Spähtrupp im Niemandsland.
Mobilmachung die Techniker und Unternehmer nicht herangezogen." Das Blatt meint, daß diese ganze Situation eine große Enttäuschung sei.
Herr Halifax irrt.
Die Tschechen haben genug von westlichen Versprechungen.
Prag, 18. März. (DNB.) Angesichts des finnisch-russischen Friedensvertrages wird es kein neutrales Volk mehr geben, das nicht bei ./Sicherheitsangeboten" der Westmächte von Angst und Panik befallen werden würde. Aus dieser Erkenntnis heraus muß auch das Angebot des Herrn Halifax erstaunen, der sich am Jahrestag der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren wieder dem tschechischen Volk die „Selbständig- keit" garantieren will, demselben Volk, das die Westmächte vor gar nicht so langer Zeit im Stich gelassen haben. Es zeugt von einer grenzenlosen Unkenntnis der Lage im böhmischen Raum, wenn das Foreign Office noch heute solche Mittel zur Propaganda seiner Interessen verwenden möchte. Die Betroffenen scheinen allerdings dafür wenig Verständnis zu zeigen. So sagt das Prager „Ceske Slowo": ,Lord Halifax irrt, wie alle jene westlichen Staatsmänner geirrt haben, die glaubten, sich um unser Volk um jeden Preis kümmern zu müssen. Gott bewahre die Tschechen davor! Mr haben unsere Erfahrungen gemacht und wissen, daß wir uns allein um uns kümmern müssen. Auf die Versprechungen des Westens wollen wir lieber verzichten." Die „Lidove Li st y" schreiben: „Unsere Antwort auf die Erklärungen des Herrn Halifax ist kurz und bündig., Der Verrat der Westmächte vom Jahre 1938 an uns kann nie vergessen werden, und diese Erfahrung gilt für alle Zeiten. Eine ähnliche Erfahrung machten nach uns die Polen und die Finnen; wir haben genug davo n."
Ein Pamphlet.
In der französischen Provinzstadt Angers sitzt ein Häuflein ehemaliger polnischer Machthaber, das sich als polnische Regierung" bezeichnen läßt. Zu „regieren'7 hat aber diese Clique nichts mehr. Die Leute in Angers haben auch sonst in keiner Weise den Beweis geliefert, daß sie für ihr Volk etwas geleistet hätten. Als sie Polen als Deserteure verließen, war das Land unter ihrer Unfähigkeit militärisch zusammengebrochen und wirtschaftlich und kulturell in einem trostlosen Zustande. Mit welchem Recht sich diese Bankerotteure als „Regierung" bezeichnen lassen, ist schleierhaft.
Um ein Zeichen ihres Daseins zu liefern, haben die polnischen Emigranten in Angers ein Pamphlet zusammengestellt, das sie der Weltöffentlichkeit als „Weißbuch" empfehlen möchten. Sein Inhalt ist genau so verlogen wie die ganze polnische Politik gewesen ist. Diese Leute haben mitgeholfen oder waren maßgebend beteiligt, als 1,5 Millionen Deutscher aus dem Osten vertrieben und ihres Eigentums beraubt wurden. Sie haben der Ermordung von 58 000 Volksdeutschen in den Septembertagen zugesehen und Vorschub geleistet. Die Vernichtung von über einer Million Ukrainer geht ebenfalls auf ihr Sündenkonto. Es ist nach alledem unglaublich, daß eine solche Clique von Hasar- teuren es überhaupt wagen darf, vor die Oefsent- lichkeit zu treten. Der Inhalt ihres Pamphlets ist denn auch jämmerlich genug. Neu ist vielleicht die Erfindung, daß Deutschland durch das Abkommen von 1934 eine Grenzgarantie für Polen übernommen habe. Daß auch diese Behauptung Unsinn ist, geht ja schon allein aus dem Wortlaut der Verträge hervor.
