schaffner a. D. Ludwig Groh, Gnauthstraße 7 wohnhaft, in bester Frische seinen 75. Geburtstag. Dem Jubilar, der durch seinen früheren Dienst als Postbeamter und auch als ehemaliger 116er in weiten Bevölkerungskreisen bekannt und beliebt ist, gelten auch unsere Glückwünsche zu seinem heutigen Geburtstage
** Kriegsauszeichnung. Der 19jährige Gefreite Theodor Gilbert, Bergstraße 30 wohnhaft, in einer Panzerjäger-Abteilung, erhielt für Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz 2 Kl und das Derwundeten-Abzeichen.
** Gin kleiner Dach st uhlbrand entstand am gestrigen Sonntag früh morgens gegen 4 Uhr in dem kleinen Bau einer Trockenkammer der Firma W e l l h ö f e r in der Marburger Straße. Die sofort eingreifende Feuerwache konnte den kleinen Brand durch energische Bekämpfung bald lokalisieren und damit weiteren Schaden verhüten. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.
Aus der engeren Heimat.
Ein Mann tot aufgefunden.
In dem Autounterstellraum neben einer Jagdhütte in der Gemarkung Echzell (Wetterau) wurde am gestrigen Sonntagnachmittag ein Mann erschossen aufgefunden. Dem Toten lag das Gewehr zwischen den Beinen. Die Jagdhütte gehört einem Frankfurter Jagdpächter. Wer der Tote ist und welche Todesursache in Betracht kommt, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Die Ermittlungen sind heute früh noch im Gange.
Landkreis Gießen
= Lich, 20. Oktober. Metzgermeister Hermann Rau von hier, seit Kriegsbeginn Unteroffizier in einem Infanterie-Regiment, wurde für „persönliches tapferes Verhalten und für den kühnen Angriffsgeist seiner gesamten Gruppe" in den Kämpfen vor Dury das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Der Ausgezeichnete wurde in diesen Kämpfen verwundet und befindet sich nach längerer Lazarettbehandlung zur Zeit beim Ersatztruppenteil.
Abwartende Börse.
Frankfurt a. M., 18. Okt. Die Börsenlage ist in dem letzten Berichtszeitraum etwas undurchsichtig geworden. Die Anlagesuchenden sahen sich veranlaßt, angesichts der stark auf- und abschwellenden Kursbewegungen und im Hinblick auf die dadurch ausgelösten Erörterungen sich eingehender mit dem gegenwärtigen Kursstand und der Rendite zu^ befassen, unb sie gingen vielfach zu Realisationen über. Die in der letzten Zeit am Aktienmarkt überaus stark erhöhten Werte gaben daher mehrprozentig nach, zumal auch die Kulisse zu Abgaben schritt. Aber auch zu dem ermäßigten Niveau zeigte man vielfach keine größere Unternehmungslust mehr, und da auch die Aufnahmewilligkeit nachgelassen hat, kam es im Wochenverlauf überwiegend zu weiteren Kursabbröcklungen. Betroffen wurden so gut wie alle Märkte. Weniger stark wurden Montanwerte berührt, die an und für sich schon seit Monaten eine stabilere Entwicklung zeigten. Rückläufig waren vor allem Bauaktien, Chemiewerte, Elektroaktien. Eine Sonderbewegung hatten Autowerte. Ein Dementi der Adlerverwaltung, wonach keine Kapitalerhöhung beabsichtigt sei, löste einen scharfen Rückschlag in diesem Papier aus, bei Daimler wurde die Kapitalerhöhung inzwischen bekannt, so daß der Kurs auf leicht ermäßigter Basis sich gut halten konnte, auch bei BMW. ergaben sich keine größeren Veränderungen. Auffallend ist die Bewegung bei Scheideanstaltaktien, die sich bei 275 bis 276,5 hielten und von der Gesamtstimmung kaum beeinflußt wurden.
