Heimbeförderung ausländischer Landarbeiter.
NDG. Die italienischen Landarbeiter müssen in diesem Jahre auf Anordnung des faschistischen Landarbeiterverb-andes in Rom restlos in die Heimat zurückkehren. Ausnahmen werden nicht zugelassen. Diesbezügliche Gesuche sind daher zwecklos. Italienische Landarbeiter, die jedoch vor dem nächst- jährigen allgemeinen Einsatz wieder zurückkehren wollen, sind auf einem oorgeschriebenen Vordrua dem Arbeitsamt sofort zu melden. Mit dem Eintreffen dieser Landarbeiter ist in der ersten Hälfte des Monats Februar 1941 zu rechnen. Italienische Landarbeiter, die im Frühjahr bei dem allgemeinen Einsatz wieder zurückkehren sollen, sind gleichfalls frühzeitig bsi dem zuständigen Arbeitsamt namentlich anzufordern.
Die slowakischen Landarbeiter können überwintern. Namentliche Anforderungen sind ebenfalls rechtzeitig mit genauer Anschrift dem Arbeitsamt aufzugeben. Die polnischen Landarbeiter sind im allgemeinen über Winter zu halten. Dies gilt auch für die sogenannten Wanderarbeiter. Die für diese Gruppe notwendig werdenden Vertragsänderungen sind in Vorbereitung. Es muß damit gerechnet werden, daß polnische landwirtschaftliche Arbeitskräfte, die jetzt zurückkehren, im Frühjahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Inwieweit Ersatz gestellt wer. den kann, läßt sich heute noch nicht übersehen. Es sollen daher nur kranke Arbeitskräfte, die ungeeignet sind, und Familien mit mehreren kleinen Kindern gegebenenfalls in die Heimat befördert werden.
lieber die etwaige Abbeförderung der polnischen Jugendlichen ergeht noch weitere Anordnung.
Die Abbeförderung der übrigen in- und ausländischen Landarbeiter (Bayern, Oberschlesier, Ostmärker, Bulgaren usw.) durch die Arbeitsämter ist für diesen Herbst nicht vorgesehen.
Die Termine für die Rückbeförderung mit Sonderzug sind bereits von den zuständigen Ministerien festgesetzt. Sie können nicht abgeändert werden. Für die Abbeförderung der italienischen und slowakischen Landarbeiter geht den Betriebsführern ein Auftragsformular von den zuständigen Arbeitsämtern zu. Dieser Vordruck ist genau ausgefüllt (auch Heimatprovinz) dem Arbeitsamt sofort zurückzusenden. Polnische Landarbeiter, die unter keinen Umständen über Winter gehalten werden können, sind ohne Vordruck dem Arbeitsamt sofort zu melden. Nach Eingang des Antrags werden von dem Betriebsführer die Fahrtkosten vom Arbeitsamt angefordert. Die Kosten sind durch Zählkarte dem Arbeitsamt sofort einzuzahlen. Falls am Abfahrtstage des Sonderzuges die Fahrtkosten bei dem Arbeitsamt nicht eingegangen find, kann die Abbeförderung der Landarbeiter nicht erfolgen. Alle sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten gehen zu Lasten des Be- triebsführers. Im übrigen ist das Rundschreiben, das den in Betracht kommenden Betriebsführern vom Arbeitsamt zugeht,'genau zu beachten. Weitere Auskünfte erteilt das zuständige Arbeitsamt.
einmal In feinem Lcmbacher Haufe oben Im Walde besuchten — ihn und Frau Editha K l i p st e i n, die feinsinnige Lebensgefährtin, deren verwandte geistige Welt der vor ellichen Jahren erschienene Roman „Anna Linde" sehr anziehend spiegelt. Wir erinnern uns heute noch gerne und lebhaft dieses winterlichen Besuches, der eigentümlich starken und einhüllenden künstlerischen Atmosphäre, die den Besucher des kleinen Hauses oberhalb der Stadt umfängt; und wenn wir heute an den Meister denken, sehen wir ihn noch immer so, wie ihn die klaren, feinen, geistig belebten Züge des radierten Selbstbildnisses miehergeben; es wird vielen hessischen Kunstfreunden, die Felix K l i p st e i n heute ihren Gruß und ihren Glückwunsch barbringen, besonders gegenwärtig sein. — y —