Im übrigen bemüht sich das polnische Pamphlet, die englische Regierung zu unterstützen, indem es erklärt, Polen habe seine halsbrecherische Politik gegen Deutschland aus eigenem Entschluß getrieben. Diese Behauptung steht mit den Tatsachen und den geschichtlichen Daten in schreiendem Widerspruch. Aber sie zeigt, in wessen Auftrag die Emigranten von Angers tätig sind.
Oer Wehrmachisbericht.
Berlin, 18. Därz. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „hart ostwärts der Mosel und im Grenzgebiet südlich Zweibrücken wurden feindliche Spähtrupps unter Verlusten für den Gegner abgewiesen und dabei mehrere Gefangene gemacht. Die beiderseitige Artlllerietätigkeit war etwas lebhafter als an den Vorlagen. Die Luftwaffe setzte die Aufklärung gegen Frankreich und Großbritannien fort. An der schottischen Ostküste wurden feindliche bewaffnete Handelsschiffe und vorposlenboole angegriffen. Ein Vorpostenboot wurde versenkt."
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P. K. Eine unübersichtliche Gegend ist es hier südwestlich von Zweibrücken. Wenig Dörfer, weite Wälder, tief eingeschnitiene Mulden und Steilhänae. Der Spähtrupp tastet sich ins Niemandsland hinaus. Starkes Unterholz läßt den Trupp nur langsam vorwärtskommen. Eine Gewchrfalve fnotiert, Maschi nengewehraarben fegen in die Rechen des Spähtrupps. In der Nacht hat sich der Gegner hier auf die Lauer gelegt, um im Morgengrauen den deutschen Spähtrupp beim Vorgehen abzufangen.
Rumäniens Neutralität.
Bukarest, 19. März. (Europapreß.) Der rumänische Außenminister Gafencu sprach im Senat über die Grundlinien der rumänischen Politik. Rumänien sei entschlossen, in der striktesten Neutralität zu bleiben und gute Beziehungen zu allen Staaten zu entwickeln. Auch auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Auslande habe sich Rumänien bemüht, seine Neu- tralität und seine vollständige Unabhängigkeit an den Tag zu legen. Die Wirtschaftspolitik Rumäniens fei von der Sorge beherrscht, die notwendigen Heeresausrüstungen zu beschaffen und die Versorgung der nationalen Wirtschaft mit Rohstoffen sicherzustellen. Rumänien sei überzeugt, daß es durch loyale Unparteilichkeit seine eigene Stellung verstärkt und dem allgemeinen Interesse gedient habe.
Oie bulgarische Außenpolitik.
Sofia,19. März. (DNB.) Die Blätter veröffent- tichen Erklärungen des bulgarischen Ministerpräsidenten F i l o f f über die Außenpolitik Bulgariens. Bulgarien habe nicht die Absicht, die Schwierigkeiten eines Nachbarstaates zur Entscheidung bulgarischer Ansprüche auszunutzen, weil es allem eine friedliche Lösung seiner revisionistischen Forderungen ersehne. Bei der heutigen Lage sei der Friede das Kostbarste, und dieser könne allein durch die Politik der Freundschaft gegenüber allen Staaten und durch die Unterstützung der Neutralität erreicht werden. Bulgarien sei neutral und wünsche es auch zu bleiben. Es sei deshalb auch entschlossen, keinerlei neue Verpflichtung gen oder Bindungen einzugehen. Bulgariens Beziehungen zu den Dalkanländern hätten eine bedeutende Besserung erfahren. Flloff erwähnte den Pakt mit Jugoslawien, die Verständigung mit der Türkei und fügte hinzu, daß sich auch die Beziehungen zu Rumänien sehr gebessert hätten. Augenblicklich sei Bulgarien bemüht, das Verhältnis zu Griechenland zu besierru Die Beziehungen zur Sowjetunion würden durch die wirt- schasttichen Beziehungen charakterisiert. Die Be- ziehungen zu Deutschland und Italien seien die besten. Mit Deutschland verbinde es seit jeher weitverzweigte Handelsbeziehungen, die sich auch jetzt entwickelten. Bulgarien tue alles, um sich vom Kriege fernzuhalten. Es sei aber genügend vorbereitet, seine Unabhängigkeit und Freiheit gegen jeden Angriff zu verteidigen.
