Ausgabe 
20.3.1940
 
Einzelbild herunterladen

zeigt ...Wir sind nicht nur auf diplomatischem l'onbern auch auf militärischem Gebiet in öer D e - fensive", gesteht kummervoll die konservative LondonerDaily Mail". Nein, es ist mehr. Die jungen Nationen haben die Führung, und in die­sem Krieg bestimmen wir das Gesetz des Handelns. Das aber bedeutet die endgültige Ausschaltung der englischen Krämer- und Raub­gelüste aus der politischen und wirtschaftlichen Zu- samrnenatireit der europäischen Nationen. E. S.

Indien fordert erneut völlige Unabhängigkeit! Dominionstatus wird abgelehnt.

Amsterdam, 19. März. (DNB.) In Ramgarh begann die 53. Tagung des Indischen National­kongresses. Der Präsident des Kongresses verlangte für Indien das Recht, sich seine eigene Verfassung ohne ein Lazwische'ntreten von außerhalb zu geben. Die britische Regierung wolle Indien nicht das Recht der Selbstbestimmung zubilligen. Indien müsse da­her aus dem eigenen Weg der Nichtzusammenarbeit vorwärts gehen. Einigkeit, Disziplin und das volle Vertrauen in die Führerschaft Gandhis seien die Faktoren des Erfolges. Indien habe mit dem euro­päischen Kriegsgeschehen nichts zu tun. Groß­britannien habe keinerlei Wechsel in seiner imperia­listischen Betrachtung Indiens vollzogen.

Der Ausschuß der Indischen Kongreßpartei hat nach zweitägiger Debatte einstimmig diePatna- Entschließung" angenommen. Sie enthält die Forderung nach völliger Unabhängigkeit Indiens, wobei der Dominienstatus als für Indien ungeeignet abgelehnt wird. In der Debatte sind verschiedene Anträge eingebracht worden, in denen ein scharfes Vorgehen gefordert wurde.

Die englische Gewaltherrschaft in Indien hat neue Mutige Küchle getragen. In Lahore schoß wäh. rend einer Prozession der moslemittschen Kasars die Polizei rücksichtslos in die Menge. 23 Prozesi sionsteilnehmer wurden getötet und 39 verletzt. Von der Polizei wurden zwei Mann getötet und acht verletzt, außerdem ein Bezirksbeamter. Es wurden Polizei- und Militärverstärkungen angefordert.

Eröffnung der Nanking-Konferenz.

Nanking, 20. März. (Europapreß.) Am Mitt­woch findet in Nanking die Eröffnung der ersten Konferenz über die Konstituierung und die künftige Politik der neuen chinesischen Zentralregierung statt. Die Konferenz wird zu entscheiden haben über den Regierungssitz der Wang-Tsching-wei - Regierung, die Flagge der neuen Regierung, die Beziehungen zwischen der neuen Regierung und Japan sowohl wie gegenüber dritten Mächten, und die Form end­lich, in der die drei Provinzregierungen liquidiert werden sollen. Auf den Straßen Nankings werden Vorbereitungen getroffen, die auf einen baldigen Einzug der Wang-Tsching-wei-Regierung deuten.

Das Osterprogramm des Rundfunks.

