Ausgabe 
20.11.1940
 
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Am Land

Anteil der Sammeleinheilen an dem Aufkommen.

Don den Schulen des Bezirks Großen-Buseck steht an der Spitze die Volksschule Großen-Buseck mit der ausgezeichneten Leistung von 464,5 kg (über 9 Zentner!) Trockengut. Soweit bis jetzt bekannt, ist das das beste Einzelergebnis des ganzen Gaues Hessen-Nassau. Ebenso beachtenswert sind die Er­gebnisse der Schule Beuern mit 361,2 und der Schule Burkhardsfelden mit 172,3 kg. Es folgen weiter mit Ergebnissen, die relativ alle als ausgezeichnet bezeichnet werden müssen: Volksschule Reiskirchen 116,7; Volksschule Oppenrod 60,1; Volksschule Alten-Buseck 54,8; Volks­schule Rödgen 43,8; Volksschule Hattenrod 40,1; Volksschule Trohe 21,8; Volksschule Vers ° r o d 17,7 kg.

Anerkennenswert ist auch der Einsatz der NS.- Frauenschaften von Reiskirchen, Bersrod, Burk­hardsfelden, Hattenrod, Oppenrod, Großen-Buseck

tobet man auch an die armen Seelen denkt. In 1 ins Feuer darf nicht gespuckt werden, weil man da- iurch die Geister beleidigt.

Die Einweihung des Ofens in einem neuerbauten Hause erfolgt mit allerlei feierlichen Bräuchen, so i B. indem er beim ersten Gebrauch mit Stahl und Steinen angezündet wird. Wenn ein Haus abge­wogen wurde, so bestand früher eine abergläubische Scheu davor, den Ofen zu zerstören, weil man in iim das Heim des Hausgeistes vermutete. In »egenden, wo noch altes Brauchtum lebendig ist, dielt der Ofen bei allen Familienangelegenheiten ftne wichtige Rolle. Bei ihrem Eintritt in das neue »aus wird die junge Frau zuerst um den Ofen her- i mgeführt. Neues Hausgesinde muß sich der gleichen Zeremonie unterziehen, um dadurch in die Familie lufgenommen zu werden. Als Prophet wirkte der >fen, indem aus seinem Brummen, Knattern und Lnistern die Mädchen errieten, ob sie einen Mann kFamen, und in der Neujahrsnacht konnten sie ior das Bild des Zukünftigen im Ofenloch schauen. IS er etwas zu bekennen hatte, was er keinem Meu­chen unvertrauen wollte, der klagte dem Ofen sein Leid, kündete ihm sein Geheimnis, und der Ofen trachte dann Verbrechen und Unrecht an den Tag. Im Ofen fand der Verfolgte Schutz und Obhut. 'Ser aber rechtlos war, ausgestoßen aus dem Kreis kr Sippe, dem ward der Ofen ausgelöscht und nie- sergerissen.

Der Ofen als der Mittelpunkt des Familienlebens jift auch die Ehrenstelle des Hauses. Dicht neben ihm licht der Lehnstuhl des Hausvaters oder des Groß- Miters. Auf derUnnerherdsbank", zwischen Herd u nd Hinterwand, haben in Westfalen die Eltern des Jauern ihren Platz, die sich auf das Altenteil zu­rückgezogen haben. Hier darf auch die Frau als t Wöchnerin sitzen, und erkrankte Hausgenossen wer­ten hier gebettet. Dieser behaglichste Platz der Woh­nung heißt in manchen Gegenden dieHölle, und t-as macht den Ausruf einer Bäuerin des Erzgebir­ges verständlich, die nach dem Tode ihres Mannes neinie:Der liebe Gott beschere meinem Alten die Hölle, er saß ja bei Lebzeiten so gern drin!"

Die Poesie des Ofens ist zwar heute in der Stadt verloren gegangen. Selbst da, wo der alte Wärmespender nicht von der modernen Zentralhei- ung verdrängt wurde, ist der Ofen doch ein sehr Kiel nüchterneres Gebilde aus Eisen oder glatten Kacheln. Doch in alten Bauernhäusern, namentlich >es deutschen Südens, finden wir immer noch die iesigen altväterischen Oefen, die sog. .Kunst", mit >en ringsumlaufenden Bänken, die im Winter den Mittelpunkt des Hauses bilden und damit den In­begriff deutschen Familienlebens verkörpern. C. K.

