Ausgabe 
19.6.1940
 
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Aktuelle Geographie

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Gedrückte Stimmung in London

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Kurt Neher.

Pariser -------------

ihren Dienst noch am u,_. - <,

Einmarsches wieder ausgenommen, und lange lonnen entwaffneter Mobilgarden fahren m Om­nibussen an uns vorüber zu den Sammelplätzen. Es wäre zu viel gesagt, wollte man von einer begin­nenden Normalisierung des Lebens in der fran­zösischen Hauptstadt sprechen. Dazu bedarf es erst der Rückkehr von Hunderttausenden, wenn nicht Millionen französischer Flüchtlinge, die sich, ver­steckt in den Wäldern und Dörfern, erst em Herz fassen müssen, derdeutschen Gefahr" mutig in die Augen zu sehen.

Wir versuchten bei dem kurzen Aufenthalt in der besiegten Hauptstadt rasch einige Pariser Be- kannte oder Freunde zu treffen. Unsere Be­mühungen sind aussichtslos. Alles, was es irgend­wie möglich machen konnte, hat Paris mit unbe­stimmtem Ziel verlassen. Die Zurückbleiben- den wurden von ihren Bekannten als Helden und Märtyrer betrachtet, deren Tod man beweinen konnte sobald deutsche Truppen sich anschickten, das Weichbild der Stadt zu überschreiten. Diel hat das beherrschte und korrekte Auftreten unserer Solda­ten schon dazu beigetragen, um die aufgeregten Gemüter langsam zu beruhigen. Wer Paris kennt, weiß daß es von jeher die Klatschtreppe Europas war und wundert sich über nichts mehr. Diese Ge­rüchte aber beweisen, daß die Seinestadt die Ner­ven völlig verloren hat, weil sie selbst von den In­stitutionen betrogen wurde, die für den Franzosen die Verkörperung der Hauptstadt war.

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Karte mit dem ungefähren Frontverlauf, gezeichnet nach dem OKW.-Bericht vom 18. Juni 1940. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Aus eigener Anschauung.

Paris sucht sich zurechtzufinden. - Das Vertrauen zur Führung verloren.

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Schweizer Bilanz.

Die überlegene deutsche Strategie trug den Sieg davon.

Englands Macht zur See sei ungebrochen. Alle Blätter sind sich jedoch einig darüber, daß die Schnelligkeit, mit der die Entscheidung in Frankreich heranreifte, ihre Auswirkung auf die weitere Schlag, kraft der deutschen Waffen haben müsse.

Wie der britische Hilfskreuzer im Mray-Nrth versenkt wurde.

Berlin, 18. Juni. (DNB.) Wie schon im OKW.-Bericht mitgeteilt wurde, ist der Erfolg eines U-Bootes gegen einen britischen Hilfskreuzer im Moray-Mrth durch besonde­ren Schneid und vollen Einsatz des Bootes unter Führung von Kapitänleutnant K u p p i f ch erzielt worden. Der durch Flugzeuge und Fischdampfer gesicherte Hilfskreuzer wurde gegen Mitternacht durcy einen Torpedo am Achterschiff getroffen. Da das Schiff nicht sank, lief das Boot nach etwa drei Stunden erneut an und feuerte einen weiteren Torpedo, der das Schiff mitschiffs traf. Trotz schärfster Abwehr^durch inzwi- schen herangezogene zahlreiche Zerstörer, U-Boot­jäger und Flugzeuge, die das U-Bovt mtter, Wasser und Flieaerbombeneinsatz fortlaufend angriffen, entschloß sich der Kommandant, da das Schiff sich auch jetzt noch über Wasser hielt, nach weiteren zwei Äunden zu dem dritten Torpedo­schuß, der den Hilfskreuzer gegen 5.30 Uhr unter Wasser brachte. Es gelang dem Kommandanten, sein Boot durch hervorragende Führung der stun- denlangen, hartnäckigen Verfolgung zu entziehen und unversehrt IN die Heimat zu bringen.

gewordenen Kapitalien in neue Unternehmungen. in Algier und in Jndochina gesteckt.

