Drei heimatkundliche Führungen.
erhöhung für den Mieter nur gering auswirkt. Die Mietzinserhöhung ist jedoch nur nach ausdrücklicher Genehmigung der zuständigen Preisbehörde zulässig.
Wer ist für die Verdunkelung in Treppenhäusern verantwortlich? Nach dem Gesetz ist für die Verdunkelung der Treppenhäuser der Hauseigentümer selbst oder an seiner Stelle der von ihm angestellte Hauswart verantwortlich. Der Luftschutzwart, welcher nicht mit dem Hauswart zu verwechseln ist, hat allgemein die ordnungsmäßige Verdunkelung innerhalb seiner Luftschutzgemeinschaft zu überwachen und für die Abstellung von Mängeln durch die Verantwortlichen Sorge zu tragen. Die Mieter sind für die Verdunkelung der Treppenhäuser gesetzlich nicht verantwortlich. Hat aber ein Mieter diese Pflicht freiwillig übernommen, so ist es selbstverständlich, daß er dieser Pflicht auch nachkommt.
Die Reichsbahn mahnt zur Disziplin.
Die Deutsche Reichsbahn hat im Interesse aller Reisenden durch Anbringung von Abschirmvorrich- tungen an den Lichtquellen in den Zügen eine begrenzte Aufhellung ermöglicht. In der Praxis hat sich aber ergeben, daß die Hinweisschilder auf die Verdunkelungspflicht häufig von den Reisenden nicht beachtet und die eingesetzten Verdunkelungskappen unzweckmäßig verwendet bzw. die Fenstervorhänge nicht geschlossen werden. Falls diese Verstöße nicht aufhören, sieht sich die Deutsche Reichsbahn gezwungen, die Erleichterungsmaßnahmen wieder aufzuheben. Die Pflicht zur Einhaltung der Verdunkelungsbestimmungen besteht auch für die Urlauberzüge der Wehrmacht.
Reichseinheitliche Prüfungsanforderungen für Kurzschrift und Maschinenschreiben.
Durch die vielfältige Arbeitsteilung im heutigen Wirtschaftsleben und infolge des durch den Krieg bedingten Einsatzes aller verfügbaren Kräfte werden spezialisierte Leistungen in Kurzschrift und Maschinenschreiben stärker verlangt als bisher. Die Reichswirtschaftskammer hat jetzt einheitliche Richtlinien für die Durchführung der Prüfung erlassen. Es gibt künftig Kurzschriftprüsunaen sowohl für Anfänger, als auch für Vollkräfte, sowie in Fremdsprachen, 'ferner die Maschinenschreibprüfung und außerdem Stenotypistenprüfungen für Anfänger und Vollkräfte. Die Kurzschriftprüfungen beginnen in der. Anfängerprüfung mit 120 Silben in der Minute. Bei der Maschinenschreibprüfung werden vier Aufgaben gestellt. Es werden mindestens 180 Reihenanschläge in der Minute verlangt. Auch bei der Stenotypistenprüfung sind vier Aufgaben vorgesehen, die Kurzschriftgeschwindigkeitsprobe, die Schnellschreibprobe auf der Maschine, die formgerechte Gestaltung eines Schriftstücks und Maschinenkunde. Die neuen reichseinheitlichen Richtlinien werden bei den nächsten Prüfungen erstmalig angewendet.
Obst- und Gartenbauverein Gießen.
Am Sonntag fand im „Burghof" eine Mitgliederversammlung des Obst- und Gartenbauoereins statt. Vereinsführer Junker sprach über die Baumpflege und wies daraus hin, daß dadurch die Obsterzeugung gefördert werden könne. Die Obstbaumblüte in diesem Frühjahr ist sehr verheißungsvoll, beim Kern- und Steinobst sind gute Ansätze vorhanden. Der Vereinsführer gab dann praktische Ratschläge aus seinen reichen Erfahrungen. Zur Unterstützung der Arbeit der Mitglieder hat der Verein eine zweite Obstbaumspritze angeschafft, auch das Spritzmaterial ist vorhanden. Der Obst- und Gartenbauverein steht auch nach der Abtrennung der Kleingärtner sehr günstig da. Der Verein hat trotz großer Aufwendungen für Pflanz- und anderes Material für die Mitglieder sehr sorgfältig gewirtschaftet, so daß en. wieder in der Lage ist, die Mitglieder bei der Obstbaumbeschaffung im Herbst wirksam zu unterstützen. Zum Schutz gegen eventuellen Schaden bei Baumspritzungen soll eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Ver- einsfühxer Junker besprach anschließend eine Reihe von Obstbaumsorten, die sich für die hiesige Lage eignen und die gesunde und reichliche Früchte versprechen, so daß der Obstanbau rentabel wird. Weiter gab er praktische Ratschläge für die zweckmäßige Veredelung vorhandener Bestände, die bisher nicht die erwarteten Erträge aufwiesen. Anschließend fand eine rege Aussprache statt.