Reichsminister Dr. Goebbels hat angeordnet, daß der Rundfunk an den Ostertagen ein repräsenta­tives Reichsprogramm bringen soll, das in seiner hervorragenden Besetzung und in seiner künstle­rischen Dualität im ganzen deutschen Volke Er­hebung, Erbauung, Entspannung und Unterhaltung bringen wird. Unsere führenden Dirigenten, die ersten Orchester, die besten Solisten von Bühne, Film und Kabarett sind vertreten. Abendroth, Böhm, Knappertsbusch, Krauß u. a. dirigieren die Berliner und Wiener Philharmoniker, das Kölner Gürzenich-Orchester und das Leipziger Gewand­hausorchester. Es singen der Kölner Männeraesang­verein, die Leipziger Thomaner, der Bielefelder Kinderchor und die Kölner Volksschulchöre. Linke und und Lehar dirigieren in einem Operettenkon­zert am Ostersamstag eigene Werke. Im Wunsch­konzert für die Wehrmacht am Sonntagnachmittag wird Heinz Gödecke als Osterhase die schönsten Gaben verteilen und hat sich dabei der Hilfe bester deutscher Kabarettisten versichert. Die besinnlichen Wortsendungen werden durch Hanns I o h st einge­leitet. Ferner spricht Rainer Schlösser in einer Morgenfeier der Hitler-Jugend. Das Schatzkäsllein des Deutschlandsenders wird mit Käthe Gold und Günther H a d a n k als Sprecher ein weiterer Höhe­punkt sein. Die Opernliebhaber hören über den Reichssender Berlin die Uebertragung der Lortzina- OperDer Wildschütz. Die Freunde reinster Musik finden ein großes Orgelkonzert, Bach-Kantate Nr. 66 Erfreut Euch, Ihr Herzen", eine Szenenfolge aus Parzival und am Karfreitag die Matthäus-Passion aus dem Kölner Dom.

Verpflichtung der Hitlerjugend/'

Berlin, 20. März. (DNB.) Zum ersten Male findet in diesem Jahre am 31. März die Verpflich­tung der 14jährigen Jungen und Mädel aus dem Jungvolk und dem Jungmädelbund auf die Hitler- Jugend im Rahmen einer Feierstunde der Stand­orte für die Hitler-Jugend und BDM. gemeinsam statt An den Feiern werden sowohl die Eltern der Jugendlichen wie auch die örtlichen Hoheitsttäger der Partei teilnehmen. Die neue Derpflichtungsfor- mel lautet:Ich verspreche, in der Hitler-Jugend allezeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zu Führer und unserer Fahne."

Die Kriegsbesoldung der Offiziere und Unteroffiziere d. 23.

Bei der praktischen Anwendung des Einsatz- Wehrmachtsgebührnis-Gesetzes vom 28. August 1939 hat sich gezeigt, daß die Abfindung der Wehrmachts­angehörigen d. B. nur mit Wehrsold in vielen Fäl­len nicht ausreichend war. So standen sich z. B. alle diejenigen, die zu Hause keine Friedens­bezüge oder Familienunterhalt hatten, gegenüber den akttven Kameraden wesentlich schlechter. Aus diesem Grunde schafft eine neue Verordnung für die Angehörigen des Beurlaubtenstandes die Möglichkeit, an Stelle ihrer bisherigen Friedensbezüge (z. B. als Beamte) oder des Familienunterhaltes das Gehalt der Be­rufssoldaten des gleichen Dienstgra­des alsKriegsbesoldung" zu wählen, wenn letz­tere für sie günstiger ist. Für die Angehörigen d. B., die bisher als Junggesellen weder Friedensbezüge noch Familienunterhalt erhalten haben, beseitigt sie den Zustand, daß sie außer Wehrsold nichts er­hielten und dadurch den .im gleichen Dienstgrad stehenden Kameraden des Friedensstandes gegen­über nicht unwesentlich im Nachteil waren, obwohl sie jetzt als Führer die gleiche Verantwortung wie ihre aktiven Kameraden tragen.

Der Offizier oder Unteroffizier d. B., der die Kriegsbesoldung wählen will, stellt einen Antrag bei seinem Truppenteil, der die Auszah­

lung der Kriegsbesoldung in der Heimat veranlaßt. Mit dem gleichen Zeitpunkt fallen dann die bis­herigen Friedensbezüge oder der Familienunterhalt fort, fo daß also nirgendwo eine Anrechnung statt­findet, sondern immer nur entweder die Kriegs- besoldung oder die bisherigen Friedensbezüge oder der bisherige Familienunterhalt gezahlt wird.

Für diejenigen Wehrmachtsangehörigen, die als Fe st besoldete chre Friedensbezüge weiter be­ziehen oder die neue Kriegsbesoldung wählen oder den entsprechenden Einheiten der anderen Wehr­machtsteile gehören, fällt der Wehrsold fort, wenn sie ledig sind oder als Verheiratete am Wohnort ihrer Familie Dienst tun. Es fällt also z. B. bei Offizieren, Unteroffizieren und Schützen der Wehrsold fort, wenn sie Frie­densbezüge als Festbesoldete oder die neue Kriegs­besoldung erhalten und bei ihrer Familie wohnen. Ist dagegen z. B. der Schütze am Wohnort seiner Familie kaserniert, so erhält er selbstverständlich den Wehrsold neben seinen Friedensbezügen weiter.

