Untergau, Z.M.-Untergau, Bann und Zungbann 116.
Die nächste Vorstellung des HJ.-Veranstaltungs- ringes findet am Sonntag, 28. Januar, statt. Die Karten sind von den Einheiten ab Montag, 22. Ja» nuar, in den Dienststunden auf der Dienststelle abzuholen.
Montag, Mittwoch und Freitag von 18 bis 19 Uhr.
Dienstag und Donnerstag von 20 bis 21 Uhr.
Samstag von 15.30 bis 16.30 Uhr.
Ich mache darauf aufmerksam, daß Jgn. und Jg., die nicht in Uniform erscheinen, die Vorstellung nicht besuchen dürfen.
Heil Hiller!
Der Beauftragte für den Veranstaltungsring. Gez.: W. Re eh.
Kriegstagebücher der deutschen Jugend.
NSG. Der Reichswalter des NS.-Lehrerbundes hat die deutschen düngen und Mädel zur Anlage und Führung von Kriegstagebüchern aufgerufen. 300 000 derartige Kriegstagebücher, die der NS.- Lehrerbund gemeinsam mit dem „Hilf-mit"-Verlag geschaffen hat, wurden bereits allen deutschen Schulklassen kostenlos aur Verfügung gestellt. Wie der „Deutsche Erzieher" berichtet, lassen die Beste!- Iungen des für 5 Rpf. im einzelnen zu erwerbenden Kriegstagebuches bereits erkennen, mit welcher Begeisterung die deutsche Schuljugend dem Ausruf des Reichswalters des NSLB. Folge leistet.
„Cure Mithilfe soll selbstlos und still erfolgen, aber für die Zukunft unvergessen bleiben." Das ist der Kernsatz, der dem Kriegstagebuch vorangestellt ist. Unter Mitarbeit der gesamten deutschen Er- ziehersckaft wird durch die Führung des Kriegs- tagebucyes den deutschen Junaen und Mädeln das Geschehen unserer Zeit und ihr eigener Einsatz zu vollem Bewußtsein gebracht werden. In allen Familien Und vor allem in allen deutschen Schulen werden Erinnerungswerte entstehen, die künftigen Geschlechtern den Einsatz von Front und Heimat in größter deutscher Zeit überliefern werden.
Tonfilm auch für Schwerhörige.
Es ist erfreulich, daß es der Industrie nunmehr gelungen ist, auch den Schwerhörigen die Kultur- schöpfung des Tonfilms zu vermitteln. Diese Anlage bestehl aus einem Kopfhörer, der mit dem Lautsprecher verbunden ist sowie aus einer kleinen Schaltoorrichtung, die der Hörer selbst bedienen und entsprechend der für ihn notwendigen Lautstärke einstellen kann. Die Handhabung des Gerätes ist sehr einfach. Der Kopfhörer, wie man ihn aus der Frühzeit des Rundfunks her kennt, gibt den Ton in aller Reinheit wieder und gestattet auch dem schwerhörigen Volksgenossen das starke Erlebnis, das heute der Tonfilm für viele Menschen ist.
Auch helle Rotweine sehr bekömmlich'
NSG. Es ist eine bekannte Tatsache, daß unsere deutschen Rotweine nicht in allen Jahren von Haus aus die allseits geschätzte, satte rubinrote Farbe aufweisen. Sie erreichen in sonnenarmen Jahren nicht immer die Vollreife und bleiben infolgedessen blaß-hellrot. Die Kellerwirtschaft Hilst sich dann dadurch, daß sie die hellroten deutschen Weine mit dunklen ausländischen Weinen, meist spanischer, italienischer ober griechischer Herkunft verschneidet. Das deutsche Weingesetz gestattet diesen Weinverschnitt bis zu einem bestimmten Ausmaß.
Im Jahre 1939 sind die deutschen Rotweine infolge der lang anhaltenden Regenperiode in den Reifemonaten September und Oktober sehr hellfarbig geblieben. Die Einfuhr ausländischer Verschnittrotweine ist unter den durch den Krieg bedingten Verhältnissen jedoch äußerst gering. Darum können die Rotweine in diesem Jahre nicht immer in der dunklen rubinroten Farbe in Verkehr gebracht werden wie sonst. Den Kenner wird das nicht weiter stören. Die helleren Rotweine sind genau so anregend und bekömmlich wie die dunkelfarbigen. In den Erzeugergebieten werden die deutschen Rotweine von jeher meist so getrunken wie sie gewachsen sind, d. h. ohne Verschnitt mit ausländi
schen Deckweinen. Im übrigen werden durch den Verzicht auf den Zusatz ausländischer Deckrotweine dem Reich Devisen gespart.
