Nr.91 Zweites Statt
Gießener Anzeiger (General-Anzetgrr für Oderheffen)
Aus der Stadt Gießen.!
Nur ein Rasenstückchen...
| Hinter dem Hause befanb sich bisher ein Rasen- iuckchen. Nicht gerade grafe, etwa ein Dutzend । Schritte irn Geviert. Im Sommer gedieh dort e^n lUißchen Gras, um das sich kaum jemand kümmerte
Ilm so verwunderlicher erschien es, als sich am letzten Sonntagmoraen der Hausverwalter dort au chaffen machte. Er steckte den Boden ab, betrachtete ios Fleckchen von allen Seiten und ging dann ruitia !oran, das Erdreich mit dem Spaten aufzubrechen
In dem Haufe wohnen sechs Familien. Kein Lunder daß das Verhalten des Hausverwalters -roße Aufmerksamkeit errege. Die Frauen erschie- en am Fenster und blickten gespannt in den fiof ^nÄ\rjJf/neflri>er ^auen, ,/Sie graben wohl ach Gold? Der Angeredete richtete sich auf stützte "ch auf fernen Spaten und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Gold wohl gerade ücht, aber Gold haben wir pa auch nicht nötig." >ann machte er sich daran, weiter zu graben Bedächtig setzte er einen Spatenstich neben den andren. „Das soll mich aber nun wirklich wundern" neinte die Frau zu ihrer Nachbarin, „bie Graberei 31 es doch bisher nicht gegeben. Irgendwas muß od) dahinter stecken."
Es steckte in der Tat etwas dahinter. Schon bald vor es deutlich sichtbar, daß der Hausverwalter üneswegs die Absicht hatte, nach verborgenen Schätzen zu fahnden. Er grub vielmehr das ganze Rasenstück mit aller Sorgfalt um, brachte dann instlichen Dünger herbei, den er gleichmäßig veralte und mit dem Erdreich mischte. ,Hetzt weiß ich, >as er will", sagte die Frau, „er will uns eine lugenfreude machen und was pflanzen. Ob er wohl vit Tulpen ankommen wird? Ich bin gespannt."
Aber es wurde nichts aus den Tulpen. An Blumen hatte der Mann wirklich nicht gedacht. Es Awebten ihm realere Dinge vor. Am nächsten Lbend offenbarte er sich der Frau. „Sehen Sie kal", sagte er mit bedeutungsvollem Nicken, „wir rfinden uns doch im Krieg, und da ist es eigentlich ? ne Schande, wenn so ein Stückchen gute Erde ^achliegen soll. Sie wissen doch, wie nützlich in der üche immer die Zufuhr an frischem Gemüse ist. uch Kopfsalat ist nicht zu verachten, und äußerem kann man noch alle Küchenkräuter da unten »chen". Er deutete aus dem Fenster des ersten ■ Stockwerks mit der Pfeife auf den Hof. „Glauben Cie, daß das eine gute Sache ist?"
Die Frau glaubte es ihm aufs Wort. Sie glaubte j um so mehr, als der Mann ihr einen von den
ften Salatköpfen versprach. „Gratis, aus guter lachbarfchaft, versteht sich." Seitdem ist das Jnter- se der Frau noch größer geworden und das der irrigen Hausbewohner nicht minder. Aus dem leckchen Erde hinter dem Hause, das nur ein asenstückchen war, ist ein schmuckes Gärtchen ent- Iinden, das reichlichen Lohn für alle Aufwendun- -n spenden wird. War das nicht ein glücklicher Ge- I bmke? W. H. Sch.
Lornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Volkstümliche Dorträge und Vorlesungen der Ludwigs-Universität Gießen: 20.15 Uhr Vortrag, Professor Vogel über „Aufgaben der Tierzüch- Ung und Tierhaltung zur Ernährungssicherung", im Lmdwirtschaftlichen Institut, Senckenbergstraße 17; .20.15 Uhr Abendvorlesung, Professor von Gall I über „Land und Leute von Mexiko", mit Lichtbildern, im Großen Physikalischen Hörsaal, Stephanstraße 34. - Gloria-Palast (Seltersweg): „Feuertaufe". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Frau im Strom".
