träge, die sich glücklich in den Rahmen der Feier fügten.
5m Verl ans der Stunde wurde der Tagesbefehl des Bevollmächtigten des Reichsjugendführers ver- lesen. Ein Führer-Wort leitete dann über zu der Ansprache der IM.-Beauftragten Erika D e s ch. Sie sprach davon, wie die 10jährigen nicht nur deshalb in die Jugend des Führers kämen, weil es ihre Pflicht sei, sondern weil sie aüch aus eigenem Antrieb gerne kommen. Freiwillig seien sie gekommen und freiwillig seien sie bereit, ihre Pflicht zu tun. Für alle, die heute ausgenommen würden, sei es eine große Ehre, in der Jugend des Führers zu stehen und in der Folge all das mitzuerleben, was vielen vor ihnen schon schönes Erlebnis sei: die Heirn- adende, den Sport, das Lager, die Fahrt usw. Auf vielerlei Art könne das Jungmädel schon an den großen Aufgaben unserer Volksgemeinschaft mithelfen, es könne kinderreichen Müttern manchen Weg abnehmen, könne Heilkräuter sammeln usw. und könne zupacken in einer Zeit, da von allen Volksgenossen der Dienst an der Gemeinschaft gefordert werde. Zum Schluß gedachte die Rednerin noch der vielen volksdeutschen Mädel, die, froh und glücklich darüber, endlich im Vaterland daheim zu sein, nun auch in die Jugend des Führers ausgenommen werden. Zum Schluß wurden die Jüngsten im BDM. ausgefordert, Gehorsam, Disziplin und Kameradschaft als die obersten Gesetze in der Jugend des Führers zu betrachten.
Mit kurzen ernsten Worten und mit Handschlag nahm sodann die Jungmädel-Untergauführerin Trude Samper die 10jährigen in die 5uaend des Führers auf. Ein gemeinsam gesungenes Lied, der Gruß an den Führer und die Lieder der Nation beschlossen die Feierstunde.
Aufnahme in das Jungvolk
Die Aufnahme der Zehnjährigen in das Jungvolk sand bereits am Samstag im Hof der Goethe- schule statt. Zu gleicher Zeit, zum Teil aber auch erst am Sonntag, wurde die Aufnahme der Zehnjährigen in Stadt und Land im Bereich des Bannes vorgenommen. Der Bann 116 kann eine lOOprozentige Aufnahme der Zehnjährigen in das Jungvolk melden.
Die Feier im Hof der Goethefchule nahm einen eindrucksvollen Verlauf. Der ganze Jungstamm war angetreten und nahm die „Neuen" in die Mitte des offenen Vierecks. Obergefolgschaftsführer R u p - p e l meldete dem Bannführer die angetretenen Pimpfs. Der Spielmanns- und Fanfarenzug leitete die Feier mit mächtigen Klängen ein. Der Bannführer, Hauptgefolgschaftsführer Siegmund, hielt nach dem Liede „Auf hebt unsre Fahnen" eine Ansprache. Er wies die jüngsten Pimpfe darauf hin, daß sie nun eingereiht würden in die Jugend des Führers und sich der Pflichten, die damit verbunden seien, bewußt sein müßten. Er verlas sodann den Tagesbefehl des Beauftragten des Reichsjugendführers, wies ferner dann auf die Opfer hin, die auch die Hitler-Jugend für die Ereuerung des Reiches brachte und gab der Erwartung Ausdruck, daß jeder seinen Dienst im Geiste eines Herbert Nor- kus erfülle. Jeder habe seinen Dienst mit Pflichtbewußtsein und Einsatzbereitschaft zu erfüllen, so daß der Führer jederzeit und mit Recht auf seine Jugend stolz sein könne. Im Anschluß an diese Ansprache nahm der Banrrführer die neuen Pimpfe in das Jungvolk auf. Nach einem gemeinsam gesungenen Lied gab der Bannführer eine Reihe von Beförderungen im Jungvolk als Anerkennung für bisherige Leistungen und als Ansporn für wetteren Einsatz bekannt. Anschließend marschierte die Jugend durch die Stadt.