85 Jahre alt.
Am heutigen Donnerstag, 21. November, kann der Rentner Johannes M a g e l, Lindenplatz 4 wohnhaft, feinen 85. Geburtstag begehen. Der Jubilar stammt aus Odenhausen in der Rabenau, wo er nach dem Schulbesuch zunächst bei dem Baron von Rabenau in Friedelhausen als Fahr bursche tätig war. Später arbeitete er in der Wette rau als Müllerknecht in jenen Jahren, als man auf dem Lande Mehlsäcke noch auf Eseln beförderte. Nach seiner Militärdienstzeit bei den 116ern in Gießen wanderte er im Jahre 1888 nach Frankreich aus, wo er u. a. in Paris arbeitete. Nach der Heimat zurückgekehrt, fand er bei der Stadt Gießen Beschäftigung, in der er über 40 Jahre als Friedhofsarbeiter tätig war. Der Jubilar nimmt ttotz seines hohen Alters noch regen Anteil an den Ereignissen unserer großen Zeit, die er täglich in seinem „Gießener An-- feiger" mit starkem Interesse verfolgt. Don seinen beiden Söhnen ist ihm einer im Tode vorausge- aen. Seine zweite Frau, 16 Enkel und 21 Ur» umgeben den alten Herrn bei seinem Lebensabend. Dem Jubilar bringen auch wir unsere herzlichen Glückwünsche zu seinem Geburtstage dar.
Gustav Fischer in Wetzlar f.
Ueberraschend ist der Kreissportführer des Kreises Wetzlar, Gustav Fischer in Wetzlar, im Alter von 45 Jahren an einem Herzleiden verstorben. Fischer, der schon in dem Westdeutschen Spielver-- dand mehrere Aemter bekleidete, war weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt. Er war ein alter Pionier des Fußballsportes im Lahnkreis. Nach der Machtübernahme wurde er zum Kreissportführer des Kreises Wetzlar berufen. Auch hier leistete er auf Grund feiner Erfahrungen vorbildliche Arbeit. Daneben betreute er jahrelang den Sportverein Wetzlar als Dereinsführer. Durch feine Verdienste um den Sport hat er sich bleibende Erinnerung geschaffen. Für die Sportbewegung ist ein guter Kamerad und lauterer Mensch verloren gegangen, dessen Ableben eine Lücke gerissen hat.
Bornotuen.
Tageskalender für Donnerstag.
Stadttheater: 18.30 bis 21 Uhr .Kabale und Liebe". Gloria-Palast, Seltersweg: „Die unvollkommene Liebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wie konntest du, Veronika?". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung W. Jmkamp im Foyer des Stadttheaters.
Stadttheater Gießen.
Am heutigen Donnerstag -wird als Sondervorstellung Schillers Drama „Kabale und Liebe" wiederholt. Spielleitung: Hans Geißler. Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Waltraut Goettke, Hilde Heinrich, Hella Henzky, Luise Prasser; Hansjoachim Büttner, Hans Caninenberg, Walter Erler, Gert Geiger, Hans Bernd Müller, Hans Albert Schewe, Hans Seitz, Karl Volck. Außer Miete!
Gießener Vortragsring.
Am 4. Vortragsabend, den im Rahmen des Gie- ßener Vortragsringes die Volksbildungsstätte Gießen, der Goethe-Bund Gießen, Kulturelle Vereinigung (fr. Kaufmännischer Verein) und Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde gemeinsam am Montag, 25. November, in der Neuen Aula der Universität veranstalten, wird der Direktor der Zoologischen Sammlung des Bayerischen Staates in München, Unioersitätsprofessor Dr. Hans Krieg, über das Thema „Zu den Indianern des Gran Chaco (Südamerika)" sprechen. Professor Krieg wird zu seinem Vortrag außer zahlreichen Lichtbildern auch einen interessanten Schmalfilm zeigen. Es sei hierbei noch besonders darauf hingewiesen, daß gerade in diesen Tagen in Berlin die Uraufführung seines neuen Expedittonsfilms erfolgte, der mit dem Thema feines Dorttages in besonders enger Verbindung steht.