Neue Reichsmittel für Teilung und Umbau von Wohnungen.

Der Reichsarbeitsminister hat zehn Millionen für die Teilung von größeren Wohnungen, den Umbau sonstiger Räume zu Wohnungen sowie An- und Ausbauten zu Wohnzwecken zur Verfügung ge­stellt. Es ist eine Zuschuhgewährung von 50 ö. Sy der Baukosten vorgesehen. Der Höchstbettag ist für jede neu erstellte Wohnung oder im Falle der Woh­nungsteilung für jede Teilwvhnung auf 800 RM. festgesetzt worden, für den einzelnen An» oder Aus­bau auf 600 RM. Die Arbeiten müssen bis zum 31. Dezember 1940 beendet fein, lieber den Antrag, der vor Beginn der Arbeiten zu stellen ist, ent­scheidet der Landrat oder Oberbürgermeister.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer hat den Minister des ehemaligen österreichischen Landes, Generalmajor z. b. V. Dr. h. c. Edmund Glaise von Horstenau, aus seinem Amt verabschiedet und ihm für seine dem deutschen Volke geleisteten treuen Dienste, besonders im Hinblick auf die Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Deutschen Reich, seinen Dank ausgesprochen. Der General, der zur Zeit beim Oberkommando der Wehrmacht tätig ist, wird nach Beendigung des Krieges weiterhin im Reichsdienst Verwendung finden.

Der Stabschef der SA., Viktor Lutze, der in Begleitung von Oberstleutnant Sende und Ober­gruppenführer Iüttner eine Befichtigungs- reife an b i e Front unternahm, wurde zum Abschluß feiner Reise durch den Kommandierenden General tiemann empfangen. Nach einem herz­lichen Kameradschaftsabend im Kreise von SA.- Männern, die heute als Frontsoldaten draußen ihre Pflicht tun, kehrte der Stabschef in die Reicyshaupt- ftabt zurück.

Professor Albert Speer, der Architekt des Füh­rers, vollendete am 19. März fein 35. Lebensjahr. Professor Speer ist auch als Schöpfer der künstleri­schen Ausgestaltung fast aller großen Kundgebungen von Staat und Partei bekannt geworden.

*

Präsident Roosevelt empfing gestern mittag in feiner Privatwohnung den Präsidenten des Deut­schen Roten Kreuzes, Herzog von Coburg, der vom deutschen Geschäftsträger Thomsen be­gleitet war.

Auf der Konferenz der Eifenbahnverwaltungen Deutschlands, Litauens, Lettlands und Estlands in Reval wurde ein neuer Fahrplan für den direk - ten Güterverkehr zwischen den vier Ländern ausgearbeitet, der am 1. April in Kraft tritt.

Don den 7 deutschen Seeleuten, die bei dem völker­rechtswidrigen brutalen UeberfaC Englands auf die Altmar k" verletzt wurden und im Krankenhaus in Christianfcmd in Behandlung waren, konnten fünf die Reife in d i e Heimat antreten. Zwei schwer Verwundete dürften noch einige Wochen im Kranken­haus bleiben, doch befinden sie sich auf dem Wege der Besserung.

Die neun Deutschen, die ein englischer Piraten­kreuzer von dem japanischen DampferA s a m a Maru" heruntergeholt hatte, später jedoch auf Verlangen der japanischen Regierung frei gegeben werden mußten, sind jetzt auf der Rückreise in die Heimat in Moskau angekommen.

Wie der(Sortiere della Sera" aus Tokio erfährt, ist der japanische DampferF u f h i m i" auf der Fahrt von Yokohama nach Neapel in Singapur von den britischen Behörden durchsucht worden. Die nach Deutschland bestimmte Post wurde zen­siert, und ein Teil der Briefe, trotz des Einspruchs des japanischen Generalkonsuls, zurückgehalten. Der Dampfer hat die Fahrt fortgesetzt.

