Ausgabe 
20.8.1940
 
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Englands Kriege führten. Es hat, man muß es zu- aeben, mit dieser seiner ureigensten Tradition Er­folge gehabt. Aber heute stebt England vor der Umkehrung dieses so konsequent befolgten Grundsatzes, nach Möglichkeit eigene Blutopfer zu vermeiden. Dieindirekte Kriegführung", die Tak­tik, durch wirtschaftlichen Druck den Gegner zu schwächen, ist durch die überleaenere weil kämp­ferische und von einer hohen Idee geführte Stra­tegie eines Adolf Hitler durchkreuzt und unschädlich gemacht worden. Nicht mehr der Kapitalist, sondern oie Haltung des Soldaten, sein kämpferischer Ein­satz und sein Wille, die Schlacht militärisch zu schla­gen, entscheiden heute.

Unb das ist es, was England psychologisch ge­sehen bis ins Mark getroffen hat. Die geschäfts­mäßige Auffassung vom Kriege, von den Englän­dern so gern alsgood sport" getarnt, hat einen unheilbaren Riß erhalten. Aber diese Auffassung ist nicht von heute oder gestern, nein, sie gehört zum Wesen des Engländertums, durch sie ist das Em­pire geworden, was es heute ist! Das darf nicht übersehen werden, denn hier decken wir die Wurzel aus für jene Stimmuna der großspurig in die Welt posauntenUnüberwindlichkeit", hinter der in den meisten Fällen nichts anderes als das graue Elend der Betäubung durch Trunksucht, geschmackloseste erotische Eindeutigkeiten und fieberhafte Genußsucht zu sinden ist. England fühlt sich von den selbst ge­schriebenen Gesetzen seines Daseins, von seinem Lebensgefühl, seinen historischen Bedingtheiten und allen jenen Realitäten, die dem Engländer erst das Gepräge der Sicherheit und Gottähnlichkeit geben, abgeschnitten. Militärisch gesehen, heißt das aber wieder, daß es alle jene Mittel, die es im Laufe von Jahrhunderten mit einer unerreichten Meisterschaft und einer ebenso verworfenen wie skrupellosen Bedenkenlosigkeit angewandt hat, nicht mehr zur Verfügung hat. Den Militärs kam schon bei der Bilanz des Weltkrieges ein unbehagliches Gejühl, dem Liddel Hart in seinem BuchWhen Britain goes to War" deutlich Ausdruck gibt, da er in seiner Führung ein Abweichen von denalt­bewährten Grundsätzen" englischer politischer Stra­tegie sieht.

Gewiß! England mußte im Weltkriege ja auck Blutopfer bringen, die es in diesem Kriege durch siegreiche Rückzüge" ängstlich zu vermeiden suchte. Schon diese Rückzüge zeigten, daß England über die Bedingungen und den Verlauf dieses Krieges höchst unklare Vorstellungen wenn überhaupt welche hatte. Hier zeigte sich schon jene zwiespältige Hal­tung, die einmal dem überlieferten Drange zu fol­gen wünschte, mehr diesilbernen Kugeln" und die Po'itik des wirtschaftlichen Drucks in Anwendung zu dringen, zum anderen wohl oder übel der Not­wendigkeit gehorchen mußte, dem Bundesgenossen gegenüberdas Gesicht zu wahren". Da England fein soldatisches Gesicht besitzt, gelang das nur sehr unvollkommen, und die notwendige Folge war eben das zynische Bekenntnis zur ureigensten Poli­tik und Mentalität: der des See- und Straßen­räubers, des Strolches, der auch dann, wenn er eine Waffe zu handhaben weiß, kein Soldat wird, weil ihm dessen innere Haltung und dessen Ethos fehlt, sondern der zum Heckenschützen wird, zum ver­zweifelten Piraten, der seinen Raub mit den ge­meinsten Mitteln und Methoden zu verteidigen ge­willt ist. Bkn.

Die Blockadelinie.