Unterhaltung im Garten des Gießener Universitäts- Instituts für Erb- und Rassenpflege: rechts Pro­fessor Dr^L a n d r a , links der Leiter des Instituts und Rektor der Universität Professor Dr. med. H. W. Kranz. (Aufnahme: Enke, Gießen).

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 18.30 bis 21 UhrAennchen von Tharau". Gloria-Palast (Seltersweg):Das fun. dige Dorf". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Wie konntest du, Veronika". Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung W. Im- kamp im Foyer des Stadttheaters.

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Mittwoch wird die OperetteAenm chen von Tharau" von Heinrich Strecker wiederholt. Musikalische Leitung: Arthur Apelt. Spielleitung: Harry Grüneke. Bühnenbild: Karl Löffler. Tanz­leitung: Irmgard Trömel. Chöre: Nadine Galla. 10 Mittwoch-Miete.

Ortszeit für den 21. Aovember.

Sonnenaufgang 8.58 Uhr, Sonnenuntergang 17.24 Uhr. Monduntergang 13.21 Uhr, Mondaufgang 23.48 Uhr.

Verkehrssünder ins Gefängnis gebracht

Am Freitag, 8. November, spät abends, ereignete sich auf der Landstraße nach Rodheim a. d. Bieber ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen dem auf einem Fahrrad heimwärts radelnden 16 Jahre alten Lehrling Karl Michel aus Rodheim a. d. Bteber und einem ihm entgegenkommenden, nur mangelhaft beleuchteten Kraftwagen, dessen Dorderlicht schweren. Schaden aufwies. Bei dem Zusammenprall wurde der bedauernswerte junge Mann so schwer verletzt, daß er am darauffolgenden Tage in der Chirurgi­schen Klinik in Gießen verstarb. Die Ermittlungen der Gendarmeriebehörde in Krofdorf haben nun die Schuld des Autolenkers Wilhelm Wald- schm i d t aus Krumbach ergeben, der vor Antritt feiner Fahrt mit dem Kraftwagen den Beleuchtungs­schaden gekannt und nichts zu feiner Beseitigung getan hatte, unterwegs sogar noch an einer Repa­raturwerkstätte vorbeifuhr, ohne den Schaden be­heben zu lassen. Durch dieses Verhalten hat sich Waldschmidt einer groben Fahrlässigkeit im Ve^ kehr schuldig gemacht, die so schwere Folgen nach sich zog. Aus Anordnung der Staatsanwaltschaft 1 wurde Waldschmidt festgenommen und in das Amtsgerichtsgefängnis in Wetzlar in Unter« suchungshaft gebracht. Seine leichtfertige Handlungs, weife, durch die ein blühendes Menschenleben r>er<» ' nichtet wurde, wird vor Gericht das entsprechende ; Nachspiel haben.

Versammlung der Gartenbauer.

Die Heilkräutersammlung 1940

Landschulen des Kreises Gießen in höchstem Einsatz.

Am Sonntag hielten imBurghof" der Obst­und Gartenbauverein und der Kleingartenverein Lahntal Gießen eine außerordentliche Hauptver. sammlung ab, die sehr gut besucht war. Der Der- einsleiter beider Vereine, Gerichtsvollzieher Jun- ter, gedachte der Gefallenen und brachte den Treu­gruß auf den Führer aus. Zunächst behandelte er den Bezug von Gebrauchsartikeln für den Gartenbesitzer oder Pächter, wie z. B. Bohnenstan­gen, Fichtenstangen, Reisern usw., wobei er u. a. ausführte, daß er durch die Zusammenarbeit mit den Förstern jetzt eine günstige Einkaufsquelle ge­sunden hat. Weiterhin konnte gutes Pflanzmate­rial an Obstbäumen und Obststräuchern beschafft werden, wobei die Firma Gall für die Neuanpflan­zungen in den Gailschen Gärten einen Zuschuß ge­leistet hat. Um den Mitgliedern auch den Bezug von Mischdüngern zu sichern, die bei den bisherigen Bezugsquellen des Vereins nicht zu haben sind, wurde der Erwerb der Mitgliedschaft bei der

