Ausgabe 
17.10.1940
 
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Donnerstag, 17. ©Hoher 1940

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Gietzener Anzeiger

(90. Jahrgang Ur. 246

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Kali-

London unter den deutschen Mffenangnffen

und Luft.

England mit Bomben bis zu schwersten bern belegt.

Das Verminen britischer Häfen Küstengewässer konnte durch See- und slreikkräfte ungehindert fortgesetzt werden.

sowie zwischen dem Themse-Bogeu und den Vic- toria-Docks entstehenden Grohbrände waren beim Rückflug noch bis zur Kanalküste sichtbar. Obwohl die britischen Jäger eine G e - fechtsberührung vielfach zu vermei­den suchten, konnten sie in mehreren Fällen von unseren Jagdverbänden gestellt und ge­schlagen werden.

Im Laufe des Tages und in der Rächt wurden ferner zahlreiche Industrieanlagen, Oellager, Flug­plätze, Bahn- und Hafenanlagen fowie Rüstungs­und Versorgungsbetriebe in Süd- und Mittel-

Angriffe gegen England wesentlich verstärkt.

Bomben schweren und schwersten Kalibers auf London. - ll-Boote versenkten fast 37000 BRT. - 38 feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Der Wehrmachtberichl vom Mittwoch.

Berlin, 16. Oft (DRV.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die britische Luftwaffe, die nicht in der Lage ist, militärische und wehrwirtschaftliche Ziele in Deutsch- land bei Tage anzugreifen, fetzte ihre nächt­lichen wahllosen Bombenangriffe gegen nichtmilitärische Ziele und damit vor allem gegen die deutsche Zivilbevölkerung fort Auch gestern wurden wieder in Mittel- und Westdeutsch­land Wohngebäude und Bauernhäuser sowie ein Krankenhaus getroffen. Tote und verletzte sind erneut unter der Bevölkerung zu be­klagen.

Die Angriffe der deutschen Luft­waffe auf kriegswichtige Ziele in Süd- und Mit­tel-England und vor allem die vergeltungsangriffe auf London wurden deshalb wesentlich ver­stärkt Starke Verbände leichter Kampfflugzeuge flogen bereits am Tage unter dem Schuh von Jagdstaffeln ungehindert über Südeng­land ein und warfen Bomben schweren Kalibers auf die britische Hauptstadt Die Angriffe schwollen in der Rächt durch Einsatz schwerer Kampfverbände zu noch größerer Stärkean. Bomben schweren und schwersten Kalibers trafen in großer Zahl vor allem Rüstungswerke, Verkehrs- anlagen und Verforgungsbetriebe, fowie die Hafen­anlagen an beiden Themse-Ufern. Die nach starken Explosionen im Stadtkern beiderseits der Themse,

EnglandsWegilidenMntek.

Von Helmut Sündermann.

Der Stabsleiter des Reichspressechefs ver­öffentlicht in der Ralionalsozialistischen Par- teikorrespondenz folgende Betrachtung zur Lage:

Es sind nun gut vier Monate vergangen, seit die Entscheidung des Krieges fiel, den England im Sep­tember 1939 mit dem Ziele begann, das wieder­erstandene Reich zu Boden zu werfen und zu ver­nichten. Es ist nicht nötig, an die Ereignisse zu er­innern, die mit unerhörter Dramatik diesen ver­brecherischen Plan zunichte werden ließen. Seit die Trümmer Ger englischen Armee in Kähnen und Schaluppen unter Preisgabe aller ihrer Waffen das nackte Leben auf ihre Insel hinüberretteten, ist Deutschland gemeinsam mit seinem faschistischen Bundesgenossen der Herr des Kontinents, der auch das Schicksal Großbritanniens bedeutet.