Am Rentenmarkt sind die 4-v. H.-Reichsschätze von 1940 Folge 6 ziemlich ausverkauft, so daß das Interesse sich mehr den 4,5-v. H.-Papieren zuwendet, in denen größeres Material angeboten wird. Bei Pfandbriefen gelangten erstmals 4-v. H- Emissionen der Pfälzischen Hypothekenbank zur Notiz, die Erstnotiz stellte sich für 4-v. H.-Pfandbriefe aus 99L, für 4-v. H.-Kommunalobligationen 99,25 v H. Die 4,5-v. H.-Emissionen waren wiederum überwiegend wegen Materialmangels gestrichen Geld. Das an diesem Markt herauskommende Material ist nicht nennenswert, während die Nachfrage unvermindert stark ist. Jndustrieobligationen lagen meist uneinheitlich bei kaum größerem Geschäftsumfang. In Staotanleihen gaben die Kurse eher noch leicht nach.
Im Freiverkehr wurden Kupferberg Sekt mit zirka 150 genannt, die Kapitalerhöhung wird nunmehr durchgeführt. Frankfurter Handelsbank- aktien taxierte man zuletzt mit zirka 90 nach 72.
9 Jt.-tfpari
Festlegung der Winterarbeit beim Fachamt Leichtathletik.
In einer Arbeitstagung der Dereins-Uebungs- leiter am gestrigen Sonntag, die unter der Leitung des Bezirksfachwartes für Leichtathletik Himmel- m a n n stann, wurden die Pläne für die kommende Arbeit in der Leichtathletik festgelegt. Im Mittel- iunkt der zur Besprechung stehenden Punkte stand >ie Winterarbeit.
Zu Beginn begrüßte der Bezirksfachwart für Leichtathletik die Lehrgangsteilnehmer und wies in seinen Einleitungsworten darauf hin, daß zur För- derung der Leichtathletik in unserem Bezirk die Arbeit mit größter Intensität durchgeführt werden müsse. Dazu sei in besonderem Maße eine gute und planmäßige Winterarbeit notwendig. Es konnte alsdann die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß die hierzu notwendigen Uebungshallen überall zur Verfügung stehen. In engster Zusam- menarbeit mit der Partei, der Hitler-Jugend und dem BDM. wird es möglich sein, den Uebungsbe- trieb alsbald aufzunehmen.
Eng verbunden mit der Winterarbeit wird die
Lehrgangstätigkeit sein. Es wurde festgelegt, daß bereits im November ein praktischer Lehrgang für die Dereins-Uebungsleiter in einer Halle durchgeführt wird. Don diesem ausgehend werden alsdann in den einzelnen Kreisen Üebungsstunden in den Vereinen ab gehalten. Damit wird es dann möglich sein, für alle Vereine — insbesondere die ländlichen — einen festgefügten Arbeitsplan zur Durch- führung kommen zu taffen.
Während der Winterarbeit soll aber der Wettkampf nicht ganz vergessen werden. Durch das Fachamt Leichtathletik werden im bevorstehenden Winter zwei große Hallensportfeste durchgeführt. Dazu kommen die vom VfB.-R. Gießen in Aussicht genommenen monatlichen Hallenveranstaltungen, so daß auch dem leistungssteigernden Wettkampf hinreichend Rechnung getragen wird. Eine weitere Förderung wird die Leichtathletik in unserem Bezirk dadurch erhalten, daß in Gießen Lehrgänge für die besten Werfer und Stoßer aus dem Bereichsgebiet durchgeführt werden.
Abschließend wurde über Wettkampfbestimmungen und Kampftichterftagen gesprochen. Eine allgemeine Aussprache beschloß die Arbeitstagung.
10 Tore in München.
Länderkampf Deutschland - Bulgarien 7:3 (3:2).
Der dritte Fußballänderkampf zwischen Deutschland und Bulgarien, der am Sonntag vor über 30 000 Besuchern in München vor sich ging, wurde von Deutschland mit 7:3 (3:2) Toren siegreich gestaltet. Die deutsche Elf zeigte sich ihrem Gegner spielerisch eindeutig überlegen, was dann auch in einer klaren Trefferspanne seinen Ausdruck fand. Die deutsche Abwehr war zwar nicht ganz frei von Schwächen, aber insgesamt hat sie doch ihre Sache aut gemacht. Als sehr schußfreudig und durchschlagskräftig erwies sich der deutsche Sturm, und hier war es vor allem der Stuttgarter Conen, der sich mächtig einsetzte und mit vier Treffern Deutschlands erfolgreichster Torschütze war. Die bulgarischen Gäste kämpften mit großem Einsatz und nutzten
einige gut herausgespielle Torgelegenheiten geschickt aus. In der zweiten Hälfte hatten die Gäste zeitweise nur neun und zehn Spieler im Feld, was auf das Endergebnis sicher nicht ohne Einfluß war.