Dom Feind selbst ist nichts zu sehen. Also auf die Mündungsfeuer gezielt. Höchstens 25 Meter beträgt der Abstand.
Der Leutnant richtet sich für einen Augenblick auf, zieht eine Handgranate ab und schleudert sie ins Dickicht. Darauf hat der Trupp nur gewartet. „Sprungauf! Marsch, marsch!" Vergebens versucht sich der Gegner festzubeißen, er muß weichen. Schritt für Schritt zieht er sich kämpfend zurück. Mit einem Male ist ter Wald zu Ende. Der Feind muß a u die offene Lichtung hinaus. Darauf haben unsere Männer gewartet. Schon hämmern unsere MG.s. Rechts, abseits gestaffelt, hat ein Schütze das MG. über das Knie gelegt und feuert wild in die 60 und mehr Franzosen. Noch einmal versucht der Gegner, den Rückzug zum Stehen zu bringen. Ein feindliches MG. soll in Stellung gebracht werten, aber schon knallt ein bayerischer Unteroffizier mit ter Maschinenpistole den Mann am MG. ab.
Die Schießerei hat deutsche Kameraden herbeige- holt. Ein anderer Spähtrupp, ter auch im Niemandsland unterwegs war, hat den flüchtenden Feind umgangen und packt ihn von ter linken Flanke. Fünf Tote fallen in unsere Hand, sechs Verwundete und zwei Unverletzte müssen den Weg in die Gefangenschaft antreten. Ausgesuchte Männer der Kolonialinfanterie, die zu diesem Unternehmen zusammengezogen waren. Kurt Mittelmann.
Dänische Abfuhr für Churchill.
Kopenhagen, 18.März. (Europapreß.) Der Chef des dänischen Sicherheitswesens, S t r o e b e ch, hat dem Ersten Lord der britischen Admiralität, Winston Churchill, eine entschiedene Abfuhr erteilt auf die Versuche, Angehörige neutraler Staaten in das gegen Deutschland gerichtete englische Spionagegesetz einzubauen. Churchill hatte bekanntgeben lassen, daß jede Mitteilung über Bewegungen deutscher Kriegs- schiffe, ganz gleich von welchen zivilen Stellen sie käme, mit tausend Pfund Sterling bezahlt werde, falls sie dazu angetan sei, den Erfolg einer Seekriegshandlung zu garantieren. Stroebach gab zu verstehen, daß jeder Däne, der der englischen Aufforderung entspreche, wegen Spionage für eine fremde Macht verurteilt werde. Laut Gesetz dürften in Dänemark die Bewegungen fremder Schiffe nicht bekanntgegeben werden, weder für Dänemark selbst, noch für das Ausland. Wer das dennoch tue, werde zur Verantwortung gezogen, und jede englische Belohnung webte sofort beschlagnahmt werden.
Kleine politische Nachrichten.
Der deutsche Botschafter in Moskau Graf von der Schulenburg veranstaltete einen Empfang zu Ehren des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare und Außenministers Molotow. An dem Empfang nahmen ferner teil beiden stellvertretenden Außenkommissare D e k n n v s o w und Losowski.
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Der ungarische Ministerpräsident Graf le» leki begibt sich für die Osterfeiertage mit seiner Frau nach T r i e st, um dort Verwandte zu besuchen. Der Ministerpräsident wird während der Osterfeiertage auch mit Mussolini Zusammentreffen.
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Die finnischen Minister Passtkivi, Volon« m a a und Hakkarainen sind mit dem Flugzeug in Stockhol m eingetroffen. Der Weiterflug n a ch M o s k a u, wo die Ratifikationsurkunden zum Friedensvertrag ausgetaucht werden und Vorbesprechungen über den Beginn von Handelsvertragsverhandlungen stattfinden sollen, erfolgt am Dienstag.
