(Nachdruck verboten!)
12. Fortsetzung.
geweht, um der blinden Spur des Glücks zu folgen und sich das Haus anzusehen, in das es hineintappte, und den Menschen kennenzulernen, über dem es sein Füllhorn ausschüjßete.
Renate Naumann, Kunstgewerblerin ... Was, zum Teufel, war das nun wieder? Er verband keine rechte Vorstellung mit dieser Berufsbezeichnung. „Gewerblerin" klang solid, bürgerlich, handwerksmäßig; aber in Verbindung mit der Kunst lockerte sich das Wort geheimnisvoll auf. Und zum erstenmal in diesen letzten Tagen zerriß der Nebel, in dem er bisher blindlings dem Klang einer Glocke, einer goldenen Glocke allerdings, nachgeirrt war: dem Geläute der Million und — er sah sich aufmerksam im Rückspiegel an und lächelte sich zu — seiner Aussicht, eine Frau zu erobern ...
Der Wagen bog nach rechts ein. Zwischen Villen und hinter gepflegten Vorgärten tauchten für einen Augenblick die grünen Laubwände des Englischen Gartens auf, ein Hügel und darauf ein Tempel, dessen patinierte Kuppel herüberblinkte, bis eine neue Schwenkung der Droschke den Anblick entführte. Der Fahrer blickte suchend nach den Nummernschildern der Gebäude aus und hielt vor einem Hause, dessen Front aufgefrischt wurde und mit Leitergerüsten umkleidet war. ...
Parker entlohnte den Fahrer reichlich — vielleicht mit einem kleinen Aberglauben im Hintergrund, daß der ins Unbekannte geworfene Pfennig auf der Habenseite seines Schicksalbuchs mit Zinsen vermerkt würde.
Er nahm die Treppen im Sprung und stand bald, nicht schwerer atmend, als wenn er sie mit etwas weniger Schwung erstiegen hätte, vor einer Tür im vierten Stock, wo, unter einem blankgeputzten Messingschild „Xaver Holzschuh, Posamentier", Renate Naumanns schmales Kärtchen mit einem Reißstift befestigt war.
Er entdeckte in dem spiegelnden Messingschild, daß seine Krawatte verschoben war, zog sie fest und prüfte, bevor er* läutete, noch einmal rasch Rasur und Scheitel.
Eine Frau, deren üppige Fülle ein wenig erschreckend war, öffnete ihm und fragte mißtrauisch nach seinen Wünschen.
„Ich möchte Fräulein Naumann sprechen! Ist sie zu Hause?"
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Parker hielt den Drücker sekundenlang in der Hand. Er lauschte und preßte die Lippen zusammen. Es war, als fürchte er, mit dem Schritt über diese Schwelle ins Bodenlose zu treten... Er warf mit einer ärgerlichen Bewegung den Kopf zurück und stieß die Tür auf.
Bei seinem Gruß erhob sich einer der Beamten vom Schreibtisch und öffnete den gläsernen Schalter- verschlag.
„Ich bin auf der Durchreise und habe eine Empfehlung an ein Fräulein Renate Naumann, ohne die Adresse der jungen Dame zu besitzen. Würden Sie so freundlich sein, mir die Anschrift zu geben?"
„Renate Naumann?" wiederholte der Beamte.
„Ganz recht."
„Einen Augenblick, bitte! Das werden wir sofort haben... Nehmen Sie inzwischen Platz!" Er deutete in eine Ecke des Schalterraums, wo zwei gelbe Stühle unter einem Schild standen, das die dringende Aufforderung enthielt, nicht auf den Boden zu spucken.
Der riesige Büroraum war durch ein gutes Dutzend deckenhoher, langer und doppelseitiger Kartothekschränke in ebenso viele Abschnitte aufgeteilt, in die man wie in lange Bühnengänge hineinsah. Parker verfolgte den Weg des Beamten, der mit nachtwandlerischer Sicherheit zwischen die Schränke trat und, fast ohne aufzuschauen, ein in Kopfhöhe liegendes Fach herauszog, um es auf dem Schaltertisch abzusetzen.
Sein Zeigefinger glitt leicht über die grauen Kartenränder hin, bremste ab und stach zwischen die Blätter hinein. „Naumaier, Naumaier, Naumaier, Naumaier ... Naumann! Agnes — Anton —", seine Stimme verlor sich in einem undeutlichen Gemurmel, „Naumann, Renate!" Er zog die Karte aus dem Kasten heraus. „Kunstgewerblerin, Doro- theenstraße 16, Atelier ... Wollen Sie sich’s aufschreiben?" Er reichte dem Besucher einen Bleistift und den Werbeblock einer Münchner Zeitung hin.
„Dorotheenstraße 16, Atelier!" wiederholte er diktierend. . .
Parker riß das Blatt ab und schob es m den Handschuh. „Vielen Dank!" Er lüftete höflich den Hut. _
„Die Dorotheenstraße liegt übrigens draußen tn Schwabing, jenseits des Siegestors", fügte der Beamte höflich hinzu. „Wenn Sie hier fremd sind, nehmen Sie am besten eine Droschke!"