DasAllgemeen Handelsblad" berichtet, daß die Einstellung der Kohlentransporte nach Italien über Rotterdam für die holländische Rheinschiffahrt geradezu verheerende Folgen habe. Die Firmen, die bisher die Verschif­fung der Kohle vom Ruhrgebiet nach Rotterdam und den Umschlag der Kohle auf Seeschiffe besorgt haben, werden gezwungen fein, über 1000 Ange­stellte und Arbeiter zu entlassen.

*

Wie aus Moskau verlautet, hat das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR, den am 12. März in Moskau geschlossenen Friedensvertrag zwischen der Sowjetunion und Finnland rati- f i 3 i e r t.

Aus aller Welt.

Ausbruch des Aetna.

Seit Samstagabend befindet sich der Aetna in heftiger Eruptionstätigkeit. Der Beginn des Aus­bruchs, der wegen schwerer über dem Vulkan lagernder Wolkenmassen nicht beobachtet werden konnte, wurde durch zehn Minuten langes schweres unterirdisches Rollen und zwei Explosionen einge­leitet. Nach einem furzen Zwischenraum wieder­holte sich dieser Vorgang, während gleichzeitig an der Westseite des Vulkans ein schwerer Aschenregen niedergang. Der ganze Osthang des Aetna ist von Asche bedeckt, die auch auf der Südwestseite des Kraters niedergegangen ist. Ein gleich heftiger Aus- bruch hat seit 40 Jahren nicht mehr stattgefunden.

Sturm, Schnee und Satte ln Dänemark.

Frost und Schneestürme haben in Dänemark wie­der zahlreiche Eisenbahn- und Postauto-Linien lahmgelegt, da die haushohen Schneeverwehungen jeden Verkehr unmöglich machen. Auf den Inseln

Lolland und Falster sind Tausende von Telefon­leitungen gerissen und zahllose Leitungsmasten vom Sturm umgeworfen worden. Auf Jüttand sind mehrere hundert Transformatorenstationen durch Störung der Verbindungslinien ausgeschaltet. Die Unterbrechung der Sttomzufuhr macht sich beson­ders folgenschwer bemerkbar in Krankenhäusern und Wasserwerken.

Hochwasser In Ungarn.

Die Schneeschmelze führte in Ungarn zu großen Ueberschwemmungen. Der Wasserstand der Donau erreichte bei Budapest eine Höhe, wie seit 70 Jah­ren nicht mehr. Don den Dampfschiffahrtsstationen und Lagerschuppen ragen nur noch die Dächer aus dem Wasser hervor, auf dem gewaltige Eisschollen treiben. Im Vorort Alt-Ofen wurden alle Maß­nahmen zur Räumung der am meisten gefährdeten Sttaßenzüge getroffen. In Neu-Pest hat die Donau einen Damm durchbrochen. In der Provinz, die durch das Hochwasser erheblich mehr zu leiden hatte, als die Hauptstadt, kamen b r e i Personen in den Fluten um. Eine ganze Reihe von Brücken und Gebäuden sind eingestürzt.

Der Vater der Jugendherbergen gestorben.

In Hohenelbe im Sudetengau starb der Groß­industrielle GuidoRotterim Alter von 80 Jah­ren. Er war der Vorkämpfer für die deutschen Ju­gendherbergen. Bereits 1880 hatte er die ersten Schüler- und Studentenherbergen im Riesengebirge gegründet. Nach der Machtübernahme sind die Her­bergen auf die Hitler-Jugend übergegangen. Im Jahre 1938 wurden Guido Rotter als dem Vater des Jugendherbergswesens in Hirschberg viele Ehrungen zuteil, wo gleichzeitig die neue Guido- Rotter-Iugendherberge eingeweiht wurde.

Amerikanische Schatzsucher.