~ An dem Tage, an dem die Spitzengruppen deut- cher Soldaten im stürmenden Angriff in Calais einrückten, feit sie Dünkirchen erkämpften und den Kanal beherrschen, wurde der Krieg gegen England entschieden und zwar eindeutiger entschie­den als der Weltkrieg um 9. November 1918; da­mals war es Verrat und Verbrechen im Innern des Reiches, was den Kampf der Front aussichts­los machte, diesmal aber ist es eine klare strategische Lage, die jede Möglichkeit einer Wendung im Kriegs­geschehen in das Reich der Phantasie verweist. Die Waffen haben gesprochen, und zwar so deutlich ge- prochen, daß seitdem an der Niederlage Englands ein Zweifel mehr ist. England war zu schwach, eine Macht in Europa zu behaupten, wie sollte es hoffen, sie von Narvik bis zur Biskaya, von Paris bis Bukarest den deutschen Truppen wieder zu ent­reißen? Es war eine Niederlage, so eindeutig und klar, daß die Ehre eines Volkes unangetastet blieb, das sich entschloß, sie anzuerkennen. Sie war um so leichter erträglich, als Gewißheit über maßvolle Forderungen der Sieger bestand, und das eigene Land noch verschont war von den furchtbaren Er­lebnissen des modernen Krieges.

Die gleiche englische Führung freilich, die im Jahre 1917 nur unter dem Eindruck des verstärk­ten U-Bootkrieges lieber einen Niederlage-Frieden als eine Aushungerung in Kauf nehmen wollte, hat diesmal, als die Entscheidungsstunde der deut­schen Eroberung der Kanalküste (eine Lage, die auch im Weltkrieg von beiden Seiten als kriegsent­scheidend gewertet wurde) schlug, nichts mehr ver­raten von jenem berühmten englischen Realismus, der sich jetzt ebenso als Schall und Rauch erwies, wie die Propagandathese von der englischen Bünd- nistreue und Tapferkeit. Dem Verbrechen gegen­über den europäischen Völkern, das die Kriegs­hetzer von 1939 begingen, als sie den neuen Krieg entfesselten, haben sie ohne Wimperzucken ein wei­teres Verbrechen, diesmal gegenüber ihrem eige­nem Volk, hinzugefügt, über dessen Ausmaß sie sich gewiß nicht im unklaren waren und das heute unter dem Eindruck der Nachrichten aus London die ganze Welt zu ahnen beginnt.

Denn das ist die Lage Englands heute: Seine Niederlage ist seit Monaten entschieden, seine Kriegshetzer aber sind entschlossen, diese Niederlage ihrem Volke erst in der Katastrophe seiner ganzen Existenz einzugestehen! Hoffen sie, daß das Volk in dem Elend des völligen Zusammenbruches, in Huck-

Das Agrarproblem der USA

Von unserem Or. Hu.-Korrespondenten.

es: Wochenlang haben die deutschen Angriffe auf London eingehämmert. Militärisch ist das Ganze für uns nahezu bis zur Langeweile einförmig ge­worden. Bald wird der Tag da fein, wo Ruinen von Häusern, Bombenkrater, zersprengte Geleise und Gasleitungen sich nicht mehr länger aus einer neuen Perspektive betrachten lassen. Wir wissen jetzt, wie die Schäden aussehen, wir wissen jetzt, wie das nächtliche Feuerorchester spielt. Wir sind verttaut mit dem Heulen der Bomben. Wir haben uns satt gesehen an explodierenden Granaten und finden nichts Schauderhaftes mehr an dem Spiel der Scheinwerfer über der Stadt. Es ist eigenartig, an die ganze bisherige Entwicklung zu denken. Schritt für Schritt wurden wir durch dieses teuflische Inferno geführt. Wir erlebten die Luftkämpfe, fühlten, wie unsere eigenen Heime wie Schiffe auf einer unruhigen See bebten, während die Men­schen in Angst erzitterten. Jede neue Lage erlebten wir mit neuer Spannung. Ganz anders heute. W i r sind müde. Die Nerven reagieren kaum, so daß sie immer neue Auspeitschung und noch einmal neue Auspeitschung brauchen. Man gewöhnt sich daran, im Straßenbild Menschen zu sehen, die einige we­nige Habseligkeiten in letzter Minute zusammenge- ra'fft haben. Das waren Bilder aus Spanien, aus den Niederlanden, aus Nordfrankreich, die plötzlich auch für London eine Wahrheit geworden waren. Man hörte erzählen, daß diese Menschen stunden­land stehen und warten mußten und daß es ein Problem sei, die unterzubringen. Dann zeigte es lang stehen und warten mußten, und daß es ein Problem sei, sie unterzubringen. Dann zeigte es Häuser, die dicht zusammengedrängt um die Docks herumlagen oder um die Fabriken, die Gaswerke, Elektrizitätswerke und Eisenbahnen, die Tag und Nacht das Ziel der deutschen Bombenflieger waren! (Eine abermalige Bestätigung dafür, daß sich die deutschen Vergel­tungsschläge auf militärische und wirttchastliche An­lagen konzentrieren!) Innerhalb von drei Abenden waren die Bahnsteige der G-Bahnen völlig verstopft. Das Gedränge wurde immer grö­ßer und der Personenverkehr so gut wie unmöglich. Ganze Linien der Untergrundbahnen wurden schließ­lich vom Verkehr ausgeschlossen. Obwohl dieser Bericht eines Schweden angesichts der scharfen eng­lischen Zensur auf alle aktuellen Einzelheiten ver­zichten muß und nur ein allgemeines Stimmungs­bild aus London bietet, so zeigt er doch eindring­lich, wie wenig Illusionen sich Churchill noch zu machen braucht. Die deutsche Luftwaffe schlägt un­erbittlich hart zu, und der Kriegsstifter erhält seinen Löhn.

