Italien führt nur Krieg gegen England.
Oer Krieg auf ägyptischem Boden gilt der britischen Operationsbasis.
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Rom, 16. Sept. (Europapreß.) lieber das gegenwärtige Verhältnis Italiens zu Aegypten wurden im Zusammenhang mit dem italienischen Vorstoß auf Die englischen Stützpunkte in Aegypten in der Presse-Konferenz ausführliche Mitteilungen gemacht:
Am 10. Juni habe der Duce erklärt, Italien verfolge keinerlei Absicht, Aegypten und andere Staaten in den Krieg zu verwickeln. Demgegenüber hätten sich die italienischen Truppen an der Grenze der Cyrenaika jeder militärischen Aktion gegenüber ägyptischem Gebiet enthalten, obgleich Aegypten durch einen Bündnisvertrag mit England verbunden sei. Bereits am 12. Juni habe die englische Luftwaffe von den Stützpunkten auf ägyptischem Gebiet aus einen Einflug in das Gebiet der Cyrenaita versucht, der abaewiesen worden sei. Am 13. Juni sei ein Angriff von englischen See- und Luftstreikräften pus Tobruk erfolgt. Am 14.Juni sei von ägyptischem Gebiet aus die liby che Grenze von Infanterie und Kampfwagen ange- griffen worden. Der Angrif sei abgewiesen waren. Am 15. Juni habe sich der Angriff mit dem gleichen Ergebnis wiederholt. Ebenso sei am 16. Juni ein Angriff in der Richtung auf Siddi Azeis erfolgt. Alle diese Angriffe seien von Stützpunkten ausge- aangen, die England auf Grund des englisch-ägyptischen Vertrages von 1936 geschaffen haoe. Man könne sagen, daß dieser Vertrag in Wirklichkeit wertlos geworden sei, weil in den dem Kriegseintritt Italiens vorausgegangenen Monaten ganz Aegypten in eine Operationsbasis gegen Libyen umgewandelt
worden sei.
Da sich klar ergeben habe, daß Aegypten, das sich diesen Angriffen nicht angeschlossen habe, nicht in der Lage gewesen sei, vollkommen unabhängig den vertraglichen Bestimmungen des englisch-ägyptischen Vertrages von 1936 Geltung zu verschaffen, habe sich das Kommando der italienischen Wehrmacht in Libyen gezwungen gesehen, die Angriffe zu beantworten. Dies sei erst zehn Tage nach dem Beginn der Feindseligkeiten und nach den fünf englischen Angriffen geschehen. Daß Aegypten unter englischem Druck gestanden und die Lage schwer ertragen habe, in die es durch England gebracht worden sei, sei mehr noch als durch das Fernbleiben von den Kampfhandlungen durch die politische Haltung Aegyptens erkenntlich geworden. Trotz der ita- liemschen Kriegserklärung an England habe sich Aegypten erst am 14. Juni dem Willen Londons gebeugt und die diplomatischen Beziehungen zu Italien abgebrochen, aber Italien n i ch t den Krieg erklärt. Die Mitteilung über den Abbruch Der diplomatischen Beziehungen zu Italien fei von Erklärungen maßgebender ägyptischer Regierungsmitglieder begleitet gewesen, ,in denen aus die Zwangslage Aegyptens hingewiesen und der Schmerz des Landes bekanntgegeben worden sei, eine derartige Haltung Italien gegenüber einnehmen zu müssen, und daß nicht die Absicht bestehe, über den Zustand der abgebrochenen diplomatischen Beziehungen hinauszugehen.
Auf diese Weise fei die gegenwärtige widersinnige Lage entstanden. Das nicht im Kriege mit Aegypten
stehende Italien hat von ägyptischem Gebiet aus von England angegriffen werden können. Wie immer nun — nach den auch in Aegypten eingetretenen Aenderungen in der Regierung — die zukünftigen Absichten Aegyptens sein mögen: feststehe, daß von ägyptischem Gebiet aus England gegen Italien operiere. Italien könne es nicht zulassen, daß das von einem ihm befreundeten Volk bewohnte ägyptische Gebiet dem Feinde a l s Operationsbasis diene, um Libyen und Aethiopien zu bedrohen und anzugreifen; vor allem aber, um die Verbindungen Italiens mit seinem Imperium unter Verletzung der internationalen Verträge zu unterbrechen, die die Neutralität des Suezkanals auch in Kriegszeiten festgelegt hätten. Wenn nun Italien auf ägyptischem Gebiet operiere, so bekämpfe es England. Italien beabsichtige auch heute nicht, Aegypten in den Krieg zu verwickeln. Es sei nicht Italiens Schuld, wenn nun der Krieg Fuf ägyptischem Boden geführt werde. Das ägyptische Volk möge es nochmals zur Kenntnis nehmen: Italien verbleibe dem ägyptischen Volk gegenüber von lebhaften und aufrichtigen Gefühlen der Freundschaft beseelt.
