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20.8.1940
 
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Dienstag, 2«. August MV

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Scharfe Verfolgung in Somalilanb.

Oie Briten fliehen auf die Schiffe unter ständigen Angriffen der italienischen Luftwaffe.

Rom, 19. Aug. (DRB.) Der italienische Dehr- machtsberichl vom Montag hat folgenden Wortlaut:

3n Britisch- Somaliland verfolgen un­sere Truppen nach Durchbrechung der zweiten feind­lichen Verteidigungslinie und der Eroberung und Ucberschreilung von L a f a r u k den Feind, der sich in Richtung der Schiffe zurückzieht, die ihrerseits unaufhörlich von unserer Luft­waffe bombardiert werden. Lin englisches Flugzeug ist von unseren Jägern abgeschofsen worden.

Ein feindlicher Luftangriff auf L a s s a l a hat weder Opfer, noch Schäden zur Folge gehabt. Lin weiterer Angriff auf den Flugplatz von Addis - Abeba hat zwei Tote und fünf Verwundete ver­ursacht und zwei Flugplahhallen getroffen, die alles Material enthielten.

In 71 o r d a f r i k a hat unsere Luftwaffe die An­lagen des Wasser-Flughafens von S id i Bar­ra n i, sowie Zeltlager und Kraftwagen in der Zone südöstlich von S ollu m wirkungsvoll bom­bardiert. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.

Feindliche Luftangriffe fanden auf Mailand statt, wo drei Bomben einen Häuserblock trafen und andere auf offenem Felde niederfielen. An­griffe auf E u n e o und Turin haben unbedeu­tenden Schaden, jedoch keine Opfer verursacht. Wie üblich wurden Flugblätter abgeworfen.

Der Vormarsch auf Verbera.

Rom, 20. Aug. (Europapreß.) Der Durchbruch der Italiener durch die zweite Verteidi­gungslinie der Engländer in Brittsch-Somali- land wird von der Abendpresse in mächtigen Schlag­zeilen verzeichnet. Auch in den Kommentaren wird oie Bedeutung des gewaltigen Sieges der italieni­schen Waffen in ausführlicher Weise gewürdigt. So schreibt Gayda im halbamtlichenGiornale d'Jta- lia", die englische Katastrophe in Somaliland nähere sich ihrem Ende. Die italienischen Truppen stünden nun nur noch vierzig Kilometer von Berbern entfernt. Die an der Küste von Zeila aus vormarschierenden Truppen seien bis auf sieb­zig Kilometer an Berbern herangekommen. Schon am Samstag hätten die italienischen Truppen, nach­dem sie die e r st e von den Engländern und Fran­zosen errichtete starke Verteidigungslinie durchbrochen hatten, ihren kühnen Angriff gegen die zweite englische Verteidigungslinie vorgetragen. Kurz vor dieser zweiten Verteidigungsstellung seien sie auf ein indischer Regiment gestoßen, das die Engländer zur Deckung ihres Rückzuges in den Kamps geworfen hätten, und hätten es aufge­rieben. Unmittelbar darauf seien sie zum Sturm auf die zweite Verteidigungslinie übergegangen, die sie, obwohl sie ebenfalls gut ausgebaut gewesen sei, in siegreichen Kämpfen eingedrückt und überwunden hätten.

Rach den Kämpfen im Gebirge ständen die italie­nischen Truppen nun wieder im Tale, wo sie auf hastig angelegte Feldbefestigungen der Engländer stießen, mit denen das britische Oberkom­mando die italienischen Kolonnen aufzuhalten hoffe, um seinen flüchtenden Truppen den Rückzug und die Einschiffung in B e rb er a zu ermög­lichen. Die Engländer leisteten verzweifelten Wi­derstand, die Luftwaffe versuche den italienischen Vormarsch aufzuhalten, und mit dem Näherrücken der italienischen Kolonnen an Berbera werde auch diesckwere Artillerie der Kriegsschiffe in Aktton treten, der die Italiener nur ihre sechs Kilometer weit tragende Gebirgsartillerie entgegenstellen könnten. Trotzdem gehe aber der italienische Vormarsch unaufhaltsam weiter, die ita­lienische Luftwaffe werde voll eingesetzt, um die letzten Widerständ". der Engländer zu brechen, ihre überstürzten Einschiffungsoperationen zu stören und die englischen Kriegsschiffe anzugreifen. Man könnte annehmen, daß die Tage und Stunden des eng­lischen Widerstandes in Berbera gezählt seien. Sie italienischen Operationen in Somaliland konzen­trierten sich aber nicht etwa nur auf die nunmehr bevorstehende Eroberung Berberas, sondern sie ver­folgten einen viel weitergehenden und ent­scheidenderen Plan, dessen letzte Auswirkungen man bald sehen werde.

