Ausgabe 
20.11.1940
 
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SJ.-fpori

Jahres-Hauptversammlung -er Gchühengesellschast 1926 Gießen

Geländelauf der HI. in Heuchelheim.

Am Sonntag fand unter Leitung des Führers der Hitler-Jugend Heuchelheim, Scharführer Hans Neidel, der diesjährige Herbstgeländelauf statt. Scharführer Neidel wies in einer kurzen An­sprache auf den Sinn des Geländelaufes hin und betonte, daß im Winter noch mehrere derartige Veranstaltungen folgen werden.

Etwa 50 Hitlerjungen starteten in 2 Klassen, Jahr­gang 23/24 3000 Meter, Jahrgang 25/26 etwa 2200 Meter. Start und Ziel war der Sportplatz Heuckel- heim. Die Strecke war gut ausgesucht. In beiden Klassen gab es spannende Kämpfe. Die beiden Ver­treter des Jungvolks, Fähnleinführer Hans Rinn und Iungzugtührer Gert Herzberger, waren ihren Kameraden aus der HI. klar überlegen. Um die weiteren Plätze wurde bis zu den letzten Metern gekämpft. Die erzielten Zeiten sind in Anbetracht der teilweise schweren Strecke als gut zu bezeichnen. Ergebnisse:

Jahrgang 23/24 , 3000 Meter: 1. Fähn- leinlührer Hans Rinn 9,34 Min.; 2. Igg. Ludwig Hofmann 10:10,5 Min.: 3. Igg. Werner Kreiling 10,31 Min.: 4. Igg. Karl Gernandt 10,36 Min.; 5 Igg. Emil Lub 10-36,2 Min.: 6. Komeradschaftsf. Walter Will 10,42 Min.

Jahrgang 25/26, etwa 2200 Meter: 1. Iungzugf. Gert Herzberger 8,02 Min.: 2. Igg. Kart Hofmann 8,07 Min. 3. Igg. Ernst Rinn 8,12 Min.-, 4. Igg. K. H. Kreuter 8-12,1 Min.: 5. Igg. Hans Hokmann 8,15 Min.: 6. Kameradschaftsführer Günther Wobker 8,17 Min.

Mit der Verlesung der Sieger durch ScharMrer Neidel wurde der erste Geländelauf der Hitler- Jugend Heuchelheim beendet.

Entscheidung im Faustball.

Das Schlußspiel im Faustball, das nach dem Punktgleichstand von Pouzeidirektton und Bezirks- sparkasse notwendig geworden war, brachte, wie vorausgesehen, einen sehr ausgeglichenen Kampf,

dessen verhältnismäßig niedriges Punktergebnis auch den Leistungsfortjchrltt widerspiegelt, der im Laufe der Spielzeit erzielt wurde. In der ersten Spielhälfte lagen die Bankleute stets leicht in Füh­rung und sicherten sich beim Wechsel einen Vor­sprung von zwei Punkten, der jedoch in der zweiten Halbzeit bald dahinschwand. Die Polizei drehte nun den Spieß um, lag zeitweilig bis zu vier Punkten dem Gegner voraus und schien nach allem auf dem besten Wege, das Spiel zu gewinnen. Doch wie vor dem Schlußpfiff noch nie ein Spiel ge­wonnen war, so war auch hier bei einer geringen Unachtsamkeit der Vorsprung im Nu dahin, und als beim Stand 27:28 wenige Sekunden vor Schluß der Ball nicht mehr in die Hälfte des Gegners ge­bracht werden konnte, war der Gleichstand erreicht. In der Verlängerung brachte die Bezirkssparkasse, die nun wieder besser ins Spiel kam, noch acht Treffer an, denen die Polizei nur vier entgegen­setzen konnte. Sieger nach gleichwertigen Leistungen also Bezirkssparkasse.

Die mit diesem Spiel nun abgeschlossene Wett­spielreihe von Behörden- und Betrlebsmannschaften, Die vom NSRL.-Fachomt Turnen angeregt und be­aufsichtigt wurde, verfolgte einmal den Zweck, für das Faustballspiel allgemein zu werben, zum an­deren sollte zum Wettspielbetrieb angeregt werden, der ja stärkere Impulse zur Leistungssteigerung ver- mittelt als der reine Uebungsbetrieb. Beide Ziele dürften in dieser Spielzeit erreicht worden sein, und der NSRL. erwartet daraus für das kommende Jahr einen weiteren Aufschwung seiner Spielreihen.