Themsemündung mit ihren strategisch wichtigen In­dustrieanlagen, sowie über den Grafschaften Kent und Sussex. Die Städte Margate, Folkestone und Canterbury wurden angegriffen.

Der Londoner Berichterstatter desABC" meint, daß diese Nacht als eine zweite Bartholo­mäusnacht in die Geschichte eingehen werde, wenn sich die Deutschen nicht in der nahen Zukunft selbst überbieten sollten. Nach übereinstimmender Ansicht aller sei der Bombenangriff in der Nacht zum Dienstagder intensivste, der fürchterlichste, der verheerendste, den London bisher er­lebt hat", gewesen. Der Berichterstatter sagt, er gebrauche nur dieselben Worte wie die englischen Zeitungen. So viel man auch über das Bombarde­ment sage, übertreiben könne man nie. Die Bom­ben- regneten nur so vom Himmel, und es eytstanden Brände, die tellweise noch am Tage nicht gelöscht waren. Es brannte überall, auch in den berühmtesten Verkehrsstraßen und mitten im Zentrum Londons. Es wurden wiederum zahlreiche Gebäude, darunter solche aus Beton mit sechs Stockwerken, vernichtet. Zu dem furcht­baren Lärm, der die geisterhafte Illumination des Londoner Himmels begleitete, kamen noch die Alarmglocken der Feuerwehr, deren Autos hin- und herfuhren und nicht wußten, wo sie anfangen soll­ten. Sogar derDaily Herald" habe von einer Schre^ensnacht gesprochen. Alle, die die Nacht zum Dienstag erlebten, hätten das Gefühl gehabt, daß alle 37 bisher erfolgten Nachtangriffe ein un­vollständiges Vorspiel zu dem gewesen sind, was London in allernächster Zeit bevorstehe.

Der Korrenspondent des finnischen BlattesHuf- vudstadsbladet" schreibt, in der klaren Nacht hätte man sehen können, wie die deutschen Ma­schinen in Formationen die englische Feuersperre durchbrochen hätten. Tausende von Soldaten seien bis in den späten Nachmittag mit Aufräumungs­arbeiten beschäftigt gewesen, und zahlreiche Schaden­feuer seien in der inneren Stadt entstanden.Hel- singkin Sanomat" berichtet, das Straßenbild im Westend sei völlig verändert, der Verkehr werde über kleine Seitenstraßen geleitet. Fünf Stun­den hätten die Schadenfeuer gebrannt und am Dienstagmorgen, nach der furchtbaren Nacht, hätten die Sirenen von neuem angefangen zu heulen. Die deutschen Maschinen seien an verschiedenen Stellen zu Tiefangriffen mit MG.- Feuer übergegangen. Das Knattern der MG.s und die Ex­plosionen der Bomben seien zu einer fürchterlichen Musik zusammengeschmolzen.

