Donnerstag, 20 Juni 1940
Gichener Anzeiger iGeneral-Anzelgsr für Mderhessen)
HrJ44 Zweites Blatt
Gießener Studenten nn Ernteeinsatz
Oer Blitz auf Verdun
Don Ioses Maanus Wehner.
ver- war
Kleinkrieg der Blutpumpe, Brennpunkte ungeheuersten Heldentums vulkanisch ausstoßend, aber Verdun entfernte sich immer mehr, je näher wir ihm kamen. Thiaumont, Kalte Erde, Damloup, Dauxteich — wer sie sah, wer von Trichter zu Trichter stürmte, wer auf Toten schlief und ekles Wasser aus verpesteten Sümpfen trank, wer die Scharen der Raben sah —, der hörte kaum noch den Jubel der Lerche, die morgens aus der tausendmal zermahlenen Erde jener tödlichen Kraterlandschaft stieg.
Am Tage Allerseelen 1916 zog die deutsche Besatzung von Fort Daux ab, während drüben auf dem Douaumont die siegestrunkenen Schwarzen lärmten.
Gruppe des deutschen Heeres liegen sahen, ohne sie nehmen zu dürfen, brannte all die Jahre schmerzlich in unserem Bewußtsein. Denn wir hatten die Ueber- zeuaung — und keine Beschwichtigung oder Wissenschaft konnte sie uns nehmen —, daß wir dieses Verdun hätten erobern können, wenn man uns nur hätte laufen lassen. Wir fühlten mit verzweifelter Scham, daß der Führung hier die letzte Kühnheit gefehlt hatte, wie sie uns Soldaten der vordersten Linie natürlich war: In hellem Zorn feuerten die Krieger vor Souville ihre Stahlhelme zu Boden, als der Befehl kam, liegen zu bleiben und den Sturm einzustellen.
Wir begriffen das nicht, wir Soldaten, wie wir nie halbe'Maßnahmen begriffen haben, und unsere Flüche vermischten sich mit den Gebeten ter zahllosen Verwundeten, die tagelang, wochenlang einsam auf dem Schlachtfelde lagen, weil niemand sie zuruck- traqen konnte. Die Tragik von Verdun enthüllte sich uns in langsamer Erkenntnis als Gespaltenheit einer Führung, die niätz wußte, was sie wollte.
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Falkenhayns Plan zur Offensive von Verdun war von vorneherein zwiespältig und unklar. Einmal sollte jenes mythische Schlachtfeld der Zermürbung des Feindes dienen, indem es möglichst viel Femd- truppen anzog und ausbluten ließ: die Blutpumpe. Anderseits aber sollten unter der Hand alle offensiven Erfolge „mitgenommen" werden, die sich zu- fällia ergaben. Die Kraft des Deutschen aber liegt im Angriff; wer ihm den Sturmgeist zerbricht und aufspaltet, raubt ihm den Sieg.
Aus dieser intellektuellen Anlage des Planes, die im Grunde auf mangelnde Verbindung des völkischen Instinktes mit dem Hirn der Führung beruhte, ergab sich die Niederlage wie ein schlimmes, aber gerechtes ^Nachdem schon am 25. Februar 1916 die Feste Douaumont durch einen überaus lühnen Handstreich durch das Feuer der eigenen Artillerie hindurch in deutsche Hand gefallen war. lag das Gelände bis Fleury hinunter offen da. Die Taae nach dem Siege indessen verrannen ungenützt. Da Falken- hayn an allen Fronten zugleich stark fein wollte, hatte er versäumt, rechtzeitig Reserven für den Nachstoß heranzubringen: sie rollten noch von entfernten • Bahnhöfen heran, wahrend schon Joffre und der i neue Verdunqeneral Mtain den Gegenangriff her- - anschoben. Sehr bald schon begann der taktische
gesetzt werden. Studenten der Veterinärmedizin (etwa 20), die das Praktikum bereits hinter sich haben, werden den Tierärzten im Gau Hessen- Nassau zugeteilt und in praktischer Tätigkeit aus ihrem speziellen Gebiet ihre Arbeitskraft dem Bauern zur Verfügung stellen.