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** Seinen Verletzungen erlegen. Der 80jährige hiesige Rentner Julius Schwalb, der nach einem Zusammenstoß mit der Straßenbahn (wir berichteten gestern bereits über den Unfall) mit einem Schädelbasisbruch in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte, tst in der vergangenen Nacht seinen schweren Verletzungen erlegen.
Matthias Claudius in Darmstadt.
dius wirkte kurze Zeit (1776/77) durch Berbers Vermittlung in Darmstadt, wo er als Kammerrat in der Landkommiffion, die zur Förderung des Ackerbaues und des Handwerks errichtet worden war, und als Leiter der damals ins Leben gerufenen ,^effen-Darmstäd tischen Privilegierten Landzeitung" (des langjährigen Darmstädter Regierungsblattes) tätig war. In feiner Darmstädter Zeit sind eine Reihe der schönsten Gedachte entstanden, so das bekannte Abendlied „Der Mond ist aufgegangen und das Rheinweinlied „Bekränzt mit Laub den lieben vollen Becher", das Matthias Claudius auf einer Wanderung zum Rhein an einem schönen Herbsttag im Erkerzimmer der Groß-Gerauer „Krone" gedichtet hat. Ein Claudius-Weg und eine Claudius-Eiche halben in Darmstadt die Erinnerung an den Dichter wach.
öth-Eppler mit 6:4, 8:10, 6:2 gegen Asmussen, Jpsen.
Italienische Jugend in Garmisch.
Auf Einladung des Reichsjugendführers kommen zu den Winterkampfspielen der Hitler-Jugend vom 18 bis 26. Februar in Garmisch-Partenkirchen Schi, sportler der Faschistischen Jugendorganisation Italiens, die in einem Länderkampf gegen die Schi, läufer der HI. antreten. Italien schickt für die Wett, bewerbe im Abfahrts-, Tor- und Sprunglauf je fünf Jungen der Jahrgänge 1925 bis 1931. Je drei Jungen der deutschen und italienischen Mannschaft werden bei den Wettbewerben gewertet. Mit diesem Länderkampf gegen die faschistische Jugend kommt erneut die enge Zusammenarbeit zwischen der Hit- ler-Jugend uni> der Gioventa Jtaliana del Littvrio zum Ausdruck, die sich auf dem Gebiet des Sports zu einer herzlichen Kameradschaft entwickelt hat.
Vermischtes.
(Ein japanisches Wunderkind.
Beim siebenten Jahreswettstreit der jungen ja- jonischen Tonkünstler erhielt der erst elf Jahre alte Geiger Toschija Et o den Sonderpreis des ja. panischen Unterrichtsministers. Don den mehreren hundert Bewerbern waren nur zwanzig in den engeren Wettbewerb gekommen, nämlich sechs Pia« nisten, sechs Sänger, vier Geiger und vier Kom- poniften. Erste Preise erhielten die siebzehnjährige Pianistin Joko Matsusumi aus Tokio, der elfjährige Geiger Toschija Eto aus Tokio und der 28jährige Komponist Osamu Schimizu aus Tokio. Der klein« Eto ist der Sohn eines Volksschullehrers. Schon als Dreijähriger wurde er von feinem Vater im Kla- vierspiel unterrichtet. Die ganze Familie ist sehr musikalisch; Toschijas neunjähriges Schwesterchen Reiko spielt schon geläufig Klavier. Als ihm mib geteilt wurde, daß er den ersten Preis bekomme, sagte der kleine Geiger: „Das Stück, das ich spielen mußte, kam mir gar nicht schwer vor, für mich bedeutete es jedenfalls nicht sehr viel. Aber ich dachte nicht, daß ich damit den ersten Preis gewinnen würde; das ist mir wie ein Märchen!"
Der „Dlamankenberg" brennt.