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einerfolgreicher Rückzug".

Stockholm, 20. Aug. (Europapreß.) Ein neuer erfolgreicher englischer Rückzug" wird am Montagabend offiziell aus London gemeldet. In einer amtlichen Bekanntmachung heißt es, daß Britisch-Somalilandfortfahrend geräumt wird". Alle Geschütze seien auf Fahrzeuge verladen wor­den, wenn sie nicht schon bei den Kämpfen in der letzten Zeit verloren gegangen seien. Ein großer Teil des übrigen Kriegsmaterials sowie Proviant fei auf die Schiffe gebracht worden. Das nicht mit­genommene Kriegsmaterial fei zerstört worden. Auch einen Teil der Verwundeten habe man an Bord nehmen können. Zum Schluß heißt es in der amtlichen britischen Feststellung natürlich, daß die italienischen Verluste im Vergleich zu den britischen weitaus größer gewesen seien.

Nach einem Bericht des britischen Kriegsministe- riums waren die ursprünglichen alliierten Disposi­tionen in So matt land auf dem Plane engster französisch . britischer Zusammen­arbeit aufgebaut. Nach diesem Plane sollten die französischen Streitkräfte in Dschibuti natürlich den schwersten Teil des Kampfes auf sich nehmen, näm­lich die rechte Flanke, das Kernstück der ge­samten Stellung, hallen. Mll ihrem Ausscheiden fei

Blatt schreibt:Bevor wir den Kampfwert der Italiener herabsetzen, sollten wir erst den Sieg über f i e erringen. Jedenfalls sind die Italiener glänzende Techniker. Schon im abessinischen Krieg haben sich Transport-, Nach­schub- und ärztlicher Dienst als erstklassig be­währt. Die einfache Wahrheit ist nun einmal, daß unsere anderweitigen Verpflichtungen, so z. B. auch das Ausscheiden Frankreichs aus dem Konflikt, es uns unmöglich gemacht haben, den Italienern in Ostafrika als gleichwertig entgegenzutteten."

mehr als die Hälfte der verfügbaren alliierten Streitmacht lahmgelegt worden.Wir konnten", so heißt es dann im Bericht weiter,nicht ge­nügend Verstärkungen nach Brittfch-So- maliland entsenden. Wir blieben mit unseren ge­ringen' Kräften im Lande, um dem Feinde die größtmöglichen Verluste zuzufügen, bis der Rückzug unvermeidlich geworden war. Die Räumung des Somalilandes ist nun mit Erfolg beendet worden."

Ein interessantes Urteil über den Kampfwert der Italiener gibt diePorkshire Po st": Das

Das italienische Operationsgebiet in Britisch-Somaliland. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Die strategischen Folgen.