Vorgesehen ist ferner, daß eine Anzahl Studenten der Forstlvirtschaft hilft und zu Kulturarbeiten in den Wäldern herangezogen werden. Sofern m den Einsatzorten Erntekindergärten vorhanden sind, sollen sich die Studentinnen auch der Kinderbetreuung widmen. »
Wenn auch der Ernteeinsatz als eine Ehrenpflicht des deutschen Studenten angesehen wird, so wird den Studenten doch für Aufwand und Verschleiß an Kleidung und Schuhwerk eine kleine Entschädigung gewährt werden, die für den Tag 60 Pfennige betragen soll. Außerdem wird der Student freie Verpflegung und- Unterkunft erhalten.
Die Vorlesungen an unserer Universität werden am 25. Juli beendet. Der Ernteeinsatz beginnt am 27. Juli und wird bis zum 27. August dauern. Unsere Gießener Studenten werden sich mit allem Eifer beteiligen, sie werden sich, wo und an welcher Stelle es auch sei, während dieser vier Wochen freudig in den Dienst der Volksgemeinschaft stellen. Durch diesen Einsatz fallen auch in diesem Jahre die Ferien fort. Unmittelbar vor Beginn der Erntehilfeaktion wird ein Appell stattfinden.
geheilt, die Tragik des Weltkrieges, der in Verdun seine höchste Höhe und seine tiefste Tiefe erfuhr, ist aufgehoben durch einen blitzähnlichen Vollzug. Wir spüren erschüttert im innersten Wesen, daß wir verwandelt werden, und daß unsere Geschichte und die Geschichte Europas umgeprägt wird, während die letzten Schatten der Furcht und des Verhängnisses erlöschen.
Es ist nicht nur die saugende, reißende Kraft des Motors, die das Tempo dieses Krieges bestimmt: es ist die Hand des Schicksals selber, unter der nun Reiche niederstürzen wie exotische Wälder, die von inner her von Ameisen ausgehöhlt waren.
Verdun fiel durch das deutsche Volksheer. Wer aus dem Volke stammt, dem Herzen und Geiste nach, sah dieses Schicksal mit frommem Mute und mit der kühnen Heiterkeit des letzten Aktes kommen. Daß es so schnell nahen würde, wußte niemand al» der Führer.
Wir danken ihm aus heißem Herzen. Durch den Fall von Verdun hat er die Seele des deutschen Frontsoldaten, des toten und des lebendigen, endgültig befreit.
Fast ein Dierteljahrhundert lang war uns Verdun die öde, gefleckte, von stachlichen Kreuzen besteckte Schädelstätte. Sie wurde langsam zum feierlichen Friedhof, pastellfarben, alt und schwer, ein Bannfeld des Todes zwischen den Völkern, das Sinnbild stummen Opfers.
Dieser Bann i st gebrochen. Als der Wehrmachtsbericht die Eroberung Verduns samt allen Forts meldete, verschlug es uns buchstäblich die Sprache. Es ist einfach unfaßbar, daß es nun in Stunden gefallen ist, was uns acht Monate lang trotzte. Wir fühlen die unheimlich wehende Atemkraft eines Schicksals, in dem der gerechte Gott selber den Blitz schleuderte und den Fluch und Bann von jener Stätte im Nu aufhob, als sei nichts gewesen.
Dies ist ungeheuer und der Sprache nicht mehr zugänglich, was nun geschieht. Jenem höchsten Augenblicke dieses Feldzuges, als sich das Mikrophon des Kriegsberichters von der Mole von Bou- logne zum Atlantik hinabsenkte, so daß wir am Rundfunk das Rauschen jenes Meeres hörten, zu dem wir vor einem Vierteljahrhundert mit lechzendem Mute stürmten, um auf halbem Wege zusammenzubrechen — jenem höchsten Augenblicke der jahrhunderllang ersehnten und nun endlich erreichten Gewinnung des freien Weltmeeres, reiht sich, fast ebenso gewaltig und unbegreiflich, die Eroberung von Verdun an. Der Blitz, der auf die alte, ehemalige Reichsstadt niederfuhr, konnte nur von der Hand eines Führers geschleudert werden, in dem das Herz des ganzen deutschen Volkes schlägt und der nicht nur sein Kopf ist.
