Ausgabe 
17.10.1940
 
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fettige Schnittbogen bietet die Schnitte zu 28 Mo- dellen.

Aus kleinen Wollmengen für Bub und Mädel (214 Jahre) ist der Titel des Beyer-Bandes 428 (Verlag Otto Beyer, Leipzig, Preis 0,50 RM.) Das reichhaltige Heft bringt eine Fülle von Vor­schlägen, kleine Wollgarnreste für Jacken, Pullover, Mützchen, Strümpfe und Handschuhe zu verwenden. Die zwei- und mehrfarbigen Strick- und Häkel­muster sind kindlich und hübsch. Auch gestrickte und gehäkelte Wäsche sowie luftige warme Hausschuhe kann man nach diesem Heft selbst arbeiten.

Die neue Beyer-Pullover-Serie Herbst-Winter 1940/41 stellt wieder eine Auswahl von 12 verschiedenen hübschen und im Materialver­brauch sparsamen Modellen für Damen, Herren und Kindern dar. Das Handarbeiten, z. T. aus Resten, ist ganz leicht gemacht, denn jedes Pullover-Modell erhält man in einer Tüte als Naturgrößen, ge­brauchsfertigen Schnitt, also das ganze Modell in richtiger Größe mit ausführlichen Beschreibungen, genauen Arbeitsproben hat man vor sich liegen. Jeder der einzeln erhältlichenPullover in der Beyer-Tüte" ist für 40 Rpfi zu haben. (Verlag Otto Beyer, Leipzig.)

Rezepte.

Kartoffel-Brotsuppe: 250 Gramm roh geriebene Kartoffeln, 250 Gramm kleingeschnittene 'Schwarzbrotreste, IVs Liter Wasser, Salz, etwas Fett oder Milch. -Die Kartoffeln werden mit dem Brot und Wasser zum Kochen gebracht, etwa 10 Minuten gut durchgekocht. Dann schmeckt man die Suppe ab, gibt zum Schluß etwas Fett oder Mich zu.

Dicke weiße Bohnen: 500 Gramm weiße Bohnen, IVi Otter Wasser, Salz, etwas Fett. Tunke aus 1 Liter Wasser, 50 Gramm Mehl, etwas Mich, Speck, Salz, Zwiebeln, Essig. Die weißen Bohnen werden einen Tag lang tit IVz Liter Wasser ein­geweicht, dann mit dem Einweichwasser und etwas Fett oder Speck und Salz aufgesetzt und 2 bis 3 Stunden langsam gekocht, evtl, über Nacht in der Kochkffte. Zur Tunke bringt man Wasser mit Fett und Gewürzen zum Kochen, bindet es mit dem mit Milch angerührten Mehl, kocht durch und schmeckt ab.

Gespickter Kartoffeligel: Nachdem man 500 Gramm gekochte und geriebene und 500 Gramm rohe Kartoffeln, ebenfalls gerieben, ausgevreßt hat überbrüht man den Teig mit etwas kochender Milch, würzt mit Salz, mengt einen Eßlöffel Margarine und 5 Gramm aufgelöste Hefe darunter, dann kne­tet man den Teig, daß er recht flockig ist. Man formt einen Igel, der, mit stacheligen Speckstückchen be­spickt, mit feingewürfelter Zwiebel und gehackter Petersilie bestreut, im Herde gebacken wird. Man kann den Igel auch mit Quark ober Wiegefleisch füllen.

Hammelfleisch in Weinlaub: Hammel- fleisch wird fein gewiegt mit Salz und Petersilie ge- würzt. Dann läßt man in heißem Fett Zwiebel bräunen, mischt dazu eine Obertasse gewaschenen Reis, den man in heißem Fett gelb werden läßt und gibt zuletzt noch das Fleisch hinzu. Diese Mischung verteitt man auf zarte, mit heißem Wasser abge­brühte Weinblätter, rollt zu Würstchen, die man leicht zusammenbindet, und setzt sie nebeneinander in eine Kasserolle, gibt etwas Fett hinein und gießt noch zwei Tassen Wasser darüber. Die Würstchen werden solange gedünstet, bis das Wasser einge­kocht ist. Beim Anrichten beträufelt man mit Zi­tronensaft.