Ausflug zur Vogelwelt.
Wer hat schon einmal den Baumpieper, den Kanarienvogel des Waldes, oder die Spitzlerche, wie ihn der Volksmund nennt, beobachtet, wie er sich von einem Baumzweig emporschwingt, an der höch- ten Stelle seines Aufflugs sein Lied schmettert und mit rechtwinklich zum Körper gestelltem Schwanz im Steilflug herabsinkt? Wer weiß, daß man einen Gesang und Schlag der Singvögel unterscheidet, oder daß der Girlitz klirrend singt wie das Geräusch eines Griffels auf einer Schiefertafel, daß der Gartenrotschwanz seinen Gesang mit di treut, treut, treut einleitet, oder daß das Rotkehlchen neben vollen Tönen dünne gepreßte Laute singt? Daß der Waldlaubsänger auch Schwirret heißt, nach seinem einem Schwirren ähnlichen Lied, daß der Zilpzalp oder Weidenlaubsänger so heißt, weil er „zilpzalp" singt? All dieses und vieles andere Schöne mehr konnte man am Samstagnachmittag auf einer Wanderung hören und erleben, die die Arbeitsgemeinschaft „Biologie und Ernährung aus dem Walde" des RS.-Lehrerbundes in den Bergwerkswald unternahm, wobei der Assistent des zoologischen Instituts, Dr. Völker führte und den Teilnehmern an der Wanderung viel anregende Belehrung über Vogelstimmen und Wesensart unserer heimatlichen Sänger bot.
Wanderung zur Flora tm hangelstein.
Dieselbe Arbeitsgemeinschaft veranstaltete am Sonntagmorgen eine Führung zu der vielgestaltigen Flora des Naturschutzgebietes Hangelstein Prof. Dr. Funk hatte die bewährte Leitung. Im Besichtigen und Besprechen der für den Hanael- stein charakteristischsten, jetzt gerade blühenden Pflanzen, der Beobachtung von Krankheitserscher- nungen an wildwachsenden Pflanzen und bei mancherlei Hinweisen auf giftige und heilkräftige Pflanzenarten vergingen die Stunden schnell, sodaß die Teilnehmenden, die seit 8 Uhr unterwegs waren, erst gegen 13 Uhr zurückkehrten.
Führung durch Alt-Gießen.
Am Sonntagmorgen machte die NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" einen heimatgeschichtlich bedeutsamen Gang durch Alt-Gießen unter Führung von Stadtbaudirektor G r a v e r t. Nach einleitenden Ausführungen über die Entstehungszeit der ältesten Siedlung Gießens, der Burg, erfolgte eine mit
Jahreshauptversammlung der Imker.
Die Ortsfachgruppe Gießen der Bienenzüchter hielt am Sonntag im Hopfeld ihre Jahreshauptversamm- lung ab. Ortsfachgruppenleiter Bodenbender gab einen Ueberblick über die augenblicklichen Verhältnisse in der Bienenzucht, dann wies er auf die Arbeiten hin, die in den nächsten Monaten erfolgen müssen. Bis Ende Juli müssen wieder die Völker für das neue Jahr zur Verfügung stehen. Aus den Erfahrungen des letzten Winters müssen die erforderlichen Schlüsse gezogen werden. Es dürfen nur gesunde Völker überwintert werden, außerdem ist darauf zu achten, daß das Bienenhaus durch die nötigen äußeren Schutzmaßnahmen auch warm bleibt. Weiter wurde auf die Steigerung der Wachserzeugung hin- gewiesen.