Die schwerste Wunde der deutschen Soldatenseele ist
gen an: Vernarb Shaw, Houston Stewart Cham-11 berlain, Thomas Carlyle und Byron, Gandhi und 1 Tagore, die Präsidenten Krüger und Steijn, de Va- lera, Hans Grimm, Gorch Fock und Hermann Löns u. a. Es ist das hohe Tribunal eines Weltgerichts über England. Dr. Blaß hat diesen Vortragsabend seit Oktober vorigen Jahres allabendlich im gesamten Reichsgebiet gehalten und überall einen tiefen Eindruck hinterlassen. Zu Beginn der Veranstaltung, die im Rahmen des Gießener Vortragsringes vom Goethe-Bund, Kaufmännischen Verein und von der Volksbildungsstätte Gießen durchgeführt wird, wird Kreisleiter Backhaus sprechen.
Notizen für den 20. Juni.
Sonnenaufgang 5.02 Uhr, Sonnenuntergang 21.50 Uhr. — Monduntergang 5.43 Uhr, Mondäufgang 21.56 Uhr.
Hitler-Jugend Bann 116.
Sonntag, 23. Juni, Sich, BDM.-Heim, Sonntag, 30. Juni, Bad-Nauheim, Ernst-Ludwig- Schule,
Sonntag, 7. Juli Londorf, Schule,
Sonntag, 14. Juli, Gießen, HJ.-Heim, Graben- straße.
An diesen Schulungen haben teilzunehmen: sämtliche Stamm- und Jungstammführer, sämtliche Ge- folgschaftsführer und Fähnleinführer, sämtliche So- zialreferenten und Sozialwarte der HI. und des DJ. Ein Vertreter kann nicht gestellt werden. Die Schulung beginnt jedesmal um 10 Uhr. Die Fahrkarten sind zwecks Rückerstattung zu behalten. Verpflegung bzw. Reisemarken sind mitzubringen. Die Tagung ist "egen 16 Uhr beendet. Sollte an einem dieser Tage Einheitsdienst sein, so muß dieser durch den Stellvertreter durchgeführt werden.
BOM.-Untergau 116 Gießen.
Dienstbefehl.
Am Sonntag, 23. Juni, sammeln alle Mädel- und Jungmudelgruppen für das Rote Kreuz. Die BDM.- Werkgruppen treten um 9% Uhr vormittags am Studentenheim an zur Veranstaltung im Lazarett.
DDIN.-Werk
singt und spielt für unsere verwundeten Soldaten.
Am Sonntag, 23. Juni, wollen die Mädel des BDM.-Werks in einer Veranstaltung im Standortlazarett, die um 10 Uhr vormittags beginnt, unseren verwundeten Soldaten einige kurzweilige und fröhliche Stunden bereiten. Lieder der Singschar, Tänze : der Volkstanzgruppe, begleitet von dem Orchester des BDM. die Gymnastik der Sportgruppe, dazu i zwei politische Satiren, eine „Moritat" und ein ; lustiges Kasperlspiel folgen in buntem Wechsel. Wir
in Frage. Der bisherigen Feldpostanschrift eines Soldaten ohne Ortsangabe darf mithin nicht kurzerhand sein jeweiliger Standort vom Absender zugesetzt werden, nur um die Absendung von Feldpost- päckcben möglich zu machen. Derartia unrichtig adressierte Sendungen würden die Empfänger nicht erreichen, sondern gelangen an die Absender zurück. Die Angabe eines Luftgaupostamts in der Anschrift gilt, worauf nochmals hingewiesen wird, nicht als Bestimmungsort.
