Ausgabe 
19.6.1940
 
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Friedensplanung des größten Staatsmannes aller Zeiten zu zerschlagen sich anmaßt!

So liegen die Dinge und nicht anders. Es liegt mithin auch nicht der geringste Grund zu irgend­welchen abwegigen Sentimentalitäten vor. Jahr­hundertelang ist der deutsche Hang zur Sentimenta­lität ein fester Bestandteil in den Kalkulationen un­serer Gegner gewesen bis zu dem Augenblick, in dem sie durch das Versailler Diktat Deutschlands Versklavung verewigt zu haben glaubten. In diesen 21 Jahren seit der Erzwingung der Unterschrift unter jenes Diktat sind es Frankreich und Eng­land gewesen, die uns jede Sentimentalität gründ­lich ab gewöhnt haben.

Wenn also Frankreich jetzt in einem Atem ver­sichert, es müsse die Waffen niederlegen, es lege sie aber nicht nieder, dann wird Frankreich zu der un- aeheuren Last seiner Verantwortung für die Un­friedenspolitik der letzten Jahrzehnte auch noch die Verantwortung dafür übernehmen müssen, daß es ohne Rücksicht auf sein Land und auf sein Volk einen Krieg weiter führt, den es militärisch nicht' mehr führen, wohl aber jederzeit durch Waffen­streckung beenden kann. Als Deutschland am 4. Oktober 1918 sein erstes Waffenstillstandsangebot machte, hat Frankreich fünf Tage lang über­haupt nicht geantwortet, und den Abschluß des Waffenstillstandes selbst hat es weitere fünf Wochen verschleppt, um ihn dann ohne jede Ver­handlung mit einer Frist von 72 Stunden zu dik­tieren. Wir haben vom 2. August 1914, geschweige denn vom 4. Oktober 1918 bis heute nichts ver­gessen. Wir sind durch eine zu harte Schule ge­gangen. Es ist ein gerechtes Menetekel, wenn vom Denkmal des Waffenstillstandes im Walde au Com- piögne und vom Versailler Schloß die siegreiche deutsche Kriegsflagge weht.

Es war am 11. Mai 1940, als in dem oben zi­tierten französischen ArmeeblattLa France Mili- taire" genau auseinandergesetzt wurde, wie man mit dem geschlagenen Gegner verfah­ren müsse. Wörtlich hieß es da:Die Sttafe scheint sich aus drei Stadien erstrecken zu müssen: Das erste Stadium, in dem wir augenblicklich leben, ist die Blockade. Das zweite von morgen wird die Vernichtung durch eine militärische Niederlage sein. Die dritte von übermorgen wird die Sühne umfassen." Was unter dieser Sühne zu verstehen ist, wurde gleichfalls von dem Blatt der franAösi- schen Generalität ausführlich beschrieben:Sobald die Zeit für den Frieden gekommen ist, gilt es, die Augen aufzumachen und sich nicht wieder wie 1918 prellen zu lassen. Ein Vertrag? Niemals im Leben! Man diskutiert nicht mit Gangstern, man setzt ihnen das Messer an die Kehle. Wie wird man das tun müssen? Deutschland die Zeit über, die notwendig sein wird, besetzen; aus den Reihen der Boches Mannschaften zusammenstellen, die überall an der Peripherie des Reiches mit ihren Händen die Ruinen forträumen müssen; dann das Reich a u f l ö s e n ; dann vor allem jenen über­aus schädlichen Giftpilz vernichten, der Deutschland korrumpiert und seit einem Jahrhundert alles euro­päische Unglück verursacht hat: den preußischen Geist. Nach dieser Ausmerzung und Abrechnung und nach der exemplarischen Bestrafung wird es dem zivilisierten Europa vielleicht möglich fein, Atem zu holen." Das ist der Friede, den sich das französische Militär am 11. Mai 1940 gewünscht fj-at. Man soll uns Deutschen nicht nachsagen, daß wir bereits im Juni 1940 die edlen Wünsche und Lehren des französischen Generalstabs vergessen hätten. Wer sich 21 Jahre lang und länger wissentlich und wil­lentlich dem hemmungslosen Rausch einer Haßpoli­tik hingegeben hat, der kann sich nicht, wenn ihm das Messer an der Kehle sitzt, mit einer biedermän- nischen und noch dazu unverbindlichen Geste der ganAen angehäuften Verantwortung entziehen. Wey­gand, der französische Oberkommandierende, war 1918 Fachs Generalstabschef sollte er seinen jetzi­gen Chef wirklich in der Meinung gelassen haben, daß man den Deutschen mitten in eindm französischen Haßkriege mit irgendeinem vage umschriebenen Ver- handlungsvorschlag kommen kann? Wir stehen einem Frankreich gegenüber, das uns 1918 einen ehrenvollen Frieden hohnvoll verweigert und uns 1919 nach weiteren furchtbaren Opfern unter der Hungerblockade das schimpflichste Diktat aufae- zwungen hat. Es liegt wirklich kein Anlaß zu Il­lusionen vor. Das Maß ist voll. Das großdeutsche Volk, das die heldenhaften Kämpfer unserer Wehr- macht stellt, weiß seine Angelegenheit in den denk­bar besten Händen.

