden, niemals wieder sollen in deutschem Lebensraum Franzosen und Engländer schicksalbestimmend mitreden dürfen. Dafür werden die Waffenstillstandsbedingungen und der Friede, der sich nach der Niederwerfung Englands auf ihnen aufbauen wird, sorgen. Aber sie werden auch, ge­tragen von einem hohen Verantwortungsgefühl

Unser Bild zeigt deutsche Soldaten vor dem Wagen des Generalissimus Foch im Walde von Compiögne. Hier erzwang Frankreich von Deutschland den schmachvollsten Waffenstillstand, den tue Geschichte jemals gesehen, und hier setzte der Generalissimus Foch mit dem heutigen Generalissimus der nun zerschlagenen französischen Armeen, General Weygand, die deutschen Vertreter den schändlichsten Demütigungen aus. (PK.-von-Hausen-Scherl-M.)

gegenüber dem Gesamtschicksal Europas und einer hohen wahrhaft staatsmännischen Einsicht für die Notwendigkeiten einer europäischen Neuordnung, es den jüdisch-plutokrattschen Kriegstreibern in west- mächtlichen Regierungen für alle Zeiten unmöglich machen, die Völker Europas aufeinander zu hetzen, und sie werden es unserer Generation ersparen, zum dritten Male Hekatomben von Blut auf den Schlachtfeldern zu opfern, ihr Land verwüsten, Dör­fer und Städte in Schutt und Asche legen zu lassen. Der Friede, für die der neue Waffenstillstand tm Walde von Compiögne einen Grundstein legen wird, wird die Zukunft Europas nach den Maßstäben einer natürlich und damit gerechten Völkerordnung gestalten. Daß es den Franzosen künftighin nicht mehr gestattet werden kann, sich in der Rolle des Erbfeindes" zu gefallen, dafür zu sorgen, sind wir den Millionenopfern französischer Herrschsucht schuldig, die die Schlachtfelder des Kontinents be­decken, aber auch den kommenden Geschlechtern un­seres Volkes, die vor der Bedrohung durch den französischen Chauvinismus für alle Zeiten Sicher­heit verlangen können. Dr. r. W. Lange.

Hinweis auf die Hungersnot der Heimat inter­essierten den Marschall Foch und den General Wey­gand auch nur im geringsten. Dies alles vollzog sich in den brüsfeften Formen, lieber die erste Sitzung im Salonwagen hat in derDeutschen All­gemeinen Zeitung" vom 10. Juiti 1922 Major i. G. Geyer folgendes berichtet:Die vier deutschen Be­vollmächtigten mit ihrer Begleitung schritten zu Fuß, die Offiziere mit umgeschnalltem Seitengewehr zum Zuge Fachs hinüber. Vor der Türe des Ar­beitswagens erwartete sie General Weygand, grüßte militärisch und geleitete die Deutschen in den Wa­gen, wo an einem großen Tisch Marschall Fach, General Weygand, Admiral Wemyß und Admiral Hope Platz nahmen. Ihnen gegenüber setzten sich die vier deutschen Bevollmächttgten. Außerdem be° ' * " ' eine geringe Anzahl anderer Teilnehmer

Irgendwelche Begrüßung außer kurzer förmlicher Verbeugung fand nicht statt. Worte wurden nicht gewechselt. Nach einer kleinen Weile

Einige Zeit später traf auf der von Osten her führenden Straße auch eine verstärkte Pionier­kompanie ein, die schwere Straßen- und Minen­sperren zu beseitigen und ein kurzes Feuergefecht mit französischen Schützen zu führen hatte. Ueber dem Denkmal des 11. November 1918, das den ge­schlagenen deutschen Adler unter dem siegreichen französischen. Schwert zeigt, wurde das Banner des Großdeutschen Reiches gehißt. Compiögne, die Stätte tiefftet deutscher Schmach ist genommen! Keiner von uns allen, die wir diesen historischen Tag miterleben, die wir als erste das französische Nationaldenkmal als Sieger betraten, die wir die schlichten Worte hörten, die der General zu seinen Soldaten am Denkmal sprach, die wir sahen, daß hier deutsche Soldaten einen tadellosen Präsentiergriff machten, wußten damals, daß wir nach genau zehn Tagen wieder hier in Compiögne fein würden.

