Ausgabe 
20.7.1940
 
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England furchtbare Wahrheit zu werden. Es ist ein grandioses Bild unvorstellbar großer militärischer und politischer Erfolge, das sich in der Rede des Führers vor den Augen seines Volkes entrollt. Und es zeigt sich die ganze menschliche Größe dieses Mannes, wie der geniale Staatsmann, der sieg­reiche Feldherr in den größten Schlachten der Kriegsgeschichte vor den Repräsentanten des eige­nen Volkes und vor aller Welt feine Mitarbeiter an seinem Werk an der Front und in der Heimat in ihren Leistungen herausstellt und ihnen seinen Dank sagt für das, was sie taten in wunderbarer Arbeitsgemeinschaft, befruchtet vom Ingenium eines wahrhaft großen Mannes, ihr Bestes gebend für Ruhm und Größe ihres Vaterlandes. Mit inniger Freude vernahm das deutsche Volk von der beson­deren Ehrung, die der Führer seinem ersten Pala­din durch die Ernennung zum Reichsmarschall be­reitete. Hermann Göring, der Pour-le-m£rite= Flieger des Weltkrieges, der Vertraute des Führers von der ersten Kampfzeit der nationalsozialistischen Bewegung her, der Schöpfer der deutschen Luft­waffe, die seine Hände aus dem Nichts hoben und sein Geist zu unvergleichlichen Siegen befeuerte, der Mann des Vierjahresplans, dessen Umsicht und zäher Eifer allen Schwierigkeiten zum Trotz unsere wirtschaftliche Aufrüstung in ungeahnt kurzer Zeit und unvorstellbarem Ausmaß bewerkstelligte, er verkörpert in sich all die männlichen Eigenschaften, an denen das deutsche Volk von jeher seine Besten erkannt hat. Und mit ihm ehrte der Führer seine engsten militärischen Mitarbeiter im Führungsstab, den Oberbefehlshaber des Heeres, den Chef des Generalstabes und zahlreiche im Feldzuge gegen Frankreich besonders bewährte Generale des Heeres und der Luftwaffe. Sie alle, die die höchste Ver­antwortung trugen, tragen nun auch den höchsten Ruhm. Aver mit ihnen teilen sich in Ehre und Ruhm, in Dank und Anerkennung alle die namen­losen Arbeiter des Generalstabs, die in aller Stille unermüdlich, zuverlässig und von jener Treue im kleinen beseelt, die für das Große die Fundamente legt, dem Plan des Feldherrn im einzelnen zur Durchführung halfen, all jene Truppenführer, deren Schneid und selbständiges Mitdenken auch vor schwierigsten Lagen nicht verzagten und deren An­griffsgeist ihre Truppe immer wieder mit vorwärts riß in jenem rastlosen Siegeszug, der alle Welt in Bewunderung setzte, und nicht zuletzt alle unsere braven Soldaten, die in freudigem Einsatz ihr Letz­tes hergaben, um den Sieg zu erkämpfen und fest­zuhalten. Wenn der Führer von dem deutschen Fußvolk sagte, daß es seinen Ruf als die beste Infanterie der Welt erneut bewiesen habe, und von der jungen deutschen Panzerwaffe, daß sie durch ihre Heldentaten auf den Schlachtfeldern Frank­reichs sich in die Kriegsgeschichte eingeführt habe, wenn er von den beispiellosen Leistungen der deut­schen Luftwaffe sprach und allen andern Wafsen- arten in Worten höchster Bewunderung sein unein­geschränktes Lob zollte, so empfindet mit ihnen das ganze deutsche Volk den Stolz seiner Soldaten über diese Anerkennung herrlicher Waffentaten aus dem Munde des ersten Soldaten der Nation.