Lhurchills Fußtritt.

Nur Borwürfe und Schmähungen für den Verbündeten.

B e r l i n, 18. Juni. (DNB.) Hatte Churchill in seiner gestrigen Rundfunkansprache für das ge­schlagene Frankreich noch billige Mitleidsphrasen übrig, so übergießt er heute in einer Unterhaus- rede den am Boden liegenden Bundesgenossen, der sein Blut für den britischen Egoismus vergossen hat, mit einer Flut von Schmähungen und Vorwürfen. Richt England hat an dem kolossalen militärischen Desastre" schuld, sondern die französische Führung trägt die Verantwortung dafür, daß nicht alle Engländererfolgreich weg­gebracht" werden konnten. Nicht England ist es, das seine vertraglichen Verpflichtungen nicht ein­löst, sondern Frankreich, das sich nicht blindlings bereiterklärt, für die Londoner Plutokraten restlos auszubluten. Als Quittung für seinen immerhin tapferen Einsatz erfährt Frankreich heute aus dem Munde seines Verbündeten:Die Franzosen wer­den ihre großen Gelegenheiten und ihre Zukunft aufs Spiel setzen, wie sie nicht den Krieg gemäß ihrer vertraglichen Verpflichtungen fortsetzen, von denen wir sie nicht freige­stellt haben."

Mr wissen von französischen Offizieren, welche Erbitterung über die mangelnde englische Unter­stützung in der ganzen Armee geherrscht hat. Wir wissen auch von Augenzeugen, wie es mit der Ret­tung der 100 000 (!) Franzosen, der sich Herr Chur­chill in seiner Unterhausrede rühmt, tatsächlich ausgesehen hat, daß nämlich französische Soldaten, die sich aus englische Schisse retten wollten, m i t Kolbenschlägen abgewehrt wurden. Für England ist der Poilu immer nur der Landsknecht, der gut genug ist, für die Londoner Geldsäcke zu bluten. Jetzt aber über dem zerschlagenenBundes- aenossen" die Peitsche beißender Vorwürfe zu schwingen. Das ist eine echt Churchillsche Gemein­heit. Hinter den Vorwürfen versteckt sich die pluto- kratische Gier, Frankreichs Flotte und seine Kolo­nien unter dem Schein des Rechts an sich zu reißen.

Dann macht Herr Churchill aus der Not eine Tu­gend und erklärt aufgeblasen, daß England nun allein kämpfe. Ganz sicher scheint aber derstarke Mann" an der Themse seiner Sache nicht mehr zu sein; denn bange fügt er hinzu:Ich glaube, daß nun die Schlacht in England bald begin­nen wird ..." Ja, sie wird beginnen. England wird di« Waffen Deutschlands, und Italiens zu spüren

bekommen. Don den höheren, sonnenbeschienenen Gefilden", die Churchill der Welt vvrgaukett, hat sie sattsam genug. Sie verlangt nach einem Frieden der Gerechtigkeit. Das Schwert Deutschlands und Italiens garantiert ihn.

