Ausgabe 
22.5.1940
 
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Engländer aufgeholt hat und nun auch den stärk­sten Gegner vor sich hertreibt. 35 Kilometer weiter nordwestlich wurde Arras erreicht, die Hauptstadt des Artois an der Scarpe, einem Nebenfluß der Schelde, an deren Ufer im Weltkrieg oft und heftig gekämpft worden ist, besonders während der März­offensive 1918 und in den schweren Abwehrschlach­ten tm Spätsommer des gleichen Jahres. Arras selbst, ein Städtchen von 30 000 Einwohnern, mit mittelalterlichen Befestigungen und Stadttoren, war ebenso, wie Amiens, nur vorübergehend nach dem Vormarsch 1914 in deutscher Hand. Mit Amiens, in der Luftlinie rund 50 Kilometer von P^ronne die Somme aufwärts am Einflüsse der Aore und Ancre, ist den deutschen Truppen der wichtigste Bahnknotenpunkt Nordfrankreichs in die Hand gefallen. Amiens ist die Hauptstadt der Pi­cardie mit 90 000 Einwohnern, ihre Kathedrale, ein Meisterwerk der späten Gotik, ist weltberühmt. Im Frühjahr 1918 war Amiens das Ziel der großen deutschen Offensive, es konnte jedoch nicht erreicht werden. Diesmal gelang es den deutschen Truppen bereits, am Südufer der Somme einen Brücken­kopf zu bilden, der der Flankensicherung gegen etwa voy Süden her unternommene Entlastungs- Versuche dient. Noch 45 Kilometer weiter flußab­wärts an der versandeten Mündung der Somme wurde Abbeville, ein Fabrikstädtchen von 20 000 Einwohnern errreicht und damit bis zur Kanalküste vorgestoßen. Nun wird also die Straße DoverCalais unmittelbar in die Operationen einbezogen. Die Versenkung von sechs Transportschiffen und Tankern mit der beträcht­liche Tonnage von 43 000 Tonnen durch deutsche Bomber in oer Nacht zum 21. Mai und die leb­hafte Seeaufklärung vor der französischen Küste deuten ja schon an, was sich hier tut.

Ein besonderes Ruhmesblatt bei dieser so gewal­tigen Ausweitung des Durchbruchs zwischen Sam- bre und Maas ist die Zerschlagung der französischen 9. Armee, die an der Maas zwischen Sedan und Namur die Verbindung zwi­schen Maginot-Linie und der in Mittelbelaien kämp­fenden feindlichen Heeresgruppe halten sollte. Daß dabei der Armeestab und der im Wechsel des Ober­befehls gerade in seinem Stabsquartier anlangende General Giraud, ein wegen seiner besonderen Befähigungen gerühmter und deshalb auch wohl 'an den von der Katastrophe bedrohten Abschnitt entsandter Offizier, gefangen genommen wurde, ist ein besonderer Treppenwitz, den sich die Kriegsge­schichte hier erlaubt hat.

So wenig, wie an dem rechten Flügel die ge­nial eingeleitete und überlegen durchgeführte große deutsche Durchbruchs- und Umklammerungsoperation durch feindliche Gegenstöße beeinträchtigt werden konnte, ebenso sicher ist die linke deutsche Flanke durch starke deutsche Kräfte gestützt. Wir haben hier gestern schon den in diesem Sinne er­folgten Vorstoß von Laon über den berühmten Chemin des Dames hinaus an den Aisne- Oise-Kanal gewürdigt: weiter östlich konnte die Stadt R e t h e l an dem nach Norden sich aus- buchtenden Aisnebogen ganz in unsere Hand ge­bracht werden, sodaß hier eine Flankenbedrohung durch von Mittelfrankreich herangeführte neue Kräfte ebenfalls ausgeschaltet worden ist.

Ein deutscher Sieg von noch nicht übersehbarer Gröhe und Folgewirkung zeichnet sich in seinen er- sten deutlichen Konturen ab. Der geniale Opera- tivnsplan, der, wie Generalfeldmarschall Göring am Montag in so beredten Worten überzeugend dargetan hat, des Führers eigen st es Werk ist, hat durch die überlegene Truppenführung ebenso, wie durch die beispiellose Tapferkeit und Zähigkeit, den Angriffsgeist und Schneid der deutschen Truppen in glänzend eingespieltem Zusammenwirken aller Waffen, eine Verwirklichung .gefunden, die das beste Unterpfand für unseren Sieg im Großdeut- fchen Freiheitskampf darstellt. Des deutschen Volkes heißer Dank gilt dem Führer und seinen Soldaten, unser aller opferwilliges Vertrauen ist mit ihnen in jeder Stunde ihres Kampfes für Deutschlands Zukunft. Dr. Fr. W. Lange.