Rennes, mit 85 000 Einwohnern die Haupt- stadt der Bretagne, liegt auf der Vormarschstrecke zum unteren Loireufer mit seinen Häfen Nantes und St. Nazaire, die abgesehen von dem weiter südlich gelegenen Bordeaux die einzigen Handelshäfen sind, über die Frankreich noch an der atlantischen Küste verfügen konnte. An der west­lichen Spitze der Halbinsel Bretagne liegt der Kriegshafen Brest fast ebenso weit westlich wie Kap Landsend, der westlichste Punkt Südenalands. Die Bretagne, die den Kanal nach Süden abschließt und ihre Haupfftadt Rennes wurde in den letzten Jahren wegen des Strebens der Bretonen nach einer gewissen Selbstverwaltung oft genannt.

Der Wehrmachtsbericht nennt auch die O r n e, die die deutschen Truppen zwischen Caen und Le Mans überschritten hgben. Caen, nur wenige Kilometer vom Meere entfernt an der Seine-Bucht, ist die Hauptstadt der niederen Normandie, mit 50 000 Ein­wohnern ein reger Jndustrieort und wichtiger Bahn- knotenpunkt, während der Schiffsverkehr nicht allzu groß ist. Die ältesten Zeiten der Stadt gehen noch auf Wilhelm den Eroberer zurück, und auch später ist Caen mehrfach Sitz der Herzöge der Normandie gewesen. Zwischen Franzosen und Briten war Caen, wie die ganze Kanalküste, häufig heißumstrittenes Gebiet.

Rund 130 Kilometer, den Ornefluß aufwärts, nach Süden an der Sarthe, einem Nebenfluß der Loire, liegt Le Mans, ebenfalls ein wichtiger Knoten­punkt der Westbahn, mit 70 000 Einwohnern, Mittel- punkt einer regen Textil- und Metallindustrie. Hier bei Le Mans besiegte im Januar 1871 die Armee des Prinzen Friedrich Karl die französischen Truppen General Chcmzys in mehrtägiger Schlacht nach hef- tigern Ringen. Le Mans liegt bereits 180 Kilometer südwestlich Paris in Richtung auf die Loiremündung.

Der Durchbruch durch die Maginot-Linie konnte bis an den Rhein Marne-Kanal erweitert werden, der von der kanalisierten Jll bei Straß­burg unter Ueberschreitung von Meurthe, Mosel und Maas nach dem Marne-Seiten-Kanal bei Vitry le Francois führt. Der Kanal ist in den 50er Jah­ren des vergangenen Jahrhunderts erbaut wor­den, er ist rund 360 Kilometer lang und für Schiffe bis 250 Tonnen befahrbar.

Der Vorstoß vom Oberrhein her gegen die Voge­sen führte zur Einnahme der alten deutschen Stadt Colmar, die eine Reihe schöner alter Patrizier­häuser und ein berühmtes Münster besitzt mit einem Marienbild Schongauers und den berühmten Isen- Heimer Altar Grünewalds aufzuweisen hat. Colmar stammt noch als Stadtgründung aus der römischen Zeit, 1226 wurde es Reichsstadt. Mit seinen rund 45 000 Einwohnern ist es ein wichtiger Verkehrs- und Jndustriemittelpunkt des Ober-Elsaß.

seittg auf Verteidigung bedachten Kriegsvorberei« tung der Westmächte. Aber es muß auch feftgefteüt werden, daß die Westmächte der Strategie der deut­schen Heeresführung keine gleiche entschlos­sene und geistesgegenwärtige Ope­rationsleitung entgegenzustellen hatten."

Der BernerB u n d" schreibt:Nach der Kata­strophe in Nordfrankreich und Flandern, dem Aus­einandersprengen der Engländer und Franzosen, dem Zusammenbruch auf den in aller Eile improvi­sierten Verteidigungsstellungen Weygands im In­nern des Landes waren die Kampfchancen für Frankreich noch ungünstiger geworden, als sie es von Anfang an gewesen waren. Stellung um Stellung mußte aufgegeben werden. Wertvoll­stes, unersetzliches Kriegsmaterial wurde in Mas­sen verloren. Die Fronten wurden schließlich von den Deutschen eingedrückt und zer­schlagen. Die Maginot-Linie geriet ins Wanken, und es steigerte sich durch die zurückweichenden Truppenmassen die Verwirrung. Als es denn gar der genial operierenden deutschen Heeresleitung ge­lang, vom Plateau von üangres aus einen Keil gegen d i e Schweizer Grenze vorzutreiben und alle Truppen der gesamten Vogesen-Front ein­zukesseln, da gab es für die Generale Pötain und Weygand nichts anderes mehr als die letzte und schwerste Entscheidung, den Entschluß zurEin- stellung des Kampfes zu treffen. Heber die militärisch Verantwortlichen für die Vorbereitung und die erste Kampfzeit dürfte es noch einige pein­liche Auseinandersetzungen geben, ehenso auch mit einigen Staats- und Parteimännern, zumal Hitler ihnen im voraus offen gesagt hatte, daß Frankreich dem Unternehmen, in das es sich einlasse, nicht ge­wachsen sei. Frankreich wird nicht nur von einer Uebermadjt an Menschen und Waffen, sondern auch von der besseren Leitung, der weitsichtigeren und aufs letzte vorbereiteten Organisation ge­schlagen und von den neueren, moderneren Kampf methoden, den besseren, größeren