Wuegabe der Ehrenurkunden der Meiallfie^de
Das Stadtbauamt, das die Dur8)führung der Metallspende aus Anlaß des Geburtstags des Führers im April übernommen hatte, hat nun auch die Freude, die vielen Spender mit den Urkunden auszeichnen zu können, die als Erinnerung an das Metallopfer des deutschen Volkes ausgegeben werden. In vielen stattlichen Stößen, nach dem Alphabet geordnet, liegen die Urkunden in zwei Räumen des Stadtbauamtes bereit und harren der Abholung. Die Urkunde, die dem Ernst der Zeit entsprechend sich in schlichter Ausstattung mit der Unterschrift des Generalfeldmarschalls Hermann Göring zeigt, trägt jeweils den Namen des Spenders. Wenn man einen Stoß dieser Urkunden in die Hand nimmt und blättert, dann findet man, daß fast alle Gießener Familien sich an dieser Spende beteiligt haben. Ferner sind auch viele Urkunden ausgestellt, die auf Formationen der Partei, auf staatliche und städtische Behörden, auf Dienststellen der Wehrmacht, auf viele Gießener Firmen und Industrie- werte, auf zahlreiche Vereine, auf studentische Kameradschaften, auf sportliche Vereinigungen und auf viele andere Dienststellen der verschiedensten Art lauten. So wird auch aus der Urkundenausgabe ersichtlich, daß diese Metallspende aus Anlaß des Geburtstags des Führers eine große Sache der ganzen Volksgemeinschaft auch in unserer, Stadt gewesen ist.
Oie Betreuung des pflichtjahrmädeis auf dem Lande.
Jrn vergangenen Jahr ist ein gutes Drittel der Pflichtjahrmädel auf dem Lande eingesetzt worden. Die Tendenz in diesem Jahre ging nun dahin, diesen Einsatz auf dem Lande zur Entlastung der Bauersfrau noch zu verstärken. Abschließende Zahlen liegen noch nicht vor, immerhin kann man annehmen, daß der Kreis jener Mädchen, die das Pflichtjahr in der Landwirtschaft abdienen, wesentlich größer geworden ist. Bei der Fürsorge, die der nationalsozialistische Staat der Jugend angedeihen läßt, ist selbstverständlich bei diesem Einsatz alles vorgesehen, so daß für die Eltern der Pflichtjahrmädels keine Besorgnisse aufzukommen brauchen. Das gilt schon von der Auswahl der Stellen. Der Reichsnährstand hat diese Auswahl in feinen Aufgabenkreis aufgenommen und übt diese Tätigkeit in allen Landes- uyd Kreisbauernschaften mit größter Gewissenhaftigkeit aus.
Ein zweites ist die laufende Betreuung. Hier ist
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starkwirksam, gegen Zahnsteil ansatz, zahnfleischkräftigend, mild aromatisch, -
Solch- Bilder stiegen °°r uns auf. als f'ch der unbegreifliche Bormarsch dem uns heilig geworde nen Gelände näherte, auf dem wir »°n Wn Schrecken der Erde, aber auch die letzte Tapf des feldgrauen Menschen erfuhren, eines. umi Den Preis des anderen. Verdun, die verfluchte Stadt im.Maasgrunde, die wir Soldaten des bayerii^e Leibregiments als die am weitesten vorgesturm
n aller Behaglichkeit die Sonnenwärme zu genießen < _inb den Körper braun brennen zu lassen. Und ein j bißchen gymnastische Bewegung dazu war auch kein - gehler, man fühlte sich nachher wie neu geboren. । Kreuz und quer führten die Wandertage der nächsten , Jage durch grüne Wälder, über lockende Höhen, an , Bächen und Quellen vorbei, immer durch das schöne । heimatliche Land. An einem Tage aber, der mit Regenwolken drohte, wurden die lohnenden Sehens- > IEDÜrbigteiten betrachtet, mit denen die Stadt auf- : wartet. Ist es nicht sehr angebracht, sich auch einmal 3(5 Einheimischer bei ihnen sehen zu lassen?