Noch einmal rief der Führer die politische Lage in unsere Erinnerung zurück, die das Norwegen­unternehmen auslöste, dessen Durchführung von allen eingesetzten Angehörigen der drei Wehr- machtsteile das Aeußerfte forderte. Es ist mit einer freudigen Hingabe geleistet worden, die der natio­nalsozialistischen Wehrmacht zum höchsten Ruhm ge­reicht. Narvik, wo ostmärkische Gebirgsjäger mit den Matrosen des Zerstörerverbands und Piloten der Luftwaffe ein Beispiel zähesten Heldentums gaben, wurde zum Symbol der Einheit des Groß­deutschen Reiches, die hier in härtestem Kampf mit Blut besiegelt wurde. Die Auszeichnung des Hel­den von Narvik, der als erster das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes erhielt, wird im ganzen deutschen Volk besonders lebhaften Wider­hall finden. Mit knappen, aber überaus markanten Strichen zeichnete dann der Führer noch einmal die Operationen im Westen, deren Planung, die ursprünglich den Durchbruch durch die Maginot- linie vorgesehen hatte, durch den drohenden Angriff einer britisch-französischen Stoßarmee durch Hol­land und Belgien so hatte geändert werden müssen, daß diesem Stoß zuoorgekommen werden konnte. Der geniale Plan, dessen Ziel die totale Vernichtung der feindlichen Armeen war, hatte das Schwerge­wicht auf den linken Flügel gelegt, der die Durch- bruchsoperatton gegen einen feindlichen Flankenstoß von Süden her abschirmte ustd gleichzeitig die Aus­gangsstellung für die zweite Operation des Durch­bruchs in den Rücken der Maginotlinie bis zur Schweizer Grenze schuf. Der Durchbruch durch die Maginotlinie, die Zersplitterung des feindlichen Widerstandes und die Einkesselung der aufgelösten Teile der feindlichen Armeen schufen dann jene gänz-

Des deutschen Volkes

Zum Schluß der Reichstagssitzung macht Reichs­marschall Göring sich zum Dolmetsch der Empfin­dungen der ganzen Nation.

Mein Führer!, so sagt er, Jahre hindurch haben Sie auch von dieser Stelle aus immer wieder unser Volk aufgerüttelt und stark gemacht in seinem Glau­ben an die deutsche Zukunft. Der Welt aber haben Sie immer wieder aufs neue große Prophezeiungen gegeben, und heute wird kaum einer , bestreiten können, daß alle Ihre Voraussagen und Prophe­zeiungen eine unerhörte und eindeutige Erfül­lung gefunden haben. Der Kampf, der hinter uns liegt, hat bereits das deutsche Schicksal neu gestal­tet^ denn er war von dem größten aller Siege ge­krönt. Als e|n Wunder erschien die deutsche Stra­tegie. Eine Revolution aller geheiligten strategischen und taktischen Prinzipien warf alle Pläne der Feinde über den Haufen. Sie glaubten an eine neue Wunderwaffe.

Heute aber ist uns allen und der Umwelt dieses Wunder klar, denn an der Spitze der tapfersten deutschen Soldaten stand Deutschlands größ­ter Feldherr, wie an der Spitze des deutschen Volkes sein größter Staatsmann steht. Was für uns Nationalsozialisten heiliger Glaube ist, was viele im Volke ahnten, was die Gegner aber nicht wahr haben wollten: Unser Führer befehligt selbst seine Wehrmacht! Sein Wille wies in genialen Plä­nen den Truppen Aufgabe und Ziel. Der Soldat Adolf Hitler hatte das deutsche Schwert scharf geschmiedet, der Feldherr Adolf Hitler führte es in siegreichen Schlägen. Es gibt für uns Sterbliche keine Worte, das gewaltige Werk unseres Führers, das in all diesen Jahren von ihm geschaf­fen wurde, zu würdigen. Als die Vorsehung unserem Volke Adolf Hitler schenkte, hatte sie Deutschland zu einer großen Zukunft berufen und hierfür gesegnet.

