Oer Gießener Konzert-Winter1940/41
Die Arbeitsgemeinschaft Gießener Konzertverein, Stadtttzeater und NSG. „Kraft durch Freude" hat als „Konzertring 1940/41" für die Zeit von Mitte Oktober 1940 bis Mitte April 1941 zwölf Konzerte festgelegt. Die Veranstaltungen bestehen aus Orchester- und Soliften-Konzerten, ferner aus einem großen Chorkonzert.
Am 10. Oktober wird die Konzert-Reihe mit einem Orchester-Konzert des Städtischen Orchesters unter Leitung von Professor Dr. Temesvary beginnen. Bei diesem Konzert wird Conrad Hansen (Klavier) als Solist mitwirken. Zur Aufführung sind Brahms Zweite Symphonie in D-dur und Tschaikowskys Klavierkonzert in b-moll vorgesehen. Als nächste Veranstaltung im Oktober folgt ein So- listen-Konzert mit dem bekannten Künstler Wilhelm Backhaus (Klavier), der Werke von Beethoven bringen wird.
Im November werden zwei Orchester-Konzerte des Städtischen Orchesters unter Leitung des Kapellmeisters Otto S ö l l n e r vom Stadttheater folgen. Bei dem ersten Konzert wird als Solist Herrmann von Beckerath (Violincello) Mitwirken, die Vortragsfolge sicht das Cello-Konzert von Dvorak in h-moll vor; für das zweite Konzert ist als Solist Wolfgang Schn'eiderhan (Wien), (Violine) gewonnen worden, aus dem Programm stehen Bachs Ouvertüre in d-moll, Brahms Violinkonzert und Schuberts Große Symphonie in C-dur.
Für den Dezember ist ein Orchester-Konzert des Städtischen Orchesters unter Leitung von Professor Dr. Temesvary mit der Solistin Erna Berger von der Staatsoper Berlin (Sopran) angesetzt worden, das italienische Musik bieten wird.
Der Januar 1941 Dringt als Auftakt des neuen Jahres zwei Solisten-Konzerte. In dem ersten Konzert mit Vasa Prihoda (Violine) sollen die Besucher Werke von Vitali, Beethoven, Bach, Tschai
kowsky, Strauß-Prihoda und Paganini hören, im zweiten Konzert werden .Lore Fischer (Alt) und Heinz Marten (Tenor) Lieder und Duette singen.
Im Februar werden die Konzertfreunde zunächst ein Solisten-Konzert des Stroß-Quartetts hören können, ferner noch ein Orchester-Konzert des Städtischen Orchesters unter Leitung des Kapellmeisters Otto S ö l l n e r. Bei dem Orchester-Konzert wird Karlrobert Kreit en (Klavier) Mitwirken, die Vortragsfolge bringt von Pfitzner die Symphonie in cis-moll, von Liszt das Klavierkonzert in Es-dur und von Beethoven die Siebente Symphonie in A-dur.
Der März ist wieder mit zwei Orchester-Konzerten belegt worden. Das erste Konzert wird das Rhein-Mainische Landesorchester unter Leitung des bekannten Dirigenten der Leipziger Gewandhauskonzerte Professor Hermann Abendroth geben, als Solist wird Kurt Stieler (Violine) mitwirken; auf dem Programm stehen Mozarts Vorspiel zu „Jdomeneo" und Mozarts Violinkonzert in A-dur, ferner Bruckners Vierte Symphonie in Es-dur. Das zweite Konzert gibt das Gießener Städtische Orchester unter Leitung von Professor Dr. Temesvary, das Webers Vorspiel zu „Abu Hassan", Richard Strauß' Suite aus „Der Bürger als Edelmann" und Beethovens Vierte Symphonie in B-dur zu Gehör bringen wird.
Zum Abschluß ist für den April ein Orchester-Konzert des Rhein--Mainischen Landesorchesters unter Leitung des Gaumusikinspizienten Fritz C u j 6 ntit dem Solisten Gerhart Münch (Klavier) vorgesehen.
Außer Miete soll den Kon^ertfreunden noch ein Chor-Konzert „Der Feldherr" von Händel unter Leitung von Professor Dr. Temesvary geboten werden.