„Mensch, siehst du gut aus", sagten die Kameraden bei der Wiederkehr, „du hast ja eine Gesichtsbräune, □[5 wenn du vier Wochen im Hochgebirge gewesen wärest." Daß diese sichtbaren Zeichen der Erholung nur dem vierzehntägigen Urlaub daheim zu danken aonren, wollte ihnen nur schwer einleuchten Aber sie gaben sich trotzdem vorgenommen, es demnächst genau so zu machen. Und in der Tat hat ja der Ärlaub daheim mehr lockende Reize, als sich über- Iiaupt ahnen läßt. H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Donnerstag. *
Volkstümliche Vorträge der Ludwigs-Universität: 20.30 Uhr im Physikalischen Institut, Stephanstr. 34, Prof. Dr. Vogelsang über „Deutscher Soldaten- glaube in den letzten drei Jahrhunderten"; 20.30 Ahr im Geologischen Institut, Braugasse 7, Professor 2r. Klüpfel über „Vulkane einst und jetzt". — Moria-Palast, Seltersweg: „Fräulein Winnetou". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Diener lassen bitten". Gastspiel russischer Künstler „FeuervoKl'. — Konzertgemeinschaft blinder Künstler „Südwest- Leutschland": 20 Uhr in der Aula der Ludwigs-Um- wersität Konzert. — 50er 1888—1938: Zusammentreffen bei Alterskamerad Haibach.
„Der letzte Sprung des alten Cöroen.“
Der Vortragsabend des bekannten Sprechers Dr. Leonhard Blaß mit dem Thema „Der letzte Sprung des alten Löwen" (Dichtungen, Briefe und Dokumente über Englands Spiel mit den Völkern), 6er im März wegen 'plötzlicher Erkrankung des Vortragenden wieder abgesetzt werden mußte, wird nun onm' Montag, 24. Juni, 20 Uhr, in der Neuen Aula 6er Universität nachgeholt werden. In diesem ein- 6rucksvollen Vortragsabend, der als Thema einen «klassischen Ausspruch des bekanntesten Dichters der angelsächsischen Welt Bernard Shaw trägt, mit dem «dieser schon 1914 der hinterhältigen Politik Englands gegenüber Deutschland das Urteil gesprochen «hat, sucht' Blaß das Wesen des Engländers im Verlauf feiner Geschichte zu erkennen. In -Dichtungen, Briefen und Dokumenten, vorgetragen von dem »ausgezeichneten Sprecher Dr. Leonhard Vlaß^la^
Verfügung gestellt und werden mit ihren Sammelbüchsen durch die Straßen ziehen. Oertliche Beran- staltungen anläßlich der Sammlung werden noch bekanntgegeben.
Keltwostpäckcken.
Die Deutsche Reichspost teilt zur Beseittguna von Zweifeln zur Versendung der wieder zugelassenen Feldpostpäckchen mit Feldpostnummer und Bestimmungsort folgendes mit: Feldpostpäckchen können vorläufig nur an solche Heeresangehörige versandt werden,' zu deren Feldpostanschrift schon bisher außer der Feldpostnummer eine Ortsangabe gehörte. Es kommen also im allgemeinen nur Feldpostpäckchen an Heeresangehörige im Inland, im besetzten Ostgebiet und im Protektorat Böhmen und Mähren
Aus der Stadt Gießen.
Urlaub daheim.
Zunächst sah es nicht gerade verlockend aus. Ur- jaub daheim, was sollte daraus viel werden? „Halsend Beinbruch", wünschten die Kameraden beim Abschied. Es war wie in den früheren Jahren, als man eilends danach strebte, noch am Abend den ßug zu erreichen, mit dem es in die Weite ging. Wut daß man fid) diesmal getrost Zeit lassen konnte. §s fuhr kein Zug, es lockte keine Ferne. Immerhin gestand die beglückende Aussicht, in den nächsten vierzehn Tagen völlig frei zu sein von den alltäg- jchen Dingen. Was konnte man nur anstellen in tiefer Zeit, denn um die Tage in gleichmäßiger Einzigkeit verrinnen zu lassen, dazu waren sie ent- ,djieben zu kostbar.
Der erste Urlaubstag brachte strahlend schönes Detter. Warum also nicht gleich in aller Frühe den ßiucksack gepackt und ins Blaue gewandert? Bei Dlegenroetter konnte man immer noch zu Hause blei- Den. Mit forschem Drang und froher Bereitschaft nmg es hinaus. Es wanderte sich gut an den Stätten vorbei, an denen die Arbeit eben begonnen hatte, 3in über die Felder, auf denen die Bauern in emsiger Tätigkeit waren, bis schließlich der Wald den jßfab aufnahm und ihn über moosigen Boden an 'dyllische Plätzchen leitete. Es ergab sich dabei, daß nun der Heimat ganz neue Eindrücke abgewinnen konnte, ja, daß man ihr geradezu Geheimnisse ab= auschte, an die man früher nie gedacht hätte. Es □jar eine prachtvolle Wanderfahrt.
