Ausgabe 
21.8.1940
 
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Im Monat August bieten wir siebentägigen

Ferienaufenthalt

jeweils von Samstag zu Samstag im Kreis Schotten.

Teilnehmerpreis 22 RM. (ohne Fahrt).

Nächster Aufenthalt in der Zeit vom 24. bis 31. August 1940. Anmeldungen sofort erbeten in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60. 3727D

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Wir weisen nochmals darauf hin, daß am Mitt­woch. dem 21. August 1940, von 16 bis 18 Uhr und von 20 bis 22 Uhr, ein Lehrgang 3731D

Entfaflungsverfahren und Marmeladekochen"

in der Lehrküche des Deutschen Frauenwerkes, Gie­ßen, Lindenplatz 11, durchgeführt wird. Die Teil­nahme ist für Hausgehilfinnen kostenlos, für Haus­frauen ist ein Unkostenbeitrag von 0,50 RM. zu zahlen.

Die Anmeldung ist auf der DAF.-Kreiswaltung Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 4, oder bei Beginn des Lehrgangs um 16 oder 20 Uhr in der Lehrküche abzugeben.

Giehen-Wieseck.

daß er schwere Schnittwunden an einem Arm da­vontrug. Die Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes verbrachte ihn nach der Chirurgischen Klinik.

Strafkammer Gießen.

Der W. W. in Butzbach, z.Zt. in Untersuchungs­haft, war der Unterschlagung und Urkundenfälschung beschuldigt. Er hatte in den Jahren 1937 und 1938 in Butzbach Wechselfälschungen begangen, wodurch eine Bielefelder Firma um 4000, RM. und eine Dillinger Firm« um etwa 1000, RM. geschädigt wurden. Ferner hat er den Verkaufserlös dreier Radioapparate, die einer Frankfurter Firma ge­hörten, mit etwa 1000, RM., den Verkaufserlös einer Mercedes-Schreibmaschine, die einer Gießener Firma gehörte, mit 280, RM. und den Verkaufs­erlös einer Juwel-Schreibmaschine, einer Kölner Firma gehörig, mit rund 160, RM. sich zu­geeignet. Der Angeklagte war in vollem Umfang geständig. Der Anklagevertreter beantragte eine Ge- samtgefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Mo­naten. Wegen schwerer Urkundenfälschung in drei Fällen und Unterschlagung in fünf Fällen wurde der Angeklagte zu einer Gesamtgefängnis- strafe von zwei Jahren, abzüglich zwei Monate und zwei Wochen Untersuchungshaft, ver­urteilt. StrvErschwerend kamen die einschlägigen Vorstrafen, strafmildernd das umfassende Geständnis in Betracht.

In nichtöffentlicher Sitzung wurde gegen einen Mann und dessen Schwiegertochter in Rüddings- hausen wegen Blutschande verhandelt. Der Mann wurde zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten, die Frau zu einer Gefängnisstrafe von zwei Mo­naten verurteilt.

Amtsgericht Gießen.

Der H. W. in Nidda hatte einen Strafbefehl über zwei Wochen Gefängnis wegen fahrlässiger Körper­verletzung erhallen. Er hatte am 6. Mai mit seinem Lastkraftwagen beim Ueberholen ein Kuhfuhrwerk angefahren, wobei der Lenker und dessen Frau ver­letzt wurden. Der Angeklagte legte gegen den Straf­befehl Einspruch ein, er wurde aber in der Haupt- verhandlung überführt. Mit Rücksicht auf seine Ju­gend und da der Angeklagte nicht vorbestraft ist unb die Verletzungen nicht allzu erheblich waren, erkannte das Gericht, dem Antrag des Anklagever­treters entsprechend, auf eine Geldstrafe von fünfzig Reichsmark, Hilfsweise zehn Tage Gefängnis.

Frankfurter Schlachtvlehmarkt.

Frankfurt a. M., 21. August. (Dorbericht.) Es kosteten: Kälber 25 bis 59 RM., Hämmel 20 bis 51, Schafe 12 bis 44, Schweine 52 bis 58 RM. Markt­verlauf: Alles zugeteilt.