Mein Führer! Sie haben mich und Ihre Mit­arbeiter soeben mit Dank und Anerkennung über­schüttet. Wir taten nur unsere Pflicht, und wir sind dem Allmächtigen dankbar, daß er uns das große Glück geschenkt hat, Gefolgsmänner Adolf Hitlers zu sein. Dank aber, mein Führer, Dank

lich unhaltbare militärische Lage, in der es für Frank­reich nur noch die Waffenstreckung gab, zumal in­zwischen auch unser italienischer Bun­desgenosse, besten eindeutiger Haltung wir bis dahin nicht nur ungeheure wirtschaftliche Vorteile zu verdanken hatten, sondern der auch große feind­liche Truppenmassen an seinen Grenzen gebunden und den Feind in seinen operativen Erwägungen gelähmt hatte, durch seinen in voller Freiheit seines Entschlusses vorgenommenen Eintritt in den Krieg den Franzosen die völlige Aussichtslosigkeit der Fortsetzung des Kampfes vor Augen führte.

So stehen heute die beiden Achsenmächte militä­risch und wirtschaftlich auf allen Gebieten weit stär­ker da als zu Beginn der Operationen im Westen, gerüstet, auch den letzten Feind, der sich einer Wiederherstellung des Friedens hartnäckig wider­setzt, zu Boden zu schlagen. Aber noch einmal vor diesem letzten, entscheidenden Waffengang, der über Millionen des englischen Volkes ebenso namenloses Leid brin^'i muß, wie schon der Feldzug in Frank­reich üb ,:nrrn des französischen Volkes Elend

und Noty ü, weil die brutale Gewissen­losigkeit der' pluto crattschen Kriegsmacher in den sinnlosen Evakuierungen ein Mittel der Kriegfüh­rung sah, noch einmal bietet der Führer trotz aller bitteren Enttäuschungen die Hand zum Frieden. Wie gründlich hat die Welt den Mann verkannt, ihn als unersättlichen Brandstifter und Friedensstörer scham­los verleunÄet, der nun als Sieger der größten Schlachten der Kriegsgeschichte, gestützt auf die stärkste Wehrmacht der Welt, gesichert durch die Wirtschaft des ganzen Konttnents und den Sieges­willen eines Achtzig-Millionen-Volkes hinter sich, auf die Gefahr hin, wiederum seine Friedensbereitschaft als Schwachheit ausgelegt zu sehen, noch einmal einen Appell an die Vernunft richtet in höchstem Verantwortungsgefühl eines Staatsmannes, der nicht im Kriegfuhren, sondern in grandiosen Ar­beiten des Friedens und der Kultur feine Mission sieht. Das brittsche Volk, das sich dem gewissenlosen Treiben eines Churchill ausgeliefert hat, hat den prophettschen Worten des Führers- die er am 6. Ok­tober sprach, nicht Glauben schenken wollen. Sie sind weit schneller und weit umfassender Wahrheit geworden, als wir selbst es jemals für möglich gehalten hätten. Wenn heute der Führer in seinem letzten Appell an die Vernunft im britischen Volke vorausahnend sagt, daß am Ende dieses Krieges die Zertrümmerung des britischen Weltreiches stehen

Dank an den Mm.

gehört nur Ihnen! (Starker Beifall.) Darf ich jetzt Dolmetsch sein der Gefühle, die uns alle und das ganze Volk zutiefst bewegen. Es sind Gefühle des Dankes und der Hingabe an Sie, mein Führer! Nur eines erfüllt uns alle heute in dieser Stunde: Ihnen weiterhin folgen zu dürfen, bis der letzte und größte Sieg unser ist. Und an den Allmächtigen richten wir die glühende Bitte, Sie weiterhin zu schirmen und zu segnen. Unser -heißgeliebter Führer, der Garant des deutschen Sieges: Sieg-Heil! Sieg-Heil! Sieg- Heil!

Wieder ist das ganze Haus von den Plätzen auf­gesprungen, wieder recken sich die Arme dem Führer entgegen. Mit erhobener Rechten dankt der Füh­rer seinen Abgeordneten, den Männern der ruhm- gekrönten deutschen Wehrmacht, dem Abgesandten des Duce, den Verwundeten auf den Rängen und allen denen, die ihm in dieser Stunde ihre Huldi- aungen darbringen. Reichsmarschall Göring hat seinen Präsidentenfitz verlassen. Er tritt an_ den Führer heran. Bewegt drückt er ihm beide Hände, umtost von dem unbeschreiblichen Jubel des Hauses. Langsam schreitet der Führer durch die Rechen feiner Abgeordneten. Sie haben ihre Plätze ver­lassen und sind an den Mittelgang geeilt, um ihm noch einmal zu danken. Erst nachdem b$r Führer den Saal verlassen hat, verebbt der Jubel, der von der Menge vor dem Reichstag sofort wieder auf­genommen wird.