Oberhessischer Kunstverein: Ausstellung Walter -roll, Gießen, von 17 bis 18 Uhr im Turmhaus am 'and.
Alte Höfe.
Es ist begreiflich, daß man im Frühling fast nur l >ch den Gärten, Anlagen und Balkonen sieht und »krgißt, einen Blick auf das Stiefkind des Hauses, bin Hof, zu werfen, der meist gar nicht so grau urd häßlich ist, wie es zunächst zu sein scheint. Be°
Gebt zur Metalttpende!
Merkmale der Metalle.
Die charakteristischen Merkmale der zur Sammlung aufgerufenen Metalle sind folgende:
1. Kupfer fast ausnahmslos kenntlich durch den allgemein bekannten roten Farbton. Kommt im Haushalt vor in Form von Schalen, Aschenbechern« Mörsern, Kesseln, Töpfen und anderen Geräten.
2. Messing bekannt durch seine gelbe Farbe und durch das meist blanke Aussehen. Kommt im Haushalt vor in verschiedensten Formen als Gebrauchs- und Ausstattungsgegenstände.
3. Bronze kenntlich an dem meist bräunlichen Farbton. Im Haushalt im allgemeinen nur in Form von Ausstattungsgegenständen (Plastiken, Schmuckschalen usw.) vorhanden.
4. Zinn kenntlich an dem bekannten st u m p f e n Farbton, den ältere Zinngegenstände fast ausschließlich zeigen. Ferner an der Weichheit des Materials. Zinngegenstände lassen sich mit einem Messer leicht anschneiden. Kommt im Haushalt vor in Form von Tellern, Geschirr, Dosen, Schalen, Krügen, Vasen und ähnlichen Geräten, z. T. auch als Plastiken und sonstigen Gegenständen. Don Blei zu unterscheiden durch das wesentlich geringere Gewicht.
5. Blei ist kenntlich an der grauen Farbe und dem verhältnismäßig schweren Gewicht des einzelnen Stückes sowie an der Weichheit des Materials. Ausstattungsgegenstände und Gebrauchsgegenstände aus Blei sind in Haushalten selten anzutreffen, es wird im allgemeinen vorkommen in Form von Stücken alter Rohrleitungen oder als Spielsachen wie Bleisoldaten und ähnliche Erzeugnisse der Spielwarenindustrie.
6/7. Nickel und Neusilber. Gegenstände aus diesen Metallen sind allgemein kenntlich durch ihr blankes Aussehen. Die sehr weit verbreiteten Gebrauchs- und Ausstattungsgegenstände der Württembergischen Metallwarenfabrik sind fast allgemein Neusilber. Es ist nicht erforderlich, Nickel und Neusilber bei der Ablieferung der Spende voneinander zu unterscheiden, da beide Metalle durch die Metallspende mit ersaßt werden.
Es wird nochmals darauf hingewiefen, daß Gegenstände aus Gold und Silber, Leichtmetallen und Zink nicht der Spende unterliegen.
Jede Hausfrau wird genau wissen, welche Gegenstände in ihrem Haushalt aus Gold und Silber hergestellt sind, sodaß hierzu weitere Anleitungen nicht gegeben zu werden brauchen.
Münzen und Plaketten willkommen!
Es wird darauf hingewiesen, daß auch die Abgabe von Münzen und Plaketten jeder Art bei der Metallspende des deutschen Volkes äußerst erwünscht ist. Selbstverständlich kommen hierfür nur außer Kurs gesetzte Münzen in Frage sowie solche Plaketten, die nicht einen besonderen künstlerischen oder historischen Wert haben. Es wird besonders aufmerksam gemacht auf die große Anzahl alter Nickel-, Messing- und Kupfermünzen, die sich noch in Privat- besitz befinden.
Eine zweite Eammelstelle in Gießen.