Der „Diamantenberg" auf Korea, der so genannt wird, weil man in seiner Tiefe diamanten- haltige Schichten gefunden hat, steht seit einigen Wochen in Flammen. Der gewaltige Brand frißt sich an den Hängen des Berges entlang und zer- stört die Wälder, die durch eine längere Dürrezeit ausgetrocknet sind. Die Bevölkerung des ganzen Gebietes führt feit vierzehnTagen einen heldenmütigen Kampf gegen das furchtbare Flammenmeer, aber viele Dörfer sind noch immer in Flammen gehüllt. Man fürchtet, daß die Zahl der Todesopfer bereits mehr als 600 beträgt. Zweihundert Häuser sind bis- her ein Raub der Flammen geworden. Japanische Truppenteile befinden sich an Ort und Stelle, können aber auch nicht viel ausrichten, weil die Gegend sehr wasserarm ist und alle technischen Vorrichtungen zur Feuerbekämpfuna fehlen. Die Soldaten müssen sich daher darauf beschränken, den unglücklichen Bewohnern der Gebirgstäler Hilfe zu bringen.
Sonnenmaschinen in Rußland.
Dem alten, bisher noch niemals befriedigend gelösten Problem direkter Ausnutzung der Sonnenwärme zur Krafterzeugung wird jetzt in der Sowjetunion auf neuen, Erfolg versprechenden Wegen zu Leibe gegangen. Die staatliche Akademie der Wissenschaft will in R o st o w am Don ein beso bered Institut für Experimente dieser Art einrichten. Der Ingenieur A. P. P e t r o w in Rostow hat bereits einen „Heliokühlapparat" konstruiert, der in acht Stunden mittels Ausnutzung der Sonnenstrahlung 10 kg Eis erzeugt. Die Eiserzeugung durch Sonnenwärme klingt heute nicht mehr so paraoox, nachdem in vielen deutschen Küchen Kühlschränke arbeiten, bei denen eine Gasflamme Eis erzeugt. Derselbe Ingenieur hat auch einen „Helio- dampfkessel" erfunden. Der Vervollkommnung dieser von der Sonne betriebenen Kraftmaschine sollen die Experimente in dem neuen Institut in erster Linie dienen.
LPD. Darmstadt, 18. Jan. Am 21. Januar ist der 125. Todestag des Dichters Matthias Claudius, des „Wandsbecker Boten". Matthias Clau-
Die toerreidmng her „Adolf-Hilln-Preise" für Mwr- und Segelflug.
Staatssekretär der Luftfahrt und Generalinspekteur der Luftwaffe, Generaloberst Milch, überreichte im Beisein des Korpsführers des NSFK., General der Flieger Christiansen, die vom Führer für die besten flugsportlichen Leistuungen gestifteten Molf-Hitler-Preise. Unser Bild zeiK von rechts: NSFK.-Obersturmführer Silier, der den Preis für Segelflug als Anerkennung hervorragender
Fufiball der Gauliga-Mannschasten.
Hessens Fußball-Gauklafse sollte eigentlich vor Beginn der Rückspiele einen Sonntag pausieren, da aber in der Gruppe Nord noch eine Begegnung rückständig ist und in der Süd-Gruppe zum 28. Januar drei Kämpfe in Groß-Hanau angesetzt waren, lind doch noch zwei Spiele zustandegekommen. In oer Süd-Gruppe ist das Rückspiel zwischen V f B. Groß-Auheim und Dunlop Hanau um eine Woche vorverlegt worden, und so kann sich der Spitzenreiter schon am Sonntag für die an Weihnachten in Hanau erlittene Punkteinbuße revanchieren. Das Vorspiel endete 1:1, aber diesmal darf man die Auheimer sicher in Front erwarten.
Das einzige Spiel der Nordgruppe führt Hessen Bad Hersfeld mit Kurhessen Kassel zusammen. Mit diesem Treffen, das am vergangenen Sonntag aus fiel, wird die Vorrunde abgeschlos-
ßetftungen auf dem Gebiet des Höhenflugs zugesprochen erhiett. General der Flieger C h r i st i a n - s e n, NSFK.-Hauptsturmführer Bräutigam dessen besondere Leistungen auf dem Gebiete des Streckenflugs ausgezeichnet wurden, Dberleunant kennet, den zweiten Träger des Preises für Motorflug, und ganz links Generaloberst Milch. (Attantic-M.)
jen. Hers seid gilt, wenn die Soldaten alle zur Stelle sein werden, als Favorit, doch ist die Kasseler Elf stark genug, um auch in HersfeÜ) eine gute Rolle spielen zu können.
Neue deutsche Tennissiege in Kopenhagen.