Am nächsten Tage lockte das Freibad. Wundervoll,
Wie im porigen Jahre in entscheidender Stunde die Gießener Studenten zum Ernteeinsatz im deutschen Osten den Bauern zur Hand gingen, so werden sie auch in diesem Jahre ihre Arbeitskraft für vier Wochen in den-Dienst der Landwirtschaft stellen. Soweit sich die Studenten nicht in der Pflichtfamulatur befinden, werden sie sich hundertprozentig in den Ehrendienst des Ernteeinsatzes stellen. Auch die Studentinnen unserer Universität ziehen mit aus.
Die Reise von der Stadt auf das Land geschieht diesmal aber nicht über weiten Raum, vielmehr werden die Gießener Studenten und Studentinnen innerhalb des Gaues Hessen-Nassau eingesetzt und damit der heimischen Landwirtschaft dienstbar gemacht. Der Einsatz erfolgt in geschlossenen Kameradschaften des NSDStB., sodaß die Verbundenheit innerhalb der Kameradschaften auch für die Zeit des Ernteeinsatzes gewahrt bleibt. Die Studentinnen werden sich in kleinen Gruppen den Kameradschaften anschließen. Insgesamt werden von der Universität Gießen etwa 120 Studenten und 30 Studentinnen zur Erntehilfe eingesetzt. Eine stattliche Anzahl von Studenten wird darüber hinaus im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mithelfen, während die wenigen körperlich behinderten Studenten, oder diejenigen, die aus irgend einem Grunde einer schweren körperlichen Arbeit nicht fähig sind, entweder im Bürvdienst, ober im Fabrikdienst ein
die große Tube die kleine Tube 25”
hoffen, daß Spiel und Gesang der Mädel unsere Soldaten nicht nur in dieser kurzen Veranstaltung erfreuen, sondern daß sie dann auf ihrem langen Krankenbett gern und oft daran zurückdenken.
Unsere Gedanken sind bei der Sronf!
Das deutsche Volk, das täglich und stündlich mit heißem Herzen den Kampf unserer Wehrmacht im Westen an den Lautsprechern verfolgt und die ge- chichtlichen Ereignisse, wie überhaupt die Größe dieser Zeit miterleben darf, ist mit den Gefühlen unaussprechlichen Dankes bei feinen Soldaten. Die Menschen in den Städten haben plötzlich Zeit, sie tehen vor den Landkarten der Operationsgebiete, do immer eine solche Karte gezeigt wird, sie drängen sich vor den Schaufenstern, in denen Spezialkarten ausgehänat find. Die Lautsprecher sind von Menschen umstellt, und der Verkehr versiegt plötzlich in den Verkehrszentren, wenn durch den Aether über die öffentlichen Lautsprecher eine neue Sonder- mefbung bes OKW. verkündet wird. Die Heimat ist bei der Front. Das ist keine leere Phrase, das ist das Gesetz, unter dem heute unser Denken steht. Der Pulsschlag der Heimat ist bei der kämpfenden Truppe.
Der ungeheure Schwung, mit dem der deutsche Angriff vorgetragen wird, und die Siegeszuversicht des deutschen Volkes werden ihren beredten Niederschlag finden am kommenden Samstag und Sonntag, wenn für die Frontsoldaten und die verwundeten deutschen Soldaten die erste Straßensammlung im Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz stattfinden wird. Diese Sammlung wird mit ihrem Ergebnis das Gelöbnis bekunden, daß das deutsche Volk der Taten seiner Feldgrauen sich würdig erweisen will. An diesen beiden Tagen verkaufen die Schwestern, Helfer und Helferinnen des DRK. bunte Blumen. Sie werden jedes Kleid, jeden Rockaufschlag und jeden Mantel schmücken — bas ist eine Selbstverständlichkeit für jeden Deutschen in ber Heimat. Die Losung heißt: Dank der Heimat an die Front!