Literarische Feierstunde.
Zugunsten des Winterhilfswerkes veranstaltet das Deutschs Frauenwerk eine literarische Feierstunde. Alle Volksgenossen sind herzlich dazu eingeladen.
3000Kilometer £teBe
Roman von Olly Boeheim
33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Anita sank in einen Sessel, halb lachend, halb weinend hörte sie Peter zu.
„Die Gastspieltournee habe ich schon zusammengestellt. Zuerst Oslo, dann über Kopenhagen triumphaler Einzug in Deutschland."
„Peter, mach Doch keinen Quatsch."
,Hch bin außergewöhnlich ernst, Ich habe gestern abend alle Chancen für dich wahrgenommen, die du im Dunkel der Hecken mit Erik Schmitterlöf ver- flüftert haft. Warum ist er übrigens roeggelaufen? Na, hoffentlich bleibt es dabei. Aber, Nufchka, ich bin tief enttäuscht. Ich habe einen Freudentaumel erwartet und finde ein nachdenkliches Gesicht."
Das Telephon surrte wiederum.
„Betrieb bei der Diva", sagte Peter Renz und rief in den Apparat: „Hier der Sekretär von Fräulein Silefen! Wie? Ja, wir kommen in die Halle. Schon wieder einer, der dir feinen Glückwunsch Übermitteln möchte, Anuschka", sagte Peter Renz, den Hörer einhänaend. Anita schnellte empor.
„Erik?" fragte sie, und bas Blut stieg ihr in die Stirn.
„Vorläufig ist es nur Herr Ohlsen. Zieh dich rasch an und komm runter. Wir frühstücken alle zusammen!"
Kur§ darauf betraten Peter und Anita das Früh- stückszimmer. Aber Anita hatte keinen rechten Ap- Setii; sie sah überhaupt nicht aus wie ein junges Menschenkind, das am Ziel seiner Wünsche steht. Ihr Blick streifte nervös und unruhig die Tür.
„Ja, mein liebes Fräulein Silesen", sagte Arne Ohlsen, der in seinem hellgrauen Frühlingsanzug aussah wie ein junger Gott, „der Anfang wäre geschafft. Sie haben — Ihr Können ganz beiseite —
Die schwedische Dichterin Clara Nordström liest aus eigenen Werken vor. Sie, die in Schweden aufgewachsen, aber schon mit 17 Jahren nach Deutschland gekommen ist, kann uns heute so recht die Brücke schlagen zum Verstehen des schwedischen Volkes. Noch immer mit der Landschaft der ersten Hekmat verbunden, fühll sich Clara Nordstrom doch sehr hinoezogen zum deutschen Volk mit seiner großen Geschichte, seinem reichen Erleben und seiner unbändigen Dolkstumskraft. Dies Land wurde chre zweite Heimat und ist heute das Vaterland ihrer Kinder. Ihre ganze, reiche Liebe gehört Deutschland. Die Feierstunde findet am Sonntag, 24. November, 19.30 Uhr, in der Aula der Universität statt. gfs.
Keine Vorgriffsmöglichkeit für Strickgarn.
Die Fachgruppe Bekleidung gibt einen Bescheid der Reichsstelle für Kleidung bekannt, wonach die Vorschriften über die Dorgriffsmöglichkeiten auf der Reichskleiderkarte dann nicht gelten, wenn Strickgarn zur Herstellung eines Kleidungsstückes gekauft werden soll. Beim Kauf von Strickgarn kann also nicht vorgegriffen werden mit der Begründung, daß aus dem Strickgarn ein Kleidungsstück hergestellt werden soll, das auf Vorgriff gekauft werden kann.
Kinder
sind von der Fahrstraße fernzuhalten.
