Ausgabe 
17.8.1940
 
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rend meines Engagements abbrannh» folgte ich meinem Intendanten nach Stralsund. Äon da ging ich zwei Jahre an das Stadttheater in Rostock und anschließend nach Stettin. Dem folgten Engagements an die Pfalzoper Kaiserslautern, nach Chemnitz und Hannover, lieber all wurde ick so reizend ausge­nommen, daß mir stets der Aoschied schwer wurde. Aber gibt es etwas Schöneres, als sich immer wie­der ein neues Publikum zu erobern? Und jetzt komme ich nach Gießen, um mich auch hier in alle Herzen hineinzutanzen.

Strafkammer Gietzen.

Wilhelm Speck in Gießen hatte sich wegen Dieb­stahls im Rückfall zu verantworten. Er hatte mittels Einbruchs oder Erbrechens von Behältnissen eine Reihe von Gegenständen entwendet. Die Diebstähle wurden fast durchweg während der Ausführung von Arbeiten vei Kunden feines jeweiligen Arbeits­gebers ausgeführt. Der Angeklagte lieh auch solche Gegenstände, die keinen besonderen Wert hatten, mitgehen, er nahm, außer glühendem Eisen, sozu­sagen, alles mit. Der Sachverständige ist der An­sicht, daß bei dem Angeklagten ein angeborener Hang zum Verbrechen besteht. Er hält den Ange­klagten für einen Gewohnheitsverbrecher, der für sein Tun voll verantwortlich sei und gegen den die Sicherungsverwahrung angeordnet^ werben müsse. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamtzucht­hausstrafe von 6 Jahren, Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren und Anordnung der Sicherungsverwahrung. Der An­geklagte wurde des Diebstahls im Rückfall in drei Fällen sowie des Einbruchsdlebstahls im Rückfall als gefährlicher Gewohnheitsverbrecher schuldig er­kannt und unter Freisprechung im übrigen zu einer Gesamtzuchthaus st rase von 5 Jahren und 6 Monaten, abzüglich 6 Monate Unter­suchungshaft, verurteilt. Dem Angeklagten wur­den die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte nur einmal mit Zuchthaus vorbestraft ist, wurde von der Anordnung der Sicherungsver­wahrung abgesehen. Der Angeklagte erkannte so­fort die Rechtskraft des Urteils an.

Amtsgericht Gietzen.

Ein Mann in Gießen hatte einen Strafbefehl über 20 RM. erhalten. Er war beschuldigt, am 19. Juni in der Zeit der Verdunkelungspflicht in seinem Lager oder Arbeitsraum Helles Licht ge­brannt zu haben, ohne daß die Fenster verdunkelt waren, so daß der Lichtschein weichin sichtbar war. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde der Ange­klagte überführt. Dem Antrag des Anklagevertre­ters entsprechend wurde er zu einer Geldstrafe von 20 RM. verurteilt, und zwar mit Rücksicht dar- auf, daß er bereits wiederholt wegen der gleichen Übertretung verwarnt und auch einmal bestraft wor- den ist. Selbstverständlich hat der Angeklagte auch die weiter entstandenen Kosten des Gerichtsverfahrens zu tragen. Dem Angeklagten wurde für den Wie­derholungsfall Freiheitsstrafe angedroht.

H. M. in Usenborn hatte sich wegen Beleidigung zu verantworten. Er hatte, nachdem er am 3. Ja­nuar 1939 vom Amtsgericht in Ortenberg wegen falscher Anschuldigung und übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt worden war, in einem an das Amtsgericht Ortenberg ge­richteten Brief ohne Unterschrift vom 6. Januar 1939 den Richter dieses Amtsgerichts in der schwer­sten und gemeinsten Weise beleidigt. Er hatte wei­terhin in einem Schreiben vom 24. Juli 1939 an den Reichsjustizminister den Oberamtsrichter in O. in ähnlicher Weise beleidigt und am 7. November 1939 bei seiner richterlichen Vernehmung diese Be­leidigung noch einmal wiederholt. Der Anklagever­treter beantragte eine Gesamtgefängnisstrafe von 6 Monaten. Hierauf legte der Angeklagte, der bis dahin leugnete, ein umfassendes Geständnis ab. Der Angeklagte wurde der Beleidigung in drei Fällen schuldig erkannt und zu einer Gesamtgefäng­nisstrafe von 4 M o n a t e n verurteilt.