Italienischer Wehrmachtsbericht.
Rom. 16. Sept. (DRV.) Der italienische Wehrmachtsbericht vom IRontag hat folgenden Wortlaut:
Unsere Vorhuten haben Sollum beseht und überschritten und dabei rund 50 feindliche Tanks- und Panzerwagen zerstört. Feindliche Abteilungen haben auf ihrem Rückzug zahlreiche Lager in Brand gesteckt und durch sehr intensive Aktionen unserer Luftwaffe schwere Verluste erlitten.
Line unserer Luftformationen hat im Sturzflug den Flughafen von Hal Far auf Malta bombardiert, wobei die Flak, die Anlagen und die Flug- zeugschuppea Volltreffer erhielten. Line starke Explosion und ein darauffolgender Brand von beträchtlichen Ausmahen wurde beobachtet. Aufgeftiegene feindliche Jagdflugzeuge find einem Kamps mit unseren begleitenden Jägern aus dem Wege gegangen und haben dagegen unsere Sturzbomber (Picchia- telli) angegriffen, die zum Gegenangriff übergingen und ein feindliches Flugzeug abschossen sowie ein weiteres schwer beschädigten. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.
Im östlichen Mittelmeer haben unsere Schnellbote (Mas) ein feindliches U-Boot versenkt. Lin feindlicher Kreuzer, der von einer unserer Luftformationen angegriffen wurde, hat durch eine Bombe mittleren Kalibers einen Volltreffer erhalten.
In O st a f r i k a haben unsere Flugzeuge die Anlagen in der Zone von Goz Regeb (Sudan) bombardiert. Feindliche Luftangriffe auf Assab, Masfaua, Debaroa, Asmara und Gura haben ins- gesamt vier Verwundete und geringen Sachschaden zur Folge gehabt.
In Matemma haben bewaffnete Einwohner eine von einem australischen Hauptmann geführte
Spaniens Innenminister in Berlin.
Berlin, 16. Sept. (DNB.) Auf Einladung der Reichsregierung traf der spanische Innenminister Serano Sun er zu einem mehrtägigen Besuch in der.Reichshauptstadt ein. v Der Reichsminister des Auswärtigen v. R i b b e n t'r o p begrüßte den spanischen Minister auf dem Anhalter Bahnhof. Der spanische Botschafter in Berlin, General Espinosa de los Monteros, Vertreter der Falange und der spanischen Kolonie hatten sich auf dem Bahnsteig eingefunden. Zu Ehren des Ministers gab der Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbentrop am Montagabend einen (Empfang im Hotel Adlon, an dem Generalfeldmarschall Keitel, Reichsminister des Innern Dr. Frick, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsführer ff Himmler, Reichsleiter Bouhler, Staatsminister Dr. Meißner, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherr von Weizsäcker sowie der italienische Geschäftsträger und die Mitglieder der spanischen Botschaft anwesend waren. Der spanische Innenminister wird am Dienstagvormittag vom Führer in der Reichskanzlei empfangen werden.
Deutsche Schriftleiter in Bergen.
Oslo, 16. September. (Europapreß.) Zehn deutsche Schriftleiter, die auf Einladung von Reichs ko mmissar Terboven eine Studienreise nach Norwegen gemacht haben und ■bereits Nordnorwegen und Drontheim besuchten, statteten auch Bergen einen Besuch ab. An der Grenze Westnorwegens wurden sie von dem Rit- terkreuzttäger Major Klein begrüßt, der ihnen während der Fahrt ein anschauliches Bild der Schwierigketten gab, d-ie das Gelände hier den deutschen Truppen beim Kampf um die Bergen- Dahn bereitete. Sehr herzlich gestattete sich der Empfang in Bergen durch den Gebietskommissar ^-Oberführer D e l l e n b u s ch. Eine Stadtrundfahrt schloß sich dem (Empfang an. Den Nachmittag füllten Besuche der militärischen Stellungen aus. Hierauf reiften die Schriftleiter nach Oslo zu-
karawane, die in unser Gebiet einzudringen versuchte, Überrascht und in die Flucht geschlagen.