Am 17. August 1940 hat die Reichsregierung den totalen Blockadekrieg gegen England erklärt und die Neutralen vor dem Befahren der englischen Ge­wässer gewarnt, das mit unmittelbarer Gesahr für Schiff und Leben verbunden ist. Der Blockade­ring um England ist kurz darauf in der üb­lichen Form durch Positionsangaben nach Breiten- und Längengraden angegeben worden. Er beginnt etwa an der Loiremündung und geht dann in einer schrägen südwestlichen Linie bis auf den 45. Brei­ten- und 5. Längengrad, was nördlich von Asturien (In Spanien) und westlich von Bordeaux ist. Dann folgt die Blockadelinie dem 45. Breitengrad bis zum 20. Längengrad also ziemlich weit in den nörd­lichen Atlantik hinein. Dabei erinnern wir, daß die Längengrade westlich und östlich von dem Obser­vatorium in Greenwich bei London gerechnet wer­den. (Der 20. Längengrad westlich geht durch die Mitte von Island und liegt im Süden zwischen Madeira und den Azoren, was ungefähr die räum­liche Westgrenze auf dem Atlantischen Ozean klar macht.) Die Blockadelinie verläuft nun auf dem 20. Längengrad scharf nach Norden bis zum 58. Breitengrad. (Auf dem 58. Breitengrad liegt auf dem Festland die Südspitze Norwegens oder etwa Gotenburg in Schweden oder Kap Skagen in Dänemark.) Von hier biegt die Blockadelinie nord­östlich ab in Richtung auf die norwegische Küste, und zwar bis zum Schnittpunkt des 62. Breiten- und des 3. Längengrades Ost. Dieser Schnittpunkt liegt etwa Halbwegs zwischen Bergen und Dront- hcim, und zwar in einer Entfernung von 50 Kilo­meter westlich der norwegischen Küste. Von hier läuft bie Blockadelinie schnurstraks nach Süden bis an die belgische Küste, so daß die dänischen und niederländischen Küstengewässer außerhalb ihres Umkreises bleiben.

Keine imaginäre Drohung."

Schweizerische Presse

zur deutschen Blockadeerklärung.

Genf, 19.Aug. (Europapreß.) Die von Deutsch­land verkündete totale Blockade Großbritanniens und die neuerlichen Erfolge der deutschen Luftan­griffe beschäftigen lebhaft die schweizerische Presse. So schreibt dieTribüne de Lausanne": Man muß den Führern des Hitler-Reiches die Ge­rechtigkeit widerfahren lassen, daß sie alle ihre Schläge immer genaue st ens oorbereitei haben. Wenn sie es für nützlich gefunden haben, eine ernste Warnung an die Neutralen zu formulieren, in der diesen in einer ausgedehnten Seezone eine gänzliche Untersagung der Schiffahrt mitgeteilt wird, so heißt das, daß sie den Verkehr außerordentlich gefährlich gestalten werden. Wenn das nicht der Fall wäre, würde der deutsche Generalstab die Warnung überhaupt nicht erlassen haben, denn sich zu blamieren, das gehört nicht zu seinen Gewohn­heiten. Die Kampfmittel, die 1917 und 1918 Erfolg hatten, sind heute durch die moderne Technik weit überholt. Künftig ist weniger das Unterseebot als das Flugzeug der Feind Nummer 1 der Han­delsschiffahrt. Weiter ist die strategische Lage Groß« britanniens heute unendlich schwieriger als vor 23 Jahren. Die französische Flotte hat den Kampf aufgeben müssen, und die Marine und die deutsche Luftwaffe verfügen heute über Seebasen und Flugplätze an allen europäischen Küsten von Narvik bis nach Bordeaux. Die gegen die britischen Inseln verkündete Gegenblockade ist also wahrhaftig keine imaginäre Drohung."

Die Churchill-Linie.

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Nach dem rühmlosen Ende der französischenWey gand-Linie" im Juni erregt die noch schneller errich teteChurchill-Linie" in der internationalen Öffentlichkeit eher Mißtrauen als Zuversicht m die Fähig- feit der Briten, dem deutschen Ansturm Widerstand leisten zu können. Aber trotzdem versendet die Lon­doner Lügenzentrale auch solche Bilder wie dieses von derB esichtigung" durch Churchill, die den Anschein erwecken soll, als ob es sich um besonders gut ausgebaute, große Verteidigungsanlagen handele. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Der Lustraum von London.

