Ausgabe 
20.8.1940
 
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Kurbelei geht los. Heber, unter und zucken die Feuerstöße. Wie ein eherner

neben uns

Mit dem Horst-Weffel-Gefchwader über England

Don Kriegsberichter Franz Mittler«

*

MARYLO ein feststehender Begriff erfolgreicher Kosmetik

mir die zerklüftete Steilküste mühelos mit bloßem Auge ausmochen. Aus den zahlreichen Einschnitten, Buchten und Vorsprüngen fällt uns die charakte- ristische Landzunge von Portland auf

Da plötzlich der Ruf:Feindliche Jäger!" Eine milde Kurbelei

* * * *

sichrer, der mit kalter Ueberlegenheit diesen Doppel« sieg erfocht. Sein 14. Abschuß. Aber noch größer rnird die Freude, als mir nach der Landung ersah« ren, daß unsere Staffel insgesamt sechs Abschüsse

Nach dem Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom Montag hat das Zerstörer-Geschwader Horst Wessel" unter Führung seines Kommodore, Oberstleutnant Huth, allein am Sonntag 51 feind« liche Flugzeuge abgeschossen. Unser Bild zeigt Oberstleutnant Huth, bei dem sich ein Jäger zum Feindflug abmeldet. (PK.-Lysiah-Scherl-M.)

Erst auf der Rückfahrt begegnen mir, rechts der arohen Straße, einem der Friedhöfe, roo die deut­schen Gefallenen von 1916 liefen, und von den jungen Soldaten des neuen Reiches geht ein stiller, ehrfürchtiger Gruß hinüber zu den langen Reihen der Gräber aus dem Weltkriege ...j(ad) einer Stunde tauchen die Türme von Metz aus tren Dunstschleiern des trüben Tages.

Hans Thyriot.

Verdun 1940.

Eindrücke von einer Fahrt durch Frankreich.

3m Kampf mit britischen Jägern

Don Kriegsberichter Bruno Koster.

Kampf ein, verschrnindet unter unserer linken Flache und versucht, den vor uns liegenden Zerstörer von unten anzuyreifen. Der Flugzeugführer drückt die Maschine leicht nach unten und haut ihm einige Feuerstöße nach. Schon läßt er auch hier von seinem Beginnen ab und verschrnindet nach unten.

Da stößt einer im Sturzflug von hinten seitlich auf uns zu. 700, 600, 500, 400 Meter und immer näher! Er sieht unser MG.-Feuer und die Leuchtspurfäden, und 100 Meter entfernt reiht er die Maschine über See hinauf. Hinter mir ist Unteroffizier B. in einen Luftkampf oermickelt. Einen Gegner hat er erledigt. Der Pilot steigt aus, da, der zmeite stürzt auch, reißt heraus, steigt aus der Maschine, aber schon fängt er sie und gleitet mit dem meidmunden Bogel zur Küste hin. Er kann nicht umhin, eine unserer Maschinen, die soeben einige Gegner abfertigte, noch mit einem Feuerstoß zu bedenken. Aber der Flug­zeugführer zieht die Maschine herum, und schon zer­fetzen ihm die gutsitzenden Kanonenschüsse Latte und Motor. Im Kopfstand stürzt er zur See.

Unteroffizier B. scheint es erwischt zu haben. Dichter Rauch steigt aus seinem rechten Motor auf. Er hat den Motor abgestellt, die Latte fehlt. Da hängen schon zmei Spitfires an seinem Leitmerk. wippen mcg vor dem wohlgezielten Abmehrfeuer, greifen mieber an, verschwinden. Bon unseren Ma­schinen kann ihm keiner helfen, da mir alle mehrere Gegner hinter uns und um uns herum haben. Wie der Blitz schießen plötzlich zmei Messerschmitt-Jäger herunter yinter den Spitfires her. Sekunden nur und zmei Gegner pendeln am Fallschirm über See.