Wieder fahren wir in den Wald von Compiögne, wieder in den frühen Morgenstunden. Und doch ist al l e s anders. Wir kommen von Westen her, von Paris. Außer Gefangenen ist von französi­schen Soldaten nichts zu sehen. Vor 10 Tagen im Stahlhelm, die Pistole griffbereit, heute mit leichter Feldmütze, fast friedensmäßig. Vor 10 Tagen krachten einzelne Schüsse durch die Stille des menschenleeren Forstes, Minensperren und Verhaue mußten vor­sichtig umfahren werden. Heute weisen deutsche Po­sten den Fahrzeugen den Weg auf glatter Straße. Die französische Delegation wartet, um die Waffenstill­standsbedingungen aus der Hand des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht zu erhalten.

mengebrochen ist.

Wir alle stehen noch im Banne des dramatischen Ablaufs der letzten Ereignisse dieses Feldzuges, der für uns selbst so überraschend schnell den vollen Sieg der deutschen Waffen in Schlachten von un­erhörter Kühnheit und Weite in der Anlage und von beispiellosem Schneid und zielstrebiger Kraft in der Durchführung brachten. Die Katastrophe der französischen Armeen ist vollständig, so vollständig, daß dem militärischen Zusammenbruch Frankreichs der politische auf dem Fuße folgte. Des Kriegshetzers Reynaud Ausbootung und Flucht nach Amerika hätte das Zeichen für einen Systemwechsel sein kön­nen. Aber wenn der greife Marschall Pötain den neuen politischen Kurs in Frankreich repräsentieren sollte, so wurden doch aus seinem Kabinett Stim­men vernehmlich, die alles andere als eine Friedens­fanfare hören ließen. Frankreichs Bitte an die Reichsregierung, die Bedingungen für einen Waf­fenstillstand bekannt zu geben, war gefolgt von Er­läuterungen französischer Minister, daß Frankreich noch keineswegs am Boden liege, daß der Kamp weiter gehe und die französischen Truppen überall dem deutschen Vormarsch äußersten Widerstand lei­sten sollten. Wenn dies ohne Erfolg geblieben ist, so war es der Elan der deutschen Armeen, der jeden Widerstand zerschlug und durch ihre überholende Verfolgung die Auflösung der französischen Trup- penverbände beschleunigte.