Die wesentlichen Erfolge der Italiener in So- malilarü) haben schon jetzt, vor der Vertreibung der Engländer aus ihren allerletzten Stützpunkten, die sehr weitreichende Bedeutung, daß der italienische Besitz in Ostafrika zu einem gewaltigen Land- block abgerundet wird. Damit wird auch erst Abessinien zu einem riesigen Fort, dessen Zu­gänglichkeit auf der einen Seite sehr erschwert ist, aus dem auf der anderen Seite aber Ausfälle ge­macht werden können. Britisch-Somaliland war der einzige Fremdkörper in diesem gewaltigen Landblock. (Französisch-Somaliland mit der Dschibuti-Bahn hörte mit dem Waffenstillstand auf, ein feindliches Einsprengsel im eigentlichen Sinne zu sein.) Bri­tisch-Somaliland hat die Bedeutung gehabt, daß die Engländer in ihrer hergebrachten Küstenstrategie das zwischen dem Meer und Abessinien gelegene Rand­gebiet abgeschält und das Hinterland damit von sich abhängig gemacht hatten. Die Dschibuti-Bahn lag in der unmittelbaren Reichweite der Engländer und damit auch die bekannte südostabessinische Stadt Harrar. Die italienische Eroberung Z e i I a s machte

diesen unerwünschten Möglichkeiten schon vor Wo­chen ein Ende. Der italienische Vorstoß gegen Ber­bera rollt die ganze Küstenpositton der Engländer am ostafrikanischen Horn auf und gibt umgekehrt den Italienern Stützpunkte zu Luft- und Seeope­rationen an dem engen Eingang aus dem Roten Meer in den Indischen Ozean ... gegenüber der englischen Zwingburg Aden in Sudarabien. Die Abrundung von Italienisch-Ostafrika auf ein Ge­biet, das etwa viermal so groß ist als das Altreich, eröffnet den Italienern außerdem Stoßrichtungen gegen das obere Niltal: sei es in Richtung auf den Sudan oder gegen das zentralafrikanische Seengebiet.

Oes Führers Glückwunsch zum Siege in Ostafrika.

Berlin, 19. Aug. (DBB.) Der Führer hui zum italienischen Sieg in Ostafrlka folgendes Tele­gramm an den Duce gerichtet:Duce! Nehmen Sie und Ihre Wehrmacht zu dem großen Sieg in Ost­afrika meinen und des ganzen deutschen Volkes herzlichsten Glückwunsch entgegen. Ihr Adolf Hitler."

3n der Aacht zum Mnlag schwereVombenangriffe

Betriebsstofflager östlich London, Rüstungswerke, Hafenanlagen und Flugplätze mit Bomben belegt. 447 Flugzeuge und 33 Sperrballone abgefchoffen.

Der Wehrmachtsbericht vom Montag.

Berlin, 19.Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Luftwaffe errang, wie zum Teil schon durch eine Sondermeldung bekannlgegeben, am 18. August neue große Erfolge. Deutsche Fliegerverbände grif­fen in Süd- und Miltelengland kriegs­wichtige Ziele wie Jndustriewerke, Bahnanlagen, Flakslellungen und vor allem Flugplätze um Lon­don pnd in den Grafschaften Kent und Hampshire mit guter Wirkung an. Bei Bom­benangriffen auf Schiffsziele im Kanal gelang es, ein Handelsschiff von 4000 BRT. zu versenken, ein weiteres schwer zu beschädigen.

An mehreren Stellen entwickelten sich heftige Luftkämpfe, in deren Verlauf unsere Zerstörer und Jäger dem Feinde schwere Verluste beibrachten. Das ZerstörergeschwaderHorst Wessel" unter Führung

seines Kommodore, Oberstleutnant h u t h, schoß allein an diesem Tage 51 Flugzeuge ab.

In der Nacht zum 19. August belegten Kampf­flugzeuge große Beftiebsff off lager ostwärts Lon­don, Rüstungswerke in Norwich und Essex, die Hafenanlagen von Milfordhaven. ha- venmouth, Bournemouth und Wey­mouth sowie mehrere Flugplätze in Südengland und bei Liverpool mit Bomben. Bei allen ange­griffenen Zielen konnten starke Brände und Explo­sionen beobachtet werden. In den Häfen wurden mehrere Schiffe getroffen.

Britische Flugzeuge warfen in der Nacht zum 19. August in West- und Süddeutschland Bomben ab, ohne wesentlichen Sachschaden anzurichten.

Die Verluste des Gegners am gestrigen Tage be­trugen 147 Flugzeuge. Davon sind 124 in Luftkämpfen abgeschossen und 23 am Boden zer­stört oder durch Flakartillerie zum Absturz gebracht worden. Außerdem wurden 33 Sperrbaljone vernichtet. 36 deutsche Flugzeuge sind nicht zurück­gekehrt.