Und dann fuhr der Waaen des Führers wieder burch ein Spalier des Jubels. Der Führer, der vorn im Wagen stand, grüßte und banfte nach allen Seiten. Noch lange verharrten auf dem Wilhelm- platz die Taufende, um darauf zu warten, ob der Führer sich noch einmal auf dem historischen Balkon zeige. Reichsmarschall Göring, der den Führer vor der Krolloper zum Wagen geleitet hatte, gra­tulierte anschließend den Generalfeldmarschallen und anderen ausgezeichneten Generalen seiner Luftwaffe. Als der Reichsmarschall dann in die Wohnung des Führers fuhr, rief ihm die die Straßen umsäumende Menge freudig zu:Reichsmarschall wir gratulie­ren!"

wird, so wenig diese auch jemals in seiner Absicht gelegen habe, so möge man sich in England besin­nen, welchen Einsatz man wagt, um eines Phan- tvmes willen, will man nicht die Geldsackinteressen und uferlosen Herrschaftsansprüche eines kriegs­lüsternen, aber sich dem Opfer, der Not und dem Leid des Krieges geschickt entziehenden Kapitaliften- klüngels zu feinen Eigenen machen. Das britische Volk muß wissen, was es will. Deutschland steht auch zu diesem letzten, entscheidenden Waffengang bereit, Heimat und Front find von einem Geiste beseelt, dem Geiste äußerster Entschlossenheit, das Letzte einzusetzen in einem Kampfe, der nur mit dem vollen Siege der deutschen Waffen enden kann, denn auf ihn wird sich gründen die Zukunft un­seres Volkes in einer neuen europäischen Ordnung, die unser Lebensrecht für alle Zeiten sichert.

Dr. Fr. W. Lange.

15 englische Flugzeuge über dem Kanal abgeschoffen.

Berlin, 19. Zull. (DBB.) heute nachmittag wurden durch unsere Zager, die die bewahrte Me 109 flogen, zwölf der neuen englischen Defiant-Züger, zwei Spitflre und eine hurricane ohne eigene Ver­luste über dem Kanal abgeschossen.

Der WehrmachtSberichi vom Freitag. -

Berlin, 19. Juli. (DVB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die deutsche A-Bootwaffe Hal weitere Er­folge zu verzeichnen. Ein U-Vool versenkte 31 300 ART. feindlichen Handelsschiffsraumes. Einem an­deren U-Boot gelang es, aus einem stark gesicher­ten Geleitzug einen großen bewaffneten Handels­dampfer herauszufchießen. Deutsche Kampfflug­zeuge griffen wiederum Flugplätze, Hafen­anlagen und Barackenlager in England sowie Schiffsziele vor den Küsten von Rord-Schott- land und im Kanal mit großem Erfolge an. Vier Handelsschiffe von insgesamt 1214 000 DRT. wurden durch Bombentreffer versenkt.

zwölf handelsfchiffe und zwei Vorpostenboote teil, weife so schwer beschädigt, daß mit dem Totalver­lust mehrerer Schiffseinheiten zu rechnen ist. wie nachträglich bekannt wird, gelang es am 17. Juli, ein feindliches U-Boot durch Bombentreffer zu versenken.

In Tkordwest- und Westdeutschland verhinderte un­sere Abwehr gezielte nächtliche Bombenwürfe des Feindes, so daß nur geringer Personen- und Sach­schaden entstand. Flakartillerie schoß hierbei 3 feind­liche Flugzeuge ab. Die Gesamtverluste des Feindes betrugen gestern 12 Flugzeuge und 2 Sperrballone. Von diesen wurden 7 Flugzeuge in Luftkampfen, 5 durch Flakartillerie abgeschossen. Zwei eigene Flugzeuge werden vermißt.

Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Unser Bild zeigt das Eichenlaub zum Ritterkreuz, das der Führer dem Helden von Narvik, General der Infanterie Dietl, als erstem verliehen hat. (Scherl-Bilderdienst.)

Italienischer Wehrmachtsbericht

Gibraltar erfolgreich von italienischen Flugzeugstaffeln bombardiert.

Rom, 19. Juli. (DRB. Funkspruch.) Der ita­lienische Wehrmachtsbericht vom Freitag hat folgen­den Wortlaut:

Eine Formation unserer Luftwaffe hat in einem 3200 Kilometer langen, durch die Witterungsver­haltnisse erschwerten Flug die Flottenbasis von Gibraltar erreicht und das Arsenal und die übrigen militärischen Ziele wirksam mit Bomben belegt.

Ein von unserer Luftwaffe überraschter Damp­fer, der den Kanal von Sizilien zu passieren ver­suchte, ist von Bomben getroffen, schwer be­schädigt und dann von der Besatzung seinem Schicksal überlassen worden. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.

Im östlichen Mttelmeer ist ein feindliches U-Boot versenkt worden.

Oer Bombenangriff auf Haifa

Britische Verteidigung vollkommen überrascht.

Rom, 19. Juli. (DNB.) Der Agenzia Stefani teilte der Kommandant des Geschwaders, das den Bombenangriff auf Haifa ausführte, Einzelheiten mit. Insgesamt wurden auf die Anlagen und die Oelraffinerie 12 0 Bomben abgeworfen, die sämtlich ihr Ziel trafen. Unmittelbar nach dem Abwurf flieg über dem Gebiet der Oellager eine riesige Rauchwolke senkrecht empor, die

Zuckerkrankheit

Seit 10 Jahr, leide ich an Zuckerkrank­heit. Nachdem ich Ihren Karlssprudel regelmäßig getrunken habe, zeigte die ärztl. Untersuch, cq.'/r %. Ich trinke dieses Wasser weiter. Hans Busch,

Buchdr.-Besitzer, Arnsberg (Westf), Jägerstr. 30.9.36. 20 grolle Flaschen RM 12.60, 50 grobe Flaschen RM 25.. Fracht hin und zurück trägt der Brunnen. Heilquelle Karlssprudel, Blskirdien A.

ten." Natürlich sind diese Dinge nur auslösend, nur schaffend, und wer nicht das Wesentliche schon vor­her in der Seele trug, dem wird keine Auslösung zu echtem Werke helfen. Nur die geladene Büchse gibt auf den leisen Druck am Stecher den Meister» schuß ab aber dieser Druck kann auch durch einen blöden Knopf am Aerrnel bewirkt werden, d. h. durch den Zufall.

Aber lassen wir diese unheimlichen und geheim­nisvollen Fragen des künstlerischen Schaffens und bleiben wir heute in den bescheidenen Tälern des Alltags. Lieber Alltag, liebe stille Arbeit im klei­nen, lieber Schreibtisch, du Tröster in so vielen Nöten des wirren Lebens!

Rosen. x

Von Richard von Gchaukal.

Es gibt Rosen, rote und gelbe, die so riechen, wie die Rosen in meiner Kindheit gerochen haben. Und andere. Nur die mit dem alten Geruch, einem beseligenden Dust, der aus der verhüllten Tiefe des Kelches wie ein geweihter Atem, der Atem der Ewigkeit, aufsteigt, nur diese, die Rosen, die aus meiner Kindheit Wiederkehr en, liebe ich, ja nur fie scheinen mir wirkliche Rosen. Die andern, noch so schönen, kann ich, kühl, bewundern, aber ich kenne sie nicht, sie haben nichts mit mir zu tun, mir nichts zu sagen.