Don zuständiger Stelle ergeht folgende Mahnung: Kinder, die sich unbeaufsichtigt auf und an der Fahrbahn aufhalten, bedeuten eine Hemmung des Kraftverkehrs und in der heutigen Zeit besonders eine Behinderung von Wehrmacht-Kraftfahrzeugen. Erfahrungsgemäß verhalten sich Kinder beim Heran nah en von Kraftfahrzeugen" oft falsch und verursachen schwere Unfälle, deren Opfer sie werden. In anderen Fällen, in denen Kraftfahrer versuchen, einen drohenden Unfall, z. B. durch plötzliches Hin- einlaufen eines Kindes in ein Kraftfahrzeug, abzuwenden, endet der Vorfall mit der Verletzung der Kraftfahrer und der Beschädigung des Fahrzeuges. Eltern und Erzieher, haltet die Kinder von der Straße fern! Männer und Frauen, benutzt die Fahrbahn nur vorschriftsmäßig,, beim Ueberqueren Vorsicht! Durchbrecht keine Wehrmachtkolonnen!
Tagung
der Ausstellungsgeflügelzüchter.
Die Kreisfachgruppe Gießen der Ausstellungsge- flügelzüchter hielt im Hotel Hopfeld eine außerordentliche Hauptversammlung ab. Es wurde beschlossen, die Kreisschau am 11. und 12. Januar 1941 in Großen-Linden abzuhalten. Der Meldeschluß wurde auf den 4. Januar sestgelegt. Mit der Ausstellung soll eine Lehrschau oerbunben werden.
Gießener Dochenmarklprelfe.
* Gießen, 20. Nov. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, ausländische Eier 11, Kartoffeln, % kg 4, 5 kg 40, Wirsing, % kg 7, Weißkraut 5, Rotkraut 8, gelbe Rüden 7, rote Rüben 6, Spinat 15, Unterkohlrabi 5,
ein geradezu unvorstellbares Glück gehabt. Ich muß sagen, daß ich selten ein solches Debüt erlebt habe. Nun kann der Tanz durch die Welt losgehen! Was?"
„Vorläufig denke ich an ernste Arbeit, Herr Ohlsen. Sie haben recht, ich hatte Glück. Einerseits —" fügte sie etwas bitter hinzu.
Herr Ohlsen lächelte. „Die kleine Herzensangelegenheit wird auch wieder in Ordnung kommen. - „Jch glaube nicht, Herr Ohlsen. Aber ich will die Zähne zusammenbeißen und arbeiten."
„Durch Arbeit kommt man über alles weg", sagte Arne Ohlsen freundlich.
„Hört, hört", rief Peter Renz anzüglich und köpfte sein Ei. Arne Ohlsen konnte nicht antworten, denn Vera Verries kam soeben in das Frühstückszimmer. Wie schön sie ist, dachte Anita. Liede macht schön. Geliebt werden ist mehr als alles andere auf der Welt. Die Tänzerin begrüßte herzlich ihre junge Kollegin: „Na, Kleines — entschie- öen?'z
Anita nickte unbestimmt. „Es blieb mir bis jetzt keine Wahl."
„Ach, er hat sich noch nicht gemeldet? Selbst auf die glänzenden Kritiken hin nicht? Arne hat sie mir schon telephonisch durchgesagt. Kind, hast du ein Glück. Da sitzt ein kleines rotblondes Etwas mit versonnenen Nirenaugen; gestern war sie noch eine unbekannte Anfängerin, und heute ist ihr Name in allen Zeitungen. Und sie sitzt da, als wäre nichts geschehen."
„3a", rief Peter Renz. „Es töäre schließlich an der Zett, Pläne für die Zukunft zu machen. Das Gastspiel in Oslo ist so gut wie perfekt. Auch Kopenhagen wird zusagen, soviel ich gehört habe."
„Nach dieser Presie bestimmt", warf Dera ein.
„Ja", fuhr Peter fort, „man kann wohl sagen, daß unsere Expedition mit Onkel Franz geglücfi ist. Was meinst du, Anuschka? Wenn du mich als Manager und Reklamefachmann mitnehmen würdest?"
Grünkohl 6, Rosenkohl 15 bis 18, Zwiebeln 12, Meerrettich 30, Schwarzwurzeln 15, Kürbis 7, Feldsalat C/io) 8, Aepfel, Vi kg 15 bis 30, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 8 bis 10, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 3 bis 5, Sellerie 5 bis 30, Rettich 5 bis 20, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf.