Der Rechnungsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr wies geordnete wirtfchaflliche Verhältnisse aus. Die Zahl der Mitglieder beträgt annähernd 300. Die Anzahl der Völker ist seit 1938 um mehr als 500 gestiegen und beträgt jetzt 2765, was als ein Erfolg der Arbeit der Ortsfachgruppe zu werten ist. Dem Rechner Heinrich H ö b e l e r wurde für seine mühevolle Arbeit zugleich mit der Entlastung Dank und Anerkennung ausgesprochen.
** Arbeitsjubiläum. Am Samstag konnte bei der Fa. Bänninger G. m. b. H., Gilehen das Gefolgschaftsmitglied Wilhelm Fenster, Annerod, Tiefenweg 55, als Modelldreher auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Zu einer Feierstunde aus diesem Anlaß hatten sich die Geschäftsführer, sowie die Arbeitskameraden an dem festlich aeschmückten Arbeitsplatz des Jubilars in der Mooellmacherei versammelt. Hierbei wurden dem Jubilar durch den Betriebsführer Karl Bänninger, den Bettiebsob- mann, sowie von den verschiedenen Wteilungs- leiter Dank und Anerkennung für die in den verflossenen 25 Jahren geleisteten treuen Dienste ausgesprochen. Dem Jubilar wurden sowohl von feiten
Skizzen veranschaulichte und an vorhandenen Dau- resten nachgewiesene Verlebendigung der Wasserburg Gießen, die von dem Geschlecht der (Bleiberger zur Beherrschung der süd-nordwärts führenden Ver- kehrsstraße, der alten Wein- (d. h. ^va§in-)strahe, und als militärischer Schutz des 1129 von den Glei- bergern erbauten Klosters Schiffenberg in der Mitte des 12. Jahrhunderts um den heutigen Kirchenplatz erbaut wurde. Das Wallenfelssche und Leibsche Haus sind alte Burgmannenhäuser. Bauart und Höhe des allen Wehrgangs der Burg wurden geschildert unb an Steinresten veranschaulicht. Länger ließ man sich über das Leibsche Haus belehren, eines der ältesten gotischen Gebäude in Deutschland.
Stadtbaudirektor Gravert trug dann seine auf eigenen Forschungen beruhende Ansicht über die Lage des Walltors (wahrscheinlich Waldtor) vor, die er unter einem starken Turm in der Gegend der heutigen Marktlauben annehmen möchte. Der Lindenplatz war wohl einmal Friedhof (der älteste Friedhof lag innerhalb der Burgmauern um die alte Pankrattuskapelle, die Anfang des 19. Jahrhunderts der heutigen Stadtkirche weichen mußte). Besonders lehrreich waren die Ausführungen des Vortragenden über die durch den Bau des alten Schlosses um 1330 bedingte bauliche Entfaltung in nördlicher Richtung. Durch die Erhebung Gießens zur Festung unter Philipp dem Großmütigen bekam das Stadtbild Gießens wieder ein ganz anderes Gepräge. Das alte Festungsgelände wurde 1810 zu den heutigen Anlagen. Kasematten der ehemaligen Festung sind noch in den Denninghoffschen Brauereikellern zu erkennen. Auch der den älteren Einwohnern noch bekannte Mordkeller am Brandplatz war ursprünglich Kasematte. Die geschichtliche Entstehung von Neuem Schloß und Zeughaus-Kaserne und ihre baugeschichtliche Eigenart wurde besonders herausgestellt.
In der Beilage „Heirnt und Bild" des „Gießener Anzeigers" find alle diese Dinge wiederholt eingehend dargestelll worden. Wir dürfen uns daher mit kurzen Hinweisen begnügen. Die zweistündige Führung fand mit einem Dante smort einer der Teilnehmer ihren Abschluß.
Die drei Führungen haben dem Heimatfreund schöne und wertvolle Anregungen geboten, die ihn stärken in seiner Siebe zu Heimat und Volk, die gerade in der großen Kriegszeit nie erlahmen soll und will. —ff*
der Firma, als auch der Gefolgschastsmitglieder zum Andenken an den Jubellag, wie üblich, tbert- volle Geschenke überreicht. Mit einer Dankansprache des Jubilars endete die schöne Feier.