NS.-Frauenschast Gießen.
Dienstag, 23. April, 19.30 Uhr, beginnt ein Säuglingspflegekurs vom Mütterdienst im Deutschen Frauenwerk, Schanzenstraße 18 (Deutsche Arbetts- front), Zimmer 15. Anmeldungen können dort noch erfolgen.
Don der Universität Gießen.
Nach dem Weggang des Anatomen Professor Dr. Elze nach Würzburg hat den Lehrstuhl für Anatomie an der Universität Gießen und gleichzeitig die Leitung des Anatomischen Universitäts-Instituts auftragsgemäß Professor Dr. med. Wagenseil übernommen, der bisher an der Universität in Bonn wirkte. Professor Dr. W a g e n s e i l hat das Amt in Gießen mit Beginn des neuen Trimesters angetreten.
Mrst öu es schaffen,Lma?
Nomon von Martina Eckart-Yelm
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Noch etwas, ehe ich abreise", sagt Lena und sieht ihren Schwager bittend an. „Die Sache mit Rudolf bedrückt mich. Wäre es nicht möglich, daß
Christoph Gräfe steht unwirsch auf. „Laß das", sagt er. „Wir müssen den Dingen jetzt ihren Lauf lassen. Es hängt alles vom Bau der Bahn ab. Hgt keinen Zweck, darüber zu reden. Ich wollte dir etwas anderes sagen." Christoph Gräfe hält einen Augenblick inne. Dann fährt er fort. „Oben in der Stube im Schrank ist noch so allerhand von der Marie. Du könntest dir ein Andenken mit» nehmen, wenn du willst."
Und damit geht Christoph Gräfe schon voran. Selbstverständlich sagt Lena nicht nein. Aber ob sie es ermessen kann, was es bedeutet, wenn Christoph Gräfe sie durch sein unbeholfenes Anerbieten in einer aanz besonderen Weise ehrt? Es ist das erstemal seit dem Tode seiner zweiten Frau, daß er diesen Schrank wieder öffnet. Persönliche Er- innerungen sind darin aufbewahrt. Nur Lena Oette- fing wird es zugestanden, Einblick zu nehmen. Als einzige und nicht nur, weil sie die Schwester der Verstorbenen ist.
Steigt man die Treppe in den ersten Stock hinauf, wird der stolze Charakter des Gräfehauses von neuem offenbar. Eine Tür trägt als Bekrönung über dem Sims den gemalten Spruch:
Ich achte meine Hasser gleich als das Regenwasser, das von dem Dache fließt —"
Kühn und selbstbewußt muß der Ahnherr gewesen sein, der diese Inschrift anbringen ließ. Lenas Blick fällt von der Inschrift auf ihren Schwager. Christoph Gräfe, denkt sie, wie sehr gleichst du diesem Vorfahr! Und dann, zieht sie un« willkürlich Vergleiche — Hermann, er ist in vielem das Ebenbild des Vaters und doch so anders ...
Im Prunkzimmer mit der Kassettendecke steht der Schrank, der Maries persönlichen Nachlaß enthält.
Die Feier in der Ganhanpiffadt.
NSG. Das Führerkorps des Gaues Hessen-Nassau beging den Geburtstag des Führers mit einer Feierstunde im Adolf-Hitler-Haus.
Gauletter
Reichsstittthaller Sprenger
wies dabei auf das frühe Werden und den opfervollen Kampf der nattonalfozialistifchen Bewegung im Rhein-Main-Gebiet hin und stellte den politischen Anteil des Gaues an der Verwirklichung des Reiches, der sich im wesentlichen in der Ueberbrücfung der Mainlinie ausdrücke, besonders heraus. Er dankte bei dieser Gelegenheit allen seinen Mitarbeitern für ihre einsatzfreudige Arbeit und stellte ihnen gegenüber fest, daß das Gesamtwert des politischen Aufbaues unseres Gaues vor den Augen des Führers bestehen kann. Dieser Erfolg sei zugleich eine gelobende Verpflichtung für die Zukunft. Sie werde den Gau Hessen-Nassau zu jeder Stunde für den Führer bereit sehen.