und Trohe und des BDM. Burkhardsfelden, die zu. fammen 43,7 kg an Trockengut aufbrachten Zu dem Ergebnis an getrockneten Tee- und Heilkräutern kommen noch 45 kg getrocknete und 47,50 kg fr 11196 Hagebutten, die von den Schulen Großen-Busecr, Beuern, Oppenrod, Alten-Buseck. Rödgen und den Iungmädeln von Großen-Buseck gesammelt wurden.

Der kreis Wetterau an der Spitze.

Insgesamt hat der Kreis Gießen rund 3200 kg an trockenen Heil- und Teekräutern aufgebracht, der Kreis Friedberg 4300 Kilo so das das Gesamtergebnis des Kremes Wetterau 7500 kg, das sind 150 Zentner, beträgt. Das tst mehr als das Vierfache des vorjährigen Aufkommens. Damit steht der Kreis Wetterau, wie der Gausachbearbeiter der RkH., Apotheker Ripperger jetzt in einer Zusammenstellung bekanntgibt, wieder an der Spitze sämtlicher Kreise des Gaues Hessen-Nassau.

Die Heilkräutersammlung ist in den vergangenen Monaten von den Schulen des Stadt- und Land- f reifes Gießen mit vorbildlichem Fleiß durchgeführt worden. Auch die NS.-Frauenschaft, sowie Jungvolk und Jungmädel stellten sich in den Dienst der Sache. Der Ertrag der uneigennützigen Arbeit, die von großer volksgesundheitlicher und wirtschafts­politischer Bedeutung ist, findet einen starken zahlen­mäßigen Ausdruck in den Sammelergebnisfen, die die neun Bezirkssammelstellen der Reichsarbeitege- meinschaft für HeilpflanzenkunDe und Heilpslanzen- be-schaffung (RfH.) für 1940 nachweisen können. Wir haben über diese Ergebnisse einzelner Sammelstellen bereits in den letzten Wochen berichtet.

Nun liegt auch das Schlußergebnis der Bezirks- sammelstelle Großen-Buseck vor, die von Rek­tor Heinrich I n d e r t h a l mit großer Umsicht und freudigem Einsatz verwaltet wird. Es gingen vom Bahnhof Großen-Buseck in diesem Jahre in mehre­ren großen Sendungen insgesamt 1397,100 Kilo, das sind nahezu 2 8 Zentner getrockneter Heil­and Teekräuter an die Gaufammelstelle in Frank­furt a. M.-H ochst ab, von wo aus das Sammelgut der Gaue Hessen-Nassau und Kurhessen den im ganzen Reich verteilten Kontingentefirmen zugeleitet wird. Hundert» von Säcken, die nicht immer leicht zu beschaffen waren, wurden für den Versand von Großen-Buseck aus benötigt.

Das Ergebnis von Großen-Buseck steht schon rein mengenmäßig einzig da, nicht nur im Kreise Wetterau, sondern auch imganzen Gau Hessen-Nassau. Aber auch qualitativ ist es deshalb besonders beachtlich, weil es sich mit nur einer Ausnahme streng an das dem Kreise Wetterau aufgegebene Kontingent hält und vor allem auch weniger einträgliche Kleindrogen in nennenswerten Mengen aufweist. Zu beachten ist ferner, daß das ausgezeichnete Ergebnis im wesentlichen von nur 10 kleineren Landschulen des Kreises Gießen aufgebracht worden ist, die alle in vorbild­licher Weise mit viel Liebe zur Sache ihre Pflicht getan haben. Um die vorn Bezivk Großen-Buseck

Aus -er Stadt Gießen.

Volkskundliches vom Ofen.