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In Kapstadt ist der Oberkommandierende der englischen Streitkräfte im Nahen Osten, General W a v e l l, zu einer Aussprache mit den Militär
behörden der Südafrikanischen Union eingetroffen. Er wird auf der Rückreise Bulawayo in Süd« rhodesien und Kairo berühren.
Im Anschluß an die Leistungskämpfe der deutschen Studentenschaft, die seit Jahren im Rahmen des Reichsberufswettkampfes aller schaffenden Deutschen durchgesührt wurden, hat der Reichsstudentenführer den Studenten - Wissenschafts, e i n s a tz gegen die Feindstaaten zum studentischen Kriegsleistungskampf erklärt.
Das Orchester der Frankfurter Oper gab unter Leitung seines Dirigenten Konwitschny in der bulgarischen Hauptstadt ein großes Symphonie- Konzert zugunsten der bulgarischen Armen. Das Konzert brachte dem Orchester vor vollem Hause einen großen Erfolg.
Aus aller Welt.
Zwei Volksschädlinge hingerichlel.
Am 16. März ist der 1890 in Willkassen, Kreis Lätzen, geborene Heinrich Michalowski hinge- richtet worden, den das Sondergericht Königsberg als Volksschädling zum Tode verurteilt hatte. Micha- lowski, ein asozialer Mensch, der schon 26 mal oorbeftraft ist, mißbrauchte die Hilfsbereitschaft der Ehefrau eines zum Heeresdienst Eingezogenen zu schweren Betrügereien, gab sich dabei als Hilfs- bedürftiger Polenflüchtling aus und erweckte bewußt den Anschein, als ob die Flüchtlinge keine staatliche Unterstützung erhielten, sondern aufs Betteln ange- wiesen seien. Ferner ist der am 24. November 1895 in Grünfließ (Kreis Neidenburg) geborene Gustaf Pörschke hingerichtet worden, den das Sondergericht Königsberg als Volksschädling und Gewaltverbrecher zum Tode verurteilt hat. Pörschke, ein schwervorbestrafterGewohnheitsver. brecher, der im Oktober 1939 aus der Strafhaft entwichen war, verübte dann unter Ausnutzung der Kriegsverhältnisse 32 Einbrüche. Bei einer ihm drohenden Festnahme schoß er auf seine Verfolger.
Dieder Kölle in Schweden.
Die plötzliche Kälte, von ter Schweden wieder heimgesucht wird, hat erneut zur Einstellung des Schiffsverkehrs zwischen Schweden und Dänemark geführt. Weder zwischen Malmö und Kopenhagen noch zwischen Helsingför und Helsingborg konnten die Fährdampfer wegen der starken Eisbildung aus- laufen. In der Nähe von Stockholm wurden in der Nacht zum Montag wieder minus 25 Grog gemessen. Auf offener See geht der Schiffsverkehr nur mit dem Einsatz von Eisbrechern vor fkb. Ver- schiedene ohne Eisbrecherbegleitung ausgelaufene Dampfer fitzen im Eise fest. Der Bottnische Meer- busen ist im Norden noch immer zugefroren, so daß der Verkehr zwischen Schweden und Finnland hier durch Autos über das Eis aufrechterhalten werten kann.
Flugzeugunglück in Unkerilallen.
Ein Passagierflugzeug der Linie Rom — Trip o. l i s ist nach dem Abflug von Catania auf Sizilien infolge dichten Nebels bei den Aeolischen Inseln vom Kurs abgekommen und an einer Felswand der Insel Stromboli zerschellt. Zehn Fahrgäste und die Besatzung des Flugzeugs fanden dabei den Tod. Unter den Fluggästen, die sich Haupt- ächlich aus Flieger- und Jnfanterieoffizieren zusam- nenfetzten, befand sich auch die bekannte Schrift- tellerin und Mitarbeiterin vieler italienischer Zeitungen, Maria Volpi.
Vor Erkältung schützen Bei Husten nützen
mehrmals täglich
schon in
Oas Oster-Zeugnis.