Wegen des starken Andranges in der Metallsammelstelle Gießen im Hause Marktstraße 18 hat der Oberbürgermeister eine zweite Metallsammel- stelle auf dem städtischen Lagerplatz, Steinstraße 9, zur Entgegennahme von Metallspenden eröffnen lassen. In dieser neuen Sammelstelle kann man besonders sperrige Stücke und größere Mengen von Metall leichter als in der Sammelstelle in der Marktstraße abliefern.
Oie Metaltspende des Adolf-Hitler-Hauses.
Alle Parleidienststellen handeln entsprechend.
NSG. Auf Grund einer zu Beginn der Metallspendeaktion ergangenen Anordnung des Gauleiters werden zur Zeit aus dem Adolf-Hitler-Haus — dem neuen Dienstgebäude der Gauleitung am Horft- Weffel-Platz in Frankfurt a. M. — alle Gegenstände, die aus den zur Sammlung auf gerufenen Metallen bestehen, ausgebaut und der Metallspende des deutschen Volkes zum Geburtstag des Führers übergeben. Alle Dienststellen der Partei, ihre Gliederungen, angeschlossenen Verbände und betreuten Organisationen haben entsprechend gehandelt. In selbstverständlicher Weise leistet die Partei damit auch ihrerseits einen beispielhaften Beitrag für die Erfassung der Metallreserven, um sie im Existenzkampf unseres Volkes zum Einsatz zu bringen.
sonders die alten Höfe in den kleineren Städten sind erfüllt von stillen Schönheiten und eigenartigem Zauber. Sie haben noch ein Stück Heimatgeschichte, und man glaubt, die Zeit wäre lautlos an ihnen vorübergegangen, um sie in ihren Träumen nicht zu stören. Im Schatten der spitzen Giebel erzählen sie von dem Vergangenen. Alte Stallgebäude stehen windschief und vornübergeneigt da, ihr Fachwerk ist rissig geworden, ihr tief herabhängendes Dach von dunkelgrünem Moos überwuchert. In ihrer nächsten Umgebung wachsen Fliederbüsche und Holundersträuche. Auch sie haben nun Knospen an- gesetzt und warten, bis sie mit ihren Blättern die kleinen Vogelnester in ihren Astgabelungen behutsam verstecken können. Efeugerank verdeckt das Stück einer alten Mauer und versucht, an der Hauswand hochzuklettern. Ausgetretene Steinstufen führen zu der Haustür, an der man hin und wieder Schnitzereien beobachten kann, die von dem Sinn unserer Vorfahren für Stil und Echtheit sprechen. Oft findet man in ganz alten' Höfen Laubengänge, die sich zum mindesten an einer Seite entlangziehen. In der Höhe des ersten Stockes lassen schöngeschwungene Bögen den Blick auf den Hof frei, sie sind überdeckt von einem mit Holzschnitzereien verzierten Dach. Ein handgeschnitztes Geländer zieht sich von einem Bogen zum andern. Das Holz der Pfeiler, die den Laubengang tragen, ist altersgrau und verwittert, oft sind Jahreszahlen eingeschnitten, oder irgendwelche Verzierungen angebracht. Immer nimmt man an, daß man seine Stadt genau kennt. Wer aber mit offenen Augen und offenem Herzen verborgenen Winkeln nach-
fpürt, wird noch unendlich viel Neues und Schönes entdecken.
Zinkgefäße sind nicht für Lebensmittel.
Trotz wiederholter Warnung vor der Benutzung verzinkter eiserner Gefäße zur Aufbewahrung oder Zubereitung von Lebensrnitteln find immer wieder Vergiftungserfcheinungen vorgekommen. Es wird darauf hingewiefen, daß Vergiftungen durch den Genuß zinkhaltiger Lebensrnittel meist auf die Verwendung von Zinkblecheimern oder Zinkwannen, die an sich als Lebensmittelbehälter nicht bestimmt sind, jedoch mangels anderer Gefäße bei der Zubereitung von Speisen verwendet werden, zurückzuführen find. .Sülche Zinkgefäße dürfen zwar zur Beförderung von Wasser, aber keinesfalls zur Beförderung oder Aufbewahrung von säurehaltigen oder leicht säuernden Lebensrnitteln, wie Sauerkohl, Kartoffelsalat, Fleischsalat, Milch, Fleisch, Marmelade,. Obstsäften, Wein, Brotteig usw. verwendet werden, da diese Lebensrnittel durch Berührung mit Zink in kürzester Zeit gesundheitsschädlich werden und Massenvergiftungen Hervorrufen können.