Wenn nun im Wald von Compiögne und m den Telephongesprächen mit der französischen Regierung in Bordeaux über die deutschen Forderungen be­raten wird, von deren Erfüllung die Reichsregie­rung den Eintritt der Waffenruhe auf Frankreichs Schlachtfeldern abhängig macht, so mag den Herren die Erinnerung an jene Waffenstillstandsbedingun­gen zur Seite stehen, die vor 25 Jahren der langen Kette der Demütigungen und Erniedrigungen, die dem deutschen Volke von Frankreich und seinen wechselnden Regierungen unter Königen, Kaisern und Republiken imßaufe der Jahrhunderte angetan wor­den sind, ein neues Glied hinzzigefügt hatten. Kalter Haß und brutaler Vernichtungswille hatte diese Waffenstillstandsoerhandlungen diktiert. Unmöglich kurze Fristen für die Räumung der besetzten Gebiete und Elsaß-Lothringens mit der Androhung, alles an Truppen zu internieren, was nach dieser Zeit noch nicht die Grenzen hatte überschreiten können, Ablieferung von 5000 Kanonen, darunter der ge­samten schweren Artillerie, von 30 000 MG.s, 3000 Minenwerfern, 2000 Flugzeugen, von 100 U-Boo­ten, 8 Kreuzern, 6 Schlachtschiffen, die übrige Flotte entwaffnet und in alliierte Kontrollhäfen geschleppt, Räumung des linken Rheinufers und einer Zone von 30 bis 40 Kilometer Breite rechts des Rheins, Rückgabe der Kriegsgefangenen ohne Gegenseitig­keit, Unterhalt der feindlichen Besatzungstruppen, Ablieferung von 5000 Lokomotiven, 10 000 Wag­gons, 5000 Kraftwagen und, was die kaltherzige Grausamkeit der Franzosen damals besonders kenn­zeichnete, die Hungerblockade, der schon Hundert­tausende unschuldiger deutscher Frauen und Kinder zum Opfer gefallen waren, sollte bestehen bleiben, deutsche Schiffe sollten weiter gekapert werden dür­fen. So sah damals der Waffenstillstand aus, den sich alliierte Generale und Staatsmänner unter Führung des Marschalls Foch ausgeklügelt hatten, um die deutsche Armee, den tapfersten, ritterlichsten Gegner der Welt, zu demütigen und das deutsche Volk in den Staub zu treten. Vergessen wir in die­sen Stunden nicht, wie man uns damals mitgefpielt hat.

Und trotz dieser höchst zeitgemäßen (Erinnerung darf die Welt diesmal davon überzeugt sein, daß es kein (Eompiegn-e mit umgekehrtem Vorzeichen ist, was Deutschland dem besiegten Feinde auferlegt. Schon die gestern von Generaloberst Keitel ver­lesene Präambel zu den deutschen Waffenstillstands- bebingunaen macht es eindeutig klar, daß diese nicht mehr enthalten, als was zur Sicherstellung der politischen und militärischen Ziele notwendig ist. Frankreich an der Wiederaufnahme des Kampfes au verhindern, Deutschland alle Sicherheiten zur Fortsetzung für die ihm aufgezwungene Weiter­

sofortige Zurückziehung der Truppen der Mittel- mächte aus dem besetzten Gebiet. Schließlich fragte er, ob der Kanzler nur für diejenigen Gewalten des Reiches spräche, die bisher den Krieg geführt hätten. Am 12. Oktober ging die Antwort der Reichs­regierung nach Washington ab. Am 16. Oktober traf die zweite Wilson-Note ein. Sie teilte mit, daß die Durchführung der Räumung und die Bedingungen eines Waffenstillstandes allein dem Urteil der mili­tärischen Berater der Alliierten überlassen werden müßten; sie verlangte Einstellung des uneinge­schränkten U-Boot-Krieges und sagte zum Schluß, daß Deutschland seine Regierungsform ändern müsse, und zwar vor Friedensschluß. Die deutsche Antwort ging am 21. Oktober hinaus. Am 24. Ok­tober traf Wilsons dritte Antwortnote ein. Immer noch nicht hatte der Präsident das deutsche Verlan­gen nach Waffenstillstand an die Alliierten weiter- gegeben. Er betonte, es könne nur ein Waffenstill­stand in Frage kommen, der die Verbündeten in der Lage beließe, jede zu treffende Vereinbarung zu erzwingen und eine (Erneuerung der Feindseligkeiten Deutschlands unmöglich machen. Die Note schloß mit den Worten, wenn sie (die Regierung der Ver­einigten Staaten) mit den militärischen Beherrschern und monarchischen Autokraten Deutschlands jetzt verhandeln müsse, dann müsse sie nicht Friedens­verhandlungen, jondern Uebergabe fordern. Die deutsche Antwort erfolgte, nachdem Ludendorff am 26. Oktober gestürzt worden war und am 27. der Habsburger Karl einen Sonderfrieden angeboten hatte, am 28. Oktober. Erft Anfang November kam die Antwort Wilsons, und es wurde die Waffen-