Ausländische Korrespondenten dürfen nichts sehen!

Stockholm, 20. Aug. (Europapreß.) Die eng­lische Presse betätigt, daß das Londoner Informa­tionsministerium bei den deutschen Luftangriffen alles getan hat, um die ausländifchenKorre- spondenten nicht in die Lage zu versetzen, sich ein Bild von dem Ausmaß der deutschen Akttonen zu machen. SowohlTimes" wieDailg Tele­graph" machen genaue Angaben darüber, daß nun­mehr sogar die amerikanischen Journa­listen, die bisher noch stellenweise zu den Plätzen der deutschen Luftangriffe zugelassen wurden, z u - rückgehalten werden, damit sie sich nicht ein Bild von der Wirkung der Bombenabwürfe machen können. Es werden Beispiele angeführt, aug denen

hervorgeht, daß amerikanische Journalisten, denen man die Ausreise aus London in die südlichen Graf­schaften verbot, in London acht Stund en lang warten mußten, um die erste Information über das Ergebnis deutscher Einflüge nach England zu erfahren.

Das riesige Ausmaß der Schäden veranlaßte den Londoner Korrespondenten vonSoenska Dag- bl a d e t" zu einer Fahrt nach Croydon, wo er am Sonntag verhaftet wurde, weil er sich infor­mieren wollte. Seine Ausweispapiere waren in Ordnung. Nichtsdestoweniger wurde der Schwede stundenlang fest gehalten, weil man fürch­tete, der Korrespondent werde übex die Wirkung der

Oer Tag, bevor ich toi bin."

Das Bild, das England zur Zeit jedem aufmerk­samen Bettachter bietet, ist nicht nur zwiespältig, sondern so voller Gegensätze, daß man ohne lieber* tteibung von einem chaotischen Wirrwarr sprechen kann, der sich auf die vielfältigste Weife äußert. Dem psychologisch und historisch geschulten Be­obachter sagen aber die freche Ueberheblichkeit, der verzweifelte Optimismus, die Sorge und die falsche Einschätzung der eigenen Lage, die Hoffnungs­losigkeit und der phrasenhafte Dünkel der Männer vom Schlage eines Duff Cooper lediglich, daß in England eine Untergangs st immung herrscht, die bereits in dem Titel einer augenblicklich in Lon­don gespielten Revue:Der Tag, bevor ich tot bin" 3ur erschreckenden Bewußtheit weiter englischer Schichten geworden ist.

Militärisch gesehen, ergibt sich das gleiche Bild, wenn auch mit wesentlich anderen Vorzeichen. Hier sind die kennzeichnenden Merkmale einer inneren Hilflosigkeit die fieberhaften Anstrengungen, aus dem englischen Volk in letzter Minuteein Volk in Waffen" zu machen, und die zynischen Einge­ständnisse, daß man Die Zivilbevölkerung zu Hecken­schützen heranbilden will, al|o au Kämpfern, die das äußerste Zerrbild echten Soldatentums sind. Der Anweisungen, wie man deutsche Tanks durch selbst­gefertigte Handgranaten, durch Stacheldrahtsperren, wie man Fallschirmschützen durch Flintenweiber oder mit Heugabelnbewaffnete" Dorfbewohner, wie man deutsche Soldatenlautlos hinterrücks" nieder­machen kann, grassieren zur Zeit sehr viele in Eng­land, angefangen von der friedlichen Geistlichkeit bis zu den Herren, die heute auf der Insel für die Politikverantwortlich" zeichnen.