Das Ritterkreuz für tapfere Pioniere.

Führerhauptquartier, 21. Mai. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber überreichte heute im Führerhauptquartier dem Kommandeur eines Pionierbataillons Oberstleutnant M i 1 o f ch und dem Oberfeldwebel im gleichen Bataillon Portsteffen das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz. Oberstleutnant M i k o s ch hat unerschrocken und kühn sein Bataillon durch befestigte und schwer­verteidigte Stellungen gegen das Fort Eben E m a e l xum Entsatz der tapferen Eroberer ge­führt. Dieser Tat ist es zu danken, daß das Fort endgültig gehalten werden konnte. Oberfeldwebel Portsteffen führte im Rahmen dieses Angriffes einen Stoßtrupv in stärkstem feindlichen Feuer über unzählige Wasser- und sonstige Hindernisse, drang in das Fort ein und konnte als erster den Kamera­den der Luftwaffe die Hand reichen.

Damit ist zugleich der deutschen Pionier- Ito a f f e eine Auszeichnung zuteil geworden, in der die hohe Anerkennung des mutigen Einsatzes und der hervorragenden Leistungen der Pionierwasfe ihren beredten Ausdruck findet. Erst unlängst ver­zeichnete der Heeresbericht des OKW. rühmend die Tat des Pionieroberleutnants Germer, der sich bei der Niederringung des Panzerwerkes 505 be­sonders ausgezeichnet hatte. Diese Anerkennungen lenken die Blicke auf den starken Anteil, den gerade die Pionierwaffe, deren gewaltige Leistungen als kämpfende Truppe auch aus dem Weltkrieg noch in aller Erinnerung find, auch im heutigen moder­nen Krieg mit dem Einsatz neuartiger Angriffswaffen an den Erfolgen der deut­schen Wehrmacht, insbesondere bei der Ein­nahme moderner feindlicher Befesti­gungswerke, hat. Oberfeldwebel Portsteffen ist der erste Unteroffizier des Heeres, der bisher die hohe Auszeichnung des Ritterkreuzes erhalten hat.

Das Ritterkreuz für Kliegeroffiziere und Fallschirmjäger.

Berlin, 21. Mai. (DNB^) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh au Vorschlag des Generalfeldmarschalls Göring dem Major Petter, dem Oberleutnant Kuntze und Feldwebel Arpke das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz.'Die beiden Offiziere sind Angehörige eines Kampfgeschwaders, das in zahlreichen kühnen Ein­sätzen gegen englische Seestreitkräfte in der Nordsee und dem Küstengebiet Norwegens der englischen Flotte schweren Schaden zugefügt hat. Feldwebel Arpke ist Angehöriger eines Fall­schirmjägerregimentes, das im Einsatz gegen Westen am Gelingen des raschen Vormarsches der deutschen Truppen hervorragenden Anteil hatte.

Zerschossene Häuser in Bouillon.

Straßenzeile in dem belgischen Städtchen Bouillon/nahe der französischen Grenze, bei Sedan. Die Brücken wurden vom Feind gesprengt, jedoch konnten unsere Pioniere in vorbildlicher Arbeit schnell neue Brückenübergänge schaffen. (PK.-Kindermann-Scherl-M.)

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Panikstimmung in Frankreich.

Genf, 21. Mai. (Europapreß.) Der französische Ministerrat trat am späten Nachmittag des Montag zusammen. R e y n a u d hielt in Gegenwart des stellvertretenden Ministerpräsidenten Marschall P 6 t a i n ein militärisches Expos6, zu dem letzterer Angaben vom Standpunkt des Militärs machte. Der Ministerrat beschloß ein Dekret über die innere und äußere Sicherheit des Staates. Der neue In­nenminister, der Jude Mandel, führte längere Besprechungen polittscher Art. Mandel hat den Präfekten des Aisne-Departements a b g e f e tz t und durch den Generaldirektor der Staatspolizei, Bus- i e r e, ersetzt. Zum Generaldirektor der Staats­polizei wurde der Generalinspektor der Verwal­tungsdienste, Winter, berufen, der diesen Posten chon im letzten Kriege unter Clemenceau versehen hat. Mit Gewehren bewaffnete Polizei kontrolliert jetzt die Hauptstraßen von Paris und prüft die Ausweise aller verdächttgen Personen.