Anstrich der Glasscheiben nur als zusätzliche Verdunkelung erlaubt.
In einem Erlaß stellt der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe die Verwendung des Anstrichs von Glasscheiben für Der- dunkelungszwecke klar. Das Abblenden der Lichtaustrittsöffnungen ist, wie der Erlaß sagt, vielfach behelfsmäßig durch Bekleben ober Anstrich der
Gießener Gtadiiheater.
Sigmund Graff: „Die Primanerin".
Tine Aufklärung zuvor: man tut dem Autor ge- vife nicht, Unrecht, wenn man sein Kind beim rech- h Namen nennt und feststellt, daß seine „Pri- Anerin" die Gattung der Schulkomödien nur von | ferne streift, wenn er auch sein Lustspiel, ober belfer ] lejagi seinen Schwank, mit einer Reihe von Schul- vtlster-Karikaturen bewährten Musters und berder- f?i Geschlechts bevölkert hat. Sie sind aber doch nur kis schmückende Beiwerk, freilich ein nicht zu unter. ätzendes, wenn man auf den Publikumserfolg fest, alber die Hauptsache ist eben doch das hübsche, fffkilche, junge Mädel, das von der Schulbank weg fki berühmten Arzt heiratet, der ihm so verstand- I Rrvoll aus einer Patsche geholfen hat. Wie die I Stiu Professor bann aber nach den Flitterwochen I toir dem vielbeschäftigten Gatten allzu oft allein- Msen wird, meldet sich die Sehnsucht nach dem tiitn Pflichtenkreis, und es bedarf kaum noch eines iuzeren Anstoßes durch das Zusammentreffen mit «rem ehemaligen Lehrer und einer früheren xiap kameraöin, um die Frau Professor wieder in fite Prima zu führen mit dem Ziel der frifung vor Augen. Freilich inkognito als Munoei ks Gatten, und daraus ergibt sich dann eine Fülle ter Konflikten und Verwirrungen, an deren ßnoe jhl.eßlich die „Primanerin" zwar wegen durchaus dongelhafter Leistungen und ungehörigen -Lstra- strs von der Schule verwiesen wirb, die Prüfung toi dem Gatten aber um so besser besteht.
Konsequenz ist nicht die Stärke dseses Stückes. Sir Charakter der „Primanerin" werden zwar Yin di! wieder ernstere Saiten angeschlagen, aber schne diLer fallen gelassen, um sich dann ganz auf oie Wirkung handfester Situationskomik zu vertanen. Üi Regie Hans Geißlers hatte mit einem ge- bderten munteren Spiel wohl den rechten Ton Q, - Men, besonders die recht aufgepulverten öCtju = kt.en zeigten Männlein und Weiblem samt an inbers mit innigem Behagen beim Werk. (Duhnen, fiter: Karl Löffler.) Die Titelrolle hatte Elisa- bti Leipre cht sehr nett auf jene etwas unklar ■oitantif, jene schwärmerischen Gefühle angelegt, unsere Achtzehnjährigen zu allen Zeiten auf oer ple zwischen Schule und Leben zu etwas Beson- :t’-m machen. Sie und Viktor von G s ch m ' r • als ihr Gatte, der mit überlegenem Humor
I *6 Schwindeleien seiner kleinen Frau deckt, h , W. am sichersten den Absichten des Autors ent
sprochen. Karl Dolck war ein höchst verständnisvoller, behaglich schmunzelnder Herr Papa, Rose Stirl die exaltiert besorgte Mutter, Jngeborg Riehl, als Gegenstück zu der kleinen „Primanerin", die mondäne Frau, mit allen Wassern gewaschen. Das Lehrerkollegium mit Gert Geiger an der Spitze zeigte die bekannten Typen: den Zi- taterid) mit Rauschebart, Röllchen und Zwicker (Gerhard Reuter), den wohlwollenden Elegant (Walter Erl er), den moralintriefenden Blaustrumpf (Hilde Heinrich) und die Naturmaid mit schallender Stimme und Gretchenkostüm (Cilly Mauer). Die Prima führte Anneliese Garbe an, em munteres Früchtchen, das jeder echten Schulklasse zur Zierde gereicht hätte. In kleineren Rollen sah man die Herren Can inenberg,Lowitz und S et tz, die Damen Eiben und Neuhausen. — Das sehr crut besuchte Haus unterhielt sich vortrefflich. Mehrfach gab es lebhaften Applaus bei offener Szene und zum Schluß viele Hervorrufe und Blumen. Dr. Fr. W. Lange.