Sollums strategische Sedeutung.
Englands Auffassung heute und gestern.
Rom, 16.September. (DNB.) Das von den italienischen Truppen eroberte Sollum hat bereits im Laufe der letzten Jahrzehnte im diplomatischen Zwischenspiel der Großmächte eine erhebliche Rolle gespielt. Als die Engländer im Jahre 1882 Aegypten besetzten, dehnten sie mit der Begründung „strategischer Notwendigkeit" das von ihnen beherrschte Territorium bis nach Soll u m a u s. Auf der Konferenz von Ouchy, die den ägyptischtürkischen Krieg abschloß, widersetzten sich England und Frankreich mit dem Hinweis auf die besondere strategische Bedeutung von Sollum einer Eingliederung dieses Küstengebietes an Italien. Als auf der Konferenz von Versailles im Jahre 1919 die Italiener die chnen im Londoner Vertrag von 1915 von England und Frankreich gemachten Zugeständnisse erörterten, und von der italienischen Regierung d i e Erfüllung der übernommenen kolonialen Versprechungen gefordert wurde, war es von neuem der Vertreter Großbritanniens, Lord Milner, der die Abtretung von Sollum an Italien stets mit dem gleichen Hinweis auf die für England wichtige strategische Bedeutung von Sollum ab- lehnte.
Im Jahre 1920 kam schließlich das Hil-ner-Scra- loja-Abkommen zustande, in dem Sollum endgültig alsAegypten gehörig anerkannt wurde. Als darauf 1922 die englische Regierung die Unabhängigkeit des ägyptischen Volkes anerkannte, forderte die ägyptische Regierung damals eine neue Bestätigung dieses Aegypten zugesprochenen Gebietes durch Italien. Die Verhandlungen endeten schließlich mit der Abtretung der 20 Kilometer südlich gelegenen Oase von Djura - bub als Gegenleistung an Italien. Wenn jetzt von englischer Seite behauptet wird, daß Sollum strategisch bedeutungslos sei, so widerspricht diese propagandistische Behauptung der Haltung, die England zu wiederholten Malen in den letzten Jahrzehnten eingenommen hat, wobei es hartnäckig an der Betonung der besonderen strategischen Wichtigkeit von Sollum als Grund für die Eingliederung dieses Küstenplatzes in das ägyptische Territorium festhielt.
rück, wo sie vom Befehlshaber der deutschen Landstreitkräfte in Norwegen und von Reichskommissar Terboven empfangen wurden.
Landverbindurig
nach dem nördlichsten Norwegen.
Oslo, 16. September. (Europapreß.) Noch vor dem Einsetzen des Winters wird zum erstenmal in der Geschichte Norwegens eine Landverkehrsoerbindung mit dem nördlichsten Teile Europas hergestellt sein. Wie der Reichskommissar für die besetzten norwegischen Gebiete, Terboven, in einer Unterredung ausführte, ist damit zu rechnen, daß in den nächsten Monaten die Straße von Drontheim nach Kirkenes f ertigge- stellt wird, die dann einen direkten Anschluß an die bestehende Neichsstraße von Oslo nach Drontheim darstellt. An dem Bau sind deutsche Soldaten und Ingenieure beteiligt. Durch diese Verbindung wird das nördliche Norwegen zum erstenmal enger an das übrige Land angeschlossen, was sich gerade auch auf wirtschaftlichem Gebiete in hervorragendem Maße auswirken dürfte, da der langwierige und von Witterungseinflüssen abhängige Seeweg einen Ausbau erschwerte.
Die schwedischen Reichstagswahlen.
Stockholm, 16. Sept. (DNB.) Das Schluß- ergebnis der am Sonntag durchgeführten Neuwahlen in die Zweite Kammer des schwedischen Parlaments führten zu einem sozialdemokratischen Wahlsieg. Die Sozialdemokraten konnten 24 Mandate mehr gewinnen. Am stärksten verloren hat der Schwedische Bauernbund, der 8 Mandate einbüßte. Die Schwedische Volkspartei verlor 4 Mandate, die Kommunisten 2 und die Sozialistische Par- t e i (eine marxistische Partei) hat kein Mandat mehr. Im einzelnen sind folgende Ergebnisse zu verzeichnen:
Reichs Partei 1940: 503 408 Stimmen (42 Mandate); 1936: 512 781 Stimmen (44 Mandate).