Kaum 48 Stunden sind seit seiner Ernennung vergangen, und schon lassen sich an den ersten von dem neuen Herrn im Innenministerium getroffenen drakonischen Maßnahmen die G r ü n o e seiner Berufung erkennen. Mtt der allgemein wachsenden Panikstimmung in Frankreich und vor allem in Paris waren außerordentliche Maßnahmen not­wendig geworden, um der inneren Aushöhlung der ranzösifchen Moral entgegenzutreten. Die ersten Verordnungen sind nun zum Teil in ihren Einzel­heiten bekannt. Evakuierungen dürfen nur noch auf Weisung der Militärbehörden vorgenommen werden. In den gefährdeten Industriestädten des Nordens beschäftigte Arbeiter, die chre Arbeits­plätze verlassen, haben schwerste ©träfe zu erwarten. Sie werden fast wie Hochverräter behandelt. In Pariser Kreisen werden die Maßnahmen gegen die Evakuierung der Zivilbevölkerung auf die im Nor­den herrschende, zum Teil gefährliche Desorga­nisation zurückgeführt. So sind nicht nur viele Eisenbahnlinien, sondern auch die meisten nach Norden führenden Sttaßen so rettungslos v e r - topft, daß selbst die notwendigen Militärtrans­porte auf Schwierigkeiten stoßen. Dazu kommt wei­ter, daß die deutsche Luftwaffe wichtige Eisenbahn- und Straßenknotenpunkte zerstört hat, die bis­her kaum notdürftig wieder hergerichtet werden konnten. Weiter mangelt es, wie das Beispiel der Pariser Autobusse zeigt, die zur Evakuierung und zum Transport belgischer Flüchtlinge aus dem Pa­riser Verkehr gezogen werden mußten, an aeeig- neten Verkehrsmitteln, an rollendem Eisenbahn­material als auch an Kraftwagen.

Reisende, die soeben aus Paris eintreffen, stehen noch unter der Wirkung der unbeschreiblichen Panik­stimmung, die in der französischen Hauptstadt seit Durchsickern der militärischen Erfolge der deutschen Truppen an der nordfranzösischen Front ausgebro­chen ist. Die Bevölkerung von Paris ist in eine regelrechte Nervenkrise verfallen, die noch durch die Flut von Hiobsnachrichten verschärft wird, die all­

stündlich von den nach und durch Paris strömenden Flüchtlingsscharen aus Nordfrankreich mitgebrackt werden. Die Behörden ergreifen schärfste Maßnah­men, um jeden Kontakt zwischen der Zivilbevölke­rung und den Flüchtlingen zu unterbinden. Die Panik versucht man durch die brutalsten Strafen gegen angeblicheVerbreiter falscher Nachrichten" zu bekämpfen. Noch ist in Paris die wirkliche Trag­weite des deutschen Vorstoßes bis an die Küste des Aermelkanals nicht offiziell bekanntgegeben worden, doch diese Schreckensbotschaft fließt von Mund au Mund. Die Folge ist, daß Hunderte und Tausende von Parisern fluchtartig die Hauptstadt verlassen. Mit Kraftwagen, Pferdefuhrwerken und soweit noch möglich mit der Eisenbahn fliehen die Pariser nach SÜD- und Westfrankreich.

Reynaud hofft aus ein Wunder.

Rom, 22. Mai. (Europapreß.) Der französische Senat hielt am Dienstagnachmittag, wie die italieni­schen Blätter berichten, eine etwa 30 Minuten dau­ernde Sitzung ab. Die Atmosphäre der Senatssitzung war, obwohl man ihr absichtlich einen gefaßten Cha- ratter aufzudrücken versuchte, sehr nieder- drückend. Reynaud machte kurze Ausführungen über den Kommandowechsel in der französischen Armee. An der Maas lagen nur wenige französische Divisionen, die den Fluß unter Korap verteidigten. Die besten Truppen seien nach Belgien entsandt worden. Infolge von' unglaublichen Fehlern, für die die Verantwortlichen noch zur Rechenschaft gezogen würden, sei es nicht gelungen, die Brücken über die Maas zu sprengen. Durch diese Bresche drangen die motorisierten deutschen Truppen weiter vor. Seit 48 Stunden gehe der deutsche Vormarsch weiter, und feit heute morgen seien Arras und Amiens besetzt. Man müsse Entscheidungen treffen. Reynaud gebrauchte die bezeichnenden Worte:D i e Nation ist in G efahr!" und sprach von einem Wunder, das geschehen müsse.

