Deutsche Mütter im Kriege
Platzkonzert vor dem Liebigbau
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Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
familie der Keim, die ind die Frucht des in
achtungsvoll zu bearüi
Die Erkenntnis, oaf Mutter die Blüte und
men gleich in einer schönen, schlichten Vase, auf Mt Töpferscheibe oder in der Glashütte von Meister- Hand geschaffen, in der die Blumen erst recht auf« zublühen scheinen und ihr Wesen voll entfalten. Kinder sollen rechtzeitig lernen, jeden Groschen in wirklich bleibende Werte umzuwandeln und den leeren Prunk zu meiden. Für die größeren Kinder, die selbst verdienen, oder für den Vater gibt es ungezählte Möglichkeiten des sinnvollen Schen« kens. Das zur Metallsammlung gewanderte Zinn« geschirr, Krug und Becher, kann würdig durch ein anderes, aus Hand geschliffenem Glas mit ganz zartem Muster oder aus Keramik ersetzt werden, denn diese Werkstoffe sind reichlich vorhanden. Auch ein
Oie Illustrierte des Siehener Anzeigers kann infolge von Gülerverkehrseinschränkungen heute nicht zugestellt werden. Nachlieferung erfolgt so schnell wie möglich. Wir bitten unsere Bezieher um Verständnis für diese besondere Lage.
Verlag des Gießener Anzeigers
Einsatz der HI. im Kriege
Oer BOM. bei Kulturarbeiten im Walde.
Anläßlich des Muttertages und der Haussamm- lung für das Deutsche Rote Kreuz gibt am morgigen Sonntag von 11 bis 12 Uhr em Mufikkorps der Wehrmacht auf dem Platze vor dem Liebigbau (Sitte Klinik) ein Platzkonzert. Allen Volksgenossen sei der Besuch dieser musikalischen Veranstaltung 1 empfohlen.
Mit ihren Wünschen für die Front der kämpfenden deutschen Männer verbinden unsere Mütter aber auch täglich aufs neue die vielfach helfende Tat. Es ist für manche Mütter eine schwere Aufgabe, während der Abwesenheit des an der Front stehenden Mannes und Vaters nicht nur alle Familien- angelegenheiten allein zu führen, sondern auch die Kinder im Sinne des Vaters zu betreuen und weiter zu erziehen. Dabei gibt es für die Mütter oft chwere Stunden durchzukämpfen, die aber von chr als gute Kameradin des Mannes und als verantwortungsbewußte deutsche Mutter mit aller Opfer- reudigkeit bestanden werden. Unsere Mütter sind ich dabei vor allem auch ihrer großen Verantwortung gegenüber ihren Kindern und dem gesamten Volke bewußt. Neben der Erfüllung dieser schweren Aufgabe innerhalb des Familienlebens haben sich viele Mütter auch in der Stadt Gießen und im Landkreis Gießen in die Gemeinschaft der unermüdlich werktätig schaffenden Volksgenossen ringe» reiht, um an den Arbeitsplätzen ihrer Männer oder auf dem Lande bei der Arbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben wacker mitzuhelfen bei der Erfüllung der vielfältigen Ausgaben, die der Krieg der Heimat stellt und die daraus ausgerüstet sind, der Front der kämpfenden deutschen Männer immer neue Kraftströme aus der Heimat zuzuleiten. So sehen wir neben jungen Frauen auch viele Mütter in unserer Stadt wichtige Ausgaben im öffentlichen Dienst erfüllen, daneben in zahlreichen Wirt- schaftsbetrieben ihre Kraft im Dienste der Gemeinschaft rinsetzen. Dabei handelt es sich für diese Frauen und Mütter um ein besonders dankenswertes Opfer, denn wohl alle haben nach her Erfüllung der täglichen Berufspflicht noch manche Stunde des Abends ober der Nachtzeit mit häuslichen Arbeiten für ihre Familie, insbesondere für ihre Kinder auszufüllen. Diese Mütter bringen also täglich ein Opfer in doppeltem Sinne, indem sie sich der Arbeit für'die Front zur Verfügung stellen und außerdem noch ihrer Pflicht gegenüber ihren Kindern nachkommen. Ihnen gebührt daher die besondere Dankbarkeit des ganzeck Volkes, namentlich am Muttertag als einem Ehrentag der deutschen Mutter.