II d e e n der Kampfführung."

Stockholm, 18. Juni. (Europapreß.) Tiefer Ernst und eine illusionslose Stimmung liegt über den Leitartikeln der Londoner Presse. Sie alle be­handeln den Zusammenbruch Frankreichs und sind sich darüber einig, daß diese Entwicklungein furchtbarer Schlag für die Westmächte" sei, daß Lon­don aber nichtsdestoweniger weiterkämpfen müsse. Die sofortige Einberufung von drei neuen Jahres- . klassen ist fürDaily Expreß" ein Beweis dafür, daß nichts den englischen Enffchluß ändern kann, weiter zu kämpfen, bis der Sieg errungen ist". Dor sieben Jahren, so schreibtEvenina Standard" be­trübt, hätten die Hitlertrupps vor Der Reichskanzlei in Berlin paradiert. Heute wehe die Hakenkreuz­fahne über Berlin, Wien, Prag, Warschau, Oslo, Kopenhagen, Amsterdam, Brüsiel, Luxemburg und Paris. Bis jetzt, sagtEvening News , habe Eng- land die Hitze der Kriegsflamme nur von fern ge­spürt. Jetzt aber stehe der Feind an Eng­lands Türschwelle. Entmutigt bekennt das Blatt, die brittsche Bevölkerung habe den Glauben an einen raschen Sieg längst aufgegeben und fragt mißtrauisch, ob die eigenen Vorräte an Waffen, die Produktion und die Hilfe Amerikas genügten, um den Abwehrkampf zu führen. Die Regierung sei offenbar der Ansicht und bas Volk müsse mit ihr gehenbis zum bitteren Ende". DieTimes" kom­mentiert die Ereignisse der letzten 48 Stunden in weniger bombastischer Form und macht ihre Leser darauf gefaßt, daß unzählige Stunden furchtbaren Druckes dem Jnselreich bevor» stünden, aber man dürfe nicht verzweifeln. Die Seemscht sei es, die den Ausschlag gebe, und

An der Burgundischen Pforte, also im Tal des Doubs, zwischen schweizerischem Jura und den Vogesen liegen drei, jetzt viel genannte Festungs- städte: Belfort, Mömpelgard und Besanxon. Am westlichsten liegt Belfort, das dasLoch von Belfort" unmittelbar beherrscht, wie man gelegent­lich auch dieBurgundische Pforte" nennt. Belfort kam mit dem gesamten Sundgau und dem größten Teile des Elsaß 1648 durch den Westfälischen Frie­den an Frankreich und wurde 1659 dem Kardinal- Kanzler Mazarin, dem erfolgreichen Nachfolger des Kardinal-Kanzlers Richelieu zum Dank für die der Krone Frankreichs geleisteten Dienst verliehen. Bel- ort gehört also mit dem Sundgau zum Elsaß und ollte auch 1870/71 ursprünglich zum Deutschen Reich zurückkommen. Dann aber verzichtete das Deutsche Reich, worauf die Franzosen zum Dank dem Gebiet von Belfort sofort eine verwaltungsrechtliche Sonderrolle als Träger der französisch-elsässischen Politik zuwiesen. Obwohl in den folgenden zwei Jahrzehnten Bismarck die Bildung des gewaltigen französischen Kolonialreiches begünftigte, wurde auf diese Weise Belfort zum Vorposten des französischen Revanchegeistes. Weiter nach Südwesten, unmittel­bar am Doubs, liegt Montböliard, dessen deutscher Name Mömpelgard ist, und das sich wegen seines etwasausgefallenen" Namens mit Schilda, Homberg und Buxtehude in den Ruhm einer gewis­sen Sprichwörtlichkeit teilte. Geschichtlich ist inter­essant, daß Mömpelgard Montb^liard inner» jjatt) der buntscheckigen Karte reichsfürstlicher Hoheits­gebiete zu ... Württemberg gehörte, auch zeitweise Sitz einer württembergischen Nebenlinie war und erst 1801 an Frankreich kam. Besan?on endlich, das schon im Mittellauf der Doubs liegt, war als Bifantz" deutsche Reichsstadt und Haupfftadt der zum burgundischen Reichskreis gehörigen Freigraf­schaft Burgund. Es kam zu Frankreich im Jahre 1679 durch den skandalösen Frieden von Nijmwegen, der damals im deutschen Dolkmund den Spitznamen eines Friedens vonNimm weg" bekam. Die Er­werbung von Besan^on-Bisantz durch Ludwig XIV., denSonnenkönig", ging unmittelbar dem Raub von Straßburg (1681) voraus.