** Vortrag von Prof. Dr. Rauch ver- legt. Der in der Reihe der volkstümlichen Vorträge der Universität für heute vorgesehene Vortrag von Professor Dr. Rauch „Deutsche Dome (Gotik)' ist auf den 24. Juni verlegt worden.
** Vorläufig keine privaten Geldsendungen an Wehrmachtsangehörige in Norwegen und Dänemark. Private Post- und Zahlungsanweisungen an .Wehrmachtsangehörige in Norwegen und Dänemark sowie in den besetzten Westgebieten sind vorläufig von der Auszahlung ausgeschlossen. Es wird daher gebeten, von privaten Post- und Zahlungsanweisungen abzusehen, da sie dem Absender wieder zugeleitet werden müssen.
Teuere Eisenbahnfahrt.
LPD. Grünberg, 19. Mai. Eine billige Eisen- bahnsahrt mit einer längst verfallenen Fahrkarte, die bei einer früheren Bahnfahrt an der Bahnsteigsperre versehentlich nicht entwertet worden war, wollte ein Mann aus Grünberg machen. Zu diesem Zweck manipulierte er auf der Fahrkarte ein späteres Ausgabedatum hinein und fuhr dann los, wurde aber unterwegs von der Zugkontrolle mit der gefälschten Fahrkarte erwischt. Durch seine „Schlauheit" hatte er sich eine Ausgabe von rund 6 RM. ersparen wollen. Dafür muß er nun nach dem Urteil des Amtsgerichts Grünberg wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde in Verbindung mit Bettug eine Strafe von drei Monaten Gefängnis abfitzen.
Landkreis Gießen.
# Mainzlar, 19. Mai. Am gestrigen Samstag, 18. Mai, konnten unsere Mitbürger Schuh
machermeister Heinrich H o r m a n n VII. und Frau Marie, geb. Decker, das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Das Jubelpaar erfreut sich bester Gesundheit. Wir beglückwünschen herzlich.
Urheberschutz für Lichtbilder auf 25 Jahre verlängert.
Das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie vom 9. Januar 1907 räumt dem Urheber eines Lichtbildes das ausschließliche Recht zur Vervielfältigung, gewerbsmäßigen Verbreitung und Vorführung biszumAbloufvon z e h n I a h r e n nach dem Ende des Kalenderjahres ein, in dem das Lichtbild erschienen ist. Ist ein Licht- bild nicht bei Lebzeiten des Urhebers erschienen, so endet der Rechtsschutz mit Ablauf von zehn Jahren nach dem Todesjahr des Urhebers. Diese Schutzdauer hat sich als ungenügend erwiesen, nachdem die Lichtbildnerei auf vielen Gebieten des menschlichen Sehens ständig an Bedeutung gewonnen hat. Als Mittel zur Festhaltung von Begebenheiten, zur Wiedergabe der Natur, zur Vervielfältigung von Werken der bildenden Künste oder zum Darstellen von technischen Vorgängen bietet das gewöhnliche und das durch den Film vorgeführte bewegte Sichtbild mannigfache Möglichkeiten. Ihre Ausnutzung ist durch den Emsatz menschlicher Fähigkeiten und technischer Mittel in zunehmendem Maße vervollkommnet worden. Den persönlichen und sachlichen Aufwendung^) und Sen )amit erzielten Seiftungen wird die bisherige Dauer des Schutzes in vielen Fällen nicht gerecht, weil der Urheber im Verlauf von nur zehn Jahren nicht in der Sage ist, durch die Verwertung seines Alleinrechts eine angemessene Belohnung zu finden. Ein Gesetz, das die bisherigen zehnjährigen Schutzfristen ür das Urheberrecht an Sichtbildern auf 25 Jahre verlängert, kommt allen Lichtbildern zugute, die zur Zeit noch Schutz genießen. Für die Fälle, wo der Urheber eines Lichtbildes vor Inkrafttreten des Gesetzes bereits zugunsten anderer über sein Urheberrecht verfügt hat, sind Uebergangs- bestimmungen getroffen.