Den Torreigen eröffnete nach 12 Minuten Gärtner, dann hatte Kupfer mit einem Bombenschuß aus dem Hinterhalt Erfolg, und schließlich verwandelte Conen einen Handelfmeter zum 3:0. Ueberraschend kamen die Gäste durch Nantoff und Angeloff bis zum Seitenwechsel zu zwei Gegentoren. Nach der Pause schraubte Conen durch drei Prachttore das Ergebnis auf 6:2, ehe die Gäste durch Angeloff einen dritten Gegentreffer anbringen konnten. Den Torreigen beschloß dann Lehner mit einem siebten deutschen Treffer. — Schiedsrichter war der Ungar Kiß.
Der gestrige Handballionntag.
Die Ergebnisse der pflichtipiele.
Verelchsklosse
Tv. Dornholzhausen — Tv. Hörnsheim 10:3 (4:3) Tv. Lützellinden — Tv. Katzenfurt 4:4 (2:3) Tv. Hochelheim — Tv. Kirchgöns 11:6 (5:3) Tv. Garbenheim — Mtv. Gießen kpfl. f. Garbenheim
Bei Halbzett war das Spiel in Dornholzhausen noch keineswegs entschieden. Es gab auf beiden Seiten recht gefällige ßeiftnmgen, die den Spielausgang vollkommen offen erscheinen ließen. Nach der Pause änderte sich das Bild grundlegend. Hörnsheim ließ stark nach, während Dornholzhausen zur Hochform auflief.
Lützellinden versäumte es wieder einmal, einen ordnungsgemäßen Spielbericht durchzusagen, so daß nur das Spielergebnis gebracht werden kann.
Trotzdem Hochelheim nicht in der Form des Dorsonntages spielte und die Arbeit der einzelnen Mannschaftsteile — besonders des Sturmes — Mängel aufwies, langte der Einsatz zu einem Sieg, der allerdings nicht zuletzt dem Umstand zuzuschreiben ist, daß Kirchgöns durch sein übertriebenes Jnnen- spiel viel von seiner sonstigen Durchschlagskraft ein- büßte. Im übrigen muß gesagt werden, daß die gegnerische Hintermannschaft der beste Teil der Einheit war und immer wieder rettend eingriff.
Mtv. Gießen leistete sich den Scherz und trat nur mit 7 Spielern an. Es ist nun schon der zweite Fall, der Garbenheim — beidemal gegen Gießen — ohne Spiel ließ.
L unb IL Klasse.
Tv. Wetzlar — Tuspo W.-Niedergirmes 9:5 (5:3) Tv. Krofdorf — (Brüninaen 9:7 (3:6)
Tv. Garbenheim II — Tv. Nauborn 3:6 (1:3)
Tv. Lich — Tv. Beuern 11:5 (5:2)
Tv. Großen-Linden — To. Lang-Göns kpfl. f. L. In Wetzlar gab es ein Lokaltreffen, an dem alles
dran war. Beide Mannschaften spielten in Hochform und haben durch ihre Spielweise den Grundstock für eine wettere Aufwärtsentwicklung des Spieles in Wetzlar gelegt.
Grüningen brach — an einer Schiedsrichterentscheidung Anstoß nehmend — das Spiel kurz vor Schluß unter Protest ab. Die Bezirksspielleitung wird in einer Verhandlung die Gründe klären müssen.
Nauborn gewann in Garbenheim verdient.
Lich ist im Kommen. Das mußte diesmal auch Beuern erleben. Auf jedep Fall war die Mannschaft gegenüber ihren sonstigen Leistungen nicht wieder zu erkennen, und sie gewann, wie sie wollte.
Tv. Hochelheim erhielt die Ehrennadel des 7ISNL.
Im Auftrage der Bereichsführung überreichte der Leiter des Fachamtes Handball im Bezirk Gießen, L u h, in einer kurzen Feierstunde 14 Handballern des Tv. Hochelheim die Ehrennadel in Bronze. Die Verleihung ist erfolgt aus Grund der Verdienste, die sich die Einheit bei den Spielen des letzten Jahres erworben hat.