Lehrgänge im ffrauenhandball.

Die umfangreiche Lehrgangsarbeit, die das Fach- amt Handball feit geraumer Zeit entfaltet, wird nunmehr in verstärktem Maße auch auf das Ge­biet des Frauenhandballs ausgedehnt. Die Mädels, die sich erfreulicherweise stark für den neuen Zwerg der Leibesübungen interessieren, sollen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch für die kommen. den Ereignisse auf den Plätzen vorbereitet werden.

Lereinsführer und Gründer der Schützengesellschaft 1926 entgegengebrachte Vertrauen niederlegte. Dos älteste anwesende Mitglied Ludwig Haas brachte auf einstimmigen Beschluß den seitherigen Vereins- führer Ed. G o n d n e r wieder in Vorschlag, der die Neuwahl annahm. Allerdings bedarf diese noch der Bestätigung der höheren Instanzen.

Der wieoergewähUe Dereinsführer Ed. Gond- n e r dankte der Versammlung für das erneut be­wiesene Vertrauen und bat, da er jetzt als Vereins- führer, Unterkretsschützenführer und Kreisschützen­führer insgesamt 86 Schützenoereine der Kreise Als­feld, Gießen, Dillenburg, Wetzlar und Wetzlar-Nord zu betreuen habe, auch weiterhin um die Unter­stützung durch seine altbewährten treuen Mitarbeiter. Hierauf bestimmte er seinen Beirat: Kamerad Heinz H e r r ö b e r als stellvertretenden Vereins- führer. Während seiner vorübergehenden Abwesen­heit beim Heeresdienst übernimmt Kamerad Herrn. Thomas die Stelle des stellvertretenden Vereins- führers kommissarisch: die Kameraden Willy Becker als Kassierer, Konrad Becker als Ober- schützenmeister und Schießleiter, Fritz D e w a l d als Platzmeister, Herrn. Thomas als Beirat in Ver. sicherungsangeleaenheiten, Heinrich Balzer als Dietwart, Ludwig Schneider als Protokollführer und Inventarverwalter, Heinrich Blum als Jung- schützenmeister. Dem Schießausschuß gehören an: Der Schießleiter Konrad Becker, der Schießleiter Heinrich Blum, der Platzmeister Fritz D e w a l d , der Inventarverwalter Ludwig Schneider. Dem Aeltestenrat gehören an: außer dem Dereinsführer nnb seinem Stellvertreter die Kameraden L. Haas, Konr. Becker und L. Schneider Dem Dernnü- gungsausschuß gehören an: der Kassierer Willy Becker, der Platzmeister Fritz D e w a l d , Karne- rnb Hcb. Ruhl. Kamerad Henn Gebauer, Kamerad Erich Beyer. Vorsitzender bei allen Aus. schüssen ist stets der Dereinsführer. Als Kaffen- Prüfer Für die nächsten 2 Jahre wurden die bewähr, ten Kräfte Fritz Burk und Karl Kraft qewählt.

Die neuen Satzungen wurden dann verlesen und einstimmig angenommen. Bei der Auslosung von Anteilscheinen wurden ausgelost die Anteilscheine Nr. 3, 32, 45, 48, 82, 102, 169, 178, 180, 181, 284, 297, 316, 402, 407 und 409.

Es ist geplant, im Frühjahr auch im Frauenhand, ball Pflichtspiele zu starten. Dazu gehört aber, daß zunächst die notwendigen Doraussetzungen gesckaf« fen werden. Denn es ist nicht damit getan, daß überall Mannschaften ins Leben gerufen werden. Wichtig ist vielmehr, ihren Bestand zu sichern und vor allen Dingen die Kinderkrankheiten, mit denen man auch hier rechnen muß, von vornherein aus- zumerzen. Das aber kann, wie die Erfahrung lehrt, nur durch intensive und planmäßige Schulung ge. chehen, die sich über eine Reihe von Monaten er. streckt. Sie umfaßt zunächst die Einführung in die Handballregeln, dann in erhöhtem Maße dte prak. tischen Spielvorgänge. r v

In die Lehrgangsarbeit greift im Laufe des Mo. nats Januar n. I. u. a. auch die Bereichsfachwartin ein. Weitere Referate sind in Vorbereitung. Die örtliche Leitung und die vorausgehenden Befpre- chungen übernehmen der Bezirksfachwart für Hand- ball im Bezirk Gießen, Luh, und der Obmann für Frauenhandball, Bernhardt (Garbenheim). Der erste Lehrgang findet am Wochenende in Allen- darf (Lahn) statt.