Italienischer Wehrmachtsbericht.

Erneute italienische Luftangriffe auf Malta, Korsika und Bizerta.

Rom, 18.Juni. (DRV.) Der italienische Wehr- machtsberichl vom Dienstag hat folgenden Wortlaut:

Das Oberkommando der italienischen Wehrmacht gibt bekannt:

In der Rächt vom 16./17. Juni sind die Flotten- basis von Bizerta, die militärischen Ziele von Malta und die Flughäfen von Korsika wirk­sam mit Bomben belegt worden.

Unsere U-Boote haben feindliche Tanker, darunter einen von großer Tonnage, versenkt.

In Rordafrika werden die Operationen an der Lyrenaika-Küste fortgesetzt.

In Ostafrika sind zahlreiche Luftoperationen mit Erfolg durchgeführt worden, wobei verschiedene Flottenstützpunkte und militärische Ziele im obe­

ren Sudan mit Bomben belegt wurden. Alle unsere Flugzeuge sind zu ihren Stützpunkten zurück­gekehrt. Drei feindliche Flugzeuge sind am Boden zerstört und ein Jagdflugzeug ist im Luftkampf ab­geschossen worden.

Einige Einflüge der feindlichen Luftwaffe blieben ohne nennenswerten Erfolg. Ein Flugzeug wurde von der Ftak abgeschossen. Der Feind hat in der Rächt zu gestern die Luftangriffe erneuert, wobei nichtmilitärische Ziele getroffen wurden. In Mai­land wurden Häuser und ein Schwesternhospiz be­schädigt. Zwei Tote und einige Verwundete bei der Zivilbevölkerung. In Ligurien hat eine Jtak- batlerie vier feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Italienisches Dementi.

Rom, 18. Juni. (Europapreß.) Im zuständigen Ministerium wurde am Dienstag erklärt, daß die von England verbreitete Rachricht von der Gefangen­nahme von 6 0 0 italienischen Soldaten an der ägyptisch-libyschen Grenze glatt erfun­den worden sei. Das gleiche gelte für die englische Meldung von einem erfolgreich ausgeführten Bom­bardement.

Rastlose Verfolgung im Rücken der Maginot-Linie.

Von Verdun südwärts den zurückweichenden Franzosen auf -en Fersen.

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Am Rande der deutschen Vormarfchstraßen nach Süden,

über die wenige Stunden vorher oft noch der stiebende Feind auf seinem heillosen Rückzug dahinflutete, begegnen unsere Truppen zahlosem vernichteten Kriegsgerät der Franzosen. Dieses Feld war völlig mtt Trümmern von Lastkraftwagen bedeckt. (PK.-Borchert-Scherk-M.)

... 19.Juni. (PK.) In den Wäldern tacken ver­einzelt noch Maschinengewehre. Die Infanterie säubert und kämmt die Wälder durch. Der Gegner im Süden von Verdun, seit einigen Tagen im Zurückgehen, versucht mit einzelnen Teilen, sich im­mer noch stellenweise zur Wehr zu setzen. Aber es gelingt ihm nicht mehr. Die Vorausabteilungen, die motorisierten Truppen der Division, stoßen vor, und in ihrem Schutz stößt die rasch nachfolgende Infanterie vor. So geschieht es, daß Divisions- gefechtsstände zwei Kilometer südlich eines Wald­stückes liegen, in dem noch eifrig geschossen wird. Aber immer wieder ergeben s i ch die Franzosen; einzelne Divisionen machen auf diese Weise bis zu 1000 Gefangene täg­lich, die immer gruppenweise von den Kompanie* Radfahrschwadronen, von den Reitern der Auf­klärungsabteilungen und den Panzerjägern zu den Gefechtsständen geführt werden.