Bauernbund 1940: 341 354 Stimmen (28 Mandate); 1936: 418 840 Stimmen (36 Mandate).
Volkspartei 1940: 338 902 Stimmen (23 Mandate); 1936: 376161 Stimmen (27 Mandate).
Sozialdemokraten 1940: 1 527 631 Stimmen (134 Mandate); 1936: 1 338 120 Stimmen (112 Mandate).
Sozialistische Partei 1940: 18 354 Stimmen (0 Mandate); 1936: 127^32 Stimmen (6 Mandate).
Kommunisten 1940: 100 379 Stimmen (3 Mandate); 1936: 196 519 Stimmen (5 Mandate).
Insgesamt abgegeben wurden 2 830 028 Stimmen, auf die 230 Mandate entfielen gegen 1936 mit 2 870 253 Stimmen und 230 Mandaten.
Kunst und Wissenschaft.
Hermann Stehr zur letzten Ruhe bestattet.
Am Sonntag wurde der schlesische Dichter Hermann Stehr in seiner Geburtsstadt Habel- s ch w e r d t unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zur letzten Ruhe gebettet. Hans Christof Kaergel sprach namens des Präsidenten der Reichsschrifttumskammer Worte des Gedenkens. Unter den Kranzspenden bemerkte man die der Reichsminister Dr. Goebbels und Rust sowie des Reichsführers ff Himmler.
Dr. Vögler Ehrensenator von Münster.
Die Wilhelms-Universität Münster hat den Generaldirektor Dr. phil. h. c. Dr. ing. e. h. Albert Vögler wegen seiner Verdienste um den Ausbau dieser Universität als ersten zum Ehrensenator ernannt. Dr. Vögler ist seit Jahren Erster Vorsitzender der Gesellschaft zu Förderung der Westfälischen Wilhelms-ttniversität.
Arbeitstagung des RSD.-Dozentenbundes.
Der Reichsdozentenführer Professor Dr. Walter Schultze rief die Leiter des Amtes Wissenschaft des NSD.-Dozentenbundes aller Hochschulen zu einer Arbeitstagung in München zusammen. Der Leiter des Amtes Wissenschaft in der Reichsdozentenführung Professor Dr. Gustav Borger hielt dabei einen Vortrag über die Wissenschaftsarbeit des NSD.-Dozentenbundes an den einzelnen Hochschulen und im Reich Die Sammlung aller Kräfte auf den verschiedenen Fachgebieten führe nicht nur zur Einheit des wissenschaftlichen Denkens und der Arbeit an unseren Hochschulen, sondern sei zugleich die Pflicht der verantwortlichen geistigen Führer im Kampf zur Neuordnung Europas. Die von ihm dargelegten Pläne wurden in eingehenden Aussprachen erörtert. Weiterhin berichteten d-ie führenden Dozenten über die Leistungen an ihren Hochschulen.
Oer Widerruf.
Von Kary Ottinger.
Nack dem Dreißigjährigen Krieg hatten die Mo- ralprebiger besonders viel zu tun, galt es doch, die Menschen, die unter der langjährigen Geißel des Krieges so arg gelitten hatten, wieder aufzurichten, ihnen den nötigen sittlichen Hall zu geben und sie zurückzu führen in das feste Gefüge der Ordnung und der Disziplin.
Unter den Männern, die sich da als Warner hervortaten und die Menschen aus ihrer Verwahrlosung rissen, war auch der berühmte Prediger Abraham a Santa Clara, ein geborener Schwabe, ein Mann, der den Mund am rechten Fleck hatte und auch vor einem harten Wort nicht zurückscheute. Er kannte feine Leute, und wußte, wie man ihnen am besten bei kommen könnte. Und danach richtete er sich.
Abraham a Santa Clara hieß mit seinem bürgerlichen Namen Ulrich Megerle und war, wie allgemein befannt, ein witziger, schlagfertiger und dabei unerschrockener Redner und Draufgänger, der rücksichtslos und unnachsichtig die Torheiten feiner Mitmenschen anprangerte und geißelte.