Gebackene Kürbisschnitten. Der Kürbis wird geschält, geteilt und das Pelzige entfernt Dann schneidet man fingerdicke (ungefähr 10 cm lange) Streifen, übergießt sie mit Essig, salzt, wendet sie in Mehl und Stoßbrot und bäckt sie von beiden Seiten braun.

GrüneWickel (Kohlrabiblätter). Große Kohlrabiblätter, zur Fülle 125 g gehacktes Fleisch, 1 bis 2 abgekochte, erkaltete, geriebene Kartoffeln oder eingeweichtes Brot, Salz nach Geschmack oder gegarte, ausgequollene Gräupchen mit gehackten Kräutern. Kohlrabiblätter mit wenig heißem Wasser (später für Tunke verwenden) übergießen, damit sie sich gut rollen lassen, Hackfleisch mit den Kartoffeln oder dem eingeweichten Brot güt ver­mischen, mit Salz abschmecken, in die Blätter füllen, mit Hölzchen zufammenhalten, wie Krautwickel fertig zubereiten.

Der berühmte Pianist, der schon seit An- oeginn seiner künstlerischen Laufbahn mit Gießen eng verbunden ist, erzählt in dem bei Wilhelm Limpert, Berlin, erschienenen BuchK ü n st l e r p l a u d e r n" von H. E. Weinschenk auch einige interessante Erinne­rungen aus seiner Jugend.

Wer schon in so jungen Jahren so vortrefflich den großen Johann Sebastian Bach spielt, der wird es sicher im Leben zu etwas bringen", schrieb Arthur Nikisch einst dem achtjährigen Wilhelm Backhaus ins Album. Mit sechseinhalb Jahren erhielt der kleine Wilhelm in Leipzig seinen ersten Klavierunterricht. Sein Lehrer war ein Professor des Leipziger Konservatoriums, der seinen Schüler sehr bald mit d'Albert, Grieg und Nikisch persön­lich bekannt machte. Als Achtjähriger trat der kleine Backhaus zum ersten Male öffentlich auf, als Zehn­jähriger bezog er das Konservatorium, lieber feine erste Berührung mit dem Klavier erzählt er selbst folgendes:Ich war wohl zwei Jahre alt, da ver­ließ ich eines Tages mein Stühlchen, trippelte auf das Klavier im Zimmer zu, stolperte und stieß mit dem Kops gegen eine Kante des Instruments. Eine heftig blutende Wunde war die Folge, und geblie- oen ist dieses Mal hier." lieber seinen ersten Auf­tritt erzählt er:Es bestand also fein Zweifel, daß ich Pianist werden würde, nur duldeten meine Eltern nicht, daß ich als sogenanntes Wunderkind schon Konzertturneen veranstaltete. Oft habe ich allerdings bei Veranstaltungen von Gesangvereinen öffentlich mitgewirkt Als Erinnerungsstück an diese Zeit besitze ich eine goldene Uhr, die man mir als äußere Anerkennung für pianistische Mitwirkung überreichte. Der Auftakt zu solchen Konzerten muß auf die Zuhörer immer sehr komisch gewirkt haben. Ich reichte natürlich mit meinen Füßen noch keines- wegs an die Pedale heran. Deshalb hatte ich mir einen Kasten anfertigen lassen, der über die Fuß­tasten gestülpt wurde und aus dem zwei mit den Pedalen verbundene Stangen herausragten, eine Art Stlzen, auf die ich erforderlichenfalls trat. Dor Beginn des Konzerts machte ich zunächst meine Verbeugung zum Publikum, ging dann auf den Flügel zu, bückte mich, um den Pedal kästen auf seine richtige Stellung hin zu prüfen, bann erst tauchte ich wieder auf und setzte mich. Als ich wie­der einmal nach der Begrüßung verschwand, um meine Apparatur nachzukontrollieren, rief ein Herr erstaunt aus: Nanu, der Künstler ist ja schon wie­der weg."