Die italienische Presse berichtet, der Senat habe mit tiefer Erschütterung von der Tatsache Kenntnis genommen, daß die deutschen Truppen weit in Nord­frankreich vorgedrungen sind. DerPetit Parisien" bezeichnet die Lage an der Somme als ä u ß e r st e r n ft. Es herrsche ein tolles Schlachtgetümmel, das mit der Hölle von Verdun vergleichbar sei. Die Stel­lungen der beiden Gegner ließen sich nicht mehr genau feftfteüen. Zehn Tage hätten dem Feinde genügt, um den totalen Krieg nach dem Norden und Nordwesten Frankreichs zu tragen und ihn mit unerbittlicher Hartnäckigkeit fortzusetzen. Nach dem Verlust von Sedan, das von Napoleon als eine Schlüsselstellung betrachtet worden sei, sei die Invasion unvermeidlich gewesen. Erst später werde man die Gründe des deutschen Erfolges beim An­griff auf die wichtigste Befestigungslinie der Maas ermitteln können.

Madrid und die:

efimächte.

Don unserem Ba.-Korrespondenien.

Madrid, Mitte Mai 1940.

Seit einigen Tagen wird in Madrid gegen die Westmächte eine besonders scharfe Sprache geführt. Sämtliche spanischen Blätter beschäftigen sich in Leitarttkeln mit einer Abfuhr für Paris und London, auf die besondere Betonung gelegt wird. Eine solche Haltung Madrids muß in der yeutigen Zett als besonders bedeutsam angesehen werden. Schon haben die diplomatischen Vertreter der West­mächte hier seltsame Vorsprachen geführt und merk­würdige Fragen gestellt, die alle auf die Möglich­keiten von Verwicklungen im Mittel­meer Bezug hatten.

Tatsache ist, daß die Politiker von Paris und London den Spaniern reichlich Gelegenheit gegeben haben zu derartigen Stellungnahmen in der Presse. Mit einer Naivität, die weit über das normale Maß. hinausgeht, haben die heute in Paris und London maßgeblichen Männer Versuche einer A n - Näherung an Spanien unternommen. Wenn nun die spanische Führung sich entscheidet, den Unge­schicklichkeiten und Torheiten der demokratischen Seite zu begegnen, so hat das in dieser Stunde einen politischen und auch einen strategischen Sinn.

Der französische Ministerpräsident Reynaud hatte den Anfang gemacht. Don der Tribüne der französischen Kammer aus hatte er Worte geprägt, die die Notwendigkeit, mit Spanien in Freundschaft zu leben, betrafen. So nebenbei sagte er dabei allerdings auch, es gäbe zwar eine polltische Distanz zwischen der Regierungsform von Madrid und der von Paris, aber das mache weiter nichts aus. Reynaud wurde darauf eine Entgegnung zuteil, die, wie wir erfahren haben, sogar den alten Marschall P 6 t a i n ; den Botschafter der dritten Republik in Madrid, in Bewegung brachte und zu düsteren Be­merkungen über die spanisch-französischen Bezie­hungen veranlaßte. Die Spanier ließen nämlich Reynaud wissen, es aäbe leider in der Haltung Frankreichs einen Unterschied zwischen

den Worten und den Tatsachen. Während man von Freundschaft zu Spanien daherrede, liehe man auf der anderen Seite die Rotspanier sich in Frankreich betätigen und Propaganda machen, und es sei zu beobachten gewesen, daß die verschiedenen rotspanischen Organisationen in Paris gerade erst seit dem Regierungsantritt Paul Reynauds das Höchstmaß ihrer Geschäftigkeit zeigten.