Die alten Rosen sagen mir Unendliches. Ich kann fie gar nie aushören. Sie erzählen mir mit stum­men Stimmen, die ganz Atem, ganz Duft sind, von dem Glück, Rose und Kind zu sein, ein Märchen, bas wie alle echten Märchen mitEs war einmal" «und kein Ende hat. Kein Ende. Wie der efer meiner geliebten Rosen. Damals, in meiner Kindheit, gab es unzählige meiner Rosen, rote und gelbe. Sie erfüllten mein Dasein, das einen langen, langen Frühling besaß. Heute gibt es nur hie und da solche Rosen, sie sind nicht daheim in unfern Tagen, in einer falten Welt, deren Früh­ling fo kurz ist wie ein Traum.

ebenso hat jeder Beruf auch sein vollgerüttelt Maß Handwerkerei, und nur- die Sekundaner glauben, baß ein Künstler ewig in den Wolken erden fern en Schaffens schwebe. Man verbringe nur einmal einen halben Tag in der Werkstatt eines Bild­hauers, eines Malers, und man wird staunen, wie­viel Handwerk die Stunden füllt! Und beim Dich­ter ist es nicht anders. Ich glaube, auf tausend Stunden, in denen Verbesserungen gelesen, Stoffe aus hundert Büchern hergeholt, Zeitschriften und Zeitungen benachrichtigt, oft läppische Briefe freund­lich beantwortet werden, Einbände, Papiere, Federn geprobt werden müssen fällt kaum eine' Stunde echten Schaffens.

Aber wer seinem Berufe wirklich mit Haut und Haaren verschrieben ist, der wird auch die hand­werkliche Seite lieb gewinnen. Solange man jung ist. stöhnt man vielleicht über diese Tätigkeit, die unendliche Mühe und Gewissenschaftigkett nötig macht Tugenden, die doch nur selten wirklich lohnen. Aber wenn man älter wird, fürchtet man faft die mörderischen Erregungen des Schaffens und setzt sich um so behaglicher zum Handwerk an den Schreibtisch.

Den Schreibtisch! Denn das ist unser Amboß und unsere Hobelbank. Ein alter Handwerker flieht seine Werkstatt nach Feierabend keineswegs, ja, es ge= sthieht wohl, daß er an einem zweiten Feiertage heimlich hineingeht und leise über das glatte Werk­zeug streichelt ... So genügt auch mir schon der Aufbau meines Kleinkrams, um die Seele vom Sturm neuer Umgebung und fremder Menschen zu heilen. Und ich will mich (da ich ja eben Goethe als Eideshelfer angeführt habe) nicht schämen, zu gestehen, daß ich oft genug auch neue Anregungen, Anreize zu künstlerischem Schaffen in solchen Stun­den und aus so bescheidenen Dingen erfuhr. Man soll sehr vorsichtig urteilen, gar verurteilen, in Din­gen des Kunst-Werdens!

Und ich erinnere mich, daß ich schon vor mehr als dreißig Jahren den Satz schrieb:Es ist mög­lich, daß ein ganz großes, ganz echtes, tief auf­wühlendes Lied entstand aus einem Mißverständ- ms, einem Wortspiel, ja, einer Spielerei mit Wor-

Lobpreis des Schreibtisches.

Don Börnes, Freiherr von Münchhausen.

Bei Goethe steht der Satz, daß ihm ein stoß- weißes Papier und ein Bündel frischgeschnittener Federn unwiderstehlich zum Schreiben anrege. Ja, es ist eine merkwürdige Kraft in den toten Din­gen! Was für ein Hauch von Wanderseligkeit steigt nicht jedem aus guten Landkarten auf, wie kann ein Paar Sporen liebste Erinnerung an einen toten Freund fein!