Kaum wird noch mit Artillerie geschossen. Im Krad rasseln die Abteilungen nach vorn, gehen in Stellung, schießen ein paar Schuß, und schon kom­men von vorn die Meldungen: Feind setzt sich a b ! In den Wäldern kommt es ja manchmal wie­der zu heftigen Kämpfen. CH assen rs d'Afriaue, teilweise gute und vorzügliche Soldaten, kämpfen bis zur letzten Patrone und ergeben sich dann. Es ist das, was sich der geschlagene Feind noch leisten kann: Hinhaltender Widerstand, Flucht in eine wegelose Zukunft. Denn inzwischen wird der Fluchtweg ab geschnitten, weil die motorisierten Panzerkräfte, weit nach Süden aus­holend, die Sperre legen. Die große Straße süd­lich Verdun ist nicht gesprengt ober aufgerissen. Der Gegner hatte hierzu keine Zeit, und die große Voie Sacröe, die Heilige Straße von Tar- le°Duc nach Verdun, die einzige Verbin- dungsstraße, die Frankreich im Weltkriege noch nach Verdun hatte, auf ihr marschieren nun die deut­schen Infanteristen schnell nach Süden. Breitbahnig gewährt sie drei, stellenweise vier nebeneinander hermarschierenden Kolonnen Platz. Auf ihr ent­scheidet sich das Schicksal der eingeschlossenen fran­zösischen Truppen. In der schwülen Junihitze, die lastend auf den Infanteristen liegt, gelingt es im­mer wieder, den Gegner einzuholen, mag er sich in den Wäldern noch so gut bereitstellen.

Die Dörfer längs der Straße sind kaum zerschossen. Stellenweise brennen die Scheunen noch. Kaum aber sieht man hier Franzosen. Er hat versucht, sich zu retten und scheint das Kämpfen allein den geringen

Kräften zu überlassen, die er in die Wälder steckt. Ein Geschütz dann und wann ober ein ausgefallener Kraftwagen. Die Häuser jeboch in den Ortschaften sind re st los verwüstet. Schamlos haben die französischen Soldaten in den Häusern ihrerConci- toyens" gehaust. Verschmutzt die Häuser, Tische und Betten. Das Vieh häufig erstochen und erschossen. Der Franzose muß Jagdkommandos ausgesandt haben, deren Aufgabe allein war, das Vieh zu töten.

In großer Hast zieht er sich zurück. Mit der gleichen Schnelligkeit, jedoch in überlegener Ruhe folgen die deutschen Soldaten. Die Kommandeure der Divisionen, der Kommanbierende General bes chier kämpfenben Armeekorps führen ihre Truppen aus ber oorberen Linie heraus, und es gelingt, den Gegner vorsich herzutreiben.

Verfolgung im Süden von Verdun, vielleicht die erstaunlichste Folge dieser Kriegführung in dem Ab­schnitt im Rücken der Maginot-Linie. Mit großer Freude, im glücklichen Erkennen der welt­geschichtlichen Bedeutung dieses Marsches nach Sü­den, rücken die Infanteristen immer weiter vor. Es fehlen die Worte zur Kennzeichnung des Geistes dieser Männer, deren Füße vom vielen Marschieren brennen, deren Haut von der Sonne und dem beißenden Staub alüht, die kurze Zeit zum Essen haben, die kaum schlafen können, und die immer roieber und wieder weitermarschieren. Das gleiche gilt für die Reiter, die tagelang kaum aus dem Sat­tel kommen und den tapferen Pferden, die bei den Schwadronen und bei der Artillerie, bei den Nach­schubkolonnen Tag um Tag ben langen Weg entlang marschieren und oftmals viele Kilometer traben müssen.

Es ist ein unerhörtes Anspannen aller Kräfte, seien es Nachrichtenmänner,oder Infanteristen, Pio­niere oder die Fahrer der'Lastwagen, die Benzin, Verpflegung, Munition karren müssen. Ein Gefühl bes Stolzes erfüllt alle, die durch die Höhen westlich ber Maas nach Süden marschieren, bergauf, bergab, zwischendurch kämpfend und bei dem Rasten er­schöpft am Wegrand liegen und sofort schlafen. Es sind aber zugleich die Tage, in denen hier im Raume von Verdun und nun schon südlich dieser blutigen Stabt sich erneut die große Aufgabe der Infanterie- Division erweist, ohne Panzer und ohne Stukas Forts und Festung genommen zu haben, um sich nun den letzten Sieg zu erkämpfen.