Oberstleutnant Freiherr v. Kittlitz erhielt für seinen persönlichen tapferen Einsatz und vorzügliche Führung seines Bataillons bei den Kämpfen an der Aisne die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse.

Der von hier stammende Feldwebel S ch o in b e r , der einer Fernaufklärungs-Abteilung angehört und bereits im Feldzug gegen Palen das Eifern« Kreuz II. Klasse erhalten hatte, ist jetzt für seine Tapferkeit bei den Luftkämpfen gegen England mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet worden.

(Siebener Schlachtviehmarkt.

Aus dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Diehversteige- rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 38,5 bis 45,5 Rpf., Bullen 33 bis 43,5, Kühe 17 bis 43,5, Färsen 35 bis 44,5, Kälber 30 bis 57, Hämmel 20 bis 25 Rpf. je V» kg Lebendgewicht, 3 Ziegen, Stück 15,, 20,, 23, RM. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahll: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14 RM., b2 (120 bis 134,5 kg) 1,14 RM., c (90 bis 119,5 kg) 1,12 RM., d (80 bis 89,5 kg) 1,06 RM., ef (unter 80 kg) 1,02 RM., gl (fette Specksauen) 1,14 RM., i (Altschneider) 1,14 RM., g2 (andere Sauen) 1,06 RM., h (Eber) 1,06 RM. Marktverlauf: alles ausverkauft.

** Die Alterskameradschaft 188 9/ 19 3 9 veranstaltete am Sonntag einen Familien- ausflug nach derWellersburg". Dort konnte der Dorsitzende G. Braun eine große Anzahl Kame­raden mit ihren Angehörigen begrüßen. Er gedachte in seiner Ansprache auch der unter den Fahnen stehenden großen Anzahl von Alterskameraden. Bei guter Musik der Kapelle K r e n g e l und bei froher Unterhaltung nahmen die Stunden des Beisammen­seins einen harmonischen Verlaus. Durch eine Sammlung für das Deutsche Rote Kreuz, die einen stattlichen Bettag ergab, bekundeten die Alters- kameraden ihre Verbundenheit mit unseren Soldaten.

* Unfall bei der Arbeit. Der Lager­arbeiter Wilhelm D e ch e r t aus Alten-Buseck stürzte am gestrigen Dienstag gegen Abend an feiner Ar­beitsstätte in Gießen in eine große Glasscheibe. Da­bei fiel der bedauernswerte Mann so unglücklich,

Sezirks-Turn- und Sporttag in Gießen.

Der diesjährige Bezchks-Turn- und Sporttag am 24. und 25. August steht unter dem Geleitwort Ein Volk in Leibesübungen". Die Bezirksführung glaubt, dieses Wort in voller Berechttaung gewählt zu haben, denn der diesjährige Bezirks-Turn- und Sporttag übertrifft in feinem Meldeergebnis alle Erwartungen. Die Meldungen find ein Beweis da­für, daß es für den Sport keine Unterbrechung feiner gestellten Aufgabe gibt. Gerade die Erfah­rungen des letzten Jahres beweisen, was es für den einzelnen und für die Gesamtheit bedeutet, über einen fportgestählten Körper zu verfügen. Die Aus­gabe, möglichst alle Volksgenossen zu Sportaus- übenden zu machen, rückt diesem Ziel immer näher, und die Breitenarbeit hat schon jetzt ihr sichtbares Ergebnis. Trotz aller Schwierigkeiten, die natur­gemäß der Durchführung einer großen Veranstal­tung entgegenstehen, wird diese in einem großen Rahmen durchgeführt werden. Im Rahmen des Turn- mrd Sporttags werden auch die Bezirks- Meisterschaften der Leichtathleten zum Austrag kommen.