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** Kriegsauszeichnung. Für hervor-- ragende Tapferkeit vor dem Feinde wurde der aus Gießen stammende Heinz Beck, Sohn des Inhabers des Betten- und Möbelgeschäfts Emil Beck in der Bahnhofstraße 56, von Generalfeldmarschall Sperrte mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet und zugleich vom Unteroffizier zum Feldwebel befördert. Feldwebel Beck hatte bis zum Tage feiner hohen Auszeichnung bereits 21 Feindflüge gegen England mitgemacht. — Der aus Gießen stammende Freiwillige Willi G o f f e l m e y e r, Beamter beim Amtsgericht in Gießen, wurde am 9. November rückwirkend vom 1. Oktober 1940 ab zum Unteroffizier befördert. Unteroffizier Goffel- meyer steht bei der Luftwaffe im Westen.
** Verkehrsunfall. Am gestrigen Mittwochabend stieß der Motorradfahrer Bernhard Pauly von hier in der Gartenftraße gegen einen vor dem Gaswerk stehenden Wagen mit Kohlen. Dabei erlitt der bedauernswerte Mann mehrere Rippenbrüche, fo daß er von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden mußte.
** Derdunkelungspflicht von Untermietern und Hotelgästen. Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, wer für die richtige Verdunkelung eines Hotelzimmers oder eines möblierten Zimmers verantwortlich ist: der Vermieter oder der Meter? Das neue Heft der „Sirene" des Reichsluftschutzbundes beschäftigt sich in dem Artikel „Das geht alle an!" eingehend mit dieser Frage und legt klar, wer für die richtige Verdunkelung dieser Zimmer sowie der Räume in öffentlichen Gebäuden, Büros usw. verantwortlich ist. Das Heft bringt außerdem noch eine Reihe interessanter Bildberichte sowie eine Seite Humor und enthält auch wieder die Mtteilungen des RLB.-Hräsidiums.
Strafkammer Gießen.
Der H. S. aus Gießen hatte sich wegen Unterschla- gung, Betrugs und Untreue zu verantworten. Er war beschuldigt, in den Jahren 1938. und 1939 in 9 Fällen als Verkaufskommissionär Garnschnellwickler, die im Eigentum des Zeugen W. standen, eigenmächtig verpfändet bzw. verkauft und den Erlös für sich verbraucht zu haben. Gegen Hingabe eines Schecks hatte er von dem Zeugen W. ein Dar- lehen von 173,70 RM. ausgenommen, wobei er dem Zeugen seine völlige Zahlungsunfähigkeit verschwieg. Hierdurch hatte W. einen Gesamtschaden von 375 RM. Von dem Zeugen H. nahm der Angeklagte unter bewußter Verschweigung seiner Der- mogenslage ein Darlehen von 25 RM. auf und versprach, es innerhalb vier Wochen zurückzuzahlen, was er aber bei seiner Vermögenslage nicht konnte.
Der Angeklagte hatte einen Garnwickelapparat erfunden. Da er keine Mittel hatte, wandte er sich zwecks Verwertung feiner Erfindung an verschie-
„Ich fürchte", sagte Herr Ohlsen lebhaft, „mein lieber Peter, dieser Posten würde keine restlose Auswirkung Ihrer Fähigkeiten zulassen. Sie sind nämlich ein verdammt tüchtiger Kerl."
Peter schlug die Hacken zusammen: „Verbindlichsten Dank, Herr Ohlsen."
„Nein, Spaß beiseite. Ich möchte Sie gern in meinem Betrieb haben. Ich besitze nun mal kein übermäßiges Interesse an der Zubereitung von Puddingpulver. Außerdem werde ich sehr bald heiraten und einen großen Teil des Jahres in Deutschland verleben, damit" — er suchte Deras Hand — „meine kleine Frau kein Heimweh bekommt. Wie wäre es, wenn Sie mich in dieser Zeit vertreten wollten?"
Peter Renz blieb der Mund offen stehen. Er sah nicht gerade geistreich aus. „Sie bieten mir den Posten eines stellvertretenden Direktors an?" fragte er halb scherzend.