Man sieht, welche Bedeutung heute dem Frauen- Handball auch im Bezirk Gießen zukommt. Das Spiel, das trotz seiner ersten Anfänge über eine e Anzahl Anhänger verfügt, soll weiterge- n werden und eine bleibende Einrichtung in unserem umfangreichen Sportbetrieb werden. Es soll in jedem kleinen Verein Einkehr halten und auch dort gepflegt werden, wo man das Handball, spiel bisher noch nicht kannte. Die Voraussetzungen für eine günstige Entwicklung sind ohne weiteres gegeben, die Bedingungen, unter denen das Spiel durchgesührt werden kann, sind denkbar einfach, Darum darf man erwarten, Daß die Bemühungen der zuständigen Stellen belohnt werden.

Zugendfußball.

Garbenleich 1. Jugend 1900 1. Jugend. 1:5.

Die 1. Jugend der Blau-Weihen trat im Kampf um die Bannmeisterschaft gegen die 1. Jugend von Garbenteich an. Sie gewann nach überlegenem Spiel mit 5:1 Toren.

Die 2. Jugend stand im Freundschaftsspiel gegen Lollars 1. Jugend und verlor sehr unverdient mit 3:0 Toren.

Heuchelhelm Launsbach 3:1 (0:1).

Am Sonntag wellte die 1. Jugendmannschaft von Launsbach zum fälligen Rückspiel in Heuchelheim, und sie mußte eine 3:1-Niederlage einstecken. Das Spiel begann mit schnellen Angriffen der Gäste, die von der Hintermannschaft der Blau-Weißen abge» wehrt wurden. Bei einem blitzschnellen Angriff der Launsbacher schoß der Halblinke den Führung,- treffer. Mit 1:0 für Launsbach wurden die Seilen gewechselt. Kurz nach der Pause schoß der Links­außen der Blau-Weißen zum Ausgleich ein. Der Gastgeber spielte nun weiterhin überlegen und konnte durch zwei unhaltbare Tore den Sieg sicher- stellen.

Butterschmalz richtig verwendet.

Das neue Butterschmalz hat in diesen Tagen In alle deutschen Haushaltungen seinen Einzug ge- halten. Die Hausfrauen haben, soweit es ihnen überhaupt etwas neues war, schnell seinen Wert erkannt. Wenn es da und dort doch noch an dem nötigen Verständnis fehlt, dann läßt sich das nur mit dem Mißtrauen erklären, das Hausfrauen zu­nächst grundsätzlich allen Neuerungen entgegenbrin- gen. Und doch ist hier jedes Mißtrauen unberechtigt. Für einen großen Teil der deutschen Hausfrauen ist das Butterschmalz nicht neues. In Süddeutsch- land und insbesondere auch in der Ostmark war es seit jeher üblich, daß die Butterüberschüsse des Sommers für den Wintereingemacht", d. h. aus. gelassen in einem großen Fettopf aufgestellt wur- den. Nicht anders ist unser jetziges Butterschmalz gewonnen, wenn auch die Herstellung maschinell erfolgt. Butterschmalz ist für jeden Kenner sozu­sagen die Königin aller Fette, und seine Wert­schätzung geht auch daraus hervor, daß so berühmte Markenvrodukte wie die Dresdner Stollen ober das Wiener Teegebäck ausschließlich mit Butter- schmalz gebacken werden. Diese Tatsache leitet zur Verwendung von Butterschmalz im Haushalt über. Butterschmalz sieht zwar butterähnlich aus, es ist mal gröber und mal feiner, in der Farbe blaß- grau bis blaßgelblich, es ist aber nicht wie Butter ein Streichfett. Als Brotaufstrichmittel ist Butter­schmalz nicht geeignet. Cs ist ausschließlich Brat- und Kochfett, als solches aber im Geschmack vor­züglich. Beim Braten hat es ähnliche Eigenschaften wie das Del. Man braucht längst nicht so viel But- terschmalz zu nehmen wie sonst Butter, da es sich um reines Fett handelt. Deshalb ist auch der Zu­teilung der Maßstab der Delzuteilung zu Grunde gelegt worden. Wenn die Hausfrau das Butter­schmalz im Haushalt richtig verwendet, bann kann es keine Enttäuschung, sondern nur Freude bringen.