In einem Bericht vonStockholms Tidningen", den das Deutsche Nachrichtenbüro verbreitet, heißt

Stockholm, 16. Okt. (Europapreß.) Das Bom­bardement Londons in der Nacht zum Dienstag ist nach übereinstimmender Ansicht schwedischer Presse­vertreter in London das schlimmste seit Beginn der deutschen Luftangriffe am 17. September ge­wesen. Es war möglich, in einer Nacht eine U n = summe von Fabrik en und kriegswich­tigen Anlag en zu vernichten. Das Feuer der Luftabwehr war vergeblich, die Luftfperre wurde ignoriert. Bald gab es nicht Feuerwehr- und Hilfs­mannschaften genug, um die Brände zu löschen und die Trümmer fortzuräumen. Das Westend und die City haben nach einer Darstellung vonTa­gens Nyheter" am meisten gelitten.Ein dicker Bombenregen ging über die Verkehrsdichten Teile der Stadt nieder , heißt es in dem Bericht des Blattes. Siebzig Londoner Stadt- t e il e wurden angegriffen, und zwar in einem Aus­maß, daß, nach der gleichen Quelle, stellenweise 14 Sprengbomben in 14 Sekunden auf kleinstem Umkreis niederschlugen. Dabei flogen die deutschen Maschinen sehr niedrig. Sie suchten sich ihre Ziele mit besonderer Sorgfalt aus. Die V e r - kehrsverbindungen, die Straßen und Eisen­bahnlinien bildeten wichtige Ziele. In acht Stadt­teilen wurde das Bombardement der Eisenbahnver­bindungen intensiv fortgesetzt. Bei dem Tagesbom­bardement großer Londoner Sttaßen wurden tiefe Krater in die Fahrbahnen gerissen, und stellen­weise liegen noch heute einige der großen roten zwei­stöckigen Autobusse kopfüber in den Sprengtrichtern, in die sie von den gewaltigen Explosionen geschleu­dert wurden. Elf Stunden hatte das Nachtbombarde­ment gedauert. Nach einer Darstellung vonStock­holms Tidningen" konnte man beobachten, wie die deutschen Maschinen die Sperren durchflogen und Bomben aller Kaliber abwarfen.

Der Londoner Nachrichtendienst muß bestätigen, daß die deutschen Maschinen sowohl die Boden- als auch die Luftabwehr ständig durchbrochen haben und über zehn Stunden lang über London operierten. Einige Stadtteile, die nicht namenllich genannt werden, wurden überaus hef­tig angegriffen und ganze Straßenzüge standen nach in den Morgenstunden des Mittwochs in Flammen. Es wird jedoch erklärt, daß sich die deutschen Flieger in erster Linie daraus kon­zentrierten, Sprengbomben aller Kaliber ab« zuwerfen. Mit diesem Hinweis wird angedeutet, daß der Umfang der Vernichtungen überaus groß ist. Die Angriffe wurden in Wellen durchge­führt, die sich schneller folgten als bisher. Stel­lenweise operierten mehr als hundert Flug- zeuge auf einmal über Groß-London, der

Neuyork, Oktober 1940. 1

John Steinbeck schildert in seinem ausgezeich- 1 neten BuchGrapes of Wrath das hoffnungslose i Schicksal einer Familie, die einen Farmbesitz auf- i neben muß und auf einem alten Lastauto nach Kali- \ formen rattert, um dort eine neue Existenz zu sin- i den, well einige hundert Landarbeiter auf den Trau- : bensarmen fehlen. In Kalifornien angekommen, stellt die Familie fest, daß sich Tausende in der gleichen Hoffnung eingefunden haben. Der Schluß ist dumpfe Verzweiflung und Anklage.

Die Familie John Steinbecks fuhr die Heber» ' landstraße 66 ab. Und wer sie jemals passiert hat, sieht sie von altertümlichen Lastautos bevölkert, die ' sich hochbeladen nach Westen bewegen. Ganze Fa- mtlien, zum Teil mehrere Generattonen, hängen wie Trauben an diesen Autos, die für wenige Dollars in Oklahoma, Texas, Arkansas erstanden wurden und von den jetzigen Besitzern mit erstaunlichem Geschick aufgearbeitet beängstigend beladen und in den Kurven schwankend wie ein gutes Tier ihren Weg finden.

Es ist nachgewiesen, daß Jahr für Jahr rund 400 000 Menschen aus den eben genannten Staa­ten, zu denen auch Kansas und Missouri gehören, nach dem goldenen Westen, vor allem nach Kalifor­nien, ziehen, m der Hoffnung, dort eine neue Exi­stenz und ein neues Heim zu finden. Außerdem gibt es noch rund eine bis zwei Millionen Ernte- arbeitet, die als Saisonarbeiter den Ernten von Norden bis Süden nachgehen und im Winter wie­der in ihrStandquartier" zurückkehren.