Die Veranstaltung wird am Samstagnachmittag durch Kämpfe des Fachamtes Tennis auf den Ten­nisplätzen am Schützenhaus eingeleitet. Am Sonn- tagvormittag um 7 Uhr starten die Radfahrer mll Start und Ziel am Schützenhaus zum 100-Kilo- meter-Fahren. Nach einer Sitzung der Kampfrichter wird um 8.30 Uhr nach dem Aufmarsch der Teil­nehmer auf dem Universitätssportplatz die feierliche Flaggenhiffung erfolgen. Alsdann werden die Kämpfe beginnen. Die Hitler-Jugend und das Jung­volk haben den Sportplatz der Spielvereinigung 1900 als Kampsstätte gewählt, während der BDM. seine Kämpfe auf dem Waldsportplatz austrägt. Die Ausschreibungen der einzelnen Facyämter sind derart mannigfaltig, daß hier im einzelnen nicht darauf eingegangen werden kann. Es sei nur dar­

aus verwiesen, daß bei dem Fachamt Turnen 242 Teilnehmer, bei dem Fachamt Leichtathletik 640, bei dem Fachamt Schwimmen und Radfahren ins­gesamt 79 Teilnehmer gemeldet haben. Auch die Anzahl der Teilnehmer beim Fachamt Tennis ver­bürgt spannende Kämpfe. Im Rahmen der am Sonntagnachmittag durchzuführenden Endkämpfe wird ein Handball- und ein Fußballspiel ausgetra­gen werden. Hochelheim und Garbenheim sind da­zu ausersehen, für den Handballsport werbend an die Oeffentlichkeit zu freien. Mit dem gleichen Ziel wird die Fußballmannschaft Watzenborn-Steinberg kombiniert mit Großen-Buseck gegen die Stadt- rnannschast Gießen spielen. Um 17 Uhr soll als Ausklang des Tages die Siegerehrung stattfinden.

lieber die einzelnen Kämpfe werden die zuständi­gen Fachämter noch eine Vorschau bringen. Allein schon diese Uebersicht beweist, daß, wie überall im Reich, auch im Bezirk Gießen trotz des Krieges die Arbett weitergeht. Man hofft, daß die Bevölkerung des Bezirkes durch zahlreiches Erscheinen zu er­kennen gibt, daß sie nicht nur mit dem Herzen, sondern auch durch die Tat die Bestrebungen des Sportes unterstützt. M.

Ergebnisse der Spiele

um die Kriegserinnerungsplakette

I. Klasse.

Großen-Buseck Steinberg 1:1 (1:1).

Wie schwer es ist, in Großen-Buseck zu Erfolgen zu kommen, mußten nun auch die Teutonen erfahren. Ihre Spielstärke hatten die Platzherren erst am Vor­sonntag unter Beweis gestellt, so daß die Teutonen wußten, daß es nur mit Aufbietung allen Könnens gelingen würde, erfolgreich in Großen-Buseck abzu­schneiden. Der unebene Platz ließ kein flüssiges Spiel Zustandekommen, die Aktionen der Spieler litten sehr darunter. Die Gäste griffen stürmisch an, jedoch war die Verteidigung der Platzherren sehr stark. Die Gegenangriffe blieben ebenfalls erfolglos, das Spiel war verteilt. Nach einer halben Stunde konnte Buß

die Steinberger in Führung bringen, jedoch noch vor der Pause war es Hochstein, der den Ausgleichs­treffer anbringen konnte. Nach der Pause ließ das Spiel an Schnelligkeit nach. Trotz aller Versuche der Teutonen, das Ergebnis zu verbessern, blieben die Angriffe in der guten Hintermannschaft stecken. Die Busecker konnten sich wieder von dem Druck be­freien und gingen ihrerseits zu Angriffen über. Kurz vor Schluß bot sich den Platzherren eine klare Tor­chance, als Höchstem gelegt wurde. Der Strafstoß wurde aber verschossen.

Garbenleich Rodheim 8.2 (1:1).

In Garbenteich war der Schiedsrichter ausgeblic­hen, was aber auf Konto des Platzvereins geht, denn eine Benachrichtigung unterblieb. Das Spiel war sehr schnell, und in der ersten Spielhälfte vollkommen offen. Nach der Pause fielen die Gäste merklich zurück, die Platzherren diktierten das Spielgeschehen und sorgten durch 7 Tore für den ersten Sieg.

II. klaffe.

Steinbach I Grohen-Linden I 10:0 (3:0).