Der Präsident des Gemeinderates des amerika­nischen Städtchens Bronx, bemüht sich, Geldmittel zu sammeln, um eine Expedition auszurüsten, die eine Goldladung heben soll, die mit der englischen Fre­gatte ,M e r c u r y" im Jahre 1780 an der Mün-

Wer stört den Frieden?

Der englische Geschichtsforscher I. R. Seeley, Professor in Cambridge, dem später ein Abels- titel verliehen würbe, schilbert in seinem weit­verbreiteten WerkThe Expansion of England benbritischenJmperialismus äußerst offenherzig:

Die Ausbreitung Englands war weder ein ruhiger Prozeß, noch ist sie nur in jüng­ster Zeit vor sich gegangen. Vielmehr war das 18. Jahrhundert hindurch jene Aus­breitung ein aktives Prinzip der Friedensstörung, eine Ursache von Kriegen, die sowohl an Größe als an Zahl nicht ihresgleichen hat. Von 126 Jahren wurden 64 Jahre, also mehr als die Hälfte, in Kriegen zugebracht."

Und dieses blutbefleckte britische Eroberer- und Unterdrückerland spielt heute heuchle­risch den Friedensengel. Während Britannien in Mutigen Kriegen fremde Völker unterjochte, hat der Führer im Frieden Oesterreich, Sudetenland und Memel heim­geholt. Diese Friedenstaten sind jedoch für Eng­landuntragbar". Welche verlogene doppelte Moral!

düng des Hellgate-Kanals sank. Es handelt sich um vier Millionen Dollar, die zur Bezahlung des Sol­des der gegen das Heer Washingtons kämpfenden englischen Truppen verwendet werden sollten. Schon zweimal wurde der Versuch gemacht, das gesunkene Gold zu bergen, 1794 und 1830. Beibemale schei- terien biese Versuche an den starken Strömungen in der Mündung des East Rivers. Auch' ein dritter, von einer amerikanischen Firma im Jahre 1900 unternommener Bergungsversuch blieb ergebnislos.

Aus der Stadl Gießen.

Oie Pfütze

Professor Or. Hermann Reinhold f.

Seinen Studenten fühlte er sich allezeit in kame­radschaftlicher Gesinnung verbunden und als ein getreuer Ratgeber sowie auch als Freund ihrer Geselligkeit. Und wer mit ihm über Entscheidungen ZU beraten hatte, weiß auch um die harte Ziel­strebigkeit seines Wollens, um die Energie, mit der er den Ausbau des ihm anverttauten Institutes für bie besonderen Aufgaben seines Forschungsbereiches förderte, und um die angelegentliche Sorge, mit der er stets das Wohl der ganzen Universität im Auge hatte, nicht davor zurückschreckend, feiner soldatischen Art sonder Furcht auch die erforderlicheZivil­courage" entsprechen zu lassen, wo ihm dies nötig schien. Aber auch jede streitbare Auseinandersetzung, wie sie unter Männern notmenibig ist, führte er mit ritterlicher Achtung durch, und zum Schlüsse be­wegte ihn bie Sorge, baß auch nichts, was gesagt worden ist, als böse gemeint aufgefaßt worden fein mochte. In solcher Haltung bewährte sich seine starke und echte kollegiale Gesinnung.

Sein Gedenken bleibt'bei feinen Kollegen, Mit­arbeitern und bei der Gefolgschaft feines Institutes über das Grab hinaus lebendig und geehrt, nun ihn die kühle Erde feines Heimatdorfes im Sergi- ichen Lande deckt, wo er, der Sohn eines Land» Mfarrers, in friedlicher Stille ruht, tief betrauert

Es ist schlechtes Wetter. Vor nicht langer Zeit hat es geregnet, und zweifellos wird es bald wie­der regnen was allerdings beides nicht hindert, daß irgendwo der Wolkenoorhang undicht ist und für wenige Minuten einen Sonnenstrahl durchlciht, der auf eine Pfütze unter meinem Fenster fällt.

Es ist eine belanglose Pfütze, wie es deren viele in dieser Jahreszeit gibt, eine erste beste Allerwelts­pfütze, über die man einen Schritt macht, wenn sie einem im Wege liegt, ober in bie man unglück­licherweise hineintritt. Sonst hat sie weiter keine Bedeutung.