Plötzlich höre ich einen Schrei der Entrüstung. Mein Flugzeugführer dreht aus dem Kampsgewim- mel heraus und schießt auf eine Gruppe zu, die einen einzelnen Jäger verfolgt. Man sieht die Ge­schoßbahnen, die sich in die Maschinen bohren und erkennt plötzlich, roie sich eine Maschine buchstäblich in ihre einzelnen Bestandteile auflöst und in die See fällt.Das Schmein", ruft mein Flugzeugführer. Im Tiefflug mar der Engländer über See gegangen und hatte mehrmals auf eine abgeiprun« jene deutsche Besatzung geschossen, die sich in Seenot befand. Alle Flugzeugführer, die das sahen, lösten sich sofort von ihrem Gegner, um die in Seenot befindlichen Männer zu schützen. (Eine englische Maschine nach der anderen trudelte ab, Fallschirm auf Fallschirm schrnebte in der Lüft. Wo man auch hinschaute, kein englischer Jäger mehr zu sehen.

lieber 40 Minuten hatte die Luftschlacht gedauert, eine lange Zeit, roenn man bedenkt, daß durchweg ein Luftkampf kaum länger als 10 Minuten dauert. Wir formierten uns zum Heimflug. Auf dem Wasser zählten mir über 20 große hellgrüne Flecke, eine Schutzfarbe, die jedes Besatzungsmitglied mit sich führt, und die das Wasser zur Auffindung kenntlich macht. Das Grün der Engländer hob sich schart ab. Geschlossen fliegen mir über See ab. Man spürt urplötzlich in den starren Fingern die ungeheuere Kälte der großen Höhe. Langsam fällt der Höhen­messer. In 1000 Meter über dem Erdboden empfin­den mir wohlige Wärme. Unter uns befindet sich schon der Flughafen. Eine Platzrunde in geschlossener Formation, bei einigen Maschinen mit dem ent­sprechenden Wackeln, wir rollen über die Wiese und stehen wieder friedlich und wohlbehalten in der Sonne.

erhebt sich schon die Führermaschine vom Boden. Wir rollen ab, ihr noch.

Die Maschinen formieren sich und steigen immer höher. Längst schon haben mir die Sauerstoffmaske angeleat. Links unter uns machen mir einen Stuka­verband und Jäger aus, die ebenfalls Kurs auf England nehmen. Durch die Wolken scheinen jetzt die graugrünen Wasser des Kanals durch. Weiße Kämme stehen auf den Wellenbergen. Da, unter uns ein winziges Etwas. Durch das Glas erkennen wir ein deutsches Küstenwachboot, dessen Besatzung zu uns herauf winkt. Durch die Wolkenrisse können

In Baux sind die Eindrücke ähnlich wie in Douaumont. Man steht oben auf den Panzerkup­peln, in den MG.-Ständen, man steigt in die Stol­len und Geschützstände hinein, wo die völlig unver­sehrten Rohre sich mit leichtern Kurbeldruck in den Schlitzen schwenken lassen, man steht auf den welligen Hügeln, die von alten Trichtern besät sind, schaut ins Weite und bedenkt abermals den kaum faßbaren Unterschied zwischen damals und heute. Vorn gegenwärtigen Kriege ist auch hier so gut wie keine Spur zu entdecken: ganz selten trifft man ein frisches Kreuz mit einem flachen französischen Helm darüber. Aber auf Schritt und Tritt begegnet man den (Erinnerungsmälern von 1916: soweit sie in Stein und Erz geformt sind, widersprechen sie allermeist unserm Empfinden: viel persönlicher und menschlicher als die erstarrte Pose und das pathe­tische Wort wirken die kleinen verwitterten Gedenk- täfelchssn, die man da und dort ganz versteckt an einer zerbröckelnden Grabenwand findet als einen letzten Grußmeinem Mann" odermeinem lieben Sohn" gewidmet ... Oder die kleine Bronzetafel zum Gedächtnis an jene letzte Brieftaube, die sie damals von hier haben fliegen lassen: nicht als eine Taube des Friedens, sondern als einen Hilfe­schrei an die Heimat.

Aber dies find nur die Namen derer, die man kennt. Und das Gräberfeld vor der langen loten» liaHe, ein fast unübersehbarer Acker der Kreuze, isehnt sich viel weiter, den ganzen bunt überblühten iiang hinunter. Hier liegen nur die gefallenen Franzosen. Die deutschen Friedhöfe liegen weiter dbroärts in der Ebene auf dem Rückwege nach Metz fahren mir an einigen vorüber. Noch einmal, che wir in die verlassenen Kasematten und Ge- Hützstände und Panzerkuppeln hineinsteigen, roer- m wir einen Blick zurück auf die Totenhalle, auch <inen kleinen Blick hinunter in den Keller, ins Bein« !mus, wo sich die modernden Knochen und Schädel iSufen: ein Inferno, ein Anblick von der schreck- lachen Realität eines mittelalterlichen Jüngsten Ge- ti chtes.