Liniere Beiiy.
Don Judith von Gacow
Wie wir dazu kamen, wieder Hühner anzuschaf- fen habe ich schon erzählt, aber nicht, wie es weiter qinq Es kam nämlich der Polarwinter, gleich nach- dem der Hahn Siegfried eingezogen war und sich seinem kleinen Harem höflich und, man kann zunächst sagen, bescheiden zu Diensten empfohlen hatte. Wir stopften nun jede Ritze des ötallcs aus, stellten •Strohmatten vor Türen und Fenster und breiteten SÄ auf den Fußboden. Schließlich tat es uns leid, nicht selbst dort wohnen und so nett auf ben Stangen sitzen zu können. Sieben Hühner und stn Hahn — welch glücklicher Ausblick! Nur eins wollte uns nicht gefallen: das große, stattliche Huhn Emmy hatte wohl eine Anzahl Eier gelegt bie allerdings als Winbeier klassifiziert würben. Aber noch bem Erscheinen Siegftiebs horte bas auf. Statt dessen wuchsen Kehllappen und Kamm sehr auffällig und bas Huhn Emmy bekam eine tiefe Kullerstimme.
Das wird ein Hahn!" sagte ich entsetzt - „Unsinn" erklärte der Hausherr, „die acht Eier sind 'Tntfadte selbst wenn es Winbeier waren!
Ablr-nach Hn'ifl'r Z-'t ist Emmy ein feister Gockel, jst kein Zweifel, nur greift er nicht in otegfrtebs Reck e ein. Schließlich bst der Broten auch nickst. zu verachten, das Messer wird gewetzt, und der Anblick
von ui er Pfund delikaten Fleisches läßt die Enttäuschung vergessen. So haben wir also sechs Hühnchen. Nur schabe, daß es so späte Küken waren und so unausgewachsen, als wir sie bekamen. Sie fressen toll — besonders die zwei Kleinsten. Merkwürdig hohe Beine bekommen sie. Auch müssen diese Beiden Großmütter mit Sichelschwänzen gehabt haben, was eigentlich bei Hühnern nicht üblich ist. Kurzum, sie bekommen — sozusagen über Nacht — beide schön geschwungene Sicheln.
„Das werden auch Hähne, da können wir lange warten, bis die Eier legen, die legen nicht einmal Windeier!" sage ich. Das sei eine Frauenzimmeridee, wird mir erklärt. Inzwischen sind 30 Grad Kälte nachts, den ganzen Tag laufen wir mit warmem Trinkwasser und warmem Futter. Die zwei .Kleinen" fressen so, daß wir uns tüchtig tummeln müssen. Aber nachher, wenn sie alle legen, wird das vergessen sein.
Das geht eine Weile so hin. Bei klirrendem Frost und strahlender Sonne spaziert die Schar auf dem Hühnerhof, und wir betrachten sie in frohen Zukunftgedanken. Da stellen sich die beiden .Kleinen" in Positur, sträuben die Halskrägen und krähen so recht aus voller Brust. „Das ist doch des Teufels!" knurrt es neben mir, und niemand wird es mir verdenken, wenn ich lache, daß ich nicht wieder aufhören kann. Aber was jetzt tun? Eine hilfreiche Freundin (die dies hatte kommen sehen!) nimmt die zwei Biester und gibt dafür eine Henne, die schon bei Jahren ist, eine stille Witwe, kann man sagen. Schwarz ist sie auch. In sanfter Trauer wandelt sie auf und nieder am Zaun, lebt sich aber schließlich ein. Sie heißt Minka.