Elsaffmigshalbiag des ASS.-Sludenienbundes her ilniverW Gießen.
Am Dienstag hatte die Studentenführung der Universität Gießen im Hörsaal des Botanischen In- stttuts alle 1. Semester im Rahmen des von der Reichsstudentenführung angeordneten Erfassungshalbtages zu einer gemeinsamen Sitzung mit dem Rektor und dem NSD.-Dozentenbunb eingeladen.
Studentenführer Pg. Hermann Stein begrüßte den Prorektor Pg. Professor Dr. Klute, der im Auftrage des Rektors erschienen war, den Vertreter des NSD.-Dozentenbundes, Dozenten Pg. Dr. Heidt, und die in sehr großer Zahl erschienenen 1. Semester des 3. Trimesters 1940. In einigen grundsätzlichen Ausführungen wies der Studentenführer dann auf die Aufgaben und die Arbeit des NSD. Studentenbundes hin. Als wichtigste Ausgabe sehe der Studentenbund die politische Formung und Erziehung der jungen Hochschüler. Der Student müsse begreifen lernen, daß seine Arbeit und sein Einsatz immer dem Volke gelte und daß der Besuch der Hochschule kein persönlicher Vorzug sein solle, sondern zuerst als Berufung aufgefaßt werden müsse, die jedem besondere Pflichten auferlege. Er betonte, daß gerade im Kriegseinsatz das deutsche Studententum in vorderster Front gestanden habe. Aber auch die gesellige Seite komme in den Kameradschaften vollauf zu ihrem Rechte, weil Ausspannung gerade in einer Zeit größter Anspannung notwendig sei. Deshalb fordere er jeden, der aktiv am Aufbau mithelfen wolle, zum Eintritt in eine Kameradschaft des NSDStB. auf.
Professor Dr. Klute überbrachte zunächst die Grüße des Rektors, der zu diesem Abend leider nicht erscheinen konnte. Er sprach dann über den Sinn der Volksaemeinschaft und den Wert der Gemeinschaft überhaupt, die sich in kleinen Kreisen in den verschiedenen Organisationen herausbildet. Er ging aus vom Erleben des Weltkrieges, wo sich in der kleinen Einheit einer Schützengrabengemein- schaft der Wert des einzelnen bewähren mußte. Hier entwickelte sich zum ersten Male der Gedanke der Führerschaft. So wie damals entstehe wahres Führertum erst aus der Gemeinschaft, in der sich nur der als Führer durchsetzen und auf die Dauer behaupten könne, der innere Werte auriuweisen habe und es verstehe, sie in der Gemeinschaft zu entwickeln. Auch heute fordere mehr denn je die
Größe der Zeit und die gewaltigen Aufgaben, die uns gestellt sind, von den Studenten volle Arbeits- bereitfmaft, die es bei der Gemeinschaft der Kameradschaft ebenso wie bei der ernsten Arbeit in den Instituten zu beweisen gelte.
Dann umriß der Vertreter des NSD.-Dozentenbundes, Dozent Dr. Heidt, die Aufgaben des NSD.-Dozentenbundes, indem er einen Einblick in die Entwicklung und die heutige Gestalt des Dozen- tenlmndes gab. Der Dozentenbund stelle heute mit dem Studentenbund das nationalsozialistische Gewissen der Universität dar mit dem Auftrage der nationalsozialistischen Erneuerung von Hochschule und Wissenschaft. Die Prinzipien, die an der Universität den Studenten und den Dozenten zu gemeinsamer Arbeit zusammenführen, seien Pflicht und Leistung. Mehr noch wie in den letzten Trimestern werde in dem kommenden die gemeinsame Arbeit sich unter diesem Gesichtspunkt gestalten. Sie komme neben anderem zum Ausdruck in der gemeinsamen politischen Erziehungsarbeit, in der Angehörige des NSD.-Dozentenbundes zu den Kameradschaften über die politische und weltanschauliche Ausrichtung des akademischen Nachwuchses sprechen würden. Neben diesen Mitgliedern des Dozentbundes würden bewährte Führer aus Partei und Wehrmacht zu den Studenten sprechen. Weiterhin würden die beiden Organifatio- nen zusammen geführt in der Fachgruppenarbeit. Hier habe der Student Gelegenheit, im kleinen Kreis mit dem Dozenten seinem Institut, seiner speziellen Arbeit und der politischen Ausrichtung eines jeden Fachgebietes bekannt zu machen. Als dritter Punkt der Zusammenarbeit sei der vom Dozentenbund eingerichtete Führungsdienst zu nenneü, der hn besonderen den jungen Studenten neben den Einrichtungen der Universität mit den kulturellen Stätten der Stadt Gießen bekannt machen solle. So werde in diesem Trimester eine Führung durch das Liebig-Museum, den Botanifchen Garten, die Museen, die Universitäts-Bibliothek mit ihrer wertvollen Handschriftensammlung stattfinden. Weiter berichtete Dr. Heidt eingehend über die vom Oberbürgermeister in die Wege geleiteten Arbeiten. Wenn auch die Universität Gießen als Arbeitsuniversität gelte, was bereits Liebig in seinen
Aus -er Giadi Gießen.