Und dann gehen wir hinüber zum berühmten Bajonettgraben. (Es mag ja sein, daß amerikanische (leschäftigkeit diese Stätte reklamehast vorbereitet inb hergerichtet hat, aber es ist doch ein Anblick ran antiker Größe: dieses kleine, krumme, arm» fllige und verdorrte Grabenstück, eingeebnet bis an i?n Rand: aus der dürren, bröckligen Erde ragen die paar Meter ein paar rostige, verbeulte, abge« k vchene Bajonette hervor. Die Spitzen sind mit lingft zerfallenen Rosenkränzen umwunden und riit verwelkten Blumen überstreut. Seit einem ÜÄerteljahrhundert starren diese Bajonette aus der Lide, seit einem Vierteljahrhundert stehen sie da inten in ihrem Graben,wie das Gesetz es befahl".

*

Ganz selten einmal erinnert ein frisches Grab mit e nem Stahlhelm über dem Kreuz an den Krieg brn gegenwärtigen Krieg. Wenn man dann oben aiaf einer der Panzerkuppeln steht und den Blick i" die weite, eingeschnittene, von diesen Höhen voll­kommen übersehbare und beherrschte Landschaft Inmeifen läßt dort drüben liegt Vaux, dahinten bir Pfefferrücken, da derTote Mann" dann mrsteht man kaum, daß die Verteidiger von heute st wenig Widerstand geleistet haben. Wenn man

DNB.......... 19. Aug. (PK.) Leichte Dunst-

schleier liegen über dem weiten Platz. Vorwitzige Sonnenstrahlen huschen über die Maschinen und spielen auf den Tragflächen Dann und wann hört man einen Motor brummen, ein Hämmern und ein Rufen. Plötzlich hallt ein Ruf zu uns herüber: Fliegende Besatzungen zum Staffelkapitän. Dann stehen wir auch schon im Rund um den Führer der Zerstörereinheit, Hauptmann K. In knappen, festen Worten umreißt er den Einsatzbefehl. Einige Fra­uen noch, bann eilt alles zu den Maschinen. Schon laufen die Motoren mit ruhigen Touren. Die Warte stehen an den Maschinen und unter ihren umsich­tigen Händen werden die griffbereiten Klamotten wie Pelzkombination, Pelzstiefel, Schwimmweste, Fallschirm, Erlaube und Pelzhandschuhe über- gezogen. Hilfsbereite Hände helfen uns in die Ma­schine. Die Kabinenhauben werden heruntergeklappt und von innen verriegelt. Der Flugzeugführer prüft seine Motoren, während ich als Bordfunker und Heckschütze mein Gerät klar mache, das MG. frisch labe und sichere. Prüfend geht der Blick über die Knöpfe und Hebel noch einmal über Fallschirmgurte und Verschluß, lieber die Bordsprechverständigung melbe ich bem Flugzeugführer:Alles klar!" Vorn

babei an jene von 1916 bentt, an die im Bajonett­graben. Und man begreift kaum, wie es möglich war, eine Stellung wie diese mit stürmender Hand zu nehmen. Douaumont war damals immerhin monatelang in unserm Besitz. Man ist versucht, von einem Wunder von Verdun zu sprechen, wie jene damals, 14, vom Wunder an der Marne.

*

Aus gewundenen Höhenwegen, meist durch Wald und Gehölz, fahren wir die paar Kilometer hinüber Zum Fort Vaux. Im Fahren betrachtet man die Landschaft aus der Nähe. Sie ist im Laufe der Jahre wieder bewachsen, wieder grün geworden. Aber unter dem dünnen, dürftigen Grün sieht man die unverwischten Runen der Pflugschar des Großen Krieges: Trichter an Trichter, Krater neben Krater. Millionen von Einschlägen sind auf diesen Höhen niedergegangen. Unterwegs kommen wir an Fleury vorbei- das heißt: an Der Stelle, wo einmal, vor einem Vierteljahrhundert, das Dörfchen Fleury ge­standen hat. Wir haben in diesem und jenem Kriege manches zerschossene Dorf gesehen, aber keines wie dieses, das buchstäblich in den Boden gestampft wurde. Wie Kreidestriche in der Landschaft sind eben noch die zerfallenden Linien der Grundmauern zu erkennen. Man muß an jene Schilder denken, die die Engländer im letzten Kriege an den Ueberreften zerstörter Ortschaften errichteten: this was X. Dies war einmal ein Dorf. Dies war Fleury.