Die Neubauten der Llniversi'iät Gießen

Oberhessische Art im Volksmund

* Herausgegeben im Auftrag der Gießener Stu« dentenschaft von Schriftleiter Hans Fritz Schuster in Gießen.

Wenn Augen versagen Mdgnus-Brillen fragen!

Dor kurzen haben wir ein von Lcmdge- richtsrät Dr. jur. Moritz Hans ult heraus- gegebenes BuchVogelsberg und Wetterau in alten und neuen Zeugnissen für Sinn und zArt ihrer Bauern" (Verlag von Münchow'sche ^Druckerei in Gießen) erwähnt, das im Rah­men derGießener Beiträge zur deutschen Philologie" erschienen ist. Aus diesem inter­essanten Buch lassen wir heute die nach- stehende Leseprobe folgen, die einen Einblick in das oberhessische Volkstum bietet Es heißen V = Vogelsberg, W = Wetterau.

Neubau der Erweiterung der Medizinischen Klinik.

Dieser Erweiterungsbau wird an der Ecke der Klinik- und Gaffkystraße an Stelle des jetzigen Mediko-Mechanischen Instituts, das abgebrochen wird, ausgeführt. Der Neubau steht mit dem Haupt­gebäude und dem Jfolierhaus in Verbindung. Es find untergebracht im Kellergeschoß die neuzeitliche Bade- und Gymnastikanlage und die Physikalisch- Hydrotherapeutische Abteilung, im Erdgeschoß die neue Röntgen-Abteilung und Krankenzimmer, im ersten Obergeschoß weitere Krankenzimmer und La­boratorien für klinische und wissenschaftliche Arbei­ten, im obersten Geschoß Wohnräume für Aerzte und Schwestern usw. Der runde Vorbau enthält die Räume der Röntgen-Therapie. Wie alle übrigen Neubauten wird der Erweiterungsbau als Putzbau mit Schieferdach ausgeführt und in einen Garten hineingestellt.

Neubau des Anatomischen Instituts.

Der Neubau wird bei den Kliniken auf dem Sel­tersberg, an der Ecke Uhlandstraße und Wartweg, dem Charakter des Instituts entsprechend als rein symmetrische Anlage ausgeführt. Man bevorzugte, wie die Geschichte des Anatomiebaues zeigt, bis vor kurzem nur diese Formgebung, die in ihrer monu­mentalen Haltung der Würde der Arbeit in diesem Hause entspricht. Das neue Institut gliedert sich in ein Unterrichts- und Lehrinstitut und in ein For­schungsinstitut, die nebeneinander liegen und ge­trennte Eingänge haben. Der Grundriß zeigt eine Straßenfront nach der Uhlandstraße mit kleinem Schmuckhof, in dessen Achse die Treppenhalle liegt, und eine Gartenseite mit dem großen Hörsaal in der Mitte, von dem aus man, wie auch vom Sockel- ?eschoß aus, unmittelbar in den Garten gelangen ann. Auf die Anlage eines entsprechenden Gartens mit Wandelgang zur Erholung während der Ar­beitspausen wurde besonderer Wert gelegt. Die Symmetrie der Gartenanlage betonen die beiden für den Präparator und den Hausmeister bestimm­ten Wohnhäuschen. Die gesamte Anlage wird mit einem grünen Gürtel von Bäumen und Gebüsch eingefaßt.

Neubau und Erweiterung des Physikalischen Instituts.

Anschließend an das bestehende Physikalische In­stitut in der Goethestraße soll, verbunden mit dem Flügelbau in der Stephanstraße, ein Erweiterungs­bau angefügt werden. Nach Errichtung des Baues wird es möglich fein, die Trennung des Instituts in Lehre und Forschung klarer durchzuführen. Der moderne, beim Vierjahresplan und besonders in der Industrie heute aktiv mitaufbauende Physiker braucht eine Lern- und Erziehungsstätte, die der Bedeutung feines ihm vom Volke gegebenen Auf­trags entspricht. Der Reichsforschungsrat hat sich durch Zuwendungen von Mitteln für die Durchfüh­rung dieser Aufgabe ganz besonders eingesetzt, so daß'es möglich fein wird, modernste physikalische Aufgaben, rote bie bet Kernphysik, der Probleme

handwerkliches:

Der Hot fan aigene Kopp roei e Schnitzbank CD). Es hunk so verlorn do (W). Wejs on Bendriehme gengf, do Hot er uffgeroe (W), verschpeilt (D). Alleweil tritt dej Hack en Schtejl (W). Dou best aach net pur Seine (W). Dou wist schäbb gewedelt

Fahrrad-Unterstellräume usw., auf der anderen Seite das Laboratorium für Landmaschinenbau mit den dazugehörigen Räumen, wie Werkstätten usw. Vor dem Haupteingang liegt das Wohnhaus des Haus­meisters. Die äußere Gestaltung des Baues sieht entsprechend seinem Charakter als Gebäude der landwirtschaftlichen Institute die Verbindung von Fachwerk mit Putzbau vor. In Fachwerk vorgesehen sind die Treppenhäuser, der Vorbau am Hauptein­gang und der Turmaufbau.

*

Alle diese großen Bauten, die als eme starke För­derung der Arbeitsaufgaben unserer Universität anzusehen sind, werden, wie wir von anderer, gut­unterrichteter Seite hören, natürlich nicht in den nächsten zwei oder drei Jcchren völlig errichtet wer­den können. Es handelt sich vielmehr um eine Bau­aufgabe, die sich über eine Reche von Jahren er­strecken wird.

Skigelände für die Universität auf dem Hoherodskopf.

Zur Förderung der sportlichen Betätigung der Studierenden unserer Universität wird, wie wir von zuständiger Seite erfahren, auf dem Hoherodskopf ein großes Skiaelände für die Universität Gießen hergerichtet werden, dem die Errichtung einer ent­sprechenden Skihütte folgen wird. Es kann damit gerechnet roerdey, daß dieses Skigelände unseren Studenten voraussichtlich schon im kommenden Winter zur Verfügung stehen wird. Der Bau der Skchütte dürfte wahrscheinlich hn Lause des nächst­jährigen Sommers vorgenommen werden. B.

der Atomzertrümmerung und der Erzeugung künst­licher radio-aktiver Elemente, zu behandeln und zu lösen. Der Neubau wird alle zur Erledigung des großen Auftrages erforderlichen Räume für Lehre und Forschung enthalten, so u. a. die die äußere Gestaltung des Neubaues bestimmenden großen Räume, den Hörsaal und das Hochspannungslabo­ratorium, in dem Gleichspannungen von 1,5 Mil­lionen Volt erzeugt werden können.

Neubau der landwirtschaftlichen I n st i t u t e.

Auf dem Baugelände verlängerte Schubertsttaße gegenüber der Gaffkystraße sollen folgende Jnstttute untergebracht werden: Institut für Pflanzenbau, für Tierzucht und Milchwirtschaft, für Agrikultur­chemie, für' Agrarpolitik und Betriebslehre, für Landmaschinenkunde und die Allgemeine Verwal­tung. Ausreichende Lehr- und Aorschungsräume und auch Räume für Verwaltung sind vorgesehen, eben­so Versuchshäuser, Stallbauten und das zugehörige Versuchsgelände. Dem Hauptgebäude vorgelagert sind zu beiden Seiten des Haupteingangs an- geordnet auf der einen Seite die Garagen für Personen- und Lastkraftwagen, Fuhrwerk- und u.t. das vornehme l067D

Familien - Caf£ in Gießen

ImGießener Anzeiger" Nr. 186 vom 8. August haben wir eingehend über die von der Stadt Gießen gegenwärtig durchgeführte Neugestaltung des Vorlesungsgebäudes unserer Univer­sität berichtet. Ein weiterer Aufsatz imGießener Anzeiger" Nr. 189 vom 12. August machte in knap­pen Umrissen Mitteilungen über den Generalbe­bauungsplan der Universität und über die in die­sem Rahmen vorgesehenen neuen Bauten. Während es sich in diesem Aufsatz um eine gewissermaßen im Telegrammstil gehaltene summarische Auszah­lung der großen Baupläne handelte, macht der für die Universitätsbauten zuständige Sachbearbeiter, Regierungsbaurat G e r l a ch vom Hessischen Hoch­bauamt Gießen, in einem imGießener Universi­täts-Führer 1940* erschienenen Aufsatz über die Neubauten der Universität Gießen nähere Angaben. Er betont bann, daß die Bau­tätigkeit der Universität der tatkräftigen Unter­stützung durch den Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger, der den Belangen der Gießener Hochschule größtes Interesse entgegenbrinat, zu verdanken ist, ferner den die Universität betreuen­den maßgebenden Stellen der Landesregierung, vor allem auch ganz besonders dem rastlosen und vollem persönlichen Einsatz des Rektors der Universität Professor Dr. Heinrich Wilhelm Kranz, der hier­bei wirksam durch die Direktoren der in Betracht kommenden Kliniken und Institute unterstützt wird, lieber die Neubau-Projekte macht Regierunasbaurat Gerlach in seinem Aussatz u. a. folgende Angaben:

Außer dem Erweiterungsbau der Medizinischen Klinik und des Physikalischen Instituts, den Neu­bauten des Anatomischen ^Instituts und der land­wirtschaftlichen Institute letzterer liegt vorerst nur in der Planung vor ist die Ausführung noch folgender Um- und Erweiterungsbauten genehmigt: der Um- und Erweiterungsbau der Chirurgischen Veterinär-Klinik, der mit anderen Bauvorhaben an dringlichster Stelle steht, der Erweiterungsbau der Poliklinik, der Umbau der Kinder-Klinik mit Ein­richtung eines Schwesternhauses, der Erweiterungs­bau des Tierseuchen-Jnstituts u. a., sowie eine größerer Anzahl kleinerer Bauvorhaben in verschie­denen Kliniken und Instituten. Ferner sind geplant die Neubauten eines Verwaltungsgebäudes der Medizinischen Kliniken (in dem auch das Institut für Erb- und Rassenpflege neue und seiner großen Aufgabe besser angepaßte Räume erhalten wird), eines Verwaltungsgebäudes der Universität, die Er­weiterung der Universitäts-Bibliothek, ein Erweite­rungsbau für die Frauen-Klinik, Erweiterungsbau­ten des Veterinär-Anatomischen Instituts, der Ge­burtshilflichen sowie der Medizinischen Veterinär­kliniken, die Errichtung einer Großheizungsanlage, die Erweiterung des Wäschereihauses, der Küche der Chirurgischen Klinik usw.

Eine besondere Aufgabe ist durch die geplante Umgestaltung der Klinikstraße gestellt, die zur Zeit als allgemeine Verkehrsstraße das Gartengelände der Kliniken in zwei Teile teilt. Nach Entfernung der hohen eisernen und hölzernen Einfriedigungen auf beiden Seiten der Straße und deren Ersatz durch niedrige Ligusterhecken mit Nischen für Figuren und Bänke und nach Säuberung von überflüssigem Baumbestand sollen weite und übersichtliche Rasen­flächen entstehen, die die drei großen Kliniken, die Medizinische, die Chirurgische und die Frauen- Klinik auch nach außen hin in Verbindung brin­gen, wobei auch die Beseitigung des viel zu klein aeroorbenen Verwaltungsgebäudes und zweier Wohnbauten, die Errichtung eines Torhauses an der Frankfurter Straße und einer das gesamte Kliniksgelände umfassenden Einfriedigung vorzu­sehen ist.

Die schöne Melusine

Roman öon Hans Richter

29 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Tilde will die Frau nicht verwirren, deshalb hat sie ihr ruhig zugehört. Jetzt wird sie aufmerksam. Was ist denn mit dem Wasser los?"

Sind noch zwei draußen auf dem Wasser mit dem Boot."

Vielleicht Herr und Frau Mewes mit ,ßotie­fen? Da brauchen Sie keine Angst zu haben, Fräu­lein Brümmer, die wissen Bescheid hier."

Nein, das ,Lotteten' liegt unten im Bach, und Herr und Frau Mewes, da stehen die Schuh vor der Tür." Fikchen muß kichern.Die waren beinah die ersten, die sich verdruckt haben."

Also, wer ist es denn?"

Ein junger Mann und ein Fräulein. Erst sind sie runter ans Wasser und haben im Friedrich sein Boot nur geschunkelt. Wir naben früher auch gern geschunkelt, Fräulein Rohloff, tun alle jungen Leute gern. Ja, aber als Friedrich vorhin noch mal nach­sieht, ist der Kahn fort, und das Pätschel ist auch weg. Nur die Schöpfkelle, die haben sie wohl nicht für nötig gehalten, weil ja Friedrich heute den Kahn für die Gäste ganz trocken geschöpft hat. Die liegt im Rasen."