Reynaud auf dem Fuße folgten einige ©entfernen im britischen Unterhaus. Man darf ruhig diese Herren mit Gentlemen bezeichnen, denn es ist ganz offensichtlich geworden, daß dieser Begriff eine Wandlung erfahren hat und sich den neuen Bedürfnissen der britischen Interessen in einer er­staunlichen Weise angepaßt hat. Im Unterhaus hatte man sich lobend über Spanien ausgelassen. Es waren Mitglieder der verschiedensten politischen Parteien an diesem Lobgesang beteiligt. Konserva­tive, Liberale und selbst Mitglieder der Labour Party sprachen. Ein Redner der Labour Party ver- stieg sich sogar so weit zu erklären, man müsse die Vergangenheit vergessen und in Betracht ziehen, daß auch ein mächtiges Spanien england- freundlich fein könne.

So etwas", meint Don Manuel Aznar, der meist offiziös für die spanische Regierung spricht, haben wir seitdreihundertJahren nicht mehr gehört, und mit einem gewissen Schmun­zeln werden diese Erklärungen in Madrid zur Kenntnis genommen, denn schließlich deutet es ja daraus hin, daß Spanien für Großbritannien an Bedeutung zugenommen fjat, und zwar so stark, daß man heute Spanien gegenüber Worte prägt, die vor 300 Jahren, das war, als Philipp II. hier lebte, zum letzten Mal möglich waren."

Aber auch im britischen Unterhaus ist ein un­glückliches Wort gefallen. Man hat dort von der fünften Vergangenheit gesprochen und hat darüber gesagt, es wäre am besten, diese Ge- Ichehnisje aus der Geschichte auszuradieren.

Führer und Feldherr.

Don unserer Berliner Schristleiiung.

Die Abhalfterung des französischen Generalissimus Gamelin und seine Ersetzung durch Weygand ist nur ein Beispiel für die Verwirrung^ welche die blitz, artigen Schläge der deutschen Wehrmacht in der gegnerischen Kriegsleitung angenchtet haben. Man zerbricht sich seit zehn Tagen im Feindlager ver- geblich die Köpfe darüber, wie es möglich war, daß die deutsche Offensive in derart gewaltigem Ansturm alle Widerstände und Hindernisse überrennen konnte, wie es möglich war, daß alle Gegenmittel und Gegenangriffe der technisch hoch gerüsteten West, möchte völlig versagten. Auch bei uns in Deutsch, land hat mancher Volksgenosse nur den Kopf schüt­teln können, hat sich immer wieder gefragt, wie vom ersten Tage der Maioffensive an eine solche, jedem historischen Vergleich hohnsprechende lieber* legenheit der deutschen Waffen nur erreicht werden konnte. Wir dürfen es ruhig zugeben, daß wir über die Einmaligkeit und Blitzartigkeit der deutschen Ak­tionen im Westen Überrascht sind. Sorgen, Wünsche und Fragen sind in unserer Mitte laut geworden und sind auch an die Oberste Führung gelangt.

So hat denn ©eneralfeldmarschall Göring, als er am 20. Mai in Berlin zu tun hatte, eine halbe Stunde geopfert und deutscke Schriftleiter' empfan­gen, um die unser Volk bewegenden Fragen zu beantworten. Diese halbe Stunde wird jedem, der dabei gewesen ist, unvergeßlich bleiben. Denn was wir alle schon geahnt und heimlich im Herzen ge, hofft haben, das wurde hier offenbar: Es ist der Führer selbst, der diesen genialen Feldzugs- plan entworfen hat, der die Operationen in allen Einzelheiten leitet und der dafür sorgt, daß die deutschen Siege mit einem Mindestmaß an Ver­lusten erkämpft werden. Sein Feldherrnaenie, das in der deutschen Geschichte seit Friedrich Dem Gro­ßen keine Parallele ftndet, hat alles vorausgesehen und vorausberechnet, es hat die strategischen Grund­sätze, die früher und in anderen Ländern noch heute als heilig gelten, mit kühnem Schwung durch­brochen, es bringt Operationen und Bewegungen hervor, die oft in direktem Gegensatz zu den vis- herigen Lehren und Anschauungen stehen.