Daran anschließend übergab der Gauleiter das Dienstgebäude der Gauleitung, das Adolf-Hitler-Haus am Horst-Wessel-Platz, seiner Bestimmung. Auf den großzügigen, allen Arbeitsanforderungen genüaen» den und zugleich repräsentativen Bau hinweisend erinnerte er an den mühevollen Aufstieg der Bewegung, der jedem Nationalsozialisten in Hessen-Nassau besonders nahe fei, wenn er sich die früheren Unterkünfte der Gauleitung vergegenwärtige. Don seiner Privatwohnung über das erste gemietete Geschäftszimmer, einer mehrzimmerigen Dienststelle, dem ersten Haus bis zum heutigen Adolf-Hitler-Haus führe jener Weg des Kampfes, des Erfolges und des Sieges. Wenn sich so das Aeußere der Dienststellen in zweckmäßiger Weife immer wieder den Bedürfnissen und Aufgaben angepaßt habe und mit gewachsen fei, so schloß der Gauleiter, fei ihr Inhalt doch immer der gleiche geblieben, die alte kämpferische, treue und opferbereite nationalsozialistische Gesinnung und Haltung. Sie wurde von dem versammelten Führerkorps am Geburtstag des Führers noch einmal besonders versprochen.
Die Alimaierialersaffung geht weiter.
Nach dem erfolgreichen Abschluß der Metallsvende £um Geburtstag des Führers muß im Interesse der deutschen Rohstoffwirtschaft die Erfassung von Alt- und Abfallstoffen verschiedenster Art energisch weiter getrieben werden. Ersparen uns doch diese Stoffe sonst unbedingt notwendige Rohstoffeinfuhren und auch Arbeitskräfte.
Die nächsten Wochen werden dementsprechend im Zeichen umfassender Sammelaktionen stehen, deren Durchführung eine Arbeitstagung aalt, zu der Gauwirtschaftsberater E ck a r d t in seiner Eigenschaft als Gaubeauftragter für die Altmaterialerfassung seine Kreisbeauftragten'zusammen mit Vertretern der Parteigliederungen und den verschiedenen Behörden eingeladen hatte. Eingehend wurde das Ausmaß und die Durchführung der kommenden Aktionen f eftgelegt. Neben der fortlaufenden Haussammlung von Altpapier undKnochen- jamm(ung durch die Schulkinder wurden insonderheit drei große Stohaktionen festgesetzt, die erstens der Entgitterung aller eisernen Haus, und Grund st ückseinfriedungen, zweitens einer Sondersammlung für Altpapier
und drittens der Lumpensammlung gelten. Mit der Entgitterungsaktion wird sofort begonnen. Es ist vorgesehen, sie systematisch durchzuführen. Die Papieraktion, bei der neben den Haushaltungen Betriebe aller Art, auch Behörden usw., erfaßt werden, ist auf die Zeit vom 16. bis 19. Mai festgesetzt. In den Haushaltungen werden Hitler- Jugend und Deutsches Jungvolk, sowie der Reichsluftschutzbund sammeln, während in den Betrieben die DAF. unter Einsatz der Werkscharen sammelt. Die Lumpensammlung wird im Rahmen einer Reichsaktion durchgeführt, mit besonderer Unterstützung durch die NS.-Frauenschaft.
Eine ausgedehnte Aussprache galt der Vertiefung der durch die bisherigen Sammelerfolge bereits erprobten Zusammenarbeit. Einzelheiten über die vorerwähnten Sammelaktionen werden noch in der Tagespresse und durch den Rundfunk bekanntgegeben.
Abschließend fand eine Tagung der Kreiswirt- schaftsberater statt, in der der Gauwirtschaftsberater Richtlinien für die zukünftige Arbeit gab.
SJ.Jport
Sonntag der lleberraschnngen.