L e Creusot ist das französischeE s - f e n". Dort haben die Schneiderwerke ihren Sitz, Die etwa den deutschen Krupp-Werken entsprechen. Wie der deittsche NameSchneider" schon vermuten läßt, stammen diese Industriellen aus dem Elsaß. Neben der Kanonengießerei betreiben die Schneider- Creusot-Werke den Bau von Lokomottven und Ma- schinen und große Eisenwalzwerke. In der Um­gebung von Creusot, das nur etwa 100 Kilometer nördlich von Lyon liegt, sinden sich leidlich reiche Eisenerz- und Kohlenlager. Heute smd die Schnei- der-Creusot-Werke, die 1836 gegründet wurden, in : staatlichem Besitz, und die Jickustriellen-Familie Schneider, die engverbunden ist mit der ebenfalls . elsässischen Familie de Wendel, hat die dadurch frei»

Nation in ihrem Kampf für dieZivilisation" vor anderen auszuzeichnen. Zurückgeblieben sind nur die Einwohner der Vorstädte, die kleinen Leute, und das lichffcheue Gesindel, dessen Vertreter man in den Villenvierteln nicht selten begegnet. Die Zentren der französischen Haupfftadt, in denen sich im Frieden das Leben in allen seinen bunten Formen, die eben typisch pariserisch sind, zusammenballt, sind verödet. Der Schwerpunkt ist in die Do r st ädt e verlegt, nach St. Cloud, Dt. Denis, Clichy, Neuilly, wo diese Bevölkerung heute Mühe hat, sich mit dem Notwen­digsten an Lebensrnitteln zu versorgen, weil die In­haber der Geschäfte alles im Stich gelassen haben, um sich in Sicherheit zu bringen.

Zwischen der Kammer, Notre Dame, an der Oper, dem Etoile und die ganze Seine entlang, zeigt Paris am hellen Nachmittag das gleiche Ge­sicht wie sonst in den Morgenstunden von Sonn- und Feiertagen. Vor dem Senatsgebäude ist ein Wagen, mit dem sich Zivilisten in Sicherheit brin­gen wollten, auf ein Warnzeichen gefahren. Koffer, Wäsche und Schachteln wurden herausgeschleudert und liegen nun in buntem Durcheinander über die Straßenbreite zerstreut. Auf dem Quai d'Orsay weht seit Freitagnachmittag die Haken- kreuzfahne. Ein Doppelposten am Haupteingang hat die Wache bezogen. Kriegs- und Marineministerium sind verlassen.

Gens, 18. Juni. (Europapreß.) DieSuisse" schreibt unter der UeberschriftBilanz einer Poli- til".Alle über den augenblicklichen Krieg gemach­ten Beurteilungen haben sich als falsch heraus­gestellt, wenn sie auf Vergleichen mit 1914/18 auf. gebaut waren. Die Ursache ist, daß man von der deutschen Wirklichkeit nichts wußte und daß man übersehen hatte, daß das Reich an­dererseits nichts unterlassen hat, um den im Sep­tember 1914 begangenen Fehler zu vermeiden, d.h. den Halt der deutschen Armee an der Marne. Die auf feiten Frankreichs gemachten Fehler waren fatal. Im Sommer 1940 hat Frankreich weder Den Mann noch das Mittel gefunden, um ein Wunder zu verwirklichen. Die Preis- ,gabe des Kabinetts Reynaud wurde in dem Augen­blick unvermeidlich, in dem die militärischen Chefs ies für unmöglich hielten, den Widerstand fortzu­letzen. Die amerikanische Antwort auf den Appell Meyncmds enthielt nicht einmal eine Versicherung .einer großen und unmittelbaren Hilfe.