Spiel des Zufalls.
Es i[t nichts Seltenes, daß junge Mädchen in der Elektrischen die Zeitung ober ein Buch lesen, falls sie allein find. Zuweilen tun sie auch nur so, als seien sie in ihre Lektüre vertieft, in Wirklichkeit benutzen sie das Buch als Deckung, um möglichst unauffällig und nach Belieben ihre Blicke dorthin werfen zu können, wo sie etwas Sehenswertes reizt.
Diesmal hatte das junge, übrigens sehr hübsche Mädchen, das zunächst allein saß, Glück; ein junger Unteroffizier und ich nahmen den Platz rechts und links von ihm ein. Es brauchte also nicht in die Ferne zu schweifen. Aber es hatte nur zwei flüchtige Blicke, einen für jeden von uns, und setzte seine anscheinend spannende Lektüre unbekümmert fort, womit es uns freilich die Möglichkeit gab, so oft wir wollten, uns mit bewundernden Blicken an seinem anmutigen Profil zu ergötzen.
Es las ohne die Lippen zu bewegen, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken und verriet mit keiner Regung feines leicht erröteten Gesichts etwas über den Inhalt des Buches, was uns in wachsendem Maße um so neugieriger danach machte. In stillem Einverständnis miteinander versuchten wir in kühn vorstoßenden Blicken bald von rechts, bald von links, in das Buchgeheimnis einzudringen, das plötzlich eine sehr heitere Angelegenheit geworden zu sein Wen, denn das hübsche Mädchen lachte mit einem entzückenden Lächeln leise auf.
Die Frage lag mir schon auf der Zunge, als mir der Unteroffizier zuvorkam: „Das Buch muß wohl sehr interessant sein, Fräulein?"
„Kaum!" sagte das hübsche Mädcben mit einem flüchtigen Blick nach dem Sprecher yin.
„Aber es hat Sie immerhin zmn Lachen gereizt!" beharrte der Soldat.
„Ich habe über etwas nachgedacht", gestand das Mädchen mit einem noch entzückenderen Lächeln als vorhin, „ich stellte mir eine Situation vor —"
„Ah, ich verstehe!" fiel der Soldat ein, „die Situation war sicher furchtbar komisch —"
„So ist es!" vollendete das Mädchen zustim- mend, „aber ich bin am Ziel!" Es erhob sich rasch und huschte anmutig grüßend davon.
„Das Buch!" sagte ich, da die Elektrische schon wieder fuhr, und ergriff den Band, den die Leserin, ohne daß wir darauf geachtet, hinter sich gelegt hatte. „Gottseidank, steht der Name drin!"
„Hannelore Falk!" wiederholte der Soldat und zog seine Brieftasche heraus. „Mein Freund in der aleichen Staffel heißt Falk, und seine Schwester hat uns oft knusperiges Gebäck geschickt. Sollte die es sein und außerdem so hübsch?!"
Ein gegenübersitzender Herr bestätigte die Richtigkeit der Anschrift, die der Soldat vorlas. „Dann muß ich Ottos Schwester das Buch sofort bringen!" sagte er.
„Vergessen Sie nicht, sich Finderlohn geben zu lassen!" erinnerte ich, als die Elektrische hielt.