Tilde denkt sofort an die Fahrt neulich mit Hell­wig, und sie stellt sich die beiden Berliner in dem alten brüchigen Boot mitten auf dem See vor. Da­zu noch bei dem aufziehenden Gewitter.

Da muß etwas geschehen, Fräulein Brümmer", sagt sie.Haben Sie eine Laterne?"

Während Fikchen unten die Laterne sucht, zieht sich Tilde rasch an. Dabei überlegt sie, ob sie Fritz Mewes wecken soll. An Hellwig und Holzmann ist in diesem Fall nicht zu denken. Aber sie verwirft den Gedanken sofort wieder, schärft Fikchen noch ein, sie dürfe die Sommernachtsträumler nicht unruhig machen, und stolpert davon.

Romantik ist ganz schön, aber bei Nacht sind ro­mantische Wege schwer gangbar, und ehe Tilde

unten am See ist, hat sie mehrere Male beinahe auf der Nase gelegen.

- Hier unten sieht alles ein bißchen anders aus. lieber das Wasser fegen eben die ersten Böen, und hinter dem Walde zucken die Blitze. Es ist stich­dunkel, und man kann die Hand nicht vor den Augen sehen, nur die Wasserfläche leuchtet fahl und glitzert im Schein der elektrischen Entladungen auf.

Tilde schwenkt die Laterne, formt die Hände zu einem Trichter, ruftHallo! und horcht auf.

Nichts.

Man kann hier nicht untätig stehen, denkt sie. Man muß etwas unternehmen. Friedrich Brümmers Kahn ist das Gegenteil einer Lebensversicherung, und nicht alle Berliner sind geborene Seeleute.

Solche, die mit einem Boot losfahren und die Schöpfkelle daheim lassen, schon gar nicht.

In dieser Schwierigkeit fällt Tilde das brave ,Lotteken' ein. Mit einem Faltboot hält man es auch bei Schlechtwetter auf dem See aus. Als ver­nünftiger Paddler würde man natürlich bei Aus­bruch eines Gewitters alles andere tun als aus­fahren was tut man aber, wenn man für einen B Sommernachtstraum voll Menschen die wortuna trägt und nicht nur als Mensch, son­dern auch im Interesse einer Firma denken muß?

Das gute ,Lotteken' ist fahrbereit wie immer. Fritz hat die Spritzdecken eingeklemmt und die Mannlöcher gedichtet. Die Paddel liegen drin. Im Augenblick hat Tilde Schuhe und Strümpfe aus­gewogen, steht im Bach und schiebt das Boot vor sich her über die Sandbank, steigt ein, befestigt die Laterne notdürftig und paddelt los.

Sie ist noch keine zehn Meter vom Ufer entfernt, als wieder eine heranfegt. Ein Blitz erhellt für einen Augenblick den See und im Licht dieses Blitzes glaubt Tilde in der Nähe der Runeninsel ein schwarzes Etwas gesehen zu haben. Es ist aber schon wieder dunkel, und der lärmende Donner übertönt alle Geräusche.

,Hallo!" ruft Tilde,Hallo!"

Nach der tritt eine gewisse Ruhe ein, jene trügerische Ruhe, die nur eine Atempause bedeutet und der bestimmt eine nächste starke nachfolgt. Tilde weiß genau, was kommt. Das dauert so lange, bis das Gewitter heran ist und bis der rich­tige Regen einsetzt. Dann ist es zwar mit dem

Wind vorbei, aber es ist auch nicht ratsam, auf dem See zu bleiben, denn nach dem Gesetz der sich anziehenden Pole ist das Faltboot bann der höchste Punkt und beträchtlich gefährdet.

Jetzt aber handelt es sich nur um den schwarzen Punkt und um nichts anderes. Tilde beschließt, mit aller Kraft ihm entgegenzupaddeln.

Hält an, als sie einen Schrei zu hören vermeint, der wieHilfe!" klingt.

Auf die Insel zu halten!" ruft 1 fahrt zur Mühle ist zu weit. Äu insei!"