DieSeele der Stube" hat man den Ofen ge­winnt, und tatsächlich ist er die Zelle, aus der her­aus eine Wohnkultur sich überhaupt erst entwickeln ginnte. So lange sich die Hausgemeinschaft um das bdernde offene Herdfeuer des altgermanischen Hall­es versammelte, war noch wenig Behaglichkeit in dm von Zugluft und Rauch erfüllten Saal zu üren, der als Wohnraum diente. Erst als unsere lorfahren auf den Gedanken kamen, die bisher nur r dem Badehaus und der Backstube benutzte Heizvor- chtung in die Wohnung zu verpflanzen und diesen fen in dem ungeheizten Nebengemach des großen lerdraumes aufzustellen, da entstand ein gemüt- ches Zimmer, das nach dem alten Badehaus die ,Stube" genannt wurde, immer mehr in der Gunst tr Hausgenossen stieg und die unwirtliche Halle rit dem Herdfeuer allmählich zur Küche, ja schließ- jch zum Eingangsflur degradierte.

' Das Volk aber übertrug auf den Ofen die hohe Ehrfurcht und den frommen Glauben, mit denen ter Germane seine Feuerstätte von altersher um- tab. In vielen Zügen des Volksbrauches lebt noch feute dieser alte Kult des Herdes fort. In Schma­len horcht man auf das Knistern der Flammen, hs Knallen des Holzes im Ofen und glaubt in die-

Tönen die Hausgeister sprechen oder schelten zu pren. Sogar bildliche Darstellungen solcher Ofen- Iptter in Ton und Gips hat es gelegentlich gegeben. Sm die Dämonen des Ofens günstig zu stimmen, r urben ihnen Opfer dargebracht, indem man Brot, Krätze, Milch und dergleichen hinstellte. In manchen (--egenden wird der Ofen sogar gelegentlich direkt -gefüttert"; man wirft vom täglichen Speiseabfall fern Kochen und Backen einiges in die Flamme,

Italienischer Besuch

im Gießener Universitäts-Institut für Erb- und Rassenpflege.

aeleiftete Arbeit in ihrem Werte richtig einzuschätzen, ei vergleichshalber noch gesagt, daß das Jahreser­lebnis dieser einzigen Sammelstelle Dreiviertel des chon sehr gut gewesenen vorjährigen Gefamtergeb- nisses des Kreises Wetterau und mehr als ein Drittel des Gesamtaufkommens des Gaues Hessen-Nassau in 1938 beträgt.

Welche Drogen kamen zum Versand?

Im einzelnen wurden von den Sammeleinheiten des Bezirks Großen-Buseck die folgenden Mengen an Trockengut auf der Bezirkssammelstelle abgeliefert und von dieser an die Hauptsammelstelle versandt: Schafgarbe 369,9; Waldhimbeerblätter 220; Waldbrombeerblätter 123,2; Ackerschachtelhalm 83,6; Hafelnußblätter 81,9; Gartenerdbeerblätter 69,9; Gartenhimbeerblätter 65,4; Kamillen 61,4; Johanniskraut 60,8; Odermennig 58.4; Huflattich­blätter 46,6; Holunderblätter 42,7; Maiblumenblät­ter 30,5; Erdrauchkraut 23,7; Augentrostkraut 10,7; Holunderblüten 9,9, Brennesselblätter 8,4; Walderd­beerblätter 8,2; Feldthymian 7,3; Lindenblüten 6,9; Spitzwegerich 5,3; Taubnesselblüten 0,410 Kilo.

reite zahlreiche Eintragungen von hervorragenden Persönlichkeiten des In- und Auslandes, die das Gießener Universitäts-Institut für Erb- und Rassen- pilege im Verlaufe seines fünfjährigen Bestehens besucht haben, aufzuweisen hat. Nach mehrstündigem Aufenthalt in Gießen setzte Profesior Dr. Landra seine Reite nach Berlin fort