Schärfer, witziger und bissiger hat wohl nie ein Volksapostel gegen Modeunfug und Lotterwesen aller Art geeifert
So nahm er eines schönen Tages das Modeunwesen der Weiber zum Zielpunkt seines Angriffs, trat mit allem Nachdruck gegen die Auswüchse auf diesem Gebiet auf und schloß feine Ausführungen mit den drastischen Worten: „Weiber, die sich so stark entblößen, sind nicht wert, daß man ihnen ins Gesicht spuckt!"
Das war den Frauen zuviel. Sie gingen kurzerhand zur Kaiserin und beschwerten sich über die „rüde" Art des Predigers.
Abraham a Santa Clara war damals Hofprediger in Wien, und er mußte sich eine Zurechtweisung der Kaiserin gefallen lassen, die ihm riet, seine Ausfälle zu widerrufen.
Am darauffolgenden Sonntag war kein Plätzchen in der Kirche leer. Alles war herbeigeeilt, alles
wartete gespannt daraus, wie der Prediger sich diesmal wohl aus der Patsche ziehen würde.
Abraham a Santa Clara stellte die Neugierigen aber auf eine harte Probe; denn die Predigt ging schon ihrem Ende zu, und noch kein Sterbenswörtchen war über seine Lippen gekommen, keine Entschuldigung, kein Widerruf.
Die Derfammelten Damen, denen ein Rückzug des Volksapostels nur gar zu gut gepaßt hätte, gaben bereits alle Hoffnung auf.
Da — es war kurz vor Predigtschluß — sprach Abraham a Santa Clara die folgenden Worte: ,Hch habe neulich gesagt, daß Weiber, die sich so stark entblößt tragen, nicht wert seien, angespuckt zu werden. Dies widerrufe ich hiermit feierlich und erkläre öffentlich: sie sind es wert!"
„Trenck, der Pandur."
Ein Hans-Albers-Filrn der Tobis.
Wie das Ewig-Kindliche im Manne zeitlebens in einem verborgenen Winkel seines Herzens eine stille Liebe für Eisenbahn und Baukasten, für Zinnsoldaten und Indianer behält, so bewahrt es auch den Helden seiner Tertianer-Lektüre ttotz aller lächelnden Selbstbespöttelung eine Zuneigung, die ohne Nachfolger bleibt. Dielleickt ist es diese Erinnerung an eine, noch ganz unkomplizierte jugendliche Begeisterungsfähigkeit, die das unwägbare Fluidum in der Kunst eines Schauspielers wie Hans Albers ausmacht. Mit den gleichen brennenden Augen, mit denen wir vor dreißig oder vierzig Jahren unseren Karl May, unsere Heldensagen, unsere Kriegs-Abenteurer- und Seemannsbücher verschlangen, starren wir jetzt in den Wirbel der sich überstürzenden Ereignisse auf der Leinwand, lassen uns willig einfangen von dem knabenhaft unbekümmerten Draufgängertum dieses Hans Albers, von seiner überlegenen Wurstigkeit, mit der er auch aus verzwicktesten Situationen einen Ausweg findet, von seiner chevaleresken Galanterie gegenüber dem schönen Geschlecht und seiner ab« gründ tiefen Verachtung, die er vertrottelten Bürokraten und Hofschranzen samt ihrem „Instanzenweg" oft recht drastisch und handgreiflich bezeigt.
Hans Albers macht feine Helden nicht zu überirdisch schönen und makellosen Fabelwesen. Sein derber Humor, feine schalkhaften (Eutenfpie^eleien, sein heißblütiges Temperament sorgen dafür, daß auch seine kühnsten Heldentaten, seine aewagtesten Abenteuer im Menschlichen bleiben uno an unsere Knabenphantasie keine unmöglichen Anforderungen stellen.