So etwas kann man rufen, wohin aber der Wind die Worte trägt, weiß fein Mensch.

Und jetzt wird es richtig. Bo folgt auf. Der schwarze Reiter, von dem die Leute hier am End­see fabeln, hat sein Roß bestiegen und reitet durch Die Nacht.

Tilde schafft mit zusammengebissenen Zähnen, und der Wind treibt sie. Das Wasser ist aufgewühlt, ober es kann dem braven ,Lotteken' nichts antun.

Ich komme!" ruft sie zwischendurch in Abstän­den.Ich komme!"

Hört wieder Rufe, die recht verzweifelt und ängst­lich klingen, sieht im Licht der Blitze bas Schwarze, das wirklich Olsch Brümmers klappriger Kahn ist, sieht aber keine Menschen darin.

Als sie neben dem Kahn tanzt, weiß sie immer noch nicht, was los ist. Der Kahn ist halb voll Wasser, aber sonst leer. Menschen sind nickt darin. Den Kahn muß man seinem Schicksal überlassen. Das Schicksal der Menschen ist wichtiger.

,Hallo!" ruft Tilde.Hallo!"

Und jetzt vernimmt sie ganz deutlichchine Männer­stimme: .Hierher!" <>

Ein paar kräftige Schläge, bann taucht neben dem Bootsranb ein Männerkopf auf und ein Arm greift nach oben. .

.Halten Sie sich hinten am Boot, sonst schmeißen wir um!" ruft Tilde, aber es ist bereits zu spät. Der Ertrinkende hat allen Verstand verloren, ver­sucht sich an dem Bootsranb hochzustemmen, hin­dert Tilde sogar, bas Paddel zu gebrauchen, und

Tilde fühlt, daß sie im Wasser liegt, daß die Kleider sich wie Stricke um sie herumlegen und daß das Boot über ihr lastet. Sie kämpft, fühlt Arme,

die nach ihr greifen; wehrt sich verzweifelt, denkt an alles, was sie über Rettungsschwimmen gelernt hat, und kann es doch nicht anwenden.

Dann weiß sie nichts mehr.

27.

Als sie wieder aufroadjt, liegt sie irgendwo flach am Boden und ein Jemand hantiert an ihren Armen.

Na, da wären wir ja wieder", sagt er und läßt die Arme los.Hat allerlei Mühe gekostet."

Tilde hat die Stimme von Heinz Deetjen wohl erkannt. Well sie es aber nett findet, diese Stimme gerade jetzt zu hören, hält sie die Augen geschlossen und beschließt, bewußtlos zu bleiben. Fühlt sich auf- gehoben, getragen und merkt, daß sie jetzt im Trockenen und nicht mehr im Regen liegt. Und außerdem weicher als vorher.

Dann wollen wir mal weitermachen", sagt die Stimme, und die Schritte entfernen sich.

Tilde schlägt die Augen auf und zwinkert, lieber ihr glimmt eine kleine elektrische Lampe, und im Schein dieser Lampe kann sie sich orientieren. Sie weiß zwar nicht, wie sie hingekommen ist, aber bestimmt ist dies ein Zelt, und wahrscheinlich ist es das Zelt von Heinz Deetjen auf der Runen-insel.

Draußen strömt, wie am ersten Abend, der Regen:

In bas Rauschen des Regens hinein hört sie Worte:Dampfheizung kann ich Ihnen nicht lie­fern, mein Lieber. Seien Sie froh, daß sie und das Mädel überhaupt noch da sind. Hab ich Ihnen nicht gesagt, Sie sollten warten und ich würde Sie auch noch an Land bugsieren? Ladies first, mein Neber, besonders, wenn's ans Ersaufen geht. Wer hat Ihnen denn überhaupt erzählt, baß Sie mit bem alten Klapperkasten Mondscheinpa rtten machen sollten? Niemand hat Ihnen das erzählt eins zwei eins zwei das Wasser, das Sie geschluckt haben, muß raus, mein Guter!"

Do ist Käte?" gurgelt eine andere Stimme.

Wenn Käte das Mädel barstellt, mit dem Sie eben das Familienbad genommen haben, bie liegt nicht weit von Ihnen und ist gerade nicht bei sich."

(Schluß folgt!)

sie.Die Ueber- f bie Runen-

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