Im Kreise der Mütter stehen aber noch diejenigen deutschen Frauen besonders im Vordergrund, die einer großen Zahl von Kindern das Leben geschenkt und damit unsere Nation bereichert haben. Auch viele dieser Frauen haben ihre Aufgabe, seelischer Rückhalt der kämpfenden Männer zu sein, erweitert durch die freiwillige Eingliederung in den Arbeitsprozeß des ganzen Volkes im Dienst unserer Front. Diele dieser Frauen, die mittlerweile ein höheres Lebensalter erreicht haben, wissen in dieser Zeit Söhne und Schwiegersöhne, oft in stattlicher Zahl, an der Front vor dem Feinde. Sie bringen, nachdem wohl schon in den meisten Fällen ihre Männer während des Weltkrieges ihre Soldatenpflicht zum Schutz der Heimat erfüllt haben, jetzt ihre Söhne und Schwiegersöhne der Nation dar, um durch deren Einsatz alles das zu verteidigen und zu schützen, was unserem Volke lieb und teuer ist. Zn stillem Heldentum, das kein Aufhebens in der Oeffentlichkeit macht, gehen diese kinderreichen alten Mütter in entschlossenem Willen gemeinsam mit den jungen Müttern den Schicksalsweg unseres Volkes in Dem stolzen Bewußtsein, daß nicht das deutsche Volk und sein Führer diesen Krieg gewollt und entfacht haben, sondern daß wir ihn führen zur Ber
ber Volksgemeinschaft vereinigten Lebens ist, hat zu den sozialen Anstrengungen geführt, die wir heute als „Mutterschutz" bezeichnen. Sie sind Er- gebniffe langen, ernsten Ringens unserer Wissenschaft-, und seit mit der Bekämpfung des Kindbettfiebers, mit der Betreuung wirtschaftlicher schwacher ober gesundheitlich gefährdeter Mütter und mit einer kulturwürdigen Regelung der weiblichen Arbeitszeit in Handel, Gewerbe und Industrie die Wcchlfahrt der Mutter — damit zugleich die des Kindes und der gesamten Familie — gehoben ist, ist auch der Staat reicher geworden. Das war um so nötiger, als einmal die Freude am Muttersein in den letzten Jahrzehnten bedenklich abgeebbt hatte, anderseits aber auch durch die Zunahme der Bevölkerung die Vorbedingung für das Gedeihen einer kinderreichen Familie in Frage gestellt war ober doch zu sein schien. Wesentlich besser hatte es — in hygienisch gefährdeter Zeit — ausgefehen, als auch unbegüterte Familien fast durchgehends noch ihr eigenes Häuslein und Gärtchen besaßen und bei der Wohlfeilheit aller Bedarfsgüter und bei der all- gemeinen Anspruchslosigkeit jedes einzelnen das Existenzminimum leichter gesichert erscheinen durfte. Wir hatten keinen Blücher und keinen Mozart gehabt, wenn die deutsche Mutter nicht Kraft und Lebensglauben genug gehabt hätte, ihrem Gatten auch noch das siebente Kind zu schenken. Ein achter unter Zwölfen war Johann Sebastian Bach, und der geniale Weltpostgründer Heinrich von Stephan, ein pommerscher Schneidersohn, war ebenfalls das achte unter zehn Kindern. Vater Siemens, von dessen Söhnen vier Weltruf erlangten, war der jüngste Sohn unter fünfzehn Kindern, und wenn er selbst nicht geboren wäre, so hätte auch er nicht durch seine Gattin dem Staate wiederum vierzehn Kinder schenken können, von denen höchsten Tatenruhm Werner von Siemens, der bis in die Gegenwart nachwirkende Industriekapitän, erwerben sollte. So wird ersichtlich, daß lebensbejahende Mutterschaft nicht nur dem Glück der Familie, sondern weit mehr noch dem kulturellen Aufstieg der Nation zu dienen vermag.