Am Sonntag empfing die Mannfchaft von Stein­bach die Gäste von Großen-Linden. Bereits in der ersten Viertelstunde konnte der Gastgeber dreimal erfolgreich fein. Bis zur Halbzeit leisteten die jungen Spieler harten Widerstand, fo daß bei einem Re­sultat von 3:0 die Seiten gewechselt wurden. In­zwischen war starker Wind aufgetreten, den die Gäste in der zweiten Halbzeit im Rücken hatten. Die Mannschaft der Sportgemeinde hatte aber einen schuß freudigen Tag und setzte sich restlos ein. Be­sonders hervorzuheben ist der Halblinke Karl ®r ö - ß e r. Die übrigen Tore verteilen sich auf den Stür­mer Weber (4 Tore) und Hans Deuker (2 Tore). Beim Stand von 10:0 für die Sportgemeinde er­tönte der Schlußpfiff. Schiedsrichter Gerhard (Annerod) war ein gerechter Leiter.

Dor diesem Spiel trafen sich beide Jugendmann­schaften; auch hier konnten die Jugendspieler der Sportgemeinde einen sicheren Sieg von 3:1 erringen.

Heuchelheim Hungen 5:4 (3:1).

Ein torreiches Treffen lieferten sich beide Mann­schaften. Die Gäste fanden sich zuerst und führten nach kurzer Zeit. Es dauerte geraume Zeit, bis Heuchelheim ausgleichen konnte, dann wurde das Tempo verstärkt, und bis zur Pause konnten sie auf 3:1 erhöhen. Nun machten sich Ermüdungserscheinun­gen bei den Platzherren bemerkbar, die Gäste kamen stark auf, und es gelang ihnen, durch zwei schöne Tore auszugleichen. Das war das Signal für Heu­chelheim, alles aus sich herauszugeben. Der Erfolg blieb nicht aus, zwei weitere Tore waren das Er­gebnis. Hungen raffte sich auf und holte wiederum ein Tor auf. Dramatisch waren die letzten Minuten, wo die Gäste versuchten, wenigstens den Ausgleich zu erzielen; die Platzherren mußten sich heftig zur Wehr setzen, es gelang ihnen auch, dadurch einen knappen Sieg zu buchen.

Iugendfußbatt der Ep.-Vg. 1900.

Spielvereinigung 1900 1. Jugend

gegen Sportverein 1926 Leihgestern 1. Jugend 0:0.

Zu einem Freundschaftsspiel trafen sich am Sonn­tag diese Mannschaften. Das Spiel begann mit flotten Angriffen der Blau-Weißen, die aber an der gegnerischen Verteidigung scheiterten. Die 1900er konnten sogar das Spiel überlegen gestalten, ohne jedoch zu Torerfolgen zu kommen. Nach dem Wechsel hatte der Gegner den Wind zum Bundesgenossen, doch die Ueberlegenheit der Gießener ließ nicht nach. Die schönsten Torgelegenheiten wurden vergeben. So endete der Kampf torlos 0:0. Die Blau-Weißen in der Aufstellung Schmitz, Bötz, Seuling, Dahmer, Weniger, Schänke, Barschel, Seeg, Neuling, Schmück, Dinges, konnten gefallen.

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Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Eine Dame..."

Natürlich! ..."

Also draußen ist eine Dame, die ihn in großer Bedrängnis um augenblickliche Hilfe bittet. Hie ist Sängerin und muß zur Vorstellung in die Oper...

Dietmuthe Röhl", lieft Bergholz auf der Karte. Ein blitzhaftes Erinnern weckt in ihm den Klang einer wundervollen Stimme. Er sieht sich im ver­dunkelten Zuschauerraum, und auf der Bühne kniet eine sehr schöne 2frgthe...

Um ein paar Minuten Geduld lasse ich bitten", sagt er hastig, wendet sich dem Patienten zu, den er in Behandlung hat, und kürzt diese nach Mög­lichkeit ab. Dann öffnet er die Tür zur Diele.

Zwei Damen warten draußen. Sein rasch mu­sternder Mick unterscheidet sogleich die Künftterin von der anderen, der Begleiterin. Er nötigt die beiden ins Zimmer.Wie freundlich von Ihnen, Herr Doktor, sich so rasch meiner anzunehmen", sagt Dietmuthe Röhl.