Nach einjährigem Studium am Konservatorium zu Leipzig beschloß Backhaus auch die Schulzeit mit Obersekundareife und kam nach Frankfurt. Hier wollte er sich bei d'Albert, den er schon von Leipzig her kannte, vervollkommnen. Heber diese Zeit bei d'Albert in Frankfurt erzählt Wilhelm Backhaus (nach der gleichen Quelle):d'Albert, der infolge seiner Konzerttätigkeit und seines komposi­torischen Schaffens so überaus stark belastet war, fand noch die Zeit, um mir in 25 Stunden Unter­weisungen zu geben, die für mich von großem Wert waren. Damals hatte d'Albert gerade sein Cello- Konzert komponiert und ließ es im engeren Kreise spielen, um erst einmal das Urteil dieses Gremiums zu hören, ehe das Werk öffentlich aufgeführt wurde. Es erfüllte mich mit großem Stolze, daß ich den Cellisten begleiten durfte, ich spielte die Komposi­tion vom Blatt.

Wilhelm Backhaus hat fast alle Länder Europas bereist, siebenmal war er in den Vereinigten Staa­ten, zweimal in Südamerika, zweimal in Austra­lien und einmal in Aegypten. Dabei reift Backhaus immer mit seinem eigenen Klavierstuhl. Nur so hat er die absolute Gewähr für die sichere Placierung, die beim Spiel so überaus wichtig ist.

Wer große Reisen tut, der. weiß auch zu erzählen. Backhaus berichtet folgende kleine Zwischenfälle, die eines komischen Anstriches nicht entbehren:So gab ich einmal in einermittelamerikanischen Stadt ein Konzert. Als ich das Podium betrat, sah ich, wie eine einheimische Frau mit einem Baby im Arm ihren Platz aufsuchte. Ich habe gewiß nichts gegen Kinder, im Gegenteil aber ich bin der Meinung, daß ein Korzertbesuch ihnen keinen Kunstgenuß verschaffen kann. Ich ahnte schon aller­lei, als ich die Tasten anschlug, und es dauerte gär nicht lange, da plapperte und quakte das Baby, und so ging es während meines ganzen ersten Musikvortrages. Es war Gott sei Dank eine Rhapsodie von Brahms, ein volltöniges Werk

khaus erzählt.

was aber sollte bei Beethovens Appassionata »er­ben, wenn mitten in die zarte Stimmung plötzlich Kindergeschrei ertönen würde? Das war unmöglich, deshalb veranlaßte ich den Konzertoeranstatter, daß er die Mutter höflich ersuche, gegen Rückgabe des Eintrittsgeldes den Saal zu verlassen. Es gab leb­hafte Verhandlungen, schließlich fügte sich die Frau, erklärte aber kopfschüttelnd: Das kann ich mcht Der- K, meine Schwester spielt auch Klavier, aber

.acht nicht so viel Umstände.

Man weiß, daß in Amerika häufig Konzerte in der Kirche abgehalten werben, und bei einer solchen Veranstaltung hatte ich wiederum einen Zwischen­fall mit einem Kinbe. Oben auf der Empore saß ein Junge, der während meines Spieles mcht den Mund hatten konnte. In der Pause sagte ich zu dem Pfarrer: Es ist wirklich so stimmungsvoll hier, auch das Publikum ist ausgezeichnet. Was machen wir nur mit dem Jungen auf der Empore? Der Geistliche tröstete mich: Ach wissen Sie, nehmen Sie das nicht so tragisch, bei meinen Predigten macht er es genau so. Ich mußte wohl ober übel resignieren, ba ich sonst zum Ausdruck gebracht hätte, daß mein Klavierspiel eine bedeutsamere Sache sei als seine Predigt.

In Havanna habe ich es einmal während eines Konzertes mit der Angst zu tun bekommen. Ich spielte an einem Sonntagvormittag in einem Theater, in dem abends eine Zirkusvorstellung fein sollte. Die Tiere waren bereits eingetroffen, und man hatte die Käfige in den unter der Bühne lie­genden Raum geschafft. Als ich nun oben spielte, hörte ich unter mir andauernd das Gebrüll der Raubtiere. Ich sah schon die schrecklichsten Bilder vor mir. Wenn nun plötzlich ein Löwe ober Tiger auf der Bühne erscheinen würde? Als ich ausge- aerechnet die Trauermarsch - Sonate von Chopin spielte, war es mir, als sei das meine eigene Trauermusik. Jedenfalls war ich froh, als mein Konzert vorüber war."

Herdstpracht im Garten.