G.A.-Sport.
Meisterschasts-Endenrundspiele im Fußball.
Gruppe la: VfL. Stettin — Union Oberschöne» weide 1:3 (0:2).
Gruppe 1b: Rapid Wien — Vorwärts/Raf. Gleiwitz 3:1 (1:1).
Gruppe 2: Tvd. Eimsbüttel —VfL. Osnabrück 3:1 (2:1); 1. SV. Jena — Dresdner SC. 02 (0:0).
Gruppe 3: SC. 03 Kassel — Fortuna Düsseldorf 0:5 (0:2).
Gruppe 4: Stuttgarter Kickers — Kickers Offenbach 4:0 (2:0).
Wahenborn-Sleinberg I. — Rodheim L 7:3 (4:1).
Unter Leitung von Schiedsrichter Post (Gießen- Wieseck) standen sich am gestrigen Sonntag auf. dem Sportplatz an der Neumühle beide Mannschaften im Kriegsmeisterschaftsspiel gegenüber. Die Gästemannschaft hinterlieh einen guten Eindruck. Unbefangen und mit dem starken Wind im Rücken spielend, blieben die Rodheimer im Angriff und zur Ueberraschung der Zuschauer führten die Gäste bald 1:0. Als jedoch die Teutonen dazu übergingen, den Ball flach zu halten, kamen sie mehr und mehr zur Geltung. Auf gute Vorlage von Harnisch erzielte der Halbrechte Arnold den Ausgleich. Nicht lange dauerte es und der gleiche Spieler verwandelte eine Vorlage von Schmitt zum 2. Treffer. Dann ging Harnisch auf Linksaußen durch und schoß hart auf das Tor. Der Gästetorhüter vermochte den Ball nur abzulenken, Arnold war zur Stelle und schon hieß es 3:1. Eine weitere Kombination des einheimischen Sturmes schloß Arnold mit dem vierten Treffer ab.
Nach Halbzeit erwartete man ein überlegenes Spiel der Einheimischen. Doch die Hintermannschaft der Platzelf wurde etwas unsicher und bann hieß es 5:3. Dann kamen jedoch die Teutonen wieder auf und, als Arnold mit einer feinen Vorlage bedient wurde, und dieser den Ball weit zu dem auf Linksaußen gelaufenen Schmitt weiterleitete, schoß Letzterer zum 6. Treffer ein. Schmitt beschloß auch mit dem 7. Treffer den Torreigen.
Die Teutonen hatten folgende Mannschaft zur Stelle: O. Burger; K. Schmandt, Fett; K. Häuser I., Hirz, Wehrum; L. Buß, Arnold, Schmitt, K. Häuser II., Harnisch.
MW Sues schaffendem?
Nomon von fflorflno eckartchelm
32. Fortjetzung. (Nachdruck verboten!)
„Wo ist mein Vater?"
Irgend etwas wird in Lena hell. Mein Vater!
Das klingt nach Verständigung.
„Er ist oben, Hermann, in Der Oberstube!"
Seine Schritte dröhnen die Treppe hinaus. Kein Wort mehr für sie, keinen Gruß! Und doch, und doch — war nicht zuletzt in seinen Augen ein Schimmer jener Blitze, die sie ihr so unvergeßlich machen?
„Was haft du denn, was ist denn mit dir?"
Rudolf und Erni 'kommen durch die Hintertür, sie wundern sich, weil Lena wie entgeistert die Treppe - hinaufsieht.
„Nichts, nichts! Nur — Hermann ist wiederge- kommend
„Nur? Nur, sagst du? Du bist gut! Nur? Als ob das so selbstverständlich wäre! Wo ist er denn?"
Rudolf will die Stubentür aufreißen.
„Laß — laß dock nur! Sprich doch leise!"
„Du tust ja gerade, als wäre er zu einem Begräbnis gekommen."
„Oben ist er, oben! Er verlangte den Vater zu sprechen."
„Oben bei Vater? Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Na, hoffentlich kochen die beiden was Vernünftiges aus."