„Das sowieso!" lachte er mit strahlendem Gesicht und verließ wie ein Beschenkter den Wagen. P. B.
Lornotizen
Tageskalender für Donnerstag.
NSG. „Kraft durch Freude": 19.30 Uhr im Gloria- Palast, Seltersweg, Gastspiel „Frohe Stunden bei Film und Funk". — Gloria-Palast, Seltersweg: nur 15.30 Uhr „Trenck, der Pandur". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gefährliche Frauen".
Ortszeit für den 20. September.
Sonnenaufgang 7.08 Uhr, Sonnenuntergang 19.28 Uhr. — Monduntergang 10.47 Uhr, Mondaufgang 21.06 Uhr.
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Sportamt „Kraft durch Freude".
Kindergymnastik
Freitag, 16 bis 17 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße (nicht mehr Goetheschule). 4175D
Neues von den Glücksmännern.
In der erst vor einigen Tagen begonnenen Herbstlotterie der NSDAP, für die Zwecke der nationalen Arbeit sind in Gießen bereits drei ansehnliche Gewinne gezogen worden. Zweimal konnten die Gewinner je 50 RM., und in einem Falle konnte der glückliche Losbesitzer 100 RM. als Gewinn einstecken. Ein schöner Anfang der Lotterie, in der noch viele große Treffer auf die glücklichen Gewinner warten.
MngleMdetaaii
Roman von Helene Kalisch
-Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
26. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Klaus erzählt hastig — denn er weiß, Maria muß gleich wieder in den Laden zurück — von seinen Fortschritten bei Reppmann und seinem wachsenden Verdienst. Sie hört es freudig und stolz. Und wie sie so in der sonnenbeglänzten Straße beieinander- stehen, kann jeder erkennen, der Augen zum Sehen hat, daß sie zwei Menschen sind, die in Liebe ein*^ ander angehören ...
Klaus bemerkt, wie Marta erschrickt. Er folgt ihrem Blick und sieht an dem Fenster neben dem Laden ein gelbliches, altes Männergesicht. Heber die Ränder einer Brille hinweg späht es mit böse blinzelnden Augen nach ihnen, die Lippen bewegen sich in lautlosem gehässigen Schelten. „Der Vater!" flüstert Mana verstört.
„Laß den alten Mann", sagt Klaus, „der versteht uns nicht mehr. Und du mußt darum nicht so ängstlich sein, Marta!"
Er drückt ihr rasch die Hand und steigt auf den Wagen. „Auf Wiedersehen, min Deem!" ruft er ihr noch zu und fährt lachend davon — viel freier und unbeschwerter in der Liebe als sie.
Erst am Sonntag finden sie wieder ein paar Stunden ungestörten Beisammenseins. Zwischen den noch kahlen Gärten einer stillen Vorstadtstraße gehen sie und biegen dann in das Tor eines Friedhofes ein. Hier find sie öfters. Selten sind jetzt hier Menschen, und es gibt stille Wege zwischen Erbbegräbnissen mit prunkvollen Denkmälern und auch solche, die dicht verwachsen sind, in älteren Teilen des Friedhofes. Hier sind sie ungestört.
Anfänglich entgeht es Klaus, daß Maria bedrückt 'st. Sie haben sich vielerlei zu erzählen. Auf die Dauer aber kann sie ihm nicht ihre Betrübnis verbergen; sie sehnt sich auch sehr nach Trost durch ihn. ^ils er dann, ernstlich beunruhigt, mehrmals behauptet. „Du hast meinetwegen Unannehmlichkeiten,
Marta", gibt sie es zu. Ihr Vater mache ihr Vorhaltungen. Er und seine Frau beschimpften und verdächtigten sie. Tagein, tagaus höre sie jetzt wieder hämisches, kränkendes Gerede. Der alte Mann rege sich auf, und fein Zustand habe sich verschlimmert. Die Stiefmutter werfe ihr vor, sie sei schuld daran, sie werde ihn unter die Erde bringen!
„Was ihr je eher, je lieber wäre!" fällt Klaus erbittert Marta ins Wort.