Der gestrige Fußball-Sonntag brachte einige Ueberraschungen. 1900 verlor gegen jegliche Erwartung in Rodheim, wenn auch knapp mit 0:1; die Watzenborn-Steinberger „Teutonen" mußten sich in Naunheim mit 6:4 geschlagen bekennen und lediglich der DfB.-R. konnte einen Sieg mit 2:3 Toren über die Sportfreunde Wetzlar buchen.
Fußball um die Kriegsmeisterschaft der Bezirlstlaffe.
Rodhelm — 1900 1:0.
Nach der Leistung des Vorsonntags zu urteilen, hatte man erwartet, daß die Blauweißen sich auch in Rodheim durchsetzen würden. Es kam jedoch wieder einmal anders. Und zwar deshalb, weil man es nicht verstand, sich dem Gegner anzupassen. Rodheim stellte sich von Anfang des Spieles auf Verteidigung ein. Die beiden Verteidiger und die Läuferreihe hielten sich konsequent im Strafraum auf und überließen dem Sturm das weitere Geschehen im Spielfeld. Der Erfolg blieb denn auch nicht aus, denn obwohl 1900 fast während des ganzen Spielverlaufs im Feld überlegen war, gelang kein Erfolg. Man versuchte es nämlich immer und immer wieder mit der engsten Kombination, anstatt einmal mit einem Schuß von ober vor der Strafraumgrenze, so wie die Platzbesitzer. Ihr Erfolg ist nämlich hierauf zurückzuführen. Denn als sie sahen, daß sie bei der Verteidigung nicht durchkamen, versuchten sie es mit Weitschüssen, mit dem Erfolg, daß einer hiervon sein Ziel erreichte, und damit die Punkte gewonnen wurden.
Filmabend bei der Paddler-Gilde Gießen.
In schöner sportlicher Kameradschaft fanden sich gestern abend im Saal der Pulvermühle die Padd- der von Gießen und Meseck ein, um einige Stunden der Kameradschaft zu verbringen. Auch Mtt- S" ‘ t des Schiklubs, der mit den Paddlern Freund- hält, nahmen teil. Der Dietwart der Paddlergilde, Dr. Löw, hielt eine kurze Ansprache, begrüßte die Sportkameraden und -Kameradinnen, wies auf die Notwendigkeit hin, die sportliche Karne- rodschaft aufrechtzuerhalten und in der sportlichen Tätigkeit nicht zu erlahmen. Der weitere Verlauf des Abends brachte Filmvorführungen, die einem regen Interesse begegneten. Zunächst sah man einen Film von dem alljährlich abgehaltenen Kajak-Slalom auf der Mulde bei Zwickau, der in vielen ausgezeichneten Bildern die Prüfungen schilderte, die bei einer solchen Fahrt in einem wilden Wasser zu bestehen waren. Ein zweiter Film führte dann nach Island, der in einer umfassenden Weise das Land mit feinen gegensätzlichen Naturerscheinungen, die Landschaft, die Menschen und ihre Lebensformen, die Tierwelt über dem Wasser und auf dem Lande schilderte, so wie das alles der bekannte Faltboot- fahrer Rauschert auf seiner Jslandfahrt kennenlernte. Zum Schluß sprach Dereinsfuhrer Dr. Schwarzmeier über die Aufgaben der Paddler in der nächsten Zukunft. Er sprach insbesondere davon, daß jeder wehrfähige Mann, soweit er sich noch in der Heimat befinde, die Pflicht habe, sich körperlich und geisttg leistungsfähig zu erhallen. Er forderte ferner dazu auf, sich auf dem Dootsplatz rege zu betätigen und sich am kommenden Sonntag
Bunt bemalt ist er und trägt die Jahreszahl 1782. Halb Kleider-, halb Wäscheschrank. Christoph Gräfe hat einen altmodischen Schlüssel in der Hand. Er schließt einige Schubfächer auf. Nimmt Schmucksachen heraus. Rührende Andenken aus Kinder- und Jugendzeit sind dabei. Die Trauringe der Eltern, zusammengebündelte Briefe. Ein Sparkassenbuch in einem harten, braunen Umschlag.