Er nimmt ihr den Pelzmantel ab. Starf par­fümierte Damen sind ihm fönst wenig angenehm. Heute aber schmeichelt der süß-schwere Duft, der von dem Pelz ausgeht und auch die Primadonna um­weht, seinen Nerven. Ihm ist, als fei plötzlich das ganze Zimmer erhellt von einem Glanz, der von der Frau ausgeht. Er geleitet sie zu dem Opera» ticmSstuhl. Sie nimmt darauf Platz und erzählt ha­bet daß sie vor einer Stunde beim Teetrinken und Gebäckeffen von heftigem Zahnschmerz befallen worden sei, der sich durch nichts beruhigen lasse. Und sie müsse heute abend die Isolde fingen!... Zum erstenmal hier in Berlin... Ob er ahne, was das heiße, was es für sie bedeute? fragt sie den Zahn-

Ahnen? ... Melleicht! Wenn auch den ganzen Umfang dieser Bedeutung au ermessen ihm nicht gegeben sei, entgegnet er bescheiden.

Jetzt beleuchtet das schonungslos grellweife Licht der Arbeitslampe ihr Geficht. Er sieht den zarten Puderschimmer auf der mattweißen Haut, sieht ein vollendet schönes Profil, weichgeschwungene Sippen und ein festes rundes Kinn. Er bittet sie, den Mund au öffnen, und findet an den gepflegten porzellan- harten Zähnen ein paar fehlerhafte Stellen, die aus­gebessert sind. Eine dieser kleinen Füllungen hat sich gelockert, der Nerv ist durch äußere Einwir­kungen gereizt worden. Er betäubt ihn und dichtet die empfindliche Stelle ab.So, gnädige Frau, nun werden Sie Ruhe haben. Der Zahn muß natürlich behandelt werden."

,/Schon fertig?... Wahrhaftig, der Schmerz ist weg!" staunt Dietmuthe Röhl.Sie sind ja ein Zauberdoktor! Ein wirklicher Wohltäter!" ruft sie lachend und steigt vom Stuhl herunter. Er hilft ihr dabei. Seine Hand fühlt die glatte kühle Haut ihres Unterarmes, und ein Rieseln läuft ihm durch alle Nervenbahnen.

Ist es nicht zum Staunen, Kläre? Ich bin be­freit von der gräßlichen Plage!" wendet sich Frau Röhl an ihre wartende Begleiterin.

Gott sei Dank, Dieta!" erwidert diese, sich er­hebend.Und nun müssen wir eilen, es ist die yöchste Zeit!" Damit nimmt sie den Pelzmantel und hilft der Diva hinein, wobei sich Hans Bergholz be­nachteiligt fühlt.

Als sich die Künftterin umwendet, ihm die Hand reicht, sich lebhaft und auf eine strahlend liebens­würdige Weife bedankt für feine sogleich bereite ausgezeichnete Hilfe, ist er entschädigt. Er verbeugt sich mehrmals, sieht in ihre bläulich schimmernden Augen und ärgert sich, weil alles so banal klingt, was er erwidert.

Er begleitet die Damen zur Tür, und hier fragt ihn Frau Röhl, wann sie zur weiteren Behand­lung wiederkommen solle.

Sobald es Ihnen paßt, gnädige Frau! 21ber in Ihrem Interesse möchte ich raten, recht schnell! Melleicht rufen Sie mich vorher an?"

Gut. Nochmals tausend Dank, Herr Doktor! Es tut wirklich keine Spur mehr weh. Nun werde ich heute die Isolde firtgen, daß die Berliner überschäu­men vor Begeisterung! Auf Wiedersehen, Herr Dok­tor!"

Noch einmal grüßt den Arzt ein strahlendes Lä­cheln, em Sprühen der Augen; dann schließt sich die Tür.

Hans Bergholz^Mt ttef auf, wendet sich und geht ein paar föflMu)bleibt in der Zimmermitte stehen, betupft und nimmt die Brille

ab, deren Gläser tn» angelaufen sind. Er putzt sie, lacht leise vor und staunt in sich hinein. Was ist nur heute nut ihm los?... Was sucht er hinter dem höchst alltäglichen Vorgang? ... Eine hübsche, verwöhnte Frau hat seine zahnärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Daß sie der Zauber des Künstlertums umstrahlt, macht aus der Angele­genheit noch keine besondere Sache, denn auch Künstler sind Menschen besonders beim Zahn­arzt...