Im weiteren Verlauf der internationalen dänischen Hallen-Tennismeisterschaften in Kopenhagen gab es wieder schöne deutsche (Erfolge. Meister Heinrich Henkel schlug den Dänen Asmussen mit 6:3, 6:3, Eppler (Köln) war mit 6:3, 6:4 über Zahle erfolgreich, Gies bezwang den in Deutschland bestens bekannten Dänen Sperling mit 6:4, 6:3 und Gulcz (Köln) schaltete seinen Klubkameraden Heimsöth mit 6:3, 5:7, 6:3 aus. Im Doppel verloren Gies-Gulcz mit 6:4, 1:6, 9:7 gegen die Dänen Johansen-Wium, dagegen behaupteten sich Heims-
Dur reute Hlann für Bttolfof
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CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 35
26 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Anne sagt, daß Klarissa alles mit diesen Beeren kuriert, jede Krankheit. Aber wie sie das sagt, fällt ihr ein, daß sie ja im Grunde genommen nie richtig krank gewesen sind. Ihre Augen sind nachdenklich. Sie sind heute einen Schein dunkler als sonst, oder kommt es Christian nur so vor? Er müht sich, sehr vergnügt zu fein, er denkt, es ist am besten so, da ist auch Anne vergnügt.
Ja, sie lacht mit ihm und steckt ihm Beeren in den Mund, aber ihre Augen sind doch dunkler. Sie wandern zusammen über das weite Plateau. Da, hinter ihnen, ist ein Hotel. Es liegt ein bißchen geduckt, wie in Angst vor vielen Dingen, vor Schnee, vor Sturm — oh, man könnte sich hier wohl fürchten.
Das Wasser eines Falles, des „Vöringfoß", rast und rauscht eintönig, emsig, als dürfe es nichts versäumen. lieber eine Felsspalte nahe beim Fall ist eine Brücke gebaut. Sie ist aus schweren Brettern und ihr Handlauf aus ungehobelten Stämmen. Sie ist keineswegs fein geschwungen, aber sie paßt hierher. Oben auf dem Handlauf sitzt eine junge Dame. Sie gehört nicht in dieses Land, kein Gedanke daran, sie kommt aus Berlin, aber sie will zeigen, was sie kann. Schwindlig? Bewahre. Sie sitzt da, hat eine Hand in die Hüfte gestemmt, die andere auf den ungehobelten totamm gelegt. Sie hat rotlackierte Nägel und einen geschminkten Mund. Sie läßt sich photographieren. Man staunt über ihren Mut, und sie schwebt geschminkt und schwindelfrei über dem Wasser, das unter ihr dahinrast, als wäre das Menschenleben ein Nichts.--
Am Nachmittag sind Anne und Christian in Ulvik. Sie sehen, wie eine ganze Flotte von Fischerbooten ausfährt. Braun und frisch geölt sind sie, kräftige Boote. Hoch oben im Mast hängen kleine Fässer mit Trinkwasser. Ein Mann sitzt auf dem Bootsrand, er läßt beide Beine über das Wasser hängen. Seht, da sitzt er und raucht.
Anne muß an das Mädchen denken, das schwindelfrei über dem Vöringfoß schwebte. Doch dieser hier sitzt nicht zum Photographieren da, er sitzt da, weil der Fjord und das Meer ihm vertraut sind. Es ist keine Sensation dabei, kein Theater, er sitzt und raucht.
Zwischen zwei Masten hängt Wäsche, eine blaue Mannerhose und ein weißes Hemd. Die Hose wandert mit großen Schritten durch die Luft, ihr geht die
Bootsfahrt nicht schnell genug, die Hemdsärmel aber schlagen über dem Kragenqueder zusammen, als riefen sie der Hose zu: „Liebe, was machst du, warte ab, denn das Leben ist kurz. Bald sind wir mürbe und von Wasser, Seife und Wind zerrieben, lauf nicht, wir kommen früh genug ans Ziel."
Solche Gedanken kommen Anne heute, merkwürdige Gedanken, Gott mag wissen, woher diese Gedanken kommen. Christian dagegen sagt: „Du sollst nicht grübeln, Anne, wir wollen vergnügt sein und lachen, weil wir beieinander sind." Die Fischerboote tuckern mit ihren kleinen, singenden Motoren über den Fjord, ein bißchen scheint die Sonne; nur sehr schüchtern und mattgelb, ober sie scheint.