gestrigen Dienstag stattete Professor Dr. _____r a, der als Leiter des bevölkerungspoliti­schen Ressorts im italienischen Erziehungsministe­rium gegenwärtig Gast des Rassenpolitischen Amtes der ÄSDAP., Reichsleitung, in Deutschkland ist, dem Rassenpolitischen Amt des Gaues Hessen-Nassau owie dem Gießener Universitäts-Institut für Erb- und Rassenpflege einen Besuch ab. Professor Dr. Landra, der als führender Rassenpolitiker und Anthropologe Italiens bekannt ist, wurde in Gie­ren von dem Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP. Gau Hessen-Nassau und Direktor des Gießener Universitäts-Instituts für Erb- und Ras­enpflege, Universitätsrektor Pros. Dr. med. H. W. Kranz, empfangen, der ihm die Organisation und Einrichtung des Rassenpolitischen Amtes im Gau Hessen-Nassau, das als eines der ersten in der Durchorganisation schon vor Jahren vollendet war, ausführlich schilderte. Der italienische Gast hat sei­nen Besuch in Gießen besonders auch deswegen ge­macht, weil sowohl die rasfenpolitische, als auch die rafsenwifsenschaftliche Arbeit in dem Gießener Uni­versitäts-Institut in einer einzigen Hand vereinigt liegt und eine Derartige Konstellation außer im Gau Hessen-Nassau (nämlich in Gießen) nur noch in Königsberg i. Pr. besteht. Im Anschluß an die Er­läuterungen über die Organisation ches Gauamtes lernte Professor Dr. Landra die im Gießener Universitäts-Institut angewandten Forschungsmetho- den und Einrichtungen kennen, wobei er bas In­stitut in allen Teilen eingehend besichtigte und sich über die bisherigen Arbeitsergebnisse unterrichten ließ. Darüber hinaus erörterte er in einem regen Gedankenaustausch mit seinem Gastgeber, Professor Dr. Kranz, alle aktuellen rasse- und bevölke­rungspolitischen Fragen. Im Verlaufe seines Be- uches schrieb er sich mit herzlichen Dankesworten auch in das Gästebuch des Instituts ein, das be-

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Japanische Miigist.

Von Annie France-Harrar.

Wer heute die Bilder junger Japanerinnen sieht, Me Sport treiben, in Fabriken und Büros arbeiten, ; Sprachen lernen und längst aus Strohsandalen und Kimono verzichtet haben, wer diese Bilder sieht, >er kann sich kaum eine richtige Vorstellung davon Apachen, wie das Leben derselben östlichen Frauen Noch vor kaum fünfzig Jahren verlief. Alles war : >te ins Kleinste vorgeschrieben, nichts war der per- onlichen Meinung überlassen. Sogar für die Braut- ' Ausstattung gab es ganz genaue Regeln, die streng befolgt wurden.

Der Kapitän einer der ersten deutschen Gesell- chaften, die das Land der aufgehenden Sonne be- mchte, um Handelsverträge abzuschließen, hat da­mals ausgezeichnet, was eine Aussteuer enthalten mußte:

Ein weißes Hochzeitskleid, dessen Kragen und j flertnel gold- und silberbestickt sind. Vier Kleider in

>en erlaubten Farben rot, gelb, schwarz und weiß. Xlod) andere, ebenfalls genau bestimmte Anzüge. Für die Winternächte ein pelzgefütterter, dicker Mantel. So und soviele Handschuhe, Handtücher, | Kopftücher, Kopfkissen, Teppiche (nämlich die herr- ich feinen Strohmatten) und Matratzen. Mit einem Ausgehmantel der Ueberzug für die Sänfte. Ein

1 Bündel Haarschnüre durfte ebensowenig fehlen wie -in hübscher Spiegel. Dann Brenneisen zum Friste-

1 ren und ein Säckchen mit ganz bestimmten Durr- , Kräutern, die Des Geruches wegen beim Waschen ins ]. Wasser gestreut wurden. Lippenschminke und Nadel-