Das deutsche Volk begeht am morgigen Sonntag einen Muttertag. Als einziges Volk der Welt hat es seit einigen Jahren diese Ehrung der Mutter als eine besonders schöne Verpflichtung betrachtet. In diesem Jahre wird der Ehrentag der deutschen Mutter von den Stürmen des Krieges umbraust, unseres Abwehrkampfes gegen die feinblid>en Mächte, deren Ziel die Zerstörung alles dessen ist, was der deutschen Mutter von jeher kostbarer nationaler Besitz war und es auch stets bleiben wird. An diesem Tage sind die Gedanken der deutschen Mütter mit besonderer Innigkeit bei ihren Söhnen und Männern, die an den Fronten im Westen und im Norden, zur See und in der Luft die deutsche Heimat und damit auch die deutschen Mütter und ihre Familien vor den Vernichtungsplänen der eng- lisch-ftanzösischen Plutokratien schützen. Die herzlichsten Wunsche der deutschen Mütter und des ganzen Volkes gelten unseren Kämpfern vor dem Feinde, denen wir tiefsten Dank für ihr beraum dernswertes Heldentum und unsere ganze Hilfe mit allen Kräften der Heimat schuldig sind.
reinigen. Der Förster dankte uns für die Hilfe, die wir rhm geleistet hatten. Er sagte: „Kommt nur recht oft wieder, und wenn der Krieg vorbei ist, lade ich Euch alle zu einer Autobusfahrt ein." Da freuten wir uns natürlich sehr. Auf der Heimfahrt unterhielten wir uns nur über die versprochene Autobusfahrt, und so merkten wir gar nicht, daß wir schon bald in Gießen waren. Wir machten aus, jeden Ferientag nach Lang-Gons zu fahren, um dort im Wald zu helfen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): 16 Uhr Sonder- Jugend- und Familien-Dorstelluna „Frisko-Expreh". Anschließend „Krambambuli". Im Beiprogramm „Einmarsch der deutschen Truppen in Luxemburg, Belgien und Holland."
Tageskalender für Sonntag.
Gloria-Palast (Seltersweg): 1.30 Uhr Sonder- Jugend- und Familienvorstelluna „Frisko-Expreß", anschließend „Krambambuli". Im Beiprogramm „Einmarsch der deutschen Truppen in Luxemburg, Belgien und Holland/;
Für je zwei Tage dieser und zwei Tage der vergangenen Woche hatte das Forstamt Schiffenberg vom BDM.^Untergau freiwillige Helferinnen für dringende Arbeiten in den Pflanzgärten der verschiedenen Förstereien angeforbert. Rund 50 Mädel waren es, die jeden Tag hinausfuhren in die Förstereien Gießen, Großen-Linden, Grvhen-Buseck und Lang-Gons. Daß die ungewohnte und völlig neue Arbeit den Mädeln, fast ausschließlich Schäle- r innen, die sich in ihren Pfingstferien für diese Arbeit einsetzten, viel Freude und Spaß gemacht hat, beweist der nachstehende Bericht eines BDM.- Mädels, deren Gruppe der Försterei Lang-Göns zugeteilt war.
Erlebnisbericht von der Waldarbeit in Lang-Göns.
Um 9 Uhr fuhren wir, 14 Gießener Mädel, mit Spaten, Rechen und Frühstück bewaffnet, vom Haus des Lang-Gänser Försters zu unseren Arbeitsplätzen. Sieben Mädel halfen den Waldarbeitern beim Setzen der Fichtenbäumchen. Wir andern sieden arbeiteten im Pflanzgarten. Wir gruben rin Stück kleiner Kiefernpflänzchen aus und schlugen sie in einem anderen Beet ein. Darüber wurde es 1 Uhr, und wir packten unsere Brote aus. Wenn unsere Hände auch nicht gerade sauber waren und unsere Finger stark nach Harz rochen, es schmeckte uns doch. Um 2 Uhr ging's wieder an die Arbeit. Wir gruben ein Stück Grasland um. Da wir immer sieben in der Reihe waren, hatte jede nur ein kleines Stück zu graben, und um Uhr waren wir schon fertig. Mit geschultertem Spaten fuhren wir wieder vor das Forsthaus. Dort war großes Hände-
teidigung unserer unabdingbaren deutschen Lebensrechte und zur Sicherstellung der Zukunft unserer Kinder und ihres Großdeutschen Vaterlandes. Dieses Bewußtsein und zugleich die Liebe und das Vertrauen zu unserem Führer geben diesen kinderreichen Müttern, wie überhaupt allen deutschen Menschen die starke Kraft zur Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber der Volksgemeinschaft.