Die Schützengesellschaft 1926 e. D. hielt am Sonn- tag bei Kamerad Ludwig Bepler, Bahnhofstraße, ihre diesjährige Jahres-Hauptversammlung ab.

Die Versammlung ehrte zunächst durch stilles Ge- denken die Toten des Weltkrieges, des jetzigen Krie­ges, sowie den verstorbenen Kameraden Georg Schrimpf.

Hierauf gab der Vereinsführer Ed. Gondner einen Bericht über das verflossene Geschäftsjahr. Er führte u. a. aus, daß sich die Neuorganisation im NSRL. bis jetzt bewährt hat. Der Schleßbetrieb hat durch den Krieg nicht gelitten, wohl sind 24 der besten Schützen zur Fahne einberufen, aber die Zu­rückgebliebenen haben suh desto intensiver der Sache angenommen. Besonders wurde die Jugendgruppe bester und weiter ausgebaut, wie die gute Schub­leistung bewiesen hat. Auch die übrigen Schützen haben durch fleißiges Ucben ihre Schuhleistungen verbessert, sodaß sich die Resultate bei den Schießen auf die Vereins-, Unterkreis- und Gaumeifterschast gegenüber früher gebessert haben. Bei dem König­schießen 1939 wurde Kamerad Paul Hainbach Schützenkönig. Ed. Gondner 1. Ritter und Heinr. Gebauer 2. Ritter. 1940 wurde Kamerad Karl Heitz, Wieseck, Schützenkönig: Herrn. Thomas 1. Ritter und Fritz Dewald 2. Ritter. Auch die Junngschützen schossen 1940 erstmalig um die Königskette, der Iungschütze Heinz Rau wurde Schützenkönig der Iungscyützen. Der Vereinsführer sprach allen Be- teiligten seine Anerkennung für ihren Einsatz aus. Die Verbindung mit den im Feld« stehenden Ko- meraben wird auf schriftlichem Wege und durch Uebersendung von Liebesgaben und Zeitschriften aufrechterhalten. Hohe Auszeichnungen und Beför­derungen sind zu verzeichnen.

Der Kassierer Willy Becker erstattete sodann den Kassenbericht. Die Kasse wurde durch die Prü- fer Fritz Burk und Karl Kraft geprüft und in bester Drtmung befunden, sodaß dem Kassierer Ent. lastung erteilt werden konnte. Erfreulich war es zu hören, daß der Kassierer trotz der Beitragsfreiheit der eingezogenen Kameraden einen ansehnlichen Be­trag an alten Verpflichtungen abtragen konnte.

Die Amtszeit des Vereinsführers Cd. G o n d n e r war auf Grund der seitherigen Satzungen abge- laufen, so daß er sein Amt mit Dankesworten für das ihm in den 14 Jahren feiner Tätigkeit als

bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft Gie- nen von der Versammlung gebilligt. Auf diesem Wege wird es möglich sein, auch phosphorhaltige Düngemittel, die vor allem für die neuangepflanz- ten Obstbäume gebraucht werden, zu beziehen. Die im großen bezogenen Düngemittel werden vom Lager des Vereins ausgegeben. Hieraus beschäftigte sich Dereinsleiter Junker mit einigen Fragen des Kleingartenvereins. Unter Punkt Verschiedenes kamen einige interne Angelegenheiten zur Bespre­chung. Der Vereinsleiter konnte weiterhin mitteilen, daß durch Entgegenkommen der Stadt hinstchllich der Grundsteuer und durch die Firma Gail eine Ermäßigung der Pachtgebühr eintreten kann. Da- durch wird di« Pachtgebühr in den Gotischen Gär- ten und den übrigen Gärten des Vereins die gleiche Höhe betragen. Dem Verein bleibt nun die Mög­lichkeit, Geldmittel anzusammeln, um die notwen- bigen Reparaturen vorzunehmen und neue Brun- Nen anzulegen. Für den einberufenen Schriftführer Mohaupt wurde der Eisenbahninspektor Schmidt als Nachfolger bestimmt, ein neuer Rechner soll noch ernannt werden.