Nein, er sucht ja nichts. Es ist so seltsam und freudig erregend über ihn gekommen, als fei ihm das Wunder begegnet, worauf er fein Leben lang gewartet hatte.

Völlig verflogen ist fein Mißmut, das dumpfe, halb nur eingestandene Dom-Leben-Enttäuschtsein. In einer leichten Benommenheit arbeitet er weiter bis zum Schluß der Behandlungszeit.

Mit innerem Widerstreben begibt er sich dann nach der Wohnung hinüber. Der kürze Weg ist eine mit jedem Schritt wachsende Ernüchterung. Die Hausangestellte Lina berichtet ihm, feine Frau fei zu ihren Eltern gegangen. Sie lasse ihm sagen, er möchte sie von dort abholen.

Er nickt und setzt sich an den Tisch zu feinem Abendessen; schlingt hinunter, was ihm hingestellt worden ist, feine Gedanken wandern dabei viel­mehr, sie machen Sprünge, vorwärts und rück­wärts ... auch Seitenfprünge ...

Die fleine Begebenheit, die ihn fo plötzlich hin- ausgehoben hatte über den Alltag, aus Verdros­senheit und Plage, sie wollte eben anfangen zu ver- blaffen wie ein Traumerlebnis, das nur noch ein leises Frohgefühl hinterläßt, von dem man nicht weiß, womit und warum es eigentlich Beglückung schenkte.

Mit der Abkehr von der Tagesarbeit war er im Begriff gewesen, es abzutun. Jetzt, beim Alleinsein, beschäfttgt es ihn wieder, erfüllt ihn mit wachsender Unruhe.

Nach beendeter Mahlzeit geht er ins Schlaf­zimmer, öffnet Schränke und Schubladen, rasiert sich und kleidet sich um. Er ist es zwar gewöhnt, daß für solche Fälle ihm seine Frau alles bereittegt, und es ist heute etwas weniger bequem, aber in ihm ist ja plötzlich ein starkes Streben über den Rahmen des Gewohnten hinaus; ist die Sehnsucht, dem Alltag und sich selbst zu entfliehen. Ein Un­genügen an den Gegebenheiten feines Daseins ist wieder wach und ist viel hefttger als bisher. Es wird zum unwiderstehlichen Drange nach dem Un­gewöhnlichen und Ungewissen. Noch ist er sich nicht klar darüber, was er eigentlich beginnen will.Ist ja egal!... Moß einmal hinaus!" murmelt er vor sich hin, während er m den Spiegel starrt und seinen blonden Scheitel dürftet

Dann gibt er dem Mädchen den Auftrag, bei fei­nen Schwiegereltern anzurufen und feiner Frau zu sagen, er könne sie heute nicht abholen, weil er selbst etwas vorhabe.

Zweites Kapitel.

Obwohl die Vorstellung in der Oper längst be­gonnen hat und das Haus ausverkauft ist, hat Bergholz das Glück, eine an der Kasse hinterlegte und nicht abgeholte Karte zu erhalten. Der Schlie­ßer öffnet ihm leise die Tür zu einer Rangloge, deren vordere Sessel besetzt sind. Im Hintergrund ist noch ein freier Platz. Vorsichtig setzt er sich. Durch das verdunkelte Haus braust uns jubelt die Musik Wagners. Isolde und Tristan im nächtlichen Garten jauchzen und Plagen ihre unstillbare Sehn­sucht, ihr himmelstürmendes Glücksverlangen, die höchste Lust, das tieffte Leid ihrer Liebe.

Dietmuthe Röhl ist eine herrliche Isolde. Ihre Stimme hat Glanz und Süße. Sie sieht sehr gut aus mit dem langwallenden Blondhaar und in dem weißen Gewand. Hans Bergholz sieht sie hingege­ben, schmachtend in den Armen des Sängers ihres Tristan und empfindet einen feinen, wol­lüstigen Schmerz. Aber darüber hinaus ist er glück­lich und ganz, von sich selbst befreit. Sein Herz ist wie eine klingende Schale, die den Wohllaut der Stimme Isoldes auffängt.Eine bezaubernde Frau!" flüstert er.

(Fortsetzung folgt.)

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