Wenn die Nächte kälter werden, nimmt der Herbst feine Palette zur Hand und malt im Garten neue Bilder. Zuerst kommen ba und dort ein paar leuch­tende, aelbe und rote Lichter hervor, bann vereini­gen sich die Farben, und schließlich durchläuft die Farbenskala alle Töne von Goldgelb, Orange, Hell­rot, Scharlach bis zum dunkelsten Purpur, Violett und Braun.

Der Zeitpunkt der Färbung ist sehr verschieden. Ist der Herbst, trocken, so tritt die Umfärbung zeitig ein, die Farben sind besonders intensiv, allerdings erscheint der ganze Zauber auf kürzere Dauer zu- fammengebrängt, da infolge der Trockenheit die Bäume sehr schnell ihr Laub abwerfen. Ist dagegen der Herbst feucht und nicht zu kalt, so verfärben sich die Gehölze später. Die Umfärbung dauert bann oft ganze Wochen, und es kann vorkommen, baß manche späten Arten grün bleiben, bis ber Frost ihr Laub vernichtet.

Wie leuchtenb rot ist im Herbst ber wilde Wein am Hause oder hn Geäst eines Saumes. Auch ber Baumwürger, ber seinen Namen mit Recht erhalten hat, ist wundervoll in feiner gelben Herbstfärbung unb seinen Früchten. Bei ber Rebe gibt es viele pracht­voll färbende Arten. Am frühesten von allen zeigen die Ahorn ihr buntes Kleib, aber wo sie stehen, liegen halb ihre bunten Blätter auf bem Boden. Ebenso rasch steht ber Dogelbeerbaum mit den schö­nen roten Früchten kahl ba, da das orangerote Laub sich nicht lange am Baum hält. Ihnen schlie­ßen sich bie Eschen an, bie besonders in trockenen Lagen im Schmuck ihrer gelben Blätter nur kurze Zeit aushalten. Wir können uns bas Farbenbilb längere Zeit erhalten, wenn wir den Bäumen einen genügenb feuchten Standort geben. Dann bleiben sie oft bis zum Frost grün. Zu ben Gehöl­zen, bie meist übergangen werden, weil sie so ge­wöhnlich sinb, gehört leider auch unser gemeines Pfaffenhütchen. Leuchtend rot färbt sich im Herbst das Laub, und unter ber Fülle ber rosa bis roten Frucht biegen sich fast in jebem Jahr bie Zweige.

Alle diese Gehölze haben in normalen Jahren ihre Schönheit eingebüßt unb stehen kahl unb ent­blättert ba, wenn Eichen unb Buchen erst ansan-

3m Vertrauen gesagt...

Man verrät kein Geheimnis, wenn man nieder- schreibt, baß bie Welt heute ungebulbiger benn je ist. Unb so kommt es benn, daß viele unter uns gewissen Gerüchten ein williges Ohr leihen, beson­ders bann, wenn sieunter bem Siegel der streng­sten Verschwiegenheit" weitergeflüstert werden. Da hat zum Beispiel jemand eine Tante, deren Sohn mit einem Arbeitskamevaben gut befreundet ist, bes­sen Schwager im selben Haus mit einem Ministe- rialbeamten wohnt, der engste Fühlung mit einer burchaus maßgebenden ©teile'' hat. Unb biese maßgebende Stelle, die es genau weiß, hat burch- blicken lassen, daß esnächstens eine große lieber- raschung geben wird". Ganz abgesehen davon, daß bieWeisheit" so wett hergeholt ist, daß man ihr kaum Glauben schenken kann, so stellt sie auch noch eine nicht scharf genug zu verurteilende Be­leidigung aller jener Maßgebenden bar, die tatsäch­lich um das Kommende Bescheid wissen. Denn ge­setzt den Fall, daß einer von ihnen wirklich weiß, daß es Demnächst losgeht", glaubt denn jemand im Ernst, daß er es bann weitersagen würde? Würde dieser Weitersagende nicht vielmehr schweren Landesverrat begehen? Ganz bestimmt! Da wir in­dessen wissen, daß die für Deutschlands Zukunft ver- antwortlichen Männer, je mehr sie wissen, desto schweigsamer sind, so tragen alle derartigen Gerüchte den Stempel ber Unwahrheit und Unwahrscheinlich, keit deutlich an ber Stirn. Wozu dann aber das geheimnisvolle Wetterraunen? Ziehen mir kurzer­hand bie Folgerung unb lehnen wir es ab, uns etwas erzählen zu lassen, aus welchermaßgeben- ben" Quelle es auch stammen mag! Unb hüten wir uns erst recht, bas wiberwillig Gehörte unsererseits weiterzutragen, um uns nicht selbst im Ver­trauen gesagt schamloser Gerüchtemacherej schul­dig zu machen!