Gietzener Schlachtviehmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtoiehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Viehverstei- ' gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41,5 bis

45 Rpf., Bullen 37,5 bis 49, Kühe 18 bis 46,5, Färsen 40 bis 44,5, Kälber 16 bis 57, Hümmel 28 bis 46 je % kg Lebendgewicht, Ziegen 18 dis 28 RM. pro Stück. Für Schweine wurden je kg Le- bendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg

und mehr) 1,14 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12, c (100 bis 119,5 kg) l,0T d (80 bis 99,5 kg) 1,02, e bis f (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,12, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM. Marktverlauf: gut, alles zugeteitt.

*

** Ein Achtzigjähriger. Der Eisenbahn- beamte i. R Emil Gunther, Kaiserallee 50 wohn­haft, wird am morgigen Donnerstag, 21. Nov., 80 Jahre alt. Dem alten Herrn gilt auch unser Herz- licher Glückwunsch zu seinem 80 Geburtstage und für einen weiteren schönen Lebensabend.

** Silberne Hochzeit. Am morgigen Don- nerstag, 21. November, können der Arbeiter Fried- rich Haibach und Frau Minna, geborene Graub- ner, das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Dem Jubelpaar bringen auch wir unsere herzlichen Glück- wünsche dar.

** Lehrschein mit goldener Nadel. Der Turnlehrerin Margret Seim, Gießen, Löber- straße 11, eine in Gießen und im weiten Umkreis bekannte Sportlerin, konnte nach vorausgegangener Prüfung von der Hauptgeschäftsstelle Berlin der Deutschen Lebensrettungs-Gemeinschaft der Lehr­schein mit goldener Nadel durch den RAD. 3/110 in Bach bei Marienberg (Oberwesterwald) überreicht werden.

Aus her engeren Heimat.

Ein Mann totgefahren

Der Autolenker mit seinem Wagen geflüchtet.

Herbstein, 20. Nov. Auf der Landstraße HerbsteinAltenschlirf In der Nähe des sog. Schaf. Hof wurde der auf einem Fahrrad unterwegs be­findliche Georg Dönsel aus Metzlos-Gehag von einem Personenkraftwagen Übersah- r e n und so schwer verletzt, daß der Mann tot lie- gen blieb. Als der Autofahrer sah, was er ange­richtet hatte, flüchtete er mit feinem Wagen, er verlor dabei aber das Nummernschild des Autos, das aufgefunden wurde, sodaß man ihn an Hand dieses Beweisstückes feststellen wird. Die Staats­anwaltschaft Gießen uno die Gendarmerie in Gre­benhain haben die Ermittlungen sofort aufge­nommen.

Schweinemarkt in Vuhdach

*Butzbach, 19. Nov. Bei dem im Rahmen des Katharinenmarktes heute abgehaltenen Schweine- markt waren 277 Ferkel zum Verkauf aufgetrie­ben. Es kosteten bis 6 Wochen alte Ferkel 16 bis 18 RM., 6 bis 8 Wochen alte 18 bis 21 RM., 8 bis 10 Wochen alte 21 bis 25 RM. pro Stück. Bei flöt- tem Handel wurde der Markt geräumt

Landkreis Gießen

* Lollar, 20. Nov. Ein hiesiger Einwohner wurde wegen unzüchtiger Handlungen an meh­reren Mädchen unter 14 Jahren fest ge­nommen und nach Gießen in gerichtliche Unter­suchungshaft eingeliefert.