Christoph Gräfe wiegt es in der Hand, legt es wieder in das Fach. „Der Rest von Maries Mitgift", sagt er. „Sie hat dieses Geld Erni vermacht. Die Zwanzigtausend sollen unangetastet für Ernis Aussteuer verbleiben, hat Marie bestimmt."
Lena nickt. Die Schwester hat ihr noch kurz vor ihrem Tode geschrieben. Ernis Geld sollte nicht in den Betrieb gesteckt werden wie das der Jungens, sollte verfügbar sein, wenn das Mädel heiraten wollte.
„Ja", sagte Christoph Gräfe gedankenvoll, „es liegt noch alles so da, wie Marie es selber hingelegt hat." Er nimmt ein Päckchen Briefe heraus. „Wenn du die durchsehen willst? Nimm dir mit, was du davon behalten willst. Such dir in aller Ruhe etwas aus. Hier liegt der Schmuck. Ein altes Stammbuch ist auch noch da."
Christoph Gräfe geht zur Tür. ,Hch gehe einstweilen wieder hinunter. Leg' den Schlüssel auf meinen Sekretär, wenn du hier fertig bist."
Lena ist dankbar, daß man sie hier allein läßt. Sie lieft in den alten Stammduchversen. Vergessene Zeiten tauchen wieder auf. Auch aus den Briefen spricht die Vergangenheit. So viele vergilbte Um- schlüge stapeln sich in den Schüben. Lena sucht sich die heraus, auf denen sie die Schrift ihrer Ellern oder ihres verstorbenen Bräutigams entdeckt. Gestorben in den Sielen die einen, abgestürzt der andere ...
Lena sortiert das ihr Wichtige und Unwichtige. Das Sparkassenbuch liegt unter den Briefen. Es gleitet ihr aus der Hand und fällt mit einem Häufchen anderer Schriftstücke zusammen auf den Boden.
Ein Zettel ist aus dem dünnen Buch herausgerutscht. Maries Handschrift. Ihr Name, das Datum und die Worte. „Für Ernis Aussteuer." Lena schiebt den Zettel wieder hinein. Sie schüttelt den Kopf, als sie die Kontrollmarke im Buche entdeckt. Leichtsinnig, die nicht getrennt aufzuheben.
Sie schlägt das Buch noch einmal auf. Nimmt die Kontrollnummer heraus. Die Marke wird sie Christoph Gräfe übergeben, die maa er anderswo aufbewahren — ihr Blick bleibt auf den eingetragenen Zahlen haften — ja, um Gottes Willen, ist sie denn behext? Kann sie denn nicht lesen — verwirren sich ihre Sinne?
Die 20 000 Mark sind ja abgehoben —!
Lena zittern die Knie. Die Zahlen tanzen vor ihren Augen. Sie muß sich mit aller Kraft zusam- menreißen. Liest noch einmal. Es ist kein Irrtum — die Summe ist kürzlich abgehoben worden, es ist noch nicht lange her. Furchtbar und unfaßlich ist das, was sie da entdeckt hat.
Ein Unberufener hat das Geld abgehoben! Oder kann es nicht Christoph Gräfe selber gewesen sein? Der Schwager? Ausgeschlossen! Der sprach doch eben noch davon, daß Maries Vermächtnis unangetastet seit ihrem Tode hier liege. Nein, so ruhig hätte er das nicht gesagt, nicht das Buch so still wieder an seinen Platz gelegt.
Christoph Gräfe ist ahnungslos. Lena kommt sich wie erschlagen vor. Sie wagt kaum zu atmen. 5a, bann muß doch aber ein anderer von den Gräfeleuten das Geld genommen haben
Erni? Ader die weiß ja gar nichts von diesem Buch, wie der Schwager sagte — und wozu hätte sie wohl heimlich so viel Geld gebraucht?
Jupp? Lena erwägt das gar nicht erst.
Rudolf? Ausgeschlossen. Der hat doch die Jutta. Bekommt bald den ganzen Plessenschen Besitz.