Unter der UeberfchriftMarschall PStains «schwerer Entschluß" schreiben dieBasler Nach- richten",Marschall Pötain kennt den Zustand [einer eigenen Armee und hat die Leistungsfähig­keit der gegnerischen unmißverständlich kennenge­lernt, nicht nur die hohe Fähigkeit ihrer Führung, jonbem auch den bewundernswerten Elan ihrer Gruppen. Vom Inhalt der Antwort Hitlers und Mussolinis und von der Stellung, die Frankreich Ibazu einnehmen wird, hängt ungeheuer viel für .England ab. Der Optimismus, mit dem die gestri­gen Londoner Abendblätter betonten, die Zeit ar­beite jetzt mehr denn je für England und gegen chitler, ist also ganz un faßlich. Dreiviertel-Jahr lang hat man nun die Behauptung von dieser den Westmächten gefälligen Arbeitsweise der Zeit ge­hört, und nun soll sie sich nach Ausscheiden Frank­reichs prompt auf das weiterkämpfende England konzentrieren ..." In derNationalzeitung" heißt ,es:Die jetzige Krise der französischen Wehrmacht ist bas Ergebnis einer zu zögernden und zu ein»

Paris war nie die Verkörperung Frankreichs, wenn es auch sein Kopf gewesen ist. Aber heute steht es zweifelnd an sich selber, zerrissen und un­einig in seinen Urteilen und Meinungen für ganz Frankreich da. Die Regierung ist geflohen. Die zurückgebliebene Bevölkerung ist sich selbst über­lassen. Flüchtlinge und Regimenter ziehen in bun­tem Durcheinander nach Süden und Südwesten. Was soll werden?" Das ist der Gesprächs­stoff am zweiten Tage nach der Einnahme von Paris.Weiterkämpfen bis zum Aeußersten, und sollten unsere Truppen in den Pyrenäen enden müssen." So ist die eine Auffassung, die zweite: Wir sind verraten und verkauft, der deutschen Macht sind wir nicht gewachsen, S ch l u ß mit der englandhörigen Politik unserer Regierung. Wir wollen Frieden und Zusammenarbeit mit Deutschland", steht der ersten Auffassung schroff gegenüber.

In den Distrots, die nun ihre Tore langsam wie­der öffnen, beschäftigt nur dieses eine Thema die Insassen. Jeder deutsche Soldat, dessen man habhaft werden kann, wird nach seiner Ansicht befragt, als fei er der Vertreter des deutschen Außenministers. Zurückhaltend antworten unsere Männer, sind sie doch nur bemüht, den Franzosen das Mißtrauen und die grenzenlose Angst zu nehmen vor allem feldgraue Uniform trägt. Die Flics, wie der er Dolksmund die Polizisten nennt, haben ersten Tag des deutschen lenommen, und lange Ko-

... 18.Juni. (PK.) Für das Paris von heute s itibt es unendliche politische Parallelen. So wie es i »ich jetzt den einmarschierenden deutschen Truppen ' ibarbietet, ist es nicht nur ein Dokument französische 1 'Großsprechertumes, sondern auch militäLjscher und werrvaltungsmäßiger Verwirrung. Die fliehende 'Regierung hat eine völlig niedergeschlagene, mit i Reinem Wort unterrichtete Bevölkerung zurückgelas- ;jen, die sich von allen Seiten verraten fühlt.

In endlosen Zügen ergoß sich zwei Tage vor dem Einmarsch der deuffchen Soldaten der regellose 'Strom kopfloser Flüchtlinge nach dem Süden des Landes, um dort vor den Deuffchen Barbaren" Schutz zu suchen, die man den Parisern, ebenso wie »allen Franzosen, in den schrecklichsten Farben ge» -schildert hatte. Nun sitzen unsere Männer mit lachen« Len Gesichtern auf ihren Fahrzeugen ober mar­schieren singend durch die Straßen. Noch bevor ein Franzose Gelegenheit hatte, mit einem deuffchen Soldaten zu sprechen, war das ganze Lügengebäude über unsere Armee zusammengebrochen.