Rudolf geht kopfschüttend in die Stube. Erni zögert noch ein Weilchen. Ihre Augen hängen merkwürdig fest an Lenas sonderbar lächelndem Gesicht. So als wollte sie Antwort haben auf eine Frage, die sie Tag und Nacht nicht losläßt
Hermann ist keineswegs wie der verlorene Sohn bei seinem Vater eingetreten, nicht so, wie Rudolf es sich vorgestellt hat. Und Christoph Gräfe sieht nicht aus, als wolle er aus Freude über die Rückkehr ein gemästetes Kalb schlachten. Vielleicht läßt er sich die Freude auch nicht merken. Er sagt ziemlich schroff:
„Was willst du denn hier?"
Hermann hat die Mütze, die er in der Hand trug,
auf den Stuhl geschleudert-. Er steht aufrecht vor dem Vater, sieht ihn voll und. ohne reuevolle Bedrückung an. Langsam streckt er ihm die Hand entgegen.
Die ausgestreckte Hand bringt den Alten um seinen Halt. Er muß sich setzen. Da steht nun der lange Kerl, sein Aeltester, der seinem Herzen der nächste war, dem er so schlimme Worte sagte — da ist er wieder und stteckt ihm die Hand entgegen.
„Na ja, da bist-du ja wieder! Das ist mir lieb! Gefehlt hast du hier. Das ist nichts, einfach die Arbeit hinzuschmeißen und sie anderen zu überlassen. Du weißt doch, daß sowas bei uns nicht geht!"
Hermann zuckt bedauernd die Achseln. „Denke nicht, daß ich jetzt für immer zurückkomme! Meine Arbeit ist drüben in der Belzig-Brauerei. Du hast hier den Hefenfranz und die eingearbeiteten Leute Ich muß drüben hinter allem her fein. Ich will dort mal ordentlich reine Wirtschaft machen!"
„Was — du willst nicht wiederkommen?. Ja, was ist denn das für Unsinn?"
Hermann schneidet mit einer raschen Gebärde dem Vater das Wort ab. „Unsinn? Ich fyabe dort drüben meine Arbeit, das t)abe ich ja eben gesagt. Die mußt du achten. Ich hab' endlich mal meine eigene Sache! Muß mal endlich selber für alles einstehen!"
„Hab' ich dich vielleicht hier verdrängt?" braust Gräfe auf. „Hattest du hier nicht genug zu tun, daß du dir anderswo Arbeit suchen mußtest?"
„Arbeit hab' ich hier genug gehabt, das ist'wahr. Aber in meinem Alter will man fein eigener Herr fein, will selber die Verantwortung für feinen Betrieb tragen, nicht immer erst mal den Chef fragen, ob's so oder so sein soll!"
„So — im Wege war ich dir also. Konntest es wohl nicht erwarten, daß ich aufs Ausgedinge ziehe, he? Soll mich wohl gleich in den Sarg legen?"
„Davon redet niemand, daß ich dich aufs Aus- gebinge bringen wollte. Dann hätte ich nicht die Belzig-Brauerei gekauft, abgesehen davon, daß es jetzt überhaupt ein Glück ist, daß wir sie haben, wenn hier Schluß gemacht wird mit der Brauerei!"
„Schluß machen — das ist noch nicht raus! Die Quellen können ja anderswo gefaßt werden."
„Ja, das können sie, und das hoffen wir alle! Aber es ist keine Gewähr da. Und auf unsicherem Boden kann keiner bauen. Ich will was Festes unter den Füßen haben. Aber ich bin nicht hergekommen, um mit dir darüber zu streiten, ob der Kauf der Belzig-Brauerei nach deinem Geschmack ist oder nicht. Ich will was anders!"
„So, was willst du denn?"
Die Frage des Alten ist ängstlich. Dieser Sohn ist ihm auf einmal unheimlich geworden mit seinem selbständigen Wesen. Irgend etwas mahnt auch zur Vorsicht. Sieht Hermann nicht aus, als könne er in jeder Minute wieder die Tür hinter sich zuschlagen und gehen — auf Nimmerwiedersehen?
„Ich will, daß du mir das auszahlst, was ich von meiner Mutter habe!"
„Was willst du?"
Schwerfällig ist Christoph Gräfe aufgestanden.
„Mein Erbe, mein mütterliches Erbe will ich haben."