Ortszeit für den 18. Oktober.

Sonnenaufgang 7.56 Uhr, Sonnenuntergang 18.23 Uhr. Monbuntergang 9.41 Uhr, Monbaufgang 19.39 Uhr. e

£ 9 ti

gen sich zu verfärben. Llls Uebergang zwischen ber zeitig und ber später verfärbenden Gehölzgruppe haben wir bie schon hellgelbblättrige Dirke, deren weißer Stamm immer im Garten ein wertvolles Moment ist, bie prächtigen, lebhaft rot färbenben chinesischen und japanischen Berberitzen, bie rot und gelb leuchtenden Azaleen, von benen eine Gruppe aus der Ferne wie eine blühende Pflanzung wirkt, so stark leuchten bie Farben.

Beförderen Glanz aber entfettet ber aus Nord- amerika ftammenbe Blumenhartriegel, der zum Herbst außerorbentlich starke Favbentöne in bas Bild des Gartens bringt Die Blätter färben sich oberseits in ben zartesten und leuchtenbsten roten unb violetten Tönen, währenb die Unterseite hell­grün bleibt. C. K.

Dornotizen.

Tageskalenber für Donnerstag.

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude": 19.30 Uhr im Stabttheater:Sieger". Gloria-Palast, Seltersweg:Links ber Isar, rechts der Spree". Li^tspielhaus, Bahnhofstraße:Zwischen Leben unb

Gießener Vortragsring.

Der vom Goethe-Bunb,Reichswerk Buch und Volk" (früher Kaufmännischer Verein), Volksbil­dungsstätte Gießen und Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde begründeteGießener Vortragsring" eröffnet am kommenden Montag mit einem Licht- bildervortrag des bekannten Schriffftellers Dr. Paul Rohrbach fein für ben Vortragswinter 1940/41 aufgestelltes Vortragsprogramm. Dr. Pari Rohr­bach wirb über bas sehr aktuelle ThemaMit Auto, Bahn und Flugzeug burch Afrika von Norb nach Süb" an Hanb von zahlreichen Lichtbilbern sprechen. Zu Beginn ber Veranstaltung wirb Kreislelter Backhaus die Vortragstätigkeit bes Gießener Dortragsringes burch eine Ansprache eröffnen.

Auf jeden Güterwagen kommt es an.

Die Deutsche Reichsbahn hat für den Herbst- verkehr alles vorbereitet, um neben ben Wehr­machtstransporten die für bie Dolksernährung, für die Brennstoffversorgung und für unsere Rüstungs-

Gut bis auf einen Fall.

Von Wilhelm Lennemann.

Der alte Hauptlehrer einer dreiklassigen Dorf­schule trat in ber großen Pause in bas Klassenzim­mer des jüngeren Lehrers. Der trug noch einige Angaben in bie Liste em. Es war wenige Tage vor Ostern.

Das Zeugnisschreiben macht mir doch arge Kopf­schmerzen", klagte er.Gutsein unb Gerechtigkeit, Millett) unb Gewissen hadern ba vielfach mitein­ander!"

Der alte Lehrer lächelte:Also wo fchtt's benn!"

Da hab ich ben kleinen Junghans, der Bengel tft kaum adjt Jahre alt, hat aber bereits hn ver­gangenen Hörbst Aepfel aus meinem Garten ge­stohlen. Drum hab ich ihm im Betragen nurGut bis auf einen Fall" geben können; benn ich muß ihm biese Missetat boch zurechnen, so leid mir bas persönlich auch tut!"

Der Hauptlehrer setzte eine sehr gewichtige Amts­miene auf:Sieh an, Aepfel hat ber Bengel ge­stohlen; das fft ja fürchterlich! Eine solche Der- berbnis müssen Sie mit Stumpf und Stiel aus« rotten!"