„Ja, Klaus, das weiß ich. Und darum bin ich so voll Bitterkeit. Ich konnte nicht an mich halten und habe es ihr ins Gesicht gesagt. Aber damit habe ich alles bloß noch schlimmer gemacht. Sie wühlt und hetzt, bringt nicht nur den Vater gegen mich äuf, auch bei fremden Leuten, bei der Kundschaft macht sie mich schlecht! Ach, ich mag schon keinem Menschen mehr ins Gesicht sehen!"
Plötzlich schluchzt Maria auf, schlingt den Arm um seinen Nacken, fragt stammelnd in großer Bedrängnis: „Ach Klaus, dürfen sie denn das? ... Dürfen denn die Menschen immer wieder das Geschehene aufwühlen und mir das Leben damit vergiften? ... Wo ich ihnen doch nichts nehme und alles recht zu machen suche ... Warum lassen sie mich nicht in Ruhe?"
„Das sollen sie, Marta! Sonst nehme ich sie mir mal vor und rede mit der erbärmlichen Gesellschaft, wie sie es noch nie gehört haben", ruft er, und fein Gesicht läuft vom Hals aufwärts rot an. „Dann gehen wir beide fort von hier, Marta! Dorthin, wo uns keiner kennt — ober auch — bei mir daheim, du, glaubst du, das ginge nicht? ... Die haben ja nur Angst davor. Glaubst du, ich schaffe es dort nicht? Ganz gewiß Maria, wenn du bei mir bist!"
Da trocknet sie ihre Tränen, lacht ihn an und atmet tief auf. „Ich weiß, du meinst es gut, Klaus. Und ich will dir auch nichts mehr vorklagen. Ich werde mich schon durchsetzen! Mich hat ja nur am meisten aufgebracht, daß sie über dich schimpfen, wo sie dich doch gar nicht kennen!"
Er sieht sie ernst an. „Laß sie nur, Marta. Damit können sie uns nicht nehmen, was in uns ist und was wir uns sind. Alles andere ..." Er macht eine wegwerfende Handbewegung. —
Einige Wochen später richtet Frau Pahl eine Frage an Klaus, die etwas Neues, Ungeheuerliches in ihm aufstört. „Wie is bet nu, Klaus? Wenn soll benn nu jebeiratet werben?" sagt sie.
Er sieht sie verstänbnislos an.
„Na, nu machen Se ’n bummet Jesichte! ...Ick denke. Sie sind einig ntit die Marta?"
„Einig? ... Ja. Wir sind uns gut. Aber weiter kann da nichts sein, denn sie geht ja nicht fort von ihren Alten, weil sie zu gut und zu gewissenhaft ist."
„Set weeß ick längst! Darum eben is die Sache schwierig. Aber ick nehme an, Sie, als anftärtöijer Mensch, werden nich bloß mit ihr 'rumziehen und se ins Jerede bringen wollen."
„Ich, Frau Pahl?" Klaus funkelte die alte Frau so drohend mit seinen blauen Augen an, daß diese unwillkürlich einige Schritte beiseitegeht. „Das besorgt die Frau Ellrich, das dösige, widerliche Weib! Die redet schlecht von Marta und verdächtigt sie. Die und der alte Kerl, der dem Mädel die Jugend gestohlen hat!... Diese beiden erbärmlichen Subjekte, die ihr die Hände unter die Füße legen müß. ten, das undankbare Pack, für das sie sich ab» rackert, bas vergiftet ihr die Tage!"
„Herrjeh, Klaus, wie Sie sich in Hitze reben?... Det kennt man ja jar nich an Ihnen! Aber mir erzähln Se bloß nifcht Neues damit! Mir is bet doch alles lange bekannt. Aber jetzt, wo die jemerft haben, bet die Maria mit Ihnen jetzt, da wird's erst schlimm für bet Mädel! Ja, sehn Se, nu wissen Se nischt zu sagen. Ick mische mir sonst jrund- sätzlich nich in andre ihre Anjesejenheiten. Aber weil ick von Marian viel halte und se mir leid täte, wenn se nochmal sollte Unjlück haben, darum wollte ick mal mit Ihnen deutsch reden, verstehn Se? Und ne richtige Vorstellung davon, wat die alle Tage auszuhalten hat, die Ham Sie doch, nich! ... Wo keener weeß, wo Sie herjekommen fin und bloß, bet Se mal wat ausjefressen und jesessen Ham!"