Blieb noch Hermann. Wahnwitz, nur daran zu denken! Ist sie denn ganz verrückt? Ja, man kann wohl den Verstand verlieren über das, was einen hier in einen abgründigen Wirbel hineinzieht.
Hermann — sie fühlt mit einem Male, daß sie von dem ältesten Gräfe ein ganz klares Bild hat. Wie gut gefällt ihr seine ruhige, nachdenkliche Art!
Aber sitzt sie etwa hier, um über Hermann Gräfe nachzudenken? Es handelt sich ja um das Buch, um eine große fehlende Summe. Zergrübelte Viertelstunde. Ergebnisloses Nachdenken. Der Kopf schmerzt. Die Briefe, die sie mitnehmen wollte, bleiben liegen. Lena schließt den Schrank ab, legt den Schlüssel unten im Wohnzimmer auf den Sekretär. Der steht meist offen. Christoph Gräfe bewahrt Geld darin auf, aber keins der Kinder würde je auf den Gedanken kommen, etwas zu nehmen.
Kombination von Stallmist und Kunstdünger.
an der ersten Paddelfahrt zu beteiligen. Die Jugend forderte er auf, im Zehner-Kanadier das Training energisch aufzunehmen und sich an den Jugendrennen in Marburg, die demnächst stattfinden, zu beteiligen. Eine Sammlung für das Winterhilfswerk erbrachte den stattlichen Betrag von 35 RM.
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Sie.
Kreis Alsfeld.
—.— Homberg, 20. April. Durch die Rhein- Mainische Landesbühne Frankfurt a. M. wurde in der Stadthalle das Schauspiel „Uta von Naumburg" aufgeführt. Die Darsteller setzten sich mit großer Sorgfalt für die Aufführung des Stückes ein. Die Besucher dankten mit lebhaftem Beifall.
Aus der engeren Heimat.
Auszeichnung für treue Dienste.
In Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste hat der Führer dem Sparkassendirektor Rudolf Diehl in Grünberg, dem Stadtrechner Wilhelm Schmidt III. in Laubach und dem Kassenver« waller Ludwig Schillinger in Queckborn das Treudienst - Ehrenzeichen 1. Stufe für 40jährige Dienstleistung verliehen. In feierlicher Form wurden den treuen Beamten die Ehrenzeichen überreicht.
Amtsgericht Gießen
Der W. S. aus Frankfurt a. M. hatte als dienst, verpflichteter Arbeiter feine Arbeitsstelle in Gießen widerrechtlich verlassen. Er fuhr an einem Sams- tag ohne Genehmigung nach Frankfurt a. M. und kehrte erst nach längerer Zeit, veranlaßt durch die Polizei, an die Arbeitsstelle zurück. Seine Mutter H. S. hatte ihn dazu bestimmt, in Frankfurt zu bleiben, weshalb sie wegen Beihilfe angeklagt wurde. Die nAgeklagten waren geständig. Der An- klagevrtreter beantragte gegen den W. S. eine Ge- fängnisftrafe von einem Jahr, gegen die H. S. eine solche von einem Monat. Der Angeklagte W. S. wurde wegen Vergehen gegen die Verordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes vom 5. November 1936 4n Verbindung mit der Verord- nung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Auf. gaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung vom 13. Februqr 1939 zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten, abzüglich 9 Tage Untersuchungshaft, die Angeklagte H. S. wegen Beihilfe zu einer Geldstrafe von dreißig Reichsmark, ersatzweise zehn Tage Gefängnis verurteilt. Bei dem W. S. wurden Vorstrafen straferschwerend, fein Geständnis und die Tatsache, daß er von seiner Mutter beeinflußt war, strafmildernd berücksichtigt. Bei der H. S. wurde strafmildernd berücksichtigt, daß sie infolge ihrer schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse ihren Sohn zum Verbleiben in Frankfurt a. M. veran- laßt hatte.