Der andere hatte von ber Güte des Alten einen Widerspruch erwartet und freute sich nun über diese Zustimmung:Sie mürben also genau so ..."

,Hawohl, genau so! Bis in sein hohes Atter hin­ein muß bem Jungen basGut bis auf einen Fall" anhaften!"

Wesentlich wäre auch wohl bas Gelöbnis ber Besserung!"

Natürlich! Der Junge bars fortab einen frem­den Obstgarten überhaupt nicht einmal mehr an- sehen!"

Da gehn wir also einig: Strafe muß fein!"

Für jeden Apfelkern einen Hieb; ben Straf­antrag nicht zu vergessen!"

Indem hob der Hauptlehrer eine Ha seigerte auf, die ba handbereit lag. Er schlug bamit durch bie Lust, daß es pfiff.

Die liegt zumeist nur als eine stumme Drohung dort; ich verwerte sie äußerst selten!" glaubte der Lehrer sich entschuldigen zu müffen; mag auch die Wahrheit gewesen fein.

Aus Ihrem Garten?"

Nein, bie hab ich drüben im Knick geschnitten!"

So, so! Wissen Sie, wem ber gehört? Dem Junghaus?"

Mag sein; ich weiß es- nicht!"

Das sagen Sie so leichthin! Wie, wenn nun Ihr kleiner Apfeldieb auch einmal ben Richter spielen unb zu Ihnen sagen würde:Betragen: Gut bis auf einen Fall!"

Der Lehrer zog ein süß-saures Gesicht; er lächelte Derftänbnislos.

Und dann wird er weiter feststellen: Die Rute, Herr Lehrer, bie Sie da benutzen, haben Sie aus unferm Knick geholt. Das Holz darin ist aber unser Eigentum, genau so, wie die Aepfel bie Ihren sinb, und Sie haben die Rute ohne Wissen meines Va­ters entwendet!"

Jetzt fühlte der Lehrer der feinen Spott:So lächerlich wirb sich der Junge nicht benehmen!"

Der Junge meint auch, er dürfe bie Uebeltat nicht verschweigen. Er müsse sie Ihnen anrechnen, so leib ihm das auch tue!"

,^)err Hauptlehrer ..!"

Damit Sie immer an Ihre Verfehlung erinnert werden!"

Bitte, sagen Sie es mir ..."

Unb Buße tun unb Besserung geloben!"

Dem Lehrer stieg ber Unmut rot ins Gesicht. Nun ist's genug, ich ..."

Taten meine Worte so weh?" Lächelnd wiegte der Alte sein greises Haupt.Aber haben Sie nicht selbst gesagt: (Strafe muß sein!" Und er lachte ihn bann gleich luftig an:Sie haben die Gerte genom­men unb sich nichts dabei gedacht; genau so ber Junge, als er den Apfel abriß. Und jeder meint, er fei in feinem Recht, Sie aus Lehrgründen her­aus, der Junge aus jugendlichem Uebermut unb aus Neugierde! Die Jugend hat auch ihre Rechte!"

,^d) schätze, ba fei dennoch ein kleiner Unter­schied zwischen dem Diebstahl des Jungen ..."

Das war kein Diebstahl, bas war nur ein Mund­raub! Der Junge hat nicht gestohlen, ber hat nur geflaut. Das ist ein wesentlich anderes! Ich bin so­gar so frevelhaft ju sagen: Ein Junge, der keinen Apfel aus des Nachbars Garten klaut, der ist kein Junge! Aber das sage ich nur ganz leise, daß es bie Dengel nicht hören!"

Ich kann mich trotzdem in Ihre Rechtsauffassung nur schwer hineinfinden!"

Sind Sie denn nie jung gewesen und in bes Nachbars Garten eingebrochen?"

,Hch bin in der Stabt groß geworden!"

9hm, bann sage ich Ihnen aus meiner Erinne­rung heraus: Das ist eine Lust! Ein solch eroberter Apfel schmeckt noch einmal so prächtig unb wenn's auch nur ein verhutzelter ist!"

Sie meinen also", wollte sich ber Lehrer zum Schluß vergewissern,daß ich ..."

Richtig! Sie werben weiter Stöcke schneiden, unb die Jungens in jedem Herbst die Nachbargär­ten besuchen!"