Das deutsche Volk grüßt an dem morgigen Muttertag alle deutschen Mütter mit. Dank und Ehrfurcht für ihre Mutterschaft, mit Stolz auf die vielfache Bewährung der deutschen Frau und Mutter als allezeit opferbereite Dienerin der Nation, und mit der Gewißheit, daß unser Volk dank seiner Mütter immer wieder ein Höchstmaß an seeelischer und geistiger Kraft besitzen wird, das es zum besten Dienst für die Gemeinschaft befähigt. B.
Auszeichnung kinderreicher Mütter in Gießen.
Es ist eine schöne Gepflogenheit, alljährlich zum Muttertag die kinderreichen Mütter durch die lieber- reichung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter zu ehren. Bisher wurde schon eine stattliche Anzahl kinderreicher Mütter in Gießen mit dieser schönen Auszeichnung bedacht. Es erhielten in Gießen 111 Mütter das Ehrenkreuz erster Stufe, 130 Mütter das Ehrenkreuz zweiter Stufe und 199 Mütter das Ehrenkreuz dritter Stufe. In Wieseck erhielten vier Frauen das Ehrenkreuz erster, sieben Frauen das Ehrenkreuz zweiter und elf Frauen das Ehrenkreuz dritter Stufe, in Klein-Linden waren die entsprechen- den Zahlen 13 bzw. 19 bzw. 74.
Für die diesjährige Ehrung sind in Gießen vorgesehen: 51 Mütter zur Auszeichnung mit dem Ehrenkreuz erster, 94 Mütter mit dem Ehrenkreuz zweiter und 262 Mütter mit dem Ehrenkreuz dritter Stufe; in Wieseck lauten die entsprechenden Zahlen 26 bzw. 37 bzw. 114; für Klein-Linden kommen diesmal keine Verleihungen in Betracht. Diese Auszeichnung der kinderreichen Mütter sollte am morgigen Muttertag stattfinden, sie kann aber im Hinblick auf die gegenwärtigen Zeitverhältnisse erst in nächster Zeit vorgenommen werden.
Geschenke zum Muttertag.
Aus der Stadl Gießen.
Reiche Mutter - reiches Volk!
Von Werner Lenz.
„O Mutter, reich an Kindersegen, der Weltensprache schönstes Wort!" So ließe sich der Mutterbegriff, wie ihn Euripides in seinen „Trojanerinnen" prägte, ins Deutsche übertragen. Und der Gedanke des Dichters paßt wohl zu den unseren, denn auch das germanische Ethos sieht in der Mutterschaft die höchste, heiligste Lebensweihe. Diese Achtung vor dem Mutterwerden und vor dem Muttersrin hat sich als eine Offenbarung des höchsten sittlichen und ästhetischen Daseinswertes erhalten.
„Eine Mutter im Kreise ihrer Kinder — wo wäre im Leben des Mannes eine Situation, die dieser an Heiligkeit gliche", schreibt Friedrich Hebbel, und Carmen Sylva, die rheinische Prinzessin auf dem rumänischen Thron, bekennt:
„Der schönste Nam' im Erdenrund, das schönste Wort im Menschenmund ist Mutter!"