Z kissen mit ausgezählten Nadelarten, Briefpapier und . mehrere Rollen Packpapier, dazu em eigenes ! Schreibzeug. Eine Reihe Kämme in einem beson­deren Kästchen mit feinen Rasiermessern. Erne dritte Lackschachtel enthielt eine Hausapotheke. Nicht ver- j geffen werden durfte ein Tops mit einem Saft zum Lchwarzfärben der Zähne. Scheeren gab. es, einen | Kasten für empfangene Briefe (ein Mädchen Der P besseren Kaste mußte unweigerlich schreiben und I? lesen können), bestimmte Körbe und Topfe, als Talisman gegen döse Geister einen kleinen Dolch in weißer Scheide. Seidenzwirn, die glückbringende

Alge, die an die farbigen Hoflichksttska-rten zu Ge- chenken angeheftet wurde, einige Bambusstangen zum Wäschetrocknen, alle Arten Fächer. Und end­lich eine Bank zum Aufstützen der Ellenbogen, wenn die fleißige Hausfrau einmal ausruhen wollte.

Das alles wurde in das Haus des Bräutigams geliefert, und die Fraut folgte nach, beileibe nicht in ihrem herrlichen Hochzeitskleid, sondern in einem weißen Trauerkimono, denn von nun an war sie tot für ihre eigene Familie und galt als Tochter jener Sippe, aus der ein Mann für sie gewählt worden war.

Was ist Kjtsch?

Von Christian Bock.

Ja, wer hat nicht schon einmal mit einem peinlich unsicheren Gefühl vor einem Bild gestanden, ohne entscheiden zu können: Ist Das nun eigentlich Kitsch oDer ist es Kunst? Schlechten Gewissens, weil plötz­lich jenes Kunstgefühl, Das man zu haben glaubt, versagte. UnD wollen wir hier einmal alle mitein­ander zugeben, daß wir manchmal sehr unehrlich sind, daß wir oft der Meinung eines anderen un­besehen zustimmen und Reden führen, als hätten wir längst auch diese Meinung gehabt: nur um ja nicht in den Verdacht zu geraten, von Kunst nichts zu verstehen. Wir sollten es ruhig wagen, unbe­fangener Kunst zu betrachten und ohne zu große Angst vor einem Fehlurteil zu sagen, was uns ge­fällt oder nicht gefällt. Kunstverständnis ist schließ­lich keine Sache, die man wie radfahren lernt, und wer zu Kunst absolut kein Verhältnis hat, der findet es auch nach Der Lektüre von 30 Büchern über Kunst nicht.

Eher ließe es sich noch lernen, was Kitsch ist, Denn Das ist hier wichtig zu sagen Kitsch hat mit Kunst im Grunde nichts zu tun, Kitsch ist nicht, wie manche meinen, eine Art schlechte Kunst, Kitsch ist eine ganz eigene Sache für sich. An den Wesens­marken 'Des Kitsches läßt sich am besten seine Art bestimmen. Zu allererst: Kitsch läßt möglichst im Leben alles gut ausgehen, in einem strahlenden happy end mit vergoldeten Sonnen im wasserblauen

Himmel. Das happy end ist der bewiesene oberste Moralsatz des Kitsches: Alles endet schließlich gut.

Und wenn etwas nicht gut endet, dann kommt eine andere Wesensart des Kitsches zutage: das Rührselige, Sentimentale. Kitsch liebt Tränen. Gro­ßes Glück und großes Unglück sind zwei Haupt­mittel des Kitsches, menschlich zu rühren da liegt ein grundsätzlicher Unterschied: Kunst erschüt­tert, Kitsch rührt! Darum haben auch alle Worte, die der Kitsch gern gebracht, einen Bonbongeschmack: sonnig glücklich entzückend wundervoll herrlich das sind Vokabeln des Kitsches. (Wormt nicht gesagt ist, daß sie sonst nicht gebraucht wer­den dürften!)