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Auf unserer Lagekarte von der englischen Insel sind alle in den Wehrmachtsberichten bis Montag ein­schließlich genannten Orte in Süd- und Mittelengland verzeichnet. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Für die Beurteilung der Luftkämpfe über dem Raum von London genügen die üblichen Pläne der Stadt und ihrer Umgebung in Reiseführern, Atlan­ten oder Lexika nicht. WasGroß-London" strate­gisch eigentlich ist, wird erst ... aus diesen Lust- kämpfen klar. Die Entfernung Londons von der See ist viel schwieriger zu bestimmen als die Ham­burgs, wo man eindeutig von Cuxhaven an rechnen kann. Die Themsemündung bildet nämlich einen Meerbusen, an dessen äußerem Rand etwa Mar­gate im Süden und Harwich im Norden liegen; am Jnnenrand dieses Meerbusens liegen Sheer- netz und South end. Alle diese Orte liegen im Bereich des Londoner Ausflugverkehrs. Man rech­net sie nicht zu London selbst. Im Sinn der deut­schen Luftangriffe bilden sie aber mit dem eigent­lichen London eine Einheit. Umgekehrt sind die viel- besuchten Ausflugsorte an der Themse oberhalb Londons wie z. B. Hampton oder gar Windsor sehr viel weniger Gegenstand der deutschen Aufmerksam­keit aus der Luft. Das normale Kartenbild von London erlebt also eine Verschiebung: die Themse- Ufer oberhalb des Vororts Richmond scheiden aus und dafür kommen zu dem unmittelbaren Stadtbild von London die beiden unteren Themse-Ufer bis zur Mündung.

Wir erwähnen zunächst die wichtigsten Plätze: un­mittelbar an die City schließt sich das schmutzige Judenviertel von Whitechapel und dann die ärmlichen Vororte an, in welchen die Dock- und Werftarbeiter sowie die Matrosen wohnen. Das südliche (untere) Themse-Ufer ist mit Greenwich und dem großen Arsenal von Woolwich etwas freundlicher. Aber ununterbrochen ziehen sich zu beiden Seiten Anlegeplätze der Schiffe, Speicher, Werften, Industrieanlagen bis nach Gravesend am südlichen und T i l b u r y am nördlichen Themse- Ufer hin. Das sind etwa, einschließlich der Fluß­

krümmungen, 37 Kilometer, die auf beiden Seiten der Themse Hafen- und Industrieanlagen dienen.

Aber damit noch nicht genug: In dem Meerbusen, den die Themse bildet, mündet noch der nur 112 Kilometer lange Fluß Medway, der in der süd­östlichen Landschaft Sussex entspringt, dann die Grafschaft Kent durchfließt und schließlich bei der Industriestadt Chatham mündet. Chatham hat ebenfalls bedeutende Kriegsarsenale, große Kriegs­schiffswerften und ausgedehnte Dockanlagen für die Kriegsmarine. Jenseits des Medway liegt die In­dustriestadt Rochester. Gegenüber auf einer Insel befindet sich der alte englische Kriegshafen S h e e r - neh mit starker Garnison, zahlreichen Forts, Trockendocks, Werften und ... Austerbänken. Fast alle diese Orte sind im Zusammenhang mit den letzten deutschen Einflügen in den südenglischen Luft­raum wiederholt genannt worden.

Oft treten auch Namen der Grafschaften auf, die um London herum liegen. Die Grafschaft ist räumlich ein Mittelgebilde zwischen dem preußi­schen Kreis und Regierungsbezirk. Wir nannten schon im Südosten von London Kent und Sus­sex. Westlich davon liegt Hampshire, zu wel­cher Grafschaft auch Southampton und die Insel Wight gehören. Im unmittelbaren Süden von London nennen wir noch die Grafschaft Sur­ret). Jenseits der Themse nach Nordwesten liegt die Grafschaft Middlesex, nach Nordosten die Graf­schaft Essex.

Das luftstrategische Bild ist durchaus anders als das landstrategische Bild. Flüsse oder mäßige Ge­birge scheiden als wesentliche landschaftliche Be­stimmtheiten an sich aus, dafür gewinnen wirtschaft­liche Standplätze wie Industrieanlagen, Häfen, Erdöltanks, Eisenbahnen eine sehr viel gesteigerte Zielbedeutung. Jndustrievorstädte, in die sich kein Weltreisender verirrt, werden wesentlich, Dillen­vororte nebensächlich. Dr. Ho.