„Wer hat das herumgeredet?" fährt er auf, dunkelrot vor Scham und Zorn. Keuchend, mit geballten Fäusten, steht er vor der alten Frau. Sie wendet sich ab, zuckt mit den Schultern. „Wir, Vater und ick, wir nehmen uns so in acht..."
Klaus setzt sich langsam wieder auf den Küchenstuhl, starrt mit düsterem Ausdruck im Gesicht vor sich hm. „Was soll man bloß tun, Frau Pahl? Es kann uns ja niemand helfen."
„Vielleicht mit ’n juten Rat, Klaus. Sie find nu mal fon bißken schwerfällig und denken an manches nich. Und Sie find ’n Mann, an Sie bleibt mfcht hängen, wenn die Leute abends mit Marta
Erinnerungen an Gießen zum Ausdruck brachte, so werde doch auf der anderen Seite die Stadt kein Mittel unversucht lassen, um dem Studenten in Gießen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.
Der Studentenführer dankte beiden Rednern für ihre Ausführungen und stellte d§n Studierenden die Kameradschaftsführer vor, die einzeln über die Arbeit und die besonderen Ziele ihrer Kameradschaft berichteten.
Der Erfolg dieses Abends kommt am besten darin zum Ausdruck, daß sich die anwesenden Studenten geschlossen freiwillig zur Mitarbeit im NSD.-Studentenbund bereiterklärten und den einzelnen Kameradschaften beitraten.
Zn den nächsten Tagen keine Bezugscheine.
Die neuen Kleiberkarten werben in Gießen in aller Kürze zur Ausgabe kommen. Zur Vorbereitung bieser umfangreichen Arbeiten bleiben die Ausgabestellen für Bezugscheine beim Wirtschaftsamt der Stadt Gießen von morgen ab für mehrere Tage geschloffen, so daß also in den nächsten Tagen keine Bezugscheine ausgestellt werden können.
Frohe Stunden in den Lazaretten.
Die Jugendgruppe der NS.-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerks bereitete dieser Tage den Verwundeten in einem hiesigen Reservelazarett durch mancherlei Darbietungen einige frohe Stunden. Gesang von Kanons und alten Volksliedern, von den Jugendlichen schon bargeboten, flottes Ziehharmonikaspiel unb gemeinsame Lieder der Jugendgruppe und der Soldaten ließen die Stunden des helleren Beisammenfeins zur vollen Zufriedenheit beider Teile werden. Unsere Verwundeten dankten den jungen Gästen in herzlicher Weife.
Etwa 90 Schulkinder aus Klein-Linden bereitsten unter Führung des Chorleiters Lehrer Rau den Verwundeten ebenfalls eine schöne Feierstunde, in der Gesang, Gedichtvorträge und Darbietungen eines Ziehharmonikaorchesters Heimat, Volkstum und Soldatentum verherrlichten. Die Veranstaltung war in Gemeinschaft mit der NSG. .Kraft durch Freude" bereitet worden. Der herzliche Dank unserer Soldaten war der schönste Lohn für die jugendlichen Sänger und Spieler, sowie ihren Leiter und die Veranstalter.
Im Auftrage des Lanbesftembenverketzrsverban- des Rhein-Main hielt Lehrer Grebe aus Frankfurt a. M. vor den Verwundeten einen fesselnden Lichtbildervortrag, der die gespannt lauschenden Hörer mit den Schönbeiten und der Eigenart der rhein-mainifchen Landschaft vertraut machte. Der Vortragende gab dabei auch einen Ueberblick über die wirtschaftliche Bedeutung und die geschichtlich wichtigsten Ereignisse bzw. Denkmäler des Rhein- Main-Gebietes, feine landschaftlichen Reize und die Sehenswürdigkeiten feiner Städte und Dörfer. Durch die anschauliche Schilderung erhielten die verwundeten Soldaten ein geschlossenes Bild des Rhein« Main-Gebietes, für das sie dem Redner nut herzlichem Beifall dankten.