großen Höhen müssen wir oft durch die Wolken hin­durch. lieber dem Themseschlauch kommen mir wie­der heraus, fliegen tiefer. Und schon knattern die MG. die Leuchtspurmunition nach hinten weg, bellen die Kanonen los. Ueberall, wohin ich sehe, deutsche Maschinen, deutsche Jäger, zwischen denen wie kleine Irrlichter Hurricane und Spitfire herumfliegen. Scharf heben sie sich mit ihren ovalen Flächen ge­gen unsere Me 109 ab. (Eine Hurricane ist soeben der vor uns fliegenden Me 110 mit einem Ab­schwung entwischt. Jetzt haben wir sie vor den Ge­wehren. Ruckartig geht unsere Maschine über Kopf, kurvt dann links heraus, und schon ist der Eng­länder im Visier. Ich höre wie die Kanonen und MGs. kurz ihre Garben durch die Luft peitschen, dann sehe ich auch schon beim Hochgehen die Hurri­cane als lahmgeschossenen Vogel mit Feuerschein nach unten, kurz vor der Tyemsemündung, ins Wasser stürzen.

Schon hämmern unsere Kanonen und MG. zum zweitenmal. Beim Hochziehen ist uns eine weitere Hurricane vor die Läufe gekommen. Zweimal kann der Flugzeugführer auf seinen Auslöseknopf drücken, zweimal spritzt sekundenlang die Munition aus den Rohren hinaus. Auch diese Hurricane hat genug und teilt -das Schicksal ihres Vorgängers. Während ich sofort die schweren Trommeln der Kanonen wechsele, schaut der Flugzeugführer nach neuen Gegnern aus. Doch sie sind alle verschwunden.

Trotz der niedrigen Temperatur in dieser großen Höhe ist das Gesicht unter der Höhenatemmaske schweißoerklebt. Durchs Mikrophon brüllt ein kurzes Lachen. Ich weiß, nicht nur ich freue mich über diese Doubletts da vorne fißt mein Flugzeug­

Schlag geht es durch unsere Maschine, überdröhnt noch das Motorengeräusch. Der Flugzeugführer schießt mit den Kanonen und MGs. Man sieht, wie in Abständen die Feuergarben herausstoßen, wie die Mündungen dunkel sind und im schnellen Wechsel rot aufzucken. Der Gegner sieht den aussichtslosen

zu verzeichnen hat, daß aber das gesamte Geschwa­der, unser Horst-Wesfel-Geschwader, 51 E n g l ä n der an diesem Tage vernichtete.

Japanische Aerzieöeleqation im (Sou Hessen-Nassau.

NSG. Auf Einladung des Reichsgesundheitsfüh­rers, Staatssekretär Dr. Conti, weilt eine japanische Aerztedelegation unter Führung des Präsidenten der Japanisch-Deutschen Medizinischen Gesellschaft Dr. Choei Jshibashi in Deutschland. Auf ihrer Besichtigungsfahrt trafen sie im Gau Hessen-Nassau ein und wurden von Gauleiter Sprenger im

Nancy, im August.

Am frühen Morgen rollt der große Wagen durch das elegante, geschäftige Zentrum und die provin­zielle Vorstadt von Nancy. Dahinter öffnet sich die weite, an manchen Stellen sehr anmutige Landschaft Wenn man aus Deutschland kommt, wo gewisser­maßen jeder Quadratmeter bebaut ist, wo aus dem kleinsten Stückchen Acker und Garten alles heraus­geholt wird, was der Ernährung des Volkes dienen kann, dann wird einem bei längerer Fahrt auffallen, wie wenig nutzbaren Bodens hier in Frankreich be­stellt ist: zwischen 2Ietfern und Feldern dehnen sich weite Weideflächen und große Gebiete urwüchsigen Landes, das einfach brad) liegt, von keinem Pfluge berührt. Sie hatten es hier nicht nötig; man kann lange über diesen Unterschied nachdenken und auch darüber, daß dies doch vielleicht in Zukunft ein wenig anders werden wird.