Britische Botschaft als Brennstoffbasis

Rom, 19. Aug. (Europapreß.) Aus Rio de Ja­neiro wird gemeldet, daß der englische Dampfer Torinia" im Hafen von Rio de Janeiro 3 7 5 3 Tonnen Petroleum ausgeschifft habe, die angeblich für die britische Botschaft bestimmt seien. Die ZeitungMeio Dia" unter­streicht, daß es sich hier um eine offensichtliche Verletzung der brasilianischen Neu- tralität handle, da eine derartige Petroleum­menge unmöglich von der Botschaft selbst verbraucht werden könne. Das Blatt weist darauf hin, daß e i n Kreuzer mittlerer Tonnage für die Fahrt von Rio de Janeiro nach England nur 1200 Tonnen Pe­troleum brauche. Es fei daher höchstwahrscheinlich, daß das von dem englischen Dampfer gelöschte Pe­troleum zur Versorgung mehrerer eng­lischer Kreuzer dienen solle. Die Bestim­

mungen über die brasilianische Neutralität unter­sagen aber ausdrücklich im § 26 den Kriegführen­den die Errichtung von Brennstoffniederlagen au brasilianischem Boden.

Neuerliche Verletzung

»er schweizerischen Neutralität.

Bern, 19. August. (Europapreß.) Der Armeestab teilt mit: ,Ln der Nacht vom 18. zum 19. August wurde das schweizerische Gebiet mehrfach von fremden Flugzeugen überflogen. An mehreren Orten wurde Fliegeralarm ge­geben. Stellenweise trat auch die Fliegerab­wehr in Tätigkeit. Bei einigen UeberfUegungen lassen Flugrichtung und Formationen wiederum au absichtliche Verletzung des neutralen Luft­raumes schließen. Die Untersuchung über die Her- kunft der Flugzeuge ist noch nicht abgeschlossen." Daß

Der erste Gang.

Von unterer berliner Schristleiiung.

Die LondonerTimes", das vornehme Pluto* kratenblatt, wundert sich über hie Menge der deutschen Flugzeuge, die in der letzten Woche über britischen Boden erschienen sind. Weil ie keine hinreichende Vorstellung von der Produk­tionskraft der deutschen Rüstunasinbustrie und von der Macht der deutschen Luftwaffe hat, zieht sie aus ihrer eigenen Verwunderung den Schluß, daß die Engländerden e r ft e n Gang" der Schlacht von Großbritannien gewonnen haben. Gemach, auch die Vernichtung der 138 englischen Flugzeuge am letzten Sonntag geschah, wie der Bericht des Ober­kommandos der Wehrmacht ausdrücklich betont, im Rahmen der bewaffneten Auf- kl ä r u n g". DieTimes" dürfte also wahrscheinlich noch reichlich Gelegenheit bekommen, sich zu wun­dern. Denn es kann, wie gesagt, keine Rede da­von fein, daß die deutsche Luftwaffe in den Kämp­en der letzten Woche bereits ihre volle Kraft eingesetzt hätte. Im Gegenteil, dies alles war nur ein leichter Vorgeschmack für die kommen­den Dinge.

Aber noch aus einem anderen Grunde hat sich dieTimes" einem leichtsinnigen Trugschluß hinge- geben. Wir haben uns die Mühe gemacht und die deutschen wie die englischen V e r I u ft 3 i f f e r n d e r letzten Woche einmal zusammengezählt. In dieser Periode von Sonntag bis Sonntag ver­loren nach den amtlichen OKW.-Berichten die Eng­länder 732 Flugzeuge und 98 Sperr­ballons, während auf deutscher Seite 185 Flug­zeuge vermißt werden. Inwiefern diese Bilanz einenGewinn" für die Briten ergibt, ist uns eben­so schleierhaft wie wahrscheinlich auch derTimes", zumal wenn man bedenkt, daß die gewaltigen Zer­störungen an englischen Flugplätzen, Rüstungswer­ken, Hafenanlagen, Oellagern, Werften und Schif­fen, die gleichfalls auf das Konto der deutschen Luftwaffe gehen, in die obige Aufrechnung noch gar nicht eingeschloffen sind.

Der deutsche Leser hat sich oft Gedanken darüber gemacht, nach welchen Gesichtspunkten das britische Reklameministerium wohl seine Abschußziffern zu- ammenlügt. Aber ein solches Nachdenken ist frucht­los, denn der englische Zahlenschwindel beruht nicht auf raffinierten Berechnungen, auf bloßen Entstel­lungen oder Uebertreibungen, sondern auf einfacher Erfindung. Ein sprechendes Beispiel für die primi­tive Lügentechnik der Engländer bietet folgender Vorfall. Am Sonntagabend fünfte die amtliche Agentur Reuter eine Nachricht in die Welt hin­aus, die besagte:Nach einer Information der Associated Preß sind fünf deutsche Divisionen, die an der Küste zwischen Boulogne und Calais zur Ueberfahrt und Invasion nach England massiert standen, durch die britischen Luftangriffe von geft-rn abend und heute vollkommen auseinandergetrieben worden." Diese sensationelle Meldung wurde von Reuter um 22.40 Uhr ausgeaeben, aber genau 23 Minuten später schon mit dürren Worten zurück­gezogen, als ob nichts passiert wäre.