In grundlegenden Ausführungen ließ Bezirks- achwart Luh noch einmal die einzelnen Veran- taltungen vor den Augen der Anwesenden erstehen, prach von der Kameradschaft, die die Mannschaft groß gemacht hat, und dankte den Vereinsmitglie- dern im allgemeinen, sowie den örtlichen Stellen (Ortsgruppenleiter und Bürgermeister) im besonderen für das immer wieder bewiesene Interesse. Ganz besonders hob er die vorbildliche Arbeit des Spielwartes Lang und des Betreuers der Mannschaft, H e d r i ch , yervor. Ihre Arbeit hat, wie fest- aestellt wurde, reiche Früchte getragen, sie fjat sich bewährt und den Beweis erbracht, daß man nur
dort vorwärtskommen kann, wo Männer am Werke sind, die sich ihrer Aufgaben bewußt.wurden.
wntenfiefle im Tschammer-Pokal.
In der IV. Schlußrunde des Tschammerpokal» Wettbewerbes haben sich die Favoriten durchgesetzt, und so werden nun der Pokalverteidiger 1. F C. Nürnberg, der Pokalsieger von 1939 Rapid Wien, der Niederrheinmeister Fortuna Düsseldorf und der Sachsenmeister D r e s d n er S C. am 10. November um den Eintritt in das Endspiel kämpfen. Den eindrucksvollsten Sieg errang wohl Rapid Wien, gelang es doch der „Binder-Elf", den Schalke-Bezwinger Spvg. Fürth mit nicht weniger als 6:1 (2:1) Toren aus dem Rennen zu werfen. Die Ostmärker waren in glänzender Form unb ließen den Fürthern zur Freude der 15 000 Rapid- Anhänger nicht die geringste Chance. Als sehr schuß- freudig erwies sich „Bimbo" Binder, der allein vier von den sechs Treffern erzielte, obwohl sein Gegenspieler Schneider war. — Zahlenmäßig höher als Rnpid gewann der Dresdner SC. in Königsberg gegen den Ostpreußenmeister, nämlich mit 8:0 (3:0) aber man hatte von vornherein mit einem eindeutigen Erfolg der Sachsen gerechnet. — Pokal- meister 1. FC. Nürnberg hatte Mühe, gegen Schwarz- Weiß Essen einen 2:1- (0:1) Sieg sicherzustellen, aber es war doch ein ziemlich einseitiger und auch wenig schöner Kampf, weil die Essener von vornherein ihr Heil in der Verteidigung suchten. — Hart umstritten war der Wuppertaler Kampf zwischen Fortuna unb bem Wiener SC., ben bie Rhein- länber knapp unb glücklich 2:1 (1:0) gewannen. Ohne ben roieber einmal überragenben Janes wären wohl die Fortunen gegen bie im Feld oft tonangebenben Ostmärker gescheitert.
„FE. Teutonia" Wahenborn-Gteinberg
ID.-Steinberg I — DfB.-K. Gießen I 3:1 (2:0). HL-Steinberg 3gb. — Großen-Linden 3gb. 1:1.
Eine ansehnliche Zuschauermenge war gestern auf bem Sportplatz an Der Neumühle Zeuge eines temperamentvollen Spieles. Leiber war der angesetzte Schiri nicht zur Stelle; beide Mannschaften' einigten sich auf Schiri Paul Z i tz e r vom VsB.-R. Gießen. Während die Gäste ihre Mannschaft durch die Urlauber Leutheuser unb Erw. Heß verstärkt hatten, stellten die „Teutonen" folgende Elf: Heß; Schmandt, Fett; O. Burger, Hedrich, L. Buß; Schäfer, Heil, Schmitt, Häuser, Harnisch. Die Platzmannschaft hatte zunächst stets leichte Vorteile im Feldspiel. Sofort wurde der Linksaußen Harnisch eingesetzt, der vom rechten Verteidiger der Gäste zu Fall gebracht wurde. Der Strafstoß brachte nichts ein. Kurze Zeit darauf dasselbe Bild. Wiederum konnte der fällige Strafstoß nicht verwandell werden. Die Hintermannschaft der Teutonen, und hier insbe falbere Fett, schickte mit weiten Vorlagen den Sturm immer roieber gum Angriff nach vorn, boch lediglich zwei Eckbälle waren vorerst die Ausbeute, dis Harnisch mit Schrägschuß Rohm im Tor der Gießener zum ersten Male schlug. In der Folge wurden vom Einheimischen Sturm vier sicher erscheinende Erfolge knapp verschossen. Dann spielten sich Funk unb Heß durch bis in den Strafraum der Teutonen. Hedrich gewann hier den Zweikampf. Der Ball kam vor das Tor der Gäste. Rohm sprang nach dem hohen Ball, aber der Mittelstürmer Schmitt der Watzenborn- Steinberger sprang noch höher unb köpfte zum zweiten Tor ein. Je zwei Ecken auf beiden Seiten wurden abgewehrt, bann pfiff der Schiri zur Pause.