Alltägliche Bilder, die man heute wohl auf allen Straßen Frankreichs findet: die zahllosen, von den Franzosen auf eiligem Rückzüge gesprengten, von den Kolonnen des Arbeitsdienstes schon wieder auf- gerichteten Brücken: die großen Beutesammelstellen mit der unabsehbaren Menge der Geschütze, Autos, Uniformen, Geräte und Ausrüstungsstücke; die Her­den der müden, erschreckend abgemagerten Pferde welch ein Unterschied gegen die in unseren Batterien und Kolonnen; die traurigen Züge der Flüchtlinge und Rückwanderer; die dicht bevölkerten Gefangen­lager; da und Dort ein paar Marokkaner, die sich frierend am regenkühlen Sommerrnorgen in ihre Mäntel wickeln; und auf den Wiesen immer wieder die Scharen des schwarzbunten französischen Niede­rungsviehs ... Links weist ein Schild nach St. Mi- hiel: dort lagen wir 1918 auf den Maashöhen in den Batteriestellungen. Geradeaus weist das Schild mit Dem Schicksalsnamen Verdun.

Auf halbem Wege liegt Toul. Wir steigen aus. Auf einem kurzen Rundgange bekommt man einen Begriff davon, wie dieser Krieg aussieht: man erblickt das Bild einer buchstäblich in Schutt und Trümmer gelegten Stadt: kaum ein paar unversehrte Straßen­fronten stehen noch. Die Franzosen haben ihre Festung selbst zusammengeschossen, als unsere Trup- ven einbrangen. Das Bild der Verwüstung wird Ichmerzlich-schön von Der eDlen, fjgurenreidjen Fas- jabe Der Kathedrale überragt, Die von Der rasenDen 'Beschießung schwer mitgenommen ist; Den (Eintritt tunD Blick ins Innere verwehrt ein Schild: Einsturz- gefahr! In Den Straßen spielen zwischen geschwärzten Mauerresten Die KinDer wie im tiefsten FrieDen. Arbeitsmänner mit Hacke und Schaufel beginnen das mühsame Werk der Ausräumung.

Gegen Mittag kommt Verdun in Sicht. Unheim, liches Gefühl, in einem bequemen Reisewagen wie ein Tourist hineinzurollen in diese Stadt, um die Dor einem Vierteljahrhundert monatelang mit un- erhörter Erbitterung und entsetzlichen Opfern ge­dämpft worden ist. Das ist der sehr merkwürdige Gegensatz zu den Bildern in Toul und zu allem jsonst, was man heute auf einer Fahrt durch Frank­reich zu sehen bekommt: in Verdun spürt man vom gegenwärtigen Kriege fast nichts alles ist be- herrscht von den tödlichen Spuren Der Vergangen­heit. Es gibt viele Denkmäler in und um Verdun, , Das als Stadt genau so unbedeutend und provinziell i wirkt wie zahllose andere. Das einzige, das einen ! als Monument innerlich anrührt, steht gleich am I Eingang vor der Maasbrücke: in grauen Stein ge- ; hauen fünf schlichte, ernste Soldatengestalten, Den Dlick über Den Beschauer hinweg ins Unendliche gerichtet. Darunter in langen Reihen die Namen der Gefallenen. Das triumphale, pathetisch aufgereckte Etanbbilb im Innern ber Stabt läßt uns kalt. Das mach berühmtere, auf ber Hohe bes Forts Douau- imont, kommt, als Bauwerk betrachtet, unserem Stil- ismpfinben auch nicht entgegen. Aber bann, wenn man hineintritt in bis gewaltige Halle mit ihrem gebämpften Licht, hält man unwillkürlich ben Atem nn. Das große Schild am (Eingang Silence! erscheint bem natürlich empfinbenben Besucher sehr überflüssig. An ben Wänben reiht sich, symbolisch Mbacht, Sarg neben Sarg, unb jeher biefer großen Särge ist mit einem blutbefleckten Namen über« schrieben: Douaumont, Vaur, Harbaumont, Fleury, Toter Mann, Höhe 304, Höhe 344 unb immer so wrt, eine lange, lange Reihe. Jeber biefer Namen tft roieberum umgeben von ungezählten anberen, m ben Stein gehauen, in bie Nischen, in bie Wänbe >«is hoch hinauf an bie Decke, in bie Pfeiler hinein, hie bas Gewölbe tragen: ben, ber burch bie Halle chreitet, scheinen von allen Seiten, wohin er sich : ud) roenben mag, selbst noch von ber Decke herab, bie stummen Namen ber Toten zu verfolgen auf Schritt unb Tritt.