In dieser Erscheinungen Flucht bleibt nur eines der ruhende Pol: Betty, die gute, dicke Weiße. Sie legt vier Tage hintereinander. Zu ihr gehe ich und streichle sie, wenn sie auf der Stange sitzt, und klage ihr meine Not. Wir haben kein Geld, noch mehr Hühner zu kaufen. „Bettychen, was machen wir nur?" Kurz danach gerät Betty in einen wahren Taumel des Legens. Sie legt Doppeleier und an einem Tage sogar zwei. Dann macht sie „Ruck- Ruck" und „Gluck-Gluck", wird breit und pompös, geht nicht mehr fort aus dem Nest. Wir begreifen: sie hilft uns auf die beste Weise, sie will uns ein ganzes Nest voll ausbrüten! Kaum ist das Gelege beisammen, da sitzt sie auch schon in einem Kistenhaus im Dämmerdunkel und gerät in einen sonderbaren Trancezustand. Wird sie — einmal täglich — hinausgeführt,, so taumelt sie und bleibt zunächst, wie ein Porzellantier, sitzen im Stroh. Schnell wer-
Donnerstag, 18. April (940
Ausruf!
An alle Betriebssichrer des Kreises Wetterauk Bef rifff: Gemeinschaftsempfang der jugendlichen am Geburfslag des Führers am Samstag, 20. April 1940.
Anläßlich des Führers Geburtstag spricht der Stellvertreter des Führers Pg. Rudolf Heß am Samstag, 2 0. April 1 940, vormittags 8 Uhr zur schaffenden deutschen Jugend.
Die Betriebsführer wollen aus diesem Anlaß sofort in Verbindung mit dem Befriebsjugendwalfer alle Vorbereitungen zum Gemeinschaftsempfang treffen.
Das Antreten der Jugendlichen soll nach Möglichkeit in HI.- bzw. BDM.-Uniform erfolgen.
In Gießen steht den Betrieben und Schulen, welche nicht in der Lage sind, einen Gemeinschaftsempfang durchzuführen, das Lichtspielhaus. Bahnhofstraße, zur Verfügung. Die hierfür in Frage kommenden Betriebe wollen sich sofort mit dem Kreisjugendwalter der DAF. in Verbindung sehen. Die Plätze müssen bis um 7.45 Uhr dort eingenommen sein.
heil Hitler!
I. V. gez. Reih, Kreisobmann.
Glasscheiben burchgeführt worben. Diese behelfsmäßigen Verbunkelungsmaßnahmen können am Tage nicht entfernt werben und verhindern dadurch die ausreichende Beleuchtung der Räume mit Tageslicht. Aus diesem Grunde tritt für künstliche Beleuchtungszwecke ein erhöhter Strombedarf ein. In
starkwirksam, gegen Zahnsteinansatz, zahnfleischkräftigend, mild aromatisch, - und so- preiswert!
die große Tube die kleine Tube 25”
Mikrofein -
Anbetracht der Notwendigkeit sparsamster Verwendung der zur Verfügung stehenden Energien müssen die Derdunkelungsmittel zum Abblenden der Lichtaustrittsöffnungen leicht abnehmbar gemacht werden. Sie müssen auch abgenommen werben, sobald die Räume bei Tage benutzt werben. Im übrigen wirb daraus hingewiesen, daß Anstriche der Glasscheiben von Fenstern, Oberlichtern usw. nur als zusätzliche Verdunkelungsmaßnahmen zulässig sind und daß die ausreichende Beleuchtung der Räume mit Tageslicht durch den Anstrich nicht wesentlich beeinträchtigt werben darf.
Som Setterstor.