Aber dank dem Loch, das in der Wolkendecke für einige Augenblicke entstanden ist und diesen schönen Lichtstrahl hindurchläßt, belebt sich die öde Sze­nerie unter meinem Fenster, und illusionsbereit, wie man nun einmal ist, denkt man schleunigst an bessere Zetten. Doch zu der Pfütze!

Ein Spatz hat offenbar beschlossen, den günstigen Augenblick zu nutzen und ein Bad in ihr zu neh­men. Flügelschlagend spritzt er bas Wasser hoch, duckt sich nieder und schüttelt feinen Leib. Schimp­fend und vielleicht neiderfüllt nähern sich zwei Art- genossen und stürmen, wie von einer magischen Kraft gezogen und vergebens von dem Badenden

Dr. Hermann Reinhold, ordentlicher Profes­sor und Direktor des Physikalisch-chemischen Jnstt- tutes an der Universität Gießen, verschied, erst 46 Jahre alt, in der ersten Morgenstunde des Helden- gebenftages als Opfer einer schleichenden Krank­heit unerwartet an den Folgen einer Operation. Als Unteroffizier war er seinerzeit mit ben jungen Studenten in den Weltkrieg gezogen und im Range eines Oberleutnants, ausgezeichnet mit dem (Eifer­nen Kreuz erster Klasse und mit anderen Tapfer- feitsorben, zurückgekehrt. ,Er würbe breimal ver­wundet und von den Folgen einer schweren Kriegs­verletzung fortan dauernd begleitet. Auch später hat er mehrfach geübt, um sich und andere Soldaten fortzubilden, so zum Beispiel auch in der Stellung als Ausbildungsleiter einer SA.-Standarte. Auch in diesem Kriege stellte er sich zur Verfügung und tat Dienst bei der Wehrmacht.

Die Universität Gießen verliert auf so erfdyüt* ternibe Weise ein hochgeehrtes Mitglied ihres Lehr, körpers, dem Professor Reinhold, als Nach­folger des im Ruhestand lebenden Professors Schaum, seit dem Herbst 1935 auf dem Lehrstuhl für Physikalische Chemie angehört hat. Er wußtt sich das Vertrauen feiner Kollegen fo bald zu er­werben, daß er nach zweijähriger Führung des Prodekanates zum Dekan der zweiten Abteilung der Philofophischeu Fakultät ernannt und darüber hinaus von seiner Fakultät für bas Amt des Rek­tors in Vorschlag gebracht worden war.

Reinholds wissenschaftliche Laufbahn nahm ihren Beginn in Halle, nachdem er in Erlangen und in Halle Chemie studiert hatte und kurze Zeit in be­trieben der chemischen Industrie tätig gewesen war. Ihm war das Glück zuteil geworden, als Mitarbei­ter Professor Tubandts in ein damals neu erschlos­senes und hochbedeutsames Forschungsgebiet einge­führt zu werden, das er schon mit feiner Doktor­arbeit betreten hatte: bas Gebiet der Elekttochemie fester Stoffe. Anfangs in einer Anzahl grundlegen­der Arbeiten mit Tubandt zusammen, bann mit einer wachsenden Zahl eigener Mitarbeiter zu selb­ständigen und weiterführenden Fragestellungen vor­dringend, hat er Erkenntnisse gewonnen, bie uns einen tiefen Einblick in das Verhalten fester Stoffe vermittelt haben: beim Durchgänge des elekttifchen Stromes durch falzartige Verbindungen, bei der thermischen Diffusion, bei Auftreten galvanischer elektromotorischer Kräfte und elektrischer Thermo­kräfte sowie beim Zustandekommen chemischer Um­setzungen und chemischer Gleichgewichte bei der Mischkristallbildung. Sie ermöglichen es, insbeson­dere auch festzustellen, welcher Art die elektrische Leitung in einer Gruppe fester chemischer Verbin­dungen unter dem Einfluß verschieden hoher Tem­peraturen ist, wobei man neben ben Grenzfällen ausschließlicher Elekttizttätsleitung durch die posi­tiven oder durch die negativen Jonen oder auch, wie bei den Metallen, durch Elekttonen bie ver­schiedensten Ueberschneidungen dieser Möglichkeiten k^nnenlernte. Eine große Zahl schöner und aus­gedehnter Experimentalarbeiten, die bis in die jüngste Zeit in Gießen fortgeführt worden find, bilden bas wissenschaftliche Vermächtnis des Ent­schlafenen.