Nach Seitenwechsel kamen die Gießener vorerst etwas besser auf. Der junge Ersatztorhüter der. Steinberger zeigte sich von der besten Seite. Nach zehn Minuten waren sich beide Mannschaften irn Feldspiel gleich, und dem Halblinken Häuser blieb es vorbehalten, eine lange Vorlage am Gästetorhüter vorbei zum 3:0 einzulenken. Funk schoß einen Strafstoß hoch über das Tor. Dann aber kam DfB.-R. zu seinem Tor, und zwar durch Verwand- lung eines Eckballes, vom Linksaußen schön geschossen unb vom Rechtsaußen eingeköpft. Dann hatten bte Teutonen nochmals Glück, als Fett zur Stelle war unb einen Ball, der dem leeren Tor zurollte, noch zum Eckball treten konnte, der dann abgewehrt wurde. In den letzten zehn Minuten des Spieles legte sich Gießen nochmals kräftig ins Geschirr, doch zu weiteren Treffern langte es nicht.
Vorher standen sich die Jugendmannschäften von Watzenborn-Steinberg und Großen-Linden gegenüber, die sich 1:1 trennten. Das Resultat stand bereit s bei Halbzeit fest. Die Jugend der Teutonen hat in letzter Zett etwas an Spielstärke verloren.
3000Kilometer Liebe
Roman von Olly Boehetm
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Das Segel flatterte leicht. Die Bucht von Rcttt- wick mit Der schimmernden Kirchturmkuppel hielt den Wind ab. War Maria nicht tausendmal glück- licher als sie, die vielbeneidete Dera Derries? Heute früh im strahlenden Sonnenglanz hatte sie vor ihrem Toilettentisch das erste graue Haar in ihrem glatten tiefschwarzen Scheitel entdeckt. Dann hatte sie die unbarmherzige Frühlingssonne zu Rate gezogen, und fast selbstquälerisch die winzigen Fältchen um Augen und Mund betrachtet. Der kleinste Hauch von Puder schon deckte sie zu, aber sie waren da, eine kleine schmerzhafte Mahnung. Ihr Körper war noch immer der eines jungen Mädchens, schlank, fast zerbrechlich zart, mit hohen langen Beinen und fester Brust.
Vera lenkte ihr Boot von der Bucht weg in den See hinein. Wie riesengroß und blau war er! Die Ufer verschwommen weit im Horizont. Sie reifte zum erstenmal in Schweden. Ihre Gastspiele hatten sie durch viele Länder geführt. Zuletzt war sie einige Jahre in Amerika gewesen, und Marig schrieb ihr, sie solle doch bald nach Hause kommen. Sie hätte sich inzwischen zwei weitere Babys geleistet, und man sei drauf und dran, Vera in Deutschland zu vergessen. Ja, das Publikum vergaß schnell. Dann hatte sie, ihrem alten Wandertriebe folgend, nach kurzem Aufenthalt in Deutschland plötzlich Lust bekommen, die skandinavische Halbinsel kennenzulernen. Es war ein leichtes, den Sommerurlaub mit ein paar Gastspielen zu ver- binden. In den nächsten Tagen sollte sie in Göteborg tanzen, bann in Stockholm, und anschließend wollte sie weiterfahren durch das Land der vielen Seen und der großen Weiten bis nach Oslo.