Die Umbauarbeiten am Selterstor sind in der jüngsten Zeit rasch vorangekommen. Im Horst- Weffel-Wall zwischen der Bahnhofstraße und bem Selterstor sind die auf der (von der Bahnhofstraße her gesehen) rechten Straßenseite gelegenen Vorgärten nunmehr völlig beseitigt worden, an deren Stelle ist ein breiter Bürgersteig entstanden. Zwischen dem Bürgersteig und der Fahrbahn hat man einen Radfahrer weg geschaffen, der in Zukunft bie Bürgersteige bzw. die Fahrbahnen am Selterstvr voneinander trennen wirb. Der neue Bürgersteig in biesem Teil des Horst-Wessel-Walles ist bereits mit Platten belegt worben und dient schon dem Verkehr. Nunmehr wird der Straßenteil des Horst- Wessel-Walles zwischen der Bahnhofstraße und dem Selterstor, nach der Tieferlegung des Bürgersteiges, auch in der Fahrbahnstrecke etwas tiefer verlegt werden, um die gleiche Niveauhöhe wie am Selterstor herzustellen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Horst-Wefsel-Walles sind zur Zeit die Vorarbeiten für die Schaffung der Parkplatzstraße im Gange, die durch das gegenwärtige Gartengelände in Richtung zum Volksbad geschaffen werden soll. Zur Zeit werden hier die Bäume gefällt, ebenso sind die Gartenzäune bereits beseitigt worben. Die
ben ein paar Körner gepickt und bann rasch-rasch mieber hin zu ben Eierchen, bie sie nach rätselhaften Gesetzen hin und her schiebt. 21 Tage sitzt sie traum- selig auf bem Nest, ba fängt es an, in den Eiern zu piepen. Unruhig lauscht die Glucke und plustert alle Federn noch dicker, als bisher. Da guckt ein honiggelbes Köpfchen vorn heraus, ein voreiliges. .(Sicher ein Hähnchen!) Eierschalen zerspellen, es zwitschert und piept. „Ruck-Ruck" sagt Betty unentwegt. Wunderbar ist es, so neben ihr zu knien, nur zuzu schau en und hier und da ein angepicktes Ei vorsichtig zu lösen, zu sehen, wie darin der kleine Körper atmet und arbeitet in der schweren Anstrengung der Geburt. Zehn Federbällchen wimmeln in Wärme und Dunkelheit unter dem zweckmäßigen Federdach der Mutter. Gut und nützlich möaen die großen Brutanstalten sein — sie bleiben doch langweilig, diese Hunderte von lebend fabrizierten Anwärtern für künftige Eiererzeugung! Hier ist etwas ganz anderes. Betty ist das Sinnbild der Kindermuhme, dieses heiligen Wesens frühester Erinnerung, das nichts ist, als Wärme und Geduld und Güte. „Komm, weine nicht", sagt die Muhme, „ich will dir etwas erzählen. Setze dich in meinen Schoß, ba tut dir niemand etwas."
Wie alt wir auch werden mögen, das vergessen wir niemals und hören auch nie auf, uns danach zu sehnen, so klein, so schutzlos zu sein, wie alle zehn Küchlein in Muhme Bettys Schoß.
3eiffd)riften.
— Das Aprilheft der Monatsschrift „Die Kunst" (Verlag F. Bruckmann, München) würdigt die Arbeit des Dolksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in einer Reihe eindrucksvoller Bilder aus verschiedenen Ländern. Den jungen Lausitzer Maler Willy Müller, Lückendorf, stellt F. U. Apelt heraus als Lyriker, der die Stille der Landschaft liebt. An einem Wandbild von Hermann Geiseler behandelt Christoffel diese neuartige Ausschmückung eines Raumes. Unendlich behaglich sind die Biedermeierzimmer im Historischen Museum-der Stadt München, die uns Konrad Schiessl sehen läßt. Daneben stehen die Bauten der Architekten Elingius und Schramm in Hamburg und Hermann Groch in Murnau. Aus einem Haus der Siedlungsausstellung in Frankfurt werden einfache, aber gut durch- bachte Sieblungsmöbel gezeigt. Dekorationsstoffe ber Stuttgarter Garbinenfabrik bringt M. H. Schilling. Der Gartengestalter Otto Dalentten plaudert über Blütenstauden im Ablauf des Jahres.