Der Aufnahmeappell für Gießen-Stabt finbet am Donnerstag, 21. März, in ber Goethefchule Horst-Weffel-Wall, um 10 Uhr vormittags statt. Das Erscheinen aller zur Aufnahme kommenden nehmende^Iunae^n rn« m ! ai feiner Gattin und seinem Sohne, denen U-'

mitdubringen 9 0,1° Aufnahmegebühr j zu früh durch ein tragisches Geschick entrissen roor-

** oen t|b H,

abgewehrt, ins Element. Ich finde auch, daß drei Badelustige ein bißchen viel für fo wenig Wasser und einen kurzen Sonnenstrahl sind. Jedoch es geht. Man spritzt zu dreien, man dreht und wendet und rüttelt sich um die Wette. Als Zuschauer fühlt man ordentlich das Behagen der Badenden mit, denen der Winterschmutz aus dem Gefieder ge­waschen wird.

Dieser Vorgang wirkt auf die Vogelwelt der Nachbarschaft anscheinend als Signal. Im Hand­umdrehen find weitere Interessenten für die Pfütze da, diesmal Stare, drei fröhliche Schwarzröcke mit metallisch-glänzendem Gefieder. Flugs wackeln sie hinein in bie Pfütze, in diese erste beste Zufalls­pfütze, und baden. Stare baden leidenschaftlich gern; Wasser kann sie, wie ich weiß, ganz toll machen. Sie geben sich also mit höchstem Eifer dem gleichen Körperschlingern und -schleudern hin, wie die Spatzen, die nun ihrerseits die Sache eigentlich be­denklich finden müßten, da bie größeren Stare sie arg Mengen. Aber nein. Die Spatzen harren aus. Zwar hüpfen sie mal für einen Augenblick, wenn man so sagen soll, an den Strand, im Nu sind sie aber schon wieder in ber Pfütze. Wahrscheinlich können sie sich nicht davon trennen, weil sich noch zwei mit Frühlingsillusionen eingefunden haben, eine Meise und ein Buchfink, einer von denen, bie, wie es wohl vorkommt, im Herbst vergessen haben, nach Süden zu ziehen. Hinein also mit Hallo!

Ich muß sagen: das gibt mir denn doch zu denken. Acht Badende in einer Pfütze, die so gut wie nichts ist, in einem Ding, bas man mit einem Schritt überschreitet, wenn man nicht gerade acht­los hineintritt acht Leiber, vier verschiedenen Arten angehörend, mannigfach in Größe und Fär­bung und Lebensfitten, alle sich lustvoll, selbstisch und aufgeregt im Element vergnügend, plantschend und schüttelnd und sich bedrängend und stoßend wahrhaftig, das ist keine Zufallspfütze mehr, auf die ich da angestrengt hinunterstarre, das ist viel mehr, das ist---

Aber da schließt sich das Loch im Wolkenvorhang, die verdutzten Vögel springenan Land", schüt­teln das Wasser aus dem Gefieder und verteilen sich im Gebüsch. Un so läßt es sich denn nicht ver­meiden, daß ich wieder nachdenklich auf eine dumme, belanglose und trübe Allerweltspfütze schaue und der Versuchung erliege, mich mit Gott­vater zu vergleichen, der möglicherweise in ähn­licher Stimmung eben durch das Wolkenloch hin­untersah, bas, wie ich in menschlichem Unverstand glaubte, zufällig oben entstanden war. PBG.

Tageskalenber für Mittwoch.

Stabttheater: 19.30 bis 22.30 UhrDer Graf von Luxemburg". Gloria-Palast (Seltersweg):Die fremde Frau". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Es gibt nur eine Liebe".

Neuaufnahmen im Deutschen Zungvoll.