„3a, das tue ich", sagte Arne Ohlsen. „Ich halte Jugend nicht, für einen Hinderungsgrund, einen großen Posten auszufüllen. Natürlich müssen Sie sich Respekt verschaffen. Wir können es fa probeweise versuchen."
„Ei du Donnertöf", sagte Peter Renz benommen. „Entschuldigen Sie mich, ich muß ein Ferngespräch nach Berlin anmelden." Er tobte von bannen und riß dabei beinahe den Oberkellner um.
„Wenn er mein Sohn wäre, müßte er mich auch vertreten", sagte Ohlsen lächelnd, Peter Renz nachblickend. „Große Ausgaben stärken die Kräfte. Ich denke außerdem an eine enge geschäftliche Zusammenarbeit mit seinem Vater in Berlin."
„Nun laufen wir ja alle in einen Hafen ein", meinte Vera Verries lächelnd. ^.,Nur unsere Anni hat sich scheinbar noch nicht endgültig entschieden."
„Doch", sagte Anita mii gesenkten Augen. ,Hch will bierbleiben. bis die Gastspiele in Ordnung gehen."
„Nur die Gastspiele?" fragte Arne Ohlsen lächelnd.
„Ja —, das andere ist entschieden", sagte Anita leise.
bene Geldgeber. Nachdem sich zwei Geldgeber nach, erheblichen Verlusten von der Sache zurückgezogen hatten, wandte sich der Angeklagte an den Zeugen W. Mit diesem schloß er einen Vertrag ab, wonach er sich verpflichtete, 100 Apparate herzustellen, die der Zeuge W. finanzieren mußte und die nach Fertigstellung in das Eigentum des Zeiugen 5JL übergehen sollten. Es wurde nun dem Angeklagten zur Last gelegt, solche Apparate verkauft bzw. Der pfändet zu haben. Dem Zeugen W. soll bei diesem Geschäft ein Schaden von etwa 22 000,— RM. entstanden sein.
Der Anklagevertteter beantragte wegen 7 selb, ständiger Handlungen eine Gesamtgefängnisstrast von zwei Jahren und Geldstrafen von dufammcn.! 190,— RM. Der Angeklagte wurde unter Freisprechung im übrigen wegen Untreue in sieben. Fällen, sowie wegen Betrugs in zwei Fallen zu einer Gesamtgefängnis st rase von einem Jahr und sechs Monaten, sowie zu Geldsttasen von zusammen 330,— RM. Der. urteilt. Die einschlägigen^Vorstrasen kamen stras- erschwerend in Bettacht.
Aus der engeren Heimat.
Nach Hastbeschwerde in Freiheit gesetzt.
Der wegen des folgenschweren Dertohrsimfall; auf der Landstraße nach Rodheim a. d. Bieber, bei dem (wie gemeldet) der 16 Jahre alte Lehrling Kan Michel aus Rodheim a. d. Bieber tödlich verletz wurde, auf Anordnung der Staatsanwaltschaft oer hastete Kraftwagenlenker Wilhelm Waldschmidt aus Krumbach ließ durch seinen Verteidiger Hast beschwerde gegen seine Verhaftung erheben. Die Besch werdekammer des Landgerichts Limburg gab ber Haftbeschwerde statt und hob den Haftbefehl auf; fo daß Waldschmidt wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.
6in krasser Falt von Fahrerflucht.
Au dem aeftern gemeldeten schweren Verkehrs- Unfall auf Der Landstraße Herbstein—Altenfcklm hören wir auf Anfrage bei der Staatsanwalt-schsst, daß der Autolenker, der den tödlich überfahrenen Mann auf der Landstraße liegen ließ und sich mit seinem Auto der Verantwortung entziehen wollte, in der Person eines Einwohners von Groß-Felda festgestellt werden konnte. Diese Feststellung nxir der Staatsanwaltschaft an Hand des NmnmerschL des möglich, das der Kraftfahrer bei dem Unfall von feinem Auto verloren hatte und das man etoo 150 Meter von dem Toten entfernt auf der Land fttaße liegend vorfand. Der Autolenker, dessen Wagen bei dem Zusammenprall erheblichen Scha- den erlitt, hat nach den bisherigen Feststellungen der Staatsanwaltschaft den Ueberfahrenen beim Ueberholen zu Boden gerissen und das völlig -er- ttümmerte Fahrrad des Toten noch mehrere hundert Meter wett auf dem Kühler feines Wagen; mit geschleift. Der Mann hat trotzdem seine Fahrt, unbekümmert um das Schicksal des auf der Landstraße liegenden Verunglückten, fortgesetzt, sich also einer besonders krassen Fahrerflucht schuldig ge macht. Er ist gestern festgenommen worden iN wird heute dem Amtsgericht in Ulrichstein vorgeführt, anschließend in das Gerichtsgefängnis in Gießen eingeliefert werden.