Von Hans-Horst Brachvogel.
Alles stürzte in den Gängen des Schulhauses durcheinander, griff nach den Mützen und strebte lustig den Ausgängen zu. Jürgen ließ sich willig mitziehen. Aber er hatte Sorgen. Zwar hatten in dieser Minute die Ferien begonnen und sein Zeugnis bestätigte seine Versetzung, aber es hatte eine böse Bemerkung über Bedenken, die man bei der Versetzung gehabt habe und die man im Hinblick auf das kommende Schuljahr nicht verschweigen wolle.
Das war nicht schön, Jürgen liebte Sorgen gar nickt. Er war immer bemüht, sich sein junges Leben so angenehm und heiter wie möglich zu ge- stalten; jetzt kam dies, und dann würden die — leider berechtigten Worte seines Vaters kommen, und feine Mutter würde dabei ganz still werden, was noch viel schlimmer war, als wenn sie schalt, aber sie wurde nur immer still und traurig ... und die ganzen Ferien über würde er sich schuldig fühlen.
Jürgen hatte keine Eile, nach Hause zu kommen. Dahin kam er heute noch früh genug. Erst begleitete er seine Freunde, dann prüfte er, was es in den Schaufenstern an schönen Dingen gab, anschließend begutachtete er einen Verkehrsunfall, und schließlich traf er Gerd, dem er feine Sorgen offenbarte und der ihm oorschlug, sein Zeugnis erst am Ferienende zum Unterschreiben zu geben. Jürgen dachte nach. „Nein", meinte er. „Besser, es bald hinter sich zu haben." Nach diesem Entschluß hatte er es plötzlich eilig.
Als er nach Hause kam, saßen seine EUern schon bei Tisch. „Wo warst du so lange?" fragte sein Vater freundlich. „Komm, iß erst. Versetzt bist du selbstverständlich?"
„Ja", sagte Jürgen leise und fügte vorbereitend hinzu: „Aber so selbstverständlich war es nicht."
Sein Vater sah ihn überrascht an.
„Nein", erklärte Jürgen kleinlaut. „Weißt du, ich hatte sv viel Pech. Gerade dann, wenn ich mal nicht so gut gelernt hatte, kam ich immer ran ... es war wirklich Pech!"
Er blickte auf seinen Teller. Niemand antwortete. Vorsichtig hob er die Augen. Ein Löffel klirrte, dann war es wieder ganz still.
,Zch hätte mir vielleicht auch etwas mehr Mühe geben können", sagte er unsicher und wartete.
Keine Antwort.
Dies Schweigen war fürchterlich. Jürgen rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her. „Ißt du denn nicht?" fragte seine Mutter besorgt. Er beugte sich über seinen Teller.
»Drei von uns sind sitzengeblkten*, sagte er barnu
„Hatten auch Pech?" fragte fein Vater lächelnd. Jürgen überlegte.
„Nun, Jürgen?"
„Ein wenig, aber ... aber sie hatten auch selbst etwas schuld. Sie hätten sich mehr anstrengen können."
„Also kein Pech, sondern Faulheit?"
„Ja —" gestand Jürgen ein. „Und — ja, ich hätte sicher auch etwas mehr tun können. Aber ntan denkt doch nicht immer so weit."
Er sah seinen Vater flehend an. Wenn er nur ein wenig Verständnis hätte. Er war wundervoll, nur in solchen Dingen konnte er so kühl werden. Und wenn er so wenig sprach wie jetzt, war es verdächtig. Hilfesuchend blickte Jürgen zu seiner Mutter. Sie nahm ihn doch sonst immer in Schutz. Jetzt schien sie ihn gar nicht zu sehen.
„Na —" sagte Jürgen plötzlich sehr kühn und trotzig. „Hauptsache, ist bin versetzt!"