„Danke schön!" Parker drehte sich um und verließ das Büro.
„Engländer", sagte der Beamte zu seinem Berufskameraden. „Scheint ziemlich lirum-larum zu haben ..." Er rieb Daumen und Zeigefinger gegeneinander und blies mit einem leisen Seufzer den Staub von seinen Karten ab.
„Dafür san mir halt in sicherer Position!" bemerkte sein Mitarbeiter auf gut münchnerisch und brach eine Zigarette aus Sparsamkeitsrücksichten in zwei Teile.
... Parker nahm, wie ihm geraten war, am nächsten Standplatz eine Droschke. Das Verdeck war zurückgeschlagen. Er legte den Hut neben sich aufs Polster und atmete gegen den erfrischenden Fahrwind.
Mit diesem Besuch Münchens erfüllte sich ein alter Wunsch von ihm. Die glückliche Verbindung geistiger und leiblicher Genüsse in der bayerischen Hauptstadt hatte ihn schon lange angezogen. Indessen schenkte er, während der Wagen in die Canalettofarben der Ludwigstraße glitt, weder der klassischen Front zur Linken noch den neuen breiten Durchbrüchen zum Englischen Garten hin allzuviel Aufmerksamkeit.
Leicht vornübergebeugt, blickte er über die Schulter des Fahrers hinweg auf den Geschwindigkeitsmesser, dessen Zeiger über der Vierzig zitterte, und beobachtete ungeduldig das knackende Vorrücken der Droschkenuhr. Das Bummeltempo machte ihn unbegreiflicherweise nervös. Wenn ein Wagen an ihm vorüberflitzte, biß er sich auf die Lippen. Es war, als fürchte er, jemand könne ihm zuvorkommen, ihn überholen, schneller sein als er.
Worin eigentlich, wußte er selbst nicht genau, lieber seine Pläne war er sich auf dem Londoner Charing-Croß-Bahnhof im Grunde ebenso unklar gewesen wie hier, am Ziel. Er hatte das Gefühl, einem Phantom nachzujagen. Manchmal war es ihm, als hätte ihn nur die Neugier über den Kanal
Er wurde einer kurzen Musterung unterzogen, die aber zufriedenstellend auszufallen schien. ,Lch glaub’ schon. Warten Sie mal ’nen Moment!"
Parker blieb auf der Schwelle stehen. Er sah in einen geräumigen, aber vielfach verwinkelten Fluc hinein/ an dessen Wänden ein Schrank und zwei hölzerne bunte Truhen standen.
Die üppige Dame steuerte quer durch den Bor- raum hindurch und klopfte an einer Tür an, die dem Wohnungseingang schräg gegenüberlag. Weiter hinten, in halber Dunkelheit, schlossen sich noch drei weitere Türen an, von denen eine halb geöffnete den Ausschnitt einer peinlich sauberen Küche sehen ließ.
„Hallo, Fräulein Naumann!" rief die Wirtin halblaut in einer Art von Telephonierunterhaltung gegen die Tür. „Ein Herr ist draußen, der Sie sprechen will ..." Sie drehte sich halb nach Parker zurück und nickte ihm zu.
Parker trat ein und schloß die Wohnungstür hinter sich. Er hörte, während er nach einem Haken für seinen Hut suchte, in dem Zimmer ein eiliges Rücken von Stühlen und ein hastiges „Einen Augenblick, bitte!", das aber wohl mehr der Wirtin galt und die Aufforderung enthielt, den Gast noch ein paar Sekunden lang aufzuhalten. Aber da in der Küche etwas zischte, enteilte die Wirtin mit einer rasch hingemurmelten Bitte, sich noch zu gedulden und allein zu warten, zu dem übersprudelnden Kaffeewasser.
Dann flog die Tür auf — mit einer seltsam erwartungsvollen Eile, die Parker wie einen leisen Stich empfand, als gelte sie einer rasch aufgezuckten Hoffnung, die er enttäuschen würde.
Beide waren sie für den Bruchteil einer Sekunde! geblendet: Parker von der jäh hereinströmenden Lichtfülle und Renate Naumann von dem raschelt Wechsel aus der Helligkeit ihres Ateliers in das Halbdunkel des Flurs. Er sah noch nicht mehr als die Umrisse ihrer Gestalt, während sie ihr Auge schon an das Dämmerlicht gewöhnt hatte, denn in dem plötzlichen Stocken ihrer Begegnung, an dem raschen Fall ihrer Arme erkannte er, daß sie in ihm den Fremden wahrgenommen — und einen anderen erwartet hatte. '
„Mein Name ist Parker", sagte er und verbeugte sich, „Allan Parker ..." Er trat einen kleinen Schritt näher. (Fortsetzung folgt.)
STATT KARTEN.
Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme sowie für die vielen Kranzspenden und die trostreichen Worte beim Heimgang unserer lieben, unvergeßlichen Mutter und Tochter
Frau Frieda Emde, geb. Haupt
sprechen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frieda und Hedwig Emde Karl Haupt
Gießen (Am Sandfeld 25), im März 1940. isssD
Gewilmauszug
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