Das Segel spannte sich unb riß Dera aus ihren Träumen. Die schwarze Wolke hatte sich zu einem ganzen Heer von Tintenfischen vergrößert unb stand drohend am blauen Himmel. Vera dachte Daran, zu wenden, da riß eine Bö bas Boot herum. Mit knapper Not entging sie einer Halse. Jetzt gab es nur noch eins: auf unb davon mit
bem Wind. Der See würbe langsam schwarz. Die Wolke stand wie von unsichtbaren Häfiden festgehalten über bem Wasser, unb peitschte nur hin und roieber einen heimtückischen Winbstoß über ben See wie ein Riese, der erst ein bißchen tändeln will, ehe er sein Spielzeug zerbricht.
Plötzlich stand dieser Wind auch still, unb bas schwarze Wasser schwieg wie in heimlicher Erwartung. Die Ufer waren weggewischt. Es gab nichts als ben bunklen glasglatten See, unb ben zornigen Himmel, ber in verzauberter Lautlosigkeit wartete. Dos Segel würbe schlaff, als hätte es keine Lust mehr, bas Boot vorwärtszubringen. Eine seltsame Angst stteg aus bem Wasser und griff ber Frau ans Herz. War sie wahnsinnig geworden, allein auf den See hinauszusegeln, der als gefährlich bekannt war, dessen Ufer sich am Horizont verloren, der weit war wie das Meer und einsam wie das Ende ber Welt?
Vera hatte noch nie in ihrem Leben eine so atemraubenbe Angst empfunben wie bieses Grauen, das aus ber Tiefe bes Wassers stieg. Der samtene Wolkenteppich wurde immer dichter. Plötzlich zerriß ihn ein Blitz, und mit dem Donner wachte der Sturm auf. Er trieb die Wellen vor sich her wie eine fliehende Lämmerherbe. Er brach so plötzlich los, baß Vera ihn förmlich heranbrausen sah, wie er mit roütenbem Atem die Wellen zu Schaum kräusefte. Gleich würbe bie weiße Herde bas Boot hochheben unb den Mast zerbrechen.
Sie konnte nicht mehr meiterbenfen. Mit einem Schlage jagte das Boot davon. Vielleicht kam jetzt bas Ende. Sie buchte schattenhaft baran, baß man sie vor felsigen Küsten gewarnt hatte. Auch vor Strubeln unb Strömungen, bie wie unterirdische Hänbe bas Boot festhietten. Wenn sie kenterte — an Laub zu schwimmen war unmöalich. Es waren vielleicht Stunden bis zur Küste. Gischt schlug ihr ins Gesicht, und wieder zerriß ein Blitz den Himmel, Die Gedanken jagten sich in ihrem Kopfe. Das war bas Enbe! Dera Derries ertrank im Siljansee. Sie hinterließ keine Lücke, keine trosllose Trauer, feinen Mann, kein Kinb, nur etti paar Zeitungsnotizen unb einen schon etwas verblaßten Namen. In ihre Villa mürbe Maria ziehen mit ihrem Mann unb ihren Kindern. Sie brauchte bas Haus mit bem schonen Garten viel nötiger als Vera, die stets auf Reisen war.
Der Donner grollte tief über dem See. Dera würbe plötzlich ganz kühl. Sie sah ihrem Untergang zu mit einem kalten, fremden Entsetzen, das an Gefühllosigkeit grenzte. Ein paar Möwen flogen kreischend mit dem Winb, schrille Gesellschafter auf der Fahrt in bie Tiefe. Der blaue, lachende See hatte sich in einen Hexenkessel verwandelt. Regenböen prasselten nieber und verbanden Himmel und See mit einem undurchsichtigen Wasservorhang.
Das Ende — wann kam das Ende? Vera wünschte es faft Nur irgend ein Ende dieser entsetzlichen, willenlosen Fahrt ins Graue, Unbekannte. Plötzlich wuchs eine Steinmafse vor ihr auf. Sie riß mit letzter Kraft das Steuer herum. Ein dumpfes Krachen, das Doot splitterte, das Wasser zog sie hinab. Hände griffen nach ihr. Der Wassermann, dachte sie, unb ihre erlöschenden Sinne streiften noch traumhaft das Reich ihrer Kindheit, ehe sie in bie tiefe Bewußtlosigkeit glitt.