Ich gehöre zum Geschlecht der -Haus-Unken, die jede Ortsveränderung bange macht" (Kant), denen das Ausland wie im Altdeutschen:Elend" heißt, und die das germanische Grundgefühl in sich tragen, daß der Aufenthalt in der Heimat einfach der Aufenthalt schlechthin ein täglich neues großes Glück bedeutet. Ich kenne vor jeder Reise geradezu Angstpsychosen, und roenn ich in Leipzig Besor­gungen mache, habe ich ganz regelrecht Heimweh, obgleich mich der Wagen doch in 40 bis 50 Mi­nuten wieder heim trägt. Die Heidbauem, wenn sie nach Hannover zu Markte fuhren, banden sich einen Busch Heidekraut an die Nabe ihres Wagens, damit sie doch ein Stückchen Heimat bei sich hatten in der furchtbaren großen Stadt, einen Gruß der einsamen Heimat bei jeder Drehung des Rades. Auch ich trage immer irgend etwas von daheim bei mir etwa ejne Haselnuß aus dem Annengarten um das Heimweh zu bannen.

Wenn nun aber doch gereift werden muß, kenne ich noch ein anderes Mittel, um den schauerlichen Katzenjammer einer neuen Stube mit lauter feind­seligem Hausrat zu bannen: Kaum sind die Koffer ausgepackt, schiebe ich mir einen Tisch lichtgerecht ans Fenster und richte mir einen Schreibtisch ein. Ach, bas liebe grüne Löschpapier, links die Papier­vorräte, Tagebuch und Akten, rechts die Füllhalter, Bleistifte, Gummi, Klebstoff und Schere, vor mir das Tintenfaß, Aschenbecher und Stempelzeug! Und dann sitze ich in Ermattung von Reise und Fremd­heit still an dem Tisch nieder, und spiele so ein bißchen herum mit all dem lieben vertrauten Hand­

werkszeug. Er bedeutet mir Glück, er bedeutet mir eine Art Heimat-Ersatz, dieser urtümlich vorgerich­tete Schreibtisch.

Ich vertrage es nicht gut, an fremden Orten den Vormittag herumzulaufen, irgend etwas zu besich­tigen und Menschen zu sehen. Ich bin glücklich, wenn die erste nachgeschickte Post mir den Vorwand gibt, den Vormittag zuarbeiten" ein großes Wort für eine Summe von Schreibereien, die meist Nichtigkeiten bedeuten und wenn ich keine Post zu erlebiaen habe, so forme ich behaglich in Worten die Erlebnisse des Vortrages nach, obgleich mein Tagebuch mir die Mühe nur selten lohnt. Ich kann nicht sagen:

Was mir nicht geschrieben ist, Ist mir nicht gelebt, dazu bin ich wohl trotz allem zu sehr Landjunker und Mann des Lebens. Ich empfinde deutlich, daß ich vor mir selber eine Entschuldigung für diese Spielerei mit Feder und Papier nötig habe.

Aber irgendwie hängt wohl auch Tagebücherei und Brieferei mit meinem eigentlichen Leben und meinem Berufe zusammen. Ich lese auch am lieb­sten am Schreibtisch, schon deshalb, weil ich eine Verpflichtung fühle, fast jedem Verfasser ein Ver­zeichnis der Druckfehler zu schicken für seine nächste Auflage. Ich glaube, wir Schreibenden sollten, mehr als es geschieht, eine Art Werksgemeinschaft bilden. Es gibt kaum einen gebildeten Leser, der nicht zu fast jedem Buche dem Verfasser einige bescheidene Hilfen geben könnte. Hier ist ein Unkraut falsch benannt, dort singt ein Vogel zu unmöglicher Jah­reszeit, da ist eine reiterliche Sache so zu verftehen, daß der Wissende den Dichter auslacht. Gewiß, alles Kleinigkeiten, aber jeder Schaffende ist ein Werden­der und wird immer dankbar sein.

Unendliche Beruhigung ftrömt diese bescheidene handwerkliche Tätigkeit aus! Ja, gerade die zu­nächst ganz eintönige gewissenhafte geistige Kärrner- Tätigkeit trägt unsagbaren Frieden in sich. Jeder Beruf ist auf seinen Höchsten Höhen Kunst, nicht lernbar, nicht lehrbar, kaum mitteilbar. Die höch­sten Höhen des ärztlichen wie des philosophischen, des richterlichen wie des technischen Berufes sind echte Kunst, sind Eingebung, sind Gnade. Aber