Anne und Christian gehen durch ein paar Straßen. Hernach trinken sie in einem Hotel am Fjord Kaffee, und sie reden dies und reden das. Sind Annes Augen immer noch dunkel, ober hat sie alles vergessen? Sie ist ja noch ein Kind, kaum achtzehn Jahre alt, sie ist jung, diese Anne.
Sieh, auch in diesem Hotel ist ein Verkaufsstand mit bunten Decken und tausend Kleinigkeiten. Aber sie sieht nicht hin. Sie blickt zum Fenster hinaus. Vor ihr liegt der Fjord und die Sonne ist strahlender geworden. Keine Rede mehr vom Sturm; kein Regen und keine spritzenden Tropfen, auch keine Gedanke mehr an Balholm. „Heute abend ist Ball, wenn der Dampfer Norwegen verläßt, ist Ball an Bord. Wollen wir auch tanzen, Christian?" Sie will tanzen, Anne ist jung und will tanzen. Das ist richtig so; denn Anne ist noch ein Kind.
Ja, ist Anne Wegner wirklich ein Kind? An diesem Abend ist sie eine der schönsten Frauen an Bord des Riesendampfers „Columbus". Sie trägt das mattblaue Tüllkleid, das sie auf dem Sommerfest trug, auf Kläres Sommerfest, das so tragisch endete. Heute aber trägt sie es anders. Sie trägt es für Christian und für ihn sind ihre Wangen gerötet und für ihn glüht ihr Mund.
Sie tanzen. Sie sind beieinander, und der Saal ist hell und erfüllt von Fröhlichkeit. Bunte Luftballons heben sich zur Decke, wo sie wie große Blu- men schweben. Es wird gesungen, getanzt und gelacht. Wer denkt in diesen Stunden an anderes als an das Vergnügen? Wer denkt daran, daß der Dampfer jetzt die letzten Felsen Norwegens grüßt, die letzte Bucht, und daß er seinen Kurs heimwärts nimmt? Doch — Anne denkt daran, Anne Wegner flüstert es Christian ins Ohr. Sie sprechen dann weiter kein Wort darüber, aber sie tanzen nicht mehr. Er holt ihren Mantel und sie steigen hinauf zum Sonnendeck.
Es ist fast windstill, das nächtliche Land liegt unter dem merkwürdigen nordischen Schimmer. Man sieht die Felsen wie graue, zerklüftete Berspielen vorüberziehen. Leb- und farblos, durchsichtig
ien uns, und — wenn nicht Klarissa
zu viel
(Sortierung folgte
was dieses alles für sie bedeutete, kann nur der verstehen, der Klarissa kennt. Und nun saß dieser Vater mir in Balholm gegenüber, aber er war für mich doch nur ein fremder Mann, mit einer fremden Familie. Ich konnte nicht mit ihm sprechen, es stand
Der Traum ist ausgeträumt, das Schiff liegt wieder in Bremerhaven auf dem Columbuspier die Reifenden schütteln sich die Hände. Man sagt, daß man sich wiedersehen will, und ist doch schon mit den Gedanken beim Alltag, bei den Sorgen, die er bringen wird, und bei den gewohnten Freuden. Ein Märchen ist zu Ende.
I 2lnne und Christian verlassen den Dampfer g«’
wie Mondstein und doch mit jenem geheimnisvollen Schimmer tief in sich liegt der Fjord um das Schiff. Und auch das Schiff fährt so ruhig dahin, anders als am Tag, anders als im Sturm.
Auf dem Bootsdeck steht eine junge Frau an die Reeling gelehnt. Sie hat ein he".es, langes Kleid an. Sie spielt mit einem Papi erschien, den sie aus dem Ballsaal mitgebracht hat. Das Papier knistert, man hort es bis hierher. Die Frau spricht kein Wort. Neben ihr steht ein Mann. Er ist groß und breitschultrig, auch er sagt nichts. Sie sprechen und lachen nicht, sie sind so still wie das Land, wie der Fjord und wie Die Nacht.