DNB. ..., 19. Aug. (PK.) Wie immer sieht uns auch dieser Sonntag auf unserem Staffelliegeplatz. Wärmer scheint heute Die Sonne, und verflucht warm wird es uns in den Kombinationen mit über- gezogenen Schwimmwesten. Beides haben wir zu­sammen mit den warmen Pelzstiefeln leit Dem frühen Morgen an. Jeden Augenblick kann der Start erfolgen. Des öfteren schaut ber eine ober Der anbere nach Dem Wetter, hält seine Nase in Die Luft, ob Dieser Sonntag vielleicht Das große Tref­fen mit Den englischen Jagbfliegern bringt, bem biefe bis jetzt immer aus bem Wege gegangen sind. Kurz nach bem Mittagessen stehen wir um ben Staffelkapitän, Der erklärt, Daß es gegen die Flug­plätze geht. Dann dröhnen auch schon die Motoren unserer zweimotorigen Jagdmaschinen auf. Staub und Dreck wirbelt auf, als wir über den Platz fliegen. In großen Kurven gewinnt der gesamte Verband Höhe. In langen Marschkolonnen kommen Die einzelnen Staffeln nach einigen Minuten aus Dem Dunstschleier herangeslogen.

WährenD uns in einigen taujenD Meter Höhe das Wetter immer noch schlecht erscheint, wird es zum Kanal hin besser, lieber England klart es noch mehr auf. Hoch oben über uns sind Die Me 109 als Him­melsschreiber tätig. In großen Höhen fliegen sie Dahin unD ziehen lange Kondensstreifen nach sich. Näher und näher rückt das Ziel. Das unter uns fliegende Kampfgeschwader soll einen Flugplatz an­greifen, der in der Nähe des großen Verkehrsflug­hafens Croydon gelegen ist. Nun sehen wir ihn auch schon. Herzförmig breitet er sich neben der großen Verkehrsstraße aus. Die ersten Bomben sind gefallen, auf den Südrand des Platzes, dahin, wo die Hallen und die Tankanlagen stehen.

Die ersten feindlichen Jäger tauchen auf, Spitfire unb Hurricane. Auf sie haben wir ge­wartet. Die Maschine stürzt sich auf ben Gegner. Steilkurven, Abkippen, mieber Hochziehen, Sturz­flug, MG.- unb Kanonenfeuer, Aufheulen ber Mo­toren bas alles reiht sich blitzschnell auseinander. Ich sitze hinter meinem MG., starre nach links, nach rechts, nach oben, überall hin, wo ein Gegner von hinter angreifen könnte. Aber es kommt keiner. Dafür sorgt mein Flugzeugführer. Eben, sehe ich noch'Wolken vor mir, bann starre ich schon mieber auf bie bunstverhangene See, auf bie bunt gewür­felten Felber Sübenglanbs, auf bas Häusermeer Londons. So schnell gehen bie Flugbewegungen in­einander über, baß alle Blickfelder dieses großen Raumes auf mich einzustürzen scheinen.

Wir fliegen wieder beim. Bei Calais holen wir eine He 111 ein, die mit einem Motor nur langsam vorwärts kommt. Links unb rechts schließen wir uns an, um auch für ben letzten Rest bes Rückfluges noch Schutz zu gewähren. Unb nur wenige Minuten soll es bauern, bann ist biefer Schutz auch schon bitter nötig. Zwei Hurricane haben sich während ber vielen Luftgefechte über Lonbon unbemerkt in größerer Höhe in Richtung zur norbfranzösischen Küste geschlichen, um sich hier auf die Lauer nach einzeln heimfliegenden deutschen Kampfmaschinen zu legen. Sofort wird Der Kampf aufgenommen. Nicht lange dauert es, bis ber erste buchstäblich in ber Luft zerplatzt unb ber zweite irgendwo zwischen Boulogne unb Calais am Boben zerschellt.

Wenige Stunden später ist nochmals ein Start. Die nördlichen Flugplätze um London sind diesmal bie lohnenden Ziele. Der Himmel hat sich wieder zugezogen: Alles grau in grau. In diesen