Landkreis Gießen
4- Steinbach, 20. Nov. Heute feierte Frau Katharine Elifabethe Fink Wwe., geb. Balser, ihren 8 4. Geburtstag. Frau Fink ist geistig j noch sehr regsam und lieft täglich ihre Zeitung. Wir gratulieren der Jubilarin herzlich..
)—( Ruppertsburg, 20.Nov. Die in diesen Tagen hier und in der Zelle Gonterskirchen durch, geführte Löffelspende der NS-Frauen- schäft hatte ein recht schönes Ergebnis. Es gingen ein 32 kg Mehl, 15,5 kg Zucker und 5 kg Fett.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 21. Nov. (Vorbericht.) Es kosteten: Ochsen 36 bis 46,50 RM., Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 20 bis 44,50, Färsen 34,50 bis 45,50, Kälber 30 bis 74, Hämmel 20 bis 51, Schafe 18 bis 44, Schweine 50 bis 58 RM. Marktverkauf alles zugeteilt.
Zugendfußball.
Jgv. Tv. Allendorf — Jgv. Tv. Heuchelheim 2d.
Zu einem schönen Schülerspiel kam es am Sonntag in Allendorf. Die Gäste waren körperlich zwar schwächer, zeigten aber durch ihr schönes Zusammenspiel eine gewisse Ueberlegenheit. Das Rüchpiel findet am kommenden Sonntag in Heuchelheim statt
„Ein Glück, Nuschka", rief Peter, der, schon wieder zurück, die letzten Worte gehört hatte. „Glaub mir, du würdest es nie überwinden, eine Laufbahn, dic so glänzend angefangen hat, aufgegeben zu haben noch ehe sie richtig begonnen hat. Das Heimweh nachher Kunst würde dir das Herz abdrücken."
„Wer liebt, kennt kein Heimweh, Peter!"
„Hach, du kleine Sentimentale. Du würdest nicht nur Heimweh nach der Kunst bekommen, fonbern auch Heimweh nach Deutschland. Ich würde dir raten, zu tanzen, zu tanzen, Anita, bis du keine Lust mehr hast. Dann würde ich an deiner Stelle einen Mann in leitender Stellung, sagen wir zM Beispiel den stellvertretenden Direktor einer Pub- dingpulverfabrik heiraten."
Anita schüttelte lachend den Kopf: „Du gibst dir Hoffnung nicht auf, Peter."
„Wer etwas aufgibt, hat schon verloren."
Anita legte chre Hand auf Peters Rechte: „Du bist der liebste Kerl, dem ich je begegnet bin, Peter 3d) wollte, ich hätte etwas von deiner Energie und deinem geradezu Häuser umwerfenden Glauben."
„Ich würde mich freuen, wenn du dich endlich nach dieser Richtung hin entscheiden würdest", sagte Dera Verries. „Für mein Gefühl wäre es die rich' tige Entscheidung. Aber du mußt sie selbst finden."
„Ein Herr ist in der Halle und wartet auf Frau- lein Silesen", meldete der Page; „ein Herr Leutnant Schmitterlöf."
Anita war rot geworden, dann verfiel sie in platz' liehe Blässe.
„Erik", sagte sie. „Mein Gott, er ist nun doch zurückgekommen."
„Anita, mach keine Dummheiten", warnte Peter.
„Lassen Sie", flüsterte Dera Verries ihm zu. „Sie soll ganz allein entscheiden."
„Ich denke, sie hat schon entschieden?" sagte Arne Ohlsen.
(Schluß folgt!)