)( Ruppertsburg, 19.Nov. Unser Ernte- Kindergarten mürbe seither von den Helfe­rinnen Emma R u p p e l und Marie Port in ge­wissenhafter Weise recht gut geführt Er ist nun eine Dauereinrichtung geworden. Die Kindergärt­nerin Fräulein MÜller-Ahlheim aus Grün­berg hat seine Leitung übernommen.______________

SOOOÄtlometer SieSe

Roman von Olly Boeheim

82. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Zweifellos. Es ist vollkommen ausgeschlossen, daß du öffentlich tanzt Das mußt du begreifen, Anni. Man würde es nicht verstehen, wenn du auch nach unserer Heirat noch eine Tätigkeit ausüben würdest, die derart im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Außerdem ist es wohl selbstverständlich, daß du auf die Ansichten meiner Eltern Rücksicht nimmst."

Ich soll also auf meine Kunst verzichten", sagte Anita",nur weil meine zukünftige Schwiegermutter an meinem Kostüm Anstoß nehmen könnte, bloß weil sie ein halbes Jahrhundert zurück ist?"

Beleidige meine Mutter nicht!"

Nichts liegt mir ferner. Ich liebte sie schon, ohne Se zu kennen, weil ich dich über alles liebte", sagte

ntta unter Tränen.

Liebtest, sagst du. Also wäre die Liebe vorbei?" Du legst jedes Wort auf die Goldwaage. Be- greife, daß ich völlig verwirrt bin. Mein Erfolg, ie Menschen, das Lampenfleber vorher: ick bin rote in einem Rausch. Laß ihn mir, Erik. Sei nicht bitter. Ein Glücksgefühl wie nach dem ersten Erfolg kommt nie wieder. Ich glaube, wenn man das ein zweites Mal erleben wollte, wäre es, als wollte man zu den Freuden der Kindheit zurückkehren. Die sind auch verschlossen. Verdirb mir diesen Abend nicht, Erik. Habe ich nicht ein Recht auf Freude heute nacht?"

,Zch werde btr den Abend nicht verderben, Anita, du sollst dein Recht auf Freude, wie du dich so schön ausdrückst, haben. Ich werde mich empfehlen."

Erik!"

Das ganze Haus ist voll von Leuten, die nur darauf warten, dir ihre Bewunderung zu Füßen zu legen. Da möchte ich nicht stören."

Erik!" Anita klammerte sich an seinen Hals. Versteh mich doch!"

Nein, ich glaube, ich kann dich nickt verstehen. Uni) es ist wohl besser, ich brech« diese Unterhal­tung ab", sagte Erik Schmitterlöf.Du entschuldigst mich wohl und entschuldigst den Irrtum, daß ich dich liebte."

Anita wandte sich um. Ihre Knie zitterten. Sie sah Erik Schmitterlöf im Schatten der Hecken ver­schwinden, als hätte ihn der Erdboden verschluckt. Sie schlug die Hände vor das Gesicht und weinte. Ihr Körper bebte vor Schluchzen. Plötzlich fühlte sie eine warme Hand auf ihrem Nacken.

Dera", sagte sie und warf sich aufweinend der Frau in die Arme.

Ich dachte es mir, Kind."

Sie wissen alles?"

,Lch sah ihn gehen und wußte alles."

Sie meinen, er kommt nicht wieder?"

Ick glaube, Anni, er wird wiederkommen Er liebt dich doch. Ein Wermutstropfen ist immer im Becher unserer Freude. Vielleicht hat Gott uns des- halb besonders lieb. Man muß jedes Glück mit einer Träne bezahlen. Manchmal sogar mit viel Tränen. Das Schicksal gibt uns keinen Kredit."

Er wollte"

Daß du nicht mehr tanzen sollst."

Woher wissen Sie das?"

Meine Kleine, well ich diese Not selbst durch- machen mußte. Ich habe mich damals für meine Kunst entschieden. Und in einsamen Stunden, in dem tausendsten Hotelzimmer fragte ich mich manch­mal, ob es richtig war."

Sie zweifelten?"

Und ob ich zweifelte, Anita. Die Jahre rannen wie Sand durch meine Finger. Am Ende stand die Einsamkeit. Es ist ein großes Glück, das wir in unserer Kunst erleben, aber es ist nicht die Voll­endung eines Frauenschicksals, Gattin und Mutter zu sein? Ueberleg es dir gut, Kind. Oder vielmehr, folge deiner inneren Stimme. Es wäre unrecht,

einem Menschen zu raten. Die Kreuzwege im menschlichen Leben sind zu wichtig, als daß man nicht der eigenen Stimme folgen sollte. Sie ist un­trüglich. Man muß nur tief in sich hineinhorchen, um sie zu vernehmen."