Kitsch übertreibt das echte, bis es unecht wird. Der Mond wird ein Pappmond mit eigelbem An­strich, Landschaften haben die buntesten Farben aus dem Malkasten, und die Uebergänge von einer Farbe zur anderen sind in naiver Manier sanft ineinanbergepinfelt, Glück wird zum ewigen Leben in strahlender Helle, und die Glyzerintränen des Unglücklichen laufen, wenn sie schon laufen, aleich in wahren Lachen, Kitsch spart nie mit dramatischen Mitteln und Effekten. In allen Bezirken Des Le­dens gibt es den Kitsch. Daß er gerade als Bild oft an den Wänden hängt, hat Anlaß gegeben, ibn mit Kunst zu verwechseln ober ihn wenigstens für eine schlechte Abart von Kunst zu halten, aber es gibt ibn überall. Es gibt ganze Lebensanschauungen, die lauter Kitsch sind. Zimmereinrichtungen und Meinungen, Sprüche, Häuser und Theaterstücke.

Kitsch ist nach alledem, wenn man einmal ver­suchen will, es auf eine einfache, wenn auch nicht ganz zutreffende Formel zu bringen, alles, was unecht und Ersatz ist: Marmoriertes Holz statt Marmor, Kulisse statt Natur, Phrase statt Wahr- beit, erlerntes Pathos statt Gefühl Die Reihe ließe sich zu'einem dickbändigen Lexikon fortsetzen. Ueberall verbraucht der Kitsch Ersatz für das Echte, das ihm iehlt. Darum liebt er auch so sehr alles Symbolische. Weil ihm das Echte fehlt, sogar der Mut zum Echten, zeigt er nicht Die Dinge wie sie sind, sondern kleidet sie, wie er sie haben möchte, als Ersatz symbolisch aus. Billige Vergoldungen werden zum Symbol für Pracht, gemalte Sonnen­strahlen zum Symbol für Glück.

Und trotzdem gibt es einen Kitsch, Den man ver­te iDi gen kann. Man muß manchyial Mut zum Kitsch haben. Nichts ist überheblicher als von sich zu behaupten, man habe sich niemals von Kitsch rühren lassen. Der naive Optimismus des Kitsches ist manchmal im Leben recht brauchbar, und wer ganz bewußt Den Kitsch als Kitsch verbraucht, kann sich harmlos seiner beglückenden Wirkung hingeben, ohne am guten Geschpiack Schaden zu leiden. Ame­rikaner haben, wie man es schon aus ihren Filmen sehen kann, eine weit unbefangenem und gar nicht ängstliche Einstellung zum bewußten Kitsch und neh­men ihn für das, was er ist. Wie fangen Filme an? Da türmen sich bergehoch die Gefahren, Züge ent* gleichen, Häuser stürzen zusammen, unüberwind­liche Schwierigkeiten stehen zwischen den Liebenden und was sich schon niemand vorftellen konnte: am Ende läuft es alles gut und glücklich aus, das Gute siegt triumphierend über das Bose und Tückische. Menschlich befriedigt über diesen Aus* gang gehen wir nach Hause, voll vom rührenden Optimismus des Films. Und wer im Hutauffetzen Kitsch!" ruft, weiß vielleicht von Kunst weniger als der andere, der lächelnd sich freut, wie denn alles so glücklich endete. Er hat harmloser in sich ausgenommen, was es zu sehen gab.

Es gibt natürlich Grenzen, die so ein Kitsch ein* halten muß, gber es gibt harmlos guten Kitsch. Als ich einmal von Ferien am späten Abend wie­der in der heimatlichen Großstadt ankam und vom fahrenden Autobus die Lichtreklamen links und rechts in den Straßen wiedersah, war ich gerührt von dieser fesllich weihnachtlichen Dekoration der großen Stadt, die ich drei Wochen nicht gesehen hatte. Die Kitschgirlanden der Lichtreklamen wissen gut, warum sie so farbig sind: die Leute sehen es. Und ist nicht ein Weihnachtsbaum mit allem Schmuck und Gehänge Kttsch? Es ist Kitsch von der guten, brauchbaren Sorte, die zudem hier eine ehr* würdige Tradition hat. Niemand würde es sich ein* fallen lassen, sie anzutasten, obwohl sie kitschig ist. Nur vor schlechtem Kitsch wollen wir uns hüten, vor falschem Pathos und Gefühl, vor allem Un­echten, Das scheinen will, was es nicht ist. und diese beiden Dinge, Kunst und Kitsch, wollen wir fäuber« lich auseinanderhalten.