Wer in der fraulichen Seele zu lesen versteht, der weiß es gewiß, daß der Reichtum einer Mutter unvergleichlich groß gegen die äußeren Güter und
neues, lustig buntes Kaffee- oder Teegeschirr, eine bemalte Obst- oder Gebäckschale würde den Fami. lientisch verschönern helfen. Der Messingleuchter, der sonst die alte Kommode in Mutters Stube zierte, könnte ersetzt werden; vielleicht finden wir beim Drechsler oder Schnitzer ein passendes Stück. Auch ein zierlich gedrechseltes Salznäpfchen oder Salatbesteck macht jeder Hausfrau Freude. Oft fehlt auch ein Brotkorb aus gespaltener Weide in schönem Muster geflochten, oder gar ein Nähkorb, geräumig, fest gearbeitet und doch zierlich. Und dann sind da noch ganz andere Dinge, rein persönlicher Art, die die Verbundenheit der Familie beglückend fühlen lassen: ein hanvgebundenes Album mit den Photos der Kinder, des Mannes, der vielleicht im Felde steht, und hin und wieder ein Bildchen schickt. Auch eine handliche Briefmappe, die jetzt für Feldpostbriefe an den Mann oder den Sohn besonders fleißig benutzt wird. Das persönlichste Geschenk ist vielleicht ein künstlerisches Bildnis vom Photographen. Das sind nur wenige Vorschläge. Aber eine Fülle schöner Sachen, auch für schmale Beutel, ft-nden wir in den Läoen.
Schätze der Welt au sein vermag; denn eine echte Mutter empfindet chr tiefstes Lebensglück darin, zur Spendern des Lebens berufen zu fein; als Hege- rin des kindlichen Daseins, als Pflegerin des kindhaften Werdens fühlt sie sich — oft unbewußt, doch dann um so inniger — zur Hüterin volklicher Zukunft bestellt. So teilt sich der Reichtum der einzelnen Mutter der Vielheit der Nation aus, und es spricht für die Sittlichkeit unserer germanischen Vorfahren, daß sie es ziemlich fanden, auch eine fremde Frau, bejren werdende Mutterschaft sie erkannten,
Zum Muttertag gehören vor allem Blumen, wie sie uns Garten, Wald und Wiese jetzt verschwenderisch schenken. Aber wir wollen nicht vergessen, daß an Festtagen oft die vorhandenen Vasen nicht ausreichen, also schenken wir zum Muttertag die Blu-1 empfohlen.
Msl öu« schaffen,Lena?
floman von Martina ikckari--helm
31. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Erni läßt die Arme müde herabfallen.
„Siehst du, ich wollte dich immer gern einmal ablösen, aber du mochtest ja nicht!"
Lena sagt das. Das Mädel sieht schlecht aus, denkt sie, sie hat dunkle Ringe unter den Augen.
Erni schüttelt den Kopf. Gerade das langweilige, einschläfernde Drehen ist ihr recht. Beruhigend legt es sich über den inneren Aufruhr.
Lena wiegt ein Wäschestück in der Hand, betrachtet das verschnörkelte Monogramm.
„Du solltest die guten Tischtücher nicht in Gebrauch nehmen, Erni. Heb' nur die besten Stücke für deine Aussteuer auf! So etwas wie dieses schöne alte Damastmuster bekommst du nicht wieder."
Erni mckt die Achseln.
„Ich bleibe doch mein Lebelang auf dem Gräfehof. Da brauche ich keine eigene Wäsche."
Lena sieht fast ein wenig belustigt aus. „Wird schon einer kommen und dich mitnehmen!"
„Keiner wird kommen", Heftigkeit und Trotz brechen ungehemmt hervor, „keiner, weil — weil—
Plötzliches Verstummen. Rot bis unters Haar wendet sich Erni ab. Lena sieht forschend zu ihr hin. Ahnungen steigen auf, die zu Gottfried führen. „Nun, Erni, weil?"
Der Wunsch, klar zu sehen, zwingt Lena, weiter- zufragen.
„Weil der Richtige nicht kommen kann —"
Hemmungslos ist aus Erni hervorgebrochen, was sie bewegt.
„So, ach so, der Richtige? So, er kann nicht kommen?"
Erni nimmt Lena das seidenglänzende Damast- tuch aus der Hand und wirft es unsanft in den Korb.
„Es hat keinen Zweck, davon zu sprechen."