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In der „Ernährung" wird über Versuche berietet, um zu klären, ob eine zusätzliche minera» lische Gabe zur organischen Grund- büngung (Stallmist) den gesundheitlichen Wert der Erzeugnisse mindert. Die Ansicht über gesundheitliche Beeinträchtigung beim Genuß mineralfalzgedüngter Gemüse hatte in weiten Kreisen des Volkes Fuß f aff en können. Die wissenschaftlichen Versuche haben ergeben, daß den meisten Gemüse- ■ arten eine organische Grunddüngung bei zusätz- licher Düngung mit Mineralsalzen am zuträglichsten ist. Der Ernährungsversuch wurde in einem Kinderheim durchgeführt. Die Ernährung bestand neben einer bestimmten Grund- ko st bei der einen Gruppe aus sta11mist gedüngtem Gemüse, bei der anderen Gruppe aus Gemüse, das aus der kombinierten Düngung gewonnen war. Der Vitamin A« und Vitamin C-Gehalt des Blutes stieg bei den Kindern, die das Gemüse mit der kombinierten Dün- I gung bekommen hatten, auf deutlich höhere Wette an als bei der anderen Gruppe, beim Vita, min A stieg der Gehalt auf das Vierfache. Auch die tägliche Gewichtszunahme lag mit 15,27 Gramm höher als bei der anderen Gruppe mit 11,9 Gramm. Die Untersuchungen haben somit ergeben, daß bei Säuglingen eine deutliche V erb es- erung im Ernährungserfolg erzielt werden kann, wenn das Gemüse nicht ausschließlich mit Stallmist, sondern Jombiniert gedüngt wird.
Und die Leute im Haus? Sind sie nicht treu wie Gold?
Lena ist ganz durcheinander, als Erni und Jupp kommen und gute Nacht sagen: Sie hat einen fremden Zug im Gesicht, der (oft sich erst wieder, als ihr die beiden wie immer offen in die Augen sehen.
„Morgen früh haben wir uns noch eine ganze Weile", nickt sie Erni zu. Daß diese zwei, die Erni und der Jupp, sich ihr so ganz erschlossen haben, so anhänglich sind", das tut gut und weh zugleich. Man hätte sich schon eher einmal ihrer annehmen müssen. Nun ist es zu spät. Nun ruft ein anderer. Lena will heiter scheinen, aber sie bringt es nicht fertig. Soll sie auch schlafen gehen? Bei diesem inneren Aufruhr?
Wo nur Hermann und der Schwager bleiben? Es ist so unheimlich still im Haus. Allein die Gedanken sind laut und überwach.
Sie hält das Alleinsein nicht mehr aus. Geht über den Flur. Die Haustür ist meil offen. In ihrem schwarzen Viereck steht der Mono. Lena acht die Stufen in den Hof hinab. Aus dem Pferdestall bringt trübes Licht. Eine Kette raffelt. Stimmen klingen gedämpft. Leise geht Lena in den Garten hinüber. Wie verzaubert liegt er im weißen Licht. Von den Gewürznelken steigt schwerer Duft auf. Der schmale Weg zwischen den Beeten ist wie ein helles Band. An seinem Ende steht die Laube.
Jemand spricht sie an. Lena ist kein Hasenfuß, aber erschrickt doch zu Tode.
Hermann Gräfe sitzt auf der Bank.
„Von hier aus kann man den Sirius sehen", sagt er. Sonst nichts. Und dieses stille Wort von einem Stern, veranlaßt Lena, sich auch auf die Bank zu setzen.
Nun schweigen beide. Sehen nach oben irt den silberbetupften Sammet. Eine Frühbirne poltert hinter ihnen ins Gras.
Ob ich Hermann etwas sage von dem fehlenden Gelde? fragt sich Lena.
Ob ich von ihrer Ostpreußensache anfange? denkt Hermann. Er hat die Hände wieder zu Fäusten geballt. Lena sieht es nicht. Sieht auch nicht, wie zerquält er aussieht. Ihr Herz ist zentnerschwer und voll von Ratlosigkeit. Ist kein Wunder, daß sie da seufzt.
(Fortsetzung folgt.)
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