Der Fall hat symptomatische Bedeutung, er ge­währt einen überraschenden Blick in die Werkstatt der englischen Lügenpraktikanten, die sich ohne Be­sinnen irgend etwas aus den Fingern saugen, um es im nächsten Augenblick ebenso bedenkenlos zu dementieren. Auch nicht der kleinste Wahrheitskern bat der Reuterphantasie zugrunde gelegen, wie acht Auslandsjournalisten bezeugen können, die zufällig den Roum zwischen Boulogne und Calais just um die Zeit besichtigten, als dort angeblich fünf deut­sche Divisionen durch die Ronal Air Force zerschla­gen wurden ... Nach solchen Mustern entstehen auch die täglichen englischen Kommuniques über das Er­gebnis der Luftkämpfe. Und dieser Methode ent­spricht auch der hübsche Satz in derTimes":Die Woche, die soeben zu Ende gegangen ist, war die Periode einer vollkommenen Niederlage für die deutsche Luftwaffe." Wozu man nur den Wunsch äußer kann, daß die deutsche Luftwaffe noch recht viele solcherNiederlagen" erleiden möge. Ev.

es sich nach Lage der Dinge nur um Englän­der handeln kann, ist selbstverständlich.

Die Rückkehr der belgischen Flüchtlinge.

Brüssel, 19. Aug. (Europapreß.) Der Strom der Zurückkehrenden aus Frankreich hält unver­mindert an. Dank dem Entgegenkommen der deut­schen Militärverwaltung ist es möglich, täglich a ch t bis zehn Züae nach Belgien gehen zu lassen, deren Insassen aus den verschiedensten Städten des nichtbesetzten Frankreichs, aus Pau, Montpellier, Toulouse, Poitiers usw., kommen. Alle diese Heimkehrer, bei denen es sich meistens um junge Leute im militärpflichtigen Alter handelt, die von der ehemaligen belgischen Regierung Pierlot nach Südfrankreich verschleppt wurden, berichten übereinstimmend von den grauen­haften Umständen, unter denen sie die letzten Wochen verbringen mußten. Infolge der schlechten Organisation funktioniere der Verteilungsapparat in dem von Flüchtlingen noch überfüllten unbesetzten Frankreich nicht im mindesten; es fehle an den allernotwendigsten Gebrauchsgegenständen und Le­bensmitteln, die man nur im Schleichhandel für ungeheure Preise erhalten könne. Das Tempo der Rückwanderung in das von den deutschen Truppen besetzte Frankreich und nach Belgien bleibe deshalb noch wie vor unbefriedigend. Immerhin glaubt man in Belgien, daß bis Anfang September alle belgischen Flüchtlinge zurückkehren können.

Flomenkundgebuna am User-Turm.

Brüssel, 19. Aug. (Europapreß.) Entsprechend ihrer zwanzigjährigen Tradition fand am Sonntag­abend die berühmte flämische Betfahrt zum Pser-Turm bei Dixmuiden statt. Infolge der augenblicklichen politischen Lage konnte die Fahrt diesmal nicht zu der polittschen Massenkund­gebung werden, als welche man sie in den ver­gangenen Jahren erlebt hatte. Doch obwohl nur an die tausend Teilnehmer sich unter dem Pser-Turm, der in diesem Krieg durch englische Bomben Be­schädigungen erlitten hat, versammelten, konnten doch Hunderttausende von Flamen die Veranstaltung am Rundfunk miterleben. Auf der Veranstaltung nahm zuerst der aus der französischen Zivilge» fangenschast zurückgekehrte alte flämische Aktivist Dr. August B 0 r m s das Wort, er sprach über die Leiden, die er in Frankreich erdulden mußte. Nach ihm sprach der Führer der flämischen Frontsoldaten Germain L e f e t) e r. Scharfe Wort der Anklage gegen den belgischen Staat fand der Vorsitzende des Wallfahrtsausschusses, Professor D a e I s.