„Es hätte vielleicht doch Zweck, davon zu sprechen", sagt nun Lena, sich zur Ruhe zwingend. Auch in ihr fängt das Blut an zu fingen.
Aber Erni tut, als fei das Gespräch für sie abgetan. Sie steht am Mangeltisch und fegt Wäsche auf das Leinentuch. An ihren fahrigen Bewegungen sieht Lena, wie aufgeregt sie ist.
Da plötzlich schießt die unüberlegte Frage aus Ernis übervollem Herzen: „Hat dir denn Gottftied Bonhoff geschrieben?"
Fremd uno dunkel ist ihre Stimme, die Gräsesche Leidenschaft hat sie völlig verändert.
Lenas Knie zittern. Sie setzt sich auf die weißgescheuerte Bank, die vor dem Fenster steht, dreht dem Licht und der Sonne den Rücken. „Ach — so steht es um dich!"
„Wie meinst du das?"
„Wir wollen doch kein Theater voreinander spielen, Erni!"
(Ernt stampft mit dem Fuß. „Ich will nicht, daß mir davon sprechen."
„Warum sollen wir nicht davon sprechen? Im Grunde ist es doch eine furchtbar einfache und verständliche Sache. Ein junges Mädel verliebt sich in einen hübschen, stattlichen Kerl — man müßte das doch verstehen."
Das letzte sagt Lena mehr zu sich selbst. Vielleicht hat sie alles nur zu sich selbst gesagt. Es liegt in ihren Worten etwas wie trauernde Fügsamkeit. Man kann doch an der Tatsache nicht vorbei, daß Jugend zu Jugend will! Ist sie selbst neben Gottfried Bonhoff nicht alt? Vier Jahre älter, gewiß, das ist nicht viel, aber dort steht Erni, blühend, frisch, achtzehnjährig. Ja, steht sie nicht da wie rin lebendiger Vorwurf gegen Lenas Bund mit Gottfried Bonhoff?
„Sprich dich doch aus, Erni!"
„Was soll ich sagen? Du wirst mich am wenigsten verstehen. Um dich scharen sie sich nur so, die Man- ner. Du hast Gottfried, du hast den Großen, der halb verrückt wird vor Liebe zu dir —"
Nun muß Lena fast lachen. „Ach so, und jetzt willst du, daß ich dir einen davon abgehe!"
Rücksichtslose achtzehn Jahre — fordernd und nur auf sich selbst bedacht!
„Und was sagt Gottftied zu allem?"
Lena hält den Atem an, sie weiß, daß sie mit dieser Frage ein unerhörtes Mißtrauen ausspricht, das vielleicht ihr Verhältnis zu Erni aufs schwerste gefährdet.
Aber Ernis Antwort ist nur unwirsch, sie zeigt deutlich, wie unreif das Mädel im Grunde noch ist, ja, ihre Worte geben eigentlich Lena den Besitz Gottfrieds wieder in ihre Hände.
»Ach der = Lena und immer wieder Lena! Und
weiter nichts. Ohne sich von mir zu verabschieden ist er fortgegangen."
Sie wendet sich ab, beginnt wieder mit der Arbeit, vielleicht auch nur um ihr rotes, verlegenes Gesicht zu verbergen.
Lena sieht alles, sieht auch die Tränen unaufhörlich auf das Mangeltuch fallen.
„So, und was machen wir nun?"
„Nichts, gar nichts machen wirk Eine alte Jungfer werde ich! Im Leben gucke ich keinen Mann mehr an, wenn sie zuletzt alle so sind."
Lena müßte nun eigentlich aufstehen und die Erni trösten. Aber sie kann sich nicht dazu über» winden. Vielleicht hindert sie das dumpfe Gefühl, daß (Erni ihr nicht alles gesagt hat, was zwischen ihr und Gottfried vorgefallen ist. War nicht auch Gottfrieds Wesen zuletzt unausgeglichen und unruhig? Alle Begebenheiten auf Diesem Gräfehof haben die Neigung, schwer und unlösbar zu werden, in einem großen Wirrsal zu enden, stellt Lena seufzend fest.