** Vom Veranstaltungsring des San- nesund Untergaues 116 wird mitgeteilt, daß die Dienststunden für die Einzahlung des Jahresbeitrages und für die Annahme der Neuanmeldungen an folgenden Tagen auf der Verwaltungsstelle des Bannes stattfinden: Freitag, 20. September, 15 bis 18 Uhr; Samstag, 21. September, 15 bis 17 Uhr; Montag, 23. September, 11 bis 13 und 15 bis 18 Uhr. Anmeldeformulare können nachgeholt werden.
** 75 Jahre alt. Am morgigen Freitag, 20 September, kann der Reichsbahnobersekretär a. D. Johannes Klebe, Crednerftraße 1 wohnhaft, feinen 75. Geburtstag begehen. Den Jubilar beglückwünschen auch wir herzlich zu seinem Geburtstage.
** In der Anlage tot aufgefunden. Am heutigen Donnerstag früh fand man auf einer Bank in den Anlagen am Hindenburgwall einen etwa 70 Jahre alten Mann tot auf. Die Leiche des Mannes, dessen Personalien bekannt sind, wurde dem Neuen Friedhof zugeführt. Die Todesursache ist bis zur Stunde noch nicht bekannt.
♦♦ Auf der Baustelle abgestürzt. Heute vormittag stürzte auf einer Baustelle in Klein- Linden der Arbeiter Konrad Meurer aus Lohra (Kreis Marburg) aus ziemlicher Höhe ab. Mit inneren Verletzungen mußte der bedauernswerte Mann von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes der Chirurgischen Klinik zugeführt werden.
in die dunklen Straßen langjehn sehn. Wat die olle Ellrichen is, die bringt se erst druff, det se alle kieken und uff passen. Ick habe Marian schon jesagt und ooch Ihnen, det Se beede ruhig hier bei uns kommen und sich unjestöri unterhalten können. Und wenn mir eener wat sagt, dem leuchte ick heim... Vorausjesetzt, Klaus, det Sie es ehrlich mit die Maria meinen. Ick bin der Ansicht, Sie sollten ruhig beede nachs Standesamt jehn! Die Marta is achtundzwanzig Jahre, die braucht wahrhaftig keen mehr um Erlaubnis zu fragen. Und denn arbeetet ihr beide so lange jeder seine Sache, bis ihr euch den ei jenen Hausstand jriinden könnt. Denn sind wenigstens die Schandmäuler jeftoppt von wejen Martan!... Unb je eher, je besser, denn se kommt mir fon bißken verändert vor und is manchmal so blaß!"
Klalls sieht die alte Frau starr an, aus feinem Gesicht ist alle Farbe gewichen. „Frau Pahl, das — geht ja nicht! — Ich bin ja nicht — meine frühere Ehe ist nicht geschieden —"
„Wat?" — Die behäbige alte Frau, die an der anderen Seite des Küchentisches Platz genommen hat, schnellt vom Stuhl empor. „Sie sind verheiratet? ... Und bet Ham Se oerschwiejen? ... Na, sowat von Unaufrichtigkeit! ... Ja, wat denn nu?"
„Maria weiß es."
„So? ... Schlimm jenug, bet se Ihnen ba nich längst ’n Laufpaß jejeben hat! Wat habt ihr beebe euch benn bloß jedacht?"
Klaus sieht Frau Pahl ratlos an unb rückt mit ber Schulter. „Das ist doch alles versunken unb ausgelöscht. Was dazwischenliegt, ist wie ber Tob ... Jetzt ist ein anberes Leben."
Frau Pahl aber ist sehr aufgebracht. Zornig schüttelt sie ihre geballten Fäuste vor Klaus Tjabens Gesicht. „Ihr Männer feib boch alle mit ’n Holzhammer jetauft! Jetzt machen Se aber schleunigst unb bringen bie Sache in Orbnung! ..."
Klaus sucht unverzüglich Maria Ellrich auf. Unter dem Vorwand, einen Auftrag entgegennehmen zu wollen, wartet er, bis der Laden von Kunden leer ist. „Ich muß heute noch mit dir sprechen, Maria! Kannst du es einrichten?" fragt er leise.
Sie blickt ihn erschrocken unb voll Sorge an. „Was ist benn. Klaus? Ich bente, bu mußt zu Reppmann?"
„Ich sage ab, rufe im Zigarrengeschäft an!"
„3s denn was geschehen?" fragt sie, (Forts, jolgt.)