Sie alle aber ergeben in ihrer Gesamtheit das Eingeständnis, daß England den Krieg, den es einzig zu führen versteht, nämlich den mit densil­bernen Kugeln", bereits verloren hat und daher auch den anderen, den es nicht zu führen versteht, den militärischen, er st recht verlieren wird. Um den Sinn all dieser Brutalitäten, der militärischen Abgeschmacktheiten und sttategischen Sinnlosigkeiten zu verstehen und damit das eng­lische Drama dieses Krieges überhaupt muß man sich vergegenwärtigen, daß der bedeutendste Militärschriftsteller Englands, Liddel Hart, Englands Strategie einmalein glitzerndes Schwert aus fremder Werkstatt" nannte. Es ist im wesent­lichen das Söldnerideal, das den äußersten Gegen­satz zu jener Clausewitzschen Auffassung einesVol­kes in Waffen" bildet. Englands Stolz war nicht das Ethos des Urstandes, wie er sich im Krieger und Bauern symbolisiert, nein, Englands Stolz war der eines Krämers: mit Hilfe der überlegenen Fi­nanzmacht fremde Truppen zu werben, die

Bombardements berichten. Der Londoner Korre­spondent vonStockholms IUrningen" berichtet, daß das Ziel der deutschen Bombenabwürfe hauptsäch­lich Flugplätze, Bahnhöfe u. a. m. seien. Die Bevöl­kerung Südenglands und Londons wurde von der deutschen Aktton vollständig überrascht. Die Gebäude eines Flugplatzes von Süd-London stan­den in Flammen, noch ehe man sich über das Aus­maß der deutschen Angriffe klar geworden war. Die Aktionen der deutschen Bomber und Jäger waren derart gewaltig, daß die englischen Jäger nur noch wagten, sich aus dem Hinterhalt an die An­greifer heranzuschleichen. Hunderte von deutschen Maschinen tauchten innerhalb kürzester Frist auf, dreimal mußte ßuftalarm für London gegeben wer­den: mittags, nachmittags und abends. Mehrere Stunden faßen die Londoner in ihren Luftschutz­kellern.

Zweierlei Maß.

London, 19. Aug. (Europapreß.) Die Soldaten Großbritanniens sollen in Zukunft nicht mehr so viele Vergnügungen haben wie bisher. Alle Truppen­kommandeure werden aufgefordert, die von ihnen für die Unterhaltung ihrer Mannschaften in Aussicht ge­nommenen Aufführungen und sonstigen Veranstal­tungen auf die Hälfte herabzusetzen. Die Armeeleitung vertritt den Standpunkt, daß in einer solch kritischen Zeit die Soldaten sich mehr auf den Krieg als auf ihre Vergnügungen konzentrieren sollen. In der englischen Luftwaffe hegt man nun große Befürchtungen, daß für die Flieger eine ähn­liche Anordnung getroffen werden könnte. Die Lei­tung der Luftwaffe ist nämlich der Auffassung, daß man die Mannschaften durch Unterhaltungen bei guter Stimmung halten sollte.

Mit der puritanischen Auffassung der britischen Heeresleitung stimmt es schlecht zusammen, daß trotz der vielen Proteste aus allen Teilen der eng­lischen Bevölkerung und den Versprechungen der Behörden, den seit Kriegsausbruch wie Pilze auf« schießendenB o 11 l e - P a r t i e s" ein Ende zu bereiten, erst vorige Woche wieder eine solche .pri­vate" Vergnügungsstätte für die Wohlhabenden i n einem früheren Klubgebäude eröffnet worden. Wie derDaily Expreß" berichtet, dien­ten die Räume bis dahin als Luftschutzkeller und sollen eigenartigerroeife auch in Zukunft für diesen Zweck zur Verfügung stehen. Jeder, wer es auch sein mag, muß zu diesem wohl luxuriösesten Luft­schutzraum Londons zugelassen werden, wenn er während eines Luftalarms Unterkunft sucht. Man­chem wird es dadurch möglich sein, sich diese für ihn sonst unzugängliche Vergnügungsstätte auch ein­mal von innen anzusehen.

Neue Vollmachten für Roosevelt.

Das Repräsentantenhaus der USA. nahm mit 342 gegen 33 Stimmen die bereits früher vom Senat bewilligte Vorlage an, wodurch der Präsi­dent autorisiert wird, die Nationalgarde so­wie das Reserveoffizier-Korps für eine einjährige Diestführung zu mobllisieren.