Sie sind so klug!"

Kind, wenn man ein halbes Menschenleben hin- ter sich hat und noch nichts daraus gelernt haben sollte, dann müßte man ein Brett vor dem Kopf haben. Aber willst du nicht endlich ,du' zu mir sagen?"

Gern, wenn ich darf: du bist so gut!"

Es ist leicht gut zu fein, wenn man glücklich ist." Ich bin namenlos unglücklich!"

Dera Verriss strich zärtlich über Anitas rotblon» des Haar. ,Zn der Jugend ist alles grenzenlos. Morgen wirst du wieder grenzenlos glücklich fein, wenn der kleine Seeoffizier wieder da ist."

Du meinst?"

Dqß er nach einer schlaflos »durchkämpften' Nacht, wo er mit seinem »Männerstolz' und seiner »Man­nesehre' ringt, zu der Einsicht kommen wird, daß er noch ein »endgültiges' Wort mit dir reden muß. Dann wird es nur an dir liegen, ob du zum Stan­desamt ober auf die Probebühne gefjft"

Du hältst beides zusammen für ausgeschloffen?"

Ja! Nicht etwa, well du deinen Seeoffizier nicht umstimmen konntest. Ader wie sagte unser Tiger? Dte Kunst Ist eine herrische Göttin: sie erfordert den ganzen Menschen Ich fürchte, du würdest eine schlechte Hausfrau ober eine mittelmäßige Tänzerin werden. Ich war nie in meinem Leben für Halb­heiten. Aber ich zweifle nicht daran, daß du dich so entscheiden wirst, wie du es schicksalsmäßtg tun mußt. Und nun komm ins Haus, Anita. Du bist der Mittelpunkt des Abends", und mit einem kleinen Lächeln fügte sie hinzu,vielleicht das letztemal. Das muß doch ausgekostet werden!"

Das letztemal?" sagte Anita zu sich selbst und griff an ihr Herz, als ob es ihr körperlich weh täte.

2 0. Kapitel.

Anita schlief in dieser Nacht trotz aller Aufregun­gen fest und tief. Die Sonne stand schon hoch und warf zitternde Kringel auf die Tapete des Hotel­zimmers, als Anita vom Surren des Telephons er­wachte. Traumartig durchzuckte sie die Erinnerung an Den gestrigen Abend, und wieder fühlte sie das seltsame Ziehen am Herzen. Herzweh dachte sie mit einem matten Lächeln. Ich glaubte, das wäre nur eine Erfindung der Dichter. Sie konnte den Gedan­ken nicht zu Ende denken.

»Ein Herr wünscht Sie zu sprechen", sagte der Portier.

Es war Peter Renz, der nach kurzer Anmeldung mit einem Arm voll Zeitungen in ihr Zimmer stürmte.

Meine untertänigste Gratulation. Wir sind ge­macht! Der Tiger hat ein« Lobeshymne vom Stapel gelaßen, gegen die fein gestriger Toast auf dich ein hilfloses Gestammel fein dürfte."

Ganz schön und gut, Peter", sagte Anita, die einen Morgenrock Übergeworfen hatte und aufge­regt im Zimmer auf und ab ging;aber ich kann die Kritiken doch nicht lesen!"

Dann werde Ich sie dir vorlesen", erklärte Peter Renz.

Du kannst sie doch auch nicht übersetzen", rief Anita ratlos.

Wozu gibt es Uebersetzungsbüros", sagte Peter und zog Den Trumpf des Morgens, einen Pock Schreibmaschinenseiten aus der Tasche.Diesmal, du sensitiver Fisch, kannst du mir nicht mit der Ausrede kommen, daß Vera Verriss' berühmter Name die Füllfederhalter zum Lob gelenkt hat. Diesmal gelten die Kritiken der blutjungen und genialen Anfängerin Anita ©liefen. So, und nun soll dein Schmitterlöf zerspringen: ich geb« dir einen Kuß."

(Fortsetzung folgt)