Was war diesen armen Menschen alles erzählt rmorben von Ernährungsschwierigkeiten, Brennstoff» mangel, schlechter Ausrüstung und zerrütteter Disziplin. Die erste Frage, der Bevölkerung war immer:W as wird mit uns geschehen? Wenn darauf die mit ungläubigem Erstaunen auf» genommene beruhigende Antwort erteilt war, kam -sofort die bereits größeres Vertrauen bekundende Frage:Wie kommt es, daß die Männer alle fso gut aussehen bei ihrer schlechten Verpfle­gung?" Das Tuch unserer Röcke wurde befühlt, nmb bas Lederzeug geprüft. Es war für uns alle »erschütternd, die Männer und Frauen zu beobach­ten, die, belogen und betrogen von ihren Zeitungen, ähren Parteien, der Regierung, sich nun allem zurecht zu finden suchten, in den auf sie em» Rtürmenöen Ereignissen und Wahrheiten.

Wo ein deutscher Soldat sich am Morgen nach idem Einmarsch sehen ließ, war er sofort nach der PUeberminbung der ersten Scheu von einem Schwarm Menschen umgeben, die sich sehr oft überhaupt nicht mrit ihm verständigen konnten, für die er aber allem Durch fein Dasein eine Offenbarung war. Jede Be­wegung unserer Männer tränten sie förmlich m ssich hinein.Ah, er zündet sich eine Zigarette an! Ah, er nimmt einen Schluck aus der Feldslaschei Nun setzt er sich auf den Sattel feines Motorrades, mm einen Augenblick nach langer Fahrt auszuruhen nmb ein Butterbrot zu essen.

Man braucht die Pariser nicht zu fennen, es ist mich nicht nötig, Gedankenleser zu sein, man suhlt Senau, was hinter den Stirnen vor sich geht. Em Rann, ein Mensch, wie alle anderen auch, oft gut­mütig, immer hilfsbereit und immer grunöanftan- Bbig. Mon dien, roi e hat man uns betrogen. Kinzig und allein diese Gedanken und keine anderen ^beschäftigen diese Pariser am Tage des deutschen Kinmarsches. Es war nicht die Niederlage Frank- »eichs und der Sieg des Reiches, die im Vordergrund iihres Denkens standen, sondern nur das trostlose, miederdrückende Gefühl, von der eigenen ^e° Nierung so an der Nase heru m g e fu b r t worden zu sein, wie irgendein afrikanischer Neger- ftamm von seinem Zauberer. Scham und Wut er­füllte sie, als ihnen bei den Hunderten von Gesprä­chen, die wir am ersten und zweiten Tage mit ihnen führten, die Tränen in die Augen traten.

Es wird in unserem Zeitalter, mit seinen tausend- fältigen Möglichkeiten der Nachrichtenübermittlung imb der Aufklärung kaum ein zweites Bestplel |ur die verzerrte Darstellung eines M>ttes seben,mtt denen die Haupfftadt der europäischen Kulttirnatwn Frankreich den deuffchen Menschen betrachtete Eines siteht fest, die französische Führung hat nicht nur eine schlacht verloren, sondern auch bas Vertrau der Bevölkerung ihrer Hauptstadt Die ele­ganten Viertel des Champs Elys6es sind l e e r g e I siegt. Alle Caf6s und sämtliche Geschäfte sind ge ^schlossen. Die Sammelpunkte der reichen Fami- lllien der französischen Haupfftadt: Versailles und-das Wesinet liegen verödet. Man begegnet nur ab nmb zu einigen scheuen Hunden Katzen, die in der Katastrophensttmmung des 12. Juni vergess nvurden, als zum ersten Male, mm auch von de ^Regierung bestätigt, der Schreckensruf ertönt . Deuffchen kommen!"

Das zweite Marnewunder ist a u 5 g e b 11 e b e n , auf bas alle Franzosen warteten wie auf em G !schenk, das der liebe Gott nach französischer Aust Ifafiung zu geben verpflichtet war, um die Grg

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