Auch die Jugend hilft den kämpfenden Soldaten.
NSG. HI. und BDM. werden sich am kommenden Wochenende für die Straßensammlung des Deutschen Roten Kreuzes einsetzen. Die Jugend Deutschlands ist stolz auf ihre tapferen Soldaten und Kameraden, die draußen im Felde stehen und ihr Leben für die Heimat hergeben. Sie bemüht sich, dieser Soldaten würdig zu sein, und überall dort, wo Arbeitskräfte und Hilfe gebraucht werden, steht sie bereit. Am Samstag und Sonntag haben sich die ■ Jungen und Mädel dem Deutschen Roten Kreuz zur
Dos Glück der Imkerei.
Wer sich mit Bienenzucht befaßt, wird den Segen auch dieser Beschäftiguna mit und in der Natur sehr bald spüren. Die schönste Frucht der Imkerei ist, wie der Dichter Ulrich Sander im Maiheft von Velhagen & Klasings Monatsheften rühmt, nicht der Honig, sondern die tiefe Besinnlichkeit, die ein Jmmenstand ausstrahlt. Den Honig kann man sich kaufen, aber die Besinnlichkeit ist rar geworden. Sie ist schon beinahe ein Luxus geworden in unserer hastenden Zeit. Darum widmen sich wohl auch gerade die einsam wohnenden Landpastoren und Dorflehrer der Imkerei, weil sie so viel Einsamkeit um sich haben, daß sie sich Immen leisten können. Man muß einmal einem zünftigen Fachmann zu- gesehen haben, mit welcher Ruhe er seine leise und langsam ziehende Arbeit an einem geöffneten Volk verrichtet, ohne Jmmenschleier und ohne Handschuhe, nur mit Ruhe und Fachkenntnis bewaffnet. Trifft ihn einmal ein Stich, so schwillt die Wunde bei ihm nicht mehr an, weil er mit dem Jmmen- gift so durchsetzt ist, daß er immun wird. Niemals trifft ihn das Rheuma, weil er tagtäglich feine kleinen Spritzen bekommt.
Als vor kurzen Tagen eine Sondermeldung ikundete, der Tote Mann fei gestürmt, da tuns Weltkriegssoldaten zumute, als wische eine geisterhafte Hand, lang über den schwarzen .Horizont Ihinfahrend, eine Schreckensstätte unserer Erinnerung • aus. Unser Atem stockte. An den Toten Mann rech, iten sich die Namen der Schluchten, Hugel u 'Sumpfe, der Steinbrüche, Teiche, der Zwischenwerke lunb Maschinengewehrnester, der zersplitterten Bahn- ibämme, Keller und Ruinen, ine unvergeßlich in Der Iblutroten Nacht unserer Erinnerung standen, über- ragt von den Namen der großen Forts die UM den : Hefigen, von ewigen Blitzen umzuckten Erdsarg von Douaumont lagen.
Hier war die lodernde, brüllende Feuerholle gewesen, in die die weißen und schwarzen Volker aller Erbteile schritten, um das Los des Krieges zu wen den, vom Februar bis zum November 1916 Hunderttausende waren dort verblutet, im Walde Eremitage und Caillette, am Vauxberg und vor Fleury, im Wirbel der Artillerie die ihre Geschoße bald wahllos auf Freund und Femd warfen. Szenen voll unsagbaren Grauens hatten sich m den Hohl gängen und Kasematten von Douaumont abgesp , iats eine Explosion die Munitionsstapel entzündete, als puloergeschwärzte Deutsche von ihren Kameraden m dämonischer Verwirrung für Neger gehalten und nut dem Messer bekämpft wurden, — bis Monate spater wirklich Kolonialtruppen in das Fort drangen und die Weißen abschlachteten. Hier aus diesem.öden Gelände gewann der Krieg seine absolute Gestalt, un es gab Gruppen von Männern — heute darf man es sagen —, die völlig gestört wochenlang vorn blieben und im Mondschein unter schrillen Kommandos im Feuerhagel exerzierten, bis sie zersplitterten.
Mikrofein-