Da müßt ich demnach das--bis auf einen

Fall--streichen!"

Fragen Sie bie Jungen draußen! Kommen Sie, wir wollen noch ein wenig zu den spielenden Kin­dern gehen!"

Glorio-Palast:

»Links der 3far rechts der Spree -

Wenn bie unselige Mainlinie nicht längst ver­schwunden und vergessen wäre: in diesem Film wird ihr auf .eine Art und Weise der Garaus gemacht, daß einem das Herz aufgeht. Die Liebe, die be­kanntlich eine Himmelsmacht ist, triumphiert über die landschaftlichen Eigentümlichkeiten undSon­derbelange", sie schlägt, freilich nicht ohne voraus­gegangene heftige Kämpfe, eine Brücke von Nord nach Süd, sie knüpft die Bande ber Zuneigung und des Vertrauens zwischen Berlin unb München, zwi­schen Urpreußentum unb Altbayerntum, unb bas Ganze ist, kurz gesagt, bie Geschichte einer Ver­lobung wider ben Willen des Münchener Vaters unb Schwiegervaters lauer Spöckmeier. Daß seine Anni ihren Alfred kriegen würbe, steht sa trotz der zu Anfang nicht gerade glänzenden Wetterlage von vornherein fest: das eigentliche Verdienst dieser er­heiternden Geschichte Drehbuch von Joses D<vl° man und Peter Ostermayr; Spielleitung: Paul Ostermayr liegt, wie uns scheint, in ben Einzelheiten, in der liebevollen Beleuchtung des Münchener Familienlebens, des Münchener Stamm­tisches und des Münchener Bieres; man hat über­haupt das Gefühl, als ob das Herz der Autoren und

des Spielleiters, was fein Wunder wäre, sich mehr ber Isar zuneigte, aber sie haben immerhin Gerech­tigkeit walten lassen und eine wirklich schöne, vor allem sprachlich reizvolle Symphonie aus Bayeri­schem und Berlinerischem zustandegebracht. Dick­schädelig-gemütlicher Repräsentant wohlsituierten Münchenertums ist der patriarchalisch raunzende Spöckmeier, dem Herr Kämpers feine körperliche Gedrungenheit und fein Temperament überzeugend zugutekommen ließ. Seine Tochter Anni wird von Charlotte S ch e l l h o r n gespielt: genau bas, was man in München ein sauberes Madel nennt. Am Jsarufer tun sich noch hervor Leo P e u k e r t, Her­mine Ziegler und Wilhelmine Fröhlich; an ber Berliner Front stehen zuvorderst der mit einem prächtigen Mundwerk gesegnete Oscar S a b o und Fritz G e n s ch o w ; in einigem Abstand Grethe Weiser und Hilde S e s s a k, die zu wenig sym­pathischen Rollen verdonnert waren.

Neben diesem an drolligen Szenen reichen Ufa- Lustspiel sieht man die neue Wochenschau; sie bringt u. a. Ausnahmen von der italienischen Kunstaus­stellung in Hannover, von einer Luftfahrt-Ausstel­lung in Berlin, vom Gauleiterbesuch in Frankreich, von der ersten NS.-Kundgebung in Luxemburg, von unseren wiedergewonnenen Erzgruben in Lothrin­gen, vom Vormarsch ber Italiener in Aegypten und von ben beutschen Bombenangriffen auf England. Besonders eindringliche Bilddokumente find bie Auf­nahmen vom feigen Ueberfüll der Engländer auf bie französische Flotte in Dran.

Auf ber Buhne: die 2 Tr ebillo s mit einer enorm schwierigen, verblüffend leicht exekutierten Luftnummer; eine ausgezeichnete artistische Leistung.

Hans Thyriot.

Wunder der Technik.

Profesior Adolf S1 a b y, Pionier der drahtlosen Telegraphie in Deutschland, versuchte einmal, einem ahnungslosen Laien das Wesen des elektrischen Tele­graphen zu erklären. Nachdem er ihm einen* langen Vortrag hierüber gehalten hatte, fragte er:

Haben Sie nun alles verstanden?"

Ja, alles", erwiderte ber Zuhörer treuherzig. Nur bas eine nicht: Wie kommen eigentlich bte Depeschen über die Porzellanknöpfe meg?"