So dachte er. Jetzt wissen sie's. Was bedeutet denn schon diese lächerliche Fußnote! Mutig stürzte er sich erneut aufs Essen und wünschte sich sehnsüchtig, erst draußen zu sein. Aber weshalb sagten sie nichts? Weshalb sahen sie ihn so merkwürdig an? Er konnte aus ihrem Gesichtsausdruck nicht klug werden. Mit einem Male lachte sein Vater laut. Er lachte. „Da bist du wohl sehr stolz?" fragte er. „Nun, der Osterhase und ich, wir werden deinen Fleiß belohnen. Was wünschst du dir denn als Belohnung?"
Was war das? Hatte er alles falsch verstanden? Der Vater sah so zufrieden aus und sprach von Belohnung? Und wenn er jetzt die Bemerkung sah — dann waren Zorn und Enttäuschung' doch noch größer!
„Hol mal das Zeugnis, Jürgen", sagte er heiter.
Jürgen sprang auf. Er blieb stehen. Ein wenig hilflos klammerte er sich an der Stuhllehne fest, trat von einem Fuß auf den anderen und stammelte: „Und nächstes Jahr, Vater, werde ich — bestimmt — dann — kein Pech mehr ..." „Die Hauptsache, Jürgen, ist wohl die Versetzung. Alles andere ist doch Nebensache, nicht? Hol mal das Zeugnis, ich will es gleich unterschreiben."
Jürgen sah ihn verzweifelt an. Langsam schritt er zur Tür und in sein Zimmer. Er kramte sehr lange. Er wußte genau, wo er das Zeugnis hingelegt hatte, aber er suchte es überall, um Zeit zu gewinnen. Bis feine Mutter kam und rief, er solle sich beeilen, Vater warte. Da ging er zurück, ging mit zögernden, staksenden Schritten, mit Sorgenfalten auf der glatten Knabenstirn und mit einem unglücklichen Zug um den sonst so trotzigen Mund quer durch das Zimmer zu seinem Vater und reichte ihm das Blatt.
Wenn es nur erst oych-j wär«, dachte
Sein Vater nahm es, sah es flüchtig an, unterschrieb und gab es zurück.
Aber — dachte Jürgen. Aber — er kann es doch noch gar nicht gelesen haben. Und er muß es lesen. Es wäre nicht richtig,' cs ihn einfach übersehen zu lassen ...
Er blickte zu Boden und stotterte ein paar unbeholfene Worte: „Die Bemerkung, Vater", sagte er. „Es ist ... es wird ..." Er wußte nicht weiter, hielt den Kopf gesenkt und wartete. Nach einer Weile blickte er ängstlich auf.
Sein Vater stand am Fenster, mit dem Rücken zum Zimmer, und feine Schultern zuckten verdäch- tig. Langsam wandte er sich um und ging zur Tür. Auf halbem Weg blieb er einen Augenblick stehen, legte Jürgen die Hand auf die Schulter und sagte lächelnd und gang nebenbei: „Heute früh sprach ich übrigens mit deinem Klassenlehrer, Jür- gen. Was ich Dir daraufhin sagen wollte, hast du nun selbst schon gesagt. Wir verstehen uns gut, wir beide."
Jürgen war allein. Er starrte auf die Tür, hielt sein Zeugnis in den Händen, und die Augenwinkel waren feucht. Er wußte nicht, ob er glücklich oder beschämt sein sollte. Er wußte nur, daß sein Vater wundervoll war und, daß es wundervoll sein müßte, ihm Freude zu bereiten.