Trockenheit infolge schlechter Bodenkultur, wirt­schaftliche Depression und mechanisierte Farmarbeit werden als die drei Wurzeln dieses Hebels bezeich­net. Der Kongreß hat einen Fünf-Männer-Ausschuß eingesetzt,, welcher gesetzliche Maßnahmen gegen ein nationales Hebel erwägen soll, nachdem er über Umfang und Art des Problems Klarheit geschaffen hat. Unter den 2Ieußerungen ist diejenige des Land- wirtfchastsministers Henry 21. Wallace wohl die bedeutsamste. Wallace bezeichnet den Treck der hei­matlosen Farmer gen Westen als ernste Warnung en die gesamte Nation. Er hänge mit Problemen zusammen, die zutiefit in Amerikas landwirtschaft­lichem System verwurzelt sind. Diese Probleme seien erschwert, doch nicht hervorgerufen durch die wirt­schaftliche Depression.Sie können daher", so be­tont Wallace,durch eine wirtschaftliche Besserung allein in keiner Weise behoben werden." Der Kern des Hebels liege in der sinnlosen Ausbeutung und infolgedessen Erschöpfung des Bodens, die über ein Jahrhundert betrieben wurde. Hinzu kämen jahrelange ruinöse Preise für landwirtschaftliche Er­zeugnisse, ferner Verschwinden der Auslandsmärkte, ungesundes Pachtsystem in unheimlicher Zunahme im Gegensatz zum Eigenbesitz, Entwick­lung von Bodenkulturen, die sich mit dem Klima wie dem Boden selbst nicht vertragen, überstürzte Entwicklung des mechanisierten Großbetriebs. Die Mechanisierung der Farmen habe sich dahin entwickelt, daß die.gesamte Landwirtschaft des Lan­des heute mit 1,6 Millionen Arbeitern weniger leisten Eonne als vor zehn Jahren. Typisch sei es, daß z. B. 1937 mehr Traktoren verkauft worden finb, als 1920 überhaupt in Betrieb waren.

Infolge der wirtschaftlichen Depression sei es den Städten und Jndustriebezirken nicht möglich gewesen, den ländlichen Bevölkerungsüberschuß auf» 3u,äugen. Das Hebel müsse, so meint Wallace, vor allem in den Staaten bekämpft werden, wo es ent­stehe. In Oklahoma, Texas, Arkansas, Kansas und Missouri gibt die Bundesverwaltung für Farm­anleihen viermal so viel aus als in Kalifornien, wo die meisten Trecks hingezogen sind. Nicht weniger als 480 Millionen Dollar wurden in den letzten fünf Jahren aufgewandt, um Farmern mit geringe­rem Einkommen eine neue Existenz in der Heimat­gemeinde zu ermöglichen. Davon sind allein 100 Millionen als direkte Hnterstützung ausgegeben wordsn, während der Rest als Betriebskapital zwecks Kaufs von Werkzeugen, Vieh, Saat ufro. aegebcn wurde. Wichtiger sei jedoch Wieder- Fruchtbarmachung des ausgelaugten Bodens, von dem die Humusschicht völlig abgetragen ist, der weder Wasser, noch Pflanzen, noch Humusansied- lung hält und über den daher die Winde in unheim­lichen Staubwolken daherfeaen. Wer so einen Sturm nickst selber erlebt, macht sich kaum einen Begrif von seiner wüstenarttgen Intensität. Er bringt in den geschlossenen Wagen. Man fiihtt ihn, im Wagen sitzend, selbst im geschlossenen Mund. Es Hilst kein Ausreißen, wenn die dunkle und dicke Wolke am Himmel sichtbar wird, die man erst für eine Ge­witterwolke hält, die sich aber beim Näherkommen als Wind- und Sandbeutel erweist, der sich erbar­mungslos über jeden ergießt Neben Bodenkultur, befürwortet Wallace teilweise Umsiedlung von Farmern aus übervölkerten Gegenden in solche, die bisher nicht ausreichend besiedelt worden sind. Da­bei wird vor allem an Alaska gedacht, wobei wehr- politische Gründe mitsprechen. Wesentlich muß fer­ner eine Angleichung der landwirtschaftlichen an die Preise für Fertigwaren sein. Der Index für Farmprodukte hat sich in den letzten Wochen ge­hoben und steht jetzt ungefähr bei 100; doch liegt der Index derjenigen Erzeugnisse, die der Farmer kaufen muß, bei 123. Hier ist also eine bedenkliche Schere. Der Tauschwert der Farmerzeugnisse im Verhältnis zu anderen Produkten wird auf nur 80 geschätzt.