„Ewig ist der Kampf, und ewig ist die Liebe", unter dieses Motto hat der Pandurenhäuptling Franz von der Trenck sein Leben gefteHt, und damit ist er auch für Hans Albers der rechte Mann. Das fängt gleich mit einer Exekution im wilden Rußland an, wahrlich im letzten Augenblick rettet ihn eine schöne Frau vor den Kugeln des Pelotons und vor der Rache des Gouverneurs. Trenck kehrt nach Jahren ziellosen Umherstreifens durch aller Herren Länder in die Heimat zurück, und der alte Vater hat es leicht, ihn zu bewegen, in den Dienst seiner Kaiserin, der schönen Maria Theresia, zu treten. Mit seinem aus slavonischen und kroatischen Grenzräubern zusammengestellten Pandurenregiment macht er sich in den Feldzügen der Kaiserin bald einen gefürchteten Namen. Ebenso sehr aber auch bei Hofe, wo seine Verachtung des Jnstanzen- zuges als Disziplinlosigkeit peinlich vermerkt wird. Aber so unerschrocken er vor dem Feinde ist, so wenig fürchtet er auch die Ungnade der Kaiserin, wenn es darum geht, einer schönen Frau aus der Klemme zu helfen und sie vor einer aus politischen Gründen inszenierten Heirat mit einem ungeliebten Manne zu bewahren. Dabei kommt er einer verzwickten Spionagenffäre auf die Spur und scheut nun nicht den Verdacht des Landesverrats, um in das feindliche Hauptquartier einzudringen, in tollkühner Flucht durch die Festungskas'ematten die feindlichen Aufmarschpläne ins österreichische Lager zu bringen und nun mit feinen Panduren siegreich über den Rhein den Angriff auf die Franzosen vorzutragen. Die Belohnung bleibt nicht aus. Im Festsaal der Wiener Hofburg empfängt er an der Spitze seiner tapferen Pandurenoffiziere aus der Hand der Kaiserin das Schwert der ungarischen Krone.
Was wir hier über den Inhalt des Films berichteten, klingt nüchtern und schal, gemessen an der Fülle sich überstürzeicher Ereignisse, die W. 3er-
lett-Olfenius in feinem Drehbuch frei nach der Historie zusammengedrängt und aus der Perspektive eines jugendlich beschwingten und vereinfachenden Enthusiasmus gestaltet hat. Herbert S e l p i n s Regie läßt die Handlung in einem wahrhaft atemberaubenden Tempo ablaufen und hat auch nicht an Kontrasten gespart, um die alles beherrschende Gestalt des Pandurenttenck in kräftigen Strichen sinnfällig herauszustellen. Aber auch die feiner angelegten Szenen um Maria Theresia kommen zu ihrem Recht. Franz Kochs Kamera hat sehr schöne Bilder von der festlichen Pracht der Wiener Hofburg geschaffen und die Flucht des Pandurenttenck durch Die Festungskasematten unter den Detonationen eines iw dis Luft gesprengten Pulvermagazins in erregender Bildfolge begleitet. Die hübfche Musik mit dem eingängigen Pandurenmarsch machte Franz Solle.
Hans Albers, mit dem der Film natürlich steht und fällt, kommt uns diesmal indreifacherGe- sta lt, als Pandurenttenck der eigentliche Albers, wie wir ihn kennen, ein galant-verwegener kraftstrotzender Abenteurer, der hier im Dienst feiner Herrscherin und seines Landes sich gleichsam geadelt durch eine nationale Idee mied erfind et, als Vater Trenck, ein knurriger alter Kauz,, und schließlich noch als der preußische Vetter Friedrich von der Trenck, der ja als Opfer feiner Liebe zu der Schwe» ster Friedrichs des Großen den Namen vor allem bekannt gemacht hat. Die beiden Vettern als Gegenspieler, von Hans Albers mit feinen Nuancen charakterisiert, haben Szenen von großer Wirkung. Käthe D o r s ch s Maria Theresia, erfüllt von der Würde der Herrscherin, aber auch angetan von der flüchtigen Koketterie der sich chrer Schönheit bewußten Frau, ist mit chrer ganz natürlich sich gebenden Heiterkeit und dem Anflug eines leicht wienerisch gefärbten Dialekts von einem bezwingenden Liebreiz. Hilde Meißner ist eine sehr kühle, listenreiche Französin, die große Intrigantin von Format, Sybille Schmitz, die Prinzessin als Pandurenkomett, von jungenhafter Schlankheit, herb und verhalten, Peter Voß ein väterlich besorgter Feldmarschall, in kleineren Rollen unter vielen anderen Elisabeth Flickenschildt, Herbert Hübner, Oskar Sima, Karl Fo Hier und Hans Nielse Dr.rr.W.Lange.