Joachim Fischer.

Lieber Rhein und Z11 ins Elsaß hinein.

Wie sah es in den Bunkern der Maginot-Linie aus?

...., 18. Juni. (P. K.) Gegenüber der Ruine Limburg, unweit des oberrheinischen Ortes Sasbach, lag bis zum 15. Juni der Abschnitt Limburg - Süb ber französischen Maginot - Linie. Heute, kaum 48 Stunben später nach bem tollküh­nen Uebergang unserer Pioniere mit Sturmbooten über ben Rhein, liegt bereits wohloerankert in ben reißenden Fluten des von starken Regenfällen an- geschwollenen Stromes eine für schwerste Lasten gebaute Pontonbrücke, über bie lückenlos bie Truppen aller Waffengattungen bes Heeres sich ins Elsaß ergießen.

Im stürmischen Vorwärtsdringen ist bereits am

ersten Tag der Rhein-Rhone-Kanal über­schritten und nach hartem Kampf tagsbarauf bas leicht zu oerteibigenbe schwierige Sump f- gelänbe ber Ill erreicht worben. Auch hier würbe ber sich teilweise hartnäckig wehrenbe Feinb bald geworfen, und am Nachmittag bes 17. Juni hat bie Spitze schon Colmar, die alte deutsche Stadt, erreicht. Ein Wunberwerk an fein eingespiel­ter Organisation lieh bie über bas Babener Lanb verteilten Einheiten die Bergstraße bes Schwarz- walbes hernieberrollen in bie Rheinebene, um sich bort zum Angriff bereitzustellen. Der lieber* gang über ben Rhein mit Sturmbooten im Ange-

Flaggenhiffung auf der deutschen Botschaft in Parisi

Nach dem Einmarsch unserer Truppen in Pari, erfolgte am Gebäude der deutschen Botschaft bie feierliche Hissung der Hakenkreuzfahne.

(PK.-Hellental-Atlantic-M.)

sicht der mächttgen Befestigungen und Bunker des Feindes war ein tollkühnes Husarenstück unserer Pioniere und der sie unterstützenben leichten und schweren Waffen.

Während am 17. Juni die Brücken über die Jll geschlagen werben, und dadurch der Vormarsch um wenige Stunben aufgehalten wirb, unternehmen wir einen Gang durch bie Bunkerlinie gegenüber ber Ruine Limburg. Ein französisches Schild mit der AufschriftLimburg-Süd" liegt Aer« drochen im Drahtverhau. Schon stehen an ben An­fahrtstraßen die neuen deutschen Schilder, die ben Kolonnen ben Weg weisen. Wir entbecfen zwischen den deutschen Fahrzeugen einige nagelneue fran­zösische Lastkraftwagen, voll bepackt mit Truppen­material aller Art und der Fahrer des Wagens versichert uns mit einem Hinweis auf ben Kilo­meterzähler stolz, baß bieses Fahrzeug unter feiner Lenkung schon mehr Kilometer zurückgelegt hat als unter ber seines französischen Vorgängers.