Da weht Annes Stimme in diese Stille, wie eine kleine, kaum hörbare Kinderstimme, und sie sagt: „Als mein Vater uns verließ, war ich noch nicht drei Jahre alt. So lange ist es her, Christian, aber ich habe ihp doch wiedererkannt. Ich habe ihn gleich erkannt. Es ift damals wohl so gewesen, daß mein Vater seine Familie nicht mehr ertrug, und daß hinter uns der Hof, der Birkenhof, stand, den er übernehmen sollte. Er war Maler und wollte von allen Bindungen frei fein. Er fuhr mit irgendeinem kleinen Frachter zu Studienzwecken nach Australien. Aber schon von Marseille aus schrieb er, daß er nicht wiederkommen würde. Meine Mutter war eine stolze und verschlossene Frau, die nie und zu keinem Menschen über das sprach, was sie in ihrer Ehe durchmachen mußte. Sie paßten wohl gar nicht zusammen, die Charaktere waren zu verschieden, das war es. Doch sie wollte das nicht einsehen und hatte sich gegen eine Scheidung gewehrt Nun kam dieses Letzte und raubte ihr alle Besonnenheit. Sie schrieb an Klarissa, sie schickte meine Schwester Kläre zu Freunden, sie nahm stark wirkende Schlaftabletten in großer Menge und öffnete in der Küche den
Gashahn, nachdem sie mein Kinderbett in die Küche geschoben hatte. Ich war so jung, sie wollte mich mitnehmen. । mw v«;n|nun ucnuucn wn x/umpiec w*’i
Anne atmet tief und hastig, sie schluchzt, Christian meinfam, sie wollen auch heute in Bremen noch zu- greift nach ihren Händen, die sind eiskalt. Er zieht lammen fein, diesen letzten Tag haben sie sich ae- Anne an sich und mit dem Gesicht an seiner Schulter stöhlen.
sagt sie: „Vielleicht hat Klarissa alles gefühtt. Sie Nur Manda Wenzien und Willem Schönemann war in den Tagen so unruhig, daß sie es auf dem verabschieden sich von ihnen Margot ist krank man Birkenhof nicht aushielt Sie kam gerade zeittg ge-! hat sie in diesen Tagen nicht mehr gesehen und'Frau nug, um mich zu retten. Als ihr nach wiederholtem --------- ' ■ ■ r' *— - -
Klopfen und Klingeln nicht geöffnet wurde, ließ sie die Tür gewaltsam aufbrechen. Ja — ich wurde gerettet, meine Mutter nicht mehr Das Gift der Tabletten war schon ins Blut gegangen, sie starb nach wenigen Stunden.
Meine Schweller Kläre hat mir einmal erzählt, daß mein Vater noch ein paarmal an Klarissa geschrieben hat. Er schickte wohl auch die Mitteilung, daß er sich wieder verheiratet habe, aber für Klä- rissa ist er tot. Sie hat ihren Bruder sehr geliebt
Schönemann hat unter schwerer Migräne zu leiben. Christian aber weiß, daß Margot nicht krank ift, daß sie sich nur so ein bißchen vor ihm schämt, und er weiß, daß die Frau Geheimrat nicht krank ift, sondern wahrscheinlich verärgert. Nun könnte er eigentlich, als er Willem die Hand drückt, mit den Augen blinzeln und „so so" oder dergleichen sagen Doch das geschieht nicht, es ist, als wisse dieser Christian vom Mädchen Margot nicht mehr als jener andere.
eingegriffen hätte, wäre ich heute nicht mehr am Leben. Ich lebe so gern — Christian und ich konnte mit meinem Vater nicht sprechen, nicht ein Wort. Ich habe gedacht, daß ich ja als seine Tochter gestorben bin, ein zweites Mal hat Klarissa mir das Leben gegeben, und sie ist mir Vater und Mutter gewesen. Kannst du begreifen, daß sie für mich alles ift?"
„Ja, Anne." Er spricht in ihr Haar hinein, In dieses Haar, das er so liebt, und er denkt, daß Kla° rissa sich vielleicht zwischen sie stellen wird. — Ader er wird nicht von Anne lassen. Er kann es nicht, er wird um seine Liebe kämpfen, wenn Klarissa es will, und er wird Anne noch mehr fein, als es Klarissa ist, Mutter und Vater, Geliebter und Kamerad.
Unten spricht jetzt die fremde Frau. Sie spricht und lacht, es schallt bell über das Wasser, hell über das Schiff. Annes Kopf liegt an Christians Schulter, er beugt sich nieder und küßt sie. Ihr Gesicht ist so weiß wie eine Blüte, ihre Lippen sind kalt und zittern. Zum ersten Male fragt er: „Liebst du mich Anne?"
Da spürt er, daß sie lächelt, während sie tagt: ,Ja — Krischtian."