Aber diese geniale Führung ist auch nur mög­lich, weil sie, wie man fachtechnisch sagt, die Ar­meenam kurzen Züge l" hält, das heißt, weil der Feldherr ohne Behinderung durch einen großenKriegsrat" je nach der Lage und den Veränderungen auf dem Kriegsschauplatz blitzschnell neue Entschlüsse saßt und sie unmittelbar an die kämpfenden Divisionen weitergibt, weil er Befehle erteilt, die der jeweiligen Situation angemessen sind und daher nicht nur kühn, sondern auch logisch sind. Diese Logik der Befehlsgebung, die ein Fundament des Vertrauens zwischen Führung und Wehrmacht ist, aber entspringt einer anderen Eigenschaft des Feldherrn Adolf Hitler: seinem ungeheuren Wis­sen auf militärischem und technischem Gebiet. Er kennt die Waffen unserer Feinde und ihre Wirkungsweise ganz genau. Er kennt aber auch hie Sorgen des einfachen Mannes an der Front, weil er ja selber vier Jahre lang als Infanterist im Dreck und Feuer der Weltkriegs- schlachten standgehalten hat. Der Landser vorn kann sich darauf verlassen, daß mit seinem Mut und Blut kein Schindluder getrieben wird, er weiß, daß fein Leben durch bessere und stärkere Waffen ge­schützt wird, als der Feind sie besitzt. Dies ist der dritte Punkt, der das Feldherrngenie des Führers kennzeichnet. Die Tatsache aber, daß der größte Staatsmann unserer Zeit zugleich ihr größter Feld­herr ist, erklärt und verbürgt unseren Sieg im groß- deutschen Freiheitskampf Heinrich Evers.

Das entspricht aber keineswegs der spanischen Auf­fassung. Don Manuel Aznar meint im Gegenteil, man könne den britischen Anbiederungsversuch heute nur begreifen, wenn man einen genauen Blick auf die jüngste Vergangenheit werfen. Aznar schil­dert dann die britische Haltung bei Beginn des spa­nischen Bürgerkrieges und das, was er darüber sagt, ist geeignet, die Herzen aller nationalgesinnten Madrider in eine Erregung zu versetzen, die für Sympathien für Großbritannien keinen Raum mehr läßt.

Es habe, so meint Aznar ironisch, in der Ge­schichte einen britischen Beitrag gegeben und den habe man gemeinhin den britischen Gentleman genannt. Aber die wunderbaren Qualitäten dieses britischen Gentleman seien zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges dem national gesinnten Spanien gegenüber in feiner Weise mehr wirksam geworden. Wie die britische Bot­schaft sich zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges hilfesuchenden Spaniern gegenüber verhalten habe, das sei in keiner Weise gentlemanlike gewesen, und die Tatsache, daß es eine von der brittschen Regierung vorgeschriebene Haltung war und keineswegs der menschliche oder politische Irr­tum eines einzelnen Engländers, das sei geeignet gewesen, die spanischen Gefühle für Großbritan­nien einer tiefen und endgültigen Revision zu unter« ziehen.

Die Leitartikel der spanischen Presse an die Adresse Paul Reynauds, die Erklärungen Manuel Aznars an die Adresse der britischen Politiker, dies alles ist über die spanischen Rundfunksender ver­breitet worden. Man zögert in Madrid nicht, den Westdemokratien die Meinung zu sagen. Man be­merkt in diesen politischen Kundgebungen zwar die eigentlichen spanischen Beweggründe, aber es klingt dabei auch eine gewisse Angleichung an ähnliche Kundgebungen, die in Italien stattfinden, durch.

Wie die Engländer in Belgien hausten.

Berlin, 21. Mai. (DNB.) In den von den deut­schen Truppen besetzten Teilen Belgiens, insbeson­dere dort, wo die Engländer auf ihrem flucht­artigen Rückzug durchmarschiert sind, sind Ver­wüstungen in größtem Ausmaß angerich­tet worden. Die flämischen Landesteile Belgiens hatten darunter besonders zu leiden. Es ist vorge­kommen, daß die Briten bei ihrem Abzug Brücken sprengten, ohne die Bevölkerung zu warnen, so daß ote umliegenden Häuser mit allen Einwoh­nern v erni chte t wurden. In Brüssel wie auch in Antwerpen wurden umfangreiche Waren­lager angesteckt und Lebensmittelvor­räte vernichtet. In Löwen, aber auch in den Dörfern Flanderns, haben die englischen Soldaten regelrecht geplündert, so daß die Erbitterung der verratenen und geschädigten Bevölkerung in schärftten Worten Ausdruck findet.