„Schluß!" ruft (Erni, noch einmal ihrem Trotz nachgebend, vom Mangeltisch herüber. „Kein Wort wird mehr davon gesprochen."
„Ja, vielleicht ist es auch besser so."
Lena kann nicht ändern, daß sie diese Worte in einer sonderbaren Betonung gesagt hat. Sie sieht noch, wie Erni getroffen auffährt und ein für sie beschämendes Lauern in ihren Augen blitzt.
Lena nimmt still ihre Arbeit wieder auf. Gedanken kommen und gehen, rumoren und quälen. Ernis Frage, ob Gottftied geschrieben hat, fällt ihr jetzt wieder ein. Sie ist unbeantwortet geblieben.
Hat Lena sich verzehrt nach einem Wort von Gottfried? Nein! Ihre Sorge, ihr Bangen galt einem anderen. Gottfried ist nicht nur aus ihrem Gesichtskreis, er ist auch aus ihrem Gedankenbereich gegangen.
(Ernt druckt ihr die schwere Decke in den Arm.
Ach, es gäbe vieles zu sagen und zu fragen. Aber die Scheu vor dem gesprochenen Wort ver- schließt ihr den Mund.
Der Hutberg hat heute des erste Mal eine Nebel- krause aufgesetzt. (Eine kühle, blaue Luft, die die Ferne klarmacht, hat sie später weggeweht.
Hänischlob spricht davon, daß man nun bald ans Teichfischen denken müsse.
Ja, Teichfischen! Das kann man sich such nM
ohne den Großen denken. Am Mönch den Schützen ziehen, mit dem Hamen das Wasser abfischen. Für den alten Gräfe ist das nichts, den ganzen Tag draußen in Schlamm und Nässe zu stehen. Ein saftiger Hexenschuß wäre ihm sicher, eine Woche lang würde er wie ein Holzweibel humpeln.
„Der Hefenfrcmz muß dieses Jahr hinaus" b-> stimmt Hänischlob.
Hefenfranz aber hustet ihm eins! Er hat seins liebe Not mit der Brauerei. Sieht denn keiner, wie dort der Große fehlt? Den ganzen Tag ist er im Betrieb gewesen, Leute, habt ihr eine Ahnung, wie man ihn jetzt vermißt! Der Alte kennt nur Wettern und Raunzen, zumal jetzt, da er den Kopf so voll hat. Der Doktor? Lieber Gott, der Doktor! Der steckt höchstens mal die Nase rein und sagt: „Na, Leute, wie geht's, wie steht s? Geht alles um den Ring, ja? Tüchtige Kerle seid ihr alle, Leute!" Ja, so ist der Doktor, macht einen Witz, sorgt für frische Luft und, schwupp, ist er wieder fort. Nein, der Große ist nicht zu ersetzen, alles, was recht ist!
Kein Wunder, daß sie denken, die Sonne gehe auf, als eines Morgens Hermann, so mir nichts dir nichts über den Hof geht, nach dem Wohnhaus zu.
Von Mund zu Mund geht bis Kunde, und während die Belegschaft beim Frühstück sitzt und ein jeder sich immer abwechselnd ein Stück Wurst und ein Stück Brot in den Mund schiebt, da nickt einer dem andern zu: „Nu werd's endlich wieder autt! 's war ni meh schiene hier uff’n Gräfehof — näh--"
3m Flur des Gräfehauses aber stehen Lena und Hermann sich als erste gegenüber.
Lena duckt sich wie unter einem Blitzstrahl, so erschrycken ist sie über Hermanns unvermutetes (Eintreten.
„Du hier?"
Ohne daß sie es weiß, strecken sich ihre Hände dem Eintretenden entgegen. Aber Hermann scheint diese Hände nicht sehen zu wollen. Er schiebt sie weg, ohne sie anzufassen. Er steht vor Lena. Ist er je so groß gewesen, um Hauptes Länge großer als sie? Oder macht es, weil etwas Neues, Straffes in seine Gestalt gekommen ist? Eine niegekannte Festigkeit? Und feine Augen? Wie haben sich diese Augen verändert? Stahlgrau und hart sind (1&
(Fortsetzung folgte