Wenn auch Landwirtschaftsminister Wallace von der industriellen Entwicklung der Städte und ihrer daher stammendenSaugkraft" wenig erhofft, so verweisen Bevölkerungspolitiker doch auf den ftar« ken Geburtenrückgang in den Städten, der durch Zuwanderung vom Lande ausgeglichen werden könnte. Von den 400 000 jungen Amerika­nern, die Jahr für Jahr auf dem Landearbeite- reif" werden, sind nur 200 000 als Ausgleich für die wegen Todes oder Alters Aus scheidend en notwen­dig Die andere Hälfte hat zwischen einer kürnmer«

Dagegen steht sich die amerikanische Durchschnitts- famllie mit 631 Dollar im Jahr geradezu glänzend, obwohl auch sie sich, wie nachgewiesen, am Rande des Existenzminimums bewegt.Nun haben wir das Land für jemanden zu bestellen, den wir gar nicht kennen", ist der Ausspruch eines vom Boden ver­triebenen Pächters, der jetzt als Saisonarbeiter mit seiner Familie wandert.

Die neue, riesige Aufrüstung mit ihrem Be­darf an Industriearbeitern, an jungen Leuten für Heer, Marine und Fliegern ist hier im Augenblick wohl die gegenständlichste Hoffnung auf eine Ver­minderung derTrauben des Zornes"; eine Aus­rottung durfte nicht an Symptomen kurieren, son­dern müßte das Hebel bei der Wurzel packen. In Virginia versucht man zur Zeit Landwirtschaft auf weiten Strecken ganz ohne Pflug zu betreiben, um dadurch Bodenabtragung zu verhindern. Virginias Viehwirtschaft wird ganz von Gras, Futterpflanzen mit entsprechender starker Düngung und Silage be- sttitten. Korn wird nur wenig zugekauft.

ließen Gelegenheitsexistenz und hoffnungslosem Um- herirren auf Landstraßen zu wählen, falls sie nicht in die Stadt geht. Stattsttken weisen nach, daß in der Zeit von 1870 bis 1920 die Hälfte der auf dem Lande Geborenen in die Städte abgewandert ist. Je stärker der Geburtenrückgang in der Stadt, um so eher wird man, so heißt es, die Jugend vom Lande trotz nicht gerade besonders günstiger wirt- chaftlicher Lage in die Städte lenken können.

Professor Paul Taylor von der Hniversttät Kalifornien trifft wohl den Kern des Hebels, wenn er auf die geschwundene Beziehung des Menschen zum Boden hinweist; auf die maßlose Entwur­zelung bisher selbständiger Farmer. Der durch- chnittlicye kalifornische Wanderarbeiter verdient für sich und seine Familie etwa 289 Dollar im Jahr.

An der Kanal-Küste zwang Marine - Arttllerie einige feindliche Fahrzeuge durch gulliegendes Feuer zum Abdrehen.

Der Gegner verlor in den Cuftfämpfen des gestri­gen Tages 32 Jagdflugzeuge. Fünf weitere Flugzeuge wurden durch Flak-Artillerie, ein wei­teres durch Marine-Artillerie abgefchofsen, sodaß der Feind gestern insgesamt 38 Flugzeuge verlor. Sieben eigene Flugzeuge kehrten von ihrem Flug gegen den Feind nicht zurück.

Ein U-Boot versenkte fünf bewa ff- nete feindliche Handelsschiffe von 31 000 BRT.» darunter einen großen Tanker. Lin anderes U-Boot versenkte einen Dampfer von 5800 BRT., womit der Gesamterfolg dieses Bootes in dieser Unternehmung 31 545 BRT. beträgt