„Ja, weißt du denn nicht ganz genau, daß das Geld feftliegt? Daß ich es garnicht flüssig isiachen kann? Willst du mich denn ruinieren?"
„Ruinieren? Dich? Einen, der so dasteht wie du?" Hermann zuckt mit einem nachsichtigen Lächeln die Achseln. „Uebrigens — von deinen Geldgeschäften weiß ich nichts! Du hast mich doch nicht ränge» lassen. Nicht mal den Geldschrankschlüssel hast du mir gelassen."
Gräfe hätte beinahe gesagt, daß das ja auch gut gewesen ist. Dann wäre noch mehr Geld in Die Bruchbude hinter den Teichen gewandert. Aber er bezwingt sich. Nur das eine muß er sagen:
„Meinst du damit, daß du nicht genug Gelb von mir bekommen hast? Daß ich bich bazu getrieben habe, solche — solche Schleichwege zu gehen?"
Hermann schießt bas Blut ins Gesicht. „Du weißt es selbst genau, baß es für mich keinen anberen Weg gab, in ben Besitz ber Belzig-Brauerei zu kommen. Mein Erbe hättest bu ja bazu nicht her- ausgerückt! Nun wirst bu ja wohl inzwischen eingesehen haben, baß es nicht so bumm war, sie zu erwerben. Ich will mit bem Gelbe meiner Mutter Erni auszahlen, bamit bie Schulb getilgt ist; bas übrige wirb noch für Jnstanbsetzungen unb zum Abtragen kleiner Schulben gebraucht. Ich will sauber bastehen und mein Gewese in Ordnung haben!
Leicht wird es so wie so nicht, weil die Anzahlung zu klein ist."
Der Alte windet sich. „Woher soll ich denn nur das Geld nehmen? Ich kann nichts aus dem Betrieb herausziehen, unb soviel Barmittel habe ich nicht."
„Ja, ich weiß schon, bu willst weiter auf bem schulbenfreien Hof sitzen! Nun, wenn bie Sache mit ber Autobahn nicht wäre, ginge ich lieber zu frem- ben Leuten, um mir (Selb zu borgen, weiß Gott! Aber nun wirst bu ja eine anftänbige Abfindung bekommen für bie Quellwiesen, bavon wirst bu mein Erbteil gut auszahlen können. Dich ernährt ber Hof auch ohne Brauerei. Erni wirb heiraten, Jupp etwas Orbentliches lernen. Ich muß mich aber nach einer richtigen Grunblage umsehen.. Denn ick will enblich mal so leben wie jeber anbere Mann meines Alters. Ich will mich nach einer Frau umsehen, will Kinber haben, kurz, bie Rechte, bie bisher ein jeber Gräfe feit Jahrhunderten in Anspruch genommen, hat, bie will ich auch haben!"
„Eine Frau, so."
Der alte Gräfe rutscht auf seinem Stuhl hin unb her. Es wirb ihm nicht leicht, auszusprechen, was er auf bem Herzen hat.
„Du hast mir allerbings bas Recht, bir hinein- Zureden, ganz unb gar ab gesprochen! Aber bas eine muß ich bir sagen, als bein Vater: man hort ba allerhanb von einem schwarzen Frauenzimmer — vor bie Hunbe sollst bu fnir nicht gehen, Junge!"
„Vater!" Hermann ftellt sich ganz nahe vor seinem Vater auf. „Glaubst bu denn, ich hätte von ben Gräfes gesprochen, von Voreltern uru^Ahnen, wenn ich art so eine gebucht hätte?" Er^vischt sich mit ber Hand über bie Stirn. „Es ist jetzt viel über mich weggegangen, Vater! In solchen Zeiten wankt alles. Da nimmt man schon aus Trotz, was einem aerabe in ben Weg läuft. Aber bas ist vorbei! Es laufen einem zum Glück auch gute Menschen über ben Weg — sehr gute sogar, ja, bie bringen einen mieber zurecht. Nein, bu brauchst keine Sorge zu haben. Ein Gräfe schmeißt sich nicht weg!"
„Na, bann ist es ja gut."
Der alte Gräfe steht schwerfällig auf und sieht fernen Sohn mit ganz anderen Augen an.
Gortjetzung folgt)