Der scharfe Geruch von Tran weckte sie aus ihrer Ohnmacht. Sie öffnete bie Augen und fand sich in einem sauberen Bauernbett. Dor ihn in ber Holz. Hütte ftanb ein Mann unb briet Fische. Der röte Feuerschein überlebte fein blondes, von wilden Bartstoppeln umwuchertes Gesicht, während er mit kräftigen Armen die Pfanne hochhob unb die Fische mit geradezu artistischem Schwung herumwarf. Vera schloß bie Augen. Vermutlich träume ich, dachte sie und blinzelte wieder, aber das seltsame Bild wich nicht.
„Hallo, Herr Robinson Krusoe", sagte Dera und hob den Kopf, in dem' es summte wie rauschendes Wasser, „sagen Sie mir bitte —"
Der Mann setzte die Pfanne beiseite und kam näher. Seine kühlen blauen Augen musterten Dera.
„Ach, eine Deutsche", sagte er. „Natürlich! Wer ben See kennt, macht nicht biete Dummheiten, bei solchem Wetter zu segeln."
„Verzeihen Sie", sagte Vera oerrounbert.
„Nein, das kann ich »richt verzeihen", erwiderte er langsam. „Ohne Sie hätte er angebissen."
„Wer denn?" Vera setzte sich im Bett auf. Sie wurde blutrot. Ihre nassen Kleider hingen über dem Herd Sie selbst war in eine Decke gewickelt.
„Der Rektor."
Vera würbe blaß vor Schreck. War sie von einem Berrückten aufgefischt worben?
„Wer?" stammelte sie hilflos.
„Der Rektor, ber größte unb schlauste Hecht vom Siljansee. Seit Wochen warte ich auf ihn. Jetzt endlich bei Gewitter kommt er, zuckt an der Angel — ja — zuckt — wissen Sie, was das heißt?"
„Nein!"
„Natürlich nicht! Da müssen ausgerechnet Sie da- zwischenkommen und mit Ihrem Boot am Felsen kentern. Was glauben Sie, was der Rektor für einen Schreck bekommen hat! Der läßt sich jetzt min- bestens drei Wochen nicht mehr blicken."
„Ach, ich fange an zu begreifen. Sie sind Angler —"
„Erraten! Und Sie sind eine abenteuerliche Dame. Aber da wird nichts draus! Wenn Ihre Kleider trocken sind, rudre ich Sie zurück." Unb mit plötzlich auffeimenbem Aerger: „Wo kommen Sie eigentlich her?"
„Von Leksanb!"
„Nicht möglich! Da sink» Sie bei bem Wetter quer über den Siljan gesegelt?"
„Unfreiwillig!"
Der Mann sah sie kopfschüttelnd an, bann ging er zum Herd und füllte einen Teller Suppe auf.
„Echte Bouillonbaisse", sagte er. „Originalrezepte aus der ßaftabie in Marseille."
„Sie sind Deutscher?"
„Zur Hälfte. Außerdem bin ich ein bißchen durch bie Welt gebummelt. Wollen Sie nicht aufstehen?"
„Aber meine Kleider?"
. „Ja, warten Sie mal." Er holte eine Hose unb ein großkariertes Hemd aus einem kleinen Neben- raum. „So, ziehen Sie das mal an!"
Vera wickelte sich aus der Decke, setzte sich auf und verzog schmerzhaft das Gesicht. Der Monn drehte ihr den Rucken zu unb rührte sich nicht. Sie zog bie Beinkleider an, dicke blaue Fischerhosen, unb ein gewürfeltes Hemd.
,Zch fürchte, ich habe mich verletzt", sagte sie leise. Der Mann wandte sich um: „Das fehlte gerade noch. Wissen Sie, daß roir hier ein paar Meilen vom nächsten Dorf ab sind?" Vera rieb sich bas schmerzende _ Dein. Der Fremde trat auf sie zu, stützte sie, führte sie an den Kamin und rückte ihr einen Stuhl ans Feuer.
„So, essen Sie erst einmal was", dann werden wir weiter sehen."
(Fortsetzung folgt)