Zwischen den doppelten Drahtverhauen führt ein schmaler Weg abwärts zu einem riesigen Be­tonwerk, aus dessen Schießscharten noch Rauch- aus der Tiefe quillt, während bereits auf dem obe­ren Sockel ein Flakgeschütz zum Schutz des Nach­schubes in Stellung gegangen ist. Der Zustand bes Bunkers verkündet das Heldentum jenes Stoßtrupp-, der ihn gestürmt hat. Die meterdicke Stirnwand ist im direkten Schuß in etwa 2 Meter Breite völlig zertrümmert worden. Treppe liegt neben Treppe, und die dicken Eisenstäbe ragen verbogen wie schwa­cher Draht aus den Durchbrüchen. Die 3 cm starke, von innen festverschraubte Eisentür wurde durchs eine ungeheure Sprengladung in Fetzen zer- rissen, und im Innern bietet sich uns ein chaoti­sches Bild. Telephonleitungen hängen wirr burck- einander, die Rohre der Lüftungsanlage find burch- löchert und durch den Luftdruck von den Wänden, gerissen, denn in einem Raum nebenan ist ein Mu­nitionslager in die Luft gegangen. Durch die ge­borstene Decke tropft Regenwasser ins Innere. Es ist so heiß, daß wir zuerst erschrocken die Hand zu- rückziehen. 30 Stunben dauerte es, bis der Bun­ker ausgebrannt war, und bis heute ist der glühend­heiß gewordene Beton noch nicht wieder ausgekühlt.

Neben dem eigentlichen Kampfbunker, in dessen. Räumen die geborstenen Waffen unter Trümmern: begraben liegen, kommen wir durch einen Laufganx in die unterirdischenW o h n r ä u m e", die unver­sehrt geblieben sind. Wir finden aneinander an­schließend zwei Küchen mit Einrichtung und reichem Vorräten. Für bie Bunkerbesatzung gab es keim Feldküchenessen. Man empfing die Lebens­mittel in Natura. In den Nischen stehen zwei große Herde mit je zwei Kochöffnungen. Wir finden Weiß" brot, Konserven, Wein, rohes Fleisch, Würste und Kannen voll Milch, die inzwischen sauer geworden: ist. Alles liegt unordentlich durcheinander, doch ist: der Schmutz nicht etwa eine Folge der furchtbaren. Beschießung. Auf einem langen Tisch stehen noch- die Reste des Frühstücks vom 15.Juni. Die Teilnehmer an diesem Mahl ahnten nicht, daß kurz, darauf der deutsche Angriff beginnen würde, dem in diesem Abschnitt die gesamte Bunkerlinie inner*1 halb zwei Stunden zum Opfer fiel.

Wir sprechen einen Pionierseldwebel, der am jenem Morgen einen nach kurzer intensiver Artille­rievorbereitung in Sturmbooten übersetzenden Stoß­trupp angeführt hat. Sein Trupp allein hat diec Bunker mit Handgranaten und Sprenglabunaem unschäblich gemacht, einen mehr, als im Angriffs­befehl vorgesehen war, und einen großen Teil ber Besatzung gefangen genommen. Aus ihren Bunkerm finb freilich wenige nach hinten entkommen. Etwas abseits hat man bie Toten für bie Bestattung bereit­gelegt unb mit Zeltbahnen zugebeckt. Sie tragen wie bie Englänber khakibraune Uniformen. An einem langen Draht von Baum zu Baum hängt hinter bem Bunker, ein wenig vorn Beschuß burchlöchert, bie letzte Wäsche, Hemben und Unterhosen in bunter Reihenfolge. Das hochmütigeChanson" der Tom- mies, daß sie diese Wäsche bald in ber Siegfried- stellung aufhängen würben zu höheren Geistes­taten konnte sich bie Kriegspoesie ber Englänber im ihrer Verblenbung nicht aufraffen, hat sich ben ihren gefeierten französischen Bunbesgenossen ins Gegenteil verkehrt.

Als der Abend an diesem regenschweren Sunitag vorzeitig hereinbricht, finb bie Brücken über bie Ill fertiggestellt, und wieder folgt bie Oberrheinarmee bem mürbe geworbenen Gegner im nun immer zügigerem Vormarsch, lieber aufgeweichte Feldwege unb burch tiefe Regenlöcher strebt die In­fanterie den Vogesen zu, deren nahe Berge heute von tiefen Wolken verhangen sind. Der strö­mende Regen rinnt vom Stahlhelm über bie um- gehängte Zeltplane, aber fein Unwetter, keine" bigkeit unb keine Strapaze vermag den unwibelsteh- lichen Drang nach vorn ausAuhaltei^ Peti£