»Oie fremde Frau.^
Der selbstsichere und manchmal etwas gewalttätige finnische Reeder Hanno Kohlemainen hat sich erst auf mancherlei Umwegen davon überzeugen lassen müssen, daß die um zwanzig Jahre jüngere blonde Deutsche Anne nicht zu ihm gehören kann. Es schien zwar so, als habe er sie rasch und für immer gewonnen, aber als ihn Anne näher kennenlernte, ihn sah, wie er sich in seinem Lebenskreis bewegte, innerhalb dessen sie eine Fremde war, da entzog sie sich ihm durch die Flucht auf einen Frachtdampfer, der gerate nach Deutschland auszulaufen im Begriff war. Aber der Zufall will es, daß er sie wieterfindet, denn der Frachter friert auf See ein und liegt fest. Anne gehört aber nicht mehr zu ihm. Der junge Steuermann Nils hat es ihr angetan. Den Reeder trifft nun nicht nur der Verlust der geliebten Frau, sondern hinzu kommt noch die Trauer um seinen eigenen Sohn, um den Sohn der auf feinem Gute dienenden Magd Jouka, der als Schiffsjunge auf dem Frachter Diente, verunglückte und starb. Durch das Kind, dessen Leiche er in tagelangen Märschen über das Eis an Land zurückbringt, findet der Reeder wieder zurück in seinen ureigenen Lebenskreis, während Anne dem jüngeren Manne folgt.
S>ie Hanteung. reich -q ehret umvArlygllchey
Dramatik, ist dem Roman von Hans Heise „3n Kemi liegt Das Hochzeitskleid" entnommen. Regie führte Roger v o n N o r m a n. Der Film führt nach Finnland, in die Bereiche des nördlichen Meeres, macht einen Frachtdampfer in feinen engen Begrenzungen zum Schauplatz Der Ereignisse und stellt damit auch Die Menschen in einen engen Rahmen.
Die Art der Darstellung trägt dazu bei, die Krisen Doppelt fühlbar werden zu lassen. Uebermächtig steht Der Staatsschauspieler Eugen Klöpfer im Kreis der handelnden Personen. Unheimlich erscheint er jetzt und im nächsten Augenblick von rührender Menschlichkeit, hingerissen sieht man ihn im Tanz mit seinen Landsleuten und dann wieder hilflos vor der Zartheit Des fremden Menschenkindes Anne, energisch steht er inmitten Der rauhen Seeleute auf dem Frachter, und dann spricht ihm wie- der aus dem Gesicht und aus jeder Bewegung die Trauer um Den eben gefundenen und so rasch wieder verlorenen Svhn. Neben einem Darsteller von solcher Ausdruckskraft hatte es Elisabeth Reich nicht leicht, sich gültig zu behaupten. In ihrer übergroßen Sparsamkeit der Geste erscheint sie manch- mal etwas zu unbewegt, fast kühl. Sympathisch sind Kmtt F isch er-Fehling als Steuermann Nils und Werner Lippert als Schiffsjunge, Dem für fein Alter eine fast zu schwere Aufgabe gestellt war. Der Terra-Film wird feit gestern im Gloria-Palast gezeigt. Heinrich Ludwig Neuner.
Zeitschriften.
— Mit einem Aufsatz „Die Antike in Der goti- $en ötatuarrf des 13. Jahrhunderts" wird das Marzheft der Kunst" (Verlag F. Bruckmann-Mün- chen) eröffnet. Drei Statuen, in denen das Heilige durch antikifch verklärte, gotisch vergeistigte Schönheit eine Verwirklichung gefunden hat, werden gegenubergestellt, die national bedingten Merkmale gßjßigt. Herbert Griebitzsch würdigt das plastische Schaffen von Anton Hiller. Zur Bilderzählung als Stilleben gibt Ulrich Christoffel einige Bilder der Genre- und Jnteneurmalerei. „Den Maler Der Welt Des JhnDes nennt Dr. Wera v. Blankenburg Otto Herbig. Wie Herbig Die Kinder inmitten ihrer eigenften Welt mit starker Empfindung malt, tritt uns m seinen Bildern entgegen. Das Heft bringt im srneiten Teil Wohnhausbauten der Architekten Ostler - Garmisch und Denzinger - Stuttgart und Innenausstattungen Des Architekten Ernst Wolf- Stuttgart Die Haustüre, wie sie sein soll und wie sie nicht sein soll, verdeutlicht Max Schoen an Bild- bespielen, »lumenfrüge, Vasen und Obstschüsseln ^5L„^ohelandschule, sowie Bildteppiche von Edith
Magdeburg